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Rund zwanzig Mal stimmte die Schweiz über fremdenfeindlich Volksinitiativen ab – die Bürgerinnen und Bürger lehnten alle ab ausser der «Masseneinwanderungsinitiative». Erst kürzlich scheiterte ganz klar die SVP-Initiative zur «10-Millionen-Schweiz». Doch den meisten Medien waren die 45 Prozent Befürwortende viel wichtiger als die 55 Prozent, die Nein gestimmt hatten.
Mattea Meyer, die Co-Präsidentin der SP Schweiz, sieht darin das Ergebnis eines verbreiteten rechten Narrativs. Dieses lenke soziale Verunsicherung und Abstiegsängste auf ausländische Menschen als Sündenböcke um. Derlei Schuldzuweisung habe sich bis in die Mitte hinein durchgesetzt.
In der jüngsten Folge von «De Weck: im Gespräch» sprechen der Publizist und die Parteichefin über die Schere zwischen »oben« und »unten«, über bürgerlichen Antimoralismus, über linke Armeeskepsis in bedrohlicher Weltlage. Und sie erörtern, warum die Schweizer SP mittlerweile erfolgreicher ist als die meisten Sozialdemokraten in Europa.
In dieser Folge
00:00 Intro
00:58 Narrative der Migrationsdebatte
14:23 Der sozialdemokratische Sonderfall Schweiz
18:56 Wie liberal können linke Positionen sein?
27:56 Politik des Ablieferns und der Emotionen
30:25 Antworten auf Abstiegsängste
33:49 Bürgerlicher Antimoralismus
41:11 Linke Armeeskepsis in der aktuellen Weltlage
49:37 Ein Blick in die Zukunft
Geistiger Aufschwung, kulturelle Impulse, wirtschaftliche Dynamik: Bereits im Mittelalter war die alte Eidgenossenschaft auf Zugewanderte regelrecht angewiesen. Und die Schweiz ist es bis heute.
Doch im kollektiven Gedächtnis werde das ausgeblendet, sagt Historiker André Holenstein: Einwanderung werde oft mehr als Nachteil denn als Vorzug gesehen. Der emeritierte Professor für ältere Schweizer Geschichte an der Universität Bern ist Co-Autor einer Schweizer Migrationsgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Im Podcast-Gespräch mit Publizist Roger de Weck legt er im Vorfeld der Abstimmung zur Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» dar, wie sich das Bild von Zuwanderung im Verlauf der Schweizer Geschichte wandelte. Holensteiun ordnet die heutige Abwehrhaltung vieler Schweizerinnen und Schweizer gegenüber dem vermeintlich Fremden historisch ein.
**Buchhinweis: **André Holenstein, Patrick Kury & Kristina Schulz: «Schweizer Migrationsgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart.» Hier und Jetzt Verlag, 2018.
**In dieser Folge: **
00:00 Intro
Kriege und Handelskonflikte verdrängen die Klimakrise. Für Franziska Ryser ist das sprichwörtliche Wasserglas halbleer – trotzdem bezeichnet sie sich als Optimistin. Als eine, die lieber das aufzeigt, was möglich ist, statt was uns bedroht. Die St. Galler Maschinenbauingenieurin sitzt seit 2019 für die Grünen im Nationalrat.
Das Klima steht in der Schweiz weit oben auf dem Sorgenbarometer. Dennoch verliert die grüne Partei Wähleranteile – und Einfluss im Parlament. Warum? Weshalb ignorieren bürgerliche Kreise zusehends die Ökologie? Und verleiht die geopolitische Lage den erneuerbaren Energien neuen Schwung?
Antworten von Franziska Ryser im Gespräch mit Publizist Roger de Weck.
In dieser Folge:
00:00 Intro
01:21 Was macht die Erderwärmung mit der Schweiz?
06:50 Was tun gegen die Klimamüdigkeit?
13:10 Die Rolle der Medien im Klimadiskurs
15:13 Warum wir Allianzen bilden sollten
20:54 Optimismus oder Realismus?
25:48 Abwehrkämpfe im Parlament
31:50 Von der Markt- zur Machtwirtschaft
35:12 Die Idee einer Flugticketabgabe
43:26 Was tun gegen Wissenschaftsskepsis?
47:36 Das Comeback der Atomenergie
52:41 Konsens als politische Strategie
Sein Departement bezeichnet Bundesrat Pfister als das derzeit Herausfordernste: Vor gut einem Jahr übernahm der Mitte-Politiker und ehemalige Zuger Regierungsrat und Oberst als Nachfolger von Viola Amherd das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) in einer turbulenten Zeit.
Wie steht die Schweiz in der grossen Unordnung der Welt sicherheitspolitisch da? Ist der Verteidigungsminister ein Polykrisenmanager? Und warum steckt bei Rüstungsvorhaben – nicht nur in der Eidgenossenschaft – eigentlich so oft der Wurm drin?
Mit Publizist Roger de Weck zieht Martin Pfister im Podcast «de Weck: Im Gespräch» eine Zwischenbilanz – und spricht über den Zusammenhalt in Europa, hybride Bedrohungen und strukturelle Überforderung der Politik in Umbruchzeiten.
In dieser Folge
00:00 Intro
01:49 Was lässt sich aus der Geschichte lernen?
05:48 Das Dilemma der Sicherheitspolitik
08:26 Globale Grossmächte und neue Bedrohungen
15:58 Was muss geschehen, damit die Schweiz sich verteidigen kann?
21:37 Hybride Bedrohungen – und das Gefühl «Uns passiert doch nichts»
24:00 Braucht es ein neues Verteidigungsbündnis mit Europa?
31:05 Was muss Sicherheitspolitik umfassen?
32:46 Politische Führung und strukturelle Überforderung in unsicheren Zeiten
38:22 Warum haben Rüstungsprojekte einen so schweren Stand?
Warum entgleisen politische Debatten heute so häufig? Warum scheitert gerade bei emotional aufgeladenen Themen der konstruktive Austausch in der Gesellschaft oft, während Hassrede Überhand nimmt?
Die deutsche Politikwissenschaftlerin Julia Rauschenbach hat sich mit diesen Fragen intensiv auseinandergesetzt – und gemeinsam mit dem Journalisten Korbinian Frenzel das Buch «Defekte Debatten. Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen» verfasst. Reuschenbach ist Senior Lecturer für Sozialwissenschaften an der Universität Hamburg.
Im Podcast-Gespräch mit Publizist Roger de Weck spricht Julia Reuschenbach über Polarisierung als Geschäftsmodell und politischen Mut angesichts von Shitstorms und medialer Dauererhitzung. Sie plädiert dafür, Komplexität anzuerkennen statt in Klischees zu verfallen – und erklärt, wie sich auch an der Supermarktkasse zeigt, was es dafür braucht.
Leseempfehlung:
Julia Reuschenbach und Korbinian Frenzel: «Defekte Debatten. Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen», Suhrkamp Verlag, 2024. 318 Seiten.
**In diesem Gespräch: **
00:00: Intro
Kann das Schweizer Politsystem rasch genug auf globale Umbrüche reagieren? Macht der Bundesrat aussenpolitisch seine Hausaufgaben? Und ist neutrale Zurückhaltung heute – angesichts hybrider Kriege, Klimakrise und dem unberechenbaren Gebaren von Donald Trump – nicht überholt?
Der ehemalige Bundeskanzler Walter Thurnherr kennt sowohl Bundesbern als auch die Schweizer Aussenpolitik in- und auswendig. Vor seiner Zeit als «achter Bundesrat» war u.a. Diplomat in Moskau und persönlicher Mitarbeiter des Aussenministers Flavio Cotti. Heute ist der gelernte Physiker Professor an der ETH.
Im Podcast-Gespräch mit Publizist Roger de Weck erklärt Thurnherr, warum sich die Schwere von Krisen erst Jahre später wirklich beurteilen lässt – und inwiefern die aktuelle Weltlage einem Schulhausplatz ohne Aufsicht ähnelt.
Buchhinweis: Walter Thurnherr: «Wie der Bundesrat die Schweiz regiert und weshalb es trotzdem funktioniert», Verlag Kein & Aber, 2025.
In diesem Podcast
00:00 Intro
01:16 Wie die aktuelle Weltlage die Schweizer Aussenpolitik verändert
07:01 Wandel antizipieren – wie gelingt das in unserem Politsystem?
11:23 Hybride Kriege und die Aufrüstung in Europa
19:41 Wie gefährlich ist Russland für die Schweiz?
24:29 Spektakelpolitik und vergessene Krisen
32:38 Die Krisenfähigkeit des Schweizer Systems
36:18 Der ewige Zankapfel Aussenpolitik
43:38 Hat der Bundesrats eine aussenpolitische Strategie?
Was Sie im Podcast erwartet:
Der Freisinn «muss sich fragen, was Freiheit heute bedeutet»: In der Schweizer Politik wird Freiheit postuliert, aber nicht reflektiert. (05:35)
Freiheit ist nicht nur Befreiung von Übergriffen durch die Obrigkeit. Denn «zur Selbstverantwortung gehört Mitverantwortung»: Wir brauchen einen mitfühlenden, sozialen, nachhaltigen Liberalismus. (07:19)
Was hat der Liberalismus zu sagen, wenn in einer Pandemie oder der Klimakrise kollektiv zu handeln ist? Und: Sind Verbote illiberal? (10:42)
Die Gesellschaft hat keinen Begriff mehr für ihre Wohlfahrt. Im Umweltschutz gibt es nicht einmal einen Minimalkonsens für ein kollektives Handeln. (17:18)
Was gemäss dem Osteuropa-Historiker Timothy Snyder die ukrainische Gesellschaft von der russischen unterscheidet. Und warum die Schweiz nur weiss, was sie nicht will. (21:22)
Wie Privatisierungen dem Volk Entscheidungsrechte entziehen. (25:10)
«Ich wende mich nicht gegen Wirtschaftsliberalismus, sondern dagegen, dass er alles andere ausblendet.» (26:32)
Der Paradigmenwechsel im Verständnis von «Verantwortung»: Freiheit wird heute gegen den Gemeinsinn ausgespielt. (27:33)
Wirtschaftsfreiheit war ein Teil der Revolution gegen die Feudalherren – aber heute leben wir in neofeudalen Verhältnissen. (32:50)
«Grosse Ungleichheit ist kein Problem, solange alle Menschen ein menschenwürdiges Leben führen können.» (37:47)
Das Ende von «It’s the economy, stupid!» (40:49)
Liberalismus hat zwar eine Ethik, aber keine politische Theorie – das ist sein blinder Fleck. (45:44)
Der Kern des Liberalismus ist die Ermächtigung der Bürgerinnen und Bürger. (50:40)
Freiheit als nationales «Privileg»: Ist es menschenwürdig, wenn die Eidgenossenschaft 25 Prozent der Bewohnerinnen dieses Landes aus dem politischen System ausschliesst, weil sie keine Schweizer Staatsbürger sind? (53:12)
Gehören die Libertären, die den Staat ablehnen, zur liberalen Familie? (56:20)
Liberalismus – wird dieser Begriff in zwanzig Jahren noch zählen? Der Kampf um die Freiheit als ewiges Projekt. (58:30)
Neutralität stammt vom lateinisch ne uter: «keiner von beiden». Aber was bedeutet das heute, im Russland-Ukraine-Krieg, für die Schweiz? «Wirtschaftssanktionen sind keine Kriegshandlungen», antwortet Martin Dahinden, früher Botschafter in Washington und Chef der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza). Und was wird morgen aus der Neutralität, in Cyberkriegen? Noch wisse es niemand, resümiert der Fachmann, der dazu auch eine Studie verfasst hat.
Was Sie im Podcast erwartet:
Seit 1993 hält der Bundesrat Wirtschaftssanktionen für zulässig – selbst wenn die Uno keine Sanktionen vorsieht (03:07)
Neutralitätsrecht und Neutralitätspolitik – das sind zwei Paar Schuhe. Die Schweiz muss das Neutralitätsrecht achten, aber eine Neutralitätspolitik gemäss den Landesinteressen verfolgen: Neutralitätspolitik ist eine Grauzone (05:18)
Die Überhöhung der Neutralität als Schweizer Identitätsmerkmal: Sie ist in der Bundesverfassung keineswegs das alles überragende Dogma (08:45)
Im Lauf der Geschichte wandelte sich das Verständnis von Neutralität immer wieder (10:45)
Die Wende des Bundesrats – er hätte sie sorgfältiger vorbereiten sollen: «Ich hätte noch drei Tage gewartet» (15:45)
Das Problem mit der Neutralität in Cyberkriegen: Ab wann genau herrscht in hybriden Konflikten «Krieg»? Was tun, wenn von Servern in der Schweiz Angriffe ausgehen? Ist zur Abwehr von Cyberattacken ein Zusammenspiel mit anderen Ländern zulässig? Die Diskussion fängt erst an – und zu wenig Fachleute befassen sich mit solchen Fragen (19:25)
Die Guten Dienste – die Schweiz und andere neutrale Staaten haben auf diesem Feld kein Monopol. Es ist ein heftig umkämpfter Markt, weil man damit nützliche Kontakte und Goodwill erntet (25:59)
Das Pendant zur Neutralität ist das humanitäre Engagement. Aber warum werden Geflüchtete aus dem Syrienkrieg schlechter behandelt als Geflüchtete aus dem Russland-Ukraine-Krieg? (32:50)
Eine neutrale Ukraine mit «Sicherheitsgarantien» des Westens: Was wäre das? Und wie steht es eigentlich um Finnlands und Schwedens Neutralität? (37:25)
Russland oder: Wenn Politik das Gegenteil dessen bewirkt, was sie bezweckt (39:55)
Micheline Calmy-Rey meint, die Europäische Union solle neutral werden wie die Schweiz: Dafür ist die EU zu gross. Auch für die USA ist Isolationismus illusorisch (42:41)
Ist die Schweiz im Jahr 2050 noch neutral? Neutralität ist kein Igel, der die Stacheln zeigt: Neutralität bedeutet nicht, passiv zu bleiben, sondern das eigene Umfeld mitzugestalten. Wäre ein EU-Beitritt vereinbar mit der Neutralität? (46:40)
Was Sie im Podcast erwartet:
Warum steigen die Preise? Ist die Nachfrage zu gross – oder das Angebot zu klein, wegen Corona und unterbrochener Lieferketten? (00:39)
Die deutsche Angst seit der Hyperinflation von 1923. Dabei war es eine Deflation, die dazu beitrug, Hitler an die Macht zu bringen (04:00)
Wieso es im Westen jahrzehntelang keine Inflation gab: Globalisierung, Digitalisierung und Demografie drückten die Preise (07:00)
Die «andere» Inflation: nicht bei den Konsumentenpreisen, sondern bei den Immobilien und an den Börsen (13:11)
Das Emporschnellen der Energiepreise. Und wie sich in Amerika die Lohn-Preis-Spirale zu drehen beginnt, weil der ehemalige Präsident Donald Trump und sein Nachfolger Joe Biden denselben Fehler machten (19:16)
Soll die Europäische Zentralbank eingreifen? (26:49)
Weshalb die Schweiz kaum Inflation hat: Die Aufwertung des Frankens lässt die Preise sinken, und die mögliche Auslagerung der Produktion in billigere Länder begrenzt die Lohnerhöhungen (28:40)
Agieren, aber nicht überreagieren: das Dilemma der Notenbanken, die nun unter politischen Druck geraten (34:36)
Die Lohnabhängigen sind Opfer einer Inflation wie auch einer Rezession als Ergebnis einer Vollbremsung im Kampf gegen die Teuerung (43:25)
Sind Rezessionen «reinigende Gewitter» oder geben sie den Populisten Aufwind? (48:30)
«Main Street» statt Wall Street: Wie die amerikanische Zentralbank Federal Reserve umdenkt und nun den Normalverdienerinnen helfen will (52:10)
Gibt es wirklich eine «grüne Inflation» – und wenn ja, was ist sie? (55:10)
Die linke Moderne Monetäre Theorie (MMT) stimmt – nur nicht in der Praxis (59:05)
Gold schützt nur langfristig vor Inflation. Und wer weiss, was in Inflationszeiten aus den Kryptowährungen wird? (01:04:30)
Die neue Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz übt Selbstkritik: Laut Rita Famos wurde der innerkirchliche Dialog zwischen Befürworterinnen und Kritikern der Konzernverantwortungsinitiative vernachlässigt. Im Adventsgespräch mit Roger de Weck sagt sie: «Wir sind keine Partei. Aber man kann uns nicht entpolitisieren.» Sie erklärt zudem, warum Gott einen Sohn und keine Tochter hat, und spricht über das biblische «Macht euch die Erde untertan» versus die Ökologie, über Kirchenaustritte und den Machtanspruch des Vatikans.
Was Sie im Podcast erwartet:
«Und macht euch die Erde untertan»: Das Verhältnis des Christentums zur Natur (06:09)
Hat Gott ein Geschlecht? (09:57)
Die reformierte Kirche des Wortes im audiovisuellen Zeitalter: Wie der Protestantismus von der Sinnlichkeit des Katholizismus lernen kann (12:26)
Zwei Millionen Mitglieder – aber die Kirchenaustritte schaffen eine depressive Stimmung. Was kann man besser machen? (24:35)
Die Erfahrung als Theologiestudentin in der damaligen DDR: eine kleine Kirche ganz gross (31:31)
Die angebliche Politisierung der Kirche – Selbstkritik nach der Konzernverantwortungsinitiative: «Wir haben den innerkirchlichen Austausch vernachlässigt, und die Beflaggung der Kirchen war ein Fehler» (36:37)
Der Skandal um Vorgänger Gottfried Locher, die umstrittene Aufarbeitung und die Angriffe der «rechtsbürgerlichen Journaille» (43:30)
Wie die evangelische Kirche muslimische Seelsorger ausbildete – eine Weihnachtsgeschichte (49:00)
Dieser Podcast ist eine Produktion der Republik, dem digitalen Magazin für Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur.
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