Der Gipfel der Bildung

Der Gipfel der Bildung

By Jan-Martin Wiarda und Patrick HoneckerSociety & CultureNewsEducationPolitics
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Der Gipfel der Bildung episodes

  • Gipfel der Bildung_33_Andresen
    Der Bildungspodcast mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda

    KINDER HABEN keine starke Lobby in Deutschland, sagt Sabine Andresen. Das zeige sich beim Kinderschutz, bei politischen Prioritäten – und manchmal schon daran, wie Erwachsene reagieren, wenn Kinder einfach nur Kinder sind.

    Andresen ist Professorin an der Goethe-Universität Frankfurt und Präsidentin des Kinderschutzbundes. In einem neuen "Gipfel der Bildung" reden Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda mit ihr über fast 80.000 festgestellte Kindeswohlgefährdungen im vergangenen Jahr. Bedeutet der neue Höchststand tatsächlich, dass es den Kindern in Deutschland schlechter geht? Andresens Antwort ist komplizierter: Die Statistik zeige nur das Hellfeld – und das kann auch deshalb wachsen, weil genauer hingeschaut und häufiger gemeldet wird.

    Warum erreichen Präventionsangebote oft gerade die Familien nicht, die sie am dringendsten brauchen? Warum reichen Kinderrechte im Grundgesetz allein nicht aus? Und warum haben Kinderinteressen politisch so oft das Nachsehen?

    Andresen erzählt, wie sie gemeinsam mit anderen Fachleuten per Offenem Brief das Bundeskanzleramt vor Einsparungen bei der Kinder- und Jugendhilfe gewarnt – und bis heute keine Antwort erhalten hat. Auch bei der Debatte über soziale Medien beobachtet sie einen Widerspruch: Erwachsene wollen Kinder schützen, beziehen sie aber bei der Frage, wie dieser Schutz aussehen soll, viel zu selten ein.

    Dabei sieht Andresen durchaus Ansätze, die funktionieren. Als Beispiel nennt sie die "Frühen Hilfen": Mütter und Väter möglichst früh erreichen, ihnen vermitteln, dass Überforderung zum Elternsein gehören kann – und dass es richtig ist, sich Unterstützung zu holen. Und vor Ort müssten dann Beratungs- und Hilfsangebote bereitstehen, an die sie sich tatsächlich wenden können.

    Am Ende berichtet Andresen, wie sie neulich in einer überfüllten Regionalbahn gesessen habe. Ein Kleinkind war laut und lief herum, die Mitreisenden waren genervt. Seine Mutter habe es schließlich in den Kinderwagen gesetzt und ihm ihr Handy in die Hand gedrückt – woraufhin andere Fahrgäste empört schauten. "Diese Mutter konnte es keinem recht machen", sagt Andresen.

    Was diese kleine Szene über den Platz von Kindern in unserer Gesellschaft erzählt – und warum Eltern es offenbar erstaunlich schwer haben, es richtig zu machen: im neuen "Gipfel der Bildung".

    39 min
  • Gipfel der Bildung_32_Jungwirth
    Der Bildungspodcast mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda

    EIGENTLICH, SAGT Helmut Jungwirth, ist er gar nicht für den Humor zuständig. Er sei schließlich Wissenschaftler. "Ich kann auch ganz schlecht Witze erzählen. Also unterlasse ich das." Vielleicht ist ja genau das das Erfolgsgeheimnis von "Science Busters", dem Wissenschaftskabarett aus Österreich, das als "Kelly Family der Naturwissenschaften" seit vielen Jahren die Theater füllt, inklusive TV-Show, Radioeinlagen und Podcast. Jungwirth und seine Wissenschaftlerkollegen lassen sich vom Kabarettisten Martin Puntigam befragen, es gibt Experimente, Musik und Effekte. Immer mit dabei: Jungwirths Hund Woody.

    Jungwirth ist Molekularbiologe und wurde 2016 Österreichs erster Professor für Wissenschaftskommunikation an der Universität Graz. In einem neuen "Gipfel der Bildung" reden Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda mit ihm über Humor als trojanisches Pferd, den Kampf gegen Verschwörungstheoretiker und die "Tyrannei der Seriosität", unter der, so Jungwirth, die Wissenschaft leide: der Glaube, Forschungsergebnisse würden nur ernst genommen, wenn sie auch ernst kommuniziert würden, "aber das ist de facto nicht so". Die Wissenschaftskommunikation sei "sehr lang zu ruhig gewesen".

    Es gehe ihm nicht darum, das Publikum schlauer zu machen, sagt er, sondern darum, dass die Leute rausgingen und sagten: "Ich hab mich amüsiert, ich habe mich unterhalten und ich habe was dazugelernt, was ich vielleicht vorher nicht gewusst habe."

    Wie weit darf man dabei gehen? Jungwirth erzählt von einer Science-Busters-Nummer über Glutenunverträglichkeit und die Frage: "Ist der Leib Christi glutenfrei?" Grenzwertig, räumt er ein, aber genau deshalb habe er das Thema aus Sicht von Liturgie, Recht, Medizin und Mikrobiologie betrachtet. Es brauche Fingerspitzengefühl, sagt Jungwirth, aber eben auch Mut zur Zuspitzung.

    Er sei eigentlich nur durch Zufall zum Kabarett gekommen, sagt Jungwirth. Aber seitdem kann er nicht mehr aufhören. Und mischt auch auf seinem Instagram-Account "@letsdogabout.science" fleißig Posts über neueste wissenschaftliche Studien mit Clips aus Fernsehshows und den "Science Facts des Tages". Zum Beispiel: "Warum denken Menschen, sie hätten Recht, auch wenn sie sich irren?"

    Und manchmal hilft die Bühne auch gegen die eigene Eitelkeit. Als er einmal mit Hund Woody über den Grazer Campus ging, erzählt Jungwirth im Gespräch mit Honecker und Wiarda, hätten Studierende ihm von einem Balkon etwas zugerufen. Jungwirth dachte, sie hätten ihn aus dem Fernsehen erkannt, und war ein bisschen stolz auf sich. Bis klar wurde: Gemeint war nicht er, sondern Woody.

    Ein Podcast über Bühnenmut, Bauchgefühl und die Frage, wie viel Leichtigkeit Wissenschaft verträgt. JMW.

    34 min
  • Gipfel der Bildung_31_Seeberger
    Der Bildungspodcast mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda

    SCHLECHTE NACHRICHTEN aus dem Bildungssystem sind zur Gewohnheit geworden: Der IQB-Bildungstrend zeigt seit Jahren, dass Schüler schlechter lesen, schreiben und rechnen können, doch der große Aufschrei bleibt aus. In einem neuen "Gipfel der Bildung" sprechen Jan-Martin Wiarda und Patrick Honecker darüber, warum der Bildungsfrust in Lethargie umgeschlagen ist – und weshalb genau das politisch gefährlich werden könnte.

    Die Hauptperson der Podcast-Folge lenkt den Blick auf ein Gegenmittel: wenn die Wissenschaft für Menschen spürbar zur Gestaltungskraft ihrer Zukunft wird. Peter H. Seeberger ist Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, DFG-Vizepräsident – und Gründungsdirektor des neuen Center for the Transformation of Chemistry (CTC) im Mitteldeutschen Revier. Seeberger sagt über sich selbst und seine vielfältigen Rollen: "Ich bin Wissenschaftler, ich bin Forscher – und alles andere wächst daraus heraus."

    Das CTC soll eines der größten Forschungszentren Ostdeutschlands werden, finanziert mit 1,2 Milliarden Euro aus dem "Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen". Das Ziel: die Chemieindustrie grundlegend von fossilen Rohstoffen zu lösen und zugleich neue Wertschöpfung und Arbeitsplätze in den ehemaligen Kohleregionen zu schaffen.

    Ein Gespräch über eine Generationenaufgabe und missionsgetriebene "Moonshots": vom selbstfahrenden Chemielabor bis zum vollständig recycelbaren Auto. "Wenn wir das hinbekommen, dann können wir im Grunde alles wiederverwerten", sagt Seeberger.

    Er ist überzeugt, dass Forschung künftig stärker auf gesellschaftliche Wirkung zielen muss. Es gehe um technologische Souveränität, industrielle Resilienz und die Rolle der Wissenschaft im Strukturwandel – passend zur Hightech-Agenda der Bundesregierung. Seeberger sagt: "Wenn wir der Bevölkerung in 15 Jahren 50 Nature- und Science-Paper hinlegen und sagen: Schaut, wir haben schöne Arbeiten geschrieben – dann werden viele sagen: Davon haben wir nichts."

    44 min
  • Gipfel der Bildung_30_Johannes Buchmann
    Der Bildungspodcast mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda

    ER WAR LEHRER, Informatiker, Kryptografie-Experte – und spricht jetzt über Achtsamkeit und Selbstregulation: Johannes Buchmann, Mitglied der Leopoldina, hat gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen eine Empfehlung zur "Förderung der Selbstregulationskompetenzen von Kindern und Jugendlichen" vorgelegt.

    In einem neuen "Gipfel der Bildung" mit Jan-Martin Wiarda und Patrick Honecker erklärt Buchmann, warum Kinder und Jugendliche lernen müssen, ihr Verhalten bewusst zu steuern – und warum das für Erfolg und persönliches Wohlbefinden genauso wichtig ist wie Lesen, Schreiben und Rechnen.

    "Selbstregulationskompetenzen sind hoch prädiktiv für den Bildungserfolg", sagt Buchmann. Wer früh lerne, Aufmerksamkeit, Motivation und Emotionen zu steuern, komme besser durchs Leben, habe stabilere Beziehungen – und bessere Chancen in der Schule. Studien zeigten, dass besonders Kinder aus bildungsfernen Haushalten von gezielter Förderung profitieren.

    Klingt ein wenig nach Achtsamkeitskurs und Yoga im Klassenzimmer, doch Buchmann meint es evidenzbasiert, die Leopoldina-Empfehlung stützt sich durchgehend auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Buchmann, die Förderung solle früh beginnen, idealerweise schon in der Kita, dann fortgesetzt in der Schule – durch Rollenspiele, gezielte Übungen, achtsamkeitsbasierte Ansätze.

    Der Ausgangspunkt für die nächste wenig fruchtbare Debatte über ein neues Schulfach? Auf keinen Fall, sagt Buchmann, eine solche Debatte brauche keiner. Vielmehr gehe es darum, dass Lehrkräfte und Erzieherinnen Kindern Freiräume und Unterstützung zugleich gäben.

    Doch auch die Umwelt müsse mitspielen: In einer digitalen Welt, sagt Buchmann, werde Selbststeuerung zur Herausforderung. Soziale Medien unterliefen gezielt die Fähigkeit zur Konzentration. Deshalb brauche es "Regulierung und Stärkung zugleich", kindgerechte digitale Umgebungen und systematisches Training im Alltag.

    Im kommenden Jahr soll in Heilbronn eine bundesweite Konferenz zur Umsetzung stattfinden, gefördert von der Dieter-Schwarz-Stiftung, mit Bundesbildungsministerin Karin Prien als Schirmherrin. Ziel: Selbstregulation als Leitperspektive im deutschen Bildungssystem zu verankern.

    Am Ende bringt Buchmann es auf den Punkt: "Wenn Sie diese Kompetenz zur Selbstregulation nicht haben, dann können Sie nichts lernen." In einer Welt voller Ablenkungen, so Buchmann, sei die Fähigkeit zur Selbststeuerung "eine Grundvoraussetzung allen Lernens". Und damit vielleicht die wichtigste Zukunftskompetenz überhaupt?

    Ein Podcast über Achtsamkeit ohne Esoterik, über Psychologie als Bildungspolitik und über die Frage, warum Konzentration zur Bildungsressource geworden ist.

    34 min
  • Gipfel der Bildung_29_Joeran Muuss-Merholz
    Der Bildungspodcast mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda

    "Schule war nie dafür gedacht, sich ständig neu zu erfinden", sagt Jöran Muuß-Merholz – "aber genau das muss sie jetzt lernen." Der Bildungsexperte und Autor des Buches „Schule 2035. Lernen nach Digitalisierung und KI“ entwirft im neuen Gipfel der Bildung mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda ein Zukunftsbild der Schule, das weniger fragt, was sie leisten soll, sondern wohin sie sich entwickeln will.

    Muuß-Merholz plädiert für ein aktives Zukunftsdenken: Schulen sollten sich nicht nur reformieren, sondern lernen, strategisch zu gestalten. Denn, so seine Diagnose: „Wir tun so, als seien wir uns einig, dass Schule sich ändern soll – aber wenn man fragt, wie genau, endet der Konsens sofort.“ In seinem Buch beschreibt er fünf Schulen des Jahres 2035 – von einem digitalfreien Manfred-Spitzer-Lyzeum bis zur UN-Schule, in der Schülerinnen und Schüler selbst entscheiden, wann und was sie lernen. Fiktional, ja – aber auf realen pädagogischen Konzepten basierend.

    "Diese ganzen aktuellen Diskussionen um KI und Digitalisierung sind verdeckte Fragen danach, welche Schule wir wollen", sagt Muuß-Merholz. Und er ist überzeugt: Zukunftsbilder helfen nicht nur beim Denken über morgen – sondern schon beim Handeln heute.

    Ein Podcast über Zielbilder, Fehlanreize und die Frage, wie KI pädagogisches Handeln wirklich verändern kann. Und darüber, warum Zukunftsbilder für die Gegenwart wichtiger sind, als viele glauben.

    Jetzt reinhören – überall, wo es Podcasts gibt. Und hier direkt.

    35 min
  • Gipfel der Bildung_28_Pluennecke
    Der Bildungspodcast mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda

    "Eigentlich müssten Länder und Bund prioritär in die Hochschulen investieren", sagt Axel Plünnecke – "doch sie tun es nicht." Der Bildungsökonom vom Institut der deutschen Wirtschaft erläutert im neuen Gipfel der Bildung mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda eindringlich, warum gerade jetzt – angesichts von Transformation, Fachkräftemangel und demografischem Wandel – mehr Geld denn je in die Hochschullandschaft fließen müsste. Und warum es trotzdem allzu oft nicht geschieht.

    Plünnecke rechnet vor: Ein Jahrgang internationaler Studierender koste den Staat rund 2,4 Milliarden Euro – bringe aber langfristig über 15 Milliarden zurück. Doch im föderalen System gebe es ein zentrales Dilemma: "Der Investor einer hoch rentierlichen Anlage ist nicht der, der die Rückflüsse bekommt." Gemeint ist: Wenn ein Bundesland in die Ausbildung investiert, profitieren häufig andere – etwa durch spätere Steuerzahlungen oder Sozialabgaben von Absolvent:innen, die in ein anderes Bundesland oder ins Ausland ziehen. "Das führt zu Fehlanreizen, weil lokal investiert wird, aber die gesamtgesellschaftlichen Erträge anderswo ankommen."

    Das Gespräch beleuchtet nicht nur strukturelle Schwächen der Bildungsfinanzierung, sondern auch das enorme Potenzial der Hochschulen – als Gründungshubs, Forschungszentren, Orte der Weiterbildung und Weltoffenheit. "Hochschulen sind der Königsweg der Zuwanderung – gerade aus demografisch starken Drittstaaten."

    Plünnecke, der zur ersten Generation seiner Familie mit Studienabschluss zählt, wirbt zugleich für einen differenzierten Blick auf Bildungswege. "Mir ist wichtig zu sagen: Nicht studieren ist kein Bildungsabstieg." Entscheidend sei, dass junge Menschen die Freiheit hätten, den für sie passenden Weg zu wählen – ob Ausbildung oder Studium. "Es geht um Chancen und Optionen. Kann ich das wählen, was ich gerne wählen möchte?"

    Ein Podcast über Zahlen, Anreize – und darüber, welchen Beitrag Hochschulen wirklich für die Zukunft leisten können.

    36 min
  • Gipfel der Bildung_27_Langner
    Der Bildungspodcast mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda

    "LERNEN IST KEIN vorhersehbarer Prozess", sagt Anke Langner, Professorin für Erziehungswissenschaft an der TU Dresden – und Initiatorin einer der wohl spannendsten Schulgründungen der vergangenen Jahre: der Universitätsschule Dresden. Ein Reallabor für die Schule der Zukunft, das mehr will als schöne Projekte: Es will systematisch anders sein – und bleibt dabei öffentlich, staatlich, regulär.

    Im neuen Gipfel der Bildung erzählt Langner, warum an ihrer Schule keine klassischen Fächer mehr unterrichtet werden, warum die Schülerinnen und Schüler ihren Stundenplan selbst gestalten – und warum es dennoch nichts mit "Kuschelpädagogik" zu tun hat. "Wir versuchen, den Lernprozess jedes einzelnen Schülers eng zu begleiten."

    Mit klarer Haltung erklärt sie, warum sie trotz aller Skepsis an der Idee festhält, dass Schule individuelle Wege ermöglichen und zugleich gemeinsames Lernen stärken kann. "Die Wirtschaft kann auch für jeden ein individuelles Auto bauen." Und sie zeigt, wie stark der Anspruch ist, Bildungsungleichheit nicht nur zu beklagen, sondern konkret zurückzudrängen.

    Doch das Projekt ist gefährdet: Die Schule ist in einem DDR-Bau untergebracht, die Stadt Dresden verlangt Eigenmittel für den Schulneubau, obwohl die Universitätsschule eine staatliche Schule ist. "Stell dir vor, du gehst in eine öffentliche Schule und sollst das Schulhaus mitfinanzieren." Über zwei Millionen Euro an Spenden sind schon zusammengekommen, Langner und ihr Team kämpfen weiter – nicht aus Prinzip, sondern aus Überzeugung. Für eine Schule, die sich nicht an der Vergangenheit, sondern an der Zukunft orientiert.

    Ein Gespräch über Mut, Widerstände – und warum die Universitätsschule zeigt, dass Bildungsgerechtigkeit keine Utopie sein muss. Jetzt reinhören – hier und überall, wo es Podcasts gibt.

    31 min
  • Gipfel der Bildung_26_Strohschneider
    Der Bildungspodcast mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda

    SEINE ZWEITE KARRIERE begann mit einem Anruf. "Wären Sie bereit, dass wir Sie dem Herrn Bundespräsidenten für einen Sitz im Wissenschaftsrat vorschlagen?", sei er gefragt worden. Seine Gegenfrage lautete: "Was bedeutet das für meine Arbeitsbelastung?" Und dann, erzählt Peter Strohschneider, der zu dem Zeitpunkt Professor für Germanistische Mediävistik an der Universität München war, habe er die "übliche Lüge" zu hören bekommen: "Na ja, die treffen sich da so viermal im Jahr." Ein Jahr später bereits sei er Vorsitzender des Wissenschaftsrats gewesen. "Und mit den vier oder zwölf Arbeitstagen war es dann schon mal nix."

    Strohschneider, 2005 bis 2011 Mitglied des Wissenschaftsrats und 2006 bis 2011 Vorsitzender dieses wichtigsten wissenschaftspolitischen Beratungsgremiums von Bund und Ländern, redet in einem neuen "Gipfel der Bildung" über sein Verständnis von Wissenschaft und was es für seine Arbeit bedeutet hat: als Wissenschaftler, als Wissenschaftsratvorsitzender und anschließend als Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft zwischen Anfang 2013 und Ende 2019.

    "Mein eigenes höchst subjektives Experiment, seit ich Wissenschaftsverwaltung und Wissenschaftspolitik mache, besteht immer wieder darin, auszuprobieren, wie weit man in politische und institutionelle Machtzusammenhänge vorstoßen kann", sagt der 69-Jährige. "Ohne die Beobachtungsposition, ohne diese analytische Distanz preiszugeben. Und das ist immer wieder ein offenes Experiment."

    Etwa als er im April 2017 beim March for Science mitgelaufen sei als Reaktion auf die erste US-Präsidentschaft von Donald Trump. Auch zu dieser Demonstrationsteilnahme in seiner Rolle als, wie Strohschneider sagt, "politischer Akteur" habe er zugleich eine kritische Distanz gehabt, "weil ich meine, dass solche Transparente und Parolen wie 'Follow the Science' oder 'Über Fakten kann man nicht diskutieren' die erkenntnistheoretische Komplexität wissenschaftlicher Wissensproduktion dramatisch unterbieten". Sie seien im Grunde ein Ausdruck einer Wissenschaftsgläubigkeit, "die sich selber gar nicht kritisch reflektieren kann".

    Über diese Art naiver Wissenschaftsgläubigkeit, wenn sie sich mit einem tendenziell undemokratischen Machtanspruch verbindet, hat Strohschneider ein neues Buch geschrieben. "Wahrheiten und Mehrheiten. Kritik des autoritären Szientismus", heißt es, und über die Auswüchse und Folgen dieses Szientismus am Vorabend der zweiten Trump-Präsidentschaft redet er auch im Podcast mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda. Es geht um Querdenker, Wissenschaftsfeindlichkeit, die unpräzise Anwendung solcher Begriffe – und um Donald Trumps instrumentelle Auffassung von Wissenschaft.

    Von sich selbst sagt Peter Strohschneider, er habe Freude daran, öffentlich zu reden. Auch eine Vorlesung sei eine Art von öffentlicher Rede, "und auch das ist etwas, was ich mit Vergnügen gemacht habe. Also vielleicht ist mir eine gewisse Rampensauhaftigkeit nicht vollständig fern."

    Was die Zukunft der liberalen Demokratie betreffe, könne er sich nicht zwischen Pessimismus und Optimismus entscheiden, sagt der Mediävist. Die liberale Demokratie befinde sich "in einer wirklich herausfordernden und auch ihre Grundlagen – den Common Ground einer gemeinsamen, eines gemeinsam getragenen Rationalitätsrahmens zum Beispiel –provozierenden Phase". Und daraus folgere er: "Man muss, man muss für diese liberale Demokratie streiten. Dass dieser Streiterfolgreich sein kann, davon halte ich mich überzeugt. Ob er erfolgreich sein wird, das ist tatsächlich eine offene Frage."

    30 min
  • Gipfel der Bildung_25_Authentische Hochschule
    Der Bildungspodcast mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda

    NACH DER ENTFESSELUNG kommt die Authentizität – zumindest wenn man einem neuen Aufschlag aus dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) glaubt. Dieser einst von Bertelsmann-Stiftung und Hochschulrektorenkonferenz gegründete Think Tank treibt seit genau 30 Jahren mit seinen Analysen, Studien und Positionspapieren die Hochschulen vor her, je nach Position ist er wichtiger Impulsgeber oder Durchdrücker neoliberalen Gedankenguts.

    Geschäftsführer Frank Ziegele und Prokurist Ulrich Müller, verantwortlich für politische Analysen, haben jetzt gemeinsam ein neues Buch veröffentlicht, Titel: "Die authentische Hochschule – Wirksame Hochschulidentitäten in Zeiten des Umbruchs". Klingt nach hochschulpolitischer Psychoanalyse?

    Das mit der Entfesselung der Hochschulen habe in den vergangenen Jahrzehnten ganz gut geklappt, sagt Frank Ziegele. "Aber jetzt geht es mehr darum, was die Hochschulen mit ihrem Freiraum machen und wie sie den noch weiterentwickeln." Die Bedingungen dafür seien heute so gut sind wie nie zuvor. Ulrich Müller spricht von einer gleichzeitigen "Erwartungsexplosion" von außen gegenüber dem, was Hochschulen sein und leisten sollen. "Sie können sich besser als je zuvor profilieren, sie müssen es aber auch."

    Was bedeutet das praktisch zwischen Lehre, Forschung und Transfer, zwischen internationaler Spitzenwissenschaft und Verankerung in der Region? Wie diskutiert eine Hochschul-Community erfolgreich aus, was die "richtige" Identität für sie ist? Und was passiert mit den Hochschulen, die an der Aufgabe scheitern, sich ein unverwechselbares Profil zu geben?

    Frank Ziegele und Ulrich Müller sagen es in einem neuen "Gipfel der Bildung", dem Bildungspodcast mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda.

    36 min
  • Gipfel der Bildung_24_Riegraf Simon
    Der Bildungspodcast mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda

    "UM UNS HERUM verändert sich die Welt sehr schnell. die Universität kann es sich nicht leisten, auf Stillstand zu setzen", sagt Birgitt Riegraf, Noch-Präsidentin der Universität Paderborn. Noch – weil sie sich gar nicht erst zur Wiederwahl gestellt hat.

    Die Paderborner Hochschulratsvorsitzende Dagmar Simon hatte vergangenes Jahr sogar ihren Rücktritt erklärt. Beide Wissenschaftsmanagerinnen sagen, sie hätten andere Auffassung von Governance, also der Universitätssteuerung, gehabt als der Akademische Senat.

    Die Soziologin Riegraf hatte die Universität seit 2018 geführt. Simon, Beraterin und Gastwissenschaftlerin am WZB, war seit 2017 Hochschulratsvorsitzende. Im "Gipfel der Bildung" sprechen sie mit Jan-Martin Wiarda und Patrick Honecker über unterschiedliche Management-Verständnisse in Universitäten. Dabei gehe es ihnen nicht so sehr um die Situation in Paderborn als um eine Beschreibung ähnlicher Spannungsfelder an Hochschulen überall im Land, sagen sie.

    Riegraff zweifelt dabei an, dass die bestehenden Strukturen Hochschulen strategiefähig machten. Ein "Gleichgewicht des Schreckens" existiere, betont auch Simon. Eine Governance, die eigentlich auf Austarieren setzen muss, stelle ein Problem dar.

    Mit welchen externen und internen Herausforderungen müssen sich Hochschulleitungen auseinandersetzen? Was sind die Stärken und Schwächen der Governance deutscher Hochschulen, und wo besteht der größte Handlungsbedarf?

    Im Podcast suchen die beiden Wissenschaftsmanagerinnen nach Antworten. Nichts gegen akademische Selbstverwaltung, betonen sie dabei mehrfach: Man müsse nur mal dringend überlegen, wie man zum Beispiel einen akademischen Senat zu mehr strategischem Denken bewegen könne.

    42 min

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Der Bildungspodcast mit Bildungsjournalist Jan-Martin Wiarda und Kommunikationsexperte Patrick Honecker plus spannenden Gesprächspartnern.