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SIE ist Lehrerin für Englisch und Kunst an einer Sekundarschule in Berlin-Neukölln. Von der Sorte, wie sie in Medien schnell als "Brennpunktschule" bezeichnet wird. Doch Ada M. Hipp, die in Wirklichkeit anders heißt, glaubt an ihre Schüler. In Gastbeiträgen hier im Blog hat sie über ihren täglichen Kampf gegen die Leseschwäche ihrer damaligen Siebtklässler berichtet, über das Klassenzimmer als Ort des Rassismus – und über einen Besuch im Potsdamer Museum Barberini, als schon die Hinfahrt zu einem Abenteuer wurde. Hipp glaubt an das, wie sie sagt, "verdammte Recht" ihrer Schüler, alle sich bietenden Möglichkeiten zur Bildung zu nutzen.
In einer neuen Folge von "Gipfel der Bildung" stellt sie sich nun den Fragen von Jan-Martin Wiarda und Patrick Honecker. Sie erzählt, wie es war, als in der DDR aufgewachsene Lehrkraft erst an einer Schule im Ostteil Berlins zu arbeiten, wo rechtsradikales Gedankengut unter den Schülern kursierte, und dann nach Neukölln an eine Schule zu kommen, wo 100 Prozent ihrer Schüler aus Einwandererfamilien stammen. Und sie sagt, warum sie ihre Beiträge unter einem Pseudonym verfasst hat – um im Podcast-Gespräch dann doch ihren echten Namen zu nennen.
"DIE WELT HAT PROBLEME, die Uni hat Fächer", sagt Ada Pellert. Es ist ihr Lebensthema als Wissenschaftlerin: wie die Organisation Hochschule sich immer wieder neu erfindet. Weil, wie die 61 Jahre alte Österreicherin sagt, auch jede Generation den Begriff Bildung "neu definieren und mit Leben füllen" müsse. "Das ist für mich eigentlich die Mission einer Universität im 21. Jahrhundert", sagt Pellert. Das Problem ist allerdings, dass sich Hochschule mit Veränderung außerordentlich schwer tut. "Allein die Vorstellung, man sperrt 700 Menschen des Morgens ins Audimax, führt noch nicht automatisch zur Persönlichkeitsbildung", sagt sie.
Pellert ist seit 2016 Rektorin der Fernuniversität in Hagen, der ersten und einzigen staatlichen Fernuniversität in Deutschland mit 70.000 eingeschriebenen Studierenden. Bis dahin war es ein langer Weg mit vielen Stationen, aber immer wieder dem einen Thema: der Transformation von Hochschule und Bildung. Die Expertin für Weiterbildung und Bildungsmanagement war Vizerektorin der Universität Graz und danach an der auf berufsbegleitende Weiterbildung spezialisierten Donauuniversität Krems, sie war Gründungspräsidenten der Deutschen Universität für Weiterbildung in Berlin und Präsidentin der Carl Benz Academy in Peking.
In einem neuen "Gipfel der Bildung" sprechen Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda mit ihr über Fragmentierungen im Bildungssystem, die Pellert nur noch "grausam" findet, über die Zukunft der Hochschule, über das berechtigte und unberechtigte Hoffen auf neue Lerntechnologien.
"Wenn wir Transformation ernst nehmen, ist Weiterbildung und lebenslanges Lernen das Mittel, das wir zur Umsetzung brauchen", sagt sie. Bildung als Chance, Bildung aber auch als soziale Frage, denn tatsächlich seien die Menschen im Lebensalter zwischen 25 und 75 auf sich allein gestellt, sagt Pellert. "Das ist nicht gut, da kommt es dann zu so einem Matthäus-Prinzip: Die haben, denen wird gegeben. Aber was passiert mit den vulnerableren Zielgruppen?"
Die institutionelle Hoffnung der Hochschule in Hagen und anderswo sei, dass Bildung mithilfe der Künstlichen Intelligenz noch einmal anders personalisiert werden könne. "Da ist ein Potenzial, dass Bildung einfach besser werden kann und für mehr Menschen zugänglich", sagt Pellert. Und man spürt in jeder Minute dieses Podcasts: Die Frau, die ihr ganzes Leben als Wissenschaftlerin der Veränderung der Organisation Hochschule gewidmet hat, glaubt ganz fest an diese Jahrhunderte alte emanzipatorische Idee: Bildung als Schlüssel der Persönlichkeitswerdung.
MANCHMAL, SAGT JACOB CHAMMON, sei seine Herkunft ein echter Vorteil. So nach der Art: "Ach, der nette Däne", der ein bisschen komisch rede und ungewöhnliche Sachen sage.
Und zu sagen hat Chammon, seit August neuer Geschäftsführer der Telekom-Stiftung, viel. Bildung, Digitalisierung, Teilhabe und Bildungschancen für alle, das sind seine Themen. Innerhalb weniger Jahre ist der Mann, der vor einem guten Jahrzehnt noch Lehrer in Kopenhagen war, damit zu einer nicht mehr wegzudenkenden Stimme im deutschen Bildungsdiskurs geworden. Eine Stimme, die zur Transformation mahnt und gleichzeitig Lust auf sie machen will.
Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda haben ihn für einen neuen "Gipfel der Bildung" getroffen. Im Podcast-Gespräch erzählt Chammon, was ihn vor zwölf Jahren nach Süden trieb. Wobei er sagt: "Eigentlich bin ich nach Berlin gezogen und nicht nach Deutschland." Er sei immer noch fasziniert von dieser Großstadt mit ihren dreieinhalb Millionen Einwohnern, wo zwar vieles nicht funktioniere, aber eine menschliche Nähe herrsche, die er sonst nirgendwo erlebt habe.
So sehr er wegen der Stadt hergezogen ist, so wenig wegen der Bildung, räumt der Lehrer für Deutsch, Dänisch, Geschichte und Musik ein. Und deshalb sei er erstmal konsterniert gewesen, als er das deutsche Bildungssystem von innen kennenlernte – an der Deutsch-Skandinavischen Gemeinschaftsschule in Berlin, wo er anfing und innerhalb weniger Jahre zum Schulleiter aufstieg. Nach den monatlichen Schulleiterbesprechungen im Bezirk hätten er und eine andere internationale Kollegin immer erstmal ins KaDeWe gehen müssen, zum Champagnertrinken und zur Verarbeitung. So machtlos hätten sie sich gefühlt. "Aber lustigerweise war das immer für mich so eine Motivation zu zeigen, wir können auch anders."
2015 war er der erste Schulleiter, der in Berlin ein offenes WLAN an einer Grundschule installierte, Demonstrationen bis hinein in sein Büro damit auslöste – und eine Debatte und, wie Chammon sagt, "gute Gespräche". Wenn man ihn fragt, warum sich Deutschland mit Veränderungen jeglicher Art schwertut, sagt er, in Deutschland würden nicht das Problem und seine Lösungen in den Vordergrund gestellt. "Wir springen nicht über unsere eigenen Schatten, um das Problem zu lösen. Unser ganzes System ist ausgerichtet darauf, dass wir uns nicht anklagbar machen", es gehe um "Rechtssicherheit".
Chammon sagt "wir", wenn er die Deutschen meint, und er sagt "wir", wenn er von Dänemark spricht – was zeigt, wie er sich auch gedanklich zwischen den beiden Systemen bewegt. Deutschlands großer Unterschied zu Dänemark sei, sagt er, dass ein kleines Land sich nicht auf eine solche Kraft und Breite seiner Wirtschaft und seines Mittelstandes stützen könne. Weshalb es "immer innovativ vorangehen und dann auch vielleicht damit Fehler machen" müsse.
Ein trotz allem optimistisches Podcast-Gespräch über die Zukunftskompetenzen, die Schüler brauchen, über die Geschichte und die Wandelbarkeit des Föderalismus, neue Prüfungsformate in Zeiten der KI – und die Lehrerbildung.
Chammon sieht ein Zeitfenster für die Transformation der deutschen Schulen, das gerade offen sei, die "große Chance" der "geballten Schwarmintelligenz". Es ist dieser Optimismus, der Chammon aus dem Schulleiterjob heraus in die deutsche Stiftungsszene katapultiert hat, erst als geschäftsführender Vorstand des Forums Bildung Digitalisierung und schließlich zur Telekom-Stiftung. Er sagt: "Wenn der Riese sich bewegt, dann wird auch zugehört oder da auch wird mitgetanzt."
DREI ERC-GRANTS hat Jens Eisert bislang eingeheimst. Der 52 Jahre alte Professor für Theoretische Physik gehört zu den weltweit meistzitierten Wissenschaftlern auf dem Feld des Quantenrechnens und komplexer Quantensysteme.
Und er liebt es, über seine Forschung zu sprechen. So anschaulich, dass auch Nichtexperten verstehen, was ihn an seinem Forschungsgebiet fasziniert – und warum die deutsche Politik eine Zeitlang in einen regelrechten Quantenrausch geraten ist.
Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda haben ihn zu einem neuen "Gipfel der Bildung" getroffen. Eisert, seit 2011 am Dahlem Center for Complex Quantum Systems der Freien Universität Berlin, spricht über Hype Cycles und die bestechend andere Architektur von Quantenrechnern – und über voreilige und berechtigte Erwartungen.
Das Außergewöhnliche an Quantenrechnern sei, sagt Eisert, dass sie auf der Basis kleinster physikalischer Systeme arbeiteten, in Form einzelner Atome, Photonen und Ionen, "und dass auf dieser Ebene die Natur extrem und radikal anders funktioniert, als wir das in unserer Alltagserfahrung der Welt, die wir wahrnehmen, kennen".
Im Augenblick seien diese Computer noch "verstaubt, verrauscht, halb groß", aber wenn sie einmal "ganz fertig" seien, dann würden sie "wirklich unfasslich rechnen" und Probleme lösbar machen, "die man sonst nicht lösen kann". Was auch Eisert nicht sagen kann: ob und wann das gelingt – und ob das, was die Rechner jetzt schon können, "nur ein Vorgeplänkel auf das richtige Ding" sei.
Für Eisert ist freilich schon der Weg dahin das Ziel. Das, was für ihn die Mathematik und Physik so besonders macht: dass "in postmodernen Welten, wo so viele Aussagen nebeneinander und quer durcheinander gehen", man in seinem Forschungsfeld "sehr konsenslastig" arbeiten könne. "Völlig ohne Kontext kann man an die Tafel gehen und kommt zu gemeinsamen Ergebnissen."
Politisch scheint der Quantenrausch dagegen schon wieder vorbei zu sein: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz will den Mittelansatz fürs Quantencomputing allein nächstes Jahr um 170 Millionen Euro zusammenstreichen, wie eine Ministeriumssprecherin bestätigte, als "Teil der notwendigen Konsolidierung im BMWK-Etat".
Eisert wird es nicht stören. Er ist selbst gespannt, wie weit ihn und seine Kollegen die Erforschung des Quantenrechnens trägt. Das sei so ähnlich wie in der Energieforschung, sagt er. "Zwischen kleinem Kohlekraftwerk und erfolgreicher Kernfusion ist alles drin."
ER KENNT die Jugendlichen von Neukölln-Nord und ihre Lebenswelten wie kaum ein zweiter. Seit vielen Jahren ist Detlef Pawollek Rektor im Bezirk, früher an einer Hauptschule, inzwischen leitet er die Röntgen-Sekundarschule. Das sei ein sehr belastender Job, sagt er. "Aber ich könnte es mir nach all den Jahren auch nicht mehr anders vorstellen."
Pawollek ist zu Gast in einer neuen Folge des Podcasts "Gipfel der Bildung". Mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda spricht er unter anderem über die Berliner Silvesterkrawalle. "Wenn Sie so wollen", sagt er, seien diese "jetzt das Produkt dessen, was über Jahre hinweg in diesem Bezirk zu beobachten ist und auch gelebt wird".
An der Art, wie er redet, merkt man, dass Pawollek seine Schülerinnen und Schüler am Herzen liegen. Vielleicht formuliert er gerade deshalb oft harte Sätze. Diesen zum Beispiel: "Wenn sie in einem Sozialraum leben, der von andern Maßstäben beherrscht wird, da gehts nicht darum, dass man sich tugendhaft verhält, sondern darum, dass man in dem Bezirk, in den Straßen überlebt und Respekt bekommt." Es herrsche eine "weit verbreitete seelische Armut", nicht selten beobachte er auch massive psychische Erkrankungen in den Familien.
Pawollek, der sich in der GEW-Vereinigung Berliner Schulleiterinnen und Schulleiter engagiert, sagt, es brauche Menschen, "die für diese Jugendlichen da sind. Meine Überzeugung ist meine Motivation." Seine Möglichkeiten als Schulleiter sieht er jedoch als begrenzt an. So gebe es an der Röntgen-Schule eine "extrem gute Berufsorientierung. "Aber wir bringen nur knapp sieben Prozent der Kinder in eine duale Ausbildung. Das ist verschwindend gering und schon fast peinlich."
Aber was solle er tun, sagt Pawollek. "Ich kann nicht in den Sozialraum hineinwirken. Wenn die Schüler in die Schule kommen, kommen sie in eine andere Welt." Die soziale Schichtung spiele eine entscheidende Rolle. Aber wie oft kommt es vor, dass sich zum Beispiel die Welten von Migranten und Nichtmigranten wirklich mischten? "Enge Freundschaften? Ehen? Selten!"
Pawolleks Forderung: "Staatlicherseits müsste endlich ein Umdenken erfolgen, weg von der Alimentierung. Wie kann ich einer mehrköpfigen Familie überhaupt deutlich machen, dass die Erwerbsbiografie wichtig ist, wenn sich eine lohnende Erwerbsbiografie, wie wir sie kennen, in ihren Reihen überhaupt nicht abbildet?"
SIE GEHÖRTE zu den weniger beachteten Taten von Ex-Bundesverkehrminister Andreas Scheuer (CSU): die Einrichtung von bundesweit sieben Fahrradprofessuren. Eine von ihnen hat Angela Francke übernommen, seit Sommersemester 2020 Leiterin des Bereichs Radverkehr und Nahmobilität an der Universität Kassel. Sie ist zu Gast in einem neuen Gipfel der Bildung mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda, und sie sagt: Als Gesellschaft "haben wir einen Windschutz-Scheiben-Blick, sehr autozentriert. Radfahrer:innen werden oft noch als Provokateure verstanden."
Das will sie durch ihre Forschung und Lehre ändern. Aber wo genau verlaufen eigentlich die Grenzen zwischen Wissenschaft und Aktivismus? Welche Einstellung hat eine Fahrradprofessorin gegenüber Autofahrern, und was genau meint sie, wenn sie sagt: "Ein Fahrrad ist die Erweiterung des Mobiltätsradius für lau"?
Francke, die in ihrer Garage historische Fahrradmodelle sammelt, erklärt es im Podcast – und widerspricht auch der Angst vieler Gewerbetreibender, dass die Sperrung der Innenstädte für den Autoverkehr sie in die Pleite treiben könnte. Das Gegenteil sei der Fall: "Fahradfahrer:innen und Fußgänger:innen generieren die höheren Umsätze!" Corona habe das Verkehrsverhalten massiv verändert. Menschen pendelten seltener und zögen aus den Städten in ländliche Regionen – jeweils mit Konsequenzen für die Autonutzung.
Deutschland könne eine Menge lernen von einigen seiner Nachbarn, doch müsse man mit klischeehaften Überhöhungen vorsichtig sein. So herrsche in den Niederlanden "Trouble in Paradise": Ausgerechnet im vermeintlichen Fahradfahrer:innen-Paradies, berichtet Francke, könnten immer weniger Kinder Fahrrad fahren.
DER WISSENSCHAFTSMANAGER Johann-Dietrich, genannt "Jan" Wörner ist sich seines Marktwertes bewusst. Er pflegt Kontakte zu den Größen der nationalen und internationalen Hightech-Szene. Und kokettiert auch gern mal damit. Kein Wunder: Der Professor für Bauingenieurwesen hat in den vergangenen 30 Jahren wissenschaftliche Top-Positionen in Serie besetzt. Von der Präsidentschaft an der Technischen Universität Darmstadt über den Vorstandsvorsitz beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bis hin zum Generaldirektor der Europäischen Weltraumagentur ESA. Jetzt steht er als Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, der acatech, vor. Und feilt schon kräftig an deren Image.
Im Gipfel der Bildung spricht der 68-Jährige über das Problem der Deutschen mit dem Risiko, über Optimismus und das Potenzial neuer Technologien. Außerdem geht um das Verhältnis von Wissenschaft und Politik, um Reisen zum Mond, die in wenigen Jahren selbstverständlich sein werden – und warum die Marserkundung wohl noch länger dauern wird. Zwischendurch verrät Wörner, wofür jederzeit alles stehen und liegen lassen würde.
IM HERBST entließ die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) die Archäologin Nicole Boivin als Direktorin am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena, der Vorwurf: Sie habe Mitarbeiter und Studierende gemobbt und sich das Forschungsprojekt einer Kollegin angeeignet. Erst verteidigte Boivin sich gerichtlich, vor wenigen Wochen ging sie zum Gegenangriff über und forderte von Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger eine schärfere Kontrolle der MPG – weil sie am eigenen Leib schwere Verfahrensfehler beim Umgang mit den Vorwürfen gegen sich erfahren habe.
Unabhängig von der Frage, zu welchem Grad Boivin tatsächlich auch Opfer ist und zu welchem Grad Täterin: Die öffentliche Debatte dürfte noch heißer laufen. Gibt es in der Wissenschaft einen Gender Bias gegen Frauen in Führungspositionen? Warum nimmt zwar einerseits die Zahl von Rektorinnen und Institutsdirektorinnen zuletzt stärker zu, scheinen sich aber andererseits die Berichte über ihre Rücktritte und Entlassungen zu häufen?
Ulrike Beisiegel war bis zu ihrem vorzeitigen Rücktritt Präsidentin der Universität Göttingen. Norbert Sack ist Headhunter und hat zuletzt immer mehr Berufungsverfahren mit Frauen begleitet. Zusammen haben Sie ein Papier mit zwölf Thesen verfasst, das sich an Erklärungen und Schlussfolgerungen versucht: für Frauen und Männer in der Wissenschaft, aber auch für die Wissenschaftspolitik.
Im "Gipfel der Bildung" mit Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda sagt Sack, warum er einen gewaltigen Backlash und Rückschlag für Frauen in Führungspositionen fürchtet, falls sich nichts Grundlegendes ändert. Beisiegel meint, dass sicher auch Frauen gebe, die nicht gut führen könnten. "Das primäre Problem aber ist, dass ihr Führungsstil so deutlich anders ist."
Ein Gespräch über unterschiedliche Auffassungen vom Chef:innensein, über die Bedeutung von Netzwerken und Governance-Strukturen in der Wissenschaft, die von Männern geprägt und auf Männer zugeschnitten sind. Um erfolgreich zu sein, sagt Beisiegel, sollten Frauen "ja nicht werden wie die Männer, sondern ihre eigenen Perspektiven einbringen". Männer, sagt Sack, seien "vermutlich etwas machtorientierter, Frauen leistungsorientierter".
"DIE POLITISCHEN STRUKTUREN in Deutschland sind nicht dafür aufgestellt, auf Krisen reagieren zu können", sagt Moritz Schularick, Professor für Makroökonomik und Ökonometrie an der Universität Bonn und derzeit der wohl begehrteste deutsche Ökonom. Zahlreiche Institutionen buhlen um ihn als Chef.
Als Gast im "Gipfel der Bildung" scheut Schularick keine klaren Worte. Jurist:innen sieht er als ein wesentliches Problem in einem veränderungsfeindlichen Deutschland, das Spitze im Verfeinern eingefahrener Technologien, aber kaum noch zu wirklichen Neuentwicklungen fähig sei. Gleichzeitig hadert der 47-Jährige mit der wirtschaftswissenschaftlichen Politikberatung, der er konzeptionelle und intellektuelle Schwächen vorwirft.
Auf die Frage, wie man ein erfolgreicher Ökonom wird, gebe es nur eine Antwort, sagt Schularick: "Spannende Fragen stellen." Im Podcast war er jedoch vor allem für die Antworten zuständig. Und die haben es teilweise in sich.
NEUE BEAMT:INNEN braucht das Land. Nicht nur, dass mit den kommenden Ruhestandswellen der Babybommer viele Staatsdiener ausscheiden. Es braucht auch einen neuen Typus an Beamt:innen, welcher die anstehenden gesellschaftlichen Transformationen begleiten kann.
Benjamin Limbach bildet Beamte aus. Er ist Präsident der Hochschule des Bundes in Brühl, die für den gehobenen und höheren Dienst der Bundesbehörden ausbildet. Er hat als erster Präsident beim Bundesinnenministerium durchgesetzt, dass seine Hochschule die Regenbogenflagge als Zeichen für Vielfalt setzen darf. "Ich möchte, dass deutlich wird, dass wir im Öffentlichen Dienst eine Willkommenskultur haben", sagt Limbach im Podcast.
Auch im weiteren "Gipfel der Bildung" findet Limbach klare Worte. Er möchte die künftigen Beamt:innen dazu befähigen, nicht immer erst eine Sicherheit zu schaffen oder eine neue Regelung zu finden. Er sage den Studierenden: "Macht, was wirklich zählt!“ Die große Stärke seiner und der anderen Hochschulen des Bundes sieht er darin, dass sie nicht in einem Fach ausbilden, sondern ganz konkret für einen Beruf. "Wir machen ein zielgerichtetes duales Studium."
Nicht ohne Herausforderungen. Das Stichwort Digitalisierung zum Beispiel fällt häufig im Gespräch mit Benjamin Limbach. "Da brauchen wir noch einen ganz starken Aufbruch", sagt er. "Und das wird teuer werden, dafür müssen wir Geld in die Hand nehmen."
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