Der Märchendoktor

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Der Märchendoktor episodes

  • 2 Märchen aus Niederösterreich - "Der Wunderbaum" und "Der Riese und der Schneider"
    „Der Wunderbaum“, bekannt in Sammlungen von österreichischen und  siebenbürgisch-sächsischen Märchen erzählt von einem geheimnisvollen Baum. In einem Dorf wächst über Nacht plötzlich und ohne Samen ein riesiger, unbekannter Baum empor. Er schießt so schnell in die Höhe, dass sein Gipfel nach wenigen Wochen in den Wolken verschwindet. Ein Hirtenknabe oder der als dumm geltende Sohn (oft „Hansl“ genannt) fasst den Mut, an dem wie eine Leiter gewachsenen Baum emporzuklettern.Er steigt tagelang nach oben.  Oben angekommen, gelangt der Junge in geheimnisvolle Reiche mit Palästen und Wäldern aus kostbaren Metallen – nacheinander aus Kupfer, Silber und Gold. Der Aufstieg durch die drei Reiche symbolisiert einen Prozess der inneren Wandlung und Reifung (Alchemie der Seele):
    • Kupfer: Steht für den Beginn der Reise, die erste, noch erdverbundene Stufe der Prüfung.
    • Silber: Symbolisiert das Mondlicht, die Intuition, die weibliche Energie und die Reinigung der Absichten.
    Gold: Das höchste Ziel. Es steht für die Sonne, das Göttliche, die Erleuchtung und die Vollkommenheit des Charakters. „Der Riese und der Schneider“, ein österreichisches Schwank Märchen aus dem Jahr 1822 stammt ursprünglich von einer Bäuerin aus Döbling bei Wien. Die Brüder Grimm übernahmen den Schwank aus Franz Ziskas österreichische Volksmärchen. Es zeigt mit viel Humor, wie geistige Überlegenheit und List über rohe, aber dumme Kraft siegen.Ein kleiner, aber sehr selbstbewusster Schneider wandert durch die Welt und trifft in den Bergen auf einen riesigen, furchteinflößenden Riesen. Anstatt wegzulaufen, tritt der Schneider mutig auf und versucht, den Riesen durch Prahlerei zu beeindrucken. Er behauptet, er sei der stärkste Mann der Welt. Der Riese lacht ihn aus und fordert ihn zu mehreren Kraftproben heraus, um die Prahlerei zu überprüfen.Anders als in vielen Märchen vollbringt der Schneider hier keine echten Taten, sondern siegt rein durch die psychologische Wirkung seiner verbalen Übertreibungen.
    16 min
  • Der Kuhhirte und die Weberin (Niu Lang Zhi Nu Nu)
    Die chinesische Mythologie reicht in mündlicher Überlieferung bis in die Zeit der Shang-Dynastie (ca. 1700 v. Chr. - 1100 v. Chr.) zurück.

    In schriftlicher Form gibt es sie jedoch erst in der klassischen Zeit Chinas, zur Zeit des Konfuzius. Die Ursprünge der chinesischen Mythologie werden mit Schamanismus und Ahnenkult in Verbindung gebracht. Zudem sind zahlreiche Mythen, die bis an die Anfänge der chinesischen Kultur weisen, aus dem Daoismus überliefert. Die zahlreichen Märchen, in denen Geister, Füchse, Drachen, unsterbliche Weise, arme Bauern und gerechte Beamte eine symbolisch dichte Welt bevölkern verbinden volkstümliche Anschaulichkeit mit Schamanismus und Ahnenkult. 

    Im Vergleich zu europäischen Märchen finden sich taoistische, buddhistische und konfuzianische Motive sowie Hinweise auf Moral, Schicksal und Wandlung. Viele chinesische Märchen wurden von Richard Wilhelm (1873–1930) einem bekannten deutscher Sinologe (China-Forscher gesammelt.

    Er war Theologe, Missionar, Übersetzer und einer der bedeutendsten deutschen Vermittler chinesischer Geistesgeschichte. Von 1899 bis 1924 lebte er als Pfarrer und Missionar in Qingdao (China). Er lernte die chinesische Kultur und Sprache tiefgreifend kennen.

    Sein langjähriger Aufenthalt in China brachte ihn in engen Kontakt mit Gelehrten, Erzählern und deren klassische Texttraditionen. Seine berühmten Übersetzungen, etwa des „I Ging“, zeigen dieselbe Absicht wie diese Märchen: nicht bloß Exotik zu präsentieren, sondern Denkformen, religiöse Vorstellungen und ethische Ordnungen einer Kultur verständlich zu machen. 

    Das „I Ging‹,“ auch ›Buch der Wandlungen‹ genannt, ist das älteste Buch Chinas. Man kann es als Orakel befragen, doch sagt es keine eindeutige Zukunft voraus. Vielmehr spricht es in Gleichnissen, die offen sind für persönliche Deutungen und die in ihrer elementaren Bildlichkeit zu einem intuitiven Verständnis der Welt verhelfen können.
    13 min
  • Das Märchen vom lahmen Josef
    Ab 1901 entstand eine Blütezeit der deutsch-jüdischen Kinderbücher.Mit wunderbaren Zeichnungen ausgestattet vermitteln diese Bücher dem jüdischen Kind Geschichten, die es nachvollziehen kann. 

    Einige versuchten, die Schwierigkeiten, Herausforderungen, aber auch Freuden, mit denen ein jüdisches Kind konfrontiert war, zu thematisieren. 

    Der österreichische Kinderbuchautor Siegfried Abeles (1884 – 1937 war Pädagoge, Primärschullehrer.Er arbeitete während des Ersten Weltkriegs für die jüdische Kriegsblindenfürsorge und beschäftigte sich mit der Blindenschrift für die jiddische und hebräische Sprache. 

    Abeles war auch als Inspektor von Kindergärten und Heimen des Vereins der jüdischen Kinderfreunde tätig. Seine Leidenschaft galt der Arbeit mit den Kindern der jüdischen Gemeinde Wiens, die er beim Lernen unterstützte und mit ihren jüdischen Wurzeln verband. 

    Ein Buch von Siegfried Abeles heißt Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt“, es erschien erstmals 1922 und enthält fünfundzwanzig Kindermärchen nach jüdisch-volkstümlichen Motiven. In diesen Geschichten verarbeitete Abeles traditionelle Motive, um jüdischen Kindern ihre Kultur und Wurzeln näherzubringen

    Heute erzähl ich Euch eine weitere Geschichte aus diesem Buch- das Märchen vom lahmen Josef und wie er geheilt wurde. (Quelle: „Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt“, Taschenbuch - Gansverlag.de).
    23 min
  • Rodafnou oder die Geschichte von Arodafnoussa
    „Arodafnousa“ (oder auch Rodafnou) ist eine der berühmtesten und am tiefsten verwurzelten traditionellen Volksballaden aus Zypern. Sie stammt aus der Epoche der Frankenherrschaft im mittelalterlichen Zypern (Königreich Zypern, ca. 1192–1489).Der Name leitet sich vermutlich von Rododafni (griechisch für Oleander) ab, was symbolisch für die bittersüße, giftige Schönheit der Liebe steht.Die tragische Geschichte verbindet historische Realität mit romantischer Legende und handelt von Eifersucht, Liebe und Tod.Die Ballade basiert im Kern auf realen Figuren des 14. Jahrhunderts:König Peter I. von Zypern (Lusinjan-Dynastie, regierte 1359–1369).Joanna l'Aleman (im zyprischen Dialekt zu Arodafnousa oder Rodafnou romantisiert), eine Edelfrau, die die Mätresse des Königs war.Königin Eleonore von Aragon, die eifersüchtige Ehefrau des Königs.Die Handlung der Ballade:während König Peter I. im Ausland Krieg führt, nutzt die Königin Eleonore seine Abwesenheit, um sich an seiner Geliebten zu rächen.Die Königin schickt eine List oder lädt Arodafnousa in ihren Palast ein.In blinder Eifersucht sperrt die Königin sie ein und quält sie grausam. In einigen Textversionen wird Arodafnousa in einen kochenden Kessel geworfen.Der König erfährt durch eine Vorahnung oder einen Boten von der Gefahr und reitet so schnell er kann nach Nikosia zurück. Als er ankommt, ist es zu spät: er findet Arodafnousa nur noch tot.Zu Ehren dieser Symbolfigur ist heute das bekannteste Palliativzentrum für Krebspatienten in Nikosia, das „Arodaphnousa“ Palliative Care Centre, benannt.
    12 min
  • Der Holzfäller und die Schicksalsfrau
    Das zypriotische Märchen gehört zum internationalen Aarne-Thompson-Uther-Index ATU 563-(einer wissenschaftlichen Klassifikation von Volksmärchen) „Die wunderbaren Knaben“ bzw. „Die Geschenke des kleinen Volkes“.

    In der bekanntesten deutschen Fassung der Brüder Grimm heißt diese Erzählung „Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack“.

    Die obige Version wurde für Zypern lokalisiert: das klassische „Tischlein“ wurde durch eine typisch zyprische Tonschale ersetzt, die anstelle von deutschem Braten traditionelle Spezialitäten wie Kleftiko und Halloumi zaubert. Der „Knüppel aus dem Sack“ wurde hier zu einem magischen Windstoß aus einer Glasflasche, und anstelle von Feen oder Zwergen tritt eine Moira (eine Schicksalsfrau der griechisch-zyprischen Mythologie) auf.Ein einheitlicher, fester Titel für diese spezifisch zyprische Variante existiert in gedruckten Märchensammlungen selten.

    Oft wird sie schlicht unter Titeln wie „Die Geschenke der Moira“ oder „Der Holzfäller und die Schicksalsfrau“ geführt.

    Da der Märchentyp ATU 563 auf der ganzen Welt verbreitet ist, gibt es faszinierende Adaptionen aus verschiedenen Kulturkreisen.

    Eine besonders schöne und direkte asiatische Variante ist das chinesische Märchen „Der magische Topf“ (oft auch als „Der unerschöpfliche Ostertopf“ oder „Das Geschenk des Drachenkönigs“ bekannt).
    13 min
  • Das Geschenk des Drachenkönigs
    Jahrhundertelang wurden im chinesischen Teehaus Märchen erzählt, und auch in den abgelegensten Siedlungen war der Märchenerzähler stets willkommen. 

    Die Märchen jedes Volkes spiegeln dessen Lebensweise wider, so der Kampf gegen die Naturgewalten in den bäuerlichen Märchen.

    Das Geschenk des Drachenkönigs ist ein bekanntes koreanisches Volksmärchen, das Märchen ist auch als  „Der magische Topf“ oder als „Der unerschöpfliche Ostertopf“ bekannt.Es erzählt die Geschichte von Shim Cheong, einer treuen Tochter, die sich opfert, um das Augenlicht ihres blinden Vaters wiederherzustellen, und dafür vom Drachenkönig des Meeres belohnt wird.Hier sind die klassischen Elemente – passend zum asiatischen Kulturkreis – völlig neu besetzt: anstelle eines Holzfällers und einer Moira trifft man hier oft auf einen armen, ehrlichen Bauern oder Fischer namens Gopy (oder in anderen Versionen Wang). 

    Statt der Schicksalsfrau tritt hier ein gütiger Wassergeist, ein barmherziger Mönch oder der Drachenkönig des Meeres auf, der die Tugend des Mannes belohnt.Der Mann erhält einen einfachen Tontopf, wenn man etwas hineinlegt – und sei es nur ein einziges Reiskorn oder eine Kupfermünze –, multipliziert der Topf diesen Inhalt unendlich oft, sodass der Bauer und sein Dorf niemals wieder Hunger oder Armut leiden müssen.

    Der reiche, unbarmherzige Mandarin (ein kaiserlicher Beamter) oder ein gieriger Grundbesitzer erfährt von dem Wunder. Er beschuldigt den Bauern des Betrugs und konfisziert den magischen Topf, um sich selbst unermesslichen Reichtum zu verschaffen.

    Als der gierige Mandarin den Topf ausprobiert, passiert in vielen Versionen ein Missgeschick: der gierige Beamte fällt vor lauter Neugier selbst in den riesigen Topf hinein. Der magische Topf tut, was er tun muss – er vervielfältigt den Mandarin. 

    Das Chaos im Palast ist perfekt, und der gierige Beamte ist durch seine eigene Habgier gestraft.Josef Guter (* 07.09.1929 - † 16.06.2014) war ein deutscher Buchautor. Komet Verlag, ISBN 978-3898366076
    8 min
  • Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt
    Ab 1901 entstand eine Blütezeit der deutsch-jüdischen Kinderbücher, mit wunderbaren Zeichnungen ausgestattet vermitteln diese Bücher dem jüdischen Kind Geschichten, die es nachvollziehen kann. 

    Einige versuchten, die Schwierigkeiten, Herausforderungen, aber auch Freuden, mit denen ein jüdisches Kind konfrontiert war, zu thematisieren. 

    Heute erzähle ich Euch eine Geschichte aus dem Buch von Siegfried Abeles

    „Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt.“ 

    Über den österreichischen Kinderbuchautor Siegfried Abeles (1884 – 1937) ist nicht viel bekannt. Er wuchs als Kind in Nikolsburg (heute: Mikulow, Tschechische Republik) auf

    Er war Pädagoge, Primaschullehrer, arbeitete während des Ersten Weltkriegs für die jüdische Kriegsblindenfürsorge und beschäftigte sich mit der Blindenschrift für die jiddische und hebräische Sprache. 

    Seine Leidenschaft galt der Arbeit mit den Kindern der jüdischen Gemeinde Wiens, die er beim Lernen unterstützte und mit ihren jüdischen Wurzeln verband. 

    Mit diesem und zwei weiteren Büchern trug er dazu bei, jüdische Kindermärchen als literarische Gattung zu etablieren.

    Er war mit Sabine Abeles verheiratet, sein 1923 geborener Sohn Norbert wurde 1938 mit einem Kindertransport nach England gerettet.

    Sabine Abeles wurde 1943 nach Minsk deportiert und Opfer des Holocaust. 

    Abeles starb 1937 im Alter von nur 53 Jahren, nach Angaben seines Sohnes Norbert beging er im Juni 1937 aus Geldmangel mit einem Sprung in den Donaukanal Selbstmord

    „Wir gedenken des Autors Siegfried Abeles, dessen Worte und Gedanken ein bleibendes Vermächtnis für uns sind. Zichrono livracha – sein Andenken sei uns zum Segen.“

    Das wunderbare Büchlein  enthält 25 Kindermärchen nach jüdisch-volkstümlichen Motiven und von Victor Kosak illustriert

    Herausgeber: Gans Verlag Berlin 2022.151 Seiten, kartoniert, Paperback, Euro 20,60.-

    20 min
  • Jiddische Geschichten - Teil II
    Ab 1901 entstand eine Blütezeit der deutsch-jüdischen Kinderbücher, mit wunderbaren Zeichnungen ausgestattet vermitteln diese Bücher dem jüdischen Kind Geschichten, die es nachvollziehen kann. Einige versuchten, die Schwierigkeiten, Herausforderungen, aber auch Freuden, mit denen ein jüdisches Kind konfrontiert war, zu thematisieren. 

    Über den österreichischen Kinderbuchautor Siegfried Abeles (1884 – 1937) ist nicht viel bekannt. Er war Pädagoge, Primaschullehrer, arbeitete während des Ersten Weltkriegs für die jüdische Kriegsblindenfürsorge und beschäftigte sich mit der Blindenschrift für die jiddische und hebräische Sprache. 

    Abeles war als Inspektor von Kindergärten und Heimen des Vereins der jüdischen Kinderfreunde tätig. Seine Leidenschaft galt der Arbeit mit den Kindern der jüdischen Gemeinde Wiens, die er beim Lernen unterstützte und mit ihren jüdischen Wurzeln verband. (Quelle: Taschenbuch - Gansverlag.de).

    Ich erzähl Euch heute „gezund und munter und a maise bunter“- also a` Geschicht rund um das Buch „Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt“ und erkläre einige jüdische Begriffe.

    Danach erzähl ich Euch vom „Schofar Macher“ Aron Feitwel, er fertigt traditionell aus dem Horn eines Widders das Blasinstrument, das vor allem zum jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana und zum Versöhnungstag Jom Kippur geblasen wird.

    Rosch ha-Schana beginnt heuer am Freitag, den 11. September, bei Sonnenuntergang und endet am Sonntag, den 13. September, nach Einbruch der Dunkelheit, es ist der Beginn des jüdischen Jahres 5787.Die Jahreszählung beginnt traditionell mit der Schöpfung der Welt. Das gregorianische Jahr 2026 fällt größtenteils mit dem jüdischen Jahr 5786 zusammen.

    Man wünscht sich gegenseitig „Schana towa u'metuka“- („Ein gutes und süßes Jahr!“) – passend zu dem Brauch, Äpfel in Honig zu tunken.

    Runde Challa: Das festliche Brot ist rund geformt, um den Kreislauf des Jahres zu symbolisieren.

    Taschlich: Sünden werden symbolisch bei einem Spaziergang an fließendem Wasser durch das Auswerfen von Brotstückchen abgeworfen.
    17 min
  • Märchen aus der Schweiz
    «Die drei Raben» ist ein bekanntes Volksmärchen, das in einer Schweizer Fassung sowie in der Urfassung der Brüder Grimm (1812) überliefert ist. Eine Mutter verflucht ihre drei Söhne im Zorn (oder in einer anderen Version der Vater), weil diese sonntags während der Kirche Karten gespielt haben. Die Söhne werden sofort in kohlschwarze Raben verwandelt. Das treue Schwesterchen vermisst seine Brüder. Es macht sich ganz allein auf eine lange, beschwerliche Reise, um sie zu erlösen. Unterwegs trifft das Mädchen auf eine gute Fee, die ihm den Weg zu den verzauberten Brüdern zeigt.

    «Goldig Betheli und Harzebabi» ist ebenfalls ein berühmte Schweizer Volksmärchen - die traditionelle Schweizer Variante zum Märchen „Frau Holle“ der Gebrüder Grimm.Das Märchen folgt dem klassischen Motiv der ungleichen Schwestern: das Betheli (Elisabeth) ist das fleißige, brave, aber vernachlässigte Stiefkind, das in Lumpen gehen und ununterbrochen spinnen muss.

    Das Babi (Barbara) ist das leibliche, faule und verwöhnte Kind der bösen Stiefmutter. Als Betheli seine Spindel (sein Wirtli) verliert, muss es in einen tiefen Brunnen steigen. Dort gelangt es in eine magische Welt. Weil das Mädchen zu den sprechenden Hunden und wunderbaren Kindern auf seinem Weg freundlich und bescheiden ist, wird es reich belohnt – es kehrt übersät mit reinem Gold zurück und wird fortan nur noch das „goldig Betheli“ genannt.Das Harzebabi: als die neidische Stiefmutter ihre faule Tochter Babi hinterherschickt, verhält sich diese den Wesen gegenüber hochmütig und egoistisch. Zur Strafe wird sie komplett mit klebrigem Tannenharz überzogen (daher „Harzebabi“), in anderen Versionen fällt ihr schlicht ein saftiger Kuhfladen auf den Kopf.

    Quelle: Otto Sutermeister, Kinder- und Hausmärchen aus der Schweiz. Aarau 1873. Nr. 6 und Nr.2.(Willisau, Kt. Luzern). 
    19 min
  • Kurzgeschichten aus der Cholmer Weisheitstradition
    Ich hatte die große Freude als Internist und Kardiologe im 2. Wiener Bezirk auch viele Juden betreuen zu dürfen. Von Ihnen stammt so manche hübsche Geschichte! 

    Jiddische Märchen und jüdische Volkserzählungen verbinden osteuropäischen Humor, Weisheit und religiöse Überlieferungen. Sie handeln oft von armen, gottesfürchtigen Menschen, klugen Rabbinern, Engeln, Dämonen oder sprechenden Tieren und spiegeln die Lebenswelt der aschkenasischen Juden wider.

    Viele Geschichten vermitteln ethische Lehren aus der jüdischen Tradition (Tora, Talmud und Chassidismus). Sie nutzen oft feinen Witz und Selbstironie, um Armut und schwere Zeiten zu ertragen. 

    Der Schlimazel (vom hebräischen masel für Glück und schlim für schlecht) ist ein chronischer Pechvogel, während der Schlemiel der ungeschickte Tollpatsch ist. Berühmte literarische Beispiele verbinden dieses Pech oft mit tiefem jüdischem Humor und Lebensweisheit.

    In der jiddischen Folklore ist Cholm das fiktive Dorf der Toren und Schlemiels. Die Weisheit dieser Geschichten liegt darin, dass die Dorfbewohner ihre Probleme mit absurder Logik lösen (z. B. versuchen, das Sonnenlicht in Säcken einzufangen, um das Rathaus zu erhellen)..

    Der Schlemiel (Der ungeschickte Akteur) ist ein gutmütiger, aber extrem ungeschickter Tollpatsch.  Er stolpert über seine eigenen Füße, lässt Dinge fallen oder trifft falsche Entscheidungen. Er ist aktiv für das Chaos verantwortlich.

    Beispiel: Der Schlemiel ist der Kellner, der im Restaurant stolpert und eine heiße Suppe verschüttet.Herkunft von Schlemiel- ist historisch nicht absolut eindeutig geklärt, aber es gibt zwei sehr starke, anerkannte Theorien:

    a)     Die biblische Theorie: Iin der Tora wird ein Stammesfürst namens Schlumiel ben Zurischaddai erwähnt. Laut jüdischer Midrasch (Überlieferung) war er der Einzige, der bei einer Schlacht beinahe ohne Grund oder durch unglückliche Umstände das Leben verlor, während alle anderen gerettet wurden. 

    b)     Die hebräische Wortspiel-Theorie): manche Sprachwissenschaftler führen das Wort auf die hebräische Phrase sche-lo-mo'il  zurück. Das bedeutet übersetzt „der, der zu nichts nütze ist“, daraus entwickelte sich im Jiddischen der sympathische, aber unfähige Tollpatsch.

    Das reale Chełm liegt im Osten Polens und war jahrhundertelang ein bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens und osteuropäischer Gelehrsamkeit.

    Da die Stadt für ihre Talmud-Gelehrten und tiefgründigen Logiker bekannt war, entstand im 19. Jahrhundert der humorvolle Mythos. 

    Die Geschichten parodieren liebevoll die typisch talmudische Haarspaltung, bei der logische Argumente soweit auf die Spitze getrieben werden, bis sie jeglichen gesunden Menschenverstand verlieren.
    17 min

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