„Wahr spricht, wer Schatten spricht“, sagt Aslı Erdoğan. In ihrer schriftstellerischen und politischen Arbeit kämpft sie vor allem gegen Gewalt von Seiten der politischen Führung in der Türkei. Selbst vergewaltigt, schreibt Erdoğan über Verlust, Schmerz und Trennung. Sie fordert, dass sich die türkische Gesellschaft und Politik endlich mit dem Völkermord an den Armeniern und den Verbrechen gegen die Kurden auseinandersetzen. Kein Zufall also, dass die Autorin und Physikerin - so wie zahlreiche andere Künstler und Intellektuelle - im Zuge der Säuberungswelle nach dem gescheiterten Putschversuch 2016 in der Türkei sofort inhaftiert wurde. Eine internationale Solidaritätskampagne bewirkte nach einigen Monaten ihre Entlassung aus der Untersuchungshaft. Gleichwohl droht der Schriftstellerin im immer noch laufenden Prozess eine lebenslange Strafe. Seit ihrer Freilassung 2017 lebt sie im Exil in Frankfurt. Von Heike Brunkhorst und Roman Herzog