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Jeder frischgebackene Vater startet mit diesem einen, fast schon heiligen Vorsatz: „Ich werde mein Kind niemals anlügen.“ Wir malen uns aus, wie wir jede noch so komplexe Frage der Welt in kindgerechte Häppchen verpacken – ein bisschen Pipi-Kaka-Sprache hier, ein bisschen Gugugaga dort, aber im Kern bleibt es die reine Wahrheit. Doch dann kommt das Leben dazwischen. Spätestens, wenn man versucht, einem Vierjährigen den Klimawandel so ehrlich zu erklären, dass man sich kurz darauf im Wartezimmer eines Kinderpsychologen wiedersieht, merkt man: Die totale Ehrlichkeit ist vielleicht doch nicht der Weisheit letzter Schluss. Manchmal ist die Lüge einfach der bequemere Weg, um nicht ständig neue existenzielle Krisen am Abendbrottisch verhandeln zu müssen.
Besonders in der Vorweihnachtszeit mutieren wir Eltern zu regelrechten Hochstaplern. Wir erschaffen ein riesiges, strukturelles Lügengebilde aus Nikoläusen, Krampusse, Weihnachtsmännern und Christkindern. Dabei stellt sich die fast schon ketzerische Frage, ob unsere Traditionen und Religionen eigentlich nur auf einem Fundament aus Flunkereien basieren. Wir erzählen uns selbst, dass wir das alles für die Kinder tun, für diesen magischen Glanz in ihren Augen. Aber wenn wir ehrlich sind, belügen wir sie für uns selbst. Es ist schlichtweg herzig anzusehen, wie sie ihre Wunschzettel schreiben – was uns nebenbei den Stress erspart, uns wirklich mit ihren Interessen auseinanderzusetzen. Wir brauchen die Lüge als Puffer, damit die Kinder nicht merken, dass es eigentlich nur wir sind, die ihnen etwas schenken wollen.
Historisch gesehen hatte das Belügen der Kinder sogar einen noch dunkleren Beigeschmack. Früher, als Schrank und Magen leer blieben, war es einfacher zu sagen: „Du warst nicht brav genug, deshalb hat das Christkind nichts gebracht.“ Es war eine perfide Methode, den berechtigten Zorn über Armut und Ungerechtigkeit von den Eltern oder dem System weg und direkt in die kindliche Psyche umzuleiten. Heute sind die Gabentische zwar voll mit Plastik, aber die systemischen Lügen bleiben. Wir impfen unseren Kindern Sätze ein, wie „Alles wird gut“ oder „Du kannst werden, was du willst“. Dabei wissen wir genau: Ohne Erbe, Beziehungen oder das Glück der oberen 0,1 Prozent ist das schlichtweg Bullshit. Wir vermitteln ihnen ein Bild einer Gesellschaft, die auf Teilen und Rücksicht basiert, während wir sie gleichzeitig in ein System entlassen, in dem nur die lautesten Schreihälse und die rücksichtslosesten Egoisten wirklich gehört werden.
Wir lügen sogar in ihren Bilderbüchern weiter. Auf dem illustrierten Bauernhof sind alle Tiere glücklich und leben in harmonischer Eintracht mit dem Bauern, bis wir ihnen schließlich das Schnitzel servieren, ohne jemals das Wort Schlachthaus zu erwähnen. Wir haben Angst, sie könnten Veganer werden, und verheimlichen deshalb, dass unsere Gesellschaft auf der Ausbeutung von Lebewesen fußt. Wir lügen, weil wir überfordert sind, weil wir das System selbst nicht ändern können und es deshalb wenigstens vor den Kindern schönfärben wollen. Doch Kinder sind stärker, als wir glauben. Sie vertragen die Wahrheit oft besser als wir Erwachsenen, die wir uns hinter Ironie und Zynismus verstecken. Vielleicht wäre es an der Zeit, ihnen zu sagen: Wir schenken dir etwas, weil wir dich lieben und weil du Teil unserer Familie bist – ganz ohne die Drohung eines unsichtbaren Wesens, das dich ständig beobachtet. Wir haben es vielleicht verkackt, aber geben wir unseren Kindern wenigstens das richtige, ehrliche Rüstzeug mit, um es besser zu machen.
YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/@comedIAN_DeBay
Musik-Credit: „One Too Many Ghosts“ – PremiumBeat via Envato Elements
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https://steady.page/de/iandebay/about
In der dritten Folge der „Zu Spät Show" präsentiert Ian DeBay eine Service-Folge für all jene, die Männer sexuell attraktiv finden: Eine einfache Formel zur Vermeidung kleiner Schwänze.
Autos sind keine Fahrzeuge. Sie sind Stehzeuge.
Besonders absurd wird es mit Kindern. Überall muss man "Stopp!", "Geh da nicht!", "Lauf dort nicht!" rufen.
Früher konnten Kinder einfach raus auf die Straße und spielen. Mit den Ratten. Eine gute Zeit.
Aber selbst dort sind die Autos invasiv: Schaukeln aus Autoreifen, Autoreifen in den Boden versenkt bei den Wippen.
Autos machen alles teurer.
Und weil wegen den Autos alles weit auseinander ist, gibt es keine Greißler ums Eck mehr. Alles nur noch in Malls außerhalb der Stadt, wo man nur mit dem Auto hinkommt.
Und die Autos werden immer größer.
Aber ja, auch Frauen fahren große Autos. Warum? Um ihre Kinder zu beschützen, natürlich.
Ein Wettrüsten um immer größere Autos, damit man nur ja nicht selbst Opfer wird.
Autos isolieren Menschen. Es gibt nur diese Welt im Auto und das draußen ist was anderes. Das Gefährliche.
Autos tragen zur Vereinsamung bei. Vor allem, wenn man in Siedlungen wohnt, wo es sonst nichts gibt, wo man mit niemandem sonst irgendwas zu tun hat – außer mit den Podcastern, die einem das eigene Weltbild bestärken.
Autowerbung verspricht Freiheit.
Die Realität? Abhängigkeit.
Diese Abhängigkeit holt man sich zurück, indem man sich über Gesetze hinwegsetzt.
Und es gibt einen magischen Knopf im Auto: Die Warnblinkanlage.
So einen Knopf hätte Ian auch gerne als Fußgänger.
Autos sind nicht nur ein ökologisches Problem.
Denn welche Partei wird vor allem von Autobesitzern gewählt?
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Musik-Credit: „One Too Many Ghosts“ – PremiumBeat via Envato Elements
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In der zweiten Folge der „Zu Spät Show“ widmet sich Ian DeBay einem saisonalen Mysterium: Warum tun sich Menschen freiwillig Christkindlmärkte an?
Christkindlmärkte sind voll. Unangenehm voll.
Glühwein und Punsch – Getränke, die in den Magen schlagen. Voll mit den ungesündesten und billigsten Zutaten und trotzdem preislich irgendwo zwischen „unverschämt“ und „ich muss meinen Ältesten verkaufen“.
Es ist draußen. Es ist kalt. Es ist ungemütlich.
Wer am Christkindlmarkt Geschenke kauft, hat drei Dinge:
Wer mit Kindern auf den Christkindlmarkt geht, hat sein Leben nicht mehr in den Griff.
Stress, Kosten und Geschrei, was gibt es Besseres, um in weihnachtliche Stimmung zu kommen.
Viele treffen dort Menschen, die sie den Rest des Jahres erfolgreich meiden.
Christkindlmärkte sind der Abgrund, aber einer, in den jedes Jahr wieder Millionen freiwillig springen.
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Es gibt Entscheidungen, die man trifft, weil sie richtig sind. Und es gibt Entscheidungen, die man trifft, weil man ohnehin schon zu tief drinsteckt. Diese erste Episode meines Late-Night-Comedy-Podcasts fällt eindeutig in Kategorie zwei. Willkommen bei Die Zu Spät Show – dem Ort, an dem die Nacht dunkel ist, der Humor aber noch dunkler.
Wer Late-Night-Shows liebt, kennt das wichtigste Element: den Monolog. Niemand schaut diese Sendungen wegen der Interviews. Wirklich niemand. Nicht einmal die Menschen, die in den Interviews sitzen. Was man will, ist der satirische Elevator Pitch über die Talfahrt der Welt.
Genau das versuche ich hier. Nur ohne Fernsehen, ohne Redaktion, und ohne interessante oder weniger interessante Persönlichkeiten.
Diese erste Folge kreist um das, was alle ersten Male verbindet: die Mischung aus Hoffnung, Anspannung und der ernüchternden Erkenntnis, dass es selten gut wird. Beim Sex nicht, beim ersten Arbeitstag nicht, beim ersten Versuch, einen Sauerteig zu züchten – und beim Start eines Podcasts schon gar nicht.
Ich möchte erklären, was dich hier erwartet. Und gleichzeitig vermeiden, dass ich zehn Minuten über mich rede, denn das wäre langweilig. Für mich, für dich und für alle bis auf meine Mutter – die mich am besten kennt und trotzdem immer noch alles, wirklich ALLES über mich wissen möchte.
Was wird dieser Podcast? Ein ruhiger, schwarzhumoriger Monolog, der sich jedes Mal ein Thema vornimmt. Keine News, keine Gäste, keine künstlich empörten Debatten. Dafür Gedanken, die zu spät kommen – besser als zu früh.
Alles ist zu spät an diesem Podcast. Dass ich in meinem Alter lange nach dem Podcast Hype einen starte, in dem ich über Themen rede, über die schon alles gesagt wurde.
Oder eben nicht.
Ein Podcast hat einen Vorteil: Er funktioniert im Dunklen. Visuell wie intellektuell. Man muss nichts liefern, was der Algorithmus für würdig hält. YouTube bestraft jeden, der nicht mindestens im Halbsprint durch seine Themen schreit. Podcasts hingegen bestrafen alle gleichermaßen – indem sie niemanden finden. Eine Qualität, die ich überraschend entspannend finde.
Ich kann hier langsamer sprechen, tiefer denken und gelegentlich in Richtung moralischer Abgründe blinzeln, ohne dass sofort ein Content-Moderator mit einer digitalen Schere vorbeikommt. Und ja, Humor darf hier auch schwarz sein. So schwarz, dass man ihn im Dunkel der Nacht vielleicht gar nicht erkennt.
Veränderung spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Jede erste Folge ist ein Schritt in eine neue Richtung. Und Veränderung macht Menschen Angst. Besonders alte weiße Männer – eine Spezies, die panisch wird, sobald etwas nicht mehr exakt so bleibt wie damals, als man sich noch sicher fühlte und mit offenem Bademantel die Tür öffnen konnte.
Natürlich ist diese Folge unperfekt. Aber das ist ein Naturgesetz. Wenn dein erstes Mal perfekt war – herzlichen Glückwunsch, hat das deine Partnerin genau so gesehen?
Das erste Mal ist immer ein Aufbruch ins Unbekannte. Veränderung bedeutet Kontrollverlust. Und der Mensch fürchtet nichts mehr, als zu merken, dass das Leben weitergeht, auch wenn man stehen bleibt. Oder liegen bleibt. Oder unter der Dusche sitzt und sich fragt, ob der Podcast wirklich eine gute Idee war.
Podcasts sind im Grunde das, wie das Internet früher einmal war. Keine Plattformen, keine detaillierten Userdaten, keine Kommentare. Und genau diese Stille, diese Freiheit, dieser nächtliche Vakuumraum – den will ich hier nutzen.
Vielleicht schlummerst du am Ende ein. Vielleicht findest du es seltsam. Vielleicht beides. Und dann passt es perfekt zu mir.
Wenn du also Spaß an ruhiger Satire, dunklem Humor und gedanklichen Umwegen hast, die manchmal mehr über uns verraten, als gut wäre – dann bleib da. Abonniere. Hör nächste Woche wieder rein. Und tu mir den Gefallen: beschwer dich nicht über Ironie, nachdem ich dich fünfmal davor gewarnt habe.
Wir hören uns in der Nacht.
YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/@iandebay
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