Fakultät für Physik - Digitale Hochschulschriften der LMU - Teil 01/05

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Fakultät für Physik - Digitale Hochschulschriften der LMU - Teil 01/05 episodes

  • Physikunterricht im Kontext von Medizin und Biologie
    Eines der dringend zu lösenden Probleme des Physikunterrichts stellt das im Vergleich zu
    anderen Schulfächern geringe Interesse der Schüler und insbesondere Schülerinnen dar. Mangelnde
    Lernmotivation führt langfristig zu geringeren Lernerfolgen und zu einem Desinteresse
    an naturwissenschaftlichen Fragen als Erwachsener.
    Inzwischen gibt es eine Reihe von Untersuchungen über das Interesse von Schülerinnen und
    Schülern die zeigen, dass medizinische und biologische Themen auf relativ hohes Interesse
    stoßen. Von diesen Befunden ausgehend wurden für eine Reihe von medizinischen Themen
    Unterrichtseinheiten entwickelt und ihre Wirksamkeit bezüglich einer Interessenserhöhung
    überprüft.
    Folgende biologisch-medizinische Kontexte für die Einführung bzw. Anwendung physikalische
    Begriffe und Gesetze wurden ausgewählt:
    • Anhand des menschlichen Bewegungsapparates (Armgelenk, Kauapparat und Belastung
    der Wirbelsäule) wurden Begriffe wie Hebel und Drehmoment sowie Schwerpunkt erklärt.
    • Normale Atmung und Atmung beim Tauchen wurden zur Einführung des Luftdrucks verwendet.
    Weiterhin wurden physikalische Aspekte von Störungen im Blutkreislauf
    (Thrombose, Stenose, Aneurysma) betrachtet, um Begriffe und Gesetze aus der Hydrostatik
    und Hydrodynamik zu behandeln.
    • Einfache Untersuchungen am Auge, sowie die Behandlung der wichtigsten Fehlsichtigkeiten
    in Verbindung mit der Anatomie und Physiologie des menschlichen und tierischen
    Auges werden thematisiert. Hierbei standen die Akkommodationsformen in Luft und
    Wasser im Vordergrund.
    Den am Unterrichtsversuch beteiligten Lehrkräften wurden Materialsammlungen zur Verfügung
    gestellt. Die Unterrichtsvorschläge waren nicht bis ins letzte Detail ausgearbeitet, sodass
    die Lehrkräfte einen relativ großen Spielraum bei der Unterrichtsgestaltung hatten. Dies entspricht
    u.E. einer weitgehend realitätsnahen Verwendung von Vorschlägen durch die Lehrkräfte.
    Zur Veranschaulichung und Unterstützung der Themen wurden viele, auf die Grundfunktionen
    reduzierte Modelle gebaut und für die Erprobung zur Verfügung gestellt.
    Mit Hilfe einer Reihe von Fragebögen wurden die Einstellung der Lehrkräfte zu den unterrichteten
    Themen und das allgemeine Interesse der Schülerinnen und Schülern an Physik,
    sowie die Interessantheit des Unterrichts untersucht.
    Die Lehrerbefragung ergab, dass die neuen Unterrichtskonzeptionen, mit dem Ziel das Interesse
    an den Gegenständen der Physik durch eine explizite Berücksichtigung biologischmedizinischer
    Kontexte zu erhöhen, bei den Lehrkräften auf hohe Akzeptanz stoßen. Nach
    ihrer Einschätzung vergrößert der Bezug zur medizinischen Fragestellung sowohl für sie
    selbst als auch für die Schüler das Interesse am Physikunterricht.
    Vor- und Nachtest-Vergleiche ergaben eine Erhöhung des allgemeinen und des Fachinteresses
    in der Versuchsgruppe und eine Abnahme in der Kontrollgruppe.
    Eine Überlegenheit der Versuchsgruppe gegenüber der Kontrollgruppe bei der Interessantheit
    des Unterrichts konnte nicht nachgewiesen werden.
    In einigen Klassen wurden Leitungstests mit traditionellen Aufgaben geschrieben. Die Ergebnisse
    können so interpretiert werden, dass die Lernleistung der Versuchsgruppe in Physik
    nicht schlechter ausfiel als im traditionellen Unterricht. Allerdings haben die Schüler auch
    etwas in der Biologie und Medizin dazu gelernt.
    Der geschlechtsspezifische Vergleich zeigt, dass besonders die Mädchen bezüglich des Interesses
    von dem Konzept profitieren.
    Zusammenfassend sind die Ergebnisse so zu interpretieren, dass mit der Einbindung physikalischer
    Inhalte in biologisch-medizinische Kontexte das Interesse der Schülerinnen und
    Schüler wie angenommen gesteigert werden kann, ohne dass die Lernleistung darunter leidet.
    0 min
  • Vielkanal-Femtosekunden- Spektroskopie der Primaerreaktionen von archaebakteriellen Retinalproteinen im sichbaren Spektralbereich
    Das Ziel dieser Arbeit war die Untersuchung der Primaerreaktion der Photosensoren
    Sensorrhodopsin I und II aus dem Archaebakterium Halobacterium salinarum und Sensorrhodopsin
    II aus Natronobacterium pharaonis sowie die Durchfuehrung vergleichender
    Messungen an dem zur selben Familie gehoerenden Membranprotein Bakteriorhodopsin.
    Spektral aufgel�oste Anreg-Abtast-Experimente im sichtbaren Spektralbereich ermoeglichten
    dabei einen umfassenden Einblick in die schnellsten Prozesse nach der Lichtanregung.
    Da Femtosekundenlasersysteme mit den erforderlichen Spezifikationen zu Beginn dieser
    Arbeit noch nicht kommerziell erhaeltlich waren, musste zur Realisierung der Experimente
    ein Ti:Saphir-Laseroszillator und ein CPA-Verstaerker entwickelt werden, der die
    benoetigten Lichtimpulse von ca. 100 fs Dauer und 1 mJ Ausgangsleistung bei hoher
    Stabilitaet lieferte.
    Erste Hinweise auf das Verhalten der elektronisch angeregten Zustaende der Sensorrhodopsine
    vermittelten die in einem modifizierten hochempfindlichen Ramanspektrometer
    aufgenomenen Fluoreszenzspektren. Dabei konnten erstmalig die Fluoreszenzquantenausbeuten
    der Sensorrhodopsine bestimmt werden und unter gewissen Annahmen auch
    die Lebensdauern ihrer elektronisch angeregten Zustaende abgeschaetzt werden.
    Die Anreg-Abtast-Experimente wurden mit einer Zeitau
    �osung von ca. 100 fs im Spektralbereich
    von etwa 400 nm bis 700 nm durchgef�uhrt, wobei Absorptionsaenderungen im
    Promillebereich aufgeloest werden konnten. Innerhalb der ersten 200 fs nach der Lichtanregung
    wurden bei allen untersuchten Proben schnelle, nichtexponentielle Reaktionskinetiken
    beobachtet, die durch eine stark gedaempfte Abwaertssbewegung des auf der Potential
    flaeche des elektronisch angeregten Zustands praeparierten Wellenpakets interpretiert
    werden koennen. Diese Ergebnisse stuetzen mehrdimensionale Modelle der Primaerreaktion,
    bei denen der Isomerisierung des Retinals eine schnelle Relaxation hochfrequenter
    Schwingungsmoden vorausgeht.
    Die Rueckreaktion in den elektronischen Grundzustand und die damit verbundene Isomerisierung
    des Retinals verlaeuft im Fall des Photosensors Sensorrhodopsin II trotz der
    unterschiedlichen Grundzustandsspektren sehr aehnlich zu Bakteriorhodopsin. Bei Sensorrhodopsin
    I wurde jedoch eine sehr langsame Rueckreaktion innerhalb einiger Pikosekunden
    beobachtet, die bei dem eingestellten pH-Wert vermutlich zumindest teilweise
    durch eine veraenderte elektrostatische Wechselwirkung mit dem Gegenion der Schiss-
    schen Base verursacht wird. Ueber den Vergleich mit Literaturdaten an Halorhodopsin
    und BR-Mutanten konnten Vermutungen, dass die Geschwindigkeit der Primaerreaktion
    stark von dieser Wechselwirkung beein
    usst wird, weiter bestaetigt werden.
    Aus den aufgenommenen Daten konnten weiterhin die erst lueckenhaft bekannten Photozyklen
    der Sensorrhodopsine um einige Schritte ergaenzt werden und die Absorptionsquerschnite
    der gefundenen Zwischenzust�ande berechnet werden. Schliesslich konnte ein
    qualitatives Modell fuer die Prim�arreaktion der Familie der Retinalproteine vorgeschlagen
    werden, das als Grundlage fuer zuk�unftige Arbeiten dienen kann.
    0 min
  • Untersuchung der Oberflaechensegregation geordneter Legierungen mittels Ionenstreuung am Beispiel CuAu(100)
    In dieser Arbeit wurde die Oberflaechensegregation bei Legierungen mittels niederenergetischer
    Ionenstreuung (Low Energy Ion Scattering, LEIS) am Beispiel von CuAu untersucht.
    Waehrend der Arbeit wurden Methoden weiterentwickelt und insbesondere bei der Computersimulation
    neu entwickelt. Die Vorgehensweisen sind nicht auf das hier untersuchte
    System beschraenkt, sondern koennen mit leichten Modifikationen auf andere uebertragen
    werden. Ziel der Arbeit war es, die Au-Konzentration der ersten und zweiten Atomlage
    der (100)-Oberflaeche der binaeren Legierung CuAu in Abhaengigkeit von der Temperatur
    zu bestimmen. Cu1−xAux ist ein in Bezug auf die Volumenverhaeltnisse bestens untersuchtes
    klassisches System mit einem Ordnungs-Unordnungs-Phasenuebergang erster Ordnung.
    Zwei der drei wichtigsten stoechiometrischen Kompositionen, naemlich CuAu3 und
    insbesondere Cu3Au sind auch hinsichtlich ihres Verhaltens an der Oberflaeche eingehend
    untersucht. Fuer CuAu findet man wenig Information.
    Es zeigt sich, daß die Analyse der zweiten Atomlage von besonderem Interesse ist. Hier
    unterscheiden sich (mit Ausnahme von idealen Loesungen) monotone und oszillatorische
    Kompositionsprofile, was Rueckschluesse auf die Art der Nachbarwechselwirkungen zulaeßt
    (Legierungen mit Entmischungstendenz und ordnende Legierungen respektive). Die Auswertung
    der Ionenstreuintensitaeten aus der zweiten Lage ist jedoch durch Fokussierungsund
    Neutralisationseffekte kompliziert und konnte bisher nur modellartig ueber Parameterbestimmung
    behandelt werden. In dieser Arbeit wurde die quantitative Auswertung der
    Intensitaetsverteilungen aus LEIS-Experimenten erstmals nur mit Hilfe von Computersimulationen
    durchgefuehrt. Damit wurde die Au-Konzentration der zweiten Atomlage bestimmt.
    Die notwendigen Eichungen der Streupotentiale und der thermischen Vibrationsamplituden
    der Oberflaeche wurden an Eichproben der reinen Komponenten, Cu(100)und
    Au(110)(1×2), durchgef¨uhrt. Die kritische Groeße fuer die Potentiale ist die Abschirmlaenge.
    Sie wurde fuer 1.5 keV Na+-Streuung fuer Cu zu 77% und fuer Au zu 95% des Firsov’schen
    Wertes bestimmt. Diese Ergebnisse wurden durch Ausnutzung der Vielfachstreuung gewonnen
    und nicht, wie sonst ueblich, mit Hilfe von sehr aufwendig zu simulierenden Polarscans
    welche nur zu Kontrolle verwendet wurden. Die Variation der Vibrationsamplituden
    zeigte, daß sich fuer die Anpassung an LEIS-Resultate Uebereinstimmung mit theoretischen
    Literaturwerten ergibt. Gleichzeitig zeigte sich, daß zur Anpassung bestimmter experimentellen
    Intensitaeten eine Gitterrelaxation senkrecht zur Oberflaeche von etwa 7% einbezogen
    werden muß, was mit den Literaturwerten hinsichtlich der tetragonalen Einheitszelle von
    geordnetem CuAu in Einklang steht. Mit dem so gewonnenen Datensatz und der di-
    rekt aus der He+-Streuung bestimmten Au-Konzentration der ersten Atomlage konnte
    durch Vergleich von Simulationsrechnungen mit Realraumkartierungen der gemessenen
    Intensitaeten erstmals die Komposition der ersten und zweiten Atomlage von CuAu(100)
    bestimmt werden. Es zeigt sich Au-Segregation in Verbindung mit leicht gestoerter idealer
    Volumenterminierung. Oberhalb der Uebergangsemperatur des Phasenuebergangs im Volumen
    faellt die Au-Konzentration von urspruenglich 95% in der ersten Lage auf 75% bei
    750◦C ab, gleichzeitig steigt sie in der zweiten Lage von 5% auf etwa 30% an. Eine rein
    statistische Gleichverteilung wird erkenbar bis nahe an den Schmelzpunkt nicht erreicht.
    Fuer die Segregationsenergie wurde ein Wert von -0.3 eV ermittelt. Die Ergebnisse werden
    mit Simulationsrechnungen von Terser verglichen und zeigen sehr gute Uebereinstimmung,
    was moeglicherweise mit der guten Beschreibbarkeit der Segregation von CuAu mit Paarwechselwirkungspotentialen
    zusammenhaengt. Ferner wurden die Computersimulationsmethoden
    verbessert: Der 3D-Code MARLOWE wurde hinsichtlich Simulationsleistung
    gesteigert: laengere Variablen und Erweiterung zur Beruecksichtigung unterschiedlicher Vibrationsamplitude
    0 min
  • Coulombanregung von 180/181Ta und die Nukleosynthese von 180Ta im s-Prozess
    Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit ist auf das extrem seltene Isotop 180Ta gerichtet.
    180Ta ist eines der wenigen Isotope, dessen Nukleosynthese unklar ist. Als weitere
    Besonderheit liegt 180Ta in der Natur in einem isomeren Zustand vor. Eine wichtige
    Fragestellung dieser Arbeit ist, ob Zwischenzust¨ande im 180Ta existieren, die das
    Isomer mit dem unstabilen Grundzustand koppeln. Die Existenz solcher Zustaende
    kann Auswirkungen auf die Nukleosynthese von 180Ta in heißen Entstehungsszenarien
    wie dem s-Prozess haben, da ueber thermisch anregbare Zwischenzustaende das
    Isomer in den Grundzustand entvoelkert werden koennte. Durch Coulombanregung
    sollten moeglichst viele Zust¨ande im 180Ta entdeckt und auf ihr moegliches Wirken als
    Zwischenzustaende untersucht werden.
    Im ersten Teil der Arbeit wird ein zu diesem Zweck am Niels-Bohr-Institut in
    Risø, Daenemark, durchgefuehrtes Coulombanregungs-Experiment beschrieben, bei
    dem 180Ta erstmals gammaspektroskopiert werden konnte. Ein an 180Ta angereichertes
    und ein nicht angereichertes Tantaloxidtarget wurden mit 58Ni-Projektilen
    mit einer Energie von 225 MeV bestrahlt. Durch den Vergleich dieser Spektren
    konnten die auf dem Isomer im 180Ta aufbauende Rotationsbande sowie Zust¨ande,
    die wahrscheinlich zu zwei γ-Vibrationsbanden gehoeren, gefunden werden. In dem
    mitspektroskopierten Isotop 181Ta konnten neue Uebergaenge entdeckt werden, die
    den bisher unbekannten γ-Vibrationsbanden zugeschrieben werden. Aus den gemessenen
    γ-Intensitaeten wurden die Uebergangsmatrixelemente zwischen den gefundenen
    Zustaenden von 180Ta und 181Ta bestimmt.
    Der zweite Teil der Arbeit stellt ein am Muenchener Tandem-Beschleuniger durchgef
    uehrtes Aktivierungsexperiment zur Suche nach Zwischenzustaenden im 180Ta vor.
    In diesem Experiment wurden angereicherte und nicht angereicherte Tantaloxidtargets
    mit 36S- und 64Ni-Projektilen bei verschiedenen Energien bestrahlt und
    die gestreuten 180Ta-Kerne in Folien aufgefangen. Nach der Bestrahlung waren
    in den Folien Grundzustandszerf¨alle von 180Ta-Kernen nachweisbar. Das Experiment
    zeigt, dass Coulomb-anregbare Zwischenzustaende im 180Ta existieren, die das
    Isomer mit dem Grundzustand koppeln. Um die Multipolaritaet der Anregung und
    die Energie der Zwischenzustaende zu bestimmen, wurden fuer drei Kopplungsmodelle
    (K-verbotenes-, γ-Vibrations- und Oktupol-Vibrations-Kopplungsmodell) die
    ¨Ubereinstimmung mit den experimentellen Daten getestet.
    Im dritten Teil der Arbeit wird die Nukleosynthese von 180Ta im s-Prozess mit und
    ohne Beruecksichtigung von Zwischenzustaenden diskutiert. Die Rechnungen im Fall
    von Zwischenzustaenden zeigen, dass die Nukleosynthese von 180Ta durch den klassischen
    s-Prozess erklaert werden koennte.
    0 min
  • Atomare Prozesse in starken Laserfeldern
    Die sprunghafte Entwicklung in der Femtosekundenlasertechnologie Anfang der 90er
    Jahre ermöglicht es, laserphysikalische Experimente in den verschiedensten Bereichen
    der Naturwissenschaften bei Pulsdauern von einigen Femtosekunden und elektrischen
    Feldstärken in der Größenordnung inneratomarer Felder durchzuführen. Im Rahmen dieser
    Arbeit wurden die drei wichtigsten Prozesse im Bereich der Wechselwirkung von
    Atomen mit starken Laserfeldern untersucht:
    Im Fall der Above-threshold Ionisation (ATI) absorbiert ein Elektron aus dem Lichtfeld
    mehr Photonen, als zu seiner Ionisation notwendig sind. Die Überschussenergie kann
    mit einem Flugzeitspektrometer in Form der kinetischen Energie des Photoelektrons gemessen
    werden. Im ATI-Spektrum wird die Zahl der gemessenen Photoelektronen als
    Funktion ihrer Energie aufgetragen: Es ergibt sich eine Serie von Maxima im Abstand
    der Photonenenergie. Diese fallen mit steigender Photoelektronenenergie stark ab und
    entsprechen der Anzahl der jenseits der Ionisationsschwelle absorbierten Photonen. Die
    Form der Spektren gibt detaillierte Hinweise auf Einzelheiten des Ionisationsvorgangs.
    Zum Beispiel misst man für lineare Polarisation des eingestrahlten Lichts eine plateauartige
    Struktur, die durch einen Rückstreuprozess des Elektrons am Ionenrumpf hervorgerufen
    wird: Die Einhüllende des ATI-Spektrums folgt zunächst dem störungstheoretisch
    erwarteten starken Abfall für niedrige Elektronenenergien. Sie geht dann in das ATIPlateau
    über, bis sie am sogenannten Cutoff endgültig stark abfällt.
    Neben dem Ionisationsprozess beobachtet man bei der Wechselwirkung von Atomen
    mit intensiven Laserfeldern auch die Erzeugung hoher Harmonischer (high harmonic generation,
    HHG). Dabei emittieren die Atome Strahlung mit Photonenenergien, die einem
    Vielfachen der Energie der eingestrahlten Photonen entsprechen. Aufgrund der Inversionssymmetrie
    werden im Gas nur die Harmonischen ungerader Ordnung erzeugt. HHG
    kann durch Elektronen erklärt werden, die - statt wie bei ATI am Ionenrumpf zu streuen,
    rekombinieren und auf diese Weise die aus dem Laserfeld aufgenommene Energie in
    Form von hochenergetischer Strahlung abgeben. Auch im Spektrum der Harmonischen
    fand man ein Plateau, das sich bis in den Bereich weicher Röntgenstrahlung erstrecken
    kann. HHG erlaubt es damit, vergleichsweise effizient kohärente kurzwellige Strahlung
    zu erzeugen, die vielversprechende Anwendungen ermöglicht, zum Beispiel in der Biologie
    (Mikroskopie).
    Als dritte Möglichkeit kann das Elektron seine während des Ionisationsprozesses gewonnene
    Energie dazu benutzen, ein zweites Elektron aus dem Atom zu lösen. Dies wird
    nicht-sequentielle Doppelionisation (NSDI) genannt und beinhaltet hochinteressante korrelierte
    Ionisationsdynamik.
    Für die Experimente dieser Arbeit wurde ein hochrepetitives (100kHz) Lasersystem
    aufgebaut, das bei einer Pulsenergie von 6µJ und einer Pulsdauer von 50fs Spitzenintensitäten
    von 2 · 1014W/cm2 erzeugt. Für Messungen in diesem Intensitätsbereich wurde
    ein kombiniertes Elektronen- und Ionen-Flugzeitspektrometer sowie ein Vakuum-UVSpektrometer
    konstruiert. Ersteres wurde im Rahmen dieser Arbeit aufgebaut und erlaubt
    die gleichzeitige Messung von Elektronen und Ionen. Das XUV-Spektrometer wurde im
    Rahmen dieser Arbeit umgebaut und erstmals zur Messung hoher Harmonischer eingesetzt.
    Bei einer Repetitionsrate von 100kHz sind sehr detaillierte Analysen des Ionisationsprozesses
    möglich. So wurde eine vergleichende Studie zum Einfluß der Elliptizität des
    einfallenden Lichtfeldes auf die drei oben genannten Effekte durchgeführt. Elliptisch polarisiertes
    Licht beschleunigt das Elektron in zwei Raumrichtungen. Mit zunehmender
    Elliptizität verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass das Elektron während des Ionisationsprozesses
    zum Ionenrumpf zurückkehrt und damit auch die Effizienz von ATI, HHG
    und NSDI. Ihre Abhängigkeit von der Elliptizität wurde unter nahezu identischen experimentellen
    Bedingungen gemessen. Die Messung bestätigt die
    0 min
  • Einzelne Kalziumionen in einem optischen Resonator
    Ziel der hier vorliegenden Arbeit war es, ein einzelnes in einer Ionenfalle gespeichertes
    Kalziumion als Meßsonde fuer das elektromagnetische Feld eines optischen
    Resonators zu verwenden. Bei einer Anregungswellenlaenge von 397 nm konnte das
    Feld mit einer Au߬osung von 60 nm unterhalb der Beugungsgrenze vermessen werden.
    Die untere Grenze der Aufloesung wird bei Verwendung eines gespeicherten
    Ions nur durch die Ausdehnung der Wellenfunktion des Ions im Schwingungsgrundzustand
    des Fallenpotentials bestimmt und kann bei Kuehlung des Ions in
    den Schwingungsgrundzustand weniger als 10 nm betragen. Die Aufloesungsgrenze
    von 60 nm war aufgrund der Doppler-Kuehlung durch die Restbewegung des Ions
    bestimmt.
    Aufloesungen unterhalb der Beugungsgrenze werden auch bei der Nahfeld-
    Mikroskopie erreicht, wobei die Aufl¨osung durch die Groeße der Meßsonde gegeben
    ist. Durch die Verwendung einzelner Molekuele als Meßsonde wurden Aufloesungen
    unter 100 nm erzielt. Gemessen wird die Intensitaetsverteilung des optischen Nahfeldes
    durch Detektion des Fluoreszenzlichtes, das vom Molek¨ul in Abhaengigkeit
    seiner Position emittiert wird. Um die Position des Molekuels relativ zur Probe
    kontrollieren zu koennen, muß das Molekuel in einer Kristallmatrix oder auf einem
    Substrat fixiert werden mit dem Nebeneffekt, daß das zu messende Feld veraendert
    wird. Diese unerwuenschte Beeinflussung der Meßgr¨oße durch die Messung wird bei
    der Vermessung des Feldes mit einem einzelnen Ion in einer Ionenfalle vermieden.
    Das zu diesem Zweck entwickelte System aus linearer Ionenfalle und optischem
    Resonator ermoeglicht es, die relative Position zwischen Ion und elektromagnetischem
    Feld auf Bruchteile der Wellenl¨ange des Feldes festzulegen und so die
    unverfaelschte Feldverteilung mit hoher Aufloesung dreidimensional zu vermessen.
    Die genaue relative Positionierung von Ion und Resonatormode impliziert dabei
    die praezise Kontrolle der Kopplung zwischen einem einzelnen Ion und dem elektromagnetischen
    Feld einer Resonatormode. Das hier vorgestellte System bietet
    demzufolge auch ideale Voraussetzungen, um Resonator-Quantenelektrodynamik
    mit einzelnen Ionen durchzufuehren.
    Experimente, die die Wechselwirkung einzelner Atome mit dem elektromagnetischen
    Feld einer Resonatormode untersuchen, verwenden bis heute Atome, die den
    Resonator durchqueren oder im Umkehrpunkt eines atomaren Springbrunnens
    fuer wenige Millisekunden im Resonatorfeld verweilen. Diese Messungen beinhalten
    also immer eine Mittelung ueber die tats¨achlich im Resonatorfeld befindlichen
    Atome und ihre unterschiedliche Kopplung an das Resonatorfeld. Die Atomstatistik
    zerstoert in diesen Experimenten im allgemeinen nichtklassische Effekte, die
    in einem idealen System aus einzelnem Atom und Resonatorfeld theoretisch er-
    wartet werden. Die hier beschriebene Anordnung erlaubt dagegen, wie die dreidimensionale
    Vermessung einer Feldmode zeigt, daß eine exakte Kontrolle ueber die
    Ion-Feld Kopplung bei nahezu unbegrenzter Speicherzeit des Ions im Resonatorfeld
    erreicht wird. Auf den erzielten Ergebnissen aufbauend koennen Experimente
    im Bereich der starken Ion-Feld Kopplung durchgefuehrt werden, bei denen die
    oben erwaehnten Nachteile bisheriger Experimente nicht mehr vorhanden sind.
    Erstmals eroeffnet sich die Meoglichkeit der deterministischen Erzeugung von Ein-
    Photonen-Pulsen und der Konstruktion eines Lasers, der mit nur einem einzigen
    Ion als aktivem Medium betrieben werden kann.
    Zur Lokalisierung eines einzelnen Kalziumions im Resonatorfeld, wurde eine lineare
    Falle vom Typ eines Quadrupol-Massenfilters konstruiert. Entlang ihrer Achse
    ist diese Falle in mehrere Speicherzonen unterteilt, in denen jeweils ein einzelnes
    Kalziumion oder auch eine Kalziumionenwolke gespeichert werden kann. In einer
    Speicherzone wird die Falle geladen, waehrend die Experimente in einer 2,5 cm
    entfernten Zone durchgefuehrt werden, die zwischen den Spiegeln eines Resonators
    liegt. Auf diese Weise wird eine Aufladung der Spiegel und eine Bedampfu
    0 min

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