In der vorliegenden Arbeit wurde ein Unterrichtskonzept zur mechanischen Energie
und zur Wärmelehre entwickelt. Basis für das Unterrichtskonzept war eine
detaillierte didaktische Analyse, die sich aus relevanten Forschungsbeiträgen der
allgemeinen Didaktik, der Psychologie, der Soziologie (Kapitel 2) und der
Fachdidaktik (Kapitel 3) zusammensetzt. Das auf dieser didaktischen Analyse
beruhende, neu entwickelte Unterrichtskonzept wird in Kapitel 4 ausführlich
vorgestellt. Daran schließen sich in Kapitel 5 die Untersuchungsmethoden und die
daraus gewonnen Ergebnisse einer vergleichenden Untersuchung an. Bei dieser
vergleichenden Untersuchung wird der Lernerfolg einer Versuchsgruppe, die nach
dem neuen Unterrichtskonzept unterrichtet wurde, dem Lernerfolg einer
Kontrollgruppe, die nach dem bisherigen bayerischen Lehrplan unterrichtet wurde,
gegenübergestellt. Es zeigt sich, dass der Lernerfolg der Versuchsgruppe in etwa
doppelt so groß ist wie der Lernerfolg der Kontrollgruppe.
Im Folgenden werden kurz die wesentlichen Ziele (kursiv), die mit der Entwicklung
des vorliegenden Unterrichtskonzepts verfolgt wurden und die dazugehörigen
Ergebnisse vorgestellt.
- Besseres Verständnis des Energiebegriffs: Die Einführung des Energiebegriffs mit
Hilfe des Erhaltungsgedankens führt bei den Schülern/Schülerinnen der
Versuchsgruppe zu einem deutlich höheren Lernerfolg verglichen mit den
Schülern/Schülerinnen der Kontrollgruppe, bei denen die Energie anhand der
physikalischen Arbeit eingeführt wurde. Wie die Lernerfolgstest weiterhin zeigen,
haben die Schüler/innen neben dem Erhaltungsgedanken auch die Konzepte
Energieumwandlung und Energietransport besser verstanden.
- Auffinden einer geeigneten Verbindung zwischen den beiden Kapiteln
„mechanische Energie“ und „Wärmelehre“: Der Energieerhaltungssatz erwies
sich als ideales Bindeglied zwischen den Kapiteln „mechanische Energie“ und
„Wärmelehre“. Der Erhaltungsgedanke führt bei der Betrachtung mechanischer
Systeme, die mit Reibung behaftet sind, zwangsläufig zur Einführung der inneren
Energie eines Systems. Die Schüler/innen der Versuchsgruppe weisen beim Item,
das den Zusammenhang zwischen der mechanischen Energie und der inneren
Energie abfragt, einen deutlich höheren Lernerfolg als die Schüler/innen auf, bei
denen die inneren Energie mit Hilfe der mechanischen Arbeit eingeführt wird
(Kontrollgruppe).
- Verwendung des nullten, ersten und zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik als
strukturbildende Momente der Wärmelehre: Die genannten Hauptsätze bilden bei
dem neu entworfenen Unterrichtskonzept die Eckpfeiler, auf denen die
Wärmelehre aufgebaut ist. Der Erfolg des neuen Konzepts zeigt sich darin, dass
die Schüler der Versuchsgruppe beim Lernerfolgstest zur Wärmelehre wesentlich
besser als die Schüler der Kontrollgruppe abschneiden.
- Vermeidung von physikalischen Fehlvorstellungen: Die bisherige Fachdidaktik -
Literatur zeigt eine ganze Reihe von Fehlvorstellungen der Schüler/innen auf.
Diesen Fehlvorstellungen wird in dem neu entworfenen Unterrichtskonzept aktiv
entgegengetreten. Das hat zur Folge, dass zum Beispiel der Wärmebegriff von den
Schülern/Schülerinnen der Versuchsgruppe sehr viel besser beschreiben wurde als
von Schülern/Schülerinnen der Kontrollgruppe.
- Förderung von Mädchen im Physikunterricht: Durch die Einbeziehung
biologischer Beispiele und die gleichzeitige Reduzierung technischer Beispiele ist
es gelungen, das Interesse der Mädchen zu verstärken. Das zunehmende Interesse
der Mädchen hat zur Folge, dass die Mädchen der Versuchsgruppe bei den
Lernerfolgstests etwas besser als ihre Mitschüler abschneiden. Im Vergleich dazu
ist der Lernerfolg der Mädchen der Kontrollgruppe signifikant geringer als der
Lernerfolg ihrer Mitschüler.