In der Zellbiologie leisten Elastizitätsmessungen auf der Submikrometerskala an lebenden Zellen
wichtige Beiträge zur Aufklärung von Fragen der Zellmechanik. Vor diesem Hintergrund wurde
in dieser Arbeit die Methode der Elastizitätsmessung mit dem Rasterkraftmikroskop (AFM)
erweitert, um quantitative Elastizitätsuntersuchungen auch an äußerst weichen dünnen Proben
durchführen zu können. Die diskutierten Proben sind dabei mit einem Elastizitätsmodul von
einigen Kilopascal extrem weich und haben gleichzeitig eine Dicke von lediglich einigen 100
Nanometern. Bisherige Analysemethoden der Elastizitätsmessungen basierten meist auf dem
sogenannten Hertzmodell: einem theoretischen Modell, das zum einen nur die Eindrückung in
äußerst dicke Proben beschreibt und zum anderen lediglich von der AFM-Spitze abweichende
Stempelgeometrien beinhaltet. Mit dem Hertzmodell berechnete Elastizitätswerte mußten daher
stets als Näherung verstanden werden.
Für die Analyse elastischer Eigenschaften mit dem AFM ist die genaue Kenntnis der
mechanischen Wechselwirkung zwischen AFM-Spitze und Probe von zentraler Bedeutung.
Diese wurde mit der Finite-Elemente-Methode (FEM) untersucht, indem die vollkommen
elastische Eindrückung der AFM-Spitze in gummielastische Proben simuliert wurde. Hierbei
wurde insbesondere der Einfluß der Probendicke und der Geometrie des eindrückenden
Stempels auf das Kraft-Eindrückungsverhalten charakterisiert.
Mit Hilfe der FEM konnte gezeigt werden, daß im Falle dünner Proben zwei unterschiedliche
Ursachen bei der Analyse der Elastizitätsmessungen durch das Hertzmodell, zu einem
systematischen Überschätzen des berechneten Elastizitätsmoduls führen: Einerseits die vom
Hertzmodell abweichende Geometrie der AFM-Spitze und andererseits die geringe Probendicke.
Letzteres führt zur Detektion des harten Substrates im Kraft-Eindrückungsprozeß. Erst bei einer
Probendicke von über 1,5 µm führt das Hertzmodell bei den untersuchten weichen Proben und
Auflagekräften von unter 1 nN nur noch zu geringen Abweichungen in der Elastizitätsanalyse.
Dagegen ist mit dem Hertzmodell eine exakte Bestimmung der Topographie selbst extrem
weicher Proben mit geringer Dicke möglich. Dazu wird der Kontaktpunkt im Kraft-
Eindrückungsprozeß mittels Hertzmodell berechnet. Die Höhe der Probe wird dabei geringfügig
unterschätzt, die Abweichung bewegt sich in der Größenordnung des Radius der AFM-Spitze.
Zur Verbesserung der Elastizitätsanalyse wurde mit Hilfe simulierter Kraft-Eindrückungskurven
eine parametrische Erweiterung des Hertzmodells entwickelt, welche sowohl die Geometrie der
AFM-Spitze als auch die Dicke der Proben berücksichtigt. Das Parametrische Modell wurde für
Probendicken unter 1 µm optimiert. Es ermöglicht nun die Bestimmung des Elastizitätsmoduls
unabhängig von der Dicke der Probe, wodurch die Methode der Elastizitätsmessung mittels
AFM deutlich verbessert werden konnte. Im Falle von homogenen Materialien ermöglicht das
Parametrische Modell eine exakte Bestimmung der Dicke und des Elastizitätsmoduls der Probe.
Außerdem sind mit Hilfe des Parametrischen Modells feinste Inhomogenitäten der Probe
detektierbar. So ist es gelungen in Gelatinekeilen von lediglich einigen 100 nm Dicke noch
tiefenabhängige Elastizitätsveränderungen aufzuspüren.
Die parallele Anwendung des Hertzmodells und des Parametrischen Modells erlaubt nun auch
bei inhomogenen Materialien sowohl eine exakte Bestimmung von Topographie als auch der
Elastizität weicher Oberflächenschichten.
Als Anwendungsbeispiel von Zellelastizitätsmessungen wurde das Adhäsionsverhaltens von
Osteoblasten auf verschiedenen Substratmaterialien charakterisiert. Das Adhäsionsverhalten
einzelner Zellen auf den verschiedenen Substraten wurde dabei aus den resultierenden
Unterschieden in Elastizität und Morphologie der Zellen beurteilt. Diese Methode ermöglicht
einen neuen Zugang zur Untersuchung der Biokompatibilität der Substratmaterialien auf
zellulärer Ebene in vitro.
An aktiven Herzmuskelzellen wurde das A