Fakultät für Physik - Digitale Hochschulschriften der LMU - Teil 01/05

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Fakultät für Physik - Digitale Hochschulschriften der LMU - Teil 01/05 episodes

  • Kraftspektroskopie an lebenden Zellen
    Das Kraftmikroskop hat sich in vieler Hinsicht als effizientes Gerät für
    Untersuchungen und Manipulationen auf molekularer Ebene erwiesen. Dabei wird
    selbst unter physiologischen Bedingungen eine Auflösung erreicht, die
    Proteinsubstrukturen erkennen läßt. Als Kraftspektroskop kann es mechanische
    Eigenschaften wie Dehnungsverhalten und Reißfestigkeit einzelner Moleküle, die
    zwischen der Sensorfeder und der Unterlage eingespannt werden, untersuchen.
    Sogar die Bindungskräfte zwischen einem Molekül am Kraftsensor und einem
    anderen am Substrat können mittels Kraftspektroskopie mit etwa 3 pN Genauigkeit
    ermittelt werden. Von besonderem Interesse solcher Untersuchungen sind Moleküle
    mit spezifischer Affinität nach dem Schlüssel-Schloß-Prinzip, wie Rezeptor-Ligand-
    Systeme und Adhäsionsmoleküle.
    Bisher waren hauptsächlich wasserlösliche Moleküle solchen Messungen zugänglich.
    Bindungen zwischen amphiphilen Proteinen oder Membranproteinen zu messen, die
    durch hydrophobe Wechselwirkungen in der Membran verankert sind, erfordert
    neue Konzepte. Diesen Molekülen gilt das Augenmerk dieser Arbeit. Da die
    Verankerung in sogenanten „supported bi-layern“ und Vesikeln nicht immer zum
    gewünschten Erfolg führt, wird hier eine ungewöhnliche, aber sehr natürliche
    Alternative vorgestellt:
    Das Adhäsionsmolekül wird nicht aufwendig isoliert und der Meßmethode
    zugänglich gemacht, sondern bleibt in seiner natürlichen Umgebung, der Zelle,
    wohingegen die Methode angepasst wird. Dies ist durch die Befestigung einer Zelle
    am Kraftsensor eines Kraftspektroskopes geglückt und es gelang damit erstmals die
    Adhäsionskraft eines einzelnen Adhäsionsmoleküls in einer lebenden Zelle zu
    messen.
    So einfach diese Methode beschrieben ist, so viele Unwägbarkeiten treten dabei
    durch die hohe Komplexität der Zelle und der Zelloberfläche im Besonderen auf.
    Daher wird einleitend eine grobe Einführung in die Funktionen und den Aufbau
    einer Zelle und die üblichen Meßmethoden im Bereich der Zelladhäsionsmessung
    vorgestellt. Die Beschreibung der Meßmethode und der Umrüstung des
    Kraftmikroskopes zum Zelladhäsionskraftspektroskop sind durch technische Details
    im Anhang vervollständigt. Etwas aufwendig ist die Zusammenstellung der Daten,
    Theorien und Annahmen zum Aufbau eines semi-empirischen Modells zur
    Beschreibung der Adhäsionskraftmeßkurven beim Trennen adhärierender Zellen,
    auf der Basis vieler unabhängiger Einzelmolekülbindungen. Mit dem
    Zelladhäsionkraftspektroskop wurden dafür die Youngs-Moduli und die viskoelastischen
    Kelvin-Modell-Parameter verschiedener Zellen in dem eigens
    entwickelten „visko-elastic-response-mode“ vermessen. Ebenso wurden die
    Einflüsse der Zellkontaktkraft und der Kontaktzeit, sowie der Zuggeschwindigkeit
    auf die Zelladhäsionsantwort studiert und in Formeln gefaßt. Das Modell simuliert
    diese Meßdaten in guter Übereinstimmung und gibt dadurch einen Einblick in die
    physikalischen Randbedingungen für das einzelne Adhäsionsmolekül während
    solcher Experimente unter Berücksichtigung des zelltypischen Phänomens der
    Tetherbildung. Insbesondere kann damit die Bindungsdichte bei Adhäsionen auf
    verschiedenen Oberflächen berechnet werden. Demnach schließt eine Epithelzelle
    etwa vier Bindungen pro Quadratmikrometer mit einer Glasoberfläche, zwei mit
    einer anderen Epithelzelle und nur 0,8 mit einer passivierten Oberfläche.
    Mit kraftspektroskopischen Messungen der Adhäsionskräfte bei der Einnistung eines
    Trophoblasten in die Gebärmutter an einem naturnahen Laborsystem kann eine
    andersartige - mit dem Modell unabhängiger Bindungen nicht beschreibbare -
    Wechselwirkung identifiziert werden. Die Meßergebnisse deuten auf einen
    kooperativen Prozeß der molekularen Adhäsionsinselbildung hin. Kontrollmessungen
    an funktionalisierten Oberflächen erhärten diese Hypothese. Mit ersten
    Ergebnissen von Adhäsionsmessungen zwischen Knochenzellen und potentiellen
    Implantatoberflächen wird neben dem Einfluß der Oberflächenbeschaffenheit auch
    der des Meßmediums nachweisbar, wodurch die Gen
    0 min
  • Kraftinduzierte Sekundärstrukturänderungen in einzelnen Molekülen
    In dieser Arbeit wurde die in den letzten Jahren entwickelte Technik der auf
    dem Kraftmikroskop basierenden Einzelmolekül-Kraftspektroskopie auf zwei
    spezielle Systeme angewendet: Poly(ethylen Glycol) (PEG) und das Membranprotein
    Bakteriorhodopsin. Im Vordergrund stand dabei die Analyse der mechanischen
    Stabilität von Sekundärstrukturen.
    PEG ist aufgrund seiner ungewöhnlich hohen Wasserlöslichkeit eines der
    wichtigsten Polymere mit einer Vielzahl von technischen Anwendungen. Es wurden
    Messungen zur Elastizität einzelner PEG in Abhängigkeit des Lösungsmittels
    durchgeführt. Mit diesen Messungen konnte der genaue molekulare Mechanismus
    nachvollzogen werden, der zu der hohen Wasserlöslichkeit führt. Zudem konnte
    gezeigt werden, wie mit einem einfachen Modell neben Konformationsänderungen
    auch Konformationsenergien des Polymers quantitativ bestimmt werden können.
    Die Kraftspektroskopie als Instrument zur Untersuchung von mechanisch
    induzierten Strukturänderungen, z.B. der Proteinentfaltung, wurde bisher immer
    nur auf polymere Strukturen angewendet. Ziel der Messungen an Bakteriorhodopsin
    war es zu zeigen, dass sich diese Technik auch auf Moleküle anwenden lässt, die
    nicht aus sich wiederholenden Einheiten aufgebaut sind. Es konnte der genaue
    Entfaltungsweg von Bakteriorhodopsin mit all seinen stabilen Zwischenstrukturen
    bestimmt werden. Mechanismen der Stabilisierung wie die Nachbarschaft von
    Helices, hydrophobe Wechselwirkung und der Einfluss räumlicher Einschränkung
    konnten dabei in ihren Auswirkungen auf die Stabilität der Proteinstruktur
    beobachtet werden.
    0 min

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