Im Rahmen dieser Arbeit werden Nanostrukturen aus biologischen Molekülen untersucht,
sowie neue Methoden zur Strukturierung biologischer Systeme im nanoskaligen Bereich
entwickelt und vorgestellt. Neben selbstorganisierten und enzymatischen Prozessen, wie sie
bei der Strukturbildung biologischer Systeme eine wesentliche Rolle spielen, wird insbesondere
auch eine neuartige Methode der gerichteten enzymatischen Hydrolyse biologischer
Membranen, die eine gezielte Strukturierung im Nanometerbereich ermöglicht, vorgestellt. Vor
dem Hintergrund, daß die Natur mit Polynucleinsäuren extrem vielseitige, universell
einsetzbare und chemisch sowie molekularbiologisch sehr gut handhabbare molekulare
Bausteine für den selbstorganisierten Aufbau hochintegrierter Nanoarchitekturen zur
Verfügung stellt, werden ferner die grundlegenden Mechanismen und Kräfte der molekularen
Erkennung bei der DNA-Basenpaarung sowie die mechanische Stabilität der DNA-
Doppelhelix untersucht.
- Durch kraftmikroskopische Untersuchungen an einer binären Mischung aus Dipalmitoyl-
Phosphatidylcholin (DPPC) und Diarachidoyl-Phosphatidylcholin (DAPC) konnte
erstmals die laterale Struktur von binären Lipidmischungen in Lipiddoppelschichten direkt
bestimmt werden. Es konnte gezeigt werden, daß diese biologisch wichtigen Lipide in
Lipiddoppelschichten spontan Domänen mit einer chrakteristischen Größe von etwa 10 nm
bilden. Ein Vergleich der Ergebnisse der kraftmikroskopischen Untersuchungen mit denen
von Neutronendiffraktionsexperimenten zeigte eine hervorragende Übereinstimmung der mit
diesen beiden komplementären Techniken bestimmten mittleren Domänenabstände.
- Untersuchungen des enzymatischen Abbaus von Lipidmembranen durch das lipolytische
Enzym Phospholipase A2 (PLA2) erlaubten erstmals Einblicke in die Aktivität dieser
Enzyme auf der Einzelmolekülebene. Es konnte gezeigt werden, daß die Enzymaktivität
stark von den physikalischen Eigenschaften der Membran abhängig ist und daß Membranen
in der Gel-Phase ausschließlich von Membrandefekten her und entlang der Hauptachsen des
Molekülkristalls hydrolysiert werden, während die Hydrolyse flüssigkristalliner
Membranen im wesentlichen isotrop verläuft. Die am freien Enzym gewonnenen
Erkenntnisse konnten dann in einem nächsten Schritt zur Entwicklung einer neuartigen
gerichteten Hydrolyse von Lipidmembranen genutzt werden, bei der mit der Spitze eines
Rasterkraftmikroskops gezielt Defekte in kristallin gepackten Membranen induziert
werden, und die Membranen dann durch das Enzym an Stellen mit diesen künstlichen
Packungsdefekten hydrolysiert wird. Auf diese Weise konnten künstliche Strukturen in
festkörpergestützten Membranen mit minimalen Strukturdurchmessern von bis zu 10 nm
erzeugt werden.
- Mit Hilfe von kraftspektroskopischen Untersuchungen an einzelnen DNA-Molekülen
konnte erstmals ein neuartiger kraftinduzierter Schmelzübergang, der je nach
Kraftladungsrate, Umgebungsbedingungen und DNA-Sequenz und Topologie zwischen
einigen Piconewton (pN) und etwa 300 pN stattfindet, nachgewiesen werden. Durch
Variation von Kraftladungsrate, Ionenstärke, Umgebungstemperatur und DNA-Sequenz
konnte gezeigt werden, daß die mechanische Energie die unter Gleichgewichtsbedingungen
bis zum kraftinduzierten Schmelzen in der DNA-Doppelhelix deponiert werden kann,
hervorragend mit der freien Basenpaarungsenthalpie ∆Gbp der entsprechenden DNA-
Sequenz unter den jeweiligen Umgebungsbedingungen übereinstimmt. Es konnte gezeigt
werden, daß sich mit Hilfe der Temperaturabhängigkeit der mechanischen Stabilität von
DNA die thermodynamischen Größen ∆Hbp und ∆Sbp von DNA direkt aus
Kraftexperimenten an einzelnen Molekülen bestimmen lassen. Schließlich konnten die
Basenpaarungskräfte von DNA erstmals sequenzspezifisch bestimmt werden. Die zum
reißverschlußartigen Aufbrechen e