Fakultät für Physik - Digitale Hochschulschriften der LMU - Teil 01/05

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  • Atomlaser und Phasenkohärenz atomarer Bose-Einstein-Kondensate
    In der vorliegenden Arbeit wird über die erstmalige kontinuierliche Auskopplung von Atomen
    aus einem atomaren Bose-Einstein-Kondensat berichtet. Es wurde so eine kohärente
    Strahlquelle für Materiewellen entwickelt, die aufgrund ihrer Analogie zu der Erzeugung
    von Licht in einem Laser als Atomlaser bezeichnet wird. In einer neu entwickelten magnetischen
    Ioffe-Falle mit einem äußerst stabilen Fallenpotential wurden dazu Bose-Einstein-
    Kondensate aus 87Rb Atomen erzeugt. Mit Hilfe von kontinuierlich eingestrahlten Radiofrequenzwellen
    konnte das gefangene kohärente Materiefeld eines Bose-Einstein-Kondensats
    lokal an die frei propagierenden Eigenzustände des Gravitationspotentials angekoppelt werden.
    Es wurde außerdem gezeigt, daß mit Hilfe dieser Meßmethode eine räumliche Spektroskopie
    und Manipulation der Kondensatwellenfunktion auf einer µm-Skala möglich ist.
    Mit dem Atomlaser wurden fundamentale Kohärenzeigenschaften eines Bose-Gases am
    Phasenübergang zur Bose-Einstein-Kondensation untersucht. Aus zwei Raumbereichen des
    gefangenen atomaren Gases wurden dazuMateriewellen ausgekoppelt und zur Überlagerung
    gebracht. Sind die von den beiden Raumbereichen ausgesandten Materiewellen phasenkohärent,
    so ergibt sich ein Materiewellen-Interferenzmuster. Aus dem Kontrast des Interferenzsignals
    konnten die Kohärenzeigenschaften des gefangenen Gases quantitativ bestimmt
    werden. Die Meßmethode läßt sich dabei in einer weitgehenden Analogie zu der räumlichen
    Kohärenzmessung von Licht in einem Doppelspalt-Experiment verstehen.
    In der Mitte des letzten Jahrhunderts wurde in der Theorie erkannt, daß die fundamentale
    Eigenschaft makroskopischer Quantenphänomene wie z. B. der Suprafluidität oder der
    Supraleitung eine langreichweitige Phasenkohärenz in den zugrundeliegenden Quantenfeldern
    ist. Nahezu 50 Jahre nach dieser Erkenntnis wurden die dramatischen Änderungen
    in den Kohärenzeigenschaften eines makroskopischen Quantensystems am Phasenübergang
    hier erstmals in einem Experiment quantitativ nachgewiesen.
    Für die zukünftige Anwendbarkeit des Atomlasers sind kohärenzerhaltende atomoptische
    Elemente wichtige Grundbausteine. Im letzten Teil der Arbeit werden neuere Messungen
    vorgestellt, bei denen mit Hilfe von Hyperfein-Raman-Übergängen in einem magnetischen
    Fallenpotential ein Spiegel, ein Strahlteiler und ein Resonator für den Atomlaser
    entwickelt wurden.
    0 min
  • Multivariate GRBF-Netzwerke und Systeme lokaler Experten
    Solange der Mensch seit Beginn der modernen Wissenschaft versucht, seine kognitiven
    Fähigkeiten durch anatomische, physiologische und psychologische Untersuchungen zu
    verstehen, werden diese Forschungen auch von der Entwicklung mathematischer Modelle
    begleitet. Dies geschieht in der Hoffnung, zu einem tieferen Verständnis der Gehirnfunktionen
    zu gelangen und in jüngster Zeit mit dem Ziel, neuartige mathematische Verfahren,
    z.B. zur Mustererkennung und Funktionenapproximation, zu erhalten. Im Rahmen dieses
    Ansatzes wurde vor etwa 10 Jahren das radiale Basisfunktionen (RBF)-Netzwerk eingeführt,
    welches bestimmte Strukturen im cerebellaren Cortex modelliert.
    In früheren Arbeiten wurden tiefgehende Beziehungen zwischen diesem dreischichtigen
    Netzwerkmodell und der maximum likelihood (ML)-Schätzung von empirischen Datenverteilungen
    durch Mischungen univariater Normalverteilungen aufgedeckt. Solche Netzwerke
    eignen sich zur datengetriebenen Funktionenapproximation und zur Lösung von Klassi-
    fikationsaufgaben. Ausgehend von diesen Beobachtungen wird in der vorliegenden Arbeit
    das RBF-Modell stufenweise verallgemeinert.
    Zunächst wird mit dem generalisierten radialen Basisfunktionen (GRBF)-Netzwerk ein
    Modell vorgestellt, dessen Parameter sich aus ML-Schätzungen von Datenverteilungen
    durch Mischungen multivariater Normalverteilungen ableiten lassen. Damit wird erstmals
    ein Verfahren eingeführt, mit dem alle Netzwerkparameter simultan optimiert werden können.
    Ein deterministisches Abkühlschema sorgt dabei für die sichere Konvergenz des zugehörigen
    sequentiellen stochastischen Lernprozesses.
    Anschließend wird ein neues Modell zur Funktionenapproximation, der sogenannte LLMApproximator
    , vorgestellt, das ebenfalls auf Dichteschätzungen durch Mischungen multivariater
    Normalverteilungen beruht und sich in Spezialfällen auf das GRBF-Netzwerk
    reduziert. Im LLM-Verfahren wird die zu approximierende Funktion durch eine Interpolation
    lokaler linearer Regressionsmodelle dargestellt. In Verallgemeinerung dieser Verfahren
    wird schließlich ein Konstruktionsprinzip für Systeme lokaler Experten formuliert,
    das sowohlWettbewerb als auch Kooperation unterschiedlicher Experten zur Lösung einer
    gemeinsamen Aufgabe organisiert.
    Die Arbeitsweisen des LLM-Approximators als auch des Systems lokaler Experten werden
    am Beispiel von Regelungsproblemen illustriert. Zunächst wird die Regelung eines
    virtuellen Bioreaktors mit Hilfe des LLM-Approximators vorgestellt. Anschließend wird
    das System lokaler Experten für die Regelung einer realen, komplexen industriellen Anlage
    verwendet. Dabei handelt es sich um die Anlage zur Rückstandsverbrennung im Werk
    Burghausen der Wacker-Chemie GmbH.
    0 min

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