Die vorliegende Arbeit berichtet ueber die ersten atomoptischen Experimente mit Atomlaserstrahlen.
Die Atomlaserstrahlen werden aus Bose-Einstein-Kondensaten, die aus 87Rb-
Atomen bestehen, extrahiert und propagieren ballistisch im Gravitationsfeld. Mit Hilfe
von Hyperfein-Ramanuebergaengen in einem externen inhomogenen Magnetfeld wird ein
Spiegel, ein Strahlteiler und ein Resonator fuer den Atomlaser realisiert. Die Oberflaeche
des Spiegels ist durch eine Resonanzbedingung definiert, die von der Differenz der Frequenzen
der Ramanlaser und der lokalen Magnetfeldstaerke abh¨angt. Die Reflektion findet
an Flaechen konstanten Magnetfeldes statt und somit kann eine extrem glatte Spiegelflaeche
realisiert werden. Die Impulsverbreiterung des Atomlaserstrahls bei der Reflektion betraegt
weniger als 1/30 eines Photonenr¨uckstoßes und die Reflektivitaet des Materiewellenspiegels
liegt bei ¨uber 98%.
Mit dem neuen Materiewellenspiegel wird die zeitliche Kohaerenz von Atomlaserstrahlen
untersucht. Durch die Retroreflektion des Atomlaserstrahls an dem Spiegel erzielt
man eine Ueberlagerung des einlaufenden und des reflektierten Anteils der Welle. Die
Verz¨ogerungszeit zwischen den interferierenden Anteilen haengt von der Entfernung des
Beobachtungsortes zur Spiegeloberflaeche ab. Das resultierende Interferenzmuster dieser
stehenden Materiewelle wird mit einem neuartigen Magnetresonanzverfahren detektiert,
das eine raeumlichen Aufl¨osung von 65 nm ermoeglicht. Der gemessene Kontrast ist ein Maß
fuer die Kohaerenzzeit bzw. die Energiebreite des Atomlaserstrahls. Die Messung zeigt, daß
die Energiebreite des Atomlaserstrahls mit zunehmender zeitlicher Dauer der Auskopplung
abnimmt und Fourier-begrenzt durch die Auskopplungsdauer ist. Außerdem setzt die
Messung eine Untergrenze fuer die Phasendiffusionszeit des Bose-Einstein-Kondensats.
Waehrend des Auskopplungsprozesses des Atomlaserstrahls aus dem Bose-Einstein-
Kondensat streuen die Atome an dem repulsiven Potential des in der Falle verbleibenden
Bose-Einstein-Kondensats. Dieser Streuvorgang wird sowohl theoretisch als auch experimentell
untersucht. Um die resultierenden transversalen Strukturen im Atomlaserstrahl
sichtbar zu machen, wird ein neues Verfahren zur Impulsvergroeßerung eingesetzt: der Materiewellenspiegel
wird in einer Hohlspiegelkonfiguration verwendet, die den Strahl aufweitet
und eine Impulsaufl¨osung von 1/100 eines Photonenr¨ucktoßes ermoeglicht. Damit tritt
die theoretisch erwartete Aufspaltung des Strahls deutlich hervor.
Neben den Eigenschaften der Atomlaserstrahlen wird auch die Kinetik des Wachstumsprozesses
von Bose-Einstein-Kondensaten beim Durchqueren des Phasenuebergangs
untersucht. DasWachstum von Bose-Einstein-Kondensaten besitzt in Bezug auf den Atomlaser
die gleiche Bedeutung wie das Pumpen des Verstaerkungsmediums im optischen Laser.
Fuer eine quantitative Untersuchung wird eine thermische Atomwolke oberhalb der
kritischen Temperatur pr¨apariert und dann kontrolliert in das quantenentartete Regime
gekuehlt. Das Wachstum des Kondensats startet nach dem Beginn des Kuehlens erst mit
Verz¨ogerung, und diese Verz¨ogerungszeit wird erstmals gemessen. Fuer schwaches Kuehlen
durch den Phasenuebergang beobachtet man einen zweistufigenWachstumsprozeß der Kondensatatomzahl,
was moeglicherweise auf Phasenfluktuationen im Entstehungsprozeß hindeutet.