Fakultät für Physik - Digitale Hochschulschriften der LMU - Teil 01/05

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Fakultät für Physik - Digitale Hochschulschriften der LMU - Teil 01/05 episodes

  • Simulation des Einflusses von Bewölkung auf die UV-Strahlung mittels Neuronaler Netze
    Erklärtes Ziel der Modellierung der UV-Strahlung ist die Bereitstellung von Werten für Zeiten und Orte, an denen nicht gemessen werden kann, sowie zur Prognose. Im wolkenfreien Fall lassen sich die UV-Strahlungsgrößen hinreichend genau modellieren. Die Fehler resultieren im Wesentlichen aus der unpräzisen Kenntnis der relevanten atmosphärischen Parameter. Demgegenüber ist die Modellierung der UV-Strahlung bei Bewölkung bisher nur unzureichend gelöst. Die diesbezüglichen Problematiken sind vielfältig. Für eine exakte Berechnung der Strahlungswerte ist ein drei-dimensionales Strahlungsmodell erforderlich, da Wolken weder horizontal, noch vertikal homogen sind. Die detaillierte Kenntnis der mikro- und makrophysikalischen Wolkeneigenschaften ist aber im Einzelfall kaum, für die Prognose nie verfügbar. Zudem weisen die aufwendigen drei-dimensionalen Strahlungsmodelle sehr lange Rechenzeiten auf. Aus diesen Gründen wurde bisher vielfach der Weg beschritten, ein-dimensionale Modelle, wie sie für den wolkenlosen Fall benutzt werden, auch für den bewölkten Fall anwendbar zu machen. Hierzu wird der Einfluß der Wolken auf das UV-Strahlungsfeld nicht mehr exakt physikalisch, sondern statistisch beschrieben.
    In dieser Arbeit wird der Einfluß von Bewölkung auf die bodennahe UV-Globalstrahlung untersucht. Die Beschreibung der Wirkung von Wolken auf die UV-Globalstrahlung erfolgt mit sogenannten Wolkenmodifikationsfaktoren µ. Diese geben den Quotienten zwischen der UV-Globalstrahlung bei Wolken und derjenigen UV-Globalstrahlung ohne Wolken, bei sonst identischer Atmosphäre, an. In der Vergangenheit wurden die µ-Werte aus Meßreihen der integralen UV-Strahlung an verschiedenen Orten gewonnen. Die Herleitung der µ aus Messungen ist aber mit dem Problem behaftet, für eine beliebige Messung bei Wolkeneinfluß eine dazu vergleichbare Messung bei wolkenlosen Bedingungen zu finden. Dies bedeutet, daß Sonnenzenitwinkel, Ozongesamtgehalt, Aerosol- und Albedobedingungen identisch sein müssen. Dies ist in der Praxis auch bei mehrjährigen Meßreihen nicht gegeben. Meist werden, unter Vernachlässigung von Aerosol und Albedo, Messungen mit ähnlichem Sonnenzenitwinkel verwendet, die auf gleichen Ozongesamtgehalt angepaßt werden. Dementsprechend werden nur grobe Mittelwerte von µ ohne deren Abhängigkeit von anderen Atmosphärenparametern bestimmt. Darüberhinaus sind Untersuchungen hinsichtlich der spektralen Abhängigkeit von µ nicht möglich.
    Im Rahmen dieser Arbeit wurde ein umfangreiches Datenmaterial an µ-Werten bereitgestellt und mittels der Analysetechnik der Neuronalen Netz systematisch untersucht. Der große Datenumfang wurde dadurch gewährleistet, daß zu jedem gemessenen UVSpektrum bei Wolken das entsprechende UV-Spektrum für wolkenlose Bedingungen, sonst aber gleichen Atmosphäreneigenschaften, nicht innerhalb der UV-Meßreihe gesucht, sondern mit einem Strahlungsübertragungsmodell simuliert wurde. Die Verwendung hochwertiger, spektraler UV-Messungen ermöglichte einerseits eine größtmögliche Genauigkeit bei der Übereinstimmung von Simulation und Meßsignal innerhalb von ca. ± 5% Abweichung, andererseits auch eine Analyse der spektralen Abhängigkeit der µ-Werte. Die Neuronalen Netze dienten der Untersuchung der systematischen Abhängigkeiten dieser µ-Werte von einer adäquaten Wolkenbeschreibung und anderen relevanten Atmosphärenparametern (Sonnenzenitwinkel und Bodenalbedo). Die diesbezüglichen Auswertungen vertiefen das Verständnis über die Strahlungswirkung von Wolken auf die UV-Strahlung, gerade bei durchbrochener Bewölkung.
    Neben diesen Sensitivitätsstudien wurden mit Hilfe der Neuronalen Netze Algorithmen gewonnen, die, in Kombination mit einem Strahlungsübertragungsmodell, in der Lage sind, die UV-Strahlung bei jeder Art von Bewölkung zu simulieren. Neben der Simulation mittlerer Bedingungen, bzw. der Prognose, wurden auch die Möglichkeiten zur Simulation des aktuellen Falles entscheidend verbessert. Durch die Hinzunahme einfacher integraler Globalstr
    0 min
  • Berechnung molekularer Eigenschaften in komplexer Lösungsmittelumgebung
    Quantenmechanische (QM) Grundzustandsrechnungen auf Basis der Dichtefunktionaltheorie
    (DFT) erlauben bei der derzeitigen Leistungsfähigkeit von Supercomputern die Molekulardynamik-
    Simulation (MD-Simulation) von molekularen Systemen mit bis zu 100 Atomen. Verwendet
    man nicht-lokale Austausch-Korrelations-Funktionale, so werden Elektronen-Korrelationseffekte
    erfaßt. Damit kann insbesondere das Kraftfeld von Farbstoffmolekülen mit ausgedehnten
    konjugierten p-Elektronensystemen richtig beschrieben werden.
    Ein prominentes Beispiel für ein solches Farbstoffmolekül ist die Schiffsche Base von Retinal,
    die in dem lichtgetriebenen Protonenpumpzyklus des Proteins Bacteriorhodopsin (BR) eine
    führende Rolle spielt. Die elektrostatischen Felder und die sterischen Bedingungen in der
    Chromophorbindungstasche im Inneren des Proteins steuern die Eigenschaften und Reaktionen
    des Farbstoffes auf eine hochspezifische Weise. Eine für das Verständnis dieser Protein-
    Chromophor-Wechselwirkung nötige quantenmechanische Behandlung des gesamten Protein-
    Chromophor-Komplexes ist nicht durchführbar, da Proteine in der Regel aus mehreren tausend
    Atomen bestehen und dies einen immensen Rechenaufwand zur Folge hätte.
    Nur molekülmechanische (MM) Proteinmodelle, bei denen molekulare Kraftfelder durch semiempirisch
    bestimmte Energiefunktionen approximiert werden, lassen sich numerisch hinreichend
    effizient auswerten und gestatten so eine mikroskopische Beschreibung der Dynamik
    von Proteinen. Aufgrund der vielen Vereinfachungen, die MM-Modellen anhaften, können jedoch
    keine chemischen Reaktionen oder Eigenschaften von Farbstoffmolekülen erfaßt werden.
    Aus diesem Grund wurde in dieser Arbeit ein QM/MM-Hybridverfahren entwickelt, mit dessen
    Hilfe ein kleiner Teil eines Proteinsystems, etwa ein gebundenes Substrat oder ein eingelagerter
    Farbstoff, mit einem DFT-Verfahren quantenmechanisch (QM-Fragment) und die nicht vernachlässigbare
    Proteinumgebung molekülmechanisch (MM-Fragment) behandelt werden kann.
    Zu diesem Zweck wurde ein geeignetes Wechselwirkungsschema zwischen QM- und MMFragment
    entwickelt, das in dem EGO/CPMD-Programmpaket implementiert wurde.
    Für die Berechnung der elektrostatischen Wechselwirkung zwischen den Fragmenten war es
    nötig, die sogenannte FAMUSAMM-Methode (fast multiple-time-step structure adapted
    multipole method) weiter zu entwickeln, so daß auch sehr große Hybridsysteme, bei denen die
    MM-Fragmente aus mehreren tausend Atomen bestehen, ohne Verlust an Genauigkeit behandelt
    werden können.
    Die bei kovalent aneinander gebundenen Fragmenten im QM-Fragment auftretende freie
    Valenz an einer Fragmentschnittstelle erfordert eine spezielle Behandlung. Hierfür werden vielfach
    sogenannte Link-Atom-Verfahren eingesetzt, bei denen das QM-Fragment durch ein zusätzlich
    eingeführtes Wasserstoffatom, das Link-Atom, abgesättigt wird. Wie in der vorliegenden
    Arbeit erstmals gezeigt werden konnte, lassen sich die dynamischen Freiheitsgrade, die in
    einem QM/MM-Hybridsystem durch ein Link-Atom zusätzlich auftreten und die Dynamik
    nachweislich verfälschen, vollständig eliminieren. Hierzu wurde ein neues Link-Atom-Verfahren
    SPLAM (scaled position link atom method) entwickelt, bei dem alle störenden Effekte,
    die von dem Link-Atom ausgehen, beseitigt werden, so daß das Kraftfeld an der Fragmentschnittstelle
    korrekt wiedergegeben wird.
    In ausführlichen Testrechnungen wurde die Qualität der in dieser Arbeit entwickelten
    QM/MM-Hybridmethode untersucht. Dabei wurden insbesondere berechnete Schwingungsspektren
    eingesetzt, da diese eine sehr empfindliche Probe für die Qualität eines molekularen
    Kraftfeldes sind. Es konnte durch MD-Simulation eines Wasserclusters demonstriert werden,
    daß in QM/MM-Hybridmodellen das TIP3P-Wassermolekülmodell, bei dem die Elektrostatik
    eines Wassermoleküls durch drei Punktladungen beschrieben wird, den Lösungsmitteleinfluß
    von Wasser richtig modelliert. Bei der Untersuchung eines Wasserdimers hat sich herausgestellt,
    daß die wohlbekannte S
    0 min
  • ENTWICKLUNG VON SQUALL-LINES IM ALPENVORLAND
    Seit über zehn Jahre werden im Alpenvorland sowohl in Deutschland als auch in der
    Schweiz Experimente durchgeführt, um die Entstehung von Gewittern und Squall-lines zu
    untersuchen und zu verstehen. Die aus den Experimenten erfaßten Daten wurden dazu
    verwendet, konvektive Systeme anhand von synoptischen Bodenanalysen zu erfassen.
    In der vorliegenden Arbeit sind die während des SETEX-94 Experimentes gemessenen
    Daten nach ihrer ausführlichen synoptischen Analyse bei numerischen Berechnungen
    eingesetzt worden. Das Ziel war, die Entstehung und Entwicklung der beobachteten Squallline
    schrittweise nachzuvollziehen und zu erklären.
    Unter Verwendung der synoptischen Analyse konnten sowohl die Anfangsbedingungen
    als auch die Anfangsstörung für die numerischen Rechnungen bestimmt werden. Die
    darauffolgenden numerischen Rechnungen haben gezeigt, daß eine Anwendung von realen
    Daten zu einer guten Übereinstimmung mit der beobachteten Fallstudie führten. Diese Erkenntnisse
    gaben den Anlaß, Sensitivitätstests durchzuführen, um den Einfluß sowohl der
    am Anfang gewählten Struktur der Störung als auch der vorherrschenden physikalischen
    Bedingungen zu untersuchen. Die Änderungen der physikalischen Parameter basierte auf
    Daten, welche im Alpenvorland bei Gewittertagen beobachtet worden sind.
    Numerische Rechnungen bezüglich der Anfangsstruktur zeigten, wie wichtig die
    Struktur der Anfangsstörung bei der Entwicklung von entsprechend einzelnen Gewittern
    oder mesoskaligen konvektiven Systemen ist. Es wurde auch deutlich gemacht, welche
    Rolle Wechselwirkungen zwischen den Anfangsstörungen bei der Entstehung und Entwicklung
    von Squall-lines haben.
    Numerische Rechnungen hinsichtlich der physikalischen Parameter zeigten die entscheidende
    Rolle von herrschenden Druckgradientkräfte, welche hauptsächlich für das
    Aufrechterhalten von Konvektion verantwortlich sind. Es wurden Änderungen bei der
    Stärke der Windscherung und der Höhe, innerhalb welche die Windscherung wirkt, durchgeführt.
    Dadurch wurde ihre Rolle bei der Verstärkung oder Abschwächung von Aufwinden
    und dadurch des Systems erforscht. Weiterhin wurde der Einfluß der Feuchte und der
    Temperatur hinsichtlich der Menge der vorhandenen Energie innerhalb der Schichten der
    Troposphäre untersucht. Anschließend wurde die Bedeutung der vorhandenen Energie auf
    die Entstehung und Entwicklung von Squall-lines festgestellt.
    Die aus der vorliegenden Arbeit gewonnenen Erkenntnisse zeigen deutlich, wie
    wichtig die Verknüpfung von realen gemessenen Daten mit numerischen Rechnungen für
    das Entschlüsseln von natürlichen Erscheinungen ist. Es hat sich weiterhin die Notwendigkeit
    herauskristallisiert, weitere Experimente durchzuführen, und die daraus gewonnenen
    Datensätze zu sammeln und zu bearbeiten. Mit Hilfe von solchen Datensätzen können
    mögliche Abweichungen der Entstehung und Entwicklung von Squall-lines erfaßt werden.
    Darüberhinaus können damit die vorhandenen Sensitivitätstests überprüft, bestätigt und
    erweitert werden.
    0 min
  • Physical properties of the plasma membrane studied by local probe techniques
    Im Rahmen dieser Arbeit wurden physikalische Meßmethoden entwickelt, um die
    Struktur und Dynamik der Plasmamembran lebender Säugetierzellen zu untersuchen.
    Dabei lag der Schwerpunkt zum einem auf der mechanischen Kopplung der Membranlipidschicht
    zu dem darunter liegenden, unterstützend wirkenden Zytoskelett,
    und zum anderen auf der Beweglichkeit einzelner Membrankomponenten innnerhalb
    der Membranlipidschicht. Ausgangspunkte für die Entwicklung neuer Methoden
    waren die Rasterkraftmikroskopie (RKM) und ´single-particle tracking’ (SPT). Die
    RKMermöglicht die Abbildung von Ober‡ächen mit hoher Au‡ösung in physiologischer
    Umgebung, so lange die Wechselwirkungskräfte die Probenober‡äche nicht zu
    sehr deformieren. SPT ist eine Technik, um die Bewegung von einzelnen Molekülen
    zu verfolgen. Dafür werden diese mit Polysteren-kügelchen oder kolloidem Gold
    markiert und mit Videomikroskopie beobachtet. Auf diesen Techniken aufbauend
    wurden folgende Verfahren und Geräte für diese Arbeit entwickelt:
    Das Scanning-Photonic Force Microscope (SPFM) als Analogon zum RKM: In
    einer Laserfalle (einem mit einem Objektiv hoher Apperatur (100x, NA 1.3)
    fokussierten infraroten (IR) Laser) wird ein Fluorophor gefülltes Polysterenkügelchen
    (bead, r=0.1¹m) gefangen. Die Fluorophore des als Sonde verwendeten
    Kügelchens werden über einen Zwei-Photonen Prozeß durch den
    IR-Laser zur Fluoreszenz angeregt. Eine Auslenkung aus der Halteposition
    durch eine äußere Kraft führt zum Abfall der Fluoreszenz. Im SPFM wird
    die Sonde mit Hilfe des Lasers analog zum mechanischen Hebelarm im RKM
    über die Probe bewegt. Dabei wird wie beim RKM die Auslenkung und
    somit Kraft gemessen. Die wesentlichen Unterschiede sind die fehlende mechanische
    Verbindung zur Umwelt, die ein Abrastern beliebiger transparenter
    3D-Strukturen ermöglicht, die extrem kleine Federkonstante des Sensors (0.1-
    1¹N/m), welche daher besser an die Elastiztät von biologischen Objekten
    angepaßt ist, sowie die stark reduzierte viskose Dämpfung der kleineren Sonde,
    was schnelleres Messen ermöglicht.
    Das Photonic Force Microscope (PFM) ist die Weiterentwicklung des SPFM.
    Bei der verwendeten kleinen Federkonstante werden die thermischen Positions‡
    uktuationen sehr groß. Daher wurde ein Detektor entwickelt, der Messung
    der Position der Sonde in der Falle in drei Dimensionen mit Nanometer
    Ortsau‡ösung und 50kHz-Bandbreite ermöglicht. Der Detektor basiert
    auf der Interferenz des an der Sonde vorwärts gestreuten Laserlichts mit dem
    ungestreuten Licht. Dieses Prinzip wurde zuvor nur für seitliche Auslenkungen
    entlang einer Achse verwendet und erstmals in dieser Arbeit drei dimensional
    angewandt. Die vollständige theoretische Beschriebung des Detektorsignals
    ist ebenfalls ein Novum. Im PFM werden mit diesem Detektor die thermischen
    3D-Positions‡uktuationen einer durch den Laser in einem Volumen von
    0.1*0.1*0.6¹m3 gehaltenen Sonde analysiert. Zusätzlich wirkende Potentiale
    und die Viskosität des umgebenden Mediums können gemessen werden.
    0 min

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