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Heute begeben wir uns auf eine historische Reise in den Dschungel. Na ja, nicht ganz. Unter dem Mantel des literarischen Meisterwerks Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling aus dem Jahr 1894 tasten wir heute zwei animalische Vertreter. Da hätten wir einmal den Bagheera aus der Amrut-Destillerie und einen Wolfburn aus der gleichnamigen Brennerei. Indien und Schottland treffen also aufeinander. Was uns wieder für ein Käse dazu einfällt und ob wir begeistert sind, erfahrt ihr in Folge 159 – Die, die aus dem Dschungel kamen? Und nein, kamen sie nicht, soviel schon einmal vorweg.
Aurora Brewing Ltd (in Privatbesitz)
2013 (Neugründung)
ca. 125.000 Liter
Die Geschichte von Wolfburn ist eine Geschichte von Wiedergeburt und Tradition. Die ursprüngliche Destillerie wurde 1821 in Thurso gegründet und war einst die größte Brennerei in der Grafschaft Caithness. Nach einer turbulenten Geschichte stellte sie jedoch um 1877 die Produktion ein und verfiel über die Jahrzehnte zu Ruinen. Im Jahr 2011 wurde der Plan gefasst, Wolfburn wieder zum Leben zu erwecken. Nur 350 Meter vom alten Standort entfernt wurde eine komplett neue, moderne Destillerie gebaut, die 2013 die Produktion aufnahm und damit zur nördlichsten Whisky-Destillerie auf dem schottischen Festland wurde.
Wolfburn legt größten Wert auf handwerkliche Herstellung ohne Computersteuerung. Der gesamte Prozess wird manuell überwacht. Das Wasser stammt aus dem namensgebenden “Wolf Burn”. Eine Besonderheit ist die sehr lange Fermentationszeit von bis zu 96 Stunden, die fruchtige und malzige Aromen im Destillat fördert. Die anschließende Destillation erfolgt bewusst langsam in kleinen Brennblasen, um einen weichen und reinen Brand zu erzeugen. Der “Northland”, als Aushängeschild der Destillerie, reift in Ex-Islay Quarter Casks, die zuvor Laphroaig enthielten, was ihm eine subtile, maritime Rauchnote verleiht, obwohl das Malz selbst ungetorft ist.
Obwohl Wolfburn eine junge Destillerie ist, hat sie sich in der Whisky-Welt schnell einen hervorragenden Ruf für Qualität und Komplexität erarbeitet. Ihre Whiskys werden für ihren reifen Charakter gelobt, der weit über ihr tatsächliches Alter hinausgeht. Die Destillerie hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter Goldmedaillen bei den World Whiskies Awards und der San Francisco World Spirits Competition. Wolfburn steht symbolisch für die Renaissance der schottischen Klein- und Craft-Destillerien, die traditionelle Methoden mit modernen Qualitätsansprüchen verbinden und die Whisky-Landschaft bereichern.
Der genaue Standort der ursprünglichen Destillerie aus dem 19. Jahrhundert ging über die Jahre verloren. Die Gründer der neuen Brennerei fanden die exakten Fundamente erst durch die Entdeckung einer alten Landkarte aus den 1820er Jahren wieder, was den Startschuss für die Wiedergeburt von Wolfburn gab.
N.R. Jagdale Group (Familienbesitz)
1948
ca. 1.000.000 Liter (Single Malt)
Amrut Distilleries wurde 1948, kurz nach der Unabhängigkeit Indiens, von Shri J.N. Radhakrishna Rao Jagdale gegründet. Zunächst konzentrierte sich das Unternehmen auf die Herstellung von Rum und Brandy für den heimischen Markt. In den 1980er Jahren begann die Familie, mit der Produktion von Malt Whisky zu experimentieren, obwohl der indische Markt fast ausschließlich Blends bevorzugte. Der entscheidende Moment kam 2004, als die Destillerie ihren ersten Single Malt Whisky nicht in Indien, sondern in Glasgow, Schottland, auf den Markt brachte. Dieser mutige Schritt markierte die Geburtsstunde des indischen Single Malts auf der Weltbühne und etablierte Amrut als Pionier einer völlig neuen Whisky-Kategorie.
Die Produktion bei Amrut ist stark von den einzigartigen klimatischen Bedingungen in Bangalore geprägt. Die Stadt liegt rund 900 Meter über dem Meeresspiegel, was zu starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht führt. Dieses tropische Klima beschleunigt die Reifung des Whiskys im Fass enorm. Während in Schottland der “Angel’s Share” (der Anteil, der aus dem Fass verdunstet) bei etwa 2% pro Jahr liegt, beträgt er bei Amrut 10-12%. Das bedeutet, ein 4-5 Jahre alter Amrut Whisky kann eine Reife und Komplexität aufweisen, die einem schottischen Whisky von 12-15 Jahren entspricht. Für ihre Whiskys verwendet Amrut hauptsächlich indische 6-Zeilen-Gerste, die am Fuße des Himalayas angebaut wird. Der “Bagheera” ist ein exzellentes Beispiel für ihre Fass-Expertise und reift nach der Erstlagerung in Sherryfässern nach, was ihm intensive Noten von Trockenfrüchten und Gewürzen verleiht.
Amrut hat die Wahrnehmung von Whisky weltweit verändert und bewiesen, dass erstklassiger Single Malt auch außerhalb der traditionellen Regionen wie Schottland oder Irland hergestellt werden kann. Der internationale Durchbruch gelang 2010, als der renommierte Whisky-Kritiker Jim Murray den Amrut Fusion zum drittbesten Whisky der Welt kürte. Diese Auszeichnung katapultierte die Marke ins globale Rampenlicht und schuf eine weltweite Nachfrage. Heute ist Amrut eine feste Größe in der internationalen Spirituosenszene und gewinnt regelmäßig höchste Preise für seine vielfältigen und innovativen Abfüllungen, die von ungetorft bis stark getorft und von klassischen Bourbonfässern bis zu exotischen Sherry- und Portweinfässern reichen.
Der Name “Amrut” stammt aus der hinduistischen Mythologie. Er bezeichnet ein göttliches Elixier, das Unsterblichkeit verleiht – eine treffende Metapher für den “Lebenssaft”, den die Destillerie in ihren Fässern zur Perfektion reifen lässt.
Der Beitrag Folge 159 – Die, die aus dem Dschungel kamen? erschien zuerst auf Grab The Glass Podcast.
Heute begeben wir uns auf eine historische Reise in den Dschungel. Na ja, nicht ganz. Unter dem Mantel des literarischen Meisterwerks Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling aus dem Jahr 1894 tasten wir heute zwei animalische Vertreter. Da hätten wir einmal den Bagheera aus der Amrut-Destillerie und einen Wolfburn aus der gleichnamigen Brennerei. Indien und Schottland treffen also aufeinander. Was uns wieder für ein Käse dazu einfällt und ob wir begeistert sind, erfahrt ihr in Folge 159 – Die, die aus dem Dschungel kamen? Und nein, kamen sie nicht, soviel schon einmal vorweg.
Aurora Brewing Ltd (in Privatbesitz)
2013 (Neugründung)
ca. 125.000 Liter
Die Geschichte von Wolfburn ist eine Geschichte von Wiedergeburt und Tradition. Die ursprüngliche Destillerie wurde 1821 in Thurso gegründet und war einst die größte Brennerei in der Grafschaft Caithness. Nach einer turbulenten Geschichte stellte sie jedoch um 1877 die Produktion ein und verfiel über die Jahrzehnte zu Ruinen. Im Jahr 2011 wurde der Plan gefasst, Wolfburn wieder zum Leben zu erwecken. Nur 350 Meter vom alten Standort entfernt wurde eine komplett neue, moderne Destillerie gebaut, die 2013 die Produktion aufnahm und damit zur nördlichsten Whisky-Destillerie auf dem schottischen Festland wurde.
Wolfburn legt größten Wert auf handwerkliche Herstellung ohne Computersteuerung. Der gesamte Prozess wird manuell überwacht. Das Wasser stammt aus dem namensgebenden “Wolf Burn”. Eine Besonderheit ist die sehr lange Fermentationszeit von bis zu 96 Stunden, die fruchtige und malzige Aromen im Destillat fördert. Die anschließende Destillation erfolgt bewusst langsam in kleinen Brennblasen, um einen weichen und reinen Brand zu erzeugen. Der “Northland”, als Aushängeschild der Destillerie, reift in Ex-Islay Quarter Casks, die zuvor Laphroaig enthielten, was ihm eine subtile, maritime Rauchnote verleiht, obwohl das Malz selbst ungetorft ist.
Obwohl Wolfburn eine junge Destillerie ist, hat sie sich in der Whisky-Welt schnell einen hervorragenden Ruf für Qualität und Komplexität erarbeitet. Ihre Whiskys werden für ihren reifen Charakter gelobt, der weit über ihr tatsächliches Alter hinausgeht. Die Destillerie hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter Goldmedaillen bei den World Whiskies Awards und der San Francisco World Spirits Competition. Wolfburn steht symbolisch für die Renaissance der schottischen Klein- und Craft-Destillerien, die traditionelle Methoden mit modernen Qualitätsansprüchen verbinden und die Whisky-Landschaft bereichern.
Der genaue Standort der ursprünglichen Destillerie aus dem 19. Jahrhundert ging über die Jahre verloren. Die Gründer der neuen Brennerei fanden die exakten Fundamente erst durch die Entdeckung einer alten Landkarte aus den 1820er Jahren wieder, was den Startschuss für die Wiedergeburt von Wolfburn gab.
N.R. Jagdale Group (Familienbesitz)
1948
ca. 1.000.000 Liter (Single Malt)
Amrut Distilleries wurde 1948, kurz nach der Unabhängigkeit Indiens, von Shri J.N. Radhakrishna Rao Jagdale gegründet. Zunächst konzentrierte sich das Unternehmen auf die Herstellung von Rum und Brandy für den heimischen Markt. In den 1980er Jahren begann die Familie, mit der Produktion von Malt Whisky zu experimentieren, obwohl der indische Markt fast ausschließlich Blends bevorzugte. Der entscheidende Moment kam 2004, als die Destillerie ihren ersten Single Malt Whisky nicht in Indien, sondern in Glasgow, Schottland, auf den Markt brachte. Dieser mutige Schritt markierte die Geburtsstunde des indischen Single Malts auf der Weltbühne und etablierte Amrut als Pionier einer völlig neuen Whisky-Kategorie.
Die Produktion bei Amrut ist stark von den einzigartigen klimatischen Bedingungen in Bangalore geprägt. Die Stadt liegt rund 900 Meter über dem Meeresspiegel, was zu starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht führt. Dieses tropische Klima beschleunigt die Reifung des Whiskys im Fass enorm. Während in Schottland der “Angel’s Share” (der Anteil, der aus dem Fass verdunstet) bei etwa 2% pro Jahr liegt, beträgt er bei Amrut 10-12%. Das bedeutet, ein 4-5 Jahre alter Amrut Whisky kann eine Reife und Komplexität aufweisen, die einem schottischen Whisky von 12-15 Jahren entspricht. Für ihre Whiskys verwendet Amrut hauptsächlich indische 6-Zeilen-Gerste, die am Fuße des Himalayas angebaut wird. Der “Bagheera” ist ein exzellentes Beispiel für ihre Fass-Expertise und reift nach der Erstlagerung in Sherryfässern nach, was ihm intensive Noten von Trockenfrüchten und Gewürzen verleiht.
Amrut hat die Wahrnehmung von Whisky weltweit verändert und bewiesen, dass erstklassiger Single Malt auch außerhalb der traditionellen Regionen wie Schottland oder Irland hergestellt werden kann. Der internationale Durchbruch gelang 2010, als der renommierte Whisky-Kritiker Jim Murray den Amrut Fusion zum drittbesten Whisky der Welt kürte. Diese Auszeichnung katapultierte die Marke ins globale Rampenlicht und schuf eine weltweite Nachfrage. Heute ist Amrut eine feste Größe in der internationalen Spirituosenszene und gewinnt regelmäßig höchste Preise für seine vielfältigen und innovativen Abfüllungen, die von ungetorft bis stark getorft und von klassischen Bourbonfässern bis zu exotischen Sherry- und Portweinfässern reichen.
Der Name “Amrut” stammt aus der hinduistischen Mythologie. Er bezeichnet ein göttliches Elixier, das Unsterblichkeit verleiht – eine treffende Metapher für den “Lebenssaft”, den die Destillerie in ihren Fässern zur Perfektion reifen lässt.
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