Frisch an die Arbeit

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Frisch an die Arbeit episodes

  • Andreas Speichert: »Die echten Dramen spielen sich in der Kantine ab«

    Als Bühnenmeister trägt er die Verantwortung für alles, was dort geschieht, sagt Andreas Speichert im Podcast Frisch an die Arbeit. »Vom Aufbau bis zu freien Fluchtwegen oder wenn Unfälle passieren, bin ich der Ansprechpartner. Ich bin eigentlich das Mädchen für alles.«

    Gerade an der Berliner Volksbühne, die bekannt für ihre avantgardistischen Theaterstücke, exzentrischen Regisseure und ausschweifenden Premierenpartys ist, sei das kein leichter Job. »Einmal musste ich mich zwischen den Regisseur und das Publikum stellen, als der in einer Performance mit einem Pulverfeuerlöscher auf die Zuschauer gezielt hat.« Speichert, 62, lag hinterher tagelang im Krankenhaus, da das Pulver seine Lunge angegriffen hatte. Trotz solcher haarsträubenden Anekdoten liebt Speichert seinen Job, sagt er.

    Den macht er schon seit mehr als 40 Jahren. Vor allem die Zeit nach der Wende beschreibt er als »grandios«. Regie und Schauspielende konnten sich in ihrer Kunst frei entfalten und ausprobieren, Regeln gab es kaum. Die intellektuelle Ostberliner Szene traf sich auf oder vor der Bühne. »Nach den Vorstellungen zogen wir von einem besetzten Haus zum nächsten, um dort zu feiern.«

    Eine Kehrseite der wilden Zeit sei das Übermaß an Alkohol gewesen, erzählt Speichert, der von seinen Freunden auch liebevoll »Speiche« genannt wird. »An Theatern allgemein wird viel gesoffen«, sagt er. Es sei hart gewesen, zusehen zu müssen, wenn Kollegen daran zugrunde gingen. »Gott sei Dank ist die Jugend bei uns heute anders drauf«, sagt er. »Es arbeiten inzwischen auch viel mehr Frauen bei uns in der Technikabteilung, und das ist gut so«, sagt er. Der Ton sei auf der Bühne viel angenehmer geworden.

    Bald wird Speichert in Frührente gehen, wegen verschiedener gesundheitlicher Probleme. Unter anderem, weil er während eines Konzerts einmal acht Meter tief von der Bühne fiel. In Kontakt mit seinen Kollegen will er auch im Ruhestand unbedingt bleiben. »Die Volksbühne ist schon irgendwie mein Leben. Natürlich identifiziere mich damit«, sagt er.

    Im Podcast erzählt Andreas Speichert, wie er mit schwierigen Regisseuren und Körperflüssigkeiten auf der Bühne umgeht. Warum die Kantine der wichtigste Ort des Theaters ist. Und natürlich zahlreiche Anekdoten aus vielen Jahren an der Volksbühne.

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    34 min
  • Leena Zimmermann: »Man trifft immer eine Aussage mit der Kleidung, die man trägt«

    »Es ist immer eine Freude, wenn man jemanden sieht, der sich mit seiner Kleidung Mühe gegeben hat«, sagt Leena Zimmermann im Podcast »Frisch an die Arbeit«. Als Stylistin kleidet sie Schauspielerinnen für Premieren, Politiker für Staatsbesuche und Führungskräfte für Konferenzen oder Talkshows ein.  

    Zimmermann hat eine Schneiderlehre in Berlin absolviert. Nach ihrer Ausbildung bekam sie einen Job beim Musiksender MTV und durfte dort die Outfits für die Moderatorinnen und Moderatoren auswählen. Irgendwann sprach die Schauspielerin Nora Tschirner sie an und fragte, ob sie ihr beim Styling für eine Premiere helfen könne. Durch Tschirner bekam Zimmermann den Kontakt zu Schauspielerin Hannah Herzsprung, die sie bis heute berät. 

    Meistens wenden sich Frauen an sie, oft fehlt ihnen die Zeit und auch das Gefühl für das richtige Outfit: »Einmal bin ich mit einer jungen Schauspielerin shoppen gegangen. Sie hat sich einfach eine externe Person gewünscht, die mit ihr einkaufen geht«, sagt Zimmermann. 

    Mit ihrer Freundin Nicole Hogerzeil gründete Zimmermann die Firma Tarobe, mit der die beiden vor allem Frauen in Führungsrollen beraten. Oft bräuchten diese Hilfe für ein bestimmtes Event, eine Podiumsdiskussion oder eine wichtige Ansprache vor ihrem Team: »Kürzlich kam beispielsweise eine bekannte Managerin zu mir und wollte ein Outfit mit breiten Schultern für einen Auftritt unter vielen Männern.« 

    Ihren Kundinnen rät Zimmermann, auch mal mutig zu sein, wenn sie gesehen werden wollen. Aber in Situationen, in denen ihre Aussagen zählen, in einer Talkshow beispielsweise, sollten sie sich vor allem wohlfühlen. »Man trifft immer eine Aussage mit der Kleidung, die man trägt. Vor allem wird man als Frau sehr stark bewertet. Trägst du jetzt einen Rock? Bist du sportlich angezogen? Ist es vielleicht ein bisschen zu sexy?« 

    Gerade im Job sei es schwierig, die passende Kleidung zu finden, in der man sich sicher fühlt. Das koste oft Zeit. »Man sollte nicht mehr darüber nachdenken, was man trägt, sondern nur noch darüber, was man sagt.« 

    Im Podcast erzählt Zimmermann, wo sie sich inspirieren lässt, welche Informationen sie von ihren Kundinnen benötigt und warum gerade in Berlin das Styling oft unterschätzt wird. 

    »Frisch an die Arbeit« wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek. Das Team erreichen Sie unter [email protected]. 

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    46 min
  • Semen Shuster: »Es ist schwieriger geworden, die Leute zum Lachen zu bringen«

    »Manchmal ist es einfach Magie. Du kommst in die Manege und vergisst, dass du müde bist«, sagt Clown Semen Shuster im Podcast »Frisch an die Arbeit«. »Du gibst Energie und du bekommst sie vom Publikum zurück.«

    Shuster wurde 1972 in Ismail im Oblast Odessa im Süden der heutigen Ukraine geboren. Er studierte an der Artistenschule in Kyjiw und machte dort 1992 seinen Abschluss. Im Jahr 2000 zog er mit seiner Familie nach Deutschland, arbeitete zunächst in Leipzig und später sieben Jahre am Pariser Lido.

    2005 gewann er beim Festival Mondial du Cirque de Demain eine Bronzemedaille, 2009 beim Internationalen Zirkusfestival von Monte-Carlo einen Bronzenen Clown. Heute tritt er in Varietés, beim Weltweihnachtszirkus in Stuttgart und im Circus Roncalli auf.

    Dass seine Figur, Housch-ma-Housch, fast ohne verständliche Wörter auskommt, war kein Karriereplan. In der Zirkusschule lernte Shuster zunächst Jonglage, Handstand und Akrobatik. Seine Figur und die Fantasiesprache entwickelte er, als er in den Neunzigerjahren auftrat. »Es war nicht so, dass ich dachte: Ich bin so clever, erfinde eine Cartoon-Sprache und dann gehe ich nach Monte-Carlo«, sagt Shuster.

    Die Zeiten für Clowns, sagt Shuster, seien komplexer geworden. Menschen seien durch soziale Medien gewohnt, nach wenigen Sekunden weiterzuwischen, wenn sie etwas nicht sofort begeistere. Auch im Zirkus beobachte er gelegentlich, wie jemand zum Telefon greift. »Heute ist es schwieriger geworden, die Leute zum Lachen zu bringen«, sagt Shuster.

    Gerade deshalb sieht er die Aufgabe des Zirkus darin, eine Gegenwelt zu schaffen. Kinder und Eltern mit einer Szene gleichzeitig zum Lachen zu bringen, sei für ihn ein »Bingo«.

    Bis ein solcher Moment funktioniert, kann jahrelange Arbeit nötig sein. Shuster schreibt Ideen auf, lässt Requisiten bauen und Animationen erstellen. Neue Nummern filmt er, um sie auszuwerten. Vor allem probiert er sie vor Publikum aus. »Du brauchst manchmal Jahre – und niemand lacht«, sagt Shuster.

    Im Podcast erzählt Shuster außerdem, warum er das deutsche Zirkuspublikum für eines der besten hält und warum die Rolle als Clown herausfordernder sein kann als die eines Schauspielers.

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    35 min
  • Wie unterscheidet man zwischen Kunst und Trödel, Wolfgang Pauritsch?

    »Ein einziges Leben reicht nicht aus, um den Wert aller Gegenstände zu kennen« sagt Wolfgang Pauritsch im Podcast Frisch an die Arbeit. Er lerne immer noch jeden Tag dazu.

    Seit mehr als 30 Jahren ist Pauritsch Auktionator und Händler für Kunst und Antikes. »Ich musste mir meinen Erfolg hart erkämpfen«, sagt er. Der 54-Jährige wurde in Österreich geboren und wuchs bei den Großeltern in einfachen Verhältnissen auf. Nach der Schule schloss er eine Lehre zum Rohrschlosser ab.

    Der Wendepunkt kam, als er auf einer Auktion in München jobbte und für eine erkrankte Auktionatorin einspringen musste. »Danach hat mir der Chef einen Vertrag angeboten«, sagt Pauritsch. Er brachte sich die Grundlagen selbst bei, besuchte Museen und Sammler und absolvierte verschiedene Weiterbildungen. »Ich habe das Wissen aufgesaugt wie ein Schwamm.«

    Heute leitet Pauritsch zusammen mit einer Geschäftspartnerin einen Laden für Auktionen und Antikhandel in Oberstaufen. Zusätzlich ist er Fernsehhändler in der ZDF-Trödel-Sendung »Bares für Rares«, wo er im Jahr 50 Drehtage hat. »Die Arbeit dort ist für mich wie Urlaub und macht viel Spaß. Jeden Tag im Laden zu stehen, ist viel anstrengender«, sagt Pauritsch.

    Pauritsch handelt hauptsächlich mit Kunstwerken und Juwelen, die seien eine stabile Geldanlage für gut betuchte Kunden, erzählt er. Der Mittelschicht säße in Krisenzeiten das Geld hingegen nicht mehr so locker. »Zwischen 50 und 500 Euro verkaufen wir inzwischen kaum noch Ware«.

    Einen herben Rückschlag erlebte der Händler Mitte der Neunzigerjahre, als in seinen Laden eingebrochen wurde. »Der Schaden betrug mehr als 150.000 Euro und die Leute, deren Besitz ich verkaufen sollte, standen plötzlich alle auf der Matte«. Doch Pauritsch konnte seine Schulden am Ende abbezahlen.

    Im Podcast Frisch an die Arbeit erzählt Pauritsch, für wieviel Geld er sein teuerstes Stück versteigert hat, ob er sich schonmal kräftig im Preis geirrt hat und ob er privat immer noch auf Flohmärkte geht.

     

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    35 min
  • Was fasziniert Sie an der Arbeit mit Kies, Uwe Kersten?

    »Seit 100.000 Jahren ist auf diesen Kies kein Lichtstrahl gefallen – und jetzt bin ich derjenige, der ihn wieder ans Licht fördert«, sagt Uwe Kersten, Maschinenführer und Kieswerkmitarbeiter, im Podcast »Frisch an die Arbeit«.

    Kersten, 62 Jahre alt, ist seit 38 Jahren am Rande des Harzes in der Kiesgewinnung tätig. Ursprünglich ließ er sich bei der Deutschen Bahn in Göttingen zum Energieanlagenelektroniker ausbilden. Als die Bahn Mitte der Achtzigerjahre Personal abbaute, wechselte er in das Kieswerk, in dem bereits sein Vater beschäftigt gewesen war. »Ich bin dann hier ganz klassisch, wie man sagt, kleben geblieben.«

    Meistens ist Kersten allein in einer Außenstelle des Kieswerks, bedient Radlader und Bagger, überwacht, wie der Kies mit Maschinen aufbereitet wird, und belädt die Fahrzeuge der Kunden. Welche Aufgaben an einem Tag anstehen, entscheidet er weitgehend selbst. »Für meinen Vorgesetzten ist eigentlich nur wichtig, dass der Laden läuft«, sagt Kersten. 

    Die Kiesvorkommen, mit denen Kersten arbeitet, stammen überwiegend aus dem Harz. Verwittertes Gestein wurde während der letzten Eiszeit durch Flüsse und Schmelzwasser ins Harzvorland getragen und dort abgelagert. Das Material reiche von feinem Sand bis zu Steinen von der Größe eines Basketballs, erzählt Kersten. Im Kieswerk wird es gewaschen, gesiebt und teilweise gebrochen. So entstehen rund 25 verschiedene Produkte für den Straßen-, Garten- und Hausbau.

    Manche Kunden, sagt Kersten, holten lediglich eine Schubkarre Kies ab, andere bestellen 20.000 Tonnen. Selbst nach all den Jahren dort könne ihn seine Kiesgrube überraschen, erzählt Kersten. Kersten hat in den Lagerstätten bereits Hohlräume entdeckt, deren Entstehung er sich nicht erklären konnte.

    Auch fasziniert Kersten die Natur in so einer Kiesgrube. Sobald der Abbau in einem Abschnitt beendet sei, kehrten Pflanzen und Tiere zügig zurück. „Die Natur kommt hinter uns her“, sagt Kersten. Es entstünden schnell Teiche und Feuchtgebiete – und der Naturschutzbund beobachte dort regelmäßig Schmetterlinge, Vögel und Amphibien.

    Heute hilft ihm seine Erfahrung vor allem dann, wenn eine Maschine ausfällt. »Auch mit fast 62 Jahren lasse ich mich nicht so leicht unterkriegen. Alles, was sich irgendwie allein lösen lässt, mache ich selbst«, sagt er. Er ist sich sicher: »Ich habe hier schon 2.000 Probleme gelöst. Warum soll ich das 2.001. nicht auch lösen?«

    Im Podcast erzählt Kersten außerdem, wie sich Baumaschinen in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben, warum Kies trotz Baustoffrecycling knapp werden könnte und weshalb ein Stein mit einem Loch als Talisman am Rückspiegel seines Hauses hängt.

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    36 min
  • Die Deutschen arbeiten genug – oder?

    Verstehen wir uns noch? Teilen wir dieselben Ansichten? Die ZEIT bringt mit Deutschland spricht Menschen mit gegensätzlichen Meinungen zusammen – in diesem Jahr am 30. August.

    Grundlage der Gespräche sind acht Fragen zu kontroversen Themen. Eine davon lautet: Arbeiten die Deutschen zu wenig? Aus diesem Anlass diskutieren Kolja Rudzio aus dem Wirtschaftsressort der ZEIT und Hannah Scherkamp aus dem Arbeitsressort in einer Sonderfolge von Frisch an die Arbeit.

    Die Frage, ob die Deutschen zu wenig leisten, beschäftigt derzeit viele in Deutschland: Politiker, Unternehmenschefs und natürlich auch Arbeitnehmer. Tatsächlich ist sie schwierig zu beantworten. Das zeigt auch die Diskussion in diesem Podcast.

    Einerseits wurden in Deutschland zuletzt insgesamt mehr Arbeitsstunden geleistet als vor zehn Jahren. Andererseits werden in den kommenden Jahren Millionen Arbeitskräfte in Rente gehen.

    »An dem Problem gemessen, arbeiten wir wahrscheinlich zu wenig und müssen uns Gedanken machen: Wie können wir noch mehr Leute in Arbeit bekommen?«, sagt Kolja Rudzio im Podcast. Sonst werde es sehr schwierig, weiterhin das zu finanzieren, was wir uns heute alles leisten – für den Staat und das Sozialsystem.

    Im Laufe dieser Sonderfolge diskutieren Hannah Scherkamp und Kolja Rudzio nicht nur über die Entwicklung der geleisteten Arbeitsstunden, sondern auch über Teilzeitquoten, den Ruf der Generation Z, die Erwerbsarbeit von Frauen und die Produktivität in Deutschland.

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    43 min
  • Was braucht es, einen Konzertflügel zu stimmen, Arvid Michel?

    »Ich muss das Klavier in einem Bereich hören können, den die meisten gar nicht wahrnehmen«, sagt Arvid Michel im Podcast »Frisch an die Arbeit«. Nur so könne er die 88 Töne eines Klaviers so aufeinander abstimmen, dass sie nicht nur für sich, sondern auch gemeinsam richtig klingen. Bei der »Dreigroschenoper« erkenne er zum Beispiel ein bestimmtes Muster, sagt Michel. Nach dem Stück seien die Töne immer auf eine spezielle Art verstimmt.

    Michel arbeitet als freiberuflicher Klavierstimmer an Theatern sowie für Rundfunkorchester und Chöre. Anders als die Instrumente in Privathaushalten werden die Konzertflügel teilweise mehrmals im Monat, manchmal sogar mehrmals am Tag gestimmt. Bei Proben und Aufführungen werden die Saiten stark beansprucht, außerdem werden die Instrumente ständig zwischen Bühne, Orchestergraben und Proberäumen bewegt. »Dadurch entsteht so viel Verstimmung im Instrument, die dann hörbar ist«, sagt Michel.

    Seine Liebe zum Klavier begann in der Kindheit bei seiner Großmutter. »Ich habe das Instrument gesehen und war sofort verliebt«, sagt er. Erst mit 16 Jahren nahm er Unterricht und wollte Pianist werden. Während des Studiums spielte er als Barpianist und verdiente sich einen eigenen, nicht mehr ganz neuen Flügel – einen, der ständig gestimmt werden musste. Weil er sich das nicht leisten konnte, bat er einen befreundeten Klavierbauer, ihm alles beizubringen. Später half er in der Werkstatt des Klavierbauers mit und begann eine Ausbildung.

    Einer der besonderen Momente seiner Karriere war für Michel ein Auftrag des Berliner Ensemble: Das Theater wollte einen neuen Steinway-Flügel anschaffen, der den Ansprüchen des Pianisten Igor Levit genügen sollte. Michel durfte nach Hamburg fahren und aus fünf Instrumenten eines auswählen. »Er hat gespielt, ich habe gelauscht«, sagt Michel.

    Im Podcast erzählt er außerdem, warum Klimaanlagen Klaviere verstimmen und weshalb ihn die Kritik einer Professorin dazu brachte, seine Arbeitsweise grundlegend zu verändern.

    »Frisch an die Arbeit« wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek. Das Team erreichen Sie unter [email protected].

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    43 min
  • Wie hart ist die Ballettausbildung wirklich, Sarah Weber?

    Ein typisches Ballettmädchen sei sie nie gewesen, sagt Tänzerin Sarah Weber im Podcast »Frisch an die Arbeit«. »Als ich drei Jahre alt war, habe ich laut Legende mein Ballettröckchen zerrissen, weil es so langweilig war.« Trotzdem schickten sie ihre Eltern in die Berliner Tanzakademie an der Deutschen Oper in Berlin. »Mit acht oder neun Jahren habe ich dann schon auf der großen Bühne bei Nussknacker mitgetanzt«, sagt Weber – und das begeisterte sie dann schon.

    Als Teenager, so mit 16, 17 Jahren, habe sie gewusst, dass sie Tänzerin werden wolle. »Ich liebe einfach die klassische Musik und den athletischen Aspekt.« Für die professionelle Ausbildung ging sie unter anderem an eine Ballettschule nach Lettland. Dort sei es deutlich strenger zugegangen als in Deutschland. Der Druck, Leistung abzuliefern, sei höher gewesen. »Aber am schwierigsten war für mich die Sprachbarriere, weil man sich ja mit den anderen Schülern nicht anfreunden kann.« Das harte Training habe sie allerdings kaum gestört, »ich kann beim Training gut entspannen«, erzählt sie. Und ein gewisser Druck sei für Spitzenleistungen auch durchaus nötig.

    Inzwischen ist Sarah Weber Anfang vierzig, seit mehr als zwei Jahrzehnten tanzt sie professionell als Gruppentänzerin in mehreren Compagnien weltweit, unter anderem am Nationalballett in Kairo während der Zeit des Arabischen Frühlings. Sie wohnte damals nicht weit vom zentralen Tahrir-Platz entfernt, dort begannen 2011 die Aufstände gegen das Regime. »Von meinem Balkon im fünften Stock habe ich Schüsse gehört, ich wusste erst gar nicht, dass es welche waren. Die Ballettdirektorin rief noch an, dass trotzdem alle zu den Proben kommen sollen, aber niemand von uns ist mehr hingegangen.«

    Danach habe sie sich in Deutschland ein neues Engagement suchen müssen. »Da gibt es nicht so einen Transfermarkt wie beim Fußball. Wir müssen allein trainieren und allein zum Vortanzen gehen und auf einen Job hoffen«, sagt sie. Nur die allerwenigsten schaffen es bis an die Spitze und werden Solistinnen oder Solisten, »da ist allerdings fast niemand aus Deutschland dabei«.

    Alle Tänzerinnen und Tänzer wüssten außerdem von Anfang an, dass man den Job nicht bis zur regulären Rente machen könne, der Körper wird vom Tanzen einfach zu hart beansprucht. »Auch deshalb bin ich immer mehrgleisig gefahren«, sagt Weber. Neben ihrem Job als Tänzerin studierte sie Kulturmanagement sowie Deutsch als Fremdsprache und machte eine Ausbildung zur Tanzpädagogin. Heute leitet sie eine Ballettschule für etwa 100 Kinder und Jugendliche im Berliner Südosten und gibt dort auch Kurse. 

    Im Podcast erzählt Sarah Weber, ob sie eine strenge Lehrerin ist und wie sich die Anspruchshaltung der Ballettschülerinnen und -schüler verändert hat. Und ob der klassische Tanz mal eine radikale Modernisierung bräuchte. 

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    52 min
  • Warum haben Sie Ihre Karriere für den Campingplatz Ihrer Eltern aufgegeben, Nadine Siemer?

    »Für einen Campingplatz braucht man eine riesengroße Portion Herz«, sagt Nadine Siemer im Podcast »Frisch an die Arbeit«. Jeder Gast bringe seine eigene Geschichte mit. Die 48-Jährige betreibt gemeinsam mit ihrem Bruder den Campingplatz Knatter Camping in Bantikow in der Prignitz. Er liegt rund eine Autostunde nordwestlich von Berlin am Untersee der Kyritzer Seenkette.

    Auf 180 Stellplätzen verbringen in der Hauptsaison bis zu 700 Gäste gleichzeitig ihren Urlaub. Den Platz übernahmen Siemers Eltern nach der Wende von der Gemeinde und bauten ihn von einem einfachen Zeltplatz mit Trockentoiletten und kaltem Wasser zu einem modernen Ferienlager aus.

    Zelten war für Nadine Siemer übrigens selbst nie eine Option. »Camping ist keine Urlaubsform, für die ich mich persönlich begeistern kann«, sagt sie. Nach einem Studium im Bereich Medien und Kommunikation arbeitete sie im Umweltmanagement, in der Pressearbeit, in einer Unternehmensberatung und im öffentlichen Dienst.

    Trotzdem entschied sie sich während der Coronapandemie, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. »Es war überhaupt keine finanzielle Entscheidung, sondern eine aus dem Bauch heraus«, sagt sie. Nachdem sie über Jahre als Angestellte gearbeitet hatte, wollte sie nun selbstständig sein.

    Heute kümmert sich Siemers um Buchungen, Personalplanung und Investitionen in den Campingplatz. Viele Abläufe hat sie in den vergangenen Jahren digitalisiert. Sie betrachtet den Campingplatz wie ein Unternehmen, das man ständig weiterentwickeln muss.

    Schwierig wird es, wenn es im Sommer länger regnet: »Schlechtes Wetter ist vor allem dann kaum auszuhalten, wenn die Urlauber schon da sind und zu mir sagen: ›Eigentlich wollten wir am Wasser stehen. Jetzt stehen wir im Wasser.‹«

    Im Podcast erzählt Nadine Siemer außerdem, warum sie auch nach Feierabend oft an den Campingplatz denkt und wie man 700 Gästen am Tag einen schönen Urlaub ermöglicht.

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    38 min
  • Warum macht Gärtnern selbstbewusst, Horst Mager?

    »Meinen Garten betrachte ich als Freund, das ist ein Geben und Nehmen«, sagt Horst Mager im Podcast »Frisch an die Arbeit«. Als ausgebildeter Landschaftsgärtner und Biologe kümmert er sich seit Jahrzehnten um Pflanzen. Schon in seiner Kindheit pflegte er mit seiner spanischen Mutter und seinem deutschen Vater im Garten der Familie die Blumen und das Gemüse. Mittlerweile gärtnert er vor allem in seinem Berliner Schrebergarten. Dort wird auch die Fernsehsendung »Gartenzeit« gedreht, die Mager für den Rbb moderiert. 

    Mager, 62, machte nach seinem Biologiestudium ein Volontariat bei einem Fernsehsender. Mit 58 Jahren eröffnete er unter »Horst sein Schrebergarten« Accounts bei Instagram und YouTube. Für einen schönen Garten oder Balkon sei es entscheidend, die passende Pflanze für den Standort auszuwählen. »Wie lange scheint dort die Sonne? Will ich das oft gießen? Kommt da sowieso Regen hin? Das sind wichtige Punkte«, sagt Mager. Für jeden Platz gebe es ein Gewächs. »Auf einem Balkon ist es wichtig, nicht fünf kleine Blumentöpfe zu haben, die dauernd austrocknen, sondern einen großen.«

    Wie ein Garten aussehen soll, habe sich in den vergangenen Jahren sehr geändert, sagt Mager. Während früher ein gepflegter Rasen, ein Rosenbeet und ein Rhododendron gewünscht war, sei heute vieles entspannter. »Es gibt viele Menschen, die jetzt anders gärtnern und die Natur einbeziehen«, sagt Mager. Besonders traurig sei es, wenn Hausbesitzer ihren Garten zubetonieren oder die Pflanzen zum falschen Zeitpunkt zurückschneiden. »Man sieht am Garten, wie die Menschen funktionieren.«

    Mindestens zwei Tage in der Woche verbringt Mager in seinem Schrebergarten, einsam fühlt er sich dabei nie. »Ich rede ganz viel mit meinen Pflanzen, es sind sehr entspannte Unterhaltungen. Ich glaube, sie sprechen auch mit mir.«

    Im Podcast erzählt Mager von seinem langen Berufsweg, den hässlichsten Vorgärten und warum es ihm Schmerzen bereitet, wenn er schlecht gepflegte Bäume und Blumen sieht. 

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    46 min

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Alle 14 Tage stellen Hannah Scherkamp, Elise Landschek und Daniel Erk spannenden Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft Fragen über ihr persönliches Verhältnis zu ihrer Arbeit.

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