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Marvel-Fans benötigen jetzt ein Prime-Abo, denn Spider-Noir ist eine Serie, die man trotz einiger Kritikpunkte nicht verpassen sollte.
Ein Kommentar von Daniel Boldt
Nicolas Cage als Spider-Man? Was erst wie ein verrückter Fantraum klingt, wird am 27. Mai tatsächlich Wirklichkeit: Dann startet die neue Serie Spider-Noir bei Prime Video. Die Marvel-Produktion verbindet düsteren Noir-Krimi mit stylischer Superhelden-Action und einem sichtbar spielfreudigen Nic Cage. Warum mich die acht Episoden am Ende trotzdem nicht ganz überzeugen konnten, erfahrt ihr in diesem Review.
Der klassische Noir-Krimi ist zurück
Wichtig vorab: Spider-Noir steht nicht in direkter Verbindung zum MCU. Im Grunde müsst ihr nicht einmal mit Spider-Man vertraut sein, um der Serie folgen zu können. Statt Peter Parker rückt hier ein älterer Ben Reilly in den Mittelpunkt, der im alternativen New York der 1930er-Jahre einst als „The Spider“ sein Unwesen trieb. Nachdem ein Attentat mit übernatürlichen Kräften auf den einflussreichsten Gangsterboss der Stadt verübt wird, beginnt Reilly zu ermitteln – und schlüpft dabei erneut in die Rolle des maskierten Helden.
Der besondere Reiz der Serie liegt bereits im Titel: Spider-Noir ist ein klassischer Noir-Krimi – mit all seinen typischen Stärken und Schwächen. Im Mittelpunkt stehen klar die Dialoge, während Action eher in den Hintergrund tritt. Rauchige Bars, entspannte Jazzklänge und die unverzichtbare Femme fatale gehören selbstverständlich dazu. Besonders gelungen ist der Einsatz von alten Kameraperspektiven und klassischen Überblendungen, die man heute nur noch selten sieht.
Allerdings verliert sich die Serie aus meiner Sicht zu häufig in wiederkehrenden Ermittlungen und Gesprächen, ohne dass die Handlung wirklich vorankommt. Nicolas Cage fasst das in einer Szene treffend zusammen: „Wir jagen Geister.“ Genau so wirkt die Serie phasenweise auch. Wirklich spannend wird Spider-Noir erst in den letzten Folgen, sodass man den Eindruck haben kann, dass sechs Episoden statt acht der Serie besser getan hätten.
Unangreifbar ist dagegen Nicolas Cage selbst. Er ist ein echtes Highlight und verkörpert Ben Reilly mit einer gelungenen Mischung aus Ernst, trockenem Humor und einer leicht exzentrischen Note, die wahnsinnig viel Spaß macht. Erstaunlich ist dabei, wie jugendlich er in vielen Szenen wirkt. Für Fans von Cage ist Spider-Noir ein lohnendes Serien-Erlebnis.
Eine fast perfekte Liebeserklärung
Am stärksten gestört hat mich allerdings ein technischer Punkt, der vielen Zuschauern vermutlich nicht einmal auffallen dürfte. Die Marvel-Serie wurde mit modernen Kameras gedreht und wirkt dadurch sehr sauber und digital, was sich aus meiner Sicht mit der angestrebten Noir-Ästhetik beißt. Die gesamte Inszenierung ist bewusst klassisch gehalten, um dem alten Genre gerecht zu werden. Ein körniger Filmlook – also das typische „Grain“, wie es bei analogem Filmmaterial entsteht – hätte der Atmosphäre noch den letzten Schliff gegeben.
Letztlich ist das natürlich auch eine Frage des Budgets, und viele werden das gestochen scharfe, moderne Bild bevorzugen. Wenn man schon beim Thema Kosten ist, haben mich allerdings besonders die Gegenspieler von Ben Reilly enttäuscht. Dazu zählt unter anderem Sandman, ein Schurke, der seinen Körper in Sand verwandeln kann. Vermutlich aus Budgetgründen wirken seine Fähigkeiten – ebenso wie die einiger anderer Antagonisten – eher reduziert inszeniert, was an die DC-Serien von The CW erinnert.
Marvel- und Cage-Fans werden es lieben
Trotz der genannten Kritikpunkte ist Spider-Noir eine gelungene Marvel-Serie. Getragen wird sie von einem großartigen Hauptdarsteller und einem angenehm ungewöhnlichen Genre-Mix. Meine Erwartungen an die Inszenierung waren zwar etwas höher, aber das ändert nichts daran, dass die Serie viel Charme besitzt und sich vor allem durch ihren konsequenten Schwarz-Weiß-Look wohltuend von der Masse abhebt. Wer möchte, kann die Amazon-Serie übrigens auch in Farbe schauen – allerdings geht dabei ein Teil des stilistischen Konzepts verloren.
Unterm Strich bleibt Spider-Noir ein echter Underdog, ganz wie seine Titelfigur. Trotz kleiner Ecken und Kanten kann ich sie empfehlen, denn sobald Nicolas Cage als The Spider loslegt, macht die Marvel-Serie irre viel Spaß.