(Bildquelle: IMAGO / Blickwinkel / K. Steinkamp / Bearbeitung: GIGA)
Meist finden Phishing-Attacken auf dem Weg der E-Mail statt. Dieses Mal schreiben die Betrüger einen Brief und der kommt angeblich von der Bundesnetzagentur. Opfer sind die Besitzer von Photovoltaik-Anlagen, denen Sanktionen angedroht werden, wenn sie nicht zahlen und kritische Daten freigeben.
Briefe wirken natürlich viel offizieller als eine E-Mail, die möglicherweise sofort im Spam-Ordner hängenbleibt. Umso mehr verwundert es, dass sich die Betrüger damit nicht mehr Mühe gegeben haben. Viele der angegebenen Daten sind falsch und das Konto, auf dem sie das erschwindelte Geld sammeln wollen, existiert nicht einmal. Worum geht es also wirklich?
Der Inhalt und die Fehler des Briefes
Der Absender des Briefes soll die „Außenstelle Sömmerda“ der Netzagentur sein, die es gar nicht gibt. Die angegebenen Telefonnummern sind falsch, was sich bereits in den Vorwahlen 0229 und 0223 zeigt: Bonn, der Sitz der Bundesnetzagentur, hat die Vorwahl 0228.
Im Betreff geht es um einen „Hinweis auf Pflichtverstöße nach EEG und MaStRV Zahlung einer EEG-Sanktionszahlung“.
Angeblich wurde die Solaranlage nicht ordnungsgemäß im Marktstammdatenregister (MaStRV) angemeldet und die jährlich vorgeschriebene EEG-Meldung sei auch nicht erfolgt.
Aus diesem Grund verlangen die Täter im Namen der Bundesnetzagentur eine Zahlung in Höhe von 41,60 Euro und drohen mit einer „volle Sanktion von 208,00 Euro“, falls die Strafe nicht innerhalb von 2 Wochen beglichen wird. Außerdem wird mit rechtlichen Schritten gedroht. Durch diesen Druck soll die Zahlung der relativ geringen Summe bewirkt werden. Seltsam daran ist allerdings, dass dieses Konto überhaupt nicht existiert.
Zusätzlich soll man die Bundesnetzagentur unter der E-Mail-Adresse „[email protected]“ kontaktieren. Die ist allerdings keine offizielle Mailadresse der Agentur (die gehen alle an bnetza.de), sondern wird beim Freemail-Anbieter mail.de gehostet.
Dorthin soll man eine E-Mail senden, um die Anlage zu registrieren und ebenfalls die Jahresmeldung der Strom- und Abrechnungsdaten vornehmen.
Worum geht es den Betrügern?
Offensichtlich ist Geld nicht das Ziel der Betrüger. Dessen spuren wären auch zu einfach nachzuverfolgen. Es geht um eure Daten, die in den richtigen Kreisen deutlich mehr als 41,60 Euro wert sein können.
Wenn ihr der Aufforderung nachkommt, übersendet ihr nicht nur eure Zählerstände und die Zählernummer, sondern auch alle Einzelheiten zu eurer Solaranlage. Zusätzlich wollen solche Gauner in der Regel auch eure Kontodaten haben. Mit der Kombination dieser Daten können sie beispielsweise einen Stromvertrag in eurem Namen abschließen, für dessen Vermittlung sie eine satte Provision bekommen.
Es ist nicht klar, ob es sich bei dieser Masche um ein Massen-Phishing handelt, bei dem zum Beispiel auch zahllose Personen ohne Photovoltaikanlage angeschrieben werden, oder ob sie sich die Opfer gezielt ausgesucht haben.
Marco Kratzenberg (Eigene Meinung):
Empfehlungen
Die Bundesnetzagentur rät dazu, diese Briefe zu ignorieren und keinesfalls Geld oder Daten an die Täter zu senden. Außerdem empfiehlt sie eine Anzeige bei der Polizei, aber erfahrungsgemäß verläuft so ein Verfahren im Sand.
Wir empfehlen, bei solchen Schreiben die Ruhe zu bewahren, tief Luft zu holen und nachzudenken: Die EEG-Jahresmeldung erfolgt jedes Jahr als Zählerstandsmeldung an den Energieversorger. Die würde dieser gar nicht fordern, wenn die Photovoltaikanlage nicht ordnungsgemäß im Marktstammdatenregister registriert wäre. Und diese Registrierung erfolgt in der Regel direkt nach der Installation der Anlage und dazu bekommt ihr dann auch Unterlagen.