Mit diesen Tipps gelingt euch der Verzicht auf Verbrenner. (Bildquelle: IMAGO / imagebroker / Bearbeitung GIGA)
Die Entscheidung für ein Elektrofahrzeug ist mehr als das Ersetzen des Motors, es verändert auch die Art des Fahrens. Damit Ihr Umstieg vom traditionellen Verbrenner problemlos verläuft, haben wir nützliche Tipps für euch vorbereitet.
Tipp 1: Wichtige Ladekarten
Das Laden gehört zu den größten Umstellungen beim Wechsel vom Verbrenner auf ein E-Auto. Während Tanken in wenigen Minuten erledigt ist und Tankstellen fast überall stehen, benötigt selbst ein modernes Elektroauto mehr Zeit beim Laden. Zudem blockieren ladende Fahrzeuge die Säule für andere Fahrer.
Wenn ihr zu Hause eine Wallbox habt oder auf der Arbeit laden könnt, ist das ideal. Aber nicht jeder hat diese Möglichkeit. Unsere Empfehlung daher:
- Sucht einen oder mehrere DC-Lader in eurer Nähe (AC-Lader laden zu langsam). Dazu könnt ihr Kartendienste wie Chargeprice oder Google Maps nutzen. Besorgt euch eine Ladekarte von dem Anbieter, der die Säule betreibt. Dann habt ihr eine gute Grundversorgung.
- Besorgt euch zusätzlich eine Ladekarte von EWE Go und/oder EnBW. Beide bieten Tarife ohne Grundgebühr und haben ein gut ausgebautes Ladenetz, wie wir in unserem EnBW-Ratgeber beleuchtet haben. Während EWE Go pro Kilowattstunde günstiger ist, hat EnBW doppelt so viele Ladestationen. So habt ihr auch unterwegs genügend Lademöglichkeiten.
- Um die passende Ladekarte zu finden, lohnt sich ein Blick auf Vergleichsportale. Dort könnt ihr Angebote checken und die Karte auswählen, die am besten zu eurem Ladeverhalten passt.
TIPP: Eine physische Karte ist nicht mehr zwingend notwendig. Viele Ladevorgänge lassen sich über Apps oder Plug&Charge am Fahrzeug starten. Trotzdem kann es sinnvoll sein, mindestens eine physische Karte als Backup im Auto zu haben.
Tipp 2: Warum 80 Prozent oft genug sind
Bei einem Verbrenner käme wohl niemand auf die Idee, den Tank nicht komplett zu füllen. Bei Elektroautos sieht das etwas anders aus. Gerade unterwegs empfehlen wir, den Akku häufig nur bis etwa 80 Prozent zu laden. Das hat drei einfache Gründe:
- Ab etwa 80 Prozent sinkt die Ladegeschwindigkeit bei vielen Fahrzeugen deutlich. Die letzten Prozent dauern daher oft fast genauso lange wie die ersten 80 Prozent. Auf langen Strecken spart ihr meist Zeit, wenn ihr lieber einen zusätzlichen kurzen Ladestopp einlegt. Bei modernen Fahrzeugen steuert das Batteriemanagement diese Prozesse allerdings bereits sehr intelligent. Manche Hersteller erlauben problemlos höhere Ladezustände im Alltag.
- Gerade auf Rasthöfen auf der Autobahn wollen zu Stoßzeiten viele Fahrer laden. Es gehört zum guten Ton in der Community, die Säulen nicht unnötig lange zu blockieren. Bei einer Vollladung wäre das aber der Fall.
- Wenn ihr regelmäßige Vollladungen vermeiden könnt, erhöht das die Lebensdauer des Akkus.
Euer E-Auto sollte nicht länger als nötig eine Ladesäule blockieren. (Bildquelle: Pexels)Tipp 3: Die explosive Kraft des Strompedals
Ein Moment, an den sich wahrscheinlich fast jeder E-Auto-Fahrer erinnert: das erste starke Beschleunigen. Denn anders als bei Verbrennern liefert ein Elektromotor sein maximales Drehmoment sofort ab der ersten Sekunde. Dadurch fühlen sich selbst kleinere Fahrzeuge überraschend kraftvoll an.
Das macht nicht nur Spaß, sondern hilft auch beim Überholen oder in Gefahrensituationen. Für Einsteiger ist diese spontane Leistungsentfaltung allerdings oft ungewohnt. Gerade beim Anfahren oder Rangieren solltet ihr euch deshalb zunächst an das Fahrgefühl gewöhnen.
Tipp 4: Wenn die Bremse Rost ansetzt
Eines der faszinierendsten Merkmale eines E-Autos sind die Rekuperation. Sobald ihr den Fuß vom Fahrpedal nehmt, bremst der Elektromotor das Fahrzeug ab und gewinnt dabei Energie zurück. Sie fließt dann wieder in den Akku und erhöht die Reichweite.
Bei vielen Modellen lässt sich dieser Effekt so stark einstellen, dass die Rekuperation das Fahrzeug sogar bis zum Stillstand bringt. Drückt ihr den Fuß also auf das Pedal, beschleunigt das E-Auto. Nehmt ihr den Fuß runter, bremst es. Man spricht dann vom „One-Pedal-Driving“, da ihr im Alltag die mechanische Bremse kaum noch benötigt.
Auch wenn die Rekuperation eine tolle Sache ist und die Effizienz steigert, birgt sie jedoch eine unerwartete Nebenwirkung: Die Bremsscheiben setzen Rost an. Damit die Bremsanlage voll funktionstüchtig und sicher bleibt, solltet ihr sie daher regelmäßig und kräftig betätigen.
Tipp 5: Leasingvertrag anpassen
Viele Umsteiger berichten, dass sie nach dem Wechsel deutlich mehr fahren als zuvor. Teilweise hat sich ihre Jahresfahrleistung verdoppelt. Die Gründe sind naheliegend: Das leise, souveräne und kraftvolle Fahren bereitet einfach mehr Freude. Eine spontane Fahrt ins Grüne am Abend, die man sich mit dem teuren Sprit im Tank oft verkniffen hat, wird zur willkommenen Abwechslung.
Wer seinen Strom dazu noch von der eigenen Solaranlage auf dem Dach bezieht oder einen dynamischen Stromtarif nutzt, senkt seine Fahrtkosten immens.
Wer ein E-Auto least, sollte deshalb von Anfang an etwas großzügiger bei der jährlichen Kilometerleistung planen. Sonst können am Ende teure Nachzahlungen entstehen.
Tipp 6: Ein Ohr für Fußgänger
Die Stille eines E-Autos ist im Innenraum ein Segen, im Stadtverkehr aber eine Herausforderung. Fußgänger und Radfahrer orientieren sich stark an Motorengeräuschen, um herannahende Fahrzeuge wahrzunehmen. Da euer Auto bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h fast lautlos unterwegs ist, müsst ihr diese fehlende akustische Präsenz durch erhöhte Aufmerksamkeit ausgleichen.
Fahrt in Spielstraßen, an Zebrastreifen und in verkehrsberuhigten Bereichen besonders vorausschauend. Auch wenn moderne E-Autos ein künstliches Fahrgeräusch (AVAS) erzeugen, ist es doch deutlich leiser als ein Verbrennungsmotor.
Tipp 7: Kluges Heizen
Der Winter stellt besondere Anforderungen an ein Elektroauto. Die Reichweite kann bei niedrigen Temperaturen um bis zu 30 Prozent sinken. Das liegt zum einen an der geringeren Effizienz des Akkus bei Kälte und zum anderen am hohen Energiebedarf der Innenraumheizung.
Unser Tipp für Kurzstrecken: Nutzt bevorzugt Sitz- und Lenkradheizung. Beide sorgen schnell für ein angenehmes Wärmegefühl und benötigen deutlich weniger Energie als das vollständige Aufheizen des Innenraums.
Viele moderne E-Autos besitzen inzwischen außerdem Wärmepumpen. Sie arbeiten effizienter als klassische Heizsysteme und können den Stromverbrauch im Winter senken.
Praktisch ist auch die sogenannte Vorkonditionierung: Viele Fahrzeuge heizen Akku und Innenraum bereits vor, solange das Auto noch am Ladekabel hängt. Das spart Reichweite und verbessert teilweise sogar die Ladegeschwindigkeit an Schnellladesäulen.
Eine Lenkradheizung im E-Auto sorgt für ein schnelles Wärmegefühl im Winter. (Bildquelle: GIGA)Tipp 8: Kleinigkeiten erhöhen die Reichweite
Die Reichweite eines E-Autos schwankt stark und hängt von vielen Faktoren ab. Den größten Einfluss habt ihr meist selbst über eure Fahrweise.
Den größten Hebel, den ihr selbst habt, ist die Geschwindigkeit auf der Autobahn. Bereits kleinere Reduktionen von 130 km/h auf 120 km/h, können einen zusätzlichen Ladestopp einsparen. Auch moderates Beschleunigen und eine stark eingestellte Rekuperation sorgen für mehr Reichweite.
Überprüft zudem regelmäßig euren Reifendruck. Ein perfekt gefüllter Reifen hat einen niedrigeren Rollwiderstand und kann gerade bei Regen einiges an Energie einsparen.
Tipp 9: Den Akku regelmäßig prüfen
Der Akku ist das größte, teuerste und wichtigste Bauteil in einem E-Auto. Daher solltet ihr ihn pfleglich behandeln und auch regelmäßig auf seinen Zustand überprüfen. Dieser kann sich durch Alterung, häufige Schnellladung, Tiefentladung und noch ein paar andere Faktoren mit der Zeit verschlechtern. Mit einem regelmäßigen Check könnt ihr frühzeitig Probleme erkennen und handeln. Das erhöht auch den Verkaufswert.
Den Gesundheitszustand gibt man mit dem SoH-Wert (State of Health) an. Er beschreibt den aktuellen Zustand der Batterie im Vergleich zum Neuzustand. Ein SoH von 91 % bedeutet beispielsweise, dass die Batterie noch 91 % ihrer ursprünglichen Kapazität speichern kann.
Der State of Health lässt sich bei vielen Modellen auch per Ferndiagnose prüfen. Das geht entweder über den Hersteller oder über zertifizierte Servicepartner. Die Batteriedaten eures Fahrzeugs werden ausgelesen und analysiert. Ihr erhaltet dann eine Einschätzung und einen Bericht und das ganz ohne einen Besuch in der Werkstatt.
Um selbst eine Diagnose durchführen zu können, benötigt ihr einen OBD2-Dongle und die dazugehörige App. Der OBD2-Stecker kommt dann in die Diagnoseschnittstelle des E-Autos, die meist im Fußraum liegt. Per Bluetooth bekommt ihr dann den SoH-Wert auf die App geliefert.
SoH-Wert
Bewertung
>90 %
Guter Wert
85–89 %
Normal bei leichtem Gebrauch (~3–5 Jahre)
80–84 %
Spürbar reduzierte Reichweite (~10–15 % weniger), aber Alltag noch gut möglich
<80 %
Bei vielen Herstellern der Punkt, an dem eine Batteriegarantie greift
Tipp 10: THG-Quote
E-Auto Besitzer können seit 2022 von der THG-Quote (Treibhausgasminderungsquote) profitieren. Für die eingesparten Emissionen gibt es jährlich einen Bonus. 2025 lag der Durchschnitt etwa bei 100 bis 200 Euro pro Fahrzeug.
Die THG-Quote könnt ihr online beantragen. Dafür wählt ihr einen Anbieter aus, ladet euren Fahrzeugschein hoch und gebt eure Daten an. Der Anbieter reicht eure Daten dann beim Umweltbundesamt ein und leitet euch die Prämie weiter, sobald alles bestätigt wurde. Über Vergleichsportale wie Verivox könnt ihr verschiedene Anbieter vergleichen.
Tipp 11: Holt euch das E-Kennzeichen
Elektroautos erkennt ihr häufig am „E“ am Ende des Kennzeichens. Verpflichtend ist das allerdings nicht. Trotzdem lohnt sich das E-Kennzeichen in vielen Städten. Je nach Kommune profitieren Fahrer dadurch von Vorteilen wie:
- kostenfreiem Parken
- Sonderparkplätzen
- Zufahrtserlaubnissen
- Busspur-Nutzung
Die Regelungen unterscheiden sich allerdings je nach Stadt. Ein kurzer Blick auf die lokalen Vorschriften kann sich daher lohnen. Es mag eine Kleinigkeit sein, die euch im Alltag aber Zeit und Geld sparen kann.