Ihr könnt eure Krankenversicherung selbst wählen (Bildquelle: IMAGO / onemorepicture Thorsten Wagner / Bildbearbeitung GIGA)
Die Krankenversicherung gehört in Deutschland zu den Pflichtversicherungen, doch trotzdem dürft ihr über euren Versicherer frei entscheiden. Was ihr bei einem Wechsel wissen müsst, verraten wir euch.
Wann lohnt sich der Krankenkassenwechsel?
Kasse ist Kasse? Das stimmt nicht so ganz, auch wenn die gesetzliche Grundversorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung festgelegt ist. Trotzdem gibt es deutliche Unterschiede. So zahlen manche Kassen mehr für Zahnbehandlungen oder alternative Therapien wie Osteopathie. Andere erstatten alternative Heilmethoden oder haben individuelle Hausarztmodelle oder Bonusprogramme.
Wenn ihr als Familie versichert seit, können auch Themen wie Familienversicherung oder kostenfreie Gesundheits- und Ernährungskurse eine Rolle spielen. Seid ihr hingegen ständig on Tour und reist viel, sind digitale Services für euch besonders wichtig.
Lohnen kann ein Wechsel immer dann sein, wenn ihr mit der jetzigen Krankenkasse nicht zufrieden seid oder der Zusatzbeitrag steigt. Hier darf jede gesetzliche Kasse ihre eigenen Beiträge festlegen. Er wird prozentual berechnet und belastet euer Nettogehalt. Wenn eure Kasse erhöht, habt ihr automatisch ein Sonderkündigungsrecht (siehe Verbraucherzentrale). Dadurch könnt ihr ohne Einhaltung der normal üblichen Fristen schneller kündigen.
Kassenwechsel in der gesetzlichen Krankenversicherung
Ein Wechsel eurer gesetzlichen Krankenversicherung ist einfach, ihr müsst lediglich eine neue Kasse auswählen. Der neue Anbieter übernimmt die Kündigung bei eurer früheren Kasse. Die geltenden Bindungsfristen von 1,5 Jahren sind deutlich verkürzt worden. Wenn ihr mindestens 12 Monate Mitglied bei eurer jetzigen Krankenkasse wart, könnt ihr wechseln, bei Beitragserhöhungen sogar früher.
Schaut euch vor dem Wechsel die angebotenen Leistungen eures neuen Anbieters an. Das Bundesgesundheitsministerium hat eine Checkliste erarbeitet, die euch bei der Suche nach einem neuen Anbieter helfen kann (siehe Bundesgesundheitsministerium).
Diese Fragen solltet ihr euch stellenGibt es Wahltarife und Zusatzleistungen bei der neuen Krankenkasse? Werden spezielle Behandlungsprogramme angeboten? Sind gut passende Bonussysteme verfügbar? Welcher Zusatzbeitrag fällt an? Wie gut sind die Beratungsleistungen (auch digital)? Wollt ihr telefonische, persönliche oder Online-Beratung nutzen?
Wenn ihr gewechselt habt, seid ihr für ein Jahr an eure neue Krankenversicherung gebunden. Ihr könnt den Vertrag nur dann vorher beenden, wenn ihr in die private Krankenversicherung wechseln wollt, wenn eure Krankenkasse die Mindestbindungspflicht ausschließt oder wenn ihr in eine Familienversicherung wechseln könnt.
Private Krankenversicherung wechseln: So kommt ihr zu einem neuen Anbieter
Wenn ihr privat versichert seid, könnt ihr ebenfalls einen anderen Anbieter auswählen. Das kann sinnvoll sein, wenn euch die Leistungen enttäuschen, der Service nicht passt oder die Beiträge stark angestiegen sind.
Wechselt ihr den Versicherer, beginnt ein neuer Vertrag. Beachtet, dass ihr vermutlich eine neue Gesundheitsprüfung auslöst. Habt ihr Vorerkrankungen oder Risikofaktoren für bestimmte Erkrankungen, sind höhere Beiträge und sogar Ablehnungen möglich. Eine private Krankenversicherung kann sich ihre Kunden aussuchen, eine Pflicht zur Antragsannahme existiert nicht.
Ihr dürft jederzeit wechseln, allerdings lohnt sich das nicht in jedem Fall. Insbesondere bei einer langen Versicherungszeit verliert ihr eure Altersrückstellungen ganz oder teilweise. Die Verbraucherzentrale hat klar aufgeschlüsselt, wann sich ein Anbieterwechsel lohnen kann (siehe Verbraucherzentrale).
Wann sich der Wechsel in eine andere PKV lohnen kann und wann nichtWenn ihr finanziell gut aufgestellt seidWenn ihr noch relativ jung und sehr unzufrieden in eurer PKV seidWenn ihr erst kurz in der PKV versichert seidWenn ihr euren Beitrag reduzieren wollt oder müsstWenn ihr unter Vorerkrankungen oder Risikofaktoren leidetTarifwechsel innerhalb der privaten Krankenversicherung
Die bessere Lösung ist es, innerhalb der eigenen Krankenversicherung in einen anderen Tarif zu wechseln. Hierbei müsst ihr vorsichtig sein und dürft euch nicht von sogenannten „Tarifoptimierern“ locken lassen. Die Verbraucherzentrale in Hamburg erklärt, dass solche Optimierer auf Provisionsbasis arbeiten (siehe Verbraucherzentrale Hamburg) und der Wechsel am Ende nicht eure beste Option ist.
Prüft selbst, welche Vor- und Nachteile ihr bei einem neuen Tarif habt und entscheidet euch nur dann für den Wechsel, wenn ihr langfristig davon profitiert.
Von der GKV in die PKV und zurück: Das sind eure Möglichkeiten
Der Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung ist grundsätzlich möglich, aber nicht für jede Personengruppe offen. Wenn ihr angestellt seid, müsst ihr die jährlich festgelegte Einkommensgrenze überschreiten (Stand 2025 liegt sie bei 73.800 Euro Brutto). Alternativ sind auch Selbstständigkeit und Beamtenstatus Zugangsmöglichkeiten in die PKV.
Bedenkt, dass euch die Versicherer ablehnen können, wenn ihr beispielsweise zu alt seid oder bei der Gesundheitsprüfung zu viele Vorerkrankungen oder Risiken festgestellt werden. Wenn ihr wechseln könnt und wollt, müsst ihr zunächst einen Versicherer finden, der euch aufnimmt und dann eure Mitgliedschaft bei der GKV kündigen. Aufgrund der Versicherungspflicht müsst ihr dort nachweisen können, dass ihr einen neuen Anbieter gefunden habt.
Der Rückwechsel von der PKV in die GKV ist nur sehr schwer möglich. Eine Option wäre ein Angestelltenjob mit einem Einkommen unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze. Weitere Optionen sind die Abhängigkeit von ALG I, wenn ihr nicht älter als 55 Jahre alt seid, oder der Wechsel in die Familienversicherung. Wenn euer Einkommen weiterhin PKV-geeignet ist, ist ein Rückwechsel kaum möglich.