Extrem günstige Preise, hohe Rabatte – die Shopping-App Temu lockt mit verlockenden Angeboten. (Bildquelle: IMAGO / Bihlmayerfotografie / Bearbeitung GIGA)
Schnäppchen auf Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress sind verlockend – doch der niedrige Preis kann teuer werden: durch den Zoll. Ab 2026 werden die Regeln für Importe aus China und anderen Nicht-EU-Ländern deutlich strenger. Wir zeigen euch, was ihr aktuell beim Import zahlen müsst und warum die Schnäppchenjagd bald teurer wird.
Temu-Bestellungen: Zusätzliche Kosten und komplizierte Rücksendungen
Mit großem Werbeaufwand hat sich die Firma an die Spitze der App-Wertungen gekauft und mittlerweile häufen sich die Beschwerden enttäuschter Temu-Kunden. Aber auch wenn ihr mit einem günstigen Artikel zufrieden seid, müsst ihr hierzulande für alle Waren von Temu Zollgebühren und Steuern zahlen.
Dadurch sind manche der Artikel doch nicht mehr so günstig und noch komplizierter wird es, wenn ihr etwas an Temu zurücksenden wollt: Dann müsst ihr euch nämlich in China um die Erstattung des Kaufpreises und Portos kümmern und in Deutschland um die Rückerstattung der Einfuhrgebühren.
Die große Änderung: Zollfreigrenze von 150 Euro fällt 2026
Die wichtigste Nachricht zuerst: Die EU hat beschlossen, die bisherige Zollfreigrenze für Warensendungen mit einem Wert von unter 150 Euro abzuschaffen. Diese Änderung soll 2026 in Kraft treten – zwei Jahre früher als ursprünglich geplant.
Bisher galt: Bestellungen unter diesem Wert waren von Zollabgaben befreit. Das führte zu einer Flut von Milliarden kleiner Pakete, vorwiegend aus China. Laut EU-Angaben kamen 2024 ganze 4,6 Milliarden solcher Sendungen in die Union.
Die EU will damit für fairere Wettbewerbsbedingungen sorgen. Europäische Händler, die auf alle ihre Produkte Steuern zahlen, sind gegenüber den Billig-Anbietern klar im Nachteil.
Zudem entgehen den Staaten durch die Paketflut und oft falsche Wertangaben massive Steuereinnahmen. Die EU-Kommission schätzt, dass 65 Prozent der Pakete falsch deklariert werden, um Gebühren zu umgehen.
Aktuelle Gebühren im Detail: Das müsst ihr an Steuern und Zoll für eure Temu-Bestellung zahlen
Grundsätzlich können 3 Arten von zusätzlichen Gebühren anfallen, wenn ihr etwas bei Temu in China bestellt:
Zoll: Die Höhe richtet sich nach dem Zollsatz jeder einzelnen Ware in der Sendung.
Bei einem Gesamtwert der Sendung von unter 150 Euro müsst ihr keinen Zoll bezahlen.
Einfuhrumsatzsteuer: Die Höhe dieser Steuer richtet sich nach der Art der Waren und beträgt entweder 7 oder 19 Prozent. Sie ist immer fällig, auch wenn der Warenwert nur 1 Euro beträgt.
Verbrauchssteuern: Für Waren wie Alkohol, Kaffee und Tabakwaren müsst ihr
zusätzlich noch Verbrauchssteuern zahlen.
Je nach Art der Waren und Höhe des Bestellwertes, kann das also zu hohen Zusatzkosten führen. Bei der Berechnung dieser Kosten kommt es auch darauf an, ob in der Rechnung die Versandkosten extra ausgewiesen wurden. Wenn für eure Bestellung nur ein Gesamtwert angegeben wurde, der die Waren und Portokosten zusammenzieht, wird die Summe als „Sachwert“ der Sendung betrachtet, für die dann Gebühren fällig werden.
Tipp: Ihr solltet bei der Bestellung versuchen, mit dem Gesamtpreis (Warenwert plus Porto) unter 150 Euro zu bleiben und andere Waren eventuell getrennt bestellen. So spart ihr euch die Einfuhrumsatzsteuer. Das lohnt sich in der Regel oft selbst dann, wenn für die zweite Sendung wieder Portokosten anfallen.Die Regeln und Kosten für die zu erwartenden Gebühren könnt ihr euch auf der Webseite des deutschen Zolls ansehen.
Wie zahlt ihr Zoll und Steuern für Temu-Waren?
Üblicherweise gibt es für die Bezahlung von Steuern und Zollgebühren zwei Wege, wenn ihr Waren aus China bestellt:
Entweder bekommt ihr eine Aufforderung vom Zollamt, die Gebühren zu bezahlen, oder der Paketzusteller kassiert die bereits berechneten Gebühren bei euch ein.
Beim Zollamt müsst ihr gegebenenfalls persönlich vorsprechen und dort auch nachweisen, wie hoch der zu verzollende Wert der Ware ist. Dazu solltet ihr die Rechnung aus dem Internet ausdrucken, um zeigen zu können, dass die Portokosten getrennt aufgelistet werden. In dem Fall bezieht sich der Warenwert nämlich nur auf die Kosten für die bestellten Artikel.
Temu-Retouren: Was ist mit Zoll und Steuern nach Rücksendung?
Ihr könnt Artikel an Temu zurücksenden, wenn ihr mit der Ware nicht zufrieden seid. Die Retoure an Temu ist allerdings nicht ganz unkompliziert. Doch bei einer Rücksendung möchtet ihr euer ganzes Geld zurückbekommen und dazu zählen auch die Zollgebühren. Wer die deutsche Bürokratie kennt, dem ist klar, dass die Forderung nach einer Erstattung kein Spaß sein kann.
Wenn es sich um einen kleinen Artikel handelt, der nur 5 Euro gekostet hat, solltet ihr euch die Arbeit sparen. Dann geht es nämlich um einen Betrag von unter einem Euro und das lohnt den Aufwand nicht.
Habt ihr allerdings eine Großbestellung komplett zurückgesandt, dann könnt ihr euch auf der Erstattungsseite des deutschen Zolls die entsprechenden Vorschriften ansehen und dort auch die nötigen Formulare herunterladen.
Für den Antrag auf Zollrückerstattung habt ihr mindestens 1 Jahr Zeit. Denkt daran, dass die Rücksendung nahtlos nachweisbar sein muss und bewahrt den Schriftverkehr und Einlieferungsbelege am besten ausgedruckt auf.