(Bildquelle: IMAGO / SOPA Images / Omar Marques / Bearbeitung: GIGA)
Der Begriff „Prognose-Plattform“ dürfte den meisten erst einmal nichts sagen. Genau darum handelt es sich bei Polymarket angeblich. Andere nennen es einfach eine Wettbörse, denn es geht dort um viel Geld. Ist so ein Angebot in Deutschland denkbar und legal?
Bei Polymarket können anonyme Wetten auf alle nur erdenklichen Ereignisse abgegeben werden. Das führt einerseits zu geschmacklosen Einsätzen auf Kriegsverläufe oder den Tod von Menschen, andererseits bietet es Möglichkeiten illegalen Insiderhandels. Die Betreiber und ihre Befürworter nennen es hingegen eine Form von digitaler Marktforschung durch Schwarmintelligenz. Daraus ergibt sich allerdings in vielen Fällen eine reale Gefahr für die Gesellschaft – wenn Wetten in die reale Welt zurückschwappen.
Wie funktioniert Polymarket und wo liegen die Gefahren?
Polymarket nennt sich selbst einen „Prediction Market“ (Prognosemarkt). Solche Plattformen geben vor, den Ausgang von bestimmten Ereignissen vorhersagen zu können, indem Teilnehmer durch ihre Wetten auf einen Ausgang Quoten erzeugen. Diese Quoten werden als Wahrscheinlichkeiten betrachtet, mit denen ein Ereignis eintreten kann.
Diese Quoten entscheiden auch darüber, wie hoch Gewinne und Verluste sind, wenn es zur Entscheidung über ein Ereignis kommt. Dabei werden oft Millionen gesetzt, gewonnen und verloren.
Da Menschen in der Regel nicht leichtsinnig hohe Summen auf Ergebnisse und Ereignisse setzen, ziehen solche Wettbörsen viele Leute an, die mit Wissen, Recherchen und Hintergrundwissen als Basis für ihre Wetten arbeiten. Das wiederum führt dazu, dass die Voraussagen oft deutlich genauer sind, als die von professionellen Meinungsumfragen. Das hat sich zum Beispiel bei verschiedenen Wahlen gezeigt, aber auch bei Marktentwicklungen oder politischen Ereignissen.
Das kann allerdings auch zu Manipulationen genutzt werden, sowohl im Betrugsmaßstab als auch für die Beeinflussung von Ereignissen. Wer als Mitglied einer Regierung von bestimmten Subventions-, Blockade- oder Angriffsplänen weiß, kann bei Polymarket dann viel Geld mit seinen Informationen verdienen.
Das war vermutlich der Fall bei Wetten auf die Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro: Kurz vor dem Ereignis tauchte ein Wett-Teilnehmer auf und setzte knapp 33.000 US-Dollar auf dessen Machtverlust. Sein Gewinn in dem Fall betrug 436.000 US-Dollar. Gegen den US-Soldaten wurde eine Anklage wegen Insiderhandel erhoben.
Problematisch werden diese „Vorhersagen“, wenn sie die Realität beeinflussen. Ein hypothetisches Beispiel: Es werden viele Wetten angeschlossen, die eine Festnahme eines Präsidentschaftskandidaten wegen Bestechlichkeit „vorhersagen“. Wenn diese „Vermutungen“ von den Medien aufgegriffen werden, können durch das „vermutete Insiderwissen“ Gerüchte entstehen, die der Kandidat nicht mehr in den Griff bekommt – wodurch er die Wahl verliert. Solche Manipulationen sind nicht einmal so teuer, wenn man sonstige Wahlwerbe-Ausgaben bedenkt.
Darf ich bei Polymarket wetten – ist das legal?
In Deutschland wird so ein Portal wie Polymarket nicht als Meinungsplattform betrachtet, sondern als Glücksspiel und das ist nach dem Paragrafen 284 StGB verboten. Das bedeutet im konkreten Fall, dass schon die Bereitstellung solcher Plattformen bei uns verboten ist.
Dass Polymarket in diesem Fall im Ausland sitzt und dort vielleicht sogar eine Genehmigung hat, bedeutet keine Handlungsfreiheit bei uns. Wenngleich das im Fall von Polymarket mit seinen Blockchain-verschlüsselten Accounts und Spielerkonten in Bitcoin wohl kaum erfolgreich wäre, könnten Teilnehmer zumindest rechtlich gesehen die Rückzahlung von Verlusten geltend machen.
Aber nicht nur das Veranstalten solcher „Glücksspiele“ ist bei uns illegal. Auch die Teilnahme ist laut Paragraf 285 StGB verboten. Wer also von Deutschland aus Wetten bei Polymarket platziert, macht sich bereits strafbar. Das ist aber eigentlich nur relevant, wenn es etwa um Rückforderungen von Wettbeiträgen geht. Bei Polymarket ist alles anonym, die Wetten werden in Kryptowährung platziert und die Gewinne genauso ausgezahlt.
Gerade die letzten Polymarket-Skandale haben aber schlafende Hunde geweckt. In den USA arbeitet die CFTC (Commodity Futures Trading Commission) an einer strengeren Regulierung der Future- und Optionsmärkte. Das soll zum einen dazu führen, dass bestimmte, ethisch fragwürdige, Wetten nicht mehr angenommen werden dürfen. Zum anderen wird möglicherweise die Anonymität der Teilnehmer gelüftet.
Marco Kratzenberg (Eigene Meinung):
Wo kein Kläger …
Ja, Polymarket ist in Deutschland illegal. Und ja, auch die Wett-Teilnahme von Deutschland aus ist illegal. Aber nicht umsonst funktioniert das Portal mit Verschlüsselung der Identität und Zahlung in Kryptowährung.
Das geht allerdings in beide Richtungen und das bedeutet, obwohl das deutsche Gesetz euch eine Rückforderung von Verlusten ermöglichen würde, weil die Plattform illegal ist, habt ihr aus denselben Gründen Probleme damit, so etwas durchzusetzen.
Wenn ihr eure Bitcoins setzt und tatsächlich hohe Summen gewinnt, kann es schwierig werden, diese in „echtes Geld“ umzutauschen, ohne auf dem Radar der Behörden aufzutauchen. Vermutlich ist Polymarket also eher etwas für erfahrene Finanzjongleure.