(Bildquelle: IMAGO / Michael Gstettenbauer / Bearbeitung GIGA)
Wolt verspricht flexible Jobs, Trinkgeld und mögliche Boni. Doch wie viel verdient man wirklich und worauf sollte man beim Vertrag achten?
Wie bewirbt man sich als Wolt-Fahrer?
Wer als Kurier für Wolt arbeiten möchte, kann sich relativ unkompliziert bewerben. Der Einstieg läuft online über die Wolt-Seite: Dort müsst ihr eure persönlichen Daten eingeben und Dokumente hochladen. In der Regel dauert das weniger als 30 Minuten.
Auch die nächsten Schritte sind klar strukturiert: Bewerbung einreichen, angenommen werden und anschließend über die App Aufträge annehmen und Geld verdienen.
Die Voraussetzungen sind überschaubar. Benötigt werden:
- ein Smartphone mit mobiler Datenverbindung
- ein Fahrrad, Roller oder Auto
- gültige Ausweisdokumente und eine Arbeitserlaubnis
Für motorisierte Fahrzeuge ist zusätzlich ein Führerschein nötig. Außerdem gilt ein Mindestalter von 18 Jahren.
Wie funktioniert der Job im Alltag?
Die Arbeit läuft über die Wolt Courier App. Dort werden Aufträge angezeigt, die angenommen oder abgelehnt werden können. Die App bietet Navigation, zeigt Hotspots mit hoher Nachfrage und gibt einen Überblick über die aktuellen Einnahmen.
Die Aufgabe selbst ist klar: Bestellungen bei Restaurants abholen und an Kunden ausliefern. Erwartet werden Zuverlässigkeit, Bereitschaft zu flexiblen Arbeitszeiten – auch am Wochenende und bei schlechtem Wetter – sowie grundlegende Sprachkenntnisse in Deutsch oder Englisch.
Selbstständig oder angestellt – was gilt?
In Deutschland arbeitet Wolt nicht mit selbstständigen Kurieren, sondern mit angestellten Fahrern sowie mit Partnerunternehmen, die eigene Angestellte beschäftigen. Diese Struktur soll helfen, die Nachfrage besser abzudecken und gleichzeitig klare arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen zu sichern.
Laut Wolt gelten für alle Beteiligten feste Standards. Dazu gehören unter anderem faire Arbeitsbedingungen, die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben sowie klare Regelungen zu Arbeitszeiten und Vergütung. Auch Partnerunternehmen müssen diese Anforderungen erfüllen.
Was verdienen Wolt-Fahrer?
Die Bezahlung setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen und ist transparent aufgebaut. Kuriere erhalten mindestens den gesetzlichen Mindestlohn, häufig auch mehr. Zusätzlich spielen leistungsbezogene Anteile eine Rolle:
- Zuschläge und Boni je nach Leistung und Auslastung
- Vergütung für zurückgelegte Strecken sowie Nutzung von Smartphone und Datenvolumen
- Trinkgelder, die vollständig beim Fahrer bleiben
- Empfehlungsbonus für neue Fahrer unter bestimmten Voraussetzungen
Wer mit 20 Stunden pro Woche rechnet, kommt allein auf Basis des gesetzlichen Mindestlohns auf rund 1.200 Euro brutto im Monat. Laut Indeed liegt das durchschnittliche Gehalt mit allen Zuschlägen bei 22 Euro. Damit käme ein Wolt-Fahrer mit 20 Wochenstunden auf rund 1.900 Euro brutto pro Monat.
Wie realistisch diese Einschätzung ist, lässt sich leider nicht nachprüfen, denn es fehlen belastbare Zahlen dazu. Da Wolt keine Beträge für die Zuschläge veröffentlicht, sollten Bewerber die konkreten Konditionen vor Vertragsabschluss genau prüfen.
Welche Erfahrungen und Gerichtsurteile gibt es?
Über Wolt gibt es auch kritische Erfahrungsberichte und arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen. Besonders in Berlin wurde über Vorwürfe rund um Subunternehmen, ausstehende Löhne und unklare Zuständigkeiten berichtet. Mehrere ehemalige Kuriere zogen deshalb vor das Arbeitsgericht.
In den einzelnen Verfahren wurde Wolt jedoch oft nicht direkt zur Verantwortung gezogen, weil aus Sicht des Gerichts nicht ausreichend belegt werden konnte, dass ein unmittelbares Arbeitsverhältnis mit Wolt bestand.
Für Bewerber heißt das: Genau prüfen, ob der Vertrag direkt mit Wolt oder mit einem Partnerunternehmen geschlossen wird, welche Vergütung gilt und welche Rechte wie Urlaub, Versicherung und Lohnfortzahlung geregelt sind.