Viele nutzen ChatGPT, um sich die Steuererklärung zu erleichtern. Experten warnen jedoch vor Fehlern. (Bildquelle: IMAGO / Zoonar / Bildbearbeitung GIGA)
Viele Steuerzahler lassen sich von ChatGPT bei der Steuererklärung helfen. Doch das kann riskant werden. Eine Expertin erklärt die häufigsten Fehler, die euch richtig Geld kosten können.
Warum ist ChatGPT als Unterstützung bei der Steuererklärung eigentlich so beliebt?
Für viele gehört die Steuererklärung zu den unangenehmsten, aber auch zu den lukrativsten Aufgaben des Jahres. Wie das Statistische Bundesamt berichtet, lag die durchschnittliche Steuerrückerstattung 2025 in Deutschland nämlich bei über 1.000 Euro.
Immer mehr Menschen setzen deswegen in der Hoffnung auf schnelle Antworten, verständliche Erklärungen und geringe Kosten auf die Unterstützung von KI-Tools wie ChatGPT. Das Vertrauen in die Systeme scheint zu wachsen. Doch genau hier entsteht ein Problem, denn die KI wirkt oft kompetenter, als sie tatsächlich ist.
Wie die Expertin Maria F. von buchhaltungsbutler.de (hier ansehen) erklärt, werden die Risiken häufig unterschätzt und es kommt schnell zu den folgenden zehn Fehlannahmen:
#1 „Die KI macht keine Fehler“
Viele verlassen sich darauf, dass ChatGPT & Co. korrekte Informationen liefern. Tatsächlich kann Künstliche Intelligenz aber Inhalte erzeugen, die zwar plausibel klingen, aber trotzdem falsch oder ungenau sind. KI-Systeme basieren auf Wahrscheinlichkeiten und generieren gelegentlich Antworten, die „gut passen“, aber schlicht und einfach falsch sind.
#2 „Die Infos sind immer aktuell“
Die KI kennt die neuesten Steuerregelungen? Achtung, das stimmt nicht. Standard-KI-Modelle haben einen festen Wissensstand und damit nur Informationen bis zum jeweiligen Trainingsdatum. Aktuelle Änderungen, neue Freibeträge oder Abgabefristen können fehlen.
Es gibt erweiterte Versionen mit sogenannten Browsing-Funktionen, die auf Anfrage live im Netz nach Informationen suchen können. Diese stehen jedoch nicht standardmäßig zur Verfügung.
#3 „Die KI ist ein Steuerprofi“
Auch wenn die Antworten kompetent wirken, solltet ihr euch bewusst machen, dass ChatGPT & Co. keinen Steuerberater ersetzen können. Die KI-Modelle sind nicht auf das deutsche Steuerrecht trainiert und darüber hinaus fehlt ihnen der Zugriff auf spezialisierte Datenbanken und die aktuelle Rechtsprechung.
#4 „Rechnen kann die KI perfekt“
Ein weiterer häufiger Irrtum ist, dass die KI fehlerfrei rechnen kann. Gerade bei komplexeren Summen, Zwischenschritten oder Umsatzsteuerberechnungen können aber Fehler auftreten. Auch Rundungen oder Sonderfälle werden oft nicht korrekt berücksichtigt.
Ihr braucht Hilfe bei der Steuererklärung? Unsere Kollegen von familie.de zeigen euch im Video, welche Apps euch echte Unterstützung liefern.
» Video ansehen: Steuererklärung leicht gemacht Mit diesen 3 Apps klappt es
#5 „Mit dem richtigen Prompt klappt alles“
Gute Prompts verbessern die Antworten, ersetzen aber kein Fachwissen. Das deutsche Steuerrecht ist so komplex, dass auch kleinste Details entscheidend sein können. Die beste Formulierung liefert also nicht automatisch richtige Ergebnisse, da das entsprechende Fachwissen fehlt.
#6 „Die KI findet alle Sparmöglichkeiten“
Viele Steuerzahler hoffen, dass ChatGPT oder andere KI-Modelle ihnen automatisch die besten Steuerspartricks liefern. Aber: Die KIs kennen eure persönliche Situation nicht und können wichtige Aspekte wie Freibeträge, Verlustverrechnungsmöglichkeiten oder außergewöhnliche Ausgaben übersehen. Hierfür braucht es Profis mit viel Fachwissen, Erfahrung und einem geübten Blick.
#7 „Fehler findet die KI sowieso automatisch“
Im Gegensatz zu professioneller Steuersoftware prüfen ChatGPT & Co. keine Pflichtfelder und nehmen keine Plausibilitätsprüfungen vor. Unstimmige Angaben, hohe Ausgaben oder fehlende Werte werden deswegen nicht automatisch erkannt.
#8 „Meine Daten sind bei der KI sicher“
Wenn ihr sensible Daten eingebt, werden diese verarbeitet und eventuell auch gespeichert. Im Gegensatz zu den Vorschriften für Steuerkanzleien gibt es hier keine gesetzlich festgelegte Verschwiegenheitspflicht und eure Daten können zu Trainingszwecken verwendet werden.
#9 „Die KI übernimmt die Abgabe der Steuererklärung“
Die Aussage kommt euch komisch vor? Ist sie auch, denn natürlich kann weder ChatGPT noch ein anderes geläufiges KI-Modell das für euch übernehmen. Ihr müsst die Daten manuell in ELSTER oder in eure Steuersoftware wie WISO Steuer 2026 übertragen (WISO Steuer 2026 auf Amazon ansehen).
#10 „Im Zweifel haftet jemand anderes“
Ein besonders wichtiger Punkt: Für eure Steuererklärung seid ihr selbst verantwortlich. Fehler können finanzielle Konsequenzen haben und die KI-Anbieter übernehmen keinerlei Haftung für fehlerhafte Auskünfte oder Angaben.
Tipps für den Umgang mit KI bei der Steuererklärung
Damit ihr bei eurer Steuererklärung mögliche Fehlerquellen und die Schwächen der KI-Modelle im Blick behalten könnt, haben wir eine Checkliste mit den wichtigsten Tipps für euch erstellt:
- Prüft die Daten: KI-Modelle machen gelegentlich Fehler, auch wenn die erzeugten Antworten kompetent klingen. Gleicht daher die Antworten mit offiziellen Quellen oder Expertenaussagen ab.
- Behaltet die Aktualität im Blick: Standard-KI-Modelle kennen nur ihre Trainingsdaten. Überprüft daher in verlässlichen Quellen Gesetze, Freibeträge oder Fristen.
- Keine Profiberatung: KI-Modelle ersetzen keinen Steuerberater. Greift gerade bei komplexen Fällen auf kompetente Beratung oder zertifizierte Software zurück.
- Kontrolliert die Berechnungen: Komplexe Rechnungen, Rundungen und Zwischenschritte solltet ihr euch erklären lassen und selbst nachprüfen.
- Sparmöglichkeiten: Beachtet, dass die KI eure individuelle Situation nicht kennt und auch nicht vollständig erfassen kann, da ihr das steuerliche Grundwissen fehlt. Freibeträge, Verlustverrechnung und ähnliche Themen müsst ihr selbst, beziehungsweise euer Steuerberater aufbereiten.
- Prüft auf mögliche Fehler: Die KI prüft keine Pflichtfelder und auch nicht die Plausibilität eurer Angaben. Das müsst ihr selbst, eventuell mithilfe einer zertifizierten Software, erledigen.
- Denkt an den Datenschutz: Gebt sensible Daten nicht ungeschützt ein und deaktiviert gegebenenfalls die Trainingsfunktionen.
- Steuererklärung selbst abgeben: Kein KI-Modell überträgt Daten in ELSTER oder in eine Steuersoftware. Das müsst ihr manuell erledigen.
- Macht euch bewusst, wer haftet: Ihr allein seid verantwortlich für eure Steuererklärung, nicht die Unternehmen hinter den KI-Modellen.
Künstliche Intelligenz kann eine Hilfe bei der Steuererklärung sein, ersetzt aber niemals einen Experten. Prüft deswegen alle Angaben selbst und seid euch eurer Verantwortung bewusst.