(Bildquelle: IMAGO / SOPA Images / Stanislav Kogiku / Bearbeitung: GIGA)
Statt sinkender Preise für E-Autos sorgt die neue Förderung für das genaue Gegenteil.
Die staatliche Kaufprämie für Elektroautos soll dem Umstieg auf saubere Antriebe neuen Schwung geben. Doch eine aktuelle Analyse zeichnet ein ernüchterndes Bild. Statt die Fahrzeuge für Käufer günstiger zu machen, führt die Förderung zu einem paradoxen Effekt: Die Marktpreise steigen. Der bekannte Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer warnt, dass das gut gemeinte Programm sein Ziel verfehlt und der heimischen Industrie schadet.
E-Autos teurer statt günstiger: Förderung bewirkt das Gegenteil
Laut einer Studie des Center Automotive Research (CAR) nutzen viele Hersteller den staatlichen Zuschuss, um ihre eigenen Rabatte zu kürzen. So sank der durchschnittliche Nachlass für die 20 meistverkauften E-Autos seit Januar von 19,5 auf 18,6 Prozent. Im Mai, dem Monat, in dem die Förderanträge erstmals gestellt werden konnten, hat sich dieser Trend noch einmal verstetigt. Das Ergebnis ist, dass der reale Preisabstand zwischen Elektroautos und Verbrennern wieder wächst – trotz der 3 Milliarden Euro Steuergelder, die in den Markt fließen.
Besonders deutlich wird dieser Effekt bei Volumenherstellern aus dem Ausland. Marken wie BYD, Cupra, Hyundai, Opel und Kia haben ihre Rabatte spürbar reduziert, während Tesla eine eigene Förderung für sein Model Y sogar komplett strich (Quelle: Tagesschau). Der Umkehrschluss liegt nahe, dass gerade für diese Marken Förderung in Anspruch genommen wird, die Hersteller also nicht mehr auf ihre eigenen Rabatte angewiesen sind, um Elektromodelle in den Markt zu bekommen. „Man könnte auch sagen, durch die Prämie werden die Elektroautos teurer statt preisgünstiger“, so Dudenhöffer.
Die Verlierer dieser Entwicklung sind ausgerechnet deutsche Premium-Hersteller wie Audi und BMW. Die Prämie ist zwar nicht wie der frühere Umweltbonus an den Kaufpreis gekoppelt. Sie zielt aber auf Haushalte mit geringeren Einkommen ab. Die Schnittmenge mit Kunden deutscher Premiummarken ist da nicht zwangsläufig gegeben. So gehe die neue Förderung an einem Großteil der in Deutschland produzierten Fahrzeuge und den damit verbundenen Arbeitsplätzen vorbei, kritisiert Dudenhöffer.
Dazu kommt das ohnehin steigende Interesse an Elektroautos, das nicht zuletzt im Zuge der extrem gestiegenen Spritpreise wieder deutlich zugenommen hat.
Nur die schnellsten E-Auto-Käufer können sich freuen
Grundsätzlich können E-Auto-Käufer ihre Kosten mit der Förderung zwar durchaus drücken, aber eben im individuellen Fall. Die allgemeine Preisentwicklung werde dadurch wieder nach oben getrieben. So profitieren auch eher Kunden, die schon im Januar oder Februar gekauft haben und sich jetzt im Nachhinein noch einen Förderbonus sichern können.
Wer erst jetzt an einen Kauf denkt, muss hingegen die schrumpfenden Rabatte in der Regel hinnehmen und diesen versteckten Aufschlag dann durch die E-Auto-Förderung wieder ausgleichen – oft ein Nullsummenspiel.
Dudenhöffer warnt weiter, dass diese Entwicklung schwer zurückzudrehen sei. Wenn es schlecht läuft, sorgt kurzzeitige Förderung also dafür, dass die Preise langfristig zu hoch bleiben.