
Sign up to save your podcasts
Or


Dystopie ist einfach: Aktuelle negative Trends nehmen und verstärken – fertig! Viel schwerer ist es, attraktive, intelligente Utopien zu entwerfen und gut zu erzählen. Geschichten, die uns ermutigen, eine bessere Welt mitzugestalten. Ilija Trojanow, einer der bekanntesten und vielausgezeichneten deutschsprachigen Schriftsteller, ist ein Meister des utopischen Denkens. Damit es bei Veranstaltungen eine Chance hat, braucht es Räume von Vertrauen, Wertschätzung und Wohlwollen. Sich gegenseitig zuzuhören, ohne den anderen zu be- oder verurteilen, sei zunächst ungewohnt (die eigene Schulzeit lässt grüßen!), aber notwendig, um gemeinsam das wirklich Neue denken zu können. Gute Geschichten, so Trojanow, entstehen in einem Dialog-Raum von erzählen, zuhören und verstehen.
Inklusion ist mehr, als Rampen und Aufzüge für Rollstuhlfahrende bereit zu halten. Will man die Teilnehmerschaft von Veranstaltungen diverser und inklusiver gestalten, braucht es generell mehr Aufmerksamkeit auf die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung. Sagt Raul Krauthausen, der bereits in seiner Persönlichkeit eine große Vielfalt vereint. Autor und Aktivist, Talkmaster und Telefonseelsorger, Sozialunternehmer und Erfinder. Im Gespräch geht es um Hürden und ihre Überwindung, um falsche Fürsorge und echte Einfühlung. Sein Fazit: Alle Teilnehmenden profitieren, wenn Veranstaltungen inklusiver werden.
Der TV-Moderator (3Sat), YouTuber und Philosophie Professor Gert Scobel nutzt Künstliche Intelligenz intensiv. In dieser thematischen Nähe erlaubt er sich skeptische Fragen. Wem nutzt KI? Wie können wir sie so ausrichten, dass sie dem Gemeinwohl dient? Wenn man bedenkt, wie stark etwa das Smartphone den Alltag revolutioniert hat: Wie verändern sich Zusammenkünfte von Menschen durch KI? KI ist eine respekteinflößende technische Innovation – ist sie auch ein moralischer Fortschritt? Was wäre der Reiz von Kongressen im Metaverse?
Die Welt, in der wir leben, ist sprunghaft, unsicher, komplex und vieldeutig geworden. Eine VUCA-Welt. Wie können wir gut damit umgehen, gut darüber kommunizieren, gute Entscheidungen für die Zukunft treffen? Eine Antwort darauf ist Art of Hosting. Kultiviert wird eine gute Gastgeberschaft, die erlaubt, dass alle Teilnehmenden gesehen, gehört und beteiligt werden. Mit einem Set von Methoden, die einem gemeinsamen Ziel dienen. Experte für diese Mischung aus Haltung und Methode ist Michael Lederer, Leiter des Büros für Freiwilliges Engagement und Beteiligung in Vorarlberg. Er spricht über das Balancieren zwischen Chaos und Ordnung, das Entleeren mentaler Rucksäcke und das Wunder unverhoffter Lösungen.
Das micelab:bodensee gilt als Avantgarde in der Veranstaltungsbranche. Veranstaltungshäuser und Conventions Bureaus rund um den Bodensee arbeiten in dem Projekt zusammen. Eigentlich sind sie Konkurrenten, aber sie wollen gemeinsam ihre Region und MICE-Branche weiterentwickeln. In den Forschungslaboren stellen sie sich ungewöhnlichen Themen: „Angst und Vertrauen“, „Chaos und Ordnung“, „Eros und Resonanz“. Chiara Rossi, Leiterin des St. Gallen Convention Bureau und Gerhard Stübe, Geschäftsführer von Kongresskultur Bregenz sprechen darüber, was sie im micelab:bodensee über gute Veranstaltungskultur gelernt haben, über Gänsehautmomente und Zukunftspläne.
Gute, tiefergehende Dialoge sind selten. Gespräche, wo man sich zuhört; wo unterschiedliche Ansichten geäußert werden, man aber für möglich hält, dass auch der Andere Recht haben könnte; wo es nicht um Sieg oder Niederlage nach Punkten geht, sondern um gemeinsame Suche nach Wahrheit und Sinn. Wie müssen Events gestaltet sein, damit Kommunikation gelingt? Medienwissenschaftler und Autor Prof. Bernhard Pörksen, der in Tübingen lehrt, nennt Zutaten, Inhalte und Formate, die bei Veranstaltungen sinnstiftende Gespräche und intelligente Dialoge ermöglichen können.
Anthropologin, sprich: Menschenkundlerlin Bettina Ludwig hat bei Jäger- und Sammler-Gesellschaften gelebt und deren Zusammenleben erforscht. Weil sie gleichzeitig Veranstalterin ist, lag es für sie nah, die wissenschaftlichen Erkenntnisse auf Eventdramaturgie zu übertragen. Sie hat gelernt, dass es zur menschlichen Natur gehört zu kooperieren. Menschen wollen dazugehören. Sie wollen geben. Sie wollen anderen begegnen. Man muss nur einen Rahmen schaffen, wo das möglich ist. Mit ihrem Zukunftssymposium gelingt Bettina genau das.
In einer weltweiten Studie wurde analysiert, was die Schlüsselfaktoren für den Erfolg von Teams sind. Zur großen Überraschung waren es nicht Hochleistungen, Kreativtechniken oder Vielfalt, sondern: psychologische Sicherheit. Karin Clemens ist Psychologin, die Bankangestellte betreut, die Opfer eines Überfalls geworden waren: der totale Verlust von Kontrolle und Sicherheit. Sie spricht darüber, was Vertrauen, Verantwortung und Verletzlichkeit für das Design von Veranstaltungen bedeuten können und wie man Räume öffnet und hält, in denen sich Teilnehmende trauen, unbequeme Meinungen und schräge Ideen einzubringen. Denn genau das sind Anzeichen, dass psychologische Sicherheit gegeben ist.
Hans-Joachim Gögl aus Bregenz ist eine Mischung aus Format-Autor und Intendant. Er hat erfolgreiche Veranstaltungsformate in Serie entwickelt: VLOW, Tage der Utopie und die Montforter Zwischentöne. Seine Inszenierungen werden von den Teilnehmenden als inspirierend, informativ und transformativ wahrgenommen, sind Magneten weit über die Region hinaus. Im Gespräch erklärt er Rezepturen und Zutaten, die Balance zwischen Chaos und Ordnung – und das Unerklärbare Etwas, das als „Geschenk“ hinzukommt.
Was hat Kreativität mit Achtsamkeit zu tun? Darüber spricht Dr. Frank Berzbach, Autor und Dozent für Literaturpädagogik und Philosophie an der Technischen Hochschule Köln. Für ihn ist Kreativität nicht nur das, was Künstler•innen und beispielsweise Designer und Werbetexter tun. Vielmehr sieht er die bewusste Gestaltung des eigenen Lebens als ein ständiger Flow schöpferischer Akte. Damit etwas Neues entstehen kann, so seine These, braucht es Phasen der Stille – vor allem auch bei Veranstaltungen, die der Ko-Kreation dienen sollen. Getreu dem Wort des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard: „In der Stille geschieht am meisten.“
From the publisher's feed