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Kann eine personalisierte Prähabilitation vor großen chirurgischen Eingriffen nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern auch das Immunsystem gezielt modulieren? In dieser Episode diskutieren wir eine randomisierte klinische Studie aus JAMA Surgery, die standardisierte mit personalisierten Prähabilitationsprogrammen vergleicht und zeigt, wie individualisierte, multimodale Interventionen präoperative Immunprofile, kognitive und physische Funktionen sowie postoperative Komplikationen beeinflussen.
Cambriel A, Tsai A, Choisy B, et al. Immune Modulation by Personalized vs Standard Prehabilitation Before Major Surgery: A Randomized Clinical Trial. JAMA Surgery. Published online November 12, 2025.
DOI: 10.1001/jamasurg.2025.4917
Prähabilitation wird zunehmend als Strategie zur Verbesserung chirurgischer Outcomes diskutiert, ihre Wirksamkeit bleibt jedoch heterogen. In einer prospektiven, randomisierten, einfach verblindeten klinischen Studie untersuchten Cambriel et al. den Effekt einer personalisierten im Vergleich zu einer standardisierten Prähabilitation bei Patient:innen vor größeren elektiven Operationen.
58 Patient:innen wurden 2–6 Wochen vor der Operation entweder einer papierbasierten Standard-Prähabilitation oder einer personalisierten, multimodalen Prähabilitation mit zweimal wöchentlichen individuellen Remote-Coachings (Bewegung, Ernährung, kognitives Training und Achtsamkeit) zugeteilt. Neben funktionellen und kognitiven Endpunkten wurde eine Immunphänotypisierung mittels 47-Parameter-Massenzytometrie durchgeführt.
Die personalisierte Prähabilitation führte zu signifikanten Verbesserungen der körperlichen Leistungsfähigkeit (u. a. 6-Minuten-Gehtest, Timed-up-and-go-Test, Wandsitztest) sowie der kognitiven Funktion. Gleichzeitig traten signifikant weniger moderate bis schwere postoperative Komplikationen auf. Auf immunologischer Ebene zeigte sich eine ausgeprägte, zelltypspezifische Modulation des peripheren Immunsystems mit einer Dämpfung proinflammatorischer Signalwege (u. a. JAK/STAT- und MyD88-assoziierte Signale), die in früheren Studien mit postoperativen Komplikationen und neurokognitivem Abbau assoziiert waren.
Die Ergebnisse legen nahe, dass personalisierte Prähabilitation nicht nur funktionelle Reserven stärkt, sondern auch biologische Mechanismen der chirurgischen Stressantwort gezielt beeinflusst und damit einen Ansatz für biologisch gesteuerte Risikostratifizierung und individualisierte präoperative Vorbereitung bietet.