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Wer trägt die Kosten, wenn ein ganzer Industriezweig während vieler Jahre Schaden verursacht? Diese Frage stellte sich der Bundesrat, als das Bundesamt für Gesundheit vor über 10 Jahren begann, die radioaktiven Altlasten der Uhrenindustrie zu beseitigen.
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Wir suchen nach Radiumsetzerinnen und ihren Angehörigen!
Credits:
Es ist ein Podcast der Republik, wobei die Arbeit der beiden Autorinnen zusätzlich gefördert wurde durch den Leibniz-Forschungsverbund «Wert der Vergangenheit» und die Stiftung für Erforschung der Frauenarbeit.
Wir danken dem Gosteli-Archiv, dem Schweizerischen Bundesarchiv, dem Schweizerischen Sozialarchiv, dem Historicshen Archiv der Suva, Julian Stangl, Rudolf Geipel, Eric Kaufmann, Wally Friedl, Kerstin Kraus, Timm Schönfelder und Benjamin Eugster.
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Quellen
Im Herbst 1959 ist die Heimarbeiterin Ida 47 Jahre alt. An ihrem Arbeitstisch im Wohnzimmer mischt sie Pulver und Lösemittel zu Farbe an und malt Uhrenziffern, die im Dunkeln leuchten.
Die Behörden wissen zu diesem Zeitpunkt, dass diese Arbeit gesundheitsgefährdend ist, und versenden ein Flugblatt an Radiumsetzerinnen wie Ida. Darauf sind Anweisungen zu Schutzmassnahmen, die aber eigentlich unwirksam sind.
In der vierten Folge von «Halbwertszeit» gehen Corinne Geering und Livia Grossenbacher der Frage nach, wieso es für Arbeitsschutz so lange dauerte. Ihre Recherchen führen sie zum Uranbergbau und zu einem Arzt, der in jungen Jahren Heimarbeiterinnen untersuchte: Beat Marti hielt damals im Auftrag des Gesundheitsamtes die langfristigen gesundheitlichen Folgen fest, an welchen Radiumsetzerinnen wie Ida litten.
Und die Autorinnen stossen auf unerklärliche Daten in Strahlenmessungen der 1980er-Jahre. Aufgrund dieser hätten die Behörden eigentlich schon damals die Wohnungen der ehemaligen Heimarbeiterinnen untersuchen müssen.
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Quellen
Lip, dip, paint: Zuerst befeuchtet die Arbeiterin den Pinsel mit ihrer Lippe, tunkt ihn dann in die Farbe und beginnt anschliessend mit dem Malen. Braucht sie mehr Farbe, wiederholt sie den Prozess: Lip, dip, paint.
So bemalten Radiumsetzerinnen in den USA Uhrzifferblatt um Uhrzifferblatt mit radioaktiver Leuchtfarbe. Der Arbeitgeber dieser «Radium Girls» wird in den 1920er-Jahren verklagt.
Die Heimarbeiterinnen aber, die für die Schweizer Uhrenindustrie Zifferblätter bemalen, nehmen weiterhin Aufträge entgegen. Zwar wird die Praxis, den Pinsel mit der Lippe anzuspitzen, offiziell verboten, doch die Gefahr ist für die Frauen und ihr Umfeld dennoch nicht gebannt.
In der dritten Folge der Audio-Serie «Halbwertszeit» verfolgen die Historikerin Corinne Geering und die Journalistin Livia Grossenbacher die Spuren der Radium-Leuchtfarbe, deren gesundheitsgefährdende Auswirkung sich immer deutlicher zeigte. Diese führen sie zurück zu den Anfängen der Radiumforschung und Marie Curie, die sich viel von Radium versprach und 1934 an den Folgen hoher Strahlenbelastung starb.
Und die beiden reisen nach Bern-Bümpliz, auf das ehemalige Firmengelände von Merz & Benteli, einem Hersteller radioaktiver Leuchtfarben für die Uhrenindustrie. Auf diesem Gelände konnte bis in die 1980er-Jahre eine Strahlenbelastung festgestellt werden.
Wie kann es sein, dass sich die Gefahr von Radium über einen so langen Zeitraum immer wieder zeigte und die Behörden bei den Heimarbeiterinnen trotzdem erst 2012 nach einem «Zufallsfund» zu handeln begannen?
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Weiterführende Lektüre zu dieser Folge:
Quellen
Während ihrer Recherche findet Livia Grossenbacher heraus, dass sie mit einer Radiumsetzerin verwandt ist: Ida, ihre Urgrosstante, bemalte zuhause Uhren mit Leuchtfarbe.
Wer war Ida? Wusste sie oder andere Heimarbeiterinnen über die Gefahr in ihren Wohnzimmern? In der zweiten Folge von «Halbwertszeit» suchen Livia Grossenbacher und Corinne Geering nach Spuren der Radiumsetzerinnen, erzählen Idas Geschichte und zeigen auf, wie die Schweizer Uhrenindustrie von schlecht verdienenden Heimarbeiterinnen profitierte.
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Quellen dieser Folge
Am 9. November 2012 schlägt ein Geigerzähler in Teuftal BE Alarm: Ein Lastwagen, der gerade durch die Pforte der Mülldeponie fährt, hat radioaktiv verstrahltes Material geladen.
Mit diesem Alarm hat an diesem Tag keiner gerechnet. Schliesslich kommt der Schutt, den der Lastwagen transportiert, nicht von einem Atomkraftwerk, sondern von einer Autobahnbaustelle bei Biel. Von einer Stelle, wo 2012 gerade die Autobahnumfahrung A5 gebaut wird.
Der Grund für den Alarm des Geigerzählers: An dem Ort, wo der Schutt herkommt, lag über ein halbes Jahrhundert Abfall der Schweizer Uhrenindustrie in der Erde: Gläschen mit Farbe, die Uhren zum Leuchten brachten. Basis dieser Leuchtfarbe war ein radioaktiver Stoff: Radium-226.
Dieser 9. November 2012 ist für den Bund der Startpunkt eines Projektes, das ihn Millionen kosten wird: Die Suche und Beseitigung radioaktiver Altlasten der Schweizer Uhrenindustrie. Und diese Suche führt die Behörden nicht nur auf Mülldeponien, sondern auch in ganz gewöhnlichen Wohnungen in Schweizer Gemeinden des Jurabogens. Dort, wo Menschen leben, die nichts davon wissen, dass ihre Abflussrohre, Treppengeländer oder Fussdielen radioaktiv verstrahlt sind.
Es waren die Wohnungen von Radiumsetzerinnen: Frauen, die bei sich zuhause Zifferblätter von Uhren mit Farbe und Pinsel in Heimarbeit zum Leuchten brachten. Frauen, die von dieser Arbeit gesundheitliche Folgen davon trugen oder sogar daran verstorben sind.
In ihren Recherchen wird deutlich: Die Schweiz hatte im Verlauf der Geschichte immer wieder Hinweise darauf, wie gefährlich die Arbeit mit dieser Leuchtfarbe ist. Sie war damit auch nicht allein: Die beiden Autorinnen zeichnen in der Serie den Weg der Leuchtfarbe nach, vom Erzgebirge über das Labor von Marie Curie bis zur Stube der Heimarbeiterin – überall dort, wo sich die radioaktiven Spuren bis heute finden lassen.
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Weiterführende Lektüre zur ersten Folge:
Quellen
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