Harzmagie

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Harzmagie episodes

  • HMG20 – Der Zank im Grabe
    Zwei Junggesellen kommen des Sonnabends Abends von der Freit. Es ist so gegen elf. Beide sind auch am Sonntag während der Predigt geboren, also Sonntagskinder, die Geister sehen und hören können. Einer hat das aber dem andern nicht gesagt und weiß es also keiner von dem andern.
    Sie gehen mit einander über den Clausthaler Gottesacker, weil sie am Zellbach gewohnt haben. Zwischen dem Spittel und der Gottesackerkirche, wo der große Baum steht, hören sie Stimmen. Der eine stößt den andern an und spricht: "Härschte dos, Carel?" "Freilich," sagt der andere, "do zanken sich ä paar im Grob im fünf Mateer." "Horch, sie schalten sich ju ah!" sagte der eine und der andere spricht: "dos sollte mer doch kaum gläm, daß se ah im Grob noch net ämol Fried hahn könne."
    "Su giehts," sagt der andere, "dar äne hat dam annern im fünf Matteer betruhng. Nu muß har sich ah im Grob noch än Betrieger schalten loßen. Ja, ja, mein Vater sahte immer: ‚Ein gut Gewissen, ist ein gutes Ruhekissen.’" In solchem Gespräch kamen sie vor ihrem Haus an und sagten einander gute Nacht.
    Ob die sich im Grabe vielleicht noch geschlagen haben, oder was noch daraus geworden, wer weiß es?
    3 min
  • HMG20 – Der Zank im Grabe
    Zwei Junggesellen kommen des Sonnabends Abends von der Freit. Es ist so gegen elf. Beide sind auch am Sonntag während der Predigt geboren, also Sonntagskinder, die Geister sehen und hören können. Einer hat das aber dem andern nicht gesagt und weiß es also keiner von dem andern.
    Sie gehen mit einander über den Clausthaler Gottesacker, weil sie am Zellbach gewohnt haben. Zwischen dem Spittel und der Gottesackerkirche, wo der große Baum steht, hören sie Stimmen. Der eine stößt den andern an und spricht: "Härschte dos, Carel?" "Freilich," sagt der andere, "do zanken sich ä paar im Grob im fünf Mateer." "Horch, sie schalten sich ju ah!" sagte der eine und der andere spricht: "dos sollte mer doch kaum gläm, daß se ah im Grob noch net ämol Fried hahn könne."
    "Su giehts," sagt der andere, "dar äne hat dam annern im fünf Matteer betruhng. Nu muß har sich ah im Grob noch än Betrieger schalten loßen. Ja, ja, mein Vater sahte immer: ‚Ein gut Gewissen, ist ein gutes Ruhekissen.’" In solchem Gespräch kamen sie vor ihrem Haus an und sagten einander gute Nacht.
    Ob die sich im Grabe vielleicht noch geschlagen haben, oder was noch daraus geworden, wer weiß es?
    3 min
  • HMG19 – Die Ratskatze von Sankt Andreasberg
    Vor 500 Jahren erschien über dem Neufang ein Komet, welcher nach dem Aberglauben der Leute etwas zu bedeuten haben musste. Als der Komet zum ersten mal hoch am Himmel gesichtet wurde, kam von Lauterberg eine ausgehungerte Katze herauf und setzte sich auf die Stufen vor dem Rathaus. Zu dieser Zeit herrschte eine große Mäuseplage in Sankt Andreasberg, welcher die wenigen Katzen in der Bergstadt nicht Herr werden konnten. Daher ließ man die Katze hinein, welche sich sogleich über die Mäuse her machte, bis das Rathaus frei von dem Ungeziefer war.
    Einige Tage später brachte die Katze Junge zur Welt – eines für jedes Fenster – und bald darauf sah man in jedem der Rathausfenster eine Katze sitzen. Die Leute erzählen sich, die Katze sei sehr alt geworden – 20 Jahre, 20 Wochen und 20 Tage alt – und von dieser Ratskatze und Ihren Jungen stammen alle heutigen Katzen in Sankt Andreasberg ab.
    Zum Gedenken an den Kometen und die darauf folgenden Ereignisse wird in Sankt Andreasberg seit dem das Fleisch vor der Suppe verzehrt.
    3 min
  • HMG19 – Die Ratskatze von Sankt Andreasberg
    Vor 500 Jahren erschien über dem Neufang ein Komet, welcher nach dem Aberglauben der Leute etwas zu bedeuten haben musste. Als der Komet zum ersten mal hoch am Himmel gesichtet wurde, kam von Lauterberg eine ausgehungerte Katze herauf und setzte sich auf die Stufen vor dem Rathaus. Zu dieser Zeit herrschte eine große Mäuseplage in Sankt Andreasberg, welcher die wenigen Katzen in der Bergstadt nicht Herr werden konnten. Daher ließ man die Katze hinein, welche sich sogleich über die Mäuse her machte, bis das Rathaus frei von dem Ungeziefer war.
    Einige Tage später brachte die Katze Junge zur Welt – eines für jedes Fenster – und bald darauf sah man in jedem der Rathausfenster eine Katze sitzen. Die Leute erzählen sich, die Katze sei sehr alt geworden – 20 Jahre, 20 Wochen und 20 Tage alt – und von dieser Ratskatze und Ihren Jungen stammen alle heutigen Katzen in Sankt Andreasberg ab.
    Zum Gedenken an den Kometen und die darauf folgenden Ereignisse wird in Sankt Andreasberg seit dem das Fleisch vor der Suppe verzehrt.
    3 min
  • HMG18 – Der Zwergenkrieg
    Ein Bergmann war nach Lautenthal gewesen. Als er an die Berge kam, da wo die Lautenthäler Teiche liegen, hörte er einen Tumult, ein Schreien und Wehklagen, ein Rufen und Toben, als wenn kleine Jungen was vorhaben mit einander. Er geht näher und sieht, daß der Teich weg und eine große Wiese da ist, auf der zwei Heere Zwerge Krieg führen. Große Schaaren kämpfen mit einander mit Säbeln und Dolchen, andere Schaaren rücken im Sturmschritt auf einander los und hauen mit ihren kleinen Schwertern wüthend auf einander ein, daß haufenweis die Todten und Verwundeten umherliegen und jammern und klagen.
    Es ist ein Ringen und Fechten, daß es bei Großen nicht gut schlimmer sein kann. Dabei ein Trompeten und Trommeln, als wie’s die kleinen Jungen wohl machen auf ihren kleinen Trompeten und Trommeln, und das ging Alles wild durch einander. Schießen konnten sie aber nicht, denn das Pulver und die Gewehre waren noch nicht erfunden. Dafür stachen und hauten sie sich aber ohne alle Gnade nieder. Keiner gab und nahm Pardon. Als der Bergmann so zusah und sich über den Muth der Kleinen wunderte, kamen zwei Zwerge auf einem freien Platz zusammen, die hatten schöne Röcke an und starrten von Gold und Silber, auch hatten sie kleine Kronen auf dem Kopf und kleine funkelnde Sterne auf der Brust.
    Der eine war ein bischen größer, als der andere und auch stärker; deswegen warf er bald den kleinen auf den Boden. Da aber sprang der Bergmann zu und gab dem größeren mit seinem zackigen Stock einen über den Kopf, daß der auch zu Boden stürzte und bald, nachdem er noch ein Weilchen gezappelt hatte, todtgieng. Nun kamen die andern Zwerge, die dazu gehörten und wollten dem Bergmann zu Leibe, weil er ihren König todt geschlagen hatte. Der Bergmann mähte aber dermaßen dazwischen, daß es eins, zwei, drei gieng, da waren sie in den Wald gejagt, nur das eine Heer stand da noch, dessen König von dem Bergmann errettet war. Da kamen sie alle um ihn herum und küßten ihm Hände und Füße, ja sie wußten gar nicht, wie sie ihm dankbar genug sein sollten. Der kleine König aber trat vor und befahl, die andern sollten einmal zurücktreten, er wolle seinem Erretter danken und etwas sagen. Ehrfurchtsvoll trat Alles zurück, und der kleine König kam und dankte mit hübsch gesetzten Worten; "ja", sagte er, hier könne er nicht genug danken, er möchte doch so gut sein und mitgehen nach seinem Palast, dann wolle er ihn erst königlich belohnen.
    Der Bergmann ging mit, und sie kamen mit einander vor eine Höhle, da gieng’s hinein; dann in einem langen Gang fort und zuletzt in einen schönen Saal hinein. In dem Saal standen lange Tafeln, darauf standen Teller und Leuchter und Schüsseln von purem, reinen blanken Silber, die Wände glänzten von Spiegeln und Edelsteinen, und es war eine Helligkeit und eine Pracht, wie’s nur in einem Königssaal sein kann. Da kamen denn auch die vornehmen Herren, die zu dem Zwergekönig gehörten, alle mit Gold- und Silbertressen an den Röcken, und der Bergmann hatte seine Sonntagshose und Kittel an, und seinen Schachthut auf, wie man’s damals trug. Aber trotzdem mußte er sich oben an setzen neben den König, und einer rühmte den Bergmann noch mehr, als der andere, der König aber am meisten. Es wurde gegessen und getrunken, und der Bergmann sprach dem Braten und dem Wein tüchtig zu, so daß zehn königliche Diener für den allein immer auftragen mußten. Es fehlte aber an nichts, man wurde auch fröhlich und guter Laune; das gefiel dem Bergmann erst recht und er sagte, das wär’, wie auf einer Hochzeit. Auch ließen die Zwerge ihn hochleben und er den König und sein ganzes Volk. Kurz sie wurden alle fröhlich und vergnügt. Am Ende stand man vom Tisch auf, und er wollte nun nach Haus. "Noch nicht", sagte der König, "erst muß ich dir was zeigen, auch muß ich dich erst belohnen. Komm mal her." Und der gieng mit ihm in seine Silberkammer. Da hätte denn einer den Reichthum sehen sollen! Nein, so viel Gold und Silber kann kaum auf der ganzen Welt sein. Nun sagte der König, "nimm was und wie viel du magst, und wenn du Alles mitnimmst, je mehr du nimmst, desto mehr freue ich mich." Der Bergmann ließ sich nicht zweimal nöthigen. Er steckte sich seine Taschen so voll, daß sie bald abrissen. Da geben ihm die Zwerge auch noch die Krone und das Scepter von dem König, der besiegt war und todt.
    Als nun der Bergmann Abschied nahm, da weinte das ganze kleine Völkchen und mit Thränen baten sie ihn, er möchte doch bald einmal wieder kommen. Es wurde ihm ordentlich wehmüthig zu Sinn, als er die kleinen, guten Leute verlassen sollte, noch saurer wurde es ihm aber, den Lautenthäler Berg mit der Last hinaufzusteigen. Froh und vergnügt kam er nach Hause, machte das Silber zu Geld und verkaufte die Krone und das Scepter an den Herzog von Braunschweig und wenn ihm etwas fehlte, so suchte er seine kleinen Freunde auf, die halfen ihm jedesmal. Er hat aber keinem Menschen das Loch gesagt, worin der Zwergkönig wohnte; das mochten sie ihm wohl verboten haben. Seine Familie aber ist noch vor 30 Jahren recht wohlhabend gewesen, nachdem er schon lange todt war.
    6 min
  • HMG18 – Der Zwergenkrieg
    Ein Bergmann war nach Lautenthal gewesen. Als er an die Berge kam, da wo die Lautenthäler Teiche liegen, hörte er einen Tumult, ein Schreien und Wehklagen, ein Rufen und Toben, als wenn kleine Jungen was vorhaben mit einander. Er geht näher und sieht, daß der Teich weg und eine große Wiese da ist, auf der zwei Heere Zwerge Krieg führen. Große Schaaren kämpfen mit einander mit Säbeln und Dolchen, andere Schaaren rücken im Sturmschritt auf einander los und hauen mit ihren kleinen Schwertern wüthend auf einander ein, daß haufenweis die Todten und Verwundeten umherliegen und jammern und klagen.
    Es ist ein Ringen und Fechten, daß es bei Großen nicht gut schlimmer sein kann. Dabei ein Trompeten und Trommeln, als wie’s die kleinen Jungen wohl machen auf ihren kleinen Trompeten und Trommeln, und das ging Alles wild durch einander. Schießen konnten sie aber nicht, denn das Pulver und die Gewehre waren noch nicht erfunden. Dafür stachen und hauten sie sich aber ohne alle Gnade nieder. Keiner gab und nahm Pardon. Als der Bergmann so zusah und sich über den Muth der Kleinen wunderte, kamen zwei Zwerge auf einem freien Platz zusammen, die hatten schöne Röcke an und starrten von Gold und Silber, auch hatten sie kleine Kronen auf dem Kopf und kleine funkelnde Sterne auf der Brust.
    Der eine war ein bischen größer, als der andere und auch stärker; deswegen warf er bald den kleinen auf den Boden. Da aber sprang der Bergmann zu und gab dem größeren mit seinem zackigen Stock einen über den Kopf, daß der auch zu Boden stürzte und bald, nachdem er noch ein Weilchen gezappelt hatte, todtgieng. Nun kamen die andern Zwerge, die dazu gehörten und wollten dem Bergmann zu Leibe, weil er ihren König todt geschlagen hatte. Der Bergmann mähte aber dermaßen dazwischen, daß es eins, zwei, drei gieng, da waren sie in den Wald gejagt, nur das eine Heer stand da noch, dessen König von dem Bergmann errettet war. Da kamen sie alle um ihn herum und küßten ihm Hände und Füße, ja sie wußten gar nicht, wie sie ihm dankbar genug sein sollten. Der kleine König aber trat vor und befahl, die andern sollten einmal zurücktreten, er wolle seinem Erretter danken und etwas sagen. Ehrfurchtsvoll trat Alles zurück, und der kleine König kam und dankte mit hübsch gesetzten Worten; "ja", sagte er, hier könne er nicht genug danken, er möchte doch so gut sein und mitgehen nach seinem Palast, dann wolle er ihn erst königlich belohnen.
    Der Bergmann ging mit, und sie kamen mit einander vor eine Höhle, da gieng’s hinein; dann in einem langen Gang fort und zuletzt in einen schönen Saal hinein. In dem Saal standen lange Tafeln, darauf standen Teller und Leuchter und Schüsseln von purem, reinen blanken Silber, die Wände glänzten von Spiegeln und Edelsteinen, und es war eine Helligkeit und eine Pracht, wie’s nur in einem Königssaal sein kann. Da kamen denn auch die vornehmen Herren, die zu dem Zwergekönig gehörten, alle mit Gold- und Silbertressen an den Röcken, und der Bergmann hatte seine Sonntagshose und Kittel an, und seinen Schachthut auf, wie man’s damals trug. Aber trotzdem mußte er sich oben an setzen neben den König, und einer rühmte den Bergmann noch mehr, als der andere, der König aber am meisten. Es wurde gegessen und getrunken, und der Bergmann sprach dem Braten und dem Wein tüchtig zu, so daß zehn königliche Diener für den allein immer auftragen mußten. Es fehlte aber an nichts, man wurde auch fröhlich und guter Laune; das gefiel dem Bergmann erst recht und er sagte, das wär’, wie auf einer Hochzeit. Auch ließen die Zwerge ihn hochleben und er den König und sein ganzes Volk. Kurz sie wurden alle fröhlich und vergnügt. Am Ende stand man vom Tisch auf, und er wollte nun nach Haus. "Noch nicht", sagte der König, "erst muß ich dir was zeigen, auch muß ich dich erst belohnen. Komm mal her." Und der gieng mit ihm in seine Silberkammer. Da hätte denn einer den Reichthum sehen sollen! Nein, so viel Gold und Silber kann kaum auf der ganzen Welt sein. Nun sagte der König, "nimm was und wie viel du magst, und wenn du Alles mitnimmst, je mehr du nimmst, desto mehr freue ich mich." Der Bergmann ließ sich nicht zweimal nöthigen. Er steckte sich seine Taschen so voll, daß sie bald abrissen. Da geben ihm die Zwerge auch noch die Krone und das Scepter von dem König, der besiegt war und todt.
    Als nun der Bergmann Abschied nahm, da weinte das ganze kleine Völkchen und mit Thränen baten sie ihn, er möchte doch bald einmal wieder kommen. Es wurde ihm ordentlich wehmüthig zu Sinn, als er die kleinen, guten Leute verlassen sollte, noch saurer wurde es ihm aber, den Lautenthäler Berg mit der Last hinaufzusteigen. Froh und vergnügt kam er nach Hause, machte das Silber zu Geld und verkaufte die Krone und das Scepter an den Herzog von Braunschweig und wenn ihm etwas fehlte, so suchte er seine kleinen Freunde auf, die halfen ihm jedesmal. Er hat aber keinem Menschen das Loch gesagt, worin der Zwergkönig wohnte; das mochten sie ihm wohl verboten haben. Seine Familie aber ist noch vor 30 Jahren recht wohlhabend gewesen, nachdem er schon lange todt war.
    6 min
  • HMG17 – Der Grasmäher ein Hund
    Vor langen Jahren mähten ein paar Bergleute Gras mit einander. Oft hatte der eine des andern Appetit bewundert und gesagt: "Wo du das viele Essen lä’t, kann ich nicht begreifen." Wie nun Vesperzeit war, legten sie ihre Sensen hin, und der Vielfraß sagte zum andern: "Bleib hier, ich will einmal ins Holz." Sie waren nicht weit vom Schindanger. Er ging. Der andere ahnte nichts Gutes und schlich sich deshalb unbemerkt dahinter her.
    Bald darauf sah er zu seiner Verwunderung, daß der erste bei einem ausgeschleppten und abgedeckten Pferde stand, einen Riemen aus der Tasche zog, diesen umband und gleich darauf in einen großen schwarzen Hund verwandelt wurde. Vergierig stürzte sich dieses Geschöpf auf das Aas, fing heißhungrig an zu fressen, bis die halbe Pferdekeule verzehrt war. Dann that er, als wenn er sich einige Haare aus der Seite rupfte und war in dem Augenblick der frühere Mensch wieder.
    Alsdann kam er langsam zurück und begegnete jetzt seinem Kameraden, der noch stumm und starr da stand. Der aber sagte: "Jetzt habe ich gesehen, woher es kommt, daß du soviel beischlagen kannst. Du hast einen Hundemagen; ich habe Alles gesehen, was du gemacht hast und" – indem er noch weiter sprechen wollte, war sein Kamerad verschwunden und Niemand hat je wieder davon etwas gesehen und gehört.
    3 min
  • HMG17 – Der Grasmäher ein Hund
    Vor langen Jahren mähten ein paar Bergleute Gras mit einander. Oft hatte der eine des andern Appetit bewundert und gesagt: "Wo du das viele Essen lä’t, kann ich nicht begreifen." Wie nun Vesperzeit war, legten sie ihre Sensen hin, und der Vielfraß sagte zum andern: "Bleib hier, ich will einmal ins Holz." Sie waren nicht weit vom Schindanger. Er ging. Der andere ahnte nichts Gutes und schlich sich deshalb unbemerkt dahinter her.
    Bald darauf sah er zu seiner Verwunderung, daß der erste bei einem ausgeschleppten und abgedeckten Pferde stand, einen Riemen aus der Tasche zog, diesen umband und gleich darauf in einen großen schwarzen Hund verwandelt wurde. Vergierig stürzte sich dieses Geschöpf auf das Aas, fing heißhungrig an zu fressen, bis die halbe Pferdekeule verzehrt war. Dann that er, als wenn er sich einige Haare aus der Seite rupfte und war in dem Augenblick der frühere Mensch wieder.
    Alsdann kam er langsam zurück und begegnete jetzt seinem Kameraden, der noch stumm und starr da stand. Der aber sagte: "Jetzt habe ich gesehen, woher es kommt, daß du soviel beischlagen kannst. Du hast einen Hundemagen; ich habe Alles gesehen, was du gemacht hast und" – indem er noch weiter sprechen wollte, war sein Kamerad verschwunden und Niemand hat je wieder davon etwas gesehen und gehört.
    3 min
  • HMG16 – Der geheimnißvolle Gedingarbeiter
    Lange Jahre haben ein paar Kameraden auf einem Geding gearbeitet und sich dabei nicht zu Tode gequält; besonders der eine, welcher immer später angefahren ist, als der andere, der’s nicht besser hat haben wollen. Ist er hinein gekommen, so hat sein Kamerad jedes mal schon so viel herausgehabt, daß große Felsmassen dagelegen haben, und mit Entzweischlagen und Aufräumen der Erze ist die Schicht zu Ende gebracht.
    Bisweilen hat dann dieser den ersten wohl gefragt, wie er nur das so leicht heraus bringen könnte? Dann hat er aber zur Antwort gekriegt, das ginge ihm nichts an; er solle die guten Tage genießen und ihn deshalb nicht fragen, auch ihm nicht neugierig nachgehen oder belauschen. Thäte er das, so wäre es aus mit ihnen, und er müsse dann wieder den Bohrer gerben und was außerdem noch geschähe, würde sich finden.
    So geht denn eine Woche, ein Quartal, und ein Jahr nach dem andern hin, ohne daß der später anfahrende Gedingarbeiter neugierig über des andern Thun wieder nachgedacht, vielweniger denselben beobachtet, oder belauscht hätte. Da aber ist es eines Morgens, daß er einen unwiderstehlichen Drang fühlt, aufstehen und anfahren zu müssen, ehe die gesetzte Zeit da ist. Er denkt gar nicht an das Verbot des Kameraden, zieht sich an und fort geht’s nach der Grube zu.
    Das Licht wird angesteckt und mit einer Hast, als würde er an den Haaren fortgezogen, eilte er in den Schacht hinab und auf der Strecke fort, die zu seinem Gedinge führt. Dreißig Schritt von diesem entfernt, bleibt ihm aber vor Schreck der Athem stehen, denn er sieht einen wüthend großen Ochsen vor seinem Gedinge mit den gewaltigen Hörnern immer ins Gestein hinein rennen und große Felsstücke herauswühlen. Endlich steht das Thier einen Augenblick stille und neue Verwunderung: der Ochse verwandelt sich in einen Menschen und ist wieder der andere Kamerad.
    Jetzt kann sich der Beobachter nicht mehr halten, er geht hin und spricht zu seinem Kameraden: "Jetzt habe ich gesehen, wie du das harte Gestein herauskriegst; das ist kein Wunder, wer solche Kräfte und Zaubergewalt besitzt, der kann sich schon helfen." Doch der Zauberer antwortet: "Wärest du nicht durch eine geheime Macht hierhergekommen, so würde ich dich schlimm behandeln müssen, doch da du unschuldig daran bist, so wird dein Vergehen nur dadurch bestraft, daß du von jetzt an deine Arbeit allein, und dein Geding mit großer Anstrengung heraus machen mußt. Es gehe dir wohl!" Damit ist er verschwunden und Niemand hat gewußt, wo er geblieben ist.
    Von der Zeit an hat aber der Gedingarbeiter seine Löcher bohren und sich sauer quälen müssen; da hat er denn oft gesagt, "hätt’ ich doch meinen Kameraden noch, ich würde ihm nie nachgehen, ihn nie belauschen, mein Lebetag nicht; ja es sollten mich keine zehn Pferde dahin bringen."
    (von August Ey)
    4 min
  • HMG16 – Der geheimnißvolle Gedingarbeiter
    Lange Jahre haben ein paar Kameraden auf einem Geding gearbeitet und sich dabei nicht zu Tode gequält; besonders der eine, welcher immer später angefahren ist, als der andere, der’s nicht besser hat haben wollen. Ist er hinein gekommen, so hat sein Kamerad jedes mal schon so viel herausgehabt, daß große Felsmassen dagelegen haben, und mit Entzweischlagen und Aufräumen der Erze ist die Schicht zu Ende gebracht.
    Bisweilen hat dann dieser den ersten wohl gefragt, wie er nur das so leicht heraus bringen könnte? Dann hat er aber zur Antwort gekriegt, das ginge ihm nichts an; er solle die guten Tage genießen und ihn deshalb nicht fragen, auch ihm nicht neugierig nachgehen oder belauschen. Thäte er das, so wäre es aus mit ihnen, und er müsse dann wieder den Bohrer gerben und was außerdem noch geschähe, würde sich finden.
    So geht denn eine Woche, ein Quartal, und ein Jahr nach dem andern hin, ohne daß der später anfahrende Gedingarbeiter neugierig über des andern Thun wieder nachgedacht, vielweniger denselben beobachtet, oder belauscht hätte. Da aber ist es eines Morgens, daß er einen unwiderstehlichen Drang fühlt, aufstehen und anfahren zu müssen, ehe die gesetzte Zeit da ist. Er denkt gar nicht an das Verbot des Kameraden, zieht sich an und fort geht’s nach der Grube zu.
    Das Licht wird angesteckt und mit einer Hast, als würde er an den Haaren fortgezogen, eilte er in den Schacht hinab und auf der Strecke fort, die zu seinem Gedinge führt. Dreißig Schritt von diesem entfernt, bleibt ihm aber vor Schreck der Athem stehen, denn er sieht einen wüthend großen Ochsen vor seinem Gedinge mit den gewaltigen Hörnern immer ins Gestein hinein rennen und große Felsstücke herauswühlen. Endlich steht das Thier einen Augenblick stille und neue Verwunderung: der Ochse verwandelt sich in einen Menschen und ist wieder der andere Kamerad.
    Jetzt kann sich der Beobachter nicht mehr halten, er geht hin und spricht zu seinem Kameraden: "Jetzt habe ich gesehen, wie du das harte Gestein herauskriegst; das ist kein Wunder, wer solche Kräfte und Zaubergewalt besitzt, der kann sich schon helfen." Doch der Zauberer antwortet: "Wärest du nicht durch eine geheime Macht hierhergekommen, so würde ich dich schlimm behandeln müssen, doch da du unschuldig daran bist, so wird dein Vergehen nur dadurch bestraft, daß du von jetzt an deine Arbeit allein, und dein Geding mit großer Anstrengung heraus machen mußt. Es gehe dir wohl!" Damit ist er verschwunden und Niemand hat gewußt, wo er geblieben ist.
    Von der Zeit an hat aber der Gedingarbeiter seine Löcher bohren und sich sauer quälen müssen; da hat er denn oft gesagt, "hätt’ ich doch meinen Kameraden noch, ich würde ihm nie nachgehen, ihn nie belauschen, mein Lebetag nicht; ja es sollten mich keine zehn Pferde dahin bringen."
    (von August Ey)
    4 min

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