Harzmagie

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Harzmagie episodes

  • HMG15 – Das Bleigießen am Andreastag
    Am Andreasabend, d.h. am Abend vor Andreastag, wird hier Blei gegossen, das ist eine bekannte Geschichte. Es versammelt sich das junge Mädchen- und Mannsvolk bei Diesem und Jenem, essen Honigkuchenkalteschale, tanzen, singen, spielen, werfen den Schuh, schütteln den Erbzaum, führen sich dabei an und verkürzen sich den Abend, bis die elf herankommt; zuletzt wird Blei gegossen. Dabei ist Regel, Niemand darf sprechen, sonst gilt’s nicht, und der Guß gelingt nicht. Ist aber Jedes stille, so erfährt’s aus der Gestalt, die das Blei beim Guß angenommen hat, ob das Mädchen einen Berg- oder Forstmann, oder was es für einen Mann kriegt. Und umgekehrt, wessen Tochter der Junggesell einmal heirathet; es soll schon oft eingetroffen sein und deshalb glaubt man’s und gießt Blei.
    Also am Andreasabend sind einmal eine ganze Menge Mädchen allein in der Küche und wollen Blei gießen. Das eine hat schon gegossen und hat hübsche Tannenbäume gekriegt; sie heirathet also einmal einen Förster. Die zweite setzt eben das Blei in den Löffel, da fällt ein Menschenbein im Schornstein herunter und bleibt stehen, dann noch eins und bleibt dabei stehen.
    Nun kriegen sie es alle mit der Angst und wollen ausreißen, aber die Thür und die Fenster sind fest zu und sie können nicht weg. Darnach fällt ein Rumpf im Schornstein herunter und auf die Beine und bleibt sitzen. Darnach kommt ein Kopf und fällt auf den Rumpf und bleibt darauf sitzen. Dann fallen auch noch ein paar tüchtige Arme im Schornstein herunter und bleiben an dem Rumpf sitzen und so steht da ein langer, hämischer Kerl.
    Zuletzt kommt auch noch ein tüchtiger Prügel zum Schornstein herein und fällt dem Kerl in die Hand. Und nun hätte man sehen sollen, wie erbärmlich der Kerl mit dem Knüppel auf die armen Mädchen los schlug, ja es war zum Gotterbarmen.
    Als sie nun alle windelweich geschlagen waren und halb todt auf der Erde lagen und schrecklich winselten und jammerten, da flog mit einmal der Knüppel, dann die Arme, dann der Kopf, der Rumpf und zuletzt die Beine wieder zum Schornstein hinaus. Die Leute kamen aus dem Hause alle in die Küche, fanden die Mädchen im Blute liegen, ließen sich die Geschichte von einem Mädchen erzählen, das am wenigsten geschlagen war und mit dem Bleigießen war’s für diesmal verpfuscht; zwei von den Mädchen sind am folgenden Morgen gestorben. Daran hatte aber eine beianwohnende Hexe schuld; die Mädchen hatten ihre Tochter nicht mit beim Bleigießen haben wollen. Das hatte sie ihnen zum Possen gethan.
    (von August Ey)
    4 min
  • HMG15 – Das Bleigießen am Andreastag
    Am Andreasabend, d.h. am Abend vor Andreastag, wird hier Blei gegossen, das ist eine bekannte Geschichte. Es versammelt sich das junge Mädchen- und Mannsvolk bei Diesem und Jenem, essen Honigkuchenkalteschale, tanzen, singen, spielen, werfen den Schuh, schütteln den Erbzaum, führen sich dabei an und verkürzen sich den Abend, bis die elf herankommt; zuletzt wird Blei gegossen. Dabei ist Regel, Niemand darf sprechen, sonst gilt’s nicht, und der Guß gelingt nicht. Ist aber Jedes stille, so erfährt’s aus der Gestalt, die das Blei beim Guß angenommen hat, ob das Mädchen einen Berg- oder Forstmann, oder was es für einen Mann kriegt. Und umgekehrt, wessen Tochter der Junggesell einmal heirathet; es soll schon oft eingetroffen sein und deshalb glaubt man’s und gießt Blei.
    Also am Andreasabend sind einmal eine ganze Menge Mädchen allein in der Küche und wollen Blei gießen. Das eine hat schon gegossen und hat hübsche Tannenbäume gekriegt; sie heirathet also einmal einen Förster. Die zweite setzt eben das Blei in den Löffel, da fällt ein Menschenbein im Schornstein herunter und bleibt stehen, dann noch eins und bleibt dabei stehen.
    Nun kriegen sie es alle mit der Angst und wollen ausreißen, aber die Thür und die Fenster sind fest zu und sie können nicht weg. Darnach fällt ein Rumpf im Schornstein herunter und auf die Beine und bleibt sitzen. Darnach kommt ein Kopf und fällt auf den Rumpf und bleibt darauf sitzen. Dann fallen auch noch ein paar tüchtige Arme im Schornstein herunter und bleiben an dem Rumpf sitzen und so steht da ein langer, hämischer Kerl.
    Zuletzt kommt auch noch ein tüchtiger Prügel zum Schornstein herein und fällt dem Kerl in die Hand. Und nun hätte man sehen sollen, wie erbärmlich der Kerl mit dem Knüppel auf die armen Mädchen los schlug, ja es war zum Gotterbarmen.
    Als sie nun alle windelweich geschlagen waren und halb todt auf der Erde lagen und schrecklich winselten und jammerten, da flog mit einmal der Knüppel, dann die Arme, dann der Kopf, der Rumpf und zuletzt die Beine wieder zum Schornstein hinaus. Die Leute kamen aus dem Hause alle in die Küche, fanden die Mädchen im Blute liegen, ließen sich die Geschichte von einem Mädchen erzählen, das am wenigsten geschlagen war und mit dem Bleigießen war’s für diesmal verpfuscht; zwei von den Mädchen sind am folgenden Morgen gestorben. Daran hatte aber eine beianwohnende Hexe schuld; die Mädchen hatten ihre Tochter nicht mit beim Bleigießen haben wollen. Das hatte sie ihnen zum Possen gethan.
    (von August Ey)
    4 min
  • HMG14 – Die Geizige
    Eine Frau aus Zellerfeld besucht einmal ihre Schwester in Lautenthal. Als sie hinkommt, hört sie, daß Tags zuvor aus dem Haus eine Frau begraben ist, die aber allgemein der Geizhals geheißen hat.
    Die Lautenthäler hat keine Kammer weiter gehabt, ihre Schwester muß also in der Stube auf dem Canapé schlafen. Es wird nun Bettzeug herunter geholt, und ein Bett da zurecht gemacht.
    "Ja", spricht die Zellerfelder, "die Geizige ist doch hier auf dem Canapé nicht gestorben?" "Nein", sagte die andere. "Wo ließ ich dich denn sonst da schlafen?" In gutem Glauben legt sich also jene auf das Bett, das zurecht gemacht ist. Die anderen gehn trepp auf; die Zellerfelder kann aber nicht einschlafen. Es schlägt zehn, es schlägt elf, und sie schmeißt sich von einer Seite auf die andere.
    Wie es gerade ein Viertel auf zwölf schlägt, denkt sie, "na, das ist die Geisterstunde, wenn nur die Geizige wegbleibt". Aber kaum hat sie es gedacht, da geht die Thür auf und herein kommt eine weiße Gestalt. Der Mond ist halb gewesen und hat in die Stube geschienen, daß man recht gut so etwas sah. Auch sind die Laden nicht zu gewesen. Die Gestalt kommt auf die Frau zu, die da liegt, schiebt den Tisch weg und faßt den Mantel (es ist der ihrige gewesen), mit dem die Zellerfelder zugedeckt ist und reißt ihn der weg; denn sie hat auch im Tode noch nicht leiden können, daß ihre Sachen gebraucht werden, wirft ihn in die Stube, kramt auch noch vor der Schublade herum und das alles mit schrecklichem Lärm und Spektakel, so daß der Zellerfelder der Angstschweiß ausbricht.
    Endlich schlägt’s zwölf und mit dem letzten Schlag ist Alles weg und still. Bis dahin hat die Zellerfelder nicht sprechen und rufen können; sie hat’s versucht, es ist aber nicht gegangen. Nun kann sie aber rufen und schreit ihre Schwester wach, die kommt herunter und findet, wie sie herein kommt, den Mantel mitten in der Stube und auch das Zeug der Todten, das in der Schublade gelegen hat, auf der Erde herum liegen; sonst aber nichts weiter verändert. Von da an hat sich die Geizige nicht wieder sehen und hören lassen.
    (von August Ey)
    4 min
  • HMG14 – Die Geizige
    Eine Frau aus Zellerfeld besucht einmal ihre Schwester in Lautenthal. Als sie hinkommt, hört sie, daß Tags zuvor aus dem Haus eine Frau begraben ist, die aber allgemein der Geizhals geheißen hat.
    Die Lautenthäler hat keine Kammer weiter gehabt, ihre Schwester muß also in der Stube auf dem Canapé schlafen. Es wird nun Bettzeug herunter geholt, und ein Bett da zurecht gemacht.
    "Ja", spricht die Zellerfelder, "die Geizige ist doch hier auf dem Canapé nicht gestorben?" "Nein", sagte die andere. "Wo ließ ich dich denn sonst da schlafen?" In gutem Glauben legt sich also jene auf das Bett, das zurecht gemacht ist. Die anderen gehn trepp auf; die Zellerfelder kann aber nicht einschlafen. Es schlägt zehn, es schlägt elf, und sie schmeißt sich von einer Seite auf die andere.
    Wie es gerade ein Viertel auf zwölf schlägt, denkt sie, "na, das ist die Geisterstunde, wenn nur die Geizige wegbleibt". Aber kaum hat sie es gedacht, da geht die Thür auf und herein kommt eine weiße Gestalt. Der Mond ist halb gewesen und hat in die Stube geschienen, daß man recht gut so etwas sah. Auch sind die Laden nicht zu gewesen. Die Gestalt kommt auf die Frau zu, die da liegt, schiebt den Tisch weg und faßt den Mantel (es ist der ihrige gewesen), mit dem die Zellerfelder zugedeckt ist und reißt ihn der weg; denn sie hat auch im Tode noch nicht leiden können, daß ihre Sachen gebraucht werden, wirft ihn in die Stube, kramt auch noch vor der Schublade herum und das alles mit schrecklichem Lärm und Spektakel, so daß der Zellerfelder der Angstschweiß ausbricht.
    Endlich schlägt’s zwölf und mit dem letzten Schlag ist Alles weg und still. Bis dahin hat die Zellerfelder nicht sprechen und rufen können; sie hat’s versucht, es ist aber nicht gegangen. Nun kann sie aber rufen und schreit ihre Schwester wach, die kommt herunter und findet, wie sie herein kommt, den Mantel mitten in der Stube und auch das Zeug der Todten, das in der Schublade gelegen hat, auf der Erde herum liegen; sonst aber nichts weiter verändert. Von da an hat sich die Geizige nicht wieder sehen und hören lassen.
    (von August Ey)
    4 min
  • HMG13 – Der dem Teufel vermachte Junge
    Da unten im Prachtgäßchen in Clausthal wohnte vor langen Jahren eine Frau, die hatte ihren Jungen dem Teufel vermacht, damit er ihr dafür recht viel bringen sollte. Wie die Zeit nun bald herum war, daß der Teufel nach ihrer Meinung den Jungen holen mußte, da macht sie sich fort ins Land, und läßt ihr Kind zu Haus.
    Des Abends in der Dämmerung sitzt der Junge hinterm Tisch auf der Bank, und seine Wirthin und ihre Schwester sitzen und spinnen Hede. Alles ist still, die Räder schnurren bloß und draußen saust der Wind; es ist ein recht graulicher Abend. Da hören sie mit einem mal ein Gepolter, und ein Spektakel im Schornstein herunter und hinein in den Ofen, daß den Frauen Hören und Sehen vergeht.
    Zur Thür können sie nicht hinaus, die ist zu. Hinaus wollen und müssen sie. Sie springen also zum Fenster hinaus, und sagen: "Junge, komm’ mit". "Ach", schreit der, "ich kann nicht, ich kann ja nicht vom Platz, es ist, als wär’ ich fest gebannt". Sie lassen ihn also sitzen und machen so schnell sie können, um auf die Nachbarschaft zu laufen und Hülfe zu holen.
    Als sie wieder kamen mit Hülfe, da ist der Junge vom Platz weg, die Wände sind mit Blut verspritzt und es ist eine wahre Wüstenei in der Stube. Alles über einander geworfen, Tische und Bänke umgestürzt und mitten in der Stube liegt der Junge mit zermalmten Armen und Beinen und ist todt.
    (von August Ey)
    3 min
  • HMG13 – Der dem Teufel vermachte Junge
    Da unten im Prachtgäßchen in Clausthal wohnte vor langen Jahren eine Frau, die hatte ihren Jungen dem Teufel vermacht, damit er ihr dafür recht viel bringen sollte. Wie die Zeit nun bald herum war, daß der Teufel nach ihrer Meinung den Jungen holen mußte, da macht sie sich fort ins Land, und läßt ihr Kind zu Haus.
    Des Abends in der Dämmerung sitzt der Junge hinterm Tisch auf der Bank, und seine Wirthin und ihre Schwester sitzen und spinnen Hede. Alles ist still, die Räder schnurren bloß und draußen saust der Wind; es ist ein recht graulicher Abend. Da hören sie mit einem mal ein Gepolter, und ein Spektakel im Schornstein herunter und hinein in den Ofen, daß den Frauen Hören und Sehen vergeht.
    Zur Thür können sie nicht hinaus, die ist zu. Hinaus wollen und müssen sie. Sie springen also zum Fenster hinaus, und sagen: "Junge, komm’ mit". "Ach", schreit der, "ich kann nicht, ich kann ja nicht vom Platz, es ist, als wär’ ich fest gebannt". Sie lassen ihn also sitzen und machen so schnell sie können, um auf die Nachbarschaft zu laufen und Hülfe zu holen.
    Als sie wieder kamen mit Hülfe, da ist der Junge vom Platz weg, die Wände sind mit Blut verspritzt und es ist eine wahre Wüstenei in der Stube. Alles über einander geworfen, Tische und Bänke umgestürzt und mitten in der Stube liegt der Junge mit zermalmten Armen und Beinen und ist todt.
    (von August Ey)
    3 min
  • HMG12 - Sonderfolge 2
    In dieser Sonderfolge stellen wir das Konzept des Harzmagie-Podcasts kurz vor (quasi als verspätete Folge 0), gehen auf das Podwichteln 2016 ein und stellen unsere Pläne für das neue Jahr vor.
    4 min
  • HMG12 – Sonderfolge 2
    In dieser Sonderfolge stellen wir das Konzept des Harzmagie-Podcasts kurz vor (quasi als verspätete Folge 0), gehen auf das Podwichteln 2016 ein und stellen unsere Pläne für das neue Jahr vor.
    4 min
  • HMG11 – Podwichtelfolge
    Zu Weihnachten haben wir von unseren lieben Podwichteln Fabian und Thorsten diese großartige Folge, inklusive eines Beitrags der wundervollen Hoaxmistress Alexa, geschenkt bekommen.
    Wir haben uns sehr über diese Folge gefreut und bedanken uns recht herzlich dafür. Wir hoffen unsere Bewichtelten freuen sich über ihr Geschenk ebenso wie wir uns über diese Folge gefreut haben.
    Welcher Podcast uns bewichtelt hat, und welchen Podcast wir bewichtelt haben, wird zunächst nicht verraten. Wir verraten nur so viel; beide Podcast sind absolut hörenswert.
    Wir wünschen unseren Hörern viel Spaß beim Hören, frohe [Weihnachten|Chanukka|Jahres-Endzeit-Fest|oder was immer euch glücklich macht].
    Hallo,
    wir durften über das Podwichteln 2016 eine Folge für diesen Podcast machen.
    Da wir keine Vorlesestimmen haben, können wir dieses nur so machen wie wir es können. Wir besprechen in unseren Podcast Hörspielgeschichten einer bestimmten Hörspielserie, also dachten wir uns, wir besprechen eine Harzgeschichte.
    Wir bedanken uns, das Alexa von Hoaxilla – dem skeptische Podcast aus Hamburg, die uns in einen kleine Einspieler erklärt hat, was der Unterschied zwischen Sage und Märchen ist.
    Viel Spaß noch.
    Fabian und Thorsten
    30 min
  • HMG11 – Podwichtelfolge
    Zu Weihnachten haben wir von unseren lieben Podwichteln Fabian und Thorsten diese großartige Folge, inklusive eines Beitrags der wundervollen Hoaxmistress Alexa, geschenkt bekommen.
    Wir haben uns sehr über diese Folge gefreut und bedanken uns recht herzlich dafür. Wir hoffen unsere Bewichtelten freuen sich über ihr Geschenk ebenso wie wir uns über diese Folge gefreut haben.
    Welcher Podcast uns bewichtelt hat, und welchen Podcast wir bewichtelt haben, wird zunächst nicht verraten. Wir verraten nur so viel; beide Podcast sind absolut hörenswert.
    Wir wünschen unseren Hörern viel Spaß beim Hören, frohe [Weihnachten|Chanukka|Jahres-Endzeit-Fest|oder was immer euch glücklich macht].
    Hallo,
    wir durften über das Podwichteln 2016 eine Folge für diesen Podcast machen.
    Da wir keine Vorlesestimmen haben, können wir dieses nur so machen wie wir es können. Wir besprechen in unseren Podcast Hörspielgeschichten einer bestimmten Hörspielserie, also dachten wir uns, wir besprechen eine Harzgeschichte.
    Wir bedanken uns, das Alexa von Hoaxilla – dem skeptische Podcast aus Hamburg, die uns in einen kleine Einspieler erklärt hat, was der Unterschied zwischen Sage und Märchen ist.
    Viel Spaß noch.
    Fabian und Thorsten
    30 min

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