Harzmagie

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Harzmagie episodes

  • HMG05 – Sonderfolge
    Glück Auf, liebe Hörer,
    nach einer längeren Pause haben wir uns entschieden den Harzmagie-Podcast mit neuen Folgen und einem neuen Konzept fortzuführen. Das ursprüngliche Vorhaben, die Folgen mit wechselnden Sprechern aufzunehmen, hat sich nicht bewährt. Aber es es gab noch einen weiteren Grund für die ausbleibenden Folgen.
    Einige von Euch haben sicher den Nachruf bereits gelesen. Unsere liebe Hochharzhexe Eva ist am 27. Dezember 2015 überraschend verstorben. Wir werden Eva sehr vermissen. Der Podcast war Evas Idee und wir möchten ihn in ihrem Gedenken fortführen.
    Wir hoffen, die neuen Folgen werden euch gefallen.
    Glück Auf und viel Spaß beim zuhören
    2 min
  • HMG05 – Sonderfolge
    Glück Auf, liebe Hörer,
    nach einer längeren Pause haben wir uns entschieden den Harzmagie-Podcast mit neuen Folgen und einem neuen Konzept fortzuführen. Das ursprüngliche Vorhaben, die Folgen mit wechselnden Sprechern aufzunehmen, hat sich nicht bewährt. Aber es es gab noch einen weiteren Grund für die ausbleibenden Folgen.
    Einige von Euch haben sicher den Nachruf bereits gelesen. Unsere liebe Hochharzhexe Eva ist am 27. Dezember 2015 überraschend verstorben. Wir werden Eva sehr vermissen. Der Podcast war Evas Idee und wir möchten ihn in ihrem Gedenken fortführen.
    Wir hoffen, die neuen Folgen werden euch gefallen.
    Glück Auf und viel Spaß beim zuhören
    2 min
  • HMG03 - Hanskuehnburg
    Zu der Zeit, als noch Wölfe und Bären hier am Harz allein Herren gewesen sind und alles dicker Urwald war, bringt ein Mann, Hans Kühn hat er geheißen und in Herzberg gewohnt, seine beiden Pferde nach dem Bruchberg in die Weide. Da es damals noch viel Wildpret hier gegeben hat, so haben jene Fresser sich daran was zu gute getan und selten andere Tiere und noch weniger Menschen angefallen. Deshalb hat Hans Kühn sich und seine Pferde für sicher gehalten und ist dreist darauf in den Harz hinauf geritten.
    Dort angekommen, wo jetzt noch der Felsen steht, der die Hans Kühnburg heißt, kommt aber eine Schar Wölfe aus dem Dickicht mit furchtbarem Geheule und mit schrecklicher Eile auf ihn zugestürzt, dass er in seiner Herzensangst vom Pferde hinunter springt und so schnell als möglich auf die Spitze des Felsens klettert. Er ist auch so glücklich, hinauf zu kommen. Von dort oben ab sieht er aber nun dem Kampf der Wölfe mit den Pferden zu.
    Die Pferde stellen sich mit den Köpfen zusammen und schlagen kräftig hinten aus, um sich so gut wie möglich zu wehren. Die Menge der Feinde ist aber zu groß, und die Bestien sind zu flink. An ein Entlaufen ist nicht zu denken gewesen; die Ungeheuer kreisen die armen Tiere enger und enger ein, bis sie sie zuletzt zerfleischt und getötet haben. Darüber kommt der Abend und die Sonne geht herrlich unter, da oben aber sitzt von großer Angst und Bangigkeit gequält noch immer unser Hans Kühn und darf seine Burg, die ihn schützt, nicht verlassen; denn die Wölfe umkreisen noch immer den Felsen und bewachen ihn dort ohne abzulassen.
    Es wird vollkommen Nacht und die Bestien verlassen den Felsen nicht. Der Morgen kommt, der Abend bricht wieder herein, und noch immer sind die Bestien da. Der dritte Morgen beginnt zu leuchten und die Wölfe gehen nicht weg, desto schlimmer wird aber der arme Mann von Durst und Hunger und von Angst und Not gequält. Alles Rufen, alles Schreien, Fluchen und Beten hat nicht geholfen und er nimmt sich vor, lieber hier oben zu verhungern, als sich von den Tieren zerreißen zu lassen.
    In der dritten Nacht, als er es nicht mehr aushalten kann, da er fast ohnmächtig zur Erde sinkt, fängt er nochmals an, recht herzhaft um Hilfe zu beten und siehe da, eine große Ohreule kommt aus den Felsen zugeflogen, setzt sich bei ihm nieder und hat eine Rute im Schnabel, welche sie vor sich auf die Erde legt. Nachdem sie sich zurecht geschüttelt und ihre Federn in Ordnung gebracht hat, fängt sie an, in einem tiefen Basston an zu reden: „Du unvorsichtiger Mensch, warum bist du so dummdreist gewesen und hast dich ohne Waffen hier in diese unsichere und gefährliche Gegend gewagt. Eigentlich müsstest du hier verhungern und dein Fleisch von den Raaben verzehren lassen; doch dein und deiner Frau und Kinder Gebet ist zu herzlich und innig gewesen, darum bin ich da, dir zu helfen. Siehe, diese Rute, die ich dir mitgebracht habe, bringt dich durch die Gefahren hindurch, welche dir durch die reißenden Wölfe bereitet werden.
    Er greift gleich danach und er fühlt neue Kraft in seine matten Glieder, er fühlt auch neuen Mut und eine Belebung des Leibes, wie er sie zuvor nie gekannt hat.
    „Nimm das Kleinod in Acht!“ ruft ihm die Eule im Wegfliegen zu und ist verschwunden. Er aber hat die verhängnisvolle Rute in der Hand und traut kaum sich selbst und dem, was er gehört und gesehen hat. Mit dem Zauberstab bewaffnet, steigt er von seinem Felsen herunter und geht dreist seinen Weg entlang und die Wölfe gehen ihm, ihrem Feind, aus dem Wege.
    (von August Ey)
    5 min
  • HMG03 – Hanskuehnburg
    Zu der Zeit, als noch Wölfe und Bären hier am Harz allein Herren gewesen sind und alles dicker Urwald war, bringt ein Mann, Hans Kühn hat er geheißen und in Herzberg gewohnt, seine beiden Pferde nach dem Bruchberg in die Weide. Da es damals noch viel Wildpret hier gegeben hat, so haben jene Fresser sich daran was zu gute getan und selten andere Tiere und noch weniger Menschen angefallen. Deshalb hat Hans Kühn sich und seine Pferde für sicher gehalten und ist dreist darauf in den Harz hinauf geritten.
    Dort angekommen, wo jetzt noch der Felsen steht, der die Hans Kühnburg heißt, kommt aber eine Schar Wölfe aus dem Dickicht mit furchtbarem Geheule und mit schrecklicher Eile auf ihn zugestürzt, dass er in seiner Herzensangst vom Pferde hinunter springt und so schnell als möglich auf die Spitze des Felsens klettert. Er ist auch so glücklich, hinauf zu kommen. Von dort oben ab sieht er aber nun dem Kampf der Wölfe mit den Pferden zu.
    Die Pferde stellen sich mit den Köpfen zusammen und schlagen kräftig hinten aus, um sich so gut wie möglich zu wehren. Die Menge der Feinde ist aber zu groß, und die Bestien sind zu flink. An ein Entlaufen ist nicht zu denken gewesen; die Ungeheuer kreisen die armen Tiere enger und enger ein, bis sie sie zuletzt zerfleischt und getötet haben. Darüber kommt der Abend und die Sonne geht herrlich unter, da oben aber sitzt von großer Angst und Bangigkeit gequält noch immer unser Hans Kühn und darf seine Burg, die ihn schützt, nicht verlassen; denn die Wölfe umkreisen noch immer den Felsen und bewachen ihn dort ohne abzulassen.
    Es wird vollkommen Nacht und die Bestien verlassen den Felsen nicht. Der Morgen kommt, der Abend bricht wieder herein, und noch immer sind die Bestien da. Der dritte Morgen beginnt zu leuchten und die Wölfe gehen nicht weg, desto schlimmer wird aber der arme Mann von Durst und Hunger und von Angst und Not gequält. Alles Rufen, alles Schreien, Fluchen und Beten hat nicht geholfen und er nimmt sich vor, lieber hier oben zu verhungern, als sich von den Tieren zerreißen zu lassen.
    In der dritten Nacht, als er es nicht mehr aushalten kann, da er fast ohnmächtig zur Erde sinkt, fängt er nochmals an, recht herzhaft um Hilfe zu beten und siehe da, eine große Ohreule kommt aus den Felsen zugeflogen, setzt sich bei ihm nieder und hat eine Rute im Schnabel, welche sie vor sich auf die Erde legt. Nachdem sie sich zurecht geschüttelt und ihre Federn in Ordnung gebracht hat, fängt sie an, in einem tiefen Basston an zu reden: „Du unvorsichtiger Mensch, warum bist du so dummdreist gewesen und hast dich ohne Waffen hier in diese unsichere und gefährliche Gegend gewagt. Eigentlich müsstest du hier verhungern und dein Fleisch von den Raaben verzehren lassen; doch dein und deiner Frau und Kinder Gebet ist zu herzlich und innig gewesen, darum bin ich da, dir zu helfen. Siehe, diese Rute, die ich dir mitgebracht habe, bringt dich durch die Gefahren hindurch, welche dir durch die reißenden Wölfe bereitet werden.
    Er greift gleich danach und er fühlt neue Kraft in seine matten Glieder, er fühlt auch neuen Mut und eine Belebung des Leibes, wie er sie zuvor nie gekannt hat.
    „Nimm das Kleinod in Acht!“ ruft ihm die Eule im Wegfliegen zu und ist verschwunden. Er aber hat die verhängnisvolle Rute in der Hand und traut kaum sich selbst und dem, was er gehört und gesehen hat. Mit dem Zauberstab bewaffnet, steigt er von seinem Felsen herunter und geht dreist seinen Weg entlang und die Wölfe gehen ihm, ihrem Feind, aus dem Wege.
    (von August Ey)
    5 min
  • HMG02 - Der Pochknabe und der Teufel
    Jeder Pochknabe kriegt von seinem Lohn sieben Pfennige, damit kann er machen, was er will. Das ist so Sitte. Sonst haben aber auch die Pochjungen in der Löselstunde gewürfelt und um Pfennige oder sonst etwas gespielt, und am besten ist es am Freitag gegangen, wenn sie ihren Lohn bekommen haben und ihre sieben Pfennige.
    Nun hat einst ein Pocher seine sieben Pfennige verspielt, er hat sie aber wiedergewinnen wollen und packt seinen Lohn an, den er mit nach Haus bringen muss. Wie er nichts mehr hat, muss er doch aufhören. Nun sieht er erst, was er gemacht hat und wie‘s ihm geht, wenn er mit leerer Hand nach Haus kommt und bringt keinen Lohn mit; denn sein Vater und seine Mutter sind arg schlimm gewesen und haben gleich erbärmlich auf ihn losgeprügelt mit dem Heftstrick wenn er etwas angestellt hat. Wie der Pochjunge des Abends Schicht hat und nach Haus geht, ist er der allerletzte; er fürchtet sich vor der Strafe, deshalb geht er ganz langsam und weint immer fort vor sich hin.
    Auf einmal kommt ihm ein fremder Herr entgegen, der hat einen schönen feurigen Rock an, einen etwas dicken Fuß und dann eine hohe Mütze auf, der fragt ihn, was ihm fehle. Der Junge sagt‘s. Darauf spricht der Mann recht freundlich, ob er (der Junge) morgen früh, wenn das beten anging aus dem Pochwerk kommen wolle und ihm dann gehören, so solle er jetzt sein Geld wieder haben, und noch viel mehr, als er gehabt hätte.
    Der Junge ist froh, dass er sein Geld wieder haben soll und hat gar nichts Arges daraus und spricht: „Ja“. Darauf gibt ihm der Mann so viel Geld, dass dem Jungen sein Brotbeutel voll wird und der Mann verschwindet. Nun ist der Pochjunge froh und geht nach Haus. Kaum tritt er in die Stube, so schüttet er voll Freunde das ganze Geld auf den Tisch. Die Alten verwundern sich und fragen gleich: „Junge, wo hast du das viele Geld her?“ Da sagt‘s der Junge ganz ohne Arg.
    Das behalten wir nicht, spricht der Vater, das ist Teufelsgeld, das hat dir der Teufel gegeben, der ist es gewesen, der hat dich verführt und will dich morgen holen. Das soll ihm aber nicht gelingen. Du packst das Geld zusammen, wir müssen zu dem Superintendenten, der weiß gewiss Rat dagegen. Der Junge packt den Kram zusammen, wäscht sich und muss gleich in seinem Anfahrzeug mit zum Superintendenten. Alles wird erzählt.
    Darauf sagt der Prediger, er wolle morgen früh mit dem Pochknaben anfahren, vorher solle aber der Junge eine Nadel nehmen, sich in die Hand stechen, dass drei Blutstropfen herauskämen und die Blutstropfen solle er in den Brotsbeutel laufen lassen und den Beutel wieder mitnehmen. Dann soll der Teufel seinen Willen nicht haben. Wir wollen ihm bei dieser Gelegenheit den Brei richtig versalzen. Das Geld aber könne der Vater behalten.
    Nein, sagt der Vater, den verfluchten Kram behalte ich keine Stunde im Haus, das macht uns unglücklich; lieber ist es mir, wenn es die Armen kriegen, die wissen doch nicht woher es ist und tut denen gut. Damit ist auch der Superintendent zufrieden und behält es.
    Wie es vier läutet am anderen Morgen, da geht der Superintendent mit dem Pochknaben zum Zellerfeld hinaus, hinunter nach dem Tal, nach dem Nonnenklosterpochwerk, das ist es gewesen, wo der Pocher gearbeitet hat. Alle wundern sich, dass der Mann mit nach dem Pochwerk kommt, allein man denkt, er will einmal das Beten anhören und damit ist es gut.
    Das Beten geht an, der Superintendent hat den Brotbeutel mit den drei Bluttropfen in der Rocktasche. Alle sind andächtig, bis das Vaterunser gebetet wird. Der letzte Vers wird noch gesungen, da klopft wer draußen an das Fenster. Der Superintendent macht das Fenster auf und reicht den Brotbeutel mit den drei Bluttropfen hinaus.
    Da entsteht ein gefährliches Prellerts und ein ekliger Schwefelgeruch kommt zum Fenster hinein. Alle erschrecken sich und wissen nicht, was das ist. Der Superintendent weiß es aber und der Pochjunge auch.
    Wie es Tag wird, da liegt der Brotbeutel in Fetzen zerrissen vor dem Pochwerk. Von der Zeit an ist dem Pochknaben so was nicht wieder passiert. Das Geld haben aber denselben Tag noch viele Arme bekommen und sich gefreut. Der Pochknabe ist aber um seinen Lohn gekommen.
    (von August Ey)
    6 min
  • HMG02 – Der Pochknabe und der Teufel
    Jeder Pochknabe kriegt von seinem Lohn sieben Pfennige, damit kann er machen, was er will. Das ist so Sitte. Sonst haben aber auch die Pochjungen in der Löselstunde gewürfelt und um Pfennige oder sonst etwas gespielt, und am besten ist es am Freitag gegangen, wenn sie ihren Lohn bekommen haben und ihre sieben Pfennige.
    Nun hat einst ein Pocher seine sieben Pfennige verspielt, er hat sie aber wiedergewinnen wollen und packt seinen Lohn an, den er mit nach Haus bringen muss. Wie er nichts mehr hat, muss er doch aufhören. Nun sieht er erst, was er gemacht hat und wie‘s ihm geht, wenn er mit leerer Hand nach Haus kommt und bringt keinen Lohn mit; denn sein Vater und seine Mutter sind arg schlimm gewesen und haben gleich erbärmlich auf ihn losgeprügelt mit dem Heftstrick wenn er etwas angestellt hat. Wie der Pochjunge des Abends Schicht hat und nach Haus geht, ist er der allerletzte; er fürchtet sich vor der Strafe, deshalb geht er ganz langsam und weint immer fort vor sich hin.
    Auf einmal kommt ihm ein fremder Herr entgegen, der hat einen schönen feurigen Rock an, einen etwas dicken Fuß und dann eine hohe Mütze auf, der fragt ihn, was ihm fehle. Der Junge sagt‘s. Darauf spricht der Mann recht freundlich, ob er (der Junge) morgen früh, wenn das beten anging aus dem Pochwerk kommen wolle und ihm dann gehören, so solle er jetzt sein Geld wieder haben, und noch viel mehr, als er gehabt hätte.
    Der Junge ist froh, dass er sein Geld wieder haben soll und hat gar nichts Arges daraus und spricht: „Ja“. Darauf gibt ihm der Mann so viel Geld, dass dem Jungen sein Brotbeutel voll wird und der Mann verschwindet. Nun ist der Pochjunge froh und geht nach Haus. Kaum tritt er in die Stube, so schüttet er voll Freunde das ganze Geld auf den Tisch. Die Alten verwundern sich und fragen gleich: „Junge, wo hast du das viele Geld her?“ Da sagt‘s der Junge ganz ohne Arg.
    Das behalten wir nicht, spricht der Vater, das ist Teufelsgeld, das hat dir der Teufel gegeben, der ist es gewesen, der hat dich verführt und will dich morgen holen. Das soll ihm aber nicht gelingen. Du packst das Geld zusammen, wir müssen zu dem Superintendenten, der weiß gewiss Rat dagegen. Der Junge packt den Kram zusammen, wäscht sich und muss gleich in seinem Anfahrzeug mit zum Superintendenten. Alles wird erzählt.
    Darauf sagt der Prediger, er wolle morgen früh mit dem Pochknaben anfahren, vorher solle aber der Junge eine Nadel nehmen, sich in die Hand stechen, dass drei Blutstropfen herauskämen und die Blutstropfen solle er in den Brotsbeutel laufen lassen und den Beutel wieder mitnehmen. Dann soll der Teufel seinen Willen nicht haben. Wir wollen ihm bei dieser Gelegenheit den Brei richtig versalzen. Das Geld aber könne der Vater behalten.
    Nein, sagt der Vater, den verfluchten Kram behalte ich keine Stunde im Haus, das macht uns unglücklich; lieber ist es mir, wenn es die Armen kriegen, die wissen doch nicht woher es ist und tut denen gut. Damit ist auch der Superintendent zufrieden und behält es.
    Wie es vier läutet am anderen Morgen, da geht der Superintendent mit dem Pochknaben zum Zellerfeld hinaus, hinunter nach dem Tal, nach dem Nonnenklosterpochwerk, das ist es gewesen, wo der Pocher gearbeitet hat. Alle wundern sich, dass der Mann mit nach dem Pochwerk kommt, allein man denkt, er will einmal das Beten anhören und damit ist es gut.
    Das Beten geht an, der Superintendent hat den Brotbeutel mit den drei Bluttropfen in der Rocktasche. Alle sind andächtig, bis das Vaterunser gebetet wird. Der letzte Vers wird noch gesungen, da klopft wer draußen an das Fenster. Der Superintendent macht das Fenster auf und reicht den Brotbeutel mit den drei Bluttropfen hinaus.
    Da entsteht ein gefährliches Prellerts und ein ekliger Schwefelgeruch kommt zum Fenster hinein. Alle erschrecken sich und wissen nicht, was das ist. Der Superintendent weiß es aber und der Pochjunge auch.
    Wie es Tag wird, da liegt der Brotbeutel in Fetzen zerrissen vor dem Pochwerk. Von der Zeit an ist dem Pochknaben so was nicht wieder passiert. Das Geld haben aber denselben Tag noch viele Arme bekommen und sich gefreut. Der Pochknabe ist aber um seinen Lohn gekommen.
    (von August Ey)
    6 min
  • HMG01 - Die Feurige Kröte
    Es kommt einmal ein Schneider nach Sankt Andreasberg, aber nicht ganz hin. Nein, bis auf den Frau Hollenplatz und da bleibt er. Der Abend ist so hübsch, zwar nicht finster, aber auch nicht hell, just wie eine hübsche Sommernacht auf dem Harz. Er denkt, du sollst dich hier hinlegen, sparst du doch das Schlafgeld und wilde Tiere gibt es hier ja wohl nicht. Das Moos ist bald zusammengerupft, dass Bett gemacht, er drauf und in ein paar Minuten hat er mit der Welt nichts mehr zu schaffen. Fest schläft er, wie ein Ratz. Da ist es mit einem Male, als risse ihm jemand die Augen auf. Der Berg ist ganz rot, wie der Himmel, wenn die Sonne untergehen will und doch sieht er keine Flamme, nichts wovon er so rot geworden ist. Als er darüber verwundert aufguckt, bemerkt er, dass das Rote unten vom Berg kommt und immer höher steigt, ja dass eine gefährlich große Kröte den Berg hinaufkriecht und davon die rote Farbe des Berges herrührt. Er will auf, kann aber nicht; es ist, als wäre er selbst gebunden an der Stelle. Das Untier kommt langsam näher und näher auf ihn zu. Natürlich bekommt unser Schneider denn doch nicht gerade geringe Angst; ein Schneider ist ohnehin nicht beherzt. Was will er aber machen, er kann nicht weg; der Angstschweiß tritt ihm auf den Leib, denn das Tier glüht über und über, und sperrt den Rachen weit auf, den heißen Atem kann man sogar sehen und die Augen glotzen ihn an.
    Na, denkt er, die will dir zu Leibe, die macht dich kalt. Noch zwanzig Schritt ungefähr ist sie von ihm, das schlägt‘s zwölf Uhr auf dem Turm des Glockenbergs und als er den letzten Schlag hört, da ist alles verschwunden auf einmal und der Berg schwarz und finster. Die Sterne gucken hier und da aus den Wolken und jenseits, dort wo der Morgen liegt, geht der Mond auf. Der Schneider kann auch aufstehen und macht sich gleich nach Andreasberg hinein.
    Da begegnet ihm der Wächter. Der Schneider bittet ihn, er möchte ihm doch ein Nachtlager verschaffen. Der bringt ihn hin nach seinem Nachtwächterquatier und da bleibt der Schneider bis des Morgens. Sagt aber kein Wort, was ihm passiert ist. Des anderen Morgens, so gegen zehn geht er zum Pastor und erzählt ihm den Vorfall auf dem Frau Hollenplatz. Der Pastor sagt, er wolle diesen Abend mit hin, dann würden sie sehen, was sich tun ließe. Der Schneider solle nur nicht bange sein. Die Kröte wäre gewiss verwünscht, und er (der Schneider) müsse sie erlösen. Dazu gehöre aber Herzhaftigkeit, auch dürfe er nicht sprechen, sonst wäre alles verloren. Ja, sagte der Schneider, er wolle alle seinen Mut zusammennehmen. Es wäre die Kröte aber ein scheußliches Ungetüm.
    Wenn‘s dass auch wäre, sagt der Pastor, so müsse er sie doch küssen. Das Abends halb elf geben sie mit einander nach der Stelle, setzen sich nebeneinander auf die Erde und der Pastor sagt nochmals zum Schneider: „Wenn ich nun in diesem Buche lese, so bist du ganz stille, lässt kommen, was kommt und wenn dich die Kröte auch halb tot macht, du sollst sehen, es ist dein und mein Glück, auch der Kröte ihrs, dann sind wir alle reich. Dahinter steckt sicher irgend etwas.“ Der Schneider verspricht auch dem Rat zu folgen.
    So warten sie, bis es elf schlägt. Mit dem Schlag elf wird der Berg nach und nach hell und heller und diesmal noch viel heller, als das vorige Mal. Sie sehen schon die Kröte, wie sie den Berg langsam hinauf kriecht; diesmal ist sie auch viel feuriger und abscheulicher, kommt auch schneller heran. Der Pastor liest was er kann und sucht den Schneider zu stärken, sieht ihn öfter tröstend an und winkt ihm, dass er ja Mut behielte.
    Endlich kommt sie so nahe, dass sie dem Schneider auf die Beine mit ihren glühenden Pfoten tritt. Er fühlt den heißen, giftigen Hauch aus ihrem Feuerrachen, sie steigt höher an ihn hinauf. Ihm schlägt das Herz. Der Pastor liest und liest und sieht ihn scharf an, als wolle er sagen: „Du, halt aus, zieh nicht weg.“
    Am Ende kommt sie ihm fast an den Mund, ihr Hauch riecht nach Schwefel, es dämpft ihm bald den Atem ab. Da will sie ihn küssen. Aber nun kann er es nicht mehr aushalten , voll Abscheu wendet er das Gesicht weg und da schlägt‘s zwölf. So wie‘s den letzten Schlag tut, da ist Alles verschwunden und der Pastor sagt voller Verdruss und Ärger: „Nein, so ein Narr, solch eine Memme, wie der Schneider, sowas gibt‘s nicht weiter. Nur noch einen Augenblick hätte er aushalten sollen, so wäre Alles geschehen.“ Der Schneider sagt aber, wenn er sich nicht abgewandt hätte, so hätte er ersticken müssen. Es ist nun vergebens gewesen, so gehen sie also mit einander nach Haus und am folgenden Abend um dieselbe Zeit nochmals hin. Alles kommt wieder so. Der Berg wird aber diesmal so glühend, dass es wie Tag gewesen ist, und die Kröte brennt über und über. Der Schneider nimmt sich vor, er will‘s diesmal besser machen. Hält auch aus bis dahin, dass ihn die Kröte fast mit ihrem Rachen berührt, da verlässt ihn aber der Mut und er wendet das Gesicht wieder ab, und in dem Augenblick schlägt es wieder zwölf und Alles ist verschwunden.
    Nun hört man in der Ferne ein Heulen und ein Schreien, als wenn ein Mädchen heftig weint. Da sagt der Pastor: „Jetzt ist Alles vorbei und unser Angst und Mühe ist vergeblich, und das Geschöpf muss verwünscht bleiben.“
    Von der Zeit an hat man nichts wieder davon gehört und der Berg ist nie wieder rot geworden, außer des Abends, wenn die Sonne recht rot unterging, dann hat auch wohl noch einmal der Berg etwas rot ausgesehen. Der Schneider ist weiter gezogen, hat aber den Vorfall in Andreasberg seinem Wirt erzählt, bei dem er die Tage hindurch gewesen ist, und der hat‘s wieder erzählt.
    (nach August Ey)
    7 min
  • HMG01 – Die Feurige Kröte
    Es kommt einmal ein Schneider nach Sankt Andreasberg, aber nicht ganz hin. Nein, bis auf den Frau Hollenplatz und da bleibt er. Der Abend ist so hübsch, zwar nicht finster, aber auch nicht hell, just wie eine hübsche Sommernacht auf dem Harz. Er denkt, du sollst dich hier hinlegen, sparst du doch das Schlafgeld und wilde Tiere gibt es hier ja wohl nicht. Das Moos ist bald zusammengerupft, dass Bett gemacht, er drauf und in ein paar Minuten hat er mit der Welt nichts mehr zu schaffen. Fest schläft er, wie ein Ratz. Da ist es mit einem Male, als risse ihm jemand die Augen auf. Der Berg ist ganz rot, wie der Himmel, wenn die Sonne untergehen will und doch sieht er keine Flamme, nichts wovon er so rot geworden ist. Als er darüber verwundert aufguckt, bemerkt er, dass das Rote unten vom Berg kommt und immer höher steigt, ja dass eine gefährlich große Kröte den Berg hinaufkriecht und davon die rote Farbe des Berges herrührt. Er will auf, kann aber nicht; es ist, als wäre er selbst gebunden an der Stelle. Das Untier kommt langsam näher und näher auf ihn zu. Natürlich bekommt unser Schneider denn doch nicht gerade geringe Angst; ein Schneider ist ohnehin nicht beherzt. Was will er aber machen, er kann nicht weg; der Angstschweiß tritt ihm auf den Leib, denn das Tier glüht über und über, und sperrt den Rachen weit auf, den heißen Atem kann man sogar sehen und die Augen glotzen ihn an.
    Na, denkt er, die will dir zu Leibe, die macht dich kalt. Noch zwanzig Schritt ungefähr ist sie von ihm, das schlägt‘s zwölf Uhr auf dem Turm des Glockenbergs und als er den letzten Schlag hört, da ist alles verschwunden auf einmal und der Berg schwarz und finster. Die Sterne gucken hier und da aus den Wolken und jenseits, dort wo der Morgen liegt, geht der Mond auf. Der Schneider kann auch aufstehen und macht sich gleich nach Andreasberg hinein.
    Da begegnet ihm der Wächter. Der Schneider bittet ihn, er möchte ihm doch ein Nachtlager verschaffen. Der bringt ihn hin nach seinem Nachtwächterquatier und da bleibt der Schneider bis des Morgens. Sagt aber kein Wort, was ihm passiert ist. Des anderen Morgens, so gegen zehn geht er zum Pastor und erzählt ihm den Vorfall auf dem Frau Hollenplatz. Der Pastor sagt, er wolle diesen Abend mit hin, dann würden sie sehen, was sich tun ließe. Der Schneider solle nur nicht bange sein. Die Kröte wäre gewiss verwünscht, und er (der Schneider) müsse sie erlösen. Dazu gehöre aber Herzhaftigkeit, auch dürfe er nicht sprechen, sonst wäre alles verloren. Ja, sagte der Schneider, er wolle alle seinen Mut zusammennehmen. Es wäre die Kröte aber ein scheußliches Ungetüm.
    Wenn‘s dass auch wäre, sagt der Pastor, so müsse er sie doch küssen. Das Abends halb elf geben sie mit einander nach der Stelle, setzen sich nebeneinander auf die Erde und der Pastor sagt nochmals zum Schneider: „Wenn ich nun in diesem Buche lese, so bist du ganz stille, lässt kommen, was kommt und wenn dich die Kröte auch halb tot macht, du sollst sehen, es ist dein und mein Glück, auch der Kröte ihrs, dann sind wir alle reich. Dahinter steckt sicher irgend etwas.“ Der Schneider verspricht auch dem Rat zu folgen.
    So warten sie, bis es elf schlägt. Mit dem Schlag elf wird der Berg nach und nach hell und heller und diesmal noch viel heller, als das vorige Mal. Sie sehen schon die Kröte, wie sie den Berg langsam hinauf kriecht; diesmal ist sie auch viel feuriger und abscheulicher, kommt auch schneller heran. Der Pastor liest was er kann und sucht den Schneider zu stärken, sieht ihn öfter tröstend an und winkt ihm, dass er ja Mut behielte.
    Endlich kommt sie so nahe, dass sie dem Schneider auf die Beine mit ihren glühenden Pfoten tritt. Er fühlt den heißen, giftigen Hauch aus ihrem Feuerrachen, sie steigt höher an ihn hinauf. Ihm schlägt das Herz. Der Pastor liest und liest und sieht ihn scharf an, als wolle er sagen: „Du, halt aus, zieh nicht weg.“
    Am Ende kommt sie ihm fast an den Mund, ihr Hauch riecht nach Schwefel, es dämpft ihm bald den Atem ab. Da will sie ihn küssen. Aber nun kann er es nicht mehr aushalten , voll Abscheu wendet er das Gesicht weg und da schlägt‘s zwölf. So wie‘s den letzten Schlag tut, da ist Alles verschwunden und der Pastor sagt voller Verdruss und Ärger: „Nein, so ein Narr, solch eine Memme, wie der Schneider, sowas gibt‘s nicht weiter. Nur noch einen Augenblick hätte er aushalten sollen, so wäre Alles geschehen.“ Der Schneider sagt aber, wenn er sich nicht abgewandt hätte, so hätte er ersticken müssen. Es ist nun vergebens gewesen, so gehen sie also mit einander nach Haus und am folgenden Abend um dieselbe Zeit nochmals hin. Alles kommt wieder so. Der Berg wird aber diesmal so glühend, dass es wie Tag gewesen ist, und die Kröte brennt über und über. Der Schneider nimmt sich vor, er will‘s diesmal besser machen. Hält auch aus bis dahin, dass ihn die Kröte fast mit ihrem Rachen berührt, da verlässt ihn aber der Mut und er wendet das Gesicht wieder ab, und in dem Augenblick schlägt es wieder zwölf und Alles ist verschwunden.
    Nun hört man in der Ferne ein Heulen und ein Schreien, als wenn ein Mädchen heftig weint. Da sagt der Pastor: „Jetzt ist Alles vorbei und unser Angst und Mühe ist vergeblich, und das Geschöpf muss verwünscht bleiben.“
    Von der Zeit an hat man nichts wieder davon gehört und der Berg ist nie wieder rot geworden, außer des Abends, wenn die Sonne recht rot unterging, dann hat auch wohl noch einmal der Berg etwas rot ausgesehen. Der Schneider ist weiter gezogen, hat aber den Vorfall in Andreasberg seinem Wirt erzählt, bei dem er die Tage hindurch gewesen ist, und der hat‘s wieder erzählt.
    (nach August Ey)
    7 min

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