Maschinenraum

Hass, Hetze und digitale Schutzräume. Mit Sara Egetemeyr


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Gast: Sarah Egetemeyr, Gründerin & CEO Penemue

Host: Marten Neelsen, Kommunikationsberater und Kolumnist

Penemue und digitale Schutzsysteme

  • Egetemeyr beschreibt Penemue als KI-basiertes Schutzunternehmen, das Hassnachrichten filtert, Betroffene priorisiert und strafbare Inhalte automatisiert an Staatsanwaltschaften meldet [ca. 00:01:21].
  • Die Plattform soll öffentlichen Personen ermöglichen, schwere Delikte selektiv zu verfolgen und niedrigschwellige Anzeigewege zu nutzen [ca. 00:02:00].
  • Desinformation als Brandbeschleuniger

    • Am Beispiel der Diffamierungskampagne gegen Brosius-Gersdorf zeigt sie, wie Falschmeldungen Hasswellen auslösen und Kandidaturen beenden können [ca. 00:02:50].
    • Fälle wie die Plagiatsvorwürfe gegen Frau Förder-Schmidt, manipulierte Zitate bei Renate Künast und die Waffenlobby-Erzählung rund um Agnes Strack-Zimmermann dokumentieren die Dynamik „Desinformation zuerst, Hass danach“ [ca. 00:03:10–00:04:48].
    • Studien des MIT belegen, dass Desinformation sich sechs- bis zehnmal schneller verbreitet als Korrekturen – ein Trend, der seit ChatGPT und TikTok noch kaum erforscht ist [ca. 00:05:22].
    • Meinung, Algorithmus, Echokammer

      • Egetemeyr trennt legitime Streitkultur von Manipulation: Geht es um Argumente oder darum, Personen zu diskreditieren und mundtot zu machen? [ca. 00:06:39]
      • Plattformen wie X und Meta deregulieren ihren Fact-Checking-Apparat; emotionalisierte Inhalte erzeugen mehr Interaktion und begünstigen Hass-Kaskaden [ca. 00:06:05–00:06:19].
      • Algorithmische Echokammern verstärken Extrempositionen; stilles „Lurking“ lässt laute Minderheiten wie Mehrheiten wirken [ca. 00:07:04 & 00:19:04].
      • Digitale Zivilcourage und Moderation

        • Counterspeech im Kommentarbereich hilft Betroffenen messbar, solange problematische Posts nicht durch Shares weiterverbreitet werden [ca. 00:17:24].
        • Polisphere-Analysen zeigen, dass Unterstützungsbotschaften für Journalistinnen wie Dunja Hayali selten sind; positive Communitys können Hasskommentare teilweise selbst regulieren [ca. 00:17:00–00:21:50].
        • Creator*innen sollten Moderation ernst nehmen: Ragebait und bewusst zugelassener Hass vertreiben Zielgruppen und Markenpartner [ca. 00:21:00–00:22:30].
        • Digitale Gewalt definieren

          • Hate Speech umfasst gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, doch digitale Gewalt reicht weiter: Doxing, intime Bildfälschungen und KI-basierte Fake-Pornos zerstören Existenzen [ca. 00:25:08–00:27:04].
          • Besonders betroffen sind Frauen, queere Menschen, Personen mit sichtbarem Migrationshintergrund sowie Profi-Sportler, die nach Fehlern Morddrohungen erhalten [ca. 00:27:04–00:28:00].
          • Hass schreckt potenzielle Nachwuchskräfte – etwa junge Kommunalpolitikerinnen – ab und reduziert Vielfalt im öffentlichen Raum [ca. 00:26:20–00:27:40].
          • Verantwortung von Institutionen & Rechtsstaat

            • Arbeitgeber, Parteien, Redaktionen und Vereine sollen digitale Schutzmaßnahmen finanzieren, statt Betroffene allein zu lassen [ca. 00:30:00–00:30:40].
            • Der Digital Services Act verpflichtet Plattformen zwar zu Meldewegen, wird aber bislang nur zögerlich umgesetzt; deshalb setzt PandemU auf direkte Kooperation mit Justizbehörden [ca. 00:28:54–00:30:50].
            • Mehr Anzeigen würden Abschreckung schaffen: Aktuell wird nur etwa ein Prozent der strafbaren Hassdelikte gemeldet [ca. 00:31:40].
            • Meinungsfreiheit vs. Hass-Narrative

              • Die Behauptung „man darf nichts mehr sagen“ dient laut Egetemeyr häufig dazu, Schutzinstitutionen zu diskreditieren, obwohl selbst radikale Akteure regelmäßig Beleidigungen anzeigen lassen [ca. 00:32:27–00:34:32].
              • Hate Speech zerstört letztlich die freie Meinungsäußerung, weil bedrohte Stimmen sich zurückziehen („lauter Hass, leiser Rückzug“) [ca. 00:36:40].
              • Regelwerke fördern respektvolle Debatten: Wer wiederholt unter der Gürtellinie kommentiert, verliert den Zugang; Anpassungsbereitschaft zeigt, dass konstruktive Kritik weiterhin möglich ist [ca. 00:35:00–00:36:00].
              • Ausblick & Hilfe für Betroffene

                • KI-gestützte Bild- und Videomanipulationen, insbesondere sexualisierte Deepfakes, gelten als größtes zukünftiges Gefahrenfeld [ca. 00:37:20–00:38:04].
                • Betroffene sollen frühzeitig Präventionssoftware nutzen, Beratungsstellen kontaktieren und konsequent Anzeigen erstatten, statt Angriffe allein auszuhalten [ca. 00:38:24].
                • Egetemeyr ruft zu Solidarität auf: Digitale Schutzräume sichern demokratische Teilhabe, bevor Hass aus dem Netz auf die Straße schwappt [ca. 00:39:00].
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