Maschinenraum

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Maschinenraum episodes

  • KI, AfD, Wirtschaftskrise: Worauf die Public Affairs antworten müssen. Mit Wigan Salazar

    Gast: Wigan Salazar, CEO der Kommunikationsagentur MSL in Deutschland

    Host: Konrad Göke, Chefredakteur von p&k
    Co-Host: Volker Thoms, Chefredakteur des Magazins KOM

    25 Jahre im Maschinenraum der Kommunikation:

    • [ca. 00:01:24] Das klassische Hinterzimmer habe sich auf WhatsApp und Signal verlagert, berichtet Salazar: CDU und SPD seien stark auf WhatsApp, die Grünen eher auf Threema, Signal oder SMS.
    • [ca. 00:01:52] Es gehe dabei weniger um Verschwiegenheit als um Geschwindigkeit, betont er, denn substanzielle Gespräche seien ohnehin lobbyregisterpflichtig.
    • [ca. 00:02:46] Schon Anfang der 2000er habe man eine mediale Beschleunigung gespürt (Montags-Spiegel, Bild am Sonntag); mit Twitter und Social Media habe sich das noch einmal deutlich verschärft.
    • Wirtschaftskrise und Lobbying:

      • [ca. 00:04:30] Ob eine unionsgeführte Regierung der Wirtschaft mehr Gehör verschaffe, verneint Salazar: Auch das Ampel-Kanzleramt sei pragmatisch gewesen, es gebe jetzt aber einen größeren wirtschaftsfreundlichen Resonanzkörper.
      • [ca. 00:05:26] Als Hauptanliegen der Kunden nennt er die geplanten Verbrauchssteuern auf Zucker, Spirituosen und Tabak sowie den Wunsch nach Verwaltungsvereinfachung.
      • [ca. 00:06:14] Die jahrelange „Linearität" immer neuer Regulierung, Europa als „regulatorische Supermacht", sei aufgebrochen; Stichwort „Stop the Clock", das mache Lobbying gerade wieder interessant.
      • [ca. 00:07:30] Selbstkritisch räumt er ein, Verbände und Unternehmen hätten früh gewarnt, aber „nicht robust genug" gehalten.
      • Nachhaltigkeit und Haltung:

        • [ca. 00:10:09] Der menschengemachte Klimawandel lasse sich nicht leugnen, sagt Salazar; die eigentliche Frage seien die Instrumente und ob deutsche Sonderwege sinnvoll seien.
        • [ca. 00:10:49] Ein Grundproblem der Haltungskommunikation sei, dass sie oft nicht aus innerer Überzeugung, sondern aus mitgegangenen Moden entstanden sei.
        • [ca. 00:11:13] Ob im Unternehmen „gegendert" werde, müsse keine Konzernzentrale vorschreiben; über solche „Scharmützel" sei zu viel Zeit verloren gegangen.
        • Die Grenze zur AfD:

          • [ca. 00:12:10] Aus der MSL-Policy zitiert das Gespräch wörtlich, es sei untersagt, „proaktive Ansprachen" an Abgeordnete oder Funktionsträger der AfD zu richten; das gelte weiterhin, bekräftigt Salazar.
          • [ca. 00:12:50] Er unterscheidet klar: Sich mit der AfD aufs Podium zu setzen und hart zu streiten sei richtig, aber ein Unternehmen dürfe nicht von sich aus mit einem Lobbythema auf die Partei zugehen.
          • [ca. 00:13:26] Wer der AfD vorab Legitimität verschaffe, beschleunige ihren Aufstieg und „macht sich mitschuldig", so sein Urteil.
          • [ca. 00:14:20] Auf den Verteilern für Veranstaltungen stehe die AfD nicht; die Lobbyarbeit konzentriere sich auf die beiden Koalitionsparteien und die Grünen als mögliche künftige Regierungspartei.
          • Wachsende AfD-Sympathie im Mittelstand:

            • [ca. 00:15:18] Die Stimmung wandele sich vor allem im Mittelstand und im Handwerk, beobachtet Salazar, weniger bei den großen Konzernen.
            • [ca. 00:16:13] Als Gründe nennt er die fehlende parlamentarische Opposition nach dem Aus der FDP und den Reformstau.
            • [ca. 00:16:53] Viele unterlägen dem „Fehlschluss", die AfD ähnele FDP oder Union, eine naive Vorstellung, weil die Partei wirtschaftspolitisch uneins sei und andere problematische Seiten habe.
            • Szenario: Die AfD führt ein Bundesland:

              • [ca. 00:19:53] Als Worst Case zeichnet Salazar nicht nur einen Rechtsruck in Sachsen-Anhalt, sondern auch eine Gegenreaktion mit einem linksgeführten Senat in Berlin, die er ebenfalls für schädlich hält.
              • [ca. 00:20:17] Die Ministerpräsidentenkonferenz wäre zunächst nicht mehr arbeitsfähig, weil Sachsen-Anhalt den Vorsitz übernähme.
              • [ca. 00:20:29] Der Bund werde weiter Bundesratsmehrheiten finden; „ignorieren" und der Umgang mit der Institution Bundesland würden zur Kernkompetenz.
              • KI verändert das Agenturgeschäft:

                • [ca. 00:21:29] Der Stellenabbau im Peer-Ranking gehe auf einen doppelten Effekt zurück, erläutert Salazar, den KI-Effekt und die Wirtschaftskrise, wobei der wirtschaftliche Faktor größer sei.
                • [ca. 00:23:52] „Claude ist ein guter Freund geworden", sagt er über seine tägliche KI-Nutzung, warnt aber: Ohne eigene Ideen und Formulierungen werde das Ergebnis „fad".
                • [ca. 00:24:14] Das echte Problem sei die Ausbildung des Nachwuchses: Wie sollen Berufsanfänger noch das Qualitätsgefühl erlernen, das Seniors sich früher durch harte Arbeit an vielen Meldungen angeeignet haben?
                • [ca. 00:25:49] Zu Matthias Wesselmanns These vom veränderten Honorarmodell sagt Salazar, eine Flat Fee sei nicht immer sinnvoll; für ein verkehrspolitisches Mandat habe er jüngst fünf Stunden zum Lesen des Gesetzestextes eingeplant, Arbeit, die KI nicht abnehme.
                • KI in Politik und Journalismus:

                  • [ca. 00:27:50] Die Aufregung über KI in Reden von Politikern nennt Salazar „in gewisser Weise lächerlich und auch altmodisch", entscheidend sei die Qualitätssicherung: „Dann heißt der Redenschreiber halt Claude."
                  • [ca. 00:31:19] Dass Bindestriche und fehlerfreie Rechtschreibung heute als KI-Signale gälten, finde er als Perfektionist „sehr schade"; bewusst Fehler einzubauen, um menschlich zu wirken, lehne er ab.
                  • [ca. 00:32:34] Im Wahlkampf werde die Jagd nach KI-Spuren ganz sicher zum Bloßstellen genutzt, prognostiziert er; dagegen helfe nur, dass ein Mensch die Verantwortung sichtbar übernimmt.
                  • Sprache, Teams und der Karrieretipp:

                    • [ca. 00:34:56] MSL arbeite bewusst sehr deutschsprachig, erklärt Salazar, weil Medien, Influencer und Politik klare Formulierungen verlangten; international sei man deutsch-englisch aufgestellt.
                    • [ca. 00:36:07] Salazar warnt Unternehmen davor, nur noch Englisch zu sprechen: Das sei „zu faul", denn Sprache bleibe „der wichtigste Schlüssel zur Integration".
                    • [ca. 00:36:38] KI-Kompetenz frage er im Vorstellungsgespräch noch nicht ab, gibt er zu, obwohl er jedes letzte Gespräch selbst führe, ein offener Punkt fürs Follow-up.
                    • [ca. 00:37:22] Sein Karrieretipp: Neugier, viel lesen und konsumieren, rausgehen und Menschen kennenlernen, denn in der KI-Welt zähle die Fähigkeit, Urteile zu fällen und Verbindungen herzustellen.
                    • 39 min
                    • Deutschland im Ernstfall. Mit Oberst Häußermann und Professor Oltmanns

                      Gast: Kai Ingmar Häußermann, Oberst i.G. und Leiter des Logistikreferats im Bundesministerium der Verteidigung; Torsten Oltmanns, Professor an der Quadriga Hochschule Berlin und Managing Partner des Zentrums für nachhaltige Transformation

                      Host: Konrad Göke, Chefredakteur von politik&kommunikation

                      Der Ernstfall als Logistikproblem:

                      • [ca. 00:00:00] Konrad Göke eröffnet mit der Frage, wie verteidigungsfähig Deutschland wirklich sei: nicht "auf dem Papier", sondern operativ, logistisch und gesellschaftlich.
                      • [ca. 00:01:10] Die abgesagte Tomahawk-Stationierung sei für Oberst i.G. Häußermann vor allem ein Hinweis auf die größere Frage, wie stark der amerikanische Beitrag zur Verteidigung Europas künftig bleibe; für die Drehscheibe Deutschland seien US-Streitkräfte der wichtigste Kunde.
                      • [ca. 00:03:00] Zwischen "warmen Worten" und "wir sind schon fertig" liege für Prof. Oltmanns die Realität der Zeitenwende: erstaunlich viel bewege sich, aber der Umbau werde lange dauern.
                      • Operationsplan Deutschland:

                        • [ca. 00:04:45] Oberst i.G. Häußermann ordnet den Operationsplan Deutschland als militärischen Anteil der Gesamtverteidigung ein: Er bündele NATO-Verlegungen, nationale Verteidigungsaufgaben und den Schutz verteidigungswichtiger Infrastruktur.
                        • [ca. 00:04:45] Dass der Plan bereits überarbeitet werde, sei kein Zeichen des Scheiterns, sondern normal: "Jeder Operationsplan überlebt den Kontakt mit der Realität nur für wenige Minuten", sagt Oberst i.G. Häußermann.
                        • [ca. 00:07:10] Aus der abstrakten Drehscheibe werden konkrete Orte: Schwere Fahrzeuge müssen auf die Schiene, Marschkonvois auf die Autobahn, Soldaten brauchen Treibstoff, Essen, Schlafplätze und Absicherung.
                        • [ca. 00:07:10] Konvoi-Support-Center seien im Kern "militärische Raststätten", erklärt Oberst i.G. Häußermann: Orte, an denen Verbände anhalten, übernachten, versorgt und weitergeschleust werden.
                        • Eine Stadt zieht nach Osten:

                          • [ca. 00:09:35] Prof. Oltmanns macht die Dimension greifbar: Neben rund 200.000 deutschen Soldatinnen und Soldaten müssten im Bündnisfall etwa 600.000 weitere alliierte Kräfte durch Deutschland, "im Grunde eine ganze Stadt wie Frankfurt".
                          • [ca. 00:09:35] Der Rest des Landes bleibe dabei nicht stehen, erinnert Prof. Oltmanns: Menschen fahren weiter zur Arbeit, in den Urlaub oder zu den Großeltern, während Soldaten, Fahrzeuge und Gerät nach Osten bewegt werden.
                          • [ca. 00:14:05] Die Verlegung solle idealerweise noch im Frieden stattfinden, damit Abschreckung wirke und Russland die Botschaft bekomme: "Den Angriff lasst lieber bleiben", sagt Oberst i.G. Häußermann.
                          • [ca. 00:36:40] Host Nation Support bedeutet für Oberst i.G. Häußermann nicht nur Straßen und Schienen, sondern auch Verpflegung, medizinische Versorgung, Bahntransporte, Häfen, Flughäfen und koordinierte Verträge mit privaten Dienstleistern.
                          • Geheim, aber anschlussfähig:

                            • [ca. 00:30:25] Der Operationsplan sei als Gesamtdokument geheim, weil er einem Gegner zeigen würde, wie Deutschland nationale Verteidigung und NATO-Aufmarsch organisiert, erklärt Oberst i.G. Häußermann.
                            • [ca. 00:31:35] Gleichzeitig könne Geheimhaltung nicht heißen, dass zivile Akteure blind bleiben: "Wir sprechen die an, die es wissen müssen", sagt Oberst i.G. Häußermann über Landkreise, Kommunen und Unternehmen.
                            • [ca. 00:33:30] Ein Unternehmen müsse nicht den ganzen Plan kennen, aber sehr genau wissen, welche Leistung es wann, wo und wie für die Bundeswehr abrufbar machen soll, betont Oberst i.G. Häußermann.
                            • [ca. 00:35:00] Zu den konkreten Vorhalteleistungen gehören mobile Tankstellen, Dixie-Module, Absicherung und Bahntransporte, die nicht irgendwann, sondern binnen Tagen bis wenigen Wochen verfügbar sein müssten.
                            • Dixiklos, Daten und Kaltstart:

                              • [ca. 00:11:05] Finnland beeindruckt Prof. Oltmanns gerade deshalb, weil dort Vorbereitung nicht militaristisch wirke: Führungskräfte aus Unternehmen, Militär und Politik würden gemeinsam üben, und selbst beim Brotkauf könne Vorsorge mitfinanziert werden.
                              • [ca. 00:11:05] Bei Vorhalteverträgen seien andere Länder nüchterner, sagt Prof. Oltmanns; Deutschland tue sich schwer, Geld für Bereitschaft zu zahlen, obwohl Busse, Lkw oder Logistikleistungen im Ernstfall nicht erst gesucht werden könnten.
                              • [ca. 00:24:30] Prof. Oltmanns kritisiert den deutschen Reflex, zunächst "erst mal alles" abzufragen, statt von den Prozessen her zu denken: Welche Route, welcher Hafen, welcher Bedarf und welche Ausweichoption werden wirklich gebraucht?
                              • [ca. 00:26:00] Als Beispiel erzählt Prof. Oltmanns von einem Oberstleutnant der Reserve, der per Fax erfragen ließ, wie viele Dixiklos vor Gemeinden passen; für ihn ist das eine anschauliche Warnung vor Planung, die im Kleinen stecken bleibt.
                              • [ca. 00:40:40] Kaltstartfähigkeit heißt für Prof. Oltmanns, sofort auf 100 Prozent Leistung zu kommen; Oberst i.G. Häußermann spricht lieber von Reaktionsfähigkeit, weil ein echter Kaltstart militärisch schon ein Versagen der Frühwarnung wäre.
                              • [ca. 00:40:40] Ein ziviler Hafen müsse im Krisenfall so alarmierbar sein wie ein militärischer Verband, sagt Oberst i.G. Häußermann: vom Lotsen bis zum Bediener eines Containerumschlaggeräts.
                              • Vom Mallorca-Reflex zur Gesamtverteidigung:

                                • [ca. 00:16:10] In Deutschland begegne ihm noch oft die Haltung, "das übernehmen dann die Spezialisten", sagt Oberst i.G. Häußermann: Die Bundeswehr gehe an die Ostflanke, der Rest fliege nach Mallorca - ein aus seiner Sicht unrealistisches Bild.
                                • [ca. 00:16:10] Deutschland sei nicht Frontstaat, aber Operationsgebiet, warnt Oberst i.G. Häußermann: NATO-Kampfflugzeuge würden von hier starten, der logistische Aufmarsch finde im Kern in Deutschland statt.
                                • [ca. 00:20:20] Unternehmen sollten deshalb nicht nur auf Bundeswehrverträge schauen, sondern zuerst ihre eigene Resilienz prüfen: Lieferketten, Cyberangriffe, Energieversorgung, Mitarbeitersicherheit und die Frage, wer überhaupt verfügbar ist.
                                • [ca. 00:49:20] Fahrer aus Polen oder Rumänien, Reservisten, Feuerwehrleute oder Helfer des Roten Kreuzes könnten im Krisenfall fehlen, sagt Prof. Oltmanns; dann müssten weniger Menschen gleichzeitig mehr leisten.
                                • Zivilschutz und verletzliche Effizienz:

                                  • [ca. 00:46:55] Die staatlichen Leitfäden zur privaten Vorsorge seien zwar bekannt, aber kaum gelesen, beobachtet Prof. Oltmanns: Er kenne "eigentlich niemanden", der sie wirklich durchgearbeitet habe.
                                  • [ca. 00:46:55] Für Haushalte gehe es zunächst um Wasser, haltbare Vorräte, einen Kocher und die Frage, ob man eine Woche allein klarkomme; entscheidend sei aber auch mentale Vorbereitung, nicht nur ein Kellerregal.
                                  • [ca. 00:54:00] Oberst i.G. Häußermann fordert eine altersgerechte Debatte in Schulen darüber, wie moderne Kriege aussehen; die Ukraine zeige, dass auch Zivilisten und verwundbare Infrastruktur gezielt betroffen seien.
                                  • [ca. 00:54:00] Es sei "völlig abwegig" zu glauben, ein Konflikt mit Russland würde Deutschland anders treffen als die Ukraine, falls Abschreckung scheitere, warnt Oberst i.G. Häußermann.
                                  • [ca. 00:56:20] Das Ahrtal zeigt für Oberst i.G. Häußermann, wie schnell ein effizientes System kippt: Innerhalb von 24 Stunden seien alle Tankstellen leer gewesen, weil Hilfskräfte, zivile Helfer und Bauern mit Treckern gleichzeitig Benzin brauchten.
                                  • [ca. 00:56:20] "Es gibt gar nicht so viel, was es braucht, um unser Land zum Stocken zu bringen", sagt Oberst i.G. Häußermann und beschreibt Deutschland als sehr gut organisiert, aber gerade deshalb verletzlich.
                                  • [ca. 00:58:00] Prof. Oltmanns hält den geringen Haushaltsansatz für Zivilschutz für unzureichend; nötig seien mehr Übungen, digitale Vernetzung und Systeme, die nicht erst tagelang Zuständigkeiten klären.
                                  • [ca. 01:00:35] Konrad Göke zieht das Fazit, dass Deutschland erste Schritte gemacht habe, aber militärische Planung, zivile Vorbereitung, Wirtschaft und Gesellschaft noch lange nicht ausreichend zusammengedacht seien.
                                  • 1 hr 2 min
                                  • Was Deutschland aus Orbáns Niederlage lernen kann. Mit Timo Lochocki

                                    Gast: Prof. Dr. Timo Lochocki, Professor für Politikwissenschaft und Public Affairs an der Quadriga Hochschule in Berlin.

                                    Host: Konrad Göke, Chefredakteur von Politik & Kommunikation

                                    Redaktion und Artwork: Fabian Schwabbauer

                                    Orbáns Niederlage und die Lehren aus Ungarn:

                                    • [ca. 00:00:59] Prof. Dr. Timo Lochocki ordnet Viktor Orbáns schnelle Niederlage als Folge der Eindeutigkeit des Wahlergebnisses ein.
                                    • [ca. 00:02:17] Er betont, Ungarn sei bislang der einzige Fall, in dem eine autoritär-populistische Regierung abgewählt worden sei.
                                    • [ca. 00:03:47] Als Erfolgsrezept nennt er eine gut organisierte Mittekraft und den Fokus auf ökonomische Alltagsprobleme statt Kulturkampf.
                                    • Was deutsche Parteien daraus lernen können:

                                      • [ca. 00:05:30] Lochocki kritisiert, dass deutsche Parteien zu oft symbolische Konflikte über Migration, Gender oder Außenpolitik führten, statt konkrete Alltagsprobleme zu lösen.
                                      • [ca. 00:12:34] Für Deutschland sei entscheidend, den Kulturkampf einzustellen und eine gemeinsame ökonomische Reformagenda in den Vordergrund zu rücken.
                                      • [ca. 00:14:16] Deutschland müsse dabei mitdenken, wie seine Innenpolitik proeuropäischen und prodemokratischen Kräften in anderen Staaten nützt.
                                      • Vertrauen, Staatsumbau und Parteiensystem:

                                        • [ca. 00:16:32] Prof. Dr. Timo Lochocki verweist auf sinkendes Vertrauen in politische Institutionen und die wachsende Reformlast für die Mitteparteien.
                                        • [ca. 00:17:42] Er argumentiert, Deutschland brauche einen tiefgreifenden Staatsumbau, um auf Krisen, Globalisierung und sicherheitspolitischen Druck reagieren zu können.
                                        • [ca. 00:18:56] Neue Parteien hält er für wenig wahrscheinlich; realistischer sei eine programmatische und personelle Erneuerung der großen Parteien.
                                        • Kommunikation und Europas Machtfragen:

                                          • [ca. 00:21:47] Die Stärke der ungarischen Opposition in sozialen Medien wertet er als wichtigen Erfolgsfaktor gegen ein kontrolliertes Mediensystem.
                                          • [ca. 00:22:29] Deutsche Parteien müssten digital aufholen, auch wenn das populistische Potenzial hier geringer sei als in Frankreich oder den USA.
                                          • [ca. 00:24:15] Deutschland müsse Innen- und Außenpolitik zusammendenken, weil seine Entscheidungen direkte Folgen für andere europäische Demokratien hätten.
                                          • [ca. 00:26:57] Den blinden Fleck deutscher Politik erklärt Lochocki damit, dass Deutschland seine eigene Machtrolle in Europa noch immer nicht realistisch anerkenne.
                                          • 28 min
                                          • Fakten und Fakes - Trailer
                                            Kolumnist und Berater Marten Neelsen bespricht die zentralen Erkenntnisse seiner Serie "Fakten und Fakes" mit p&k-Chefredakteur Konrad Göke.

                                            Gast: Marten Neelsen, Kommunikationsberater und Kolumnist bei Politik & Kommunikation.

                                            Host: Konrad Göke, Chefredakteur von Politik & Kommunikation

                                            Warum diese Staffel jetzt kommt:

                                            • [ca. 00:00:13] Konrad Göke eröffnet den Trailer mit der Leitfrage der Reihe: Was machen Desinformation, digitale Manipulation und KI mit Demokratie, Medien und Alltag?
                                            • [ca. 00:00:55] Marten Neelsen erklärt, warum Desinformation längst kein Randthema mehr ist, sondern Unternehmen, Redaktionen, Verwaltungen und die Bevölkerung zugleich betrifft.
                                            • [ca. 00:01:31] Mit KI sei ein massiver Beschleuniger hinzugekommen, der Bilder, Stimmen und Narrative schneller und überzeugender produzierbar macht.
                                            • Die Leitfrage der Serie:

                                              • [ca. 00:02:20] Neelsen fragt, wie eine demokratische Öffentlichkeit handlungsfähig bleibt, wenn Manipulation billiger, emotionaler und skalierbarer wird.
                                              • [ca. 00:02:48] Dafür versammelt die Reihe Perspektiven aus Forschung, Journalismus, Krisenmanagement, politischer Praxis und strategischer Kommunikation.
                                              • [ca. 00:03:07] Über alle Gespräche hinweg wiederholen sich laut ihm dieselben Muster: Geschwindigkeit, Überforderung, Vertrauensverlust und die Macht emotionaler Erzählungen.
                                              • Was die Staffel zeigt:

                                                • [ca. 00:03:38] Viele Gäste betonen, dass nicht der perfekte Fake die größte Gefahr ist, sondern die schiere Menge an Bildern, Clips, Gerüchten und Zuspitzungen.
                                                • [ca. 00:04:19] Zugleich gibt es Gegenmittel: Resilienz, Vorbereitung, Übung und ernst genommene Gegenstrategien.
                                                • Die Gäste der Staffel:

                                                  • [ca. 00:04:50] Dr. Christopher Nehring spricht über Deepfakes und die Flut manipulativer Inhalte.
                                                  • [ca. 00:04:58] David Fischer blickt auf KI im politischen Betrieb und veränderte Wahlkampf- und Kommunikationslogiken.
                                                  • [ca. 00:05:09] Teresa Dapp erklärt Faktenchecks und die Bedeutung von Prebunking.
                                                  • [ca. 00:05:19] Sarah Egetemeyer zeigt, wie digitale Gewalt, Hass und Desinformation zusammenwirken.
                                                  • [ca. 00:05:29] Dr. Katja Muñoz ordnet KI-Content und die Verschiebung unserer Wirklichkeitswahrnehmung ein.
                                                  • [ca. 00:05:36] Sophia Klewer bringt die Perspektive des Krisenmanagements und der Vorsorge in Unternehmen ein.
                                                  • [ca. 00:05:42] Mirko Lange spricht über Vertrauen, rhetorische Verantwortung und seinen Trust Score.
                                                  • [ca. 00:05:55] Johannes Steger zieht die Linie von hybriden Bedrohungen bis zur gesellschaftlichen Destabilisierung.
                                                  • Drei zentrale Learnings:

                                                    • [ca. 00:06:18] Desinformation ist vor allem ein Skalierungsproblem: Gefährlich ist nicht nur die einzelne Lüge, sondern das Gefühl, dass plötzlich nichts mehr sicher einzuordnen ist.
                                                    • [ca. 00:06:39] Fakten allein reichen nicht; nötig sind bessere Routinen, klarere Kommunikation und ein Bewusstsein für die Verbindung von Emotion und Reichweite.
                                                    • [ca. 00:07:11] Vertrauen ist laut Neelsen keine weiche Kategorie, sondern eine zentrale demokratische Ressource, deren systematische Erosion die gesellschaftliche Stabilität angreift.
                                                    • Was Hörer mitnehmen können:

                                                      • [ca. 00:07:45] Die Folgen sollen helfen, Muster zu erkennen: emotionale Übersteuerung, fehlender Kontext und gezielt erzeugte Verwirrung.
                                                      • [ca. 00:08:03] Praktische Antworten reichen von Fact-Checking und Prebunking bis zu Krisentraining, klareren Regeln und besseren Schutzmechanismen.
                                                      • [ca. 00:08:24] Der Podcast will nicht nur alarmieren, sondern Orientierung geben: Das Problem ist groß, aber ihm ist nicht hilflos ausgeliefert.
                                                      • Warum sich die ganze Staffel lohnt:

                                                        • [ca. 00:08:54] Die Reihe betrachtet Desinformation nicht aus nur einer Blase, sondern aus vielen Perspektiven.
                                                        • [ca. 00:09:04] Sie entwirft eine Landkarte der aktuellen Desinformationslage – von Deepfakes über Newsrooms und digitale Gewalt bis zu Krisen, Vertrauen und geopolitischen Fragen.
                                                        • [ca. 00:09:25] Statt abstrakter Warnungen stehen konkrete Beispiele und Stimmen von Menschen im Mittelpunkt, die täglich mit diesen Dynamiken arbeiten.
                                                        • 11 min
                                                        • Vorsorge für den Ernstfall in Deutschland. Mit Johannes Steger

                                                          Gast: Johannes Steger, Head of Digital Crisis Management bei FGS Global

                                                          Host: Marten Neelsen, Kommunikationsberater und Kolumnist

                                                          Hybride Sicherheitslage und Begriffsschärfung

                                                          • [ca. 00:01:35] Johannes Steger erklärt, warum Desinformation und Sicherheitsthemen untrennbar sind und der Sammelbegriff FIMI zielgenauer beschreibt als "Fake News".
                                                          • [ca. 00:02:00] Hinweis auf den ENISA-Bericht: Informationsmanipulation ist integraler Bestandteil vieler Operationen – vom Social Engineering bis zu Cyberangriffen.
                                                          • [ca. 00:03:30] Die Domain "Cyber- und Informationsraum" zwingt laut Steger dazu, beide Dimensionen zusammenzudenken.
                                                          • Geopolitische Angriffe und Narrative

                                                            • [ca. 00:05:50] Kombination von Cyber- und Desinformationsoperationen im Kontext des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
                                                            • [ca. 00:07:10] Übertrag physischer Ereignisse in digitale Räume: antisemitische Vorfälle nach dem 7. Oktober sowie Fake-Narrative über Bankausfälle in Kiew.
                                                            • [ca. 00:15:20] Beispiele für analoge Signale wie graue Graffiti ("Das ist nicht unser Krieg") in Berlin und deren Verstärkung via Social Media.
                                                            • Unternehmen zwischen Risiko und Verantwortung

                                                              • [ca. 00:18:00] Diagnose: Deutschland ist auf koordinierte Einflussoperationen nicht vorbereitet, benötigt aber strategische Kommunikation statt Schweigen.
                                                              • [ca. 00:21:40] Unternehmen müssen Desinformation als Krisentyp ernst nehmen – nicht nur Ransomware, sondern auch Narrative gegen Marken und Führungskräfte.
                                                              • [ca. 00:24:30] Fallbeispiele McDonald's (angeblich kostenlose Menüs für israelische Soldat*innen) und Starbucks (Gratis-Kaffee für Undocumented Immigrants) zeigen, wie schwer sich Falschinformationen einfangen lassen.
                                                              • [ca. 00:28:45] Werkzeugkoffer für den Ernstfall: Krisenübungen, Stakeholder-Mapping und Monitoring entlang der gesamten Lieferkette.
                                                              • Resilienz, Belegschaften und KI

                                                                • [ca. 00:30:50] Desinformation wirkt bis in Teams hinein; Radikalisierung oder interne Gerüchte gefährden kritische Infrastrukturen.
                                                                • [ca. 00:33:00] Medienkompetenz endet meist in der Schulzeit – Unternehmen sollen Weiterbildungen anbieten und gesamtgesellschaftliche Resilienz stärken.
                                                                • [ca. 00:35:10] Sorge vor KI-generierten Deepfakes: Hany Farids "Liars' Dividend" erlaubt Lügnern, reale Inhalte als Fälschung abzutun.
                                                                • [ca. 00:37:00] Forderung nach kontinuierlichem Dialog zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um Wahlprozesse zu schützen und technische Gegenmaßnahmen (z. B. Abschalten manipulativer Bot-Netze) vorzubereiten.
                                                                • 39 min
                                                                • Trust Score für unsere Demokratie. Mit Mirko Lange

                                                                  Gast: Mirko Lange, Gründer Democracy Intelligence / Scompler

                                                                  Host: Marten Neelsen, Kommunikationsberater und Kolumnist

                                                                  Verrohung der Debatten und "Flooding the Zone with Sense"

                                                                  • [ca. 00:01:50] Lange beschreibt die beobachtete Verrohung politischer Kommunikation seit Social Media und Steve Bannons "flooding the zone with shit" und positioniert sein Gegenkonzept "with sense".
                                                                  • [ca. 00:03:20] Beispielhafte Delegitimierungen (u. a. Umgang mit den Grünen, Aussagen von Friedrich Merz) zeigen für ihn eine systematische Grenzverschiebung.
                                                                  • Der Trust Score als Qualitätsmaß für Rhetorik

                                                                    • [ca. 00:04:30] Aufbau der Matrix aus Logos, Ethos und Pathos mit Skala von +2 bis −2; Bezug auf Aristoteles.
                                                                    • [ca. 00:06:40] Visualisierung als Nutri-Score-ähnlicher Ampel, um komplexe Bewertungen verständlich zu machen und Orientierung zu bieten.
                                                                    • [ca. 00:08:00] Warnung vor Relativismus: Ohne normatives Bezugssystem (Freiheitlich-demokratische Grundordnung) lasse sich Wahrheit nicht verteidigen.
                                                                    • Monitoring, Datensätze und Beispiele aus Talkshows

                                                                      • [ca. 00:11:20] Ziel: Panel aller Bundespolitiker:innen, Ministerpräsident:innen und Parteivorsitzenden (>0,5 %) plus 100 Medien, 35 Themenfelder.
                                                                      • [ca. 00:14:30] Vorgehen bei Talkshows (Lanz, Maischberger, Illner, etc.) – Extraktion von 6–10 Kernaussagen pro Auftritt.
                                                                      • [ca. 00:15:20] Positives Beispiel Britta Hasselmann (A-Score) vs. selektive Verzerrung bei Stefan Mayer (Kommunalfinanzen) samt alternativer Formulierungen.
                                                                      • [ca. 00:19:00] Kritik an Schuldzuweisungs-Narrativen und Hinweis auf laufende Marktforschung zu Vertrauensverlust.
                                                                      • Werkzeuge für Redaktionen und Moderation

                                                                        • [ca. 00:21:00] Warum Moderationen in Echtzeit überfordert sind und wie vorbereitende Dossiers bis hin zu Frage-Antwort-Prognosen (z. B. Alice Weidel) helfen sollen.
                                                                        • [ca. 00:22:40] Unterschied zwischen politischem "Spiel" und demokratischen Spielregeln; Bedarf an Schiedsrichterfunktion.
                                                                        • [ca. 00:23:30] Vergleich mit 1,5°-Ziel: Desinformation lässt sich nicht verbieten, wohl aber markieren und transparent machen (Artikel 5 GG).
                                                                        • Mehr als Fact-Checking: Trainings- und Qualitätsplattform

                                                                          • [ca. 00:25:00] Abgrenzung zum klassischen Faktencheck, Betonung der demokratischen Qualität einer Aussage.
                                                                          • [ca. 00:26:00] Beispiele: Richtige Fakten in toxischer Tonalität vs. falsche Fakten mit gemeinsinnstiftender Ansprache ("Wir schaffen das").
                                                                          • [ca. 00:28:00] Vision eines Knowledge Graphs mit Millionen Datenpunkten und über 60 identifizierten Desinformationstaktiken.
                                                                          • [ca. 00:29:00] Medien und Kommunikator:innen sollen die Tests selbst anwenden, um Sprache präzise zu justieren.
                                                                          • Normatives Fundament und Kritik an Neutralitätsforderungen

                                                                            • [ca. 00:30:40] Lange nennt sein Vorgehen explizit normativ, nicht "neutral", und beruft sich auf Artikel 1, 3 und 20 GG als unverhandelbare Leitplanken.
                                                                            • [ca. 00:32:30] Diskussion über deliberative Demokratie nach Jürgen Habermas vs. parteipolitische Wirklichkeit; Ziel ist Transparenz über rhetorische "A- bis E-Lebensmittel".
                                                                            • Demokratie-Matrix und Kipppunkte

                                                                              • [ca. 00:36:40] Vorstellung einer täglichen Demokratie-Umfrage (10.000 Teilnehmende) zu konstruktiven, ambivalenten und destruktiven Haltungen.
                                                                              • [ca. 00:37:30] Aktuelle Werte (21 % destruktiv, 12 % dysfunktional) gelten als Warnsignal vor einem demokratischen Kipppunkt.
                                                                              • [ca. 00:38:20] Hoffnung liegt in systemischem Gegensteuern, mehr Streitkultur (faktisch wahr, wertschätzend, gemeinsinnstiftend) und Beteiligung an democracy-intelligence.de.
                                                                              • 41 min
                                                                              • Krisensimulation gegen Desinformation. Mit Sophia Klewer

                                                                                Gast: Sophia Klewer, Chief Operating Officer bei Privacy

                                                                                Host: Marten Neelsen, Kommunikationsberater und Kolumnist

                                                                                Deepfake-Alarm und Setting

                                                                                • [ca. 00:00:30] Marten Neelsen startet mit einem täuschend echten Deepfake über einen vermeintlichen Trading-Tipp und ordnet ein, wie leicht Prominente für Betrugsmaschen instrumentalisiert werden.
                                                                                • [ca. 00:01:25] Vorstellung von Sophia Klewer samt Funktionen bei Privacy, der Leipzig School of Media, The Forum und Crisis Lab als Beleg für ihre Praxisnähe in Simulationen.
                                                                                • Digitale Gefahrenlage in Unternehmen

                                                                                  • [ca. 00:03:20] Sophia beschreibt den Shift von klassischen Ereignissen wie Produktionsbränden hin zu kommunikativen Krisen mit digitalen „Abziehbildern“ jeder Lage.
                                                                                  • [ca. 00:06:40] Trotz geopolitischer Bedrohungen unterschätzen Mittelständler laut Sophia weiterhin ihr Risiko – ähnlich wie in der Frühphase von Cyberangriffen.
                                                                                  • Angriffsformen, Motive und Beispiele

                                                                                    • [ca. 00:08:30] Angriffe reichen von Marktmanipulation über Proxy-Attacken auf Lieferketten bis zu Deepfake-gestütztem CEO-Fraud.
                                                                                    • [ca. 00:10:50] Beispiele: Bodylotion, die angeblich Spinnen anzieht, und ein Möbelhaus, das von QAnon als Tarnung für Menschenhandel diffamiert wird – Emotionen treiben Viralität.
                                                                                    • Reaktionsfähigkeit und Training

                                                                                      • [ca. 00:15:25] Größte Herausforderung ist die schnelle Faktenlage: Deutungshoheit sichern, Belege liefern und parallel intern wie extern Vertrauen schaffen.
                                                                                      • [ca. 00:18:30] Privacy simuliert Krisen über ein synthetisches Internet; Übungen offenbaren Schwachstellen bei Abstimmungen mit Legal, Fach-Expertinnen und Krisenstäben.
                                                                                      • [ca. 00:22:20] Interne Kommunikation entscheidet mit: Falsche Narrative dürfen Belegschaften nicht zerlegen, sonst verpufft jede externe Stellungnahme.
                                                                                      • Prävention, Recht und Kultur

                                                                                        • [ca. 00:23:30] Eskalationsstufen helfen zu entscheiden, ab wann reagiert wird – mit Kennzahlen zu Reichweite, Business-Impact und Stakeholdern.
                                                                                        • [ca. 00:26:00] Juristische Wege scheitern oft an Attribution und Geschwindigkeit; Behörden unterstützen, kommen aber für die Akutphase zu spät.
                                                                                        • [ca. 00:28:45] Prävention lohnt: Ein Skandal wie die Kendall-Jenner-Pepsi-Kampagne brauchte vier Jahre Reputationsheilung, deshalb lieber regelmäßig trainieren.
                                                                                        • [ca. 00:30:10] Auch kleine Teams profitieren von Tabletop-Übungen, Stakeholder-Maps und klaren Entscheidungswegen – wichtig gerade für KI-, Reputations- oder Mitarbeitenden-Themen.
                                                                                        • [ca. 00:33:40] Sophias Schlussappell: Risikoanalyse, einfache Übungen und Leadership-Support machen Desinformationsresilienz zur Pflichtaufgabe jeder Kommunikationsabteilung.
                                                                                        • 37 min
                                                                                        • KI-Content, Influencer und demokratische Resilienz. Mit Dr. Katja Muñoz

                                                                                          Gast: Dr. Katja Muñoz (Senior Research Fellow, DGAP-Zentrum für Geopolitik, Geoökonomie, Technologie)

                                                                                          Host: Marten Neelsen, Kommunikationsberater und Kolumnist

                                                                                          KI als Beschleuniger von Manipulationskampagnen

                                                                                          • [ca. 00:01:34] Muñoz beschreibt Gen-AI als Turbo für „Polluting the Information Space“: synthetische Inhalte überschwemmen Feeds und senken die Rezeptionsschwelle für Deepfakes und Dead-Internet-Narrative.
                                                                                          • [ca. 00:04:55] Fragmentierte Plattformlandschaften von TikTok bis Mastodon, AI-only-Experimente wie Sora oder Vibes und Gegenbewegungen à la „Vines 2“ zeigen, wie schwer es wird, Authentizität zu garantieren.
                                                                                          • Kognitive Kriegsführung und Krisenkommunikation

                                                                                            • [ca. 00:10:02] Beispiel Hamas/Israel: Binnen 48 Stunden fluten Akteure den Raum mit KI-Bildern, Spiele-Schnipseln und recycelten Motiven – Staaten reagieren zu spät, weil sie auf geprüfte Fakten warten.
                                                                                            • [ca. 00:12:35] Anchor-Bias, Confirmation-Bias und Availability-Bias sind laut Muñoz die Hebel, um erste Eindrücke zu setzen; deswegen fordert sie verpflichtendes Pre-Bunking und transparente Krisenmeldungen.
                                                                                            • Narrative Verschiebungen und Agenda-Setting

                                                                                              • [ca. 00:18:25] Beispiel Migration: Wenn ein Lager das Thema mit orchestrierten Kampagnen kapert, fehlen Ressourcen für Wirtschaft oder Sicherheit – Desinformation dient hier als Ablenkung.
                                                                                              • [ca. 00:20:05] Aus dem Reuters Digital News Report: 67 % der Deutschen beziehen Nachrichten online, 37 % ausschließlich via Social Media – Plattform-Algorithmen sind damit demokratierelevant.
                                                                                              • Influencer, Algorithmen und parasoziale Beziehungen

                                                                                                • [ca. 00:21:48] Muñoz erklärt den „Ripple in the Pond“-Effekt: Viele kleine Posts (Bots, Trollfabriken, bezahlte Creator) simulieren Nachfrage und pushen Narrative in den Mainstream.
                                                                                                • [ca. 00:24:18] Fälle wie „Bettwanzen in Paris“ oder der falsche „Lina“-Vergewaltigungsbericht zeigen, wie russische Akteure Stimmung gegen Geflüchtete schüren.
                                                                                                • [ca. 00:27:10] Parasoziale Beziehungen verstärken Vertrauen: Communities empfinden Influencerinnen wie Freundinnen, wodurch politische Botschaften ungefiltert durchlaufen.
                                                                                                • [ca. 00:31:13] Muñoz erinnert Influencer*innen an ihre Verantwortung gegenüber der Community und warnt vor fehlendem journalistischem Pushback in Politiker-Interviews.
                                                                                                • Monetarisierung, Rage-Bait und Regulierung

                                                                                                  • [ca. 00:33:55] Hoch emotionalisierender Content ist ökonomisch lukrativ – von Crash-Propheten bis Rage-Vloggern. Monetarisierungslogiken treiben Empörungswellen.
                                                                                                  • [ca. 00:36:35] Forderung nach Kennzeichnungspflichten für große Influencer*innen, transparenter Finanzierung und Regulierung bezahlter politischer Inhalte.
                                                                                                  • Medienkompetenz 2.0 und strukturelle Antworten

                                                                                                    • [ca. 00:38:05] Medienkompetenz bleibt wichtig – besonders für Ü50 – reicht aber nicht gegen ausgefeilte Manipulationsmethoden; Verantwortung liege auch bei Plattformdesign und Algorithmen.
                                                                                                    • [ca. 00:41:06] Muñoz fordert Schulungen zu Stilmitteln wie Othering und Polarisierungsrhetorik, inspiriert von antifaschistischen Merkblättern der 1930er Jahre.
                                                                                                    • [ca. 00:42:50] Ideen: Auswahl zwischen unterschiedlichen Feed-Algorithmen, interoperable Systeme, Nutzer*innen-souveräne Datenportabilität.
                                                                                                    • Wege aus dem Hamsterrad

                                                                                                      • [ca. 00:44:34] Hoffnung macht die zunehmende Fragmentierung von Informationsräumen: Aufmerksamkeit verteilt sich, Mega-Viralität wird seltener – ein Ansatzpunkt, um Mainstream-Strukturen zu entmachten.
                                                                                                      • [ca. 00:46:30] Vorschlag einer vertrauenswürdigen Civic-App (z. B. „Berlin-App“) mit amtlichen Services, lokalem Journalismus und kuratiertem Content als alternative Infrastruktur.
                                                                                                      • [ca. 00:48:00] Kurzfristig können auch staatliche Bots mit klarer Kennzeichnung helfen, Informationsfluten einzuordnen; langfristig brauche es digitale Wallets und verifizierte Identitäten, ohne Anonymität komplett zu opfern.
                                                                                                      • 50 min
                                                                                                      • Hass, Hetze und digitale Schutzräume. Mit Sara Egetemeyr

                                                                                                        Gast: Sarah Egetemeyr, Gründerin & CEO Penemue

                                                                                                        Host: Marten Neelsen, Kommunikationsberater und Kolumnist

                                                                                                        Penemue und digitale Schutzsysteme

                                                                                                        • Egetemeyr beschreibt Penemue als KI-basiertes Schutzunternehmen, das Hassnachrichten filtert, Betroffene priorisiert und strafbare Inhalte automatisiert an Staatsanwaltschaften meldet [ca. 00:01:21].
                                                                                                        • Die Plattform soll öffentlichen Personen ermöglichen, schwere Delikte selektiv zu verfolgen und niedrigschwellige Anzeigewege zu nutzen [ca. 00:02:00].
                                                                                                        • Desinformation als Brandbeschleuniger

                                                                                                          • Am Beispiel der Diffamierungskampagne gegen Brosius-Gersdorf zeigt sie, wie Falschmeldungen Hasswellen auslösen und Kandidaturen beenden können [ca. 00:02:50].
                                                                                                          • Fälle wie die Plagiatsvorwürfe gegen Frau Förder-Schmidt, manipulierte Zitate bei Renate Künast und die Waffenlobby-Erzählung rund um Agnes Strack-Zimmermann dokumentieren die Dynamik „Desinformation zuerst, Hass danach“ [ca. 00:03:10–00:04:48].
                                                                                                          • Studien des MIT belegen, dass Desinformation sich sechs- bis zehnmal schneller verbreitet als Korrekturen – ein Trend, der seit ChatGPT und TikTok noch kaum erforscht ist [ca. 00:05:22].
                                                                                                          • Meinung, Algorithmus, Echokammer

                                                                                                            • Egetemeyr trennt legitime Streitkultur von Manipulation: Geht es um Argumente oder darum, Personen zu diskreditieren und mundtot zu machen? [ca. 00:06:39]
                                                                                                            • Plattformen wie X und Meta deregulieren ihren Fact-Checking-Apparat; emotionalisierte Inhalte erzeugen mehr Interaktion und begünstigen Hass-Kaskaden [ca. 00:06:05–00:06:19].
                                                                                                            • Algorithmische Echokammern verstärken Extrempositionen; stilles „Lurking“ lässt laute Minderheiten wie Mehrheiten wirken [ca. 00:07:04 & 00:19:04].
                                                                                                            • Digitale Zivilcourage und Moderation

                                                                                                              • Counterspeech im Kommentarbereich hilft Betroffenen messbar, solange problematische Posts nicht durch Shares weiterverbreitet werden [ca. 00:17:24].
                                                                                                              • Polisphere-Analysen zeigen, dass Unterstützungsbotschaften für Journalistinnen wie Dunja Hayali selten sind; positive Communitys können Hasskommentare teilweise selbst regulieren [ca. 00:17:00–00:21:50].
                                                                                                              • Creator*innen sollten Moderation ernst nehmen: Ragebait und bewusst zugelassener Hass vertreiben Zielgruppen und Markenpartner [ca. 00:21:00–00:22:30].
                                                                                                              • Digitale Gewalt definieren

                                                                                                                • Hate Speech umfasst gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, doch digitale Gewalt reicht weiter: Doxing, intime Bildfälschungen und KI-basierte Fake-Pornos zerstören Existenzen [ca. 00:25:08–00:27:04].
                                                                                                                • Besonders betroffen sind Frauen, queere Menschen, Personen mit sichtbarem Migrationshintergrund sowie Profi-Sportler, die nach Fehlern Morddrohungen erhalten [ca. 00:27:04–00:28:00].
                                                                                                                • Hass schreckt potenzielle Nachwuchskräfte – etwa junge Kommunalpolitikerinnen – ab und reduziert Vielfalt im öffentlichen Raum [ca. 00:26:20–00:27:40].
                                                                                                                • Verantwortung von Institutionen & Rechtsstaat

                                                                                                                  • Arbeitgeber, Parteien, Redaktionen und Vereine sollen digitale Schutzmaßnahmen finanzieren, statt Betroffene allein zu lassen [ca. 00:30:00–00:30:40].
                                                                                                                  • Der Digital Services Act verpflichtet Plattformen zwar zu Meldewegen, wird aber bislang nur zögerlich umgesetzt; deshalb setzt PandemU auf direkte Kooperation mit Justizbehörden [ca. 00:28:54–00:30:50].
                                                                                                                  • Mehr Anzeigen würden Abschreckung schaffen: Aktuell wird nur etwa ein Prozent der strafbaren Hassdelikte gemeldet [ca. 00:31:40].
                                                                                                                  • Meinungsfreiheit vs. Hass-Narrative

                                                                                                                    • Die Behauptung „man darf nichts mehr sagen“ dient laut Egetemeyr häufig dazu, Schutzinstitutionen zu diskreditieren, obwohl selbst radikale Akteure regelmäßig Beleidigungen anzeigen lassen [ca. 00:32:27–00:34:32].
                                                                                                                    • Hate Speech zerstört letztlich die freie Meinungsäußerung, weil bedrohte Stimmen sich zurückziehen („lauter Hass, leiser Rückzug“) [ca. 00:36:40].
                                                                                                                    • Regelwerke fördern respektvolle Debatten: Wer wiederholt unter der Gürtellinie kommentiert, verliert den Zugang; Anpassungsbereitschaft zeigt, dass konstruktive Kritik weiterhin möglich ist [ca. 00:35:00–00:36:00].
                                                                                                                    • Ausblick & Hilfe für Betroffene

                                                                                                                      • KI-gestützte Bild- und Videomanipulationen, insbesondere sexualisierte Deepfakes, gelten als größtes zukünftiges Gefahrenfeld [ca. 00:37:20–00:38:04].
                                                                                                                      • Betroffene sollen frühzeitig Präventionssoftware nutzen, Beratungsstellen kontaktieren und konsequent Anzeigen erstatten, statt Angriffe allein auszuhalten [ca. 00:38:24].
                                                                                                                      • Egetemeyr ruft zu Solidarität auf: Digitale Schutzräume sichern demokratische Teilhabe, bevor Hass aus dem Netz auf die Straße schwappt [ca. 00:39:00].
                                                                                                                      • 41 min
                                                                                                                      • Faktenchecks bei der dpa. Mit Teresa Dapp

                                                                                                                        Gast: Teresa Dapp (Geschäftsführerin dpa-infocom, Leiterin dpa-Faktencheck)

                                                                                                                        Host: Marten Neelsen, Kommunikationsberater und Kolumnist

                                                                                                                        Alltag und Auftrag des dpa-Faktenchecks

                                                                                                                        • [ca. 00:02:20] Teresa Dapp beschreibt die dpa als B2B-Nachrichtenagentur, die seit 1949 faktenbasierte Inhalte für Redaktionen liefert und deren Faktencheck-Team parallel gegen Desinformation arbeitet.
                                                                                                                        • [ca. 00:03:25] Sie erläutert, dass das Team von rund 30 Personen globale Behauptungen sichtet und nur prüfbare Claims statt Meinungen bearbeitet.
                                                                                                                        • [ca. 00:07:45] Vier-Augen-Prinzip, klar definierte Auswahlkonferenzen und transparente Korrekturen sichern die Qualität jedes Checks.
                                                                                                                        • Methoden & Kriterien

                                                                                                                          • [ca. 00:11:45] Die Redaktion nutzt klassische Recherche, Experten, Studien und Bilderrückwärtssuchen, um Behauptungen zu verifizieren oder zu widerlegen.
                                                                                                                          • [ca. 00:12:10] Beispiel: vermeintliche Demonstrationsfotos werden auf ihr ursprüngliches Entstehungsdatum geprüft, um missbräuchliche Kontexte aufzudecken.
                                                                                                                          • [ca. 00:13:00] Auch Satire und scheinbare „Faktenchecks“ werden erklärt, wenn sie ohne Kontext Wut befeuern.
                                                                                                                          • Themenfelder & Beispiele aus der Praxis

                                                                                                                            • [ca. 00:15:00] Migration, Klima und Gesundheitsfragen (von Corona bis Sonnencreme-Mythen) zählen zu den Dauerthemen der Desinformation.
                                                                                                                            • [ca. 00:18:35] Emotionalisierte Posts mit Großbuchstaben, Musik oder drastischen Vergleichen verbreiten sich schneller als nüchterne Fakten – ein Challenge für journalistische Erklärstücke.
                                                                                                                            • [ca. 00:21:30] Social-Media-Fakes zu Demonstrationen, Influencer-Scams und Gesundheitsbehauptungen zeigen, wie breit das Spektrum reicht.
                                                                                                                            • Prävention, Plattformen und Verantwortung

                                                                                                                              • [ca. 00:23:15] Prebunking-Kampagnen vor Wahlen warnen etwa vor ungültigen Stimmzettelmythen oder unsicheren Gewinnspielen.
                                                                                                                              • [ca. 00:32:00] dpa arbeitet direkt mit Meta und TikTok zusammen: Faktenchecks bleiben als Gegenrede sichtbar und fügen Kontext hinzu, ohne Inhalte zu löschen.
                                                                                                                              • [ca. 00:34:00] Teresa macht deutlich, dass Faktenchecks kein Zensurinstrument sind, sondern notwendiger Widerspruch gegen Falschbehauptungen.
                                                                                                                              • KI, Algorithmen und neue Risiken

                                                                                                                                • [ca. 00:26:25] „AI-Slob“ beschreibt billige, aber reichweitenstarke KI-Fakes, etwa TikTok-Videos mit erfundenen Aussagen von Politikern.
                                                                                                                                • [ca. 00:31:15] Algorithmische Geschäftsmodelle belohnen Emotionalisierung – Plattformen und Politik müssen Verantwortung übernehmen, um Reichweite nicht nur Fakes zu überlassen.
                                                                                                                                • Teamgesundheit & Ausblick

                                                                                                                                  • [ca. 00:39:45] Das Team schützt sich vor belastendem Material (Ton aus, schwarz-weiß, Bildschirm abdecken) und tauscht sich offen über mentale Belastungen aus.
                                                                                                                                  • [ca. 00:42:35] Blick nach vorn: KI-Fälschungen werden realistischer, deshalb braucht es mehr Transparenz, Beweisführung für echte Pressefotos und konsequente Medienbildung.
                                                                                                                                  • 45 min

                                                                                                                                  About Maschinenraum

                                                                                                                                  From the publisher's feed

                                                                                                                                  Konrad Göke spricht über die Kommunikation in der politischen Öffentlichkeit. Die Analyse mit seinen Gästen geht eine Ebene tiefer als bei anderen Politikpodcasts. Nicht: Wer hat was gesagt? Sondern:…

                                                                                                                                  More shows like Maschinenraum

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                                                                                                                                  Eine Stunde History - Deutschlandfunk Nova

                                                                                                                                  103 Listeners

                                                                                                                                  Machtwechsel by Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander

                                                                                                                                  Machtwechsel

                                                                                                                                  118 Listeners

                                                                                                                                  Table Today by Table.Briefings

                                                                                                                                  Table Today

                                                                                                                                  22 Listeners

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                                                                                                                                  RONZHEIMER.

                                                                                                                                  141 Listeners

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