Herbst Tapes

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Herbst Tapes episodes

  • Folge #4.2 Links ist nicht woke: Susan Neiman im Gespräch mit Ulrich Gutmair

    Seit sie denken kann, ist Susan Neiman erklärte Linke. Doch seit wann ist die Linke woke? In ihrer von Leidenschaft und Witz befeuerten Streitschrift „Links ist nicht woke“ (Hanser Berlin) untersucht sie, wie zeitgenössische Stimmen, die sich als links bezeichnen, ausgerechnet die Überzeugungen aufgegeben haben, die für den linken Standpunkt entscheidend sind: ein Bekenntnis zum Universalismus, der Glaube an die Möglichkeit des Fortschritts und die klare Unterscheidung zwischen Macht und Gerechtigkeit. Als Philosophin überprüft sie dabei die identitätspolitische Kritik an der Aufklärung als rassistisch, kolonialistisch, eurozentristisch und stellt fest: Die heutige Linke beraubt sich selbst der Konzepte, die für den Widerstand gegen den weltweiten Rechtsruck dringend gebraucht werden.

    1 hr 23 min
  • Folge #4.1 Lyrikhotel Eins: Michael Lentz & Dagmara Kraus

    Wenn sich Dagmara Kraus und Michael Lentz begegnen, treffen zwei mit einer unbändigen Lust auf Sprache in ihrer Materialität aufeinander – Gomringer, Rühm, Jandl oder Pastior grüßen aus dem Maschinenraum der Poesie. Dagmara Kraus treibt mit ihren sprachalchemistischen Prozeduren eine ganz eigene, mehrstimmige Kunstsprache hervor: In ihren Gedichten lassen sich polnische, deutsche, französische oder englische Einsprengsel genauso entdecken wie Wortfunde aus dem Barock, aber auch aus Comics oder Zeichentrickserien. In den Gedichten von Michael Lentz geht es buchstäblich um alles – von A bis Z, von der Kindheit bis zum Tod. In immer neuen Anläufen geben sich Lentz’ Texte der schöpferischen, lebendigen Kraft der Sprache hin und ziehen dabei vom Gebet bis zum Anagramm alle Register. Das hat etwas Barockes und Romantisches und kühl Modernes – und zielt doch immer aufs Ganze unserer Existenz.

    1 hr 16 min
  • Folge #3.6 Plot ist Petersilie! Kriminaldauerdienst mit Sybille Ruge und Friedrich Ani

    In Sybille Ruges erstaunlichen Krimi-Debüt „Davenport 160 x 90“ (Suhrkamp) bleibt kaum ein Satz ohne Pointe – egal, ob es um Kunst, fiese Geschäfte oder um die Existenz als solches geht. Ihre Protagonistin Sonja Slanski, Inkasso-Unternehmerin im Luxus-Segment, passionierte Boxerin und bekennende Vollwaise, erscheint uns wie eine legitime Tochter von Jakob Arjouni und Jörg Fauser. 

    In „Bullauge“ (Suhrkamp) erzählt Friedrich Ani die Geschichte zweier Abgehängter, die sich zusammenraufen, um eine Katastrophe zu verhindern: Ein nach dem Verlust eines Auges vom Dienst freigestellter Polizist und die ausstiegswillige Mitläuferin einer rechtspopulistischen Partei, die von Attentatsplänen ihrer Führungsebene erfährt. Ein klassischer Noir vom Meister der Zwischentöne. 
    Mit Thomas Wörtche sprechen Ruge und Ani unter anderem darüber, warum ihre Bücher ohne das Label ‚Krimi‘

    1 hr 18 min
  • Folge #3.5 Helmut Lethen „Über die Faszination des Bösen“, moderiert von Jörg Magenau

    Helmut Lethen zählt zu den Mitbegründern der Kulturwissenschaft in Deutschland. Werke wie die „Verhaltenslehren der Kälte“ – gerade mit einem langen Nachwort neu aufgelegt – haben eine ganze Intellektuellengeneration geprägt und erhalten in Zeiten, wo der Habitus der Kälte wieder zur Ressource wird, eine ungeahnte Aktualität. Sein neues Buch „Der Sommer des Großinquisitors. Über die Faszination des Bösen“ (Rowohlt Berlin) ist ein meisterhafter Essay über Macht und Moral – und ein aufregender Ritt durch die Literatur, Philosophie und Geschichte des 20. Jahrhunderts.

    1 hr 24 min
  • Folge #3.4 Kasala für meinen Kaku. Fiston Mwanza Mujila und Patrick Dunst in Concert

    Fiston Mwanza Mujila gehört zu den eigensinnigsten Stimmen der jungen österreichischen Gegenwartsliteratur: er ist einer, der im Vortrag seiner Texte alle Instrumente einer Jazz-Band aus sich heraus zu holen vermag. In seinem neuen Gedichtband „Kasala für meinen Kaku“ (Ritter Verlag) kreiert Fiston Mwanza Mujila eine mitreißende Dichterrede, deren kolossale Übertreibung jegliches Pathos implodieren lässt, deren bunte Klanggestalt und furiose Rhythmen ein poetisches Gegenfeuer zum falschen Bestehenden zünden. Auf kongeniale Weise umspielt, verstärkt und erweitert der Jazz-Saxophonist Patrick Dunst improvisierend die Gedichte, transformiert sie zu einem exzeptionellen sprachmusikalischen Ereignis.

    32 min
  • Folge #3.3 Dann sind wir Helden. Popmusik und Politik. Joachim Hentschel im Gespräch mit Marion Brasch

    Welche Rolle spielte der Rock’n’Roll im Kalten Krieg? Welche Botschaften schmuggelten die Songs von Ost nach West und zurück? Welche Rolle spielten die Stasi, die DDR-Künstleragentur, die Jugendorganisation FDJ, bundesdeutsche Plattenfirmen und Impresarios? Brachte die Popmusik am Ende die Mauer zu Fall? Der Musikjournalist Joachim Hentschel hat mit „Dann sind wir Helden“ (Rowohlt) ein Buch über den Sound einer Zeitenwende und die politische Dimension von Pop-Musik im deutsch-deutschen Verhältnis geschrieben – präzise recherchiert, geschmackssicher und empathisch. 

    1 hr 24 min
  • Folge #3.2 Lyrikhotel. Sibylla Vričić Hausmann (Leipzig) & Daniela Seel (Berlin)

    „Die Sprache der kühnen Behauptung“, schreibt Rebecca Solnit, „ist einfacher, weniger anstrengend, als die Sprache der Nuancierung, der Ambiguität, der Spekulation“. Es sind die zwei großen nichtfiktionalen literarischen Genres Essay und Lyrik, die sich in der unsicheren, tastenden Fortbewegung üben – in Sprachen, die ein ganz spezielles Verhältnis zur Dunkelheit haben. Welche Lyrikerin kennt nicht die „Sehnsucht nach Unverständlichkeit“? In der Alten Post Lindenau gehen Sibylla Vričić Hausmann und ihre Dichterkollegin und Verlegerin Daniela Seel diesen Fragen nach: Ist das Kreisen um eine dunkel bleibende Wahrheit die Geste, die essayistisches und poetisches Schreiben miteinander verbindet? Wann sind Fragen überzeugender als Fakten und Gewissheiten? Muss politisches Schreiben deutliches Schreiben sein? Und: Wie könnte eine „Sprache der Wut“ aussehen, die sich aus mächtigen Emotionen speist und diese ausdrückbar macht, ohne zu verletzen? Very special Guests: Vicky Baum, Martin Buber, Hélène Cixous, Marie Luise Kaschnitz, Paula Ludwig Martin Luther, Friederike Mayröcker, Meret Oppenheim, Daniel Schreiber und Gertrude Stein.

    1 hr 36 min
  • Folge #3.1 Juri Andruchowytsch „Radio Nacht“, moderiert von Katharina Raabe

    Vor diesem denkwürdigen Abend im Literaturhaus sahen wir Juri Andruchowytsch im März 2022 auf einer Videoleinwand im Nikolaikirchhof, mit einer Videobotschaft, gefilmt am 21. Tag von Putins Krieg im kargen Underground-Kulturzentrum „Vagabundo“, das Andruchowytsch mit Freunden in seiner westukrainischen Heimatstadt Iwano-Frankiwsk aufgebaut hat. Nun kommt der wohl bedeutendste Autor der Ukraine leibhaftig nach Leipzig – und hat einen neuen Roman im Gepäck: „Radio Nacht“ (Suhrkamp), 2020 in der Ukraine erschienen, ist nicht nur ein sprachliches Feuerwerk, sondern ein Gegenwartsroman von eminenter Aktualität. Besser ließe sich der Ausklang unseres Herbsts nicht denken: Ein von Poesie und Musik gleichermaßen inspirierter Autor zieht alle Register, um den Ängsten und der realen Bedrohung die Souveränität der Phantasie entgegenzusetzen.

    „Ich habe immer davon geträumt, einen Roman zu schreiben, der klingt.“

    Juri Andruchowytsch

    1 hr 17 min
  • Folge #2.5: Other Writers Need to Concentrate. Ueber Autor*innenschaft und Elternschaft

    Wie verändert sich das literarische Schreiben durch die Geburt eines Kindes? Wie fühlt sich Care-Arbeit an in einem Beruf, in dem das Alleinsein eine Grundvoraussetzung ist? Wie gehen Autor*innen in prekären Einkommensverhältnissen mit der Verantwortung für eines oder mehrere Kinder um? Und haben die Lockdowns der vergangenen anderthalb Jahre die Wertschätzung der Sorgearbeit wirklich verändert? Seit rund zwei Jahren bloggen auf Other Writers Need to Concentrate (www.other-writers.de) rund 50 Autorinnen und Autoren über das Leben und Schreiben mit Kindern. Bettina Wilpert und Janin Wölke stellen im Gespräch mit Sibylla Vričić Hausmann ausgewählte Blogbeiträge vor, lesen eigene Texte und erzählen von den Schwierigkeiten der alltäglichen Schreib- und Sorgearbeit – aber auch von den Bereicherungen.

    1 hr 41 min
  • Folge #2.4: Kriminaldauerdienst mit Pieke Biermann (Berlin Quartett) und Johannes Groschupf (Berlin Heat), moderiert von Else Laudan

    Pieke Biermanns schrieb mit ihren vier großen, zwischen 1987 und 1997 erschienen und 2021 neu aufgelegten Berlin­Romanen um Kriminalhauptkommissarin Karin Lietze („Lietze reicht!“) Genregeschichte. Sie führte die Realität der Polizeiarbeit und die sozialen Realitäten der Metropole in die deutsche Kriminalliteratur ein, mobilisierte dafür sämtliche Verfahren der Moderne und erreichte damit auch noch ein breites Publikum. Johannes Groschupf, mit „Berlin Prepper“ Gewinner des Deutschen Krimipreises 2019, wühlt sich in seinem Thriller „Berlin Heat“ (Suhrkamp 2021) tief in den rechtsradikalen Unterbau Berlins – und zeichnet zugleich das Bild einer politisch überhitzten Hauptstadt im ersten Sommer nach Corona. Mit der Verlegerin und Übersetzerin Else Laudan sprechen Biermann und Groschupf über den Kriminalroman als Genre der Krise, weibliche Ermittlerinnen und die Metropole als heimliche Krimi­Heldin:

    1 hr 18 min

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