Mit seinem Dramenmonument »Die letzten Tage der Menschheit« hat Karl Kraus einen der bedeutendsten pazifistischen Texte der jüngeren Literaturgeschichte geschaffen. In über 200 Szenen und unzähligen Originaldokumenten aus der Zeit um den Ersten Weltkrieg verweist er mit gnadenlosem Wortwitz, besonderem Sprachgefühl und bitterböser Satire auf die Mechanismen, die Krieg ent- und bestehen lassen, und darauf, wie eine gesamte Gesellschaft verroht. Er konzentriert sich nicht auf die Front, sondern aufs Hinterland, auf die Menschen, die aus sicherer Entfernung beobachten, erleben, bejubeln... und profitieren.
Katja Schlonski hat Regisseur Georg Schmiedleitner auf den Zahn gefühlt, wie man ein so großes Werk überhaupt inszeniert (es ist ein Kraftakt), warum genau dieser Kraftakt in unserer aktuellen Zeit so dringend notwendig ist. Mit Bühnenbildner Stefan Brandtmayr spricht sie über das Ineinanderübergehen von Ästhetiken und Konnotationen, mit Schauspielerin Juliane Schwabe ─ die mit Kriegsjournalistin Alice Schalek ihre »kälteste« Figur spielt ─ über die Herausforderungen für das 11-köpfige Ensemble und die erschreckenden Parallelen zum Heute.