Impro zwischen Erfahrung und Forschung
Ich kann handeln – wie Impro Selbstwirksamkeit stärkt
Was die Forschung dazu sagt
Was passiert, wenn wir immer wieder erleben: Ich weiss nicht, was kommt – und ich kann trotzdem damit umgehen?
Beim Improvisieren begegnen wir genau dieser Situation ständig. Wir starten ohne Skript, reagieren auf andere, treffen Entscheidungen und erleben im besten Fall: Meine Idee ist genug. Ich kann handeln.
In dieser Folge spricht Corinne mit Lea Reck darüber, was Improvisation mit Selbstwirksamkeit zu tun hat – und was sich dazu aus wissenschaftlicher Sicht sagen lässt.
Lea ist Teil des anundpfirsich-Ensembles und hat ihren Master in Sozialer Arbeit abgeschlossen. In ihrer Masterarbeit hat sie untersucht, wie angewandte Improvisation zur Prävention und Förderung psychischer Gesundheit bei Mädchen eingesetzt werden kann. Dafür hat sie thematisch angepasste Impro-Workshops durchgeführt und untersucht, was sich bei den Teilnehmerinnen beobachten lässt.
Darüber sprechen wir in dieser Folge:
Was bedeutet es, zu erleben: Meine Idee reicht. Ich kann reagieren. Auch wenn ich noch nicht weiss, was als Nächstes passiert.
Wir sprechen über Albert Banduras Konzept der Selbstwirksamkeit und darüber, warum Impro Situationen schafft, in denen wir unsere eigene Handlungsfähigkeit immer wieder erfahren können.
Entscheidungen unter Unsicherheit treffendie Konsequenzen unseres Handelns unmittelbar erlebenerfahren, dass unsere Ideen von anderen aufgenommen werdenFehler nicht vermeiden müssen, sondern mit ihnen weiterspieleneigene Impulse wahrnehmen und auf sie reagierenhandeln, obwohl noch kein perfekter Plan vorhanden istEine zentrale Frage dabei: Was davon ist bereits wissenschaftlich belegt – und was ist bisher vor allem Erfahrung oder plausible Hypothese?
Lea nimmt uns mit in ihre Masterarbeit und erzählt, wie ihre Impro-Workshops mit Mädchen konkret aufgebaut waren.
Wir sprechen unter anderem darüber:
was anders war als in einem klassischen Impro-Kurswelche Themen und Übungen eingesetzt wurdenwelche Rolle Reflexion spieltewas gemessen und beobachtet wurdewarum die Gruppen nach Geschlecht getrennt wurdenwelche Bedeutung ein geschützter Rahmen haben kannBesonders spannend ist die Frage, was nach einem Workshop zurück im Klassenzimmer passiert.
Melden sich Schülerinnen häufiger?Trauen sie sich eher, ihre Meinung zu äussern?Nehmen sie mehr Raum ein?Gehen sie anders mit Fehlern und sozialer Unsicherheit um?Wie hält man einen Raum, in dem alle partizipieren können?
Nicht jede Person nimmt sich automatisch gleich viel Raum.
Deshalb sprechen wir darüber, wie Workshops, Unterricht und Meetings gestaltet werden können, damit möglichst viele Menschen tatsächlich partizipieren können – und nicht nur diejenigen, die ohnehin schnell, laut oder selbstbewusst sind.
Diese Frage ist auch fürs Business relevant.
Manchmal helfen bereits kleine Veränderungen im Setting: beispielsweise Ideen zuerst still für sich festzuhalten, Beiträge anonym zu sammeln oder Menschen zunächst in kleineren Gruppen miteinander ins Gespräch zu bringen.
Ein weiterer Aspekt sind sogenannte exekutive Funktionen.
Dazu gehören Fähigkeiten, die uns unter anderem helfen,
unsere Aufmerksamkeit zu steuernImpulse zu regulierenInformationen im Arbeitsgedächtnis zu behaltenflexibel zwischen verschiedenen Anforderungen zu wechselnHandlungen zu planen und umzusetzenExekutive Funktionen sind massgeblich daran beteiligt, wie gut Kinder ihren Schulalltag bewältigen und wie viel sie in einer konkreten Lernsituation aufnehmen und lernen können.
Lea beschäftigt deshalb die Frage, ob und wie Improvisation bestimmte exekutive Funktionen und Handlungskompetenzen trainieren könnte.
Wo könnte Impro noch eingesetzt werden?
Wir schauen über die Schule hinaus und sprechen über unterschiedliche Anwendungsfelder.
Teilhabe ermöglichen, Begegnung schaffen, Menschen aktivieren und soziale Verbindung fördern.
Sprechen und handeln, obwohl Wortschatz oder Grammatik noch nicht perfekt sind.
Welche Erfahrungen gibt es mit Impro als Möglichkeit, Unsicherheit zu erleben und trotzdem handlungsfähig zu bleiben? Hier sprechen wir auch über Impro for Life und das Format «Spiel mit deiner Angst» – und darüber, wo wir vorsichtig sein müssen, aus Erfahrungen bereits allgemeine Wirkungsversprechen abzuleiten.
Entscheidungen unter Unsicherheit treffen, Ideen äussern, Statusdynamiken wahrnehmen, psychologische Sicherheit schaffen und Führung übernehmen.
Denn ein Meeting hat manchmal überraschend viel mit einer Impro-Szene gemeinsam:
Wenn du selbst zu Impro forschst, eine Forschungsfrage hast oder dich über unterschiedliche methodische Zugänge austauschen möchtest, melde dich gerne bei Lea:
Impro für Teams und Organisationen
Ihr möchtet Impro mit eurem Team erleben oder Fähigkeiten wie Präsenz, Zusammenarbeit und den Umgang mit Unsicherheit trainieren?
Mehr zu unseren Teamtrainings, Seminaren und Einzelcoachings findet ihr auf:
https://pfirsi.ch/for-business
Oder schreibt uns direkt:
Wir sind ausserdem gespannt auf eure Fragen und Erfahrungen:
Wo habt ihr erlebt, dass Impro Menschen darin bestärkt, sich als handlungsfähig wahrzunehmen? Und welche Fragen sollte die Impro-Forschung als Nächstes untersuchen?
Mehr zu unseren Workshops für Persönlichkeitsentwicklung findet ihr auf:
https://pfirsi.ch/for-life