Legal Tech & Legal KI Talk

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Legal Tech & Legal KI Talk episodes

  • Warum Immigration-Tech-Tools im Migrationsrecht nicht funktionieren
    Interview mit Mirko Vorreuter
    Interview mit Mirko Vorreuter, Fachanwalt für Migrationsrecht von Visaguard, zum Thema „Warum Immigration-Tech-Tools im Migrationsrecht nicht funktionieren“. Die wichtigsten Erkenntnisse lauten:
    1. Immigration-Tech automatisiert vor allem die einfachen Teile – nicht die eigentliche anwaltliche Arbeit
    Viele Immigration-Tech-Tools setzen bei Formularen, Dokumentenmanagement, Datenerfassung und Datenübertragung an. Das funktioniert besonders gut bei standardisierten und unkomplizierten Visumsfällen. In der anwaltlichen Praxis landen jedoch häufig gerade die schwierigen Fälle, bei denen individuelle Probleme gelöst werden müssen.
    2. Der größte Teil der Arbeit besteht aus Kommunikation und Beratung
    Mirko Vorreuther schätzt, dass rund 80 Prozent seiner Arbeit aus Beratung und Kommunikation bestehen – mit Mandanten, Arbeitgebern, Botschaften, Ausländerbehörden, der Bundesagentur für Arbeit oder Gerichten. Entscheidend sind dabei nicht nur Informationen, sondern auch Strategie, Risikoeinschätzung, Erfahrung und teilweise emotionaler Beistand.
    3. KI kann Routinekommunikation übernehmen – stößt aber bei Einzelfällen schnell an Grenzen
    Standardisierte Abläufe wie Dokumentenanforderungen, Weiterleitungen oder wiederkehrende E-Mails lassen sich durchaus automatisieren. Problematisch wird es, sobald ein Fall von der Norm abweicht und individuelle Lösungen gefunden werden müssen. Genau hier stoßen heutige Immigration-Tech-Tools und KI-Systeme schnell an ihre Grenzen.
    4. Ein Kernproblem im Migrationsrecht ist das gegenseitige Verständnis
    Viele Schwierigkeiten entstehen dadurch, dass Antragsteller und Behörden aneinander vorbeireden. Ausländische Antragsteller kennen das deutsche Verwaltungssystem häufig nicht oder sprechen kein Deutsch, während Behörden teilweise stark ausgelastet sind. Anwälte übernehmen deshalb oft eine Art Übersetzungsfunktion zwischen Behörde und Mandant. Gerade hier könnte spezialisierte KI künftig einen großen Nutzen haben.
    5. KI verändert auch das Kanzleimarketing grundlegend
    VisaGuard nutzt generative KI besonders stark bei Content-Produktion und Marketing. Klassisches SEO verliert an Bedeutung, weil Nutzer Informationen zunehmend direkt über ChatGPT, Gemini oder andere KI-Systeme erhalten. Für Kanzleien wird deshalb wichtiger, von Sprachmodellen als relevante Quelle und als Experte für bestimmte Fälle wahrgenommen zu werden.
    30 min
  • KI-gestützte juristische Recherche
    Interview mit Paul Permantier
    Interview mit Paul Permantier, Gründer von LexGraph, zum Thema "KI-gestützte juristische Recherche". Die wichtigsten Erkenntnisse lauten:
    1. KI braucht hochwertigen juristischen Kontext
    Allgemeine Sprachmodelle sind für komplexe Fragen des deutschen Rechts allein nicht zuverlässig genug. Deshalb werden sie gezielt mit Informationen aus Urteilen, Gesetzen und anderen juristischen Primärquellen versorgt.
    2. Ein Wissensgraph vernetzt juristische Informationen
    Aus über einer Million Urteilen werden relevante Definitionen, Auslegungen und Argumente extrahiert und mit anderen Urteilen und Rechtsnormen verbunden. So kann die KI rechtliche Zusammenhänge besser erkennen.
    3. Der größte Nutzen liegt in Zeitersparnis und höherer Verlässlichkeit
    Statt zahlreiche Entscheidungen selbst zu suchen und auszuwerten, übernimmt die KI einen großen Teil der Recherche. Die Verknüpfung mit Primärquellen soll außerdem Halluzinationen reduzieren und Ergebnisse nachvollziehbarer machen.
    4. Die Qualität juristischer KI lässt sich messen
    Lexgraph untersucht beispielsweise, ob eine KI die relevanten Normen und juristischen Informationen tatsächlich findet. Im Podcast wird für einen Benchmark mit Gemini 3.1 Pro von einer Reduktion der Fehlerrate um 60 Prozent durch den zusätzlichen juristischen Kontext berichtet.
    5. KI wird Anwälte eher verändern als ersetzen
    Die These des Podcasts ist, dass deutlich mehr juristische Arbeit automatisiert wird, während menschliche Beratung, Einschätzung und Vertrauen wichtig bleiben. Die zugespitzte Prognose lautet: Die Kanzlei von morgen wird zunehmend ein Legal-Tech-Unternehmen sein.
    33 min
  • Wie sich juristische Dienstleistung als digitale Infrastruktur skalieren lässt
    Interview mit Bork Morfaw
    Interview mit Bork Morfaw, Rechtsanwalt und Gründer von nu:legal, zum Thema „Wie sich juristische Dienstleistung als digitale Infrastruktur skalieren lässt„. Die wichtigsten Erkenntnisse lauten:
    1. Juristische Dienstleistungen werden durch KI skalierbar
    KI ermöglicht es erstmals, juristische Expertise nicht nur über abrechenbare Stunden, sondern als digitale, skalierbare Infrastruktur bereitzustellen. Dadurch können deutlich mehr Mandanten mit demselben Personaleinsatz betreut werden.
    2. Das Stundenmodell wird durch Festpreise ergänzt
    Das klassische Stundenhonorar bleibt bestehen, wird aber zunehmend durch Festpreismodelle ergänzt. KI macht den Aufwand besser kalkulierbar und schafft damit die Grundlage für transparente und wirtschaftlich attraktive Pauschalpreise.
    3. Der größte Mehrwert liegt in der Automatisierung des gesamten Arbeitsprozesses.
    KI soll nicht nur juristische Texte erstellen, sondern den gesamten Workflow unterstützen – von der Informationsaufnahme über die Aufwandsschätzung bis hin zur Erstellung erster Entwürfe. So entstehen effizientere Arbeitsabläufe.
    4. Anwälte werden nicht ersetzt, sondern ihre Rolle verändert sich
    Standardisierte und repetitive Aufgaben werden zunehmend automatisiert. Juristinnen und Juristen konzentrieren sich künftig stärker auf komplexe Fragestellungen, strategische Beratung und die Qualitätskontrolle der KI-Ergebnisse.
    5. Die Zukunft gehört digitalen Rechtsservices statt reiner Beratung nach Zeit
    Kanzleien können ihr über Jahre aufgebautes Wissen in digitale Produkte und Services überführen. Wer juristische Expertise in skalierbare Prozesse übersetzt, schafft Wettbewerbsvorteile und neue Geschäftsmodelle.
    31 min
  • Welche Fähigkeiten benötigen Jurist:innen in der Zukunft
    Interview mit Dr. Nadine Lilienthal
    Gastgeber Dr. Daniel Halft (AnwaltsCampus) spricht mit Dr. Nadine Lilienthal zum Thema „Welche Fähigkeiten benötigen Jurist:innen in der Zukunft“. Dr. Lilienthal ist Rechtsanwältin, ehemalige Unternehmensjuristin, Head of Legal Expertise & Alliances DACH bei DiliTrust und Legal AI & Legal Innovation Expertin. Die wichtigsten Erkenntnisse lauten:
    1. Fachliche Exzellenz bleibt entscheidend
    KI ersetzt juristische Expertise nicht, sondern macht sie noch wertvoller. Wer sich in einem Fachgebiet tief spezialisiert und Zusammenhänge ganzheitlich versteht, kann KI sinnvoll einsetzen und sich klar vom Wettbewerb abheben.
    2. Neue Kompetenzen werden unverzichtbar
    Neben juristischem Wissen gewinnen der sichere Umgang mit KI, strategisches Denken, interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen, zunehmend an Bedeutung.
    3. Menschliche Stärken werden zum Wettbewerbsvorteil
    Kommunikation, Empathie und die Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen, werden wichtiger, weil Mandanten nicht nur rechtliche Lösungen, sondern auch Orientierung und Sicherheit erwarten.
    4. KI-Potenziale werden noch zu wenig genutzt
    Viele Kanzleien und Rechtsabteilungen verfügen bereits über KI-Tools, schöpfen deren Möglichkeiten jedoch nicht aus, weil Wissen, Zeit oder passende Schulungen fehlen.
    5. Kontinuierliche Weiterentwicklung ist entscheidend
    Wer bereit ist, eigenverantwortlich zu lernen, die eigenen Stärken auszubauen und sich an den Wandel anzupassen, wird in einer von KI geprägten Rechtswelt langfristig erfolgreich sein.
    44 min
  • Die Transformation von Rechtsabteilungen im KI-Zeitalter
    Interview mit Dr. Alexander Steinbrecher
    Interview mit Dr. Alexander Steinbrecher (Chefsyndikus der BVG in Berlin und Mitherausgeber des Handbuch Digitale Rechtsabteilung und des Buchs "Die Zukunft der Rechtsberatung") zum Thema "Die Transformation von Rechtsabteilungen im KI-Zeitalter".
    32 min
  • Bundesverband der Wirtschaftskanzleien in Deutschland (BWD)
    Interview mit Stefan Rizor
    In der aktuellen Folge des Legal Tech Verzeichnis Podcast interviewt LTV Herausgeber Patrick Prior den Rechtsanwalt und Vorstandssprecher des Bundesverbands der Wirtschaftskanzleien in Deutschland (BWD) Stefan Rizor, LL.M. (McGill), zur Tätigkeit des BWD. Folgende Punkte wurden besprochen:
    1. Gründung und Zweck des BWD
    Der Bundesverband der Wirtschaftskanzleien in Deutschland (BWD) wurde aus der Erfahrung heraus gegründet, dass Wirtschaftskanzleien als Organisationen politisch kaum Gehör fanden – insbesondere sichtbar geworden durch die rechtlichen Probleme deutscher LLP-Kanzleien nach dem Brexit. Ziel ist es, eine gemeinsame, kompetente Stimme gegenüber Politik und Verwaltung zu sein.
    2. Arbeitsweise: Kompetenz statt klassischem Lobbyismus
    Der BWD versteht sich nicht als reiner Lobbyverband, sondern als fachlich fundierter Ansprechpartner. Kritik an Gesetzesvorhaben wird stets mit konkreten Alternativvorschlägen verbunden. Diese konstruktive Herangehensweise hat zu schneller Akzeptanz in Ministerien geführt.
    3. Justiz unter Druck – Bedarf an Digitalisierung und Effizienz
    Die deutsche Justiz leidet unter langen Verfahrensdauern, Überlastung und mangelnder Planbarkeit. Das führt dazu, dass Unternehmen zunehmend auf Schiedsverfahren ausweichen. Der BWD sieht hier dringenden Reformbedarf, insbesondere durch Digitalisierung und bessere Verfahrensorganisation.
    4. Zentrale Rolle von KI und offenen Gerichtsentscheidungen
    Künstliche Intelligenz kann Justiz und Anwaltschaft deutlich effizienter machen – etwa durch Auswertung großer Mengen anonymisierter Urteile. Dafür ist ein deutlich besserer Zugang zu Gerichtsentscheidungen notwendig. Politisch fehlt bislang der ausreichende Wille, diese Daten flächendeckend bereitzustellen.
    5. Wandel des Anwaltsberufs durch KI
    KI wird Anwälte nicht ersetzen, aber den Beruf stark verändern. Standardfälle werden zunehmend automatisiert, während komplexe, beratungsintensive Fälle wichtiger werden. Kanzleien, die KI nicht sinnvoll einsetzen, werden im Wettbewerb zurückfallen. Abrechnung, Haftung und Versicherungsfragen werden sich entsprechend anpassen.
    34 min

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Der Legal Tech Verzeichnis "Legal Tech & Legal KI Talk" erscheint zweimal monatlich. Gastgeber Patrick Prior spricht mit verschiedenen Gästen aus der Rechtsbranche zu Legal Tech Themen und zur…