Barbara Preisig | Engagierte Kunstgeschichte
Zunehmende Polarisierung in gesellschaftlichen Debatten und sich in der Veränderung befindende Medienpraktiken erschweren das gegenseitige Zuhören, die Wahrnehmung von Differenzen und die Anerkennung unterschiedlicher Perspektiven. Kunst kann hier als sozialer Resonanzraum wirken, in dem verschiedenartige Sichtweisen, Weltanschauungen und politische Haltungen aufeinandertreffen. Museen und Öffentlichkeit betonen dieses Potenzial für Vielfalt und Inklusion – doch was sich jenseits des Fachdiskurses im Ausstellungsraum an Stimmen artikuliert, bleibt in der Kunstgeschichte meist randständig.
Die Kunsthistorikerin Dr. Barbara Preisig (Zürich) präsentiert in ihrem Vortrag methodische Überlegungen zu einem polyphonen Schreiben, das differente Rezeptionsweisen als Quellen achtet und gleichberechtigt integriert. Am Beispiel der dialogischen Hörspielreihe Collective Ear: Four Radio Plays for Deep Listeners (2025), die mit der Künstlerin Ronja Svaneborg entwickelt wurde, wird ein situierter, relationaler Zugang skizziert, der die monophone, objektivierende Autor:innenstimme hinterfragt und das Konzept der Polyphonie als Inspiration für neue Ansätze des Schreibens über Kunst vorstellt. Ziel dabei ist es, Kunstgeschichte und Kunstgeschichtsschreibung als Beitrag zur Stärkung demokratischer Diskursräume neu zu denken.