Literaturfenster Schweiz

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By Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)ArtsBooks
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Literaturfenster Schweiz episodes

  • Meret Gut: Die Frau mit dem violetten Herzen
    Meret Guts Sprache ist sinnlich und archaisch, voller Naturbilder und Geheimnisse. Nach «Einen Knochen tauschen wir» von 2017 erscheint ihr neuer Lyrikband «Die Frau mit dem violetten Herzen». Der Fokus liegt dabei auf der Fragilität der Mutter Erde und all seinen Bewohnern.
    Der Band ist in vier Abschnitte unterteilt, «Trommeln der Angst», «Schakale», «Zauberin am Berg» und «Fruchtbare Erde». In ihren Gedichten findet sich erneut das Körperliche, sowie überraschende Wortspiele, erfrischend wie ein kalter Bergsee.
    Das Schreiben sei für sie ein kreativer und spiritueller Akt. Meist schreibe sie nachts, an ihrem Holztisch, im Zwiegespräch mit einem Hirschschädel.
    Die Natur und Magie geben einander die Hand und laden zu einer Reise ein, wie durch einen üppigen Dschungel oder zu unberührte Berglandschaften.
    Buchhinweise:
    Meret Gut. Die Frau mit dem violetten Herzen. Wolfbach Verlag, Die Reihe, 2020.
    Alfonsina Storni. Poemas de amor – Liebesgedichte. Bouvier, 2017.
    Ingeborg Bachmann. Sämtliche Gedichte. Piper, 2003.
    20 min
  • Patricia Büttiker: Nacht ohne Ufer
    In ihrem beeindruckenden Debütroman «Nacht ohne Ufer» erzählt Patricia Büttiker eine beklemmende Familiengeschichte. Dazu reichen ihr ein Krankenzimmer als Ausgangspunkt und die Zeitspanne einer Nacht – die in ganz viele Erinnerungen ausufert.
    Esther und Gloria, zwei Halbschwestern, haben sich entfremdet, seit die gemeinsame Mutter mit Gloria als kleinem Kind ausgezogen war und Esther bei ihrem Vater zurückliess. Nun liegt die Mutter im Sterben, und Esther und Gloria verbringen die letzte Nacht der Mutter gemeinsam in ihrem Krankenzimmer, am Sterbebett. Zwischen den beiden liegt viel Unausgesprochenes in der Luft: Neid, Rivalität, Schuldgefühle, längst vergangene Gemeinheiten.
    Auch wenn sie beide das vielleicht möchten: Sie finden in der kurzen Zeit, in der sie miteinander verbringen, nicht wieder zueinander – auch nicht um der Mutter willen. Immer wieder nehmen sie Anläufe dazu, die aber häufig doch nur in gegenseitigem Anschweigen münden.
    Aus dieser beklemmenden Situation im Sterbezimmer der Mutter heraus brechen Gloria und Esther auf unterschiedlichste Weise aus: Gloria verlässt immer wieder fluchtartig das Zimmer, um zu rauchen, Esther hängt Erinnerungen nach. Anhand dieser Erinnerungen erfahren wir beim Lesen nach und nach bruchstückhaft die Geschichte dieser zerrütteten Familie und können mitverfolgen, welche Kleinigkeiten aus der Vergangenheit in der Gegenwart plötzlich eine grosse Rolle zu spielen beginnen – zum Beispiel die Angst vor dem Verlassenwerden, die aus einem harmlosen Versteckspiel erwachsen kann.
    Im Gespräch mit Patricia Büttiker über ihren Roman geht es um die Bedeutung der Erinnerung, um die Produktivität von Konfliktsituationen und darum, warum dieser Roman für die Autorin wie ein Haus ist.
    Buchhinweis:
    Patricia Büttiker. Nacht ohne Ufer. edition bücherlese, 2020.
    27 min
  • Ralf Schlatter: Muttertag
    Die Mutter wird man nicht los. Ist es Liebe, Anhänglichkeit, Abhängigkeit? Kann man sich von der Familie und den Ahnen je befreien? In «Muttertag» erzählt Ralf Schlatter von solchen und anderen unerhörten Themen.
    Eine Mutter will sterben und ihr Sohn soll ihr dabei helfen. Er braucht Zeit und Bewegung, um nachzudenken. Zu Fuss geht er von Zürich nach Schaffhausen, Stunde um Stunde von einer Stadt zur andern dem Selbstmord der Mutter entgegen. Unterwegs versucht er sie, die ihm ein Leben lang fremd war, endlich zu verstehen. Deren Strahlen er als Maske empfand und die ihre zugeschriebene Rolle pflichtbewusst ausgefüllt hat. Er sucht nach Antworten, warum er sie trotz ihrer Aufopferung nicht zurückliebt. Er beobachtet die Natur und denkt sich zu jeder vollen Stunde einen möglichen Abschied von ihr aus.
    Ralf Schlatter erzählt in seinem Roman «Muttertag» von Unausgesprochenem in der Familie, von Einsamkeit und der Bedeutung der Vorfahren. Dabei regt er zum Nachdenken an über die Beziehung zu den eigenen Eltern und Wahrhaftigkeit im Zusammenleben.
    Wir sprechen mit dem Autor und Kabarettist über festgefahrene Verhaltensmuster, das Frauenbild der 1970er Jahre, über Pilgerreisen, Vogelbeobachtungen und Tragikomik.
    Buchhinweis:
    Ralf Schlatter: Muttertag. Limbus Verlag, 2020.
    27 min
  • Dragica Rajcic Holzner: Liebe um Liebe
    «Liebe um Liebe» ist der erste Roman der Lyrikerin Dragica Rajcic Holzner und die tragische Geschichte einer Frau, die Liebe nicht ohne Gewalt erfährt.
    Der Roman «Liebe um Liebe» beginnt in Glück. So heisst das Dorf im ehemaligen Jugoslawien, heutiges Kroatien, in dem die Erzählerin, Ana Jagoda, aufwächst. Doch der Name trügt: Gewalt und Übergriffe dominieren Anas Kindheit. Den Schlägen des Vaters entfliehend, rettet sich Ana in die Arme Igors; verliebt sich in die Geschichte, die sie beide haben könnten. Doch auch Igor, so muss Ana feststellen, ist nicht anders als die anderen Männer aus Glück. «Liebe um Liebe» ist ein Buch über die Vorstellungen von Glück, die wir mit uns herumtragen, die oft enttäuscht werden und uns trotzdem ein Leben lang antreiben.
    Buchhinweis:
    Dragica Rajcic Holzner. Liebe um Liebe. Matthes & Seitz, 2020.
    27 min
  • Balts Nill: vo wäge DO
    Balts Nill hat das alte «Weisheitenbuch» tao te king des chinesischen Gelehrten Laotse in die Schweizer Mundart übertragen. Das Resultat ist wirkungsmächtig, wortkarg und sehr klangvoll.
    Mehr geografische, zeitliche und sprachliche Distanz wäre kaum denkbar als zwischen heutiger Mundart aus der Schweiz und chinesischen Weisheiten, die fast 2500 Jahre alt sind. So etwas zu übersetzen, braucht Mut und viel Feingefühl. Der Berner Autor und Musiker Balts Nill (bekannt als Schlagzeuger und Gründungsmitglied der Band «Stiller Has» mit Endo Anaconda) beweist mit «vo wäge Do», dass er beides hat.
    Anhand seiner Übertragungen dieser chinesischen Verse in ein schnörkelloses Berndeutsch lässt sich erfahren, wie zeitlos das tao te king ist, und – wenn man sie laut liest – wie klangvoll. Die Verse wirken auf den ersten Blick teilweise kryptisch, doch ihnen wohnen viel Feinsinn und Ironie inne.
    Wir sprechen mit Balts Nill unter anderem über seine eigene Beziehung zum tao te king, darüber, wieso Berndeutsch dem Chinesischen stark ähnelt, wo sich das DO und die Musik treffen – und darüber, was geschieht, wenn man beim Übersetzen einem Tinnitus nachhängt.
    Buchhinweis:
    Balts Nill. vo wäge DO. Lokwort, 2020.
    27 min
  • Tim Krohn: Die heilige Henni der Hinterhöfe
    Henni will hoch hinaus. Auf der Suche nach dem Glück, das zu zerbrechen droht, schlägt sie sich durch den Tumult der Grossstadt. Der neue Roman «Die heilige Henni der Hinterhöfe» von Tim Krohn handelt von den grossen und kleinen Revolutionen vor rund 100 Jahren in Berlin.
    Henni Binneweis wächst im Hinterhof einer Berliner Mietskaserne auf. An ihrem vierten Geburtstag wird ihr prophezeit, dass sie zu Höherem geboren sei. Mit dem ersten Weltkrieg geht das Abenteuer los. Alles ist ungewiss. Und Henni will tanzen in ein neues, aufregendes Leben. Mit Witz und Charme hangelt sie sich im Strudel der Zeit von Misere zu Misere bis die hochfliegenden Träume an der Realität zerplatzen.
    Tim Krohn erzählt in seinem Roman «Die heilige Henni der Hinterhöfe» von bekannten und unbekannten Menschen und ihren Geschichten, von einem Land, das im Machtvakuum von ständig wechselnden Strömungen eingenommen wird. Mit humorvollem Ton lässt er das Berlin der Zeit zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg wiederaufleben.
    Wir sprechen mit Tim Krohn über Figuren, die bei ihm anklopfen, eine Generation, die den Kick sucht, und über Menschlichkeit.
    Buchhinweis:
    Tim Krohn. Die heilige Henni der Hinterhöfe. Kampa, 2020.
    27 min
  • Lukas Maisel: Buch der geträumten Inseln
    Auf der Suche nach einer noch unentdeckten Spezies reist Robert Akaret nach Papua Neuguinea. Was klingt wie ein Abenteuerroman des 18. Jahrhunderts ist der Stoff des neu erschienenen Romans «Buch der geträumten Inseln» von Lukas Maisel.
    Wer im 21. Jahrhundert noch allen Ernstes zu einer Entdeckungsreise aufbrechen will, ist entweder wahnsinnig oder wahnsinnig genial. Die Hauptfigur Robert Akeret in «Buch der geträumten Inseln» zählt sich zu Letzteren. Zusammen mit drei anderen begibt er sich auf die Suche nach einem Wesen, das in Mythen und Sagen auf der ganzen Welt beschworen wird: Dem «missing link» zwischen Mensch und Tier. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Fahrt ins Ungewisse.
    «Buch der geträumten Inseln» ist das beeindruckende Debüt des Bieler Literaturinstitut-Abgängers Lukas Maisel, der nicht nur die Lust am Entdecken dieser Welt, in der wir leben, in die Literatur des 21. Jahrhunderts rettet, sondern auch die grosse Kunst des Humors beherrscht.
    Buchhinweis:
    Lukas Maisel. Buch der geträumten Inseln. Rowohlt, 2020.
    22 min
  • Seraina Kobler: Regenschatten
    Und auf einmal ist nichts mehr, wie es war. In ihrem Debütroman «Regenschatten» lässt Seraina Kobler eine Hitzewelle über Zürich einbrechen: Die Flüsse trocknen aus, die Bäume verdorren, und sogar die Vögel fangen Feuer. 
    Mit ihrem Erstling bringt die Journalistin und Schriftstellerin Seraina Kobler das Genre der «Cli-Fi», der Klimaliteratur, in die Schweiz. Für die Arbeit an dem Buch hat sie sich nicht nur durch zahlreiche Klimaberichte, sondern auch durch frühneuzeitliche Chroniken gewühlt. So ist ein kluger Roman entstanden, der dennoch feinsinnig und sinnlich von einer Welt erzählt, die aus den Fugen gerät.
    Gleichzeitig ist «Regenschatten» ein Entwicklungsroman. Er erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die mitten in der Katastrophe zu sich selbst findet. Erzählt wird von Anna, die als Barkeeperin in einer Zürcher Szene-Bar arbeitet. In durchtanzten Nächten versucht, sie, vor der eigenen Vergangenheit zu fliehen – bis eine ungewollte Schwangerschaft sie zu einer Entscheidung drängt.
    Der Roman beeindruckt durch die Analogien zwischen dem sich verschiebenden Innenleben Annas und feinen Beobachtungen der Veränderungen in der Aussenwelt. Ein Debütroman, der es schafft, die drohende Klimaveränderung erfahrbar zu machen.
    Ein Gespräch mit der Autorin über Blütenstaubwolken und den Weltuntergang und über das typische schweizerische Gefühl, vom Unglück verschont zu werden.
    Buchhinweis:
    Seraina Kobler. Regenschatten. Kommode Verlag, 2020.
    21 min
  • Werner Rohner: Was möglich ist
    Werner Rohner spürt drei Beziehungsgeschichten nach, die Grenzen überschreiten: Grenzen des Alters, der Konventionen und der Freundschaft. Ein einfühlsamer Roman, der zeigt, welche Beziehungen in der Literatur oft etwas untergehen.
    Edith ist Kellnerin und steht kurz vor der Pensionierung: Sie verliebt sich in den viel jüngeren Bademeister Chris und gründet mit ihm eine Pension in Marokko. Vera ist schwanger mit ihrem ersten Kind und verliebt sich in die frisch geschiedene Nathalie, die schon zwei Kinder hat. Die beiden verbringen eine Woche voller Sex in New York, haben aber später die grösste Mühe, sich wirklich zu finden. Und Lena, ebenfalls Mutter, betrügt ihren Mann, brennt mit ihrem Lover nach Italien durch und kehrt erst nach einer aufwendigen Vermittlungsaktion ihres besten Freundes zurück.
    Statt einer erzählt Werner Rohner in seinem neuen Roman gleich drei Beziehungsgeschichten. Er beleuchtet Facetten unserer Gesellschaft, die noch immer anecken: Die Liebe zwischen zwei Menschen sehr unterschiedlichen Alters, gleichgeschlechtliche Liebe und Betrug in einer festen Partnerschaft. In behutsamem, einfühlsamem Ton führt Rohner vor, wie normal die Beziehungen von Edith, Vera und Lena aber eigentlich sind. Sie haben unterschiedlichste Leben gelebt und tragen Erfahrungen von Verlusten, Reisen, Missbrauch und unerwiderter Liebe mit sich herum, die nun den weiteren Verlauf dieser Beziehungen mitbestimmen.
    Wir sprechen mit Werner Rohner darüber, welche Beziehungen uns «möglich» oder denkbar vorkommen, darüber, wie es ist, als Mann über lauter weibliche Hauptfiguren zu schreiben, über seine Liebe zur Musik – und über die Erdbeertörtchen im Café Uetli in Zürich-Wiedikon.
    Buchhinweis:
    Werner Rohner. Was möglich ist. Lenos, 2020.
    27 min
  • Ariela Sarbacher: Der gebremste, der bewegte Frühling
    Ariela Sarbachers Tagebuch des Frühlings und Frühsommers 2020 macht die akute Versehrung der Welt durch die Augen einer Schriftstellerin und Mutter erfahrbar.
    Vier Jahre lang schrieb Ariela Sarbacher an ihrem ersten Roman «Der Sommer im Garten meiner Mutter» und als endlich herauskam, kam der Lockdown. Statt auf Lesungen und Literaturfestivals zu gehen, galt es auf einmal, sich in diesem neuen Alltag zurechtzufinden. Ariela Sarbacher tat das, indem sie schrieb. «Der gebremste, der bewegte Frühling und jetzt ist es Sommer» ist ein literarisches Tagebuch, das zwischen März und Juli entstanden ist und der Seltsamkeit unserer jüngsten Vergangenheit mit Worten begegnet und sie für die Zukunft konserviert.
    In diesem neuen Maskenspiel, in dem jede und jeder eine eigene neue Choreographie einnimmt, versucht die Schauspielerin und Schriftstellerin ihrer eigenen Rolle und den Rollen ihrer Mitmenschen auf die Spur zu kommen. Die Erfahrungen, Gedanken und Träume kreisen um das Motiv der Verantwortung, des Befremdlichen und nicht zuletzt um den Zauber der Freundschaft.
    Buchhinweise:
    Ariela Sarbacher. Der gebremste, der bewegte Frühling, und jetzt ist es Sommer. Ein Tagebuch. Telegramme Verlag, 2020.
    Ariela Sarbacher. Der Sommer im Garten meiner Mutter. bilgerverlag, 2020.
    25 min

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Im «SRF 2 Kultur Literaturfenster Schweiz» präsentieren wir aktuelle Schweizer Neuerscheinungen. Wir laden Autorinnen und Autoren ein, deren Buchvernissagen und Lesungen wegen des Corona-Virus abgesagt werden mussten, und unterhalten uns mit ihnen über ihre aktuellen Werke und lassen sie daraus vorlesen.