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Wie setzen sich lateinamerikanische Gegenwartsautor*innen mit der Geschichte ihres Landes auseinander? Darüber hat Sonja Hartl auf der Leipziger Buchmesse mit den Übersetzern Benjamin Loy und Timo Berger gesprochen. Im Mittelpunkt steht das Buch „Die Differenz“ der chilenischen Autorin Alia Trabucco Zerán, das von Benjamin Loy ins Deutsche übertragen wurde.
In „Die Differenz“ begeben sich drei junge Erwachsene in Chile – ungefähr 2013 – auf einen Roadtrip. Ihre jeweiligen Eltern waren in Opposition zu Pinochet, sie gehörten derselben Widerstandsgruppe an. Felipes Eltern sind gestorben, seither streift er durch die Straßen Santiagos und zählt die Toten, die er sieht. Er will herausfinden, wie viele Menschen während der Diktatur verschleppt wurden: Er will die Differenz zwischen den Geborenen und Gestorbenen herausfinden.
„Die Differenz“ stand im Sommer 2022 auf Platz 1 des Weltempfängers. Damals schrieb Anita Djafari: „Drei junge Menschen, Kinder ehemaliger linker Kämpfer*innen gegen die Pinochet-Diktatur, begeben sich in einem wahnwitzigen Roadtrip über die Anden auf die Suche nach einem verlorengegangenen Sarg. Was es heißt für nachfolgende Generationen, weder richtig erinnern noch vergessen zu können, wird in diesem sprachmächtigen Debüt schmerzhaft schön beschrieben.“
Alia Trabucca Zerán: Die Differenz. Aus dem chilenischen Spanisch von Benjamin Loy. Bahoe Books 2021. 220 Seiten, 19 Euro.
Alia Trabucco Zerán wurde 1983 in Santiago de Chile geboren. Sie hat Rechtswissenschaft studiert, an der New York University einen Abschluss in kreativem Schreiben gemacht und dann in London am University College promoviert. „Die Differenz“ ist ihr Debütroman, 2024 ist ihr zweiter Roman „Mein Name ist Estela“ erschienen, ebenfalls von Benjamin Loy übersetzt.
Benjamin Loy ist Übersetzer aus dem Spanischen und Professor für Romanistik mit dem Schwerpunkt Lateinamerika an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
Timo Berger ist Literaturveranstalter, Übersetzer aus dem Spanischen und Portugiesischen und Experte für lateinamerikanische Literatur.
Sonja Hartl ist Kritikerin und Autorin.
Mehr Informationen über die Zukunft von Litprom und den Freundeskreis auf https://www.litprom.de
Die Veranstaltung auf der Leipziger Buchmesse fand in Kooperation mit dem Übersetzungszentrum statt.
Dem Engagement zweier Menschen ist es zu verdanken, dass Bachtyar Alis Werk in deutschsprachiger Übersetzung gelesen werden kann: Rawezh Salim und Ute Cantera-Lang. Im Podcast erzählen sie, wie es dazu kam, dass sie den kurdischen Autor übersetzen, wie ihre Zusammenarbeit aussieht – und sprechen gemeinsam mit Claudia Kramatschek und Sonja Hartl über seinen neuen Roman „Die Herrin der Vögel“.
Ein Buch, das klingt wie ein Märchen – aber der beeindruckende Roman „Die Herrin der Vögel“ ist bestimmt kein Märchen: Die schöne Sausan ist in die kurdische Heimat ihres Vaters zurückgekehrt. Dort buhlen drei sehr verschiedene Männer um ihre Gunst. Sie stellt ihnen eine Aufgabe: Sie sollen acht Jahre lang durch die Welt reisen und ihr 100 Vögel bringen. Erst dann wird sie entscheiden, ob und falls ja, wen sie heiratet.
Ute Cantera-Lang hat Musik studiert und arbeitet nebenberuflich als Übersetzerin.
Rawezh Salim hat Translationswissenschaften studiert und arbeitet als Übersetzer und Dolmetscher für Deutsch, Kurdisch und Arabisch.
Claudia Kramatschek ist Moderatorin und Literaturkritikerin.
Sonja Hartl ist freie Journalistin.
Bachtyar Ali wurde 1966 im Nordirak geboren und geriet 1983 in Konflikt mit der Diktatur Saddam Husseins. Er hat sein Geologiestudium abgebrochen, um sich ganz der Poesie zu widmen. Sein erster Gedichtband erschien 1992 – und mittlerweile sind dazu weitere Bände, aber auch Romane und Essays gekommen. Seit Mitte der 1990er Jahre lebt er in Deutschland. 2017 wurde er mit dem Nelly-Sachs-Preis und 2023 mit dem Hilde-Domin-Preis ausgezeichnet.
Seit 2008 erscheint die Weltempfänger-Bestenliste auf Anregung des Autors, Übersetzers und Herausgebers Ilija Trojanow und gibt Orientierung über übersetzte Literaturen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der arabischen Welt. Litprom gibt die Bestenliste viermal jährlich heraus. Eine ehrenamtliche Jury aus acht Literaturkritikerinnen und Journalistinnen wählt stets sieben Titel aus. Die Weltempfänger-Bestenlisten sind auch auf der Webseite von Litprom zu finden.
Litprom wurde 1980 als „Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.“ gegründet und will den Dialog über und mit Literaturen des Globalen Südens im deutschsprachigen Raum anregen und fördern. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite.
Für Kommentare, Feedback, Fragen erreicht Ihr uns unter [email protected].
Der Podcast wird gefördert vom Deutschen Übersetzerfonds.
Insbesondere durch seine Kriminalromane ist der haitianische Schriftsteller Gary Victor im deutschsprachigen Raum bekannt geworden. Zu verdanken ist das insbesondere dem Verleger und Übersetzer Peter Trier, der die Bücher von Gary Victor nicht nur übersetzt, sondern im Litradukt Verlag auch herausbringt. Wie ist es dazu gekommen, dass er einen Verlag für Literatur aus der Karibik gegründet hat? Welche Besonderheiten gibt es im Schreiben von Gary Victor? Welche Rolle spielt Haiti in der Karibik – und wie ist das Verhältnis von karibischer und lateinamerikanischer Literatur? Darüber spricht Sonja Hartl mit Peter Trier und dem ehemaligen Weltempfänger-Juror Thomas Wörtche.
Im Herbst 2024 ist ein neuer Roman von Gary Victor erschienen: In „Eine Violine für Adrien“ träumt der der vierzehnjährige Adrien in Port-au-Prince zu Beginn der 1970er Jahre davon, ein Violinenvirtuose zu werden. Allein: Ihm fehlt die Geige. Seine Eltern können ihm keine kaufen, das ist nämlich sehr schwierig: Sie müsste aus dem Ausland importiert werden, außerdem ist so ein Instrument sehr teuer. Also fasst Adrien den Beschluss, selbst Geld zu verdienen. Damit geht der Ärger so richtig los. Denn Träumer haben es in den Jahren des Machtwechsels von Papa Doc – also François Duvalier – zu seinem Sohn Baby Doc – das ist Jean-Claude Duvalier – schwer …
Peter Trier ist Verleger und Übersetzer aus dem Französischen.
Thomas Wörtche ist Herausgeber einer Krimi-Reihe beim Suhrkamp Verlag und war von der Gründung bis zum Sommer 2021 Mitglied der Jury für die Weltempfänger-Bestenliste.
Sonja Hartl ist freie Journalistin.
Gary Victor wurde 1958 in Port-au-Prince geboren. Ursprünglich war er Agronom und hat für verschiedene Ministerien seines Landes gearbeitet. Dann hat er sich dem Journalismus zugewandt. Er ist dank seiner Romane, Theaterstücke und Radiobeiträge einer der subversivsten und populärsten Autoren seines Landes.
Gary Victor: Eine Violine für Adrien. Aus dem Französischen von Peter Trier. Litradukt 2024. 145 Seiten. 16 Euro.
Seit 2008 erscheint die Weltempfänger-Bestenliste auf Anregung des Autors, Übersetzers und Herausgebers Ilija Trojanow und gibt Orientierung über übersetzte Literaturen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der arabischen Welt. Litprom gibt die Bestenliste viermal jährlich heraus. Eine ehrenamtliche Jury aus acht Literaturkritikerinnen und Journalistinnen wählt stets sieben Titel aus. Die Weltempfänger-Bestenlisten sind auch auf der Webseite von Litprom zu finden.
Litprom wurde 1980 als „Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.“ gegründet und will den Dialog über und mit Literaturen des Globalen Südens im deutschsprachigen Raum anregen und fördern. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite.
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Südsudan, Syrien, Philippinen und Chile sind die vier (literarischen) Regionen, um die sich beim Weltempfängerquartett alles dreht. Und natürlich: die Übersetzungen ins Deutsche. Im November 2024 haben drei Juror*innen und als Gast die Romanistin und Übersetzerin Karen Genschow über vier Romane diskutiert, die auf den Weltempfänger-Bestenlisten standen. Ein Abend, der wieder einmal gezeigt hat, wie vielfältig und interessant die Literatur aus diesen Ländern ist.
Das Quartett besteht aus:
Timo Berger, Übersetzer aus dem Spanischen und Portugiesischen, Literaturveranstalter.
Karen Genschow, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Romanische Sprachen und Literaturen der Goethe-Universität Frankfurt und Übersetzerin aus dem Englischen und Spanischen.
Claudia Kramatschek, Moderatorin und freie Literaturkritikerin mit Schwerpunkt auf den Literaturen des indischen Subkontinents und der arabischen Welt.
Sonja Hartl, freie Journalistin.
Und die Titel sind (in alphabetischer Reihenfolge der Autor*innen):
Luna Sicat Cleto: Offenes Meer. Aus dem Tagalog von Annette Hug. Edition Tincatinca 2024.
María José Ferrada: Der Plakatwächter. Aus dem Spanischen von Peter Kultzen. Berenberg Verlag 2024.
Stella Gaitano: Endlose Tage am Point Zero. Aus dem Arabischen von Günther Orth. Edition Orient 2024.
Samar Yazbek: Wo der Wind wohnt. Aus dem Arabischen von Larissa Bender. Unionsverlag 2024.
Seit 2008 erscheint die Weltempfänger-Bestenliste auf Anregung des Autors, Übersetzers und Herausgebers Ilija Trojanow und gibt Orientierung über übersetzte Literaturen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der arabischen Welt. Litprom gibt die Bestenliste viermal jährlich heraus. Eine ehrenamtliche Jury aus acht Literaturkritikerinnen und Journalistinnen wählt stets sieben Titel aus. Die Weltempfänger-Bestenlisten sind auch auf der Webseite von Litprom zu finden.
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Die Geschichte Timors – Über „Die Leute von Oetimu“ von Felix K. Nesi
Wie erzählt man von Timor – einer Insel, in der sich hunderte Jahre Weltgeschichte widerspiegeln? Wie findet eine Übersetzerin umgangssprachliche Entsprechungen beim Übertragen vom Indonesischen ins Deutsche? Und wie klingt eigentlich die Sprache Uab Meto? Darüber spricht Sonja Hartl mit Sabine Müller, die Felix K. Nesis „Die Leute von Oetimu“ aus dem Indonesischen ins Deutsche übersetzt hat, und Katharina Borchardt, Expertin für Literatur aus Südostasien.
Mit jeder Seite, mit jeder Figur dieses Romans taucht man tiefer ein in die verschlungene Geschichte Timors, jener Insel nördlich von Australien, die seit dem 17. Jahrhundert geteilt ist. Der Westen gehört zu Indonesien. Der Osten ist unabhängig. In dem Roman versammeln sich in dem (fiktiven) Grenzort Oetimu 1998 alle Männer des Ortes, um das Finale der Fußball-WM zu schauen. Sergeant Ipi hat sie eingeladen. Er hat einen Fernseher und etwas zu verkünden: Er hat sich mit der schönen Silvy verlobt. Diese Ankündigung stürzt fast alle Anwesenden in tiefes Unglück: Sie sind alle in Silvy verliebt. Und doch ist dieser Abend nur der Anlass und der lose Rahmen, um von einzelnen Personen zu erzählen, die mit ihm in Verbindung stehen: Von Ipis Mutter und seinem Ziehurgroßvater. Einem ehemaligen Offizier, der in Oetimu lebt. Und der schönen Silvy.
„Die Leute von Oetimu. Eine garantiert wahre Geschichte aus Timor“ stand im Winter 2024 Platz 2 des 65. Weltempfängers. Dazu schrieb Katharina Borchardt: „Die Geschichte Osttimors von der portugiesischen Besatzung bis zur Unabhängigkeit. Abenteuer, Drama, Sex und Tod! Das alles erzählt mit großer Geste: ausgreifend, komisch und voller Cliffhanger. Am Beispiel des Grenzstädtchens Oetimu. Ganz großes Kino!“
Sabine Müller ist Übersetzerin aus dem Indonesischen.
Katharina Borchardt ist Redakteurin bei SWR Kultur.
Sonja Hartl ist freie Journalistin.
Felix K. Nesi wurde 1988 in Westtimor geboren. Er hat Psychologie studiert und wurde 2015 beim Makassar International Writers Festival als „Emerging Writer“ ausgezeichnet. Er ist Mitbegründer der Komunitas Leko, die sich für Alphabetisierung einsetzt, außerdem hat er eine Buchhandlung, eine Bibliothek und ein Literaturfestival in Westtimor mitbegründet. Er schreibt Romane, Kurzgeschichte und Lyrik. Und „Die Leute von Oetimu“ gewann 2018 den Literaturwettbewerb des Kunstrats Jakarta als Bester Roman des Jahres. Außerdem wurde er 2021 mit dem Literaturpreis des indonesischen Ministeriums für Bildung und Kultur ausgezeichnet. Und 2022 war Felix K Nesi Writer in Residence an der Universität von Iowa.
Felix K. Nesi: Die Leute von Oetimu. Eine garantiert wahre Geschichte aus Timor. Aus dem Indonesischen von Sabine Müller. Edition Nautilus 2024. 312 Seiten. 25 Euro.
Folgende Titel werden in der Folge erwähnt:
Luna Sicat Cleto: Offenes Meer. Aus dem Tagalog und mit einem Nachwort versehen von Annette Hug. Edition Tincatinca 2024. 96 Seiten. 26 Euro.
Zur Podcast-Folge mit Annette Hug geht es mit diesem Link.
Seit 2008 erscheint die Weltempfänger-Bestenliste auf Anregung des Autors, Übersetzers und Herausgebers Ilija Trojanow und gibt Orientierung über übersetzte Literaturen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der arabischen Welt. Litprom gibt die Bestenliste viermal jährlich heraus. Eine ehrenamtliche Jury aus acht Literaturkritikerinnen und Journalistinnen wählt stets sieben Titel aus. Die Weltempfänger-Bestenlisten sind auch auf der Webseite von Litprom zu finden.
Litprom wurde 1980 als „Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.“ gegründet und will den Dialog über und mit Literaturen des Globalen Südens im deutschsprachigen Raum anregen und fördern. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite.
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Wie funktionieren Erinnerungen? Wie schreibt man über eine Diktatur, in der man gelebt hat – als Kind? Und wie übersetzt man eine neu getextete spanischsprachige Version von Billy Joels „We didn’t start the fire“? Darüber spricht Sonja Hartl mit Friedrike von Criegern, die Nona Fernández „Twilight Zone“ aus dem chilenischen Spanisch übersetzt hat, und mit Lateinamerika-Experte Timo Berger.
In „Twilight Zone“ will die Ich-Erzählerin – die viele Ähnlichkeiten mit der Autorin hat – einen Dokumentarfilm über die Militärdiktatur schneiden und erinnert sich an ein Foto eines Mannes, der 1984 auf dem Titelblatt einer oppositionellen Zeitschrift zu sehen war. Übertitelt war dieses Foto mit: „Ich habe gefoltert“. Die Erzählerin war damals noch eine Teenagerin, aber sie hat das Bild und das zugehörige Interview nie vergessen. Als Erwachsene begibt sie sich nun auf eine Recherche- und Erinnerungsreise in diese Zeit – und versucht die Geschichte der Diktatur, aber auch die mangelnde Erinnerung innerhalb der chilenischen Gesellschaft zu fassen.
„Twilight Zone“ stand im Sommer 2024 auf Platz 2 des 63. Weltempfängers. Damals schrieb Timo Berger zu diesem Buch: „Eine Schülerin steigt in einen roten Chevy. Eine Spritztour mit Onkel Claudio. Jahre später erfährt sie, dass der Onkel ihrer Freundin für das Pinochet-Regime gefoltert und gemordet hat. Ein aufrüttelnd ehrlicher Blick auf die jüngste Geschichte Chiles.“
Friederike von Criegern ist Literaturübersetzerin, freie Dozentin für Literatur und Übersetzen sowie Dolmetscherin.
Timo Berger ist Literaturveranstalter, Übersetzer aus dem Spanischen und Portugiesischen.
Sonja Hartl ist freie Journalistin.
Nona Fernández wurde 1971 in Santiago de Chile geboren. Sie ist Schauspielerin und Autorin – und zählt als solche zu den führenden literarischen Stimmen Lateinamerikas und hat zahlreise Preise gewonnen. Für „Twilight Zone“ wurde sie mit dem Premio Sor Juana Inés de la Cruz ausgezeichnet und für den National Book Award USA nominiert. Sie schreibt viele Theatertexte, in Deutschland wurde zum Beispiel 2021 ihr Stück „Mädchenschule“ uraufgeführt, auch übersetzt von Friedrike von Criegern.
Nona Fernández: Twilight Zone. Aus dem chilenischen Spanisch von Friedrike von Criegern. Culturbooks 2024. 240 Seiten. 24 Euro.
Das Titelblatt, an das sich die Erzählerin erinnert, lässt sich in Ariel Dorfmans Besprechung des Romans bei der New York Times ansehen.
Genannte Titel zur chilenischen Erinnerungsliteratur:
Alejandro Zambra: Formas de volver a casa. Die Erfindung der Kindheit. Aus dem Spanischen von Susanne Lange, Suhrkamp Verlag, Berlin, 2012
Alia Trabucco Zeran: La Resta. Die Differenz. Aus dem Spanischen von Benjamin Loy. Bahoe Books 2022. (Dieses Buch war auf Platz 1 des 55. Weltempfängers)
Hernán Valdés: Tejas Verdes. Auch wenn es nur einer wäre. Tagebuch aus einem chilenischen KZ. Rowohlt 1987. Aus dem Spanischen von Ulrike Michael-Valdés
Seit 2008 erscheint die Weltempfänger-Bestenliste auf Anregung des Autors, Übersetzers und Herausgebers Ilija Trojanow und gibt Orientierung über übersetzte Literaturen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der arabischen Welt. Litprom gibt die Bestenliste viermal jährlich heraus. Eine ehrenamtliche Jury aus acht Literaturkritikerinnen und Journalistinnen wählt stets sieben Titel aus. Die Weltempfänger-Bestenlisten sind auch auf der Webseite von Litprom zu finden.
Litprom wurde 1980 als „Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.“ gegründet und will den Dialog über und mit Literaturen des Globalen Südens im deutschsprachigen Raum anregen und fördern. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite.
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Die meisten Bücher aus Indien werden aus dem Englischen übersetzt, im Draupadi Verlag aber ist 2023 mit Anjali Deshpandes „Mord“ ein Kriminalroman erschienen, den Almuth Degener aus dem Hindi übersetzt hat: Wie schreibt die Autorin und Aktivistin Deshpande über Frauen und Dalit? Wie wird Hindi-Literatur in Indien gesehen? Und welche Rolle spielt das Englische als Literatursprache in Indien? Darüber spricht Sonja Hartl mit Almuth Degener und Claudia Kramatschek.
In „Mord“ (Draupadi Verlag 2023) wird eine Frau tot in der Nähe von Neu-Delhi auf dem Gutshof eines reichen Unternehmers gefunden. Die Polizei interessiert sich kaum für diesen Fall: Die Dorfbewohner reden nicht mit Polizisten und die Tote war vermutlich eine Prostituierte, die es nicht anders verdient habe. Nur der derzeit vom Dienst suspendierte Polizist Adhirath sieht das anders: Dieser Fall könnte ihn von seiner bevorstehenden Anhörung ablenken, die über seine Zukunft bei der Polizei entscheidet. Also beginnt er mit eigenen Ermittlungen.
„Mord“ stand auf Platz 3 des 60. Weltempfängers im Herbst 2023. Damals schrieb Jury-Mitglied Sonja Hartl: „Eine tote Prostituierte, ein suspendierter Polizist und wenig Hoffnung, dass der Täter jemals bestraft wird. Deshpande bleibt ganz nah bei denen, die unten in der Gesellschaft Indiens stehen. Konzentrierte, kluge und kritische Gesellschaftsanalyse verpackt als Kriminalroman.“
Almuth Degener ist Übersetzerin und Indologin.
Sonja Hartl ist freie Journalistin.
Anjali Deshpande wurde 1954 geboren und studierte Philosophie an der Delhi University. Sie hat an zahlreichen Aktionen zur Verbesserung der Lage der Dalit teilgenommen und schrieb als Journalistin eine Kolumne über Frauen. „Mord“ ist ihr erster Roman von ihr, der auf Deutsch erschienen ist.
Anjali Deshpande: Mord. Aus dem Hindi übersetzt von Almuth Degener. Draupadi Verlag 2023. 210 Seiten. 19,80 Euro.
Erwähnt werden in dieser Folge außerdem:
Geetanjali Shree. Sie hat für die englische Übersetzung ihres Romans „Ret Samadhi“ (englischer Titel „Tomb of Sand“, übersetzt von Daisy Rockwell) 2022 den International Booker Prize bekommen. Eine Übersetzung ins Deutsche liegt bisher nicht vor. Zuletzt ist von ihr eine Neuauflage ihres Romans „Mai“ im Unionsverlag in der Übersetzung von Reinhold Schein erschienen.
Alka Saraogi: Umweg nach Kakutta (OT: „Kalikatha: Via Bypass“). Übersetzt von Margot Gatzlaff-Hälsig. Insel Verlag 2006.
Seit 2008 erscheint die Weltempfänger-Bestenliste auf Anregung des Autors, Übersetzers und Herausgebers Ilija Trojanow und gibt Orientierung über übersetzte Literaturen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der arabischen Welt. Litprom gibt die Bestenliste viermal jährlich heraus. Eine ehrenamtliche Jury aus acht Literaturkritikerinnen und Journalistinnen wählt stets sieben Titel aus. Die Weltempfänger-Bestenlisten sind auch auf der Webseite von Litprom zu finden.
Litprom wurde 1980 als „Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.“ gegründet und will den Dialog über und mit Literaturen des Globalen Südens im deutschsprachigen Raum anregen und fördern. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite.
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Wie lebe ich mit einer übermächtigen Geschichte? Diese Frage treibt die Erzählerin in Yara Nakahanda Monteiros fulminanten Roman „Schwerkraft der Tränen“ an, der den Frauen in Angola viele Stimmen gibt. Aus dem Portugiesischen ins Deutsche übertragen hat ihn Michael Kegler. Mit ihm und Anita Djafari spricht Sonja Hartl über diesen Roman, angolanische Literatur und die Rolle der Identität im Literaturbetrieb.
Yara Nakahanda Monteiro wurde 1979 in Huambo in Angola geboren, lebt aber seit 1981 in Portugal. Sie hat lange im Bereich Personalwesen gearbeitet, bis sie 2015 entschied, sich dem Schreiben zu widmen. „Schwerkraft der Tränen“ (Haymon Verlag, 2022) ist ihr erster Roman. Darin erzählt sie von Vitória Queiroz da Fonseca, die ebenfalls in Angola geboren und in Portugal bei ihren Großeltern aufgewachsen ist. Aber eine Frage lässt sie nicht los: Was ist mit ihrer Mutter, die damals als Kämpferin im Unabhängigkeitskrieg in Angola geblieben ist? Sie ahnt, dass ihre Mutter ein Land mehr geliebt hat als sie selbst. Also verschwindet sie 2003 kurz vor ihrer Hochzeit aus Portugal, reist nach Luanda und begibt sich auf die Suche nach ihrer Mutter.
Michael Kegler ist Übersetzer aus dem Portugiesischen
Anita Djafari war bis 2022 Geschäftsleiterin von Litprom und ist Literaturvermittlerin
Sonja Hartl ist freie Journalistin.
Yara Nakahanda Monteiro: Schwerkraft der Tränen. Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler. Haymon Verlag 2022. 280 Seiten. 22,90 Euro.
In dieser Folge werden außerdem folgende Autorinnen und Autoren erwähnt:
José Eduardo Agualusa: Eine allgemeine Theorie des Vergessens. Übersetzt von Michael Kegler. C.H. Beck 2017
Ondjaki: Die Durchsichtigen. Übersetzt von Michael Kegler. Afrika Wunderhorn 2015.
Die Lyrikerin Ana Paula Tavares.
Die erwähnten Filme sind:
Seit 2008 erscheint die Weltempfänger-Bestenliste auf Anregung des Autors, Übersetzers und Herausgebers Ilija Trojanow und gibt Orientierung über übersetzte Literaturen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der arabischen Welt. Litprom gibt die Bestenliste viermal jährlich heraus. Eine ehrenamtliche Jury aus acht Literaturkritikerinnen und Journalistinnen wählt stets sieben Titel aus. Die Weltempfänger-Bestenlisten sind auch auf der Webseite von Litprom zu finden.
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Soweit wir wissen, ist der Lyrikband „Offenes Meer“ die erste umfangreiche deutsche Übersetzung aus dem Tagalog – eine der Hauptsprachen der Philippinen – ins Deutsche. Wie übersetzt man aus einer Sprache, zu der es kein verwendbares Wörterbuch gibt? Wie lesen wir Gedichte aus den Philippinen? Und wie können wir mehr Literatur von den Philippinen kennenlernen? Darüber spricht Sonja Hartl mit der Übersetzerin Annette Hug und der Journalistin Katharina Borchardt.
„Offenes Meer“ versammelt Gedichte aus 30 Jahren: Politische, persönliche, stilistisch sehr verschiedene. Es geht um abgebrannte Universitäten, den Vater – der Dichter Rogelio Sicat -, das Verhältnis zum eigenen Körper, Mutterschaft, aber auch um die Hinrichtung einer philippinischen Arbeitsmigrantin in Singapur und die Entfremdung, die die Oversea Filipino Workers in ihrer Familie empfinden. Es sind fließende, schwebende Gedichte in freien Formen, sie laden zum Erleben und Erkunden ein.
„Offenes Meer“ steht auf Platz 1 des 64. Weltempfängers. Dazu schreibt Jury-Mitglied Timo Berger: „Gedichte, geformt im Spiel der Gezeiten. Auf einer Motorradfahrt durchs wuselige Manila. Im Schein einer Trauerkerze. Unter den Schreien der Marktverkäufer. Wie Geckos schnellen die Verse in eine Zukunft, die gleichzeitig Erinnerung an eine blutige Vergangenheit ist.“
Annette Hug ist Autorin und Übersetzerin für philippinische Gegenwartsliteratur.
Katharina Borchardt ist Redakteurin bei SWR Kultur.
Sonja Hartl ist freie Journalistin.
Luna Sicat Cleto wurde 1967 in Manila geboren, sie hat Film, audiovisuelle Kommunikation und Filipino Literaturgeschichte studiert und unterrichtet philippinische Literatur und Creative Writing an der University of the Philippines.
Luna Sicat Cleto: Offenes Meer. Aus dem Tagalog und mit einem Nachwort versehen von Annette Hug. Edition Tincatinca 2024. 96 Seiten. 26 Euro.
In dieser Folge werden außerdem folgende Titel erwähnt:
Annette Hug: Wilhelm Tell in Manila. Wunderhorn 2016.
Marlies S. Salazar: Perspectives on Philippine Languages. University of the Philippines Press 2014.
Den ersten Podcast zu der Übersetzung (Ü: Niko Fröba) des philippinischen Kriminalromans „Last Call Manila“ von Jose Dalisay findet man unter diesem Link.
Seit 2008 erscheint die Weltempfänger-Bestenliste auf Anregung des Autors, Übersetzers und Herausgebers Ilija Trojanow und gibt Orientierung über übersetzte Literaturen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der arabischen Welt. Litprom gibt die Bestenliste viermal jährlich heraus. Eine ehrenamtliche Jury aus acht Literaturkritikerinnen und Journalistinnen wählt stets sieben Titel aus. Die Weltempfänger-Bestenlisten sind auch auf der Webseite von Litprom zu finden.
Litprom wurde 1980 als „Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.“ gegründet und will den Dialog über und mit Literaturen des Globalen Südens im deutschsprachigen Raum anregen und fördern. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite.
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Wie findet arabische Literatur aus dem Sudan den Weg auf den deutschsprachigen Buchmarkt? Welche Herausforderungen gibt es beim Übersetzen aus dem sudanesischen Arabisch? Wie viel Freizügigkeit gibt es in arabischer Literatur? Und wie steht es um die Literatur aus dem Sudan hierzulande? Darüber redet Sonja Hartl mit Claudia Kramatschek und Günther Orth am Beispiel von Günther Orths Übersetzung von Abdelaziz Baraka Sakins „Der Messias von Darfur“.
In „Der Messias von Darfur“ werden die Sudanesen Ibrahim und Shikiri auf der Fahrt nach Karthum aus dem Bus gezerrt und zum Militärdienst eingezogen. Ihr Einsatzgebiet: Darfur. Dort gibt es einen erbitterten Krieg zwischen der Regierung und der brutalen Miliz Djandjawid auf der einen Seite – und verschiedenen Rebellengruppen auf der anderen Seite. Eines Tages begegnet Shikiri der jungen Frau Abdarrahman, die durch die Djandjawid alles verloren hat. Nach ihrer Hochzeit offenbart sie Shikiri, dass sie sich an jenen rächen will. Damit beginnt eine Odyssee durch verschiedene Kampfgebiete und gewissermaßen die jüngere Geschichte Darfurs. Aber es gibt noch jemanden, der die Pläne aller beeinflusst: der titelgebende Messias, der immer mehr Anhänger findet – und zwar in allen Konfliktparteien.
„Der Messias von Darfur“ ist ein hinreißendes, böses, witziges und kluges Buch – weit von jeglicher Betroffenheitsprosa. Es bringt die Verworrenheit und Unübersichtlichkeit im Sudan hervorragend auf den Punkt – und liefert zudem Hintergrund zum gegenwärtigen Krieg im Sudan. Die Übersetzung von Günther Orth wurde 2021 von Litprom mit Mitteln des Auswärtigen Amts gefördert.
Günther Orth ist Übersetzer und Dolmetscher für Arabisch
Claudia Kramatschek ist Moderation und freie Literaturkritikerin mit Schwerpunkt auf den Literaturen vom indischen Subkontinent und der arabischen Welt.
Sonja Hartl ist freie Journalistin.
Abdelaziz Baraka Saakin wurde 1963 in Kassala im Osten des Sudan geboren, seine Vorfahren aber kommen aus Darfur im Westsudan. Er hat Betriebswirtschaft studiert, u.a. für verschiedenen internationale Hilfsorganisationen gearbeitet, vor allem aber ist er einer der beliebtesten Schriftsteller im Sudan – obwohl seine Bücher dort verboten sind. Er schreibt seit 2000. 2009 hat er den sudanesischen Tayeb-Salih-Preis erhalten, danach wurden dann seine Bücher konfisziert und verboten. Seit 2012 lebt er im Exil in Österreich und in Frankreich. Für „Der Messias von Darfur“ hat er den Prix Littérature Monde erhalten.
In dieser Folge werden außerdem erwähnt:
Die Folge wurde im November 2023 aufgenommen.
Seit 2008 erscheint die Weltempfänger-Bestenliste auf Anregung des Autors, Übersetzers und Herausgebers Ilija Trojanow und gibt Orientierung über übersetzte Literaturen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der arabischen Welt. Litprom gibt die Bestenliste viermal jährlich heraus. Eine ehrenamtliche Jury aus acht Literaturkritikerinnen und Journalistinnen wählt stets sieben Titel aus. Die Weltempfänger-Bestenlisten sind auch auf der Webseite von Litprom zu finden.
Litprom wurde 1980 als „Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.“ gegründet und will den Dialog über und mit Literaturen des Globalen Südens im deutschsprachigen Raum anregen und fördern. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite.
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