Dass Lesen eine einsame Tätigkeit sei, mag für viele stimmen. Genauso richtig ist aber auch, dass es das Lesen von Literatur ohne ein Gespräch über diese Literatur nicht gibt. Die Grenzen zwischen Lesen und Schreiben, zwischen Autor und Leser, Produzent und Konsument, werden neu definiert. Wir handeln neu aus, was überhaupt ein Buch ist. Wir schaffen Kontexte, in denen das Gespräch über Literatur stattfindet. Für dieses Gespräch ist die Gemeinschaft, wie groß oder klein auch immer, die sich aus Autoren und Lesern bildet, genauso wichtig wie der Text, den sie verfassen und lesen. Lesen und soziale Interaktion sind nicht mehr voneinander zu trennen. Social Reading macht die soziale Praxis, in der ein Buch steht, sichtbar und eben praktikabel.
Guido Graf (*1966) hat Germanistik, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft studiert. Als freier Journalist hat er für überregionale Tages- und Wochenzeitungen geschrieben, dann arbeitete er vermehrt für den Rundfunk, produzierte zahlreiche Radiofeature und Hörspiele und moderierte von 1999 bis 2012 als freier Redakteur auf WDR3 das wöchentliche Büchermagazin „Gutenbergs Welt“.
Von 1995 bis 1999 betreute er den Bereich „Literaturvermittlung und Medienpraxis“ an der Universität Essen, seit 2008 lehrt er am Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim. In der Forschung beschäftigt er sich mit neuen Formen der Literaturvermittlung und des Kulturjournalismus sowie mit Sozialer Poetik. 2009 gründete er gemeinsam mit einer Gruppe von Studierenden die Online-Plattform Litradio. 2012 organisierte er im Auftrag der Kulturstiftung des Bundes den internationalen Thinktank „Litflow“ für die „nächste Literatur“ und 2013 die Tagung „Litfutur. Neue Formen der Literaturvermittlung“ (http://litfutur.de). Er organisierte verschiedene Projekte zum Thema Social Reading, zuerst „100 Tage Unendlicher Spass“(http://unendlicherspass.de) und zuletzt „Frau und Gitarre. Blog für betreutes Lesen.“ (http://frau-und-gitarre.de)
Foto: © Goethe-Institut. Martin Mařák