Warum SAM-Projekte trotz moderner Tools scheitern – und was wirklich fehlt
„Wir erzielen keine guten Ergebnisse – wir brauchen ein neues System.“
Dieser Reflex ist im Software Asset Management weit verbreitet. Doch in vielen Fällen liegt das Problem nicht im Tool, sondern in der fehlenden fachlichen und organisatorischen Verankerung.
In der Podcast-Folge diskutieren Holger Hoheisel und Fabian van Look (beide CCP Software GmbH) sowie Steffen Fuhrmann (Netlution), warum ServiceNow – stellvertretend für moderne Plattformen – nur dann Wirkung entfaltet, wenn technologische und fachliche Expertise gleichwertig zusammenspielen.
Der systemische Denkfehler: Technologie im Fokus, Organisation im Hintergrund
In vielen Projekten steht die technische Implementierung im Mittelpunkt:
Modul aktivierenSchnittstellen anbindenDaten importierenReports konfigurierenWas häufig unterschätzt wird, sind Fragen wie:
Wer ist verantwortlich für Datenqualität?Welche Prozesse speisen das System?Wie werden Lizenzlogiken interpretiert?Wer nutzt Reports – und wofür?Genau hier entsteht die Lücke zwischen System und Ergebnis.
Fabian van Look bringt es im Gespräch auf den Punkt:
„Ein Fehler, den wir immer wieder sehen, ist, dass SAM als Tool-Projekt gesehen wird – also ohne Operating Model, also Rollen, Prozesse und Routinen bringt das Tool halt nichts.“
Ein implementiertes System bedeutet noch kein funktionierendes Software Asset Management. Erst wenn Rollen, Prozesse, Verantwortlichkeiten und Governance-Strukturen definiert sind, entsteht echte Steuerungsfähigkeit.
ServiceNow als Beispiel – nicht als Ursache
ServiceNow dient in der Folge als konkretes Beispiel für eine leistungsfähige Plattform.
Doch selbst eine strategische Plattform mit:
CMDBIT Asset ManagementSAM ProDiscoveryReporting-Funktionalitätenliefert keine nachhaltigen Ergebnisse, wenn:
Datenquellen nicht klar definiert sindHerstellerlogiken nicht verstanden werdenProzesse organisatorisch nicht verankert sindfachliche Verantwortung fehltTechnologie kann strukturieren – aber sie ersetzt kein fachliches Verständnis.
Die Rolle der CMDB: Fundament statt Perfektionsprojekt
Ein weiterer Aspekt ist der Umgang mit der CMDB.
Steffen Fuhrmann betont, dass sie zwar zentral ist, aber niemals perfekt sein wird. Der Versuch, vorab eine vollständig fehlerfreie Datenbasis zu schaffen, führt häufig zu langen Projekten ohne echten Mehrwert.
Der pragmatische Ansatz lautet:
klarer Scopepriorisierte Herstelleriterative VerbesserungGovernance von DatenquellenEntscheidend ist nicht Perfektion – sondern Steuerbarkeit.
Steffen Fuhrmann beschreibt die Zusammenarbeit von technologischer und fachlicher Perspektive so:
„Es sind einfach diese beiden Komponenten und diese beiden Welten, die man vereinen muss in einem Projekt, dass es erfolgreich wird.“
Erfolgreiches Software Asset Management entsteht nicht durch Technologie allein – sondern durch das bewusste Zusammenführen von:
Plattform-Know-howLizenz- und HerstellerexpertiseProzessdesignorganisatorischer VerankerungFehlt eine dieser Komponenten, entstehen funktionierende Systeme – aber keine funktionierenden Ergebnisse.
Warum der Ruf nach einem neuen System oft zu kurz greift
Wenn Projekte nicht den erwarteten Mehrwert liefern, wird häufig die Technologie infrage gestellt. Doch ohne:
klar definiertes Zielbildabgestimmte Prozessegeregelte Schnittstellenbelastbare Datenqualitätfachliche Steuerungwürde auch ein anderes System dieselben Schwächen reproduzieren.
Das Problem ist strukturell – nicht technologisch.
Nach den ersten Projektmonaten sollte ein Unternehmen:
Transparenz über Risiken gewinnenpriorisierte Hersteller definiert habenerste End-to-End-Prozesse etabliert habenein belastbares Zielbild besitzenNicht realistisch ist ein vollständig ausgereiftes, allumfassendes SAM-Setup.
SAM ist kein einmaliges Projekt – sondern ein kontinuierlicher Managementprozess.
Fazit: Gleichgewicht statt Systemwechsel
Ein Tool allein reicht nicht — für erfolgreiches SAM braucht es nicht nur technologische, sondern auch fachliche Expertise.
Technologie ist Voraussetzung.
Fachliche Verankerung ist Wirkung.
Erst wenn Rollen, Prozesse, Schnittstellen und Datenqualität bewusst mitgedacht werden, entsteht nachhaltige Steuerungsfähigkeit – unabhängig davon, welches System im Einsatz ist.