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Tobias Daur ist gemeinwohlorientierter Unternehmer und berät bei Gründungsvorhaben und bei der Weiterentwicklung gemeinwohlorientierter Unternehmen. Er brennt für die Gemeinwohlökonomie (GWÖ). Seit er den Gründer der GWÖ, Christian Felber, vor vielen Jahren gehört hat, lässt ihn das Thema nicht mehr los. 2010 erschien Felbers Buch „Gemeinwohl-Ökonomie: Das Wirtschaftsmodell der Zukunft“. Für Daur eine Initialzündung.
Tobias Daur überzeugt die Systematik der GWÖ, mit der man sein wirtschaftliches Handeln durchleuchtet kann. Im Mittelpunkt steht die Gemeinwohl-Matrix. Dieses Tool macht den Beitrag des Unternehmens zum Gemeinwohl bewertbar, indem die fünf Berührungsgruppen (Lieferantinnen, Eigentümerinnen & Finanzpartnerinnen, Mitarbeitende, Kundinnen & Mitunternehmen, gesellschaftliches Umfeld) mit Blick auf die zentralen Wertekategorien (Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitentscheidung) betrachtet werden. Tobias Daur sieht in den gemeinwohlorientierten Werten ganz klar die Grundlage für die Förderung erfolgreicher Beziehungen und für ein gutes Leben. Und somit steht er voll hinter dem Credo der GWÖ: Die Wirtschaft muss dem Gemeinwohl dienen.
Tobias Daur schaut dabei nicht nur auf bestehende Unternehmen. Für ihn sollte schon bei der Gründung die Gemeinwohlorientierung treibende Kraft sein. Er hat mit verschiedenen Akteuren der GWÖ-Bewegung das Tool Ecogood Business Canvas entwickelt. Das Tool verbindet das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie mit dem bekannten Ansatz Business Model Canvas.
Etablierten Unternehmen steht die Gemeinwohl-Bilanz als strategisches Tool zur Verfügung. Es handelt sich um eine ethische Bilanz auf der Basis der Gemeinwohl-Matrix. Der systemische Ansatz schafft eine 360-Grad-Perspektive und ist ein Kompass auf dem Weg, die Wirtschaft nachhaltig auszurichten. Tobias Daur weiß, dass die Anwendung dieses Tools zeitaufwendig ist und die Mitarbeitenden, die sich einbringen in den Prozess, durchaus fordert. Aber für ihn ist es ein lohnender Weg.
Die Chancen, die in der GWÖ stecken, erkennen immer mehr Unternehmen – das beobachtet Tobias Daur in den letzten Jahren durchaus. Auch wenn bisher nur wenige Firmen in Münster sich auf den Weg der Bilanzierung gemacht haben, sieht der Berater einen positiven Trend. „Das gute Leben für alle“ hat im Rahmen der Nachhaltigkeitsdiskussion an Bedeutung für die Wirtschaft gewonnen. Die Bewegung ist nicht mehr in einer Nische.
Im Gespräch mit Andreas Heupel wird schnell deutlich, dass sich im Gebäudesektor etwas verändern müssen. Fast 40 % der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland fallen auf die Herstellung, Errichtung, Modernisierung sowie Nutzung und Betrieb von Immobilien. Der Ressourcen- und der Flächenverbrauch sind immens.
Als Architekt sieht sich Andreas Heupel in der Verantwortung. Er fordert neues Denken und ein ganzheitliches Vorgehen. Über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes von der Planung über die Errichtung bis zur Instandhaltung und Abriss sollte die Umwelt möglichst wenig belastet werden. Ein wichtiger Hebel ist für ihn dabei der Einsatz nachhaltiger Materialien. Mit der Schaffung des H7, ein Bürogebäude in Holz-Hybrid-Bauweise, hat der Architekt dies eindrucksvoll belegt. Durch das Ersetzen der Baustoffe Beton und Stahl durch Holz wurden allein bei der Produktion je Kubikmeter Holz die CO2-Emissionen um 1,1 Tonnen gesenkt.
Für den Bauherren und Nutzer des H7, den „SuperBiomarkt“, ist die Nachhaltigkeit des Gebäudes sehr wichtig. Es passt zur Firmenphilosophie und für die Mitarbeitenden wird ein Arbeitsumfeld geschaffen, das auch die Aspekte Wohlfühlen und Gesundheitsförderung berücksichtigt. Andreas Heupel ist mit seinem Architekturbüro selbst Mieter im H7. Und so kennt er nicht nur die ökologischen, sondern auch die finanziellen Vorteile des Gebäudes. Mit dem Einzug ins H7 sind seine Nebenkosten signifikant gesunken. Nachhaltigkeit ist für ihn einmal mehr ein Chancenthema. Das wird zwar zunehmend in der Branche erkannt, doch noch ist ein geringer Teil von Bauherren bereit, nachhaltiges Bauen konsequent umsetzen. Da ist ein dickes Brett zu bohren.
Insgesamt plädiert Andreas Heupel dafür, sich für das Ziel der Nachhaltigkeit zu reduzieren. Schon vor Jahren organisierte er mit dem Bund Deutscher Architektinnen und Architekten die Gesprächsreihe „Less is more. Es geht auch um Suffizienz“. So kann in der Regel auf komplizierte Haustechnik verzichtet werden und recyceltes Material darf auch kleine Macken haben – weg vom Perfekten zurück zum Einfachen.
Auch beim Thema Flächenverbrauch hat Andreas Heupel eine klare Meinung. Der Verbrauch muss eingeschränkt werden, um die Lebensgrundlage auch für die nachfolgenden Generationen zu schützen und zu erhalten. Der Verzicht, die Anstrengungen und die Veränderungen lohnen sich – das spürt man ganz deutlich im Austausch mit Andreas Heupel.
Florian Böckermann hat das gemacht, wovon viele Menschen träumen. Er hat aus einem leidenschaftlich ausgeübten Hobby seinen Beruf gemacht. Er hat seine Karriere in einem Großunternehmen aufgeben und 2016 zusammen mit seinem guten Freund Frank Sibbing die Finne Brauerei gegründet. Ein mutiger Schritt, den er trotz der Krisen der letzten Jahre nicht bereut hat.
Finne ist eine Craftbeer-Brauerei im Kreuzviertel. Sie ist Kiez-Kneipe und Keimzelle für spannende Bierexperimente, in der Neugierige, Gleichgesinnte und Genießer zusammenkommen. Man spürt dort die Begeisterung für handwerklich gebrautes Bier, und das mit Bio-Zutaten. Kreativität, Qualität und Nachhaltigkeit stehen im Mittelpunkt des Konzeptes.
Im Gespräch mit Florian Böckermann wird schnell deutlich, dass Nachhaltigkeit als Prozess zu verstehen ist. Immer wieder gilt es, an den Stellschrauben zu drehen. So werden beispielsweise die Produkte des Online-Shops per DHLGo Green oder von den Leezen Heros ausgeliefert. Bei der Rohstoff-Beschaffung hat man beim Gerstenmalz erstmalig einen Lieferanten aus dem Münsterland gewählt. Kürzere Transportwege verkleinern den ökologischen Fußabdruck.
Bei der Unternehmensentwicklung setzt Florian Böckermann auf organisches Wachstum. Diese unternehmerische Entscheidung hat sich besonders in den Krisen bewährt. Mit viel Kreativität und Flexibilität des gesamten Finne-Teams hat man die Corona-Krise und die Energiekrise bisher gemeistert. Die Fokussierung auf das Münsterland bleibt dabei eine besondere Stärke – hier kann die Marke authentisch präsentiert werden.
Eine weitere Säule des Erfolges sind die zahlreichen Kooperationen, die die Finne eingeht. Das Unternehmen ist z.B. Gründungsmitglied der Regionalwert AG Münsterland, eine Bürgeraktiengesellschaft, die 2021 gestartet ist. In dem Partnernetzwerk werden eine gemeinsame Vermarktung und Verarbeitungsmöglichkeiten geschaffen. Viel Freude hat Florian Böckermann auch an der Kooperation mit der Hafenkäserei – gemeinsam kreiert man hier Erlebnisse, die Genuss und Gemeinschaft mit Nachhaltigkeit verbinden. Und so spürt man im Gespräch mit Florian Böckermann immer wieder sein Credo: „Nachhaltige Geschäftsmodelle sichern unsere Zukunft.“ Da ist er Optimist.
Der Wunsch, die eigene Kreativität sinnvoll einzusetzen, hat Wolfgang Nietan immer schon angetrieben. So war er in einer Werbeagentur tätig, in einem Freizeitparkt, er hat selbst eine Kommunikationsagentur gegründet und ist nun seit vielen Jahren Inhaber von feine art – Manufaktur und Galerie für digitalen Stoffdruck. Zudem ist er Vorstandsmitglied in der Initiative Starke Innenstadt Münster (ISI). Doch sich mit dem Erreichten zufriedenzugeben, ist für den dreifachen Familienvater keine Option. 2021 hat er mit Bernd Redeker einen neuen Weihnachtsmarkt in Münster, den XS-MS, etabliert – direkt an den Kirschen, der Skulptur von Thomas Schütte.
Im Gespräch mit Wolfgang Nietan wird schnell deutlich, dass es ihm dabei um viel mehr geht als um ein rein wirtschaftlich orientiertes Konzept. Vorhandene Märkte sind seiner Meinung nach oft austauschbar, nicht individuell. Zudem fehlt es ihm dort meistens an Aufenthaltsqualität. Auch der Bezug zur jeweiligen Stadt ist nicht immer erkennbar. Mit XS-MS will Wolfgang Nietan einen eigenen Weg gehen. Er setzt bei den Angeboten vollständig auf Lokales und Regionales, wie z.B. beim Bio-Kakao von einem Hof aus Telgte oder bei den Münsterländer Produkten vom Freiland Ibérico-Schwein. Nachhaltigkeit ist dabei immer Voraussetzung, um Produkte auf dem Markt anbieten zu können. Da fährt Wolfgang Nietan auch schon einmal selbst zu den Höfen, um sich davon zu überzeugen.
Besonderen Wert legt Wolfgang Nietan auf die Förderung des Ehrenamts. Eine der Hütten wird kostenlos wechselnden Gruppen zur Verfügung gestellt, wie beispielsweise der Aidshilfe, draußen!, Foodsharing oder sea-eye. Die Besucher des Marktes und damit auch die Touristen sollen sehen, was es für spannende Initiativen in Münster gibt. Damit die Hütten immer belegt sind, führt Wolfgang Nietan zahlreiche Gespräche. Die Organisation des Marktes ist anstrengend aber auch bereichernd, wie er mit großer Begeisterung betont. Er hat in der Zeit der Planung des Marktes viel über Nachhaltigkeit gelernt, wie Abfallkonzepte, Upcycling-Möglichkeiten oder die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN (SDGs). Sein Wissen hilft ihm den Markt – und auch sich selbst – immer weiter Richtung Nachhaltigkeit zu entwickeln. Denn eins ist Wolfgang Nietan besonders wichtig: Nachhaltigkeit ist ein Prozess. Man ist nicht sofort perfekt, aber man muss dranbleiben.
Susanne Schulze Bockeloh ist eine sehr gut vernetzte Landwirtin aus Münster. Sie engagiert sich für die Stadt und für ihren Berufsstand. Das ist ihr eine Herzensangelegenheit, wie im Gespräch immer wieder deutlich wird. Und sie weiß, wovon sie spricht. Susanne Schulze Bockeloh ist Diplom-Ingenieurin agra und seit 2012 Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Münster des WLV. Sie hat sich aber auch überregional viel vorgenommen: seit 2022 ist die Landwirtin Vorsitzende des neu gebildeten DBV-Fachausschusses „Unternehmerinnen“ und DBV-Vize Präsidentin.
Für Susanne Schulze Bockeloh ist es sehr wichtig, dass Frauen in den Gremien des Bauernverbandes ihre Stimme einbringen; Frauen sind gut ausgebildet und übernehmen nicht selten den elterlichen Hof. Zudem hätten Sie oft das bessere Kommunikationsgeschick. Doch um sich in die wichtigen Themen der Landwirtschaft einzubringen, müssen Männer – das ist der Landwirtin klar – einen Teil ihrer Machtpositionen abgeben: „Es braucht mutige Männer, die Frauen unterstützen.“
Im Gespräch mit Susanne Schulze Bockeloh zeigt sich, dass die Landwirtschaft beim Thema „Nachhaltigkeit“ sowohl die soziale als auch die ökologische Komponente stark im Blick hat: die Digitalisierung ermöglich das „Precision Farming“ und damit die effizientere Flächenbewirtschaftung; Blühstreifen entlang von Feldern sind zu sehen; das Tierwohl rückt immer mehr in den Fokus. Insgesamt macht Susanne Schulze Bockeloh deutlich, dass die Landwirtinnen und Landwirte bereit sind für einen Dialog mit der Gesellschaft, um über Lösungen für nachhaltiges Wirtschaften zu diskutieren und diese auch voranzutreiben.
Auf die Nachhaltigkeit zahlt die Regionalität in besonderer Weise ein. Susanne Schulze Bockeloh sieht hier noch viel Potential. Die Direktvermarktung könnte weiter ausgebaut werden; im Münsterland werden die Hofläden gut angenommen – während der Lockdown-Zeit waren diese nahezu Hotspots. Wichtig ist ihr immer wieder die Wertschätzung für die heimischen Produkte – und die sollte sich nicht nur am Samstag auf dem beliebten Wochenmarkt in Münster zeigen.
Wertschätzung resultiere auch aus dem Wissen über die Landwirtschaft. Die Landwirtinnen und Landwirte in Münster unterstützen diesen Ansatz durch die jährlichen stattfindenden Transparenztage. 2022 haben 10 Bauernhöfe ihre Tore geöffnet, um die Arbeit im landwirtschaftlichen Betrieb zu erläutern.
Das Ziel der Forschungsfabrik Batteriezelle in Münster (Fraunhofer FFB) ist klar definiert. „Wir ermöglichen eine nachhaltige und wirtschaftliche Batteriezellproduktion in Europa“, beschreibt Prof. Dr. Achim Kampker die Perspektive des bedeutenden Projekts. Im Gespräch mit dem Wissenschaftler wird dabei schnell deutlich, dass dieses ehrgeizige Ziel den Beitrag verschiedener Akteure erfordert. Eine Zusammenarbeit mit der Industrie und Kooperationen mit anderen Forschungseinrichtungen – auch grenzüberschreitend – sind dabei notwendig. Der enge Austausch mit dem Batterieforschungszentrum MEET der WWU Münster ist dabei ein wichtiger Bestandteil.
Im Gespräch mit Michael Kortenbrede wird schnell deutlich, dass er für das soziale Unternehmertun brennt. Für ihn hat Social Entrepreneurship das Potential, das klassische Unternehmertum zu ersetzen. Profit- und Konsumsteigerung muss seiner Meinung abgelöst werden durch Allgemeinwohlorientierung als Maxime des wirtschaftlichen Handelns.
Michael Kortenbrede spricht dabei nicht nur als Gründungsberater (FH Münster) für soziale Geschäftsideen, sondern auch als Unternehmer. 2015, er war noch im Studium, war ihm bereits klar, dass er mit den Instrumenten der Wirtschaft einen Beitrag für die Gesellschaft leisten wolle. Die Umsetzung war für ihn jedoch wage. Im Studium waren die Facetten der Nachhaltigkeit kein Thema. Auch die Gründungsszene beschäftig sich kaum mit Social Start-ups. Doch letztlich fand Michael Kortenbrede zusammen mit einem Studienfreund Unterstützer. 2017 gründeten sie „bayti hier“, ein integratives Modelabel. Später wurde die Trafostation, die Raum für multikulturelle Angebote bietet, gegründet.
Neben den Chancen kennt der Sozialunternehmer auch die Herausforderungen und Probleme des Social Entrepreneurships. Schwierigkeiten kann die Finanzierung machen – Banken sind oft zurückhaltend. So wird in der Regel Crowdfunding als Finanzierungsinstrument genutzt. Für Michael Kortenbrede hat dieses Instrument auch den Vorteil, dass die Geschäftsidee vor Markteinführung getestet wird – Geldgeber sind potentielle Kundinnen und Kunden. Bei seinen Geschäftsideen hat das jeweils geklappt.
Für Michael Kortenbrede sind zudem Kooperation und Weiterentwicklung von zentraler Bedeutung. Schon früh übernehmen seine Mitarbeitenden Verantwortung und können eigene Projekte umsetzen. Jeder kann etwas lernen und sich weiterentwickeln. Junge Leute sind davon begeistert und arbeiten gern in den Social Start-ups. Und wer ein eigenes soziales Unternehmen gründen will, findet in Michael Kortenbrede einen Unterstützer. Schon vor Jahren hat er den Social Impact Münster e.V. mitgeründet. Hier kann man sich austauschen und voneinander lernen: über großen Themen, wie Klimakrise und Green Economy, oder ganz pragmatisch über Gewerbeanmeldung und Steuererklärung. Auch das gehört zum Social Entrepreneurship.
Die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (awm) sind in der Stadt überall präsent – Tonnen werden geleert und Straßen gefegt. Im Gespräch mit Patrick Hasenkamp, Betriebsleiter der awm, wird aber schnell klar, dass in diesem Unternehmen viel mehr steckt. Als kommunaler Entsorger habe sich die Betriebe dem Gemeinwohl verschrieben. Und so bedeutet Nachhaltigkeit für den Leiter: noch mehr Umweltschutz, noch mehr Miteinander und regionale Wertschöpfung.
In einem umfangreichen Bottom-up-Prozess im Unternehmen haben die awm dazu eine Vision entwickelt: „Münster 2030. Es gibt keinen Abfall mehr – nur noch Wertstoffe!“… und „alle.wirken.mit“.
„Zero-Waste Strategie“ – sägt man da nicht an dem Ast, auf dem man sitzt? Patrick Hasenkamp sieht das ganz anders. Es geht nicht nur um Abfallvermeidung. Die verbliebenden Abfälle sind Wertstoffe, die stofflich oder energetisch genutzt werden – die Abfallwirtschaftsbetriebe als Wertstoff-Manufaktur.
Patrick Hasenkamp treibt aber nicht nur die ökologische Transformation Münsters mit voran, sondern auch die des eigenen Unternehmens. Durch die Eigenstromproduktion werden große Mengen CO2 eingespart. Der umfangreiche Fuhrpark wird umgestellt auf Elektrofahrzeuge und auch Wasserstoff-Fahrzeuge werden in Zukunft eingesetzt.
Neue Technologien sind für Patrick Hasenkamp von zentraler Bedeutung, um Umwelt- und Klimaschutz voranzubringen. Kooperationen spielen für den Betriebsleiter hier eine wichtige Rolle: ob mit der FH Münster oder auch grenzüberschreitend mit der Twence, dem Pendant aus der Region Twente.
Offen sein für Neues und über den Tellerrand hinausschauen, das ist Patrick Hasenkamps Credo. Nur so kann seiner Meinung nach Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in Einklang gebracht werden. Das Ergebnis dokumentiert die awm in ihrem Nachhaltigkeitsbericht. Und der kann sich sehen lassen.
Rike Kappler war immer schon sehr engagiert. Während des Studiums - Philosophie, Politik, Volkswirtschaft - war sie in verschiedenen Gruppierungen, wie der Frauen- oder der Friedensbewegung aktiv. Auch im Beruflichen wollte Sie etwas bewegen. Den größten Hebel sah sie in der Selbstständigkeit. Und so gründete Rike Kappler das Unternehmen Cibaria, die Bio-Vollkorn-Bäckerei – und zwar zunächst als reines Frauen-Projekt. Mittlerweile arbeiten 74 Frauen und Männer für das Unternehmen.
Im Gespräch wird immer wieder deutlich, dass Stillstand nichts für Rike Kappler ist. Nachdem Sie das Unternehmen am Standort Bremer Straße über Jahre erweitern konnte, kam es 2020 zu einem wichtigen Meilenstein: der neue Standort am Hafen wurde bezogen – ein dunkles Gebäude mit einer großen Fensterfront. Auch hier ein Statement in Sachen Nachhaltigkeit: nicht Abriss und Neubau, sondern Integration der dortigen Altimmobilie in das neue Gebäude - technisch auf dem neusten Stand. So wird beispielsweise die Abwärme der Öfen für die Fußbodenheizung genutzt und für die Warmwasserversorgung: „Ökonomie gleich Ökologie“.
Rike Kappler zeigt zudem, dass man auch im Rahmen der Finanzierung einen nachhaltigen Weg einschlagen kann. Mit Bürgerinnen und Bürgern, die Interesse an nachhaltigen Investitionsmöglichkeiten haben, hat sie eine Kommanditgesellschaft gegründet – ganz nach Rike Kapplers Credo „Gemeinsam kommt man weiter“. Wobei die Unternehmerin auch betont, dass Münster ein sehr gutes Pflaster für die Umsetzung eines derartigen Projektes ist.
Im Gespräch mit Johannes Benz wird eins schnell deutlich: er möchte mit seinem Unternehmen etwas Gutes bewirken. Und daher wundert es nicht, dass Raidboxes klimapositiv ist. Johannes Benz berichtet uns, wie er das erreicht: Jahr für Jahr beteiligt sich sein Unternehmen an einem Aufforstungsprojekt, dem Eden Reforestation Project. 200.000 Bäume für das Klima ist sein Ziel für 2021.
Johannes Benz fühlt sich aber auch für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in besonderer Weise verantwortlich. Schon früh hat er sich mit dem Organisationsprinzip der Holokratie beschäftigt. Er war und ist davon überzeugt, dass er dieses Prinzip, das auf flacher Hierarchie und viel Freiraum basiert, in seinem Unternehmen leben will. Selbstverständlich geht es Johannes Benz um Leistung, aber die Mitarbeiterzufriedenheit dürfe dabei nie auf der Strecke bleiben.
Und so kommen wir konsequenterweise zu dem Ansatz der Gemeinwohlökonomie. Johannes Benz ist ein Verfechter dieses Wirtschaftsmodells. Für sein Unternehmen wird momentan die erste Gemeinwohlbilanz erstellt. Zudem lässt er Raidboxes auch nach dem amerikanischen Standard „B-Corp“ zertifizieren, welcher unter dem Motto steht „Use the business as a force for good“. Das ist auch das Motto von Johannes Benz.
Der Unternehmer weiß, dass diese Einstellung häufig bei Start-ups zu finden ist – Raidboxes ist seit fünf Jahren am Markt und damit gefühlt noch ein Start-up. So tauschen wir uns auch über Münsters Start-up-Szene aus, in der Johannes Benz immer wieder gute Sparringspartner findet. Gemeinsam kommt man besser voran – davon ist Johannes Benz überzeugt.
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