Mystik und Geist

Mystik und Geist

By Kath. Kirche in OberösterreichSociety & CultureReligion & SpiritualityPhilosophy
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Mystik und Geist episodes

  • Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne
    # 21 / Mystik und Geist / Ein Podcast der Katholischen Kirche in Oberösterreich

    Sich neu ausrichten und neu anfangen – nicht nur der Jahreswechsel kann eine Zeit des Neubeginns sein. Menschen stehen im Leben immer wieder vor Umbrüchen. Oftmals werden Lebenswenden selbst herbeigeführt, zB bei beruflicher Veränderung, einem Umzug oder in einer Beziehung. Doch nicht immer können Veränderungen selbst mitgestaltet werden.

    Josef Lugmayr, Beziehungs-, Ehe- und Familienseelsorger der Diözese Linz spricht über Neuanfänge in allen Lebenslagen. „Das einfachste, mit dem Menschen am besten umgehen können, ist, wenn man einen Neubeginn selber plant. Häufig aber passieren Dinge, die wir uns nicht wünschen und die uns das Schicksal zumutet“, so Lugmayr. In solch belastenden Situationen würden manche Menschen jedoch „oft ungeahnte Fähigkeiten entwickeln“, schildert der Experte. Um mit herausfordernden Grenzerfahrungen umgehen zu können, helfe Betroffenen nicht nur die daraus entwickelte Resilienz, sondern auch ein vertrauensvolles Umfeld, ist Lugmayr überzeugt.

    Dass sich das eigene Leben schlagartig ändern kann, musste Walter Ablinger vor rund 25 Jahren am eigenen Leib erfahren. Ein schwerer Arbeitsunfall hatte eine Querschnittlähmung zur Folge. Dieser „Schicksalstag“ und „Nullpunkt“ in seinem Leben habe von ihm eine „komplette Neuorientierung“ gefordert. Dennoch ist es Ablinger gelungen, aus einem „ganz tiefen Loch“ herauszufinden. „Ich habe gemerkt: Wenn ich aktiv bleibe, kann ich ein gutes Leben haben“, sagt Ablinger, der mittlerweile auf eine erfolgreiche Karriere als Handbiker blickt. „Aus den Steinen, die mir das Schicksal in den Weg gelegt hat, habe ich ein Denkmal gebaut. Wir Menschen werden immer wieder vor Herausforderungen stehen. Aber ich glaube, wir können auch schwierige Situationen umwandeln und dadurch ein positives, glückliches, erfülltes Leben haben. Wichtig ist bei Veränderungen, dass man seine Chancen und Möglichkeiten erkennt und nutzt“, betont der Weltmeister und Sieger bei den Paralympischen Spielen. Wie sehr ihn der Glaube in seinem Leben geprägt hat und welcher Perspektivenwechsel für ihn im Jahr 2024 bevorsteht, erzählt Ablinger darüber hinaus im Interview.

    17 min
  • Vom Dunkel zum Licht
    # 20 / Mystik und Geist / Ein Podcast der Katholischen Kirche in Oberösterreich

    Der Advent ist eine Zeit der Hoffnung. Wie Hoffen gelingen kann und wie Rituale kleine Lichter der Hoffnung sein können, darüber sprechen Thekla Weissengruber, Sammlungsleiterin für Volkskunde und Alltagskultur am oö. Landesmuseum und Slawomir Dadas, Bischofsvikar für Soziales und Weltkirche, Regens des Linzer Priesterseminars und Obmann der „Initiative Christlicher Orient“ in der aktuellen Folge von Mystik und Geist.

    Der Advent lädt ein, sich auf Weihnachten und damit auf die Ankunft Gottes vorzubereiten. Diese Zeit der Erwartung ist geprägt von vielen Ritualen und Bräuchen, die besonders in dunklen Zeiten Licht, Kraft und Hoffnung spenden können. Was Rituale auszeichnet und wofür sie stehen, erklärt Thekla Weissengruber, Sammlungsleiterin für Volkskunde und Alltagskultur am oö. Landesmuseum. Im Gespräch geht sie sowohl auf regionalspezifische als auch überregionale Bräuche in Oberösterreich ein und schildert, wie sich diese entwickelt haben. „Bräuche sind gemeinschaftsbildend – der Kitt der Gemeinschaft, der uns zusammenhält. Gerade in unserer globalen Welt, wo regionale Traditionen durch globale ,Events‘ überlagert werden, ist es wichtig, einen Anker zu haben – dieser Anker wurzelt in den Traditionen“, sagt Weissengruber.

    Dass Rituale Halt, Sicherheit und Orientierung geben, betont auch Slawomir Dadas, Bischofsvikar für Soziales und Weltkirche, Regens des Linzer Priesterseminars und Obmann der „Initiative Christlicher Orient (ICO)“. So können Rituale lichtbringende Momente der Hoffnung bereithalten. „Hoffnung“, so betont Dadas, sei für ihn „die Kraft, die einem Menschen hilft, sich selbst nicht aufzugeben und in der Dunkelheit Licht zu sehen“ – selbst in Situationen der „totalen Hoffnungslosigkeit“. Anknüpfend an Erfahrungen aus seiner im Herbst stattgefundenen Reise nach Syrien, hebt Dadas die Bedeutung von Glaube und Hoffnung in Zeiten von Krisen und Unsicherheit hervor und erklärt, welche Perspektive die Geburt des göttlichen Kindes zu Weihnachten bietet.

    18 min
  • Solidarität
    # 19 / Mystik und Geist / Ein Podcast der Katholischen Kirche in Oberösterreich

    In dieser November-Ausgabe von „Mystik und Geist“ sprechen wir – passend zum Gedenktag des Hl. Martin – über Solidarität. Dazu im Interview: Franz Kehrer, Direktor der Caritas OÖ und Leiter des Bereichs „Soziales und Caritas“ der Diözesanen Dienste sowie Marianne Fraundorfer, freiwillige Helferin in der Flüchtlingsbetreuung und Solidaritätspreisträgerin.

    Am 11. November gedenken wir des Heiligen Martin. Seine Taten sind ein Vorbild dafür, Not zu sehen und zu handeln. Martins Geschichte erzählt von Solidarität. Bis heute lehrt uns seine Botschaft zu begreifen, dass eine Kultur des Teilens und das Einstehen füreinander essenzielle Komponenten für ein gelingendes Zusammenleben sind, sagt Franz Kehrer, Direktor der Caritas OÖ und Leiter des Bereichs „Soziales und Caritas“ der Diözesanen Dienste. Gerade in einer Leistungsgesellschaft, die von Individualismus und dem Bedürfnis nach Selbstverwirklichung geprägt ist, werde die Bedeutung von Solidarität im Sinne der christlichen Botschaft von Nächstenliebe spürbar. „Jede Gesellschaft ist auf ein solidarisches Miteinander angewiesen. Für die Solidarität als solches braucht es immer wieder die Ermutigung, dass jeder noch so kleine Beitrag wichtig ist und die Welt verändern kann“, betont Kehrer.

    Einen Beitrag für eine solidarische Welt leisten, das will etwa Marianne Fraundorfer. Gemeinsam mit ihrem Mann Gerald arbeitet sie seit mehreren Jahren in der Flüchtlingsbetreuung als freiwillige Helferin und hat dafür 2020 den Solidaritätspreis der Diözese Linz erhalten. Wie sie dazu gekommen ist, sich in der Flüchtlingsarbeit zu engagieren, wie sie geflüchtete Menschen konkret unterstützt und was ihr in ihrer Arbeit wichtig ist, erzählt sie im Interview. Fraundorfer, die selbst in einer Großfamilie aufgewachsen ist, und für die es – wie sie sagt – „selbstverständlich“ ist, sich gegenseitig zu helfen, betont: „Ich frage mich nicht: Was bringt mir das? Oder: Habe ich dadurch einen Vorteil? Viele dieser Menschen kommen aus einer besonderen Lebenssituation heraus, die nicht rosig ist. Mein Zugang ist, ihnen Zeit zu geben, ihnen zuzuhören und ihr Ansprechpartner zu sein, wenn sie etwas brauchen. Wenn ich helfen kann, dann helfe ich“, schildert Fraundorfer die Motivation ihres Engagements.

    14 min
  • Alter und Altern
    # 18 / Mystik und Geist / Ein Podcast der Katholischen Kirche in Oberösterreich

    Welche Bilder vom Altern tragen wir in uns? Welche Chancen eröffnen sich im Alter? Diesen Fragen widmen sich in Folge #18 von Mystik und Geist Vera Gallistl-Kassing, Altersforscherin und Gerontologin an der Karl Landsteiner Privat-Universität Krems und Michael Fuchs, Professor für Praktische Philosophie und Ethik an der Katholischen Privat-Universität Linz.

    Die Zahl der älteren Menschen in der Gesellschaft steigt, wir leben in einer Zeit des demografischen Wandels. Diesen Umstand beobachten Wissenschafter:innen bereits seit einigen Jahren, wie etwa auch Vera Gallistl-Kassing, Altersforscherin und Gerontologin an der Karl Landsteiner-Privat-Universität Krems. Im Interview, das wir mit ihr online durchgeführt haben, gibt sie einen Überblick über diese aktuelle Entwicklung. Zudem beschreibt sie, welche Bilder vom Altern in der Gesellschaft dominieren. Ihr zufolge werde das Alter oftmals als „etwas in der Bedeutung Festgeschriebenes, Defizitäres, biologisch Determiniertes“ betrachtet. Diesen „negativen Bildern vom Altern“ stellt Gallistl-Kassing eine „neue Kultur des Alterns“ gegenüber, in der das Altern im Sinne einer positiven Lebensgestaltung begriffen wird, und nennt Beispiele, wie stereotype Altersbilder dahingehend verändert werden könnten.

    Dass Altern aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden kann, betont auch Michael Fuchs, Professor für Praktische Philosophie und Ethik und Vizerektor für Lehre und Forschung an der Katholischen Privat-Universität Linz. Er definiert das Altern aus philosophischer Sicht. Darüber hinaus gibt Fuchs Aufschluss, wie Fragestellungen nach dem Alter in den Religionen dargestellt werden und welche Freuden und Vorzüge das Altern trotz seiner Herausforderungen bereithalten kann.

    21 min
  • Wahrheit
    # 17 / Mystik und Geist / Ein Podcast der Katholischen Kirche in Oberösterreich

    Wahrheit in Zeiten von Fake News, Fiktion und Digitalisierung – In Folge #17 von „Mystik und Geist“ sprechen wir mit Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter des Ars Electronica in Linz und Wolfgang Aistleitner, Richter und Staatsanwalt in Pension, zugleich Theaterregisseur und Autor, darüber, warum die Suche nach Wahrheit gerade heute eine große Bedeutung hat.

    In einer Welt, in der Fehlinformationen zunehmen und die Grenzen zwischen Fakten und Fiktion zunehmend verschwimmen, wird es immer wichtiger, die Wahrheit zu finden. Wahrheit ist ein grundlegender Wert in einer Gesellschaft, die Orientierung an Wahrheit stiftet Vertrauen im sozialen Leben und trägt zu einem funktionierenden Miteinander bei.

    Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter des Ars Electronica in Linz, erklärt: „Wahrheit bzw. die Suche nach Wahrheit gehört zum Kern des Mensch-Seins. In diese Welt ,geworfen‘, nicht wissend, woher wir kommen und wohin wir gehen, ist unser ganzes Leben immer wieder eine Suche nach Wahrheit.“ Durch den digitalen Fortschritt werde Wahrheit zunehmend transformiert, neue Zugänge zu Wissen würden geschaffen, virtuelle und reale Welten verschwimmen, Wertvorstellungen erodieren. Wahrheit, so Stocker, sei zu einem „Handelsgut“ geworden und mit einer „enormen Machtposition in dieser digitalen Gesellschaft“ verbunden. Wie sich diese aktuellen Entwicklungen auf unser Zusammenleben auswirken und inwiefern moderne Technologien bei der Suche nach Wahrheit unterstützen können, beschreibt Stocker darüber hinaus im Interview.

    Die Wahrheit zu finden, ist seit jeher auch eine zentrale Aufgabe der Justiz. Wolfgang Aistleitner ist Richter und Staatsanwalt in Pension. Die Frage, ob und wie oft er die Wahrheit gefunden hat, beschäftigte ihn nicht nur als Richter, sondern auch als Theaterregisseur und Autor. Selbstreflexion veranlasste Aistleitner zum Stückeschreiben zum Thema Wahrheit. Zudem spricht Aistleitner über seinen Zugang zum Wahrheitsbegriff, wonach Wahrheit von einer „übergeordneten“ Wirklichkeit zu unterscheiden sei, die frei von jeglicher philosophischer und ideologischer Überlegung ist und unabhängig von menschlicher Wahrnehmung und Interpretation existiert.

    18 min
  • Links oder rechts?
    # 16 / Mystik und Geist / Ein Podcast der Katholischen Kirche in Oberösterreich

    Über Händigkeit und ihre kulturellen Bedeutungszuschreibungen sprechen Christian Gerner, Physiotherapeut und Händigkeitsberater sowie Christian Schacherreiter, Germanist, Autor und Literaturkritiker in Folge # 16 von Mystik und Geist.

    Die Händigkeit, also Tätigkeiten bevorzugt mit der jeweils rechten oder linken Hand auszuführen, ist heute größtenteils eine neutral betrachtete Angelegenheit. Doch war dies nicht immer so. Die überwiegende Variante beim Menschen, also Rechtshändigkeit, wurde in vielen Kulturen zur „richtigen“ hochstilisiert. Zum Teil stehen Linkshänder:innen auch heute noch vor der Herausforderung, sich an eine rechtshändige Welt anpassen zu müssen. Warum Menschen die rechte oder linke Hand benutzen, erklärt Christian Gerner, Physiotherapeut und Händigkeitsberater. Nach wie vor gebe es im Alltag Verbesserungsbedarf für die Situation von Linkshänder:innen, eine frühzeitige Abklärung und Sensibilisierung würde viele Vorteile bringen, so der Experte.

    Dass die Händigkeit auch mit Wertzuschreibungen verbunden ist, darauf geht Christian Schacherreiter ein. Der Germanist, Autor und Literaturkritiker verweist auf Redewendungen in der deutschen Sprache, wonach die linke Seite metaphorisch betrachtet meist in einem negativen Zusammenhang steht oder in einem „moralisch anrüchigen Sinne“ verwendet wird. Darüber hinaus nennt Schacherreiter auch Beispiele aus der Literatur und gibt einen Überblick über die Entwicklung mancher Redewendungen.

    18 min
  • Kirchen in der säkularen Gesellschaft
    # 15 / Mystik und Geist / Ein Podcast der Katholischen Kirche in Oberösterreich

    Franz Gruber, Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie an der Katholischen Privat-Universität Linz und Irmgard Lehner, Leiterin des Fachbereichs Seelsorgerinnen und Seelsorger in Pfarren der Diözese Linz sprechen in Folge #15 über den Wandel der Glaubenskultur und die Bedeutung von Kirche und Religion in der Gesellschaft.

    Christi:innen leben in einer zunehmend säkularen Welt. Kirchen haben ihren Status in der Gesellschaft verloren, für viele Menschen spielt Religion im Alltag kaum mehr eine Rolle. In Folge # 15 schildert Franz Gruber, Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie an der Katholischen Privat-Universität Linz, wie sich der Bezug zu Glaube und Kirche in der Gesellschaft entwickelt hat. Zwar nehme Religiosität und kirchliche Spiritualität ab, doch würden Menschen heute ihren Glauben „bewusster“ leben. „Spiritualität ist stärker individuell ausgeprägt. Die Aufgabe der Kirche ist nicht mehr, Massen zu erreichen, sondern Impulse zu setzen, wie menschliches Leben gelingen kann“, ist Gruber überzeugt. Für ihn steht fest: „Kirche muss weiterhin einen diakonischen, karitativen Aspekt in der Gesellschaft setzen und ,das Gewissen' der Gesellschaft bleiben.“

    Auch Irmgard Lehner, Leiterin des Fachbereichs Seelsorgerinnen und Seelsorger in Pfarren der Diözese Linz hebt die Relevanz kirchlicher Angebote hervor. „Christlicher Glaube ist ein großer Schatz“, – wichtig sei, zeitgemäße Zugänge zu schaffen, um als Kirche in der Gesellschaft wirksam zu sein, so Lehner. Denn obwohl viele Menschen mit religiösen Praktiken nichts mehr anfangen können, würden kirchliche Rituale selbst Kirchenfernen in besonderen Lebenssituationen Halt und Orientierung geben, weiß Lehner aus ihrer Arbeit als Seelsorgerin. In einer pluralistischen Gesellschaft könne Kirche darum ein bedeutsamer „Player neben anderen“ sein. Die Säkularisierung versteht Lehner auch als Chance für Kirchen, sich weiterzuentwickeln.

    25 min
  • Zärtlichkeit
    # 14 / Mystik und Geist / Ein Podcast der Katholischen Kirche in Oberösterreich

    In Folge #14 von „Mystik und Geist“ sprechen wir mit Isabella Guanzini, Professorin für Fundamentaltheologie an der Katholischen Privat-Universität Linz und Claudia Kapeller, Obdachlosen- und Krankenhausseelsorgerin in der Diözese Linz über Zärtlichkeit. Für sie geht Zärtlichkeit über bloße Berührung hinaus, vielmehr stellt Zärtlichkeit eine geistige Haltung und Grundlage für ein sinnerfülltes Leben dar.

    „Es geht um Sensibilität, um ein Wahrnehmen der Fragilität des Anderen. Gleichzeitig ist Zärtlichkeit mit dem Bewusstsein der eigenen Verletzlichkeit verbunden“, erklärt Isabella Guanzini, Professorin für Fundamentaltheologie an der Katholischen Privat-Universität Linz ihr Verständnis des Begriffs. Dieses Bewusstsein betrachtet Guanzini als „Element der Stärke – ein Element, das uns menschlicher, humaner macht.“ Vielen Menschen falle es nicht leicht, über Zärtlichkeit zu sprechen, denn „unsere Leistungsgesellschaft zielt auf Erfolg und Performance. Wir assoziieren Zärtlichkeit mit Sentimentalität und Schwäche. Der Begriff scheint nicht in den aktuellen Zeitgeist zu passen“, so Guanzini. Doch gerade im modernen Zeitalter der „Coolness“, Resignation und Härte und im Hinblick auf gesellschaftliche Spannungen sei Zärtlichkeit genau „diese Art von Präsenz, die wir gerade brauchen“, meint die Theologin. Sie zeigt Wege auf, soziale Defizite im Zusammenleben der Menschen zu verringern.

    Wie Zärtlichkeit im Alltag gelebt werden kann und welche Bedeutung Zärtlichkeit in der Seelsorge hat, darauf geht Claudia Kapeller ein. Im Gespräch schildert die Krankenhaus- und Obdachlosenseelsorgerin Erfahrungen aus ihrer Arbeit. „Zärtlichkeit ist ein Grundbedürfnis – besonders für Menschen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden und am Rande der Gesellschaft stehen“. Die Würde jedes Einzelnen zu sehen und „ein Stück des Weges mitzugehen“ ist Kapeller bei der Begleitung kranker und wohnungsloser Menschen wichtig. Sie erklärt: „Für mich ist Zärtlichkeit eine besondere Zuwendung zum Menschen.“ Das Gegenüber „mit allen Sinnen“ wahrzunehmen, sich auf Menschen einzulassen und ihnen mit Sanftheit, Offenheit und Wertschätzung zu begegnen, all das umfasse Zärtlichkeit. Zärtlichkeit zeige sich „natürlich in der Berührung, – aber nicht nur. Es ist eine Haltung, es sind die Worte, es macht den Menschen aus“, unterstreicht Kapeller.

    21 min
  • Bienen und Religion
    # 13 / Mystik und Geist / Ein Podcast der Katholischen Kirche in Oberösterreich

    Was Kirche und Gesellschaft von den Bienen lernen können – darum dreht sich Folge #13 von „Mystik und Geist“. David Feßl, Lehrer für Religion, Imkerei und Bienenkunde an der Landwirtschaftlichen Fachschule Schlierbach und Gerald Mandlbauer, Journalist, Mitglied der Chefredaktion der OÖN und Hobby-Imker legen ihre Perspektiven zu diesem Thema dar.

    David Feßl unterrichtet Imkerei, Bienenkunde und Religion an der Landwirtschaftlichen Fachschule Schlierbach und betreut zuhause auf seinem Betrieb 20 Bienenvölker. „Bienen können uns viel zeigen“ ist Feßl überzeugt und denkt dabei zum Beispiel an die „Aufgabenteilung“ im Bienenvolk. Diese könne eine Metapher für gesellschaftlichen Zusammenhalt sein: „Wir müssen wahrnehmen: Welche Aufgabe habe ich als Mensch? Mit welchen Fähigkeiten hat mich mein Schöpfer ausgestattet? Was kann ich beitragen, damit es unserer Gemeinschaft, unserer Gesellschaft gut geht?“, meint Feßl. Außerdem ist Feßl vom Leben der Bienen „im Einklang mit ihrer Lebensumwelt“ fasziniert: „Bienen schauen auf die Schöpfung und leben von der Schöpfung – ohne dabei keine einzige Pflanze zu zerstören“, betont der Experte. Im Gegenteil: Sie liefern einen essentiellen Beitrag für Mensch und Umwelt. Allerdings seien 30 Prozent der Bienenarten vom Aussterben bedroht, weshalb Feßl sich im Interview für den Schutz der Bienen ausspricht.

    Auch Gerald Mandlbauer, Journalist und Mitglied der Chefredaktion der OÖN setzt sich für die Erhaltung der Bienen ein, sowohl als Hobby-Imker als auch als Medienschaffender. Im Kontext gegenwärtiger Krisen, wie etwa der Klimakrise und dem Verschwinden der Arten sieht er eine Aufgabe als Journalist, durch eine einschlägige Berichterstattung das Bewusstsein der Menschen für die Bedeutung der Bienen in unserem Ökosystem zu schärfen. Er erklärt, welche gesellschaftlichen Auswirkungen und ökonomischen Folgen das Verschwinden der Bienen mit sich bringen würde und inwiefern (Sozial-)Bienen mit ihrem Verhalten ein Sinnbild für das Zusammenleben in einer Demokratie sein könnten.

    23 min
  • Das Kreuz
    # 12 / Mystik und Geist / Ein Podcast der Katholischen Kirche in Oberösterreich

    Folge # 12 von „Mystik und Geist“ widmet sich dem Kreuz, das im Zentrum des Christentums steht. Johann Gruber (Religionslehrer und Hobby-Kunstschmied) und Thomas Schlager-Weidinger (Theologe, Autor und Künstler) lassen uns an ihren Gedanken zum Thema teilhaben.

    Johann Gruber ist Religionslehrer an der HTL Ried im Innkreis und Hobby-Kunstschmied. Das Kreuz ist für ihn Inspiration für ein bemerkenswertes Projekt an seiner Schule: Gemeinsam mit Schüler:innen schmiedet er Klassenkreuze. Das Besondere: Eine Hand des Christus-Corpus ist dem:r Betrachter:in entgegengestreckt. Die Botschaft, die Gruber in dieser Geste sieht und seinen Schüler:innen vermitteln will: „Ich bin überzeugt, dass Gott sich uns zuwendet – auch in schwierigen Momenten“, sagt Gruber. Die hinhaltende Hand sei ihm wichtig, weil diese „das Gegenteil von einer Rachefaust“ ausdrücke. Der „Sündenbockmechanismus“ – wenn wir Gewalt erfahren, diese an Schwächere weiterzugeben oder uns „abreagieren“ zu wollen – werde dadurch gebrochen. „Die Situationen, in denen wir leiden, sind nicht einfach wegretuschiert, sondern auf dem Weg zur Auferstehung mitgenommen. Der Tod ist durchschritten“, erklärt Gruber. Manchmal sage ihm diese Hand auch: „Es gibt Situationen, wo du nur deine Ohnmacht aushalten kannst – und auch da bin ich bei dir.“ Insofern ist er überzeugt: „Nicht der Karfreitag macht den Punkt, sondern der Ostermorgen.“

    Thomas Schlager-Weidinger beschäftigt sich nicht nur als Professor an der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz, sondern auch als Autor und Künstler mit dem Kreuz. „Im Grunde genommen ist das Kreuz die Konzentration dessen, was Jesus auch in seinem Leben davor gedacht, geglaubt und gewirkt hat – und letztlich die Konsequenz seiner Botschaft (,Fürchte dich nicht‘), die hierbei sichtbar wird“, betont der Theologe. Als ein Symbol, in dem sich dieses Mit-Leiden und Mit-Sein Gottes verdichtet, ist Schlager-Weidinger das Kreuz „persönlich ein sehr wichtiges Zeichen geworden“. Sich am Morgen und am Abend vor bedeutsamen Ereignissen zu bekreuzigen, stelle für ihn darüber hinaus ein „wichtiges Ritual“ dar – getragen von der Hoffnung, sowohl Höhen als auch Tiefen im eigenen Leben positiv bewältigen zu können. Über das Kreuz in öffentlichen Räumen und dessen Ästhetisierung spricht Schlager-Weidinger zudem genauso, wie über eine einschneidende Begegnung, die bei ihm bis heute die wohl „tiefste Assoziation mit dem Thema Kreuz“ hervorruft.

    21 min

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