Mythos und Wahrheit - Der Mythologie Podcast

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By Steffi und SarahEducationHistory
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Mythos und Wahrheit - Der Mythologie Podcast episodes

  • #6 - Nordische Mythologie: Die Entstehung von Midgard, Riesen, Kühe und Asgardianer
    In Folge 6 ihres Mythologie Podcasts begeben sich Steffi und Sarah nach Nordgermanien. Es geht um nordische Mythologie, bzw. um den nordgermanischen Schöpfungsmythos, um Marvel Comics, die Bachelorette, Asgard, Thor, Midgard, Odin und zwei Eddas. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. ***Es ist vorerst der letzte Schöpfungsmythos, der bei Mythos und Wahrheit vorgestellt wird.***

    Die Höhen und Tiefen der nordischen Mythologie
    Steffi ist heute damit dran, Sarah und allen Zuhörenden die nordische Mythologie etwas näher zu bringen. Beziehungsweise den nordischen Schöpfungsmythos und die Grundlagen für das Verständnis aller übrigen nordischen Mythen. Zunächst geht es um die Überlieferungslage: Diese sieht leider etwas dürftig aus: Erst ab dem 11. Jahrhundert gibt es zusammenhängende schriftliche Quellen zur nordischen Mythologie, soll heißen zur vorchristlichen Religion der nordgermanischen Sprachfamilie. Leider sind die beiden Hauptquellen, die Lieder-Edda und die Prosa-Edda, beide auf Altisländisch geschrieben, zu diesem Zeitpunkt mit großer Wahrscheinlichkeit schon wegen der voranschreitenden Christianisierung abgefälscht. Schade - aber leider nicht mehr zu ändern. Trotzdem soll in dieser Folge von Mythos und Wahrheit für interessierte Kulturbanaus*innen alles herausgeholt werden, was herauszuholen ist. Und das ist noch eine ganze Menge.

    Zwei Welten, beide an Ansehen gleich…
    …entfachen neuen Hass aus altem Streit, im lieblichen Ur-Abgrund, dem Schauplatz unseres Stückes… so oder so ähnlich beginnt auch die gesamte nordische Mythologie, auch wenn man nicht gerade von neuem Hass aus altem Streit sprechen kann, sondern eher von Gegensätzlichkeiten. Aber von Anfang an: Am Anfang von Allem gibt es nur einen unendlichen tiefen Ur-Abgrund. Und hierin gibt es eine einzige Welt, eine Welt aus Feuer und Hitze: Muspelheim. Erst mehrere Generationen entsteht eine zweite, völlig entgegengesetzte Welt: Niflheim, eine Welt aus Wasser und Eis. Wie diese beiden Welten entstanden sind, ist unbekannt, doch aus Niflheim fließen nicht weniger als 11 Flüsse in den Abgrund hinunter, indem sie irgendwann gefrieren. Da immer mehr Wasser nachkommt, wandert langsam aber sicher eine Eisspitze hinaus nach Muspelheim, wo das Eis aufgrund der Hitze wieder schmilzt - und an diesem Schmelzpunkt, hervorgegangen aus den Ureigenschaften der ersten Welten, entsteht der mächtigste und größte und vor allem erste Tauriese aller Zeiten: Ymir. Ymir schläft und bekommt gar nicht mit, dass sich erstens unter seiner Achsel und zwischen seinen Beinen langsam aber sicher weitere Ries*innen bilden, er verschläft auch die Entstehung zwei weiterer Wesen. Zum ersten wäre da die riesige Urkuh Audhumla, die nach drei Tagen Existenz den Ur-Gott Buri aus dem Eis herausschleckt, während der Ur-Riese Ymir sich unterdessen immer noch schlafend von der nonstop aus ihr herausfließenden Milch ernährt. Ebendieser Buri gründet eine Familie mit einer anderen, aus Ymir hervorgegangenen Riesin und bekommt einen weiteren Sohn: Bor. Bor wiederum ist seines Zeichens Vater der ersten drei Asen (das vorherrschende Göttergeschlecht der nordischen Mythologie):

    Odin, Vili und Vé
    Diese drei soon to be Obergötter (vor allem bekannt natürlich Odin, der alleroberste Gott) machen sich alsbald daran, Ymir den Ur-Riesen zu töten. Der wiederum verliert beim Sterben ein ganzes Meer von Blut, das sich im Ur-Abgrund sammelt und in dem alle anderen Ries*innen ertrinken. Alle außer zwei: Bergelmir, Enkel Ymirs, und seine Frau können entkommen und gründen Jötunheim, die Welt der Ries*innen, in der ab jetzt die (größtenteils) Gegenspieler der Gött*innen leben und auf Ragnarök, das Ende der Welt, warten werden. (Die nordische Mythologie, im Gegensatz zu anderen Mythologien, bietet uns nicht nur eine Geschichte zur Weltentstehung, sie liefert uns auch eine zum Weltuntergang: Ragnarök, die Götterdämmerung, ist der Zeitpunkt, an dem die Ries*innen gegen die Gött*innen aufbegehren werden und die Göttergeschlechter der Wanen und der Asen gemeinsam einen letzten Endkampf antreten). Ymirs Leichnam wird von Odin, Vili und Vé in das Meer aus seinem Blut geworfen und dann formen sie aus ihm eine weitere Welt: Midgard - unsere Erde. Diese schirmen sie gegen das Ur-Meer aus Ymirs Blut und gegen Angriffe der Ries*innen gut ab, bevor sie noch die ersten Menschen aus Baumstämmen schnitzen und dann über Bifröst, die Regenbogenbrücke, in ihre eigene, frisch gegründete Welt entschwinden: Asgard.

    Yggrasil, der Weltenbaum
    Die uns nun bekannten Welten (Muspelheim, Niflheim, Jötunheim, Midgard und Asgard) wurden bald nach der Gründung Midgards durch den Baum Yggrasil, den größten und stärksten aller Bäume, verbunden. Der Weltenbaum wird alle Zeitalter überleben. Auch Ragnarök. Nicht nur verbindet er alle existenten Welten miteinander, er bietet auch den merkwürdigsten Tieren ein Zuhause, zum Beispiel Nidhogg, dem Drachen, Ratatosk dem böswilligen Eichhörnchen, oder einem Adler, der von seiner Krone aus alles überblickt (und unzählige mehr). Yggdrasil und dessen Welten werden in drei Ebenen aufgeteilt: Zum einen die oberste Ebene, auf der neben Asgard auch Wanheim angesiedelt ist, die Heimwelt des Göttergeschlechts der Wanen. Genauso befindet sich dort auch Albenheim, Heim der Lichtalben, wunderschöner Lichtgestalten, vergleichbar mit Elben. Auf der mittleren Ebene von Yggdrasil befindet sich Midgard, Jötunheim und Muspelheim. Und auf der untersten Ebene der Weltenesche kennen wir bisher zwar nur Niflheim, die Welt aus Eis, dort angesiedelt ist aber auch Helheim, Unterwelt für alle Menschen, die nicht mutig im Kampf gefallen sind (im Kampf gefallene Krieger kommen nach ihrem Tod nach Valhalla, Odins Palast in Asgard, um dort an der Seite der Gött*innen gegen die Ries*innen zu kämpfen (Ragnarök mal wieder). Neben diesen beiden Welten ist auf der untersten Ebene zuletzt noch die neunte Welt angesiedelt: Schwarzalbenheim - ein Gegenentwurf zu Albenheim, in dem dunkle und hässliche Gestalten leben.

    Und diese neun Welten bilden nun die Grundlage für das gesamte Verständnis der nordischen Mythologie, aus der noch viele Mythen und Erzählungen in unserem Podcast folgen werden. Viel Spass mit dieser Folge und mit allen folgenden. 

    (Bachelorette Spoiler: 34:09-38:15)

    Empfehlungen:
    • Grundsätzliche Empfehlung von Steffi (explizit aber nicht von Sarah): Sowieso ALLE Marvel-Filme, auch wenn die im engsten Sinne nicht viel mit dem Mythos zu tun haben
    • N. Gaiman, Norse Mythology, 2018 -> Das Original-Hörbuch gibts bei Audible
    • C. Larrington, Fit für Walhalla. Nordische Mythen für Einsteiger, 2018
    • H. A. Gueber, Nordische Mythologie, 2020
    • F. Kettl, Nordische Mythologie, 2021 -> sehr anschaulich und einfach beschrieben
    40 min
  • #5 - Ägyptische Mythologie: Die Neunheit von Heliopolis und wie es dazu kam
    In der fünften Folge von Mythos und Wahrheit - Der Mythologie Podcast für Kulturbanausen entführt uns Sarah in die Welt der ägptischen Mythologie, genauer gesagt: Sie stellt uns den ägyptischen Schöpfungsmythos vor. Noch genauer gesagt: Den Schöpfungsmythos aus Heliopolis.

    Ägyptische Mythologie
    Im Alten Ägypten gab es drei sehr wichtige Städte: Heliopolis, Hermopolis und Memphis. Der Schöpfungsmythos, mit dem sich unser Mythologie Podcast in Folge 5 beschäftigt, ist derjenige, der uns aus Heliopolis (übersetzt: Sonnenstadt) überliefert ist. In der ägyptischen Mythologie taucht nämlich Heliopolis als Urhügel als allererstes aus dem Urwasser auf - es ist die Stelle, an der sich Atum aus dem Urwasser erhebt und an dem später der größte Tempelbezirk ganz Ägyptens entstehen soll.

    Die Neunheit von Heliopolis
    In der Mythologie der Ägypter spielt in Heliopolis besonders die sogenannte Neunheit der Gött*innen eine große Rolle - das bedeutet einfach nur, dass es neun wichtige Gött*innen sind, die zu Anbeginn der Zeiten entstehen und sich für die gesamte Schöpfung der Welt verantwortlich zeichnen. Der erste dieser Gottheiten ist Atum, der am Anfang der Zeit in Heliopolis aus dem Urwasser steigt, um dann aus sich selbst Schu (Gott des Lebens, der Luft und des Lichts) und Tefnut (Gott der Wahrheit und des Feuers) hervorzubringen. Aus der Verbindung dieser Beiden gehen der Erdgott Geb und die Himmelsgöttin Nut hervor. Genau wie in der griechischen Mythologie sind im ägyptischen Mythos nun Himmel und Erde miteinander vereint und gebären weitere Kinder, lediglich sind die Geschlechter von Himmel und Erde jeweils umgetauscht (in der griechischen Mythologie ist Gaia die Erdgöttin und Uranos der Himmesgott). Die Kinder der beiden sind: Osiris (Gott der Toten, der Wiedergeburt und des Nils), Isis (auch Totengöttin und Göttin der Wiedergeburt, aber auch Göttin der Magie), Nephthys (ebenfalls Totengöttin, Göttin der Geburt und wohl auch Göttin des Südens) sowie Seth (ein Wüstengott, Gott des Chaos und des Verderbens).

    Entstehung der Menschen in der ägyptischen Mythologie
    Lange Geschichte, schnell erzählt: Die Menschen entstehen aus den Tränen von Atum.

    Der Streit beginnt
    Auch in der ägyptischen Mythologie spielen blutige Auseinandersetzungen in der Schöpfungsgeschichte eine wichtige Rolle: Atums restliche Familie hat sich in den Kopf gesetzt, Atum zu töten. Dieser hingegen bedient sich des Gottes Horus und nutzt diesen als seinen Champion, um gegen die anderen Gött*innen zu kämpfen. Ein großes Hin und Her beginnt und der/die ein/e oder andere Gött*in gerät in einen Blutrausch, besonders als die Menschen sich ebenfalls in den Streit einmischen: Es werden Körperteile heraus- und abgerissen, Lebewesen gegessen, Köpfe abgeschlagen - komplette Eskalation. Am Ende jedoch steht ein nettes Fest mit Bier und Brot. Details könnt ihr in der Folge hören.

    Natürlich liefern Sari und Steffi auch wieder ein Recap der neuesten Reality-TV-Aktivitäten. Heute geht es um den endgültigen Abschluss von Princess Charming und die zweite Folge der Bachelorette. Um Spoilern zu entgehen überspringt lieber Minute 27:00 bis 33:30.

    Viel Spass! 

    Weiterführende Infos und Literaturtipps: 
    • R. Schulz, Ägypten. Die Welt der Pharaonen, 2010.
    • G. J. Shaw, Götter am Nil. Ägyptische Mythologie für Einsteiger, 2015.
    • https://www.planet-wissen.de/natur/fluesse_und_seen/der_nil/pwieschoepfungsmythosnil100.html
    • ZDF History Doku von 2015: "Das Geheimnis der Pharaonen - Die alten ägyptischen Götter"
    35 min
  • #4 - Asiatische Mythologie: Japan und China - Inseln, Mistkäfer, ein Ei und die Unterwelt
    Sarah und Steffi befassen sich in der vierten Folge ihres Mythologie Podcasts für Kulturbanaus*innen erneut mit ihnen selbst bisher unbekannten Mythen. Da es sich um vergleichsweise kurze Geschichten handelt, stellen sich die beiden heute gegenseitig jeweils einen asiatischen Mythos vor: Sarah spricht über einen japanischen Mythos, Steffi über chinesische Mythologie. Im Kern geht es wieder um die Entstehung der Welt. Zudem hast das Finale von Princess Charming großen Eindruck auf die zwei gemacht und es entsteht eine leichte Meinungsverschiedenheit in Bezug auf die erste Folge der neuen Staffel "Die Bachelorette". Wer Spoiler vermeiden will, sollte 30:21 bis 39:49 überspringen.

    Izanagi und Izanami - Mythologie Japans
    In der japanischen Mythologie ist die Weltentstehung eng an das Geschwister/Ehepaar Izanagi (Ehemann) und Izanami (Ehefrau) gebunden. Den beiden wird von den Gött*innen aufgetragen, Japan zu "machen". Das tun sie, indem sie nach ihrer Hochzeit Inseln statt Kinder bekommen - es gibt allerdings einige Komplikationen und am Ende gipfelt eine ohnehin nicht unbedingt Frauen-verherrlichende Geschichte in der Geburt eines Feuerdämonen, bei der die Mutter (Izanami) stirbt. Izanagi folgt ihr in die Unterwelt, begeht aber dort einen schweren Fehler - und statt mit der Rückführung seiner Frau in die Welt der Lebenden endet diese Mission des japanischen Gottes mit einer Scheidung und der endgültigen Trennung zwischen Unterwelt - deren Herrscherin nun Izanami wird - und der Oberwelt. Als sich dann Izanagi einmal ordentlich wäschst entstehen dabei auch die Herrscher*innen des Himmels, der Nacht und des Meeres.

    Die Geschichte von Pangu - Mythologie Chinas
    Ein chinesischer Mythos zum Thema Weltentstehung erzählt eine ganz andere und wesentlich weniger blutige Geschichte: Am Anfang ist - wie immer - das Chaos. Innerhalb dieses Chaos entsteht ein Ei. Und in diesem Ei entwickelt sich über nicht weniger als 18.000 Jahre das erste lebende Wesen der Welt: ein gehörnter, sehr haariger Riese namens Pangu. Als dieser Riese letztendlich aus seinem Ei schlüpft, bildet das mit ihm herausströmende Eiweiß den Himmel (Yang) und das Eigelb die Erde (Yin). Pangu befindet sich zwischen den beiden und hält sie auseinander. Von nun an vergehen bis zur vollständigen Erschaffung der Welt wie wir sie heute kennen laut chinesischem Mythos noch einmal 18.000 Jahren. In dieser Zeit wächst Pangu täglich und schiebt dabei Yin und Yang immer weiter auseinander, bis er eine Größe von 45.000 Kilometern erreicht hat - den korrekten Abstand zwischen Yin und Yang. Dann legt er sich zum Sterben nieder und aus ihm werden die Bestandteile der Welt: Sein Kopf, sein Bauch, seine Füße und seine beiden Arme werden zu den heiligen Bergen Chinas, sein Atem wird zu Wind und Wolken, seine Körperbehaarung wird zu Pflanzen und Bäumen. Laut einigen Auffassungen werden die kleinen Flöhe, die auf seinem Körpfer gelebt haben, sobald sie zum ersten Mal vom Wind berührt werden, zu den Menschen.

    Weiterhin gibt es neben diesen beiden asiatischen Ursprungsmythen in dieser Folge noch einen Fun Fact zu Yin und Yang, Reportagentipps zur chinesischen Geschichte und zu den drei Hauptrichtungen der chinesischen Philosophie sowie eine kleine Side-Story über Mistkäfer. 

    Viel Spaß und bis nächste Woche! 

    Genannte Fernseh- und Audiobeiträge:
    • Phoenix Doku-Reihe "China, Geschichte einer Großmacht"  - ACHTUNG, im Podcast sagt Steffi fälschlicherweise ARD
    • ARD Audiothek: "Chinesische Philosophie - Unsere Unkenntnis hat koloniale Wurzeln" 
    • Apple TV Doku-Reihe "Tiny World" Trailer - Im Englischen Original gesprochen von Paul Rudd ("Antman")
    41 min
  • #3: Mythologie der Native Americans II: Navajo und Inuit - Geister, Schafe, Erbsen und Prinzessinnen
    Sari und Steffi bleiben entgegen jeder Ankündigung noch in Nordamerika. Steffi gibt eine (ganz kurze) Übersicht zur Geschichte der indigenen Völker dort und stellt noch zwei weitere kleine Schöpfungsmythen aus verschiedenen Arealen vor: Den Schöpfungsmythos der Navajo und den der Inuit. Es kommen erneut viele Tiere und Geister vor, ein Thema aus der letzten Folge (das Thema hat zwei sehr scharfe Vorderzähne) wird aufgegriffen und eine neue Rubrik eingeführt (die Fun-Fact-Rubrik). Auch das zweite Steckenpferd unserer Erzählerinnen kommt nicht zu kurz: Princess Charming ging diese Woche ins Halbfinale und Steffi und Sarah sind extra früh aufgestanden, um direkt darüber sprechen zu können. Wer die 8. Folge noch nicht gesehen hat, überspringt also besser die MAJOR PRINCESS CHARMING SPOILER: Minute 31:32 bis 36:00.

    Zu Beginn gibt Steffi einen ganz kurzen Überblick über die generelle Geschichte der Besiedlung Amerikas und die entstehung der verschiedenen indigenen Völker Nordamerikas. Dadurch erscheint es am Ende auch einleuchtend, dass die Mythologie der indigenen Nordamerikaner teilweise bei verschiedenen Völkern größerer geographischer Nähe sehr ähnlich ist. In vielen dieser indigenen Mythen spielen Tiere eine sehr große Rolle, aber auch Animismus ist ein großes Thema aller Religionen der dortigen Kulturreale.

    Der Schöpfungsmythos der Hopi und Navajo - Spider-Woman und Tawa
    Bei den Hopi und insbesondere auch noch viel detaillierter bei den Navajo spielt die Figur Spider Woman, auch Spider Grandmother genannt, eine bedeutende Rolle in der Mythologie. Bei der Weltentstehung arbeitet sie mit dem Sonnengott Tawa zusammen, um die Erde mit Tieren zu bevölkern. Während Tawa sich die Tiere ausdenkt, formt Spider-Woman dieselben aus Ton. Die fertigen Tonfiguren bedeckt sie mit einer gewebten Decke und murmelt ihnen ihre Seele ein, sodass sie dann frei auf der Erde herumlaufen können. Als alle Tiere fertig erschaffen sind, begeben sich die beiden Gottheiten an die Menschen, damit diese auf die Tiere aufpassen. Auch diese bekommen eine gewebte Decke umgelegt und dann die Seele eingesungen. In vielen detaillierteren Mythen, vor allem denen der Navajo, hilft Spider-Woman den Menschen noch auf ihrer Reise durch 3 Vorwelten, bevor sie am Ende in der vierten Welt, dem hier und jetzt, angelangen. Dabei bringt sie ihnen alles bei, was sie benötigen. In der Mythologie der indigenen Völker Nordamerikas hat Spider-Woman viele Gesichter und viele Funktionen, nicht immer ist sie nur nett, aber im Grund ist sie auch diejenige, die die Menschen in Stämme einteilt, die ihnen beibringt, wie man Nahrung anbaut und die ihnen die Sprache gibt.

    Mythologie der Inuit

    Vorweg ist anzumerken, dass die Diskussion über die Begriffe "Eskimo" und "Inuit" im Podcast ausgelassen wurde. Zwar war das Wort "Eskimo" ursprünglich eine Fremdbezeichnung, die Bedeutung ist aber umstrittten. Entweder war es abwertend gemeint und bedeutete "Rohfleischesser", vielleicht bedeutete es aber auch lediglich "Schneeschuhflechter". Die indigene Bevölkerung der Arktis bezeichnet sich selbst als "Inuit", als "Menschen". Lediglich die indigenen Bewohner Alaskas möchten so nicht bezeichnet werden und bevorzugen weiterhin Eskimo. Da der Mythos heute aber auf den Bereich Nordkanada und Grönland begrenzt ist, sprechen Steffi und Sara über Inuit. Die Mythologie der Inuit ist der der südlicheren native Americans nicht ganz unähnlich. Es gibt auch hier viele Tiere und einen Hang zum Animinius. Die Weltentstehung lief laut Inuit-Mythos wie folgt ab: Am Anfang ist eine große Dunkelheit, in die hinein ein Wesen geboren wird, dass zunächst einmal ein Rabe ist, das sich aber auch in einen Menschen verwandeln kann. Der Einfachheit halber wird dieses Wesen in Zukunft "der Rabe" genannt. Dieser Rabe bringt kreiiert irgendwann aus der Dunkelheit die Welt und macht mit seinen Flügelschlägen die Täler und Berge (vergleichbar mit dem Bussard im Mythos der Cherokee). Nicht nur Berge, Täler und Wasser erschafft der Rabe, sondern auch Erbsenschoten. Was er aber nicht weiß: Aus den diesen Erbsenschoten fällt eines Tages der erste Mann auf die Erde.

    Die ersten Menschen in der Arktis
    Als der Rabe bemerkt, dass ein Mensch aus einer der Erbsenschoten gefallen ist, ist er verwirrt - damit hatte er nicht gerechnet. Er entdeckt ihn, als er gerade etwas trinkt. Schnell fliegt der Rabe auf die Erde runter und er und der Mann liefern sich ein kurzes Starr-Duell. Dem Raben wird klar, dass der Mann wahrscheinlich Hunger haben wird, und er erfindet Beeren. Was nett gemeint ist, stellt sich schnell als nicht ausreichend heraus und so kreiiert der Rabe auch noch viele verschiedene Tiere, die er aber alle an nicht zu leicht zu erreichenden Orten versteckt (Schafe im Gebirge, Fische im Wasser, Vögel in der Luft), damit der Mann nicht alle auf einmal isst. Zuletzt kreiiert der Rabe auch noch die Frau. Er bringt den Menschen bei, die Welt zu respektieren, wie man sich warm genug anzieht, wie man sich Unterschlüpfe baut und wie man Kanus herstellt und richtig benutzt. Dann ist seine Aufgabe erledigt.

    Weiterführend:
    Zu Inuit Mythen gibt es einen eigenen Wikipedia-Eintrag, auf dessen Inhalt aus Zeitgründen nicht eingegangen wird. Nettes Youtube-Video mit Ilustrationen. Dokumentation über die Erstbesiedlung Amerikas von Servus-TV. Ein viel detaillierteres Video zu Spider-Woman. Schaut euch auch die Literaturliste zu Folge 2 an.
    40 min
  • #2: Mythologie der Native Americans I - Die Weltentstehung der Cherokee
    Heute begehen Sarah und Steffi (für sie) ganz neue Pfade und das Ausmaß ihres eigenen Kulturbanausentums dürfte jedem bewusst werden. Es geht um die Cherokee in Nordamerika und deren sehr spannenden Weltentstehungsmythos. Außerdem MÜSSEN sie kurz über Folge 7 von Princess Charming sprechen. Wenn ihr die Folge noch sehen wollt, überspringt besser Minute 21:48 - 24:00.

    Sarah erzählt in dieser Folge Steffi und den Zuhörer*innen zum ersten Mal einen nordamerikanischen Mythos. Dafür holt sie etwas weiter aus und gibt einen kurzen Überblick über die Geschichte der Cherokee in Nordamerika, deren Wohnort und deren derzeitige Situation. Dann geht es direkt los mit dem Mythos der Cherokee zum Thema Schöpfung. Viel Spaß!

    Weiterführend:
    Wenn euch dieses spannende Thema und die Mythologie der Native Americans sowohl aus historischer Sicht als auch von mythologischer Seite interessiert, hier ein paar echte Buchtipps: M. Clayton, Cherokee Mythology: Captivating Myths and Legends of a Native American Tribe, 2020. D. Lippert, Native American History for Dummies, 2007. A. Yasuda - M. Pennington, How the World was Made. A Cherokee Creation Myth, 2012.
    28 min
  • #1: Griechische Mythologie - Die Entstehung der Welt
    In der ersten Folge geht es um den Schöpfungsmythos des antiken Griechenlands. Steffi erzählt Sari diese spannende und verheißungsvolle Geschichte voller Verschwörungen, Verrat, Sex und Crime. Es kommen Gött:innen vor, Titan:innen und eigentlich absolut ALLES, woraus die Welt, wie wir sie heute kennen, besteht. Einen kurzen Ausflug machen Steffi und Sari auch in die Princess Charming Welt - in Zukunft werden sie diese Rubrik wohl weiter ausbauen.

    Die Mythologie des antiken Griechenlandes ist sehr umfassend und facettenreich. Dank antiker griechischer Autoren wie Hesiod, Apollonios von Rhodos oder Plinius dem Älterem wissen wir heute vergleichsweise zu anderen Kulturräumen sehr sehr viel über die griechische Mythologie. Darum beginnen wir heute auch unseren Podcast mit dem Schöpfungsmythos der Griechen: Wie ist die Welt entstanden, woher kommen die Gött*innen und wie ist überhaupt die Ausgangssituation für die späteren Abenteuer aller Held*innen, die noch kommen werden?

    Gaia, Uranos und das Chaos
    Am Anfang ist in der griechischen Mythologie das Chaos: Eine große Leere, unendlich dunkel und still. In dieser Leere lebt die griechische Göttin und Personifikation der Erde Gaia. Gaia ist als Urpotenz schon immer da und bringt zu Beginn der Entstehung der Welt aus sich selbst weitere Bestandteile des Kosmos hervor. Beispielsweise Uranos, den Himmel - gemeint ist der Gott es Himmels, die Personifikation des Himmels, der Himmel selbst. Zwar wurde Uranos laut Mythos von Gaia geboren, gleichzeitig ist er ihr aber ebenbürtig und auch ihr Liebhaber.

    Emanzipation der Titan*innen
    Uranos, der Himmel der griechischen Mythologie, stellt sich als ziemlicher Tyrann heraus, der vor allem auch auf seine eigenen Kinder eifersüchtig ist. Er versteckt alle Kinder, die ihm von Gaia geboren werden, in abgelegenen Winkeln der Welt (also IN Gaia - weird). Das sind unter anderem die Cyclopen und die Hekatoncheiren, aber auch die 12 Titanen und Titaninnen, zu denen auch Kronos gehört, der nun das Dasein als Protagonist in diesem Mythos übernimmt. Gemeinsam mit seiner Mutter Gaia, die mittlerweile sehr gefrustet von Uranos‘ Verhalten ist, schmiedet er einen Plan und als die Erdgöttin ihm heimlich eine Sichel zustecken kann wittert er seine Chance: Er entmannt seinen Vater, der sein Fortpflanzungsorgan jetzt im hohen Bogen davon fliegen sieht, während er selbst ein für alle Mal nicht mehr mit Gaia verbunden ist (Trennung von Himmel und Erde). Aus den Bluts- und Spermatropfen seines umherfliegenden Penis entstehen weitere mythologische Gestalten, zum Beispiel Nymphen, Giganten oder Erynien - und zu guter Letzt trifft der letzte Tropfen aufs Meer und daraus entsteht niemand Geringeres als Aphrodite, die griechische Göttin der Liebe.

    Die Titan*innen bilden nun Paare mit ihren jeweiligen Schwestern/Brüdern und bevölkern die Welt, die sie nun beherrschen, mit zahlreichen mythologischen Wesen und weiteren Personfikationen / Naturgegebenheiten, sozusagen mit allen Aspekten, die die Welt ausmachen. Die wichtigsten Protagonisten bleiben hierbei Kronos und seine Frau / Schwester Rhea. Denn schon bald stellt sich Kronos - genau wie sein Vater - als tyrannischer Patriarch heraus und isst seine Kinder eins nach dem anderen direkt nach seiner Geburt im ganzen auf. Und diese Kinder sind keine Unbekannten, was zugleich ein Spoiler für den weiteren Verlauf der Geschichte ist, denn es handelt sich um: Hestia, die spätere griechische Göttin des Herdes und der Familie, Hera, die griechische Göttin der Ehe und spätere Ehefrau des Zeus, Demeter, die Göttin der Ernte, Poseidon, den Gott des Meeres, Hades, den späteren Gott der Unterwelt und zuletzt Zeus, den späteren Göttervater und höchsten aller griechischen Götter und Göttinnen.

    Etablierung der griechischen Götter und Göttinnen
    Wie zuvor sein Vater Kronos kann auch Zeus nun durch eine Verschwörung mit seiner Mutter Rhea seinen eigenen Vater stürzen. Er überfällt ihn und bringt ihn dazu, Zeus’ Geschwister auszuspeien, die alle im Magen des Kronos überlebt hatten. Es folgt ein epischer jahrelanger Kampf zwischen Gött*innen und Titan*innen, die sogenannte Titanomachie. Am Ende gewinnen die Gött*innen und nehmen ihre herrschende Position auf dem Olymp ein, um dort sozusagen die erste Generation der kanonischen 12 höchsten olympischen Götter zu werden. Hestia und Hades allerdings gehören nicht lange dazu, da Hades die Unterwelt beherrschen wird und Hestia ihren Platz im Olymp abgibt, um näher bei den Menschen auf der Erde zu sein. Neben Aphrodite, Zeus, Poseidon, Hera und Demeter gehören später noch dazu: Apollon (Gott der Künste), seine Schwester Artemis (Göttin der Jagd), Ares (Gott des Krieges), Dionysos (Gott des Weines), Athena (Göttin der Weisheit) und Hephaistos (Gott des Handwerks).

    All diese Gött*innen werden in zahlreichen weiteren Folgen unseres Mythologie Podcasts eine zentrale Rolle spielen. Wir freuen uns drauf - und hoffen, ihr auch.
    Enjoy!


    Literaturempfehlung: G. Schwab, Sagen des Klassischen Altertums, egal welche Auflage. Allerdings kommt der Schöpfungsmythos nicht vor. Hier auch noch eine Podcastfolge zum selben Thema, bisschen ernsthafter, vom Bayrischen Rundfunk: https://www.br.de/mediathek/podcast/mythen-michael-koehlmeier-erzaehlt-sagen-des-klassischen-altertums/folge-2-gaia-uranos-kronos/41518. Unterhaltsam zum Thema ist auch dieser Blog: https://easymyth.de/griechische-mythologie/vatermord-zum-fruehstueck/
    30 min
  • Trailer - Der Mythologie Podcast für Kulturbanausen
    In diesem Mythologie Podcast sollen Mythen aus allen Kulturkreisen für Menschen aufbereitet werden, die kein großes Vorwissen haben. Die Geschichten über Mythen aus Griechenland und Rom werden hier eine zentrale Rolle spielen, da beide Erzählerinnen Klassische Archäologinnen sind. Schwerpunkte soll aber auch die nordische Mythologie, die Mythologie der indigenen Völker Nord-, Mittel-, und Südamerikas sowie die Mythen Asiens, Afrikas und Ozeaniens bilden. Im Idealfall wird dieser Podcast Mythologie für jeden greifbar und spannend machen und auf interessante Weise erzählen. Um den Bogen zur heutigen Zeit zu schlagen, wird es auch immer wieder Empfehlungen zu modernen Rezeptionen der Mythen geben. Hinzu kommt der „Wahrheits“-Teil des Podcasts, der sich am Ende der jeweiligen Folge kurz mit „Reality-TV“ beschäftigen wird, um die Zuhörer zurück in die Gegenwart zu befördern. 
    1 min

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Athena wurde aus Zeus' Kopf geboren, Krishna hatte 16.000 Frauen - aber nur eine große Liebe -, Odin wurde auf der Suche nach Weisheit halb blind und Coatlicue hatte eine Kette aus menschlichen Herzen - was soll das? Wir wollen mehr darüber wissen - und ihr auch. 

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