Nikolaus erzählt ...

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By Nikolaus KlammerArtsBooks
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Nikolaus erzählt ... episodes

  • Mánis Fall - Teil 1

    Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer

    Klaatu, Barada Nikto!: Fantastische Träumereien

    Lesung aus dem unveröffentlichten Roman "Mánis Fall" aus dem Brautschau-Zyklus.

    "Sie begann zu zittern und zog die Decke enger um ihren Oberkörper. Beim Sturz des Mondes waren dessen gewaltige Brocken auf der ganzen Nordhalbkugel eingeschlagen und hatte ganze Kontinente von den Landkarten radiert und andere waren dadurch erschaffen worden. Die Heutigen nannten diese Katastrophe die ›Große Welle‹. In den anschließenden kriegerischen Auseinandersetzungen waren über die wenigen Überlebenden noch mehr Tod, Vernichtung, Seuchen und schließlich auch noch ein atomarer Völkermord gekommen, der die Reste der Menschheit direkt in die Steinzeit zurückschleuderte. Anschließend, so hatte es vor einigen Abenden jedenfalls der ihr unheimliche Jac erzählt, waren eintausend dunkle, barbarische Jahre gekommen, bis sich die ›Drei Reiche‹ bildeten, die sich ebenfalls in einem Krieg gegenseitig zerstörten. Über dieses grausame Zeitalter, aus dem die heutigen Nationen der Überlebenden Lande nur langsam und zögernd herausgetreten waren, gab es offenbar keine Aufzeichnungen und kaum Erinnerungen. Vieles hatte sich der alte Mönch aus Sagen, Mythen und mündlichen Überlieferungen zusammenreimen müssen. Die Menschen hatten aber ihre Geschichte neu begonnen. Inzwischen waren noch einmal beinahe 3000 Jahre ins Land gegangen, in denen langsam wieder eine Zivilisation entstanden war. Und Fabia hatte während der ganzen Zeit in ihrem Glassarg geschlafen! Sie fühlte sich so einsam wie noch nie seit ihrem Erwachen.

    Hetha, deren kupferrote, vom Feuer beschienene Haarpracht wie ein Licht leuchtete, musste bemerkt haben, dass mit Fabia etwas nicht stimmte. Während die Vorgängerin stumm in sich hineingeweint hatte, war sie nähergetreten und nun umarmte sie sie. Fabia zuckte zuerst zusammen und wollte unwillig zurückweichen. Doch dann ließ sie sich die mitfühlende Berührung gefallen. Sie legte ihren Kopf auf die Schultern des Mädchens, das sie – zog sie einmal die Jahrtausende ab, die sie wie Dornröschen verschlafen hatte -, in etwa auf ihr eigenes Alter schätzte.

    »Komm, Faiaba«, flüsterte Hetha nach einer Weile, »wir wollen uns wieder zu den anderen ans Feuer setzen. Hier ist es kalt und klamm und wir holen uns nur eine Krankheit.« Fabia, die zum ersten Mal nicht über die seltsame Verballhornung ihres Namens aus dem Mund ihrer Reisegefährtin protestierte, schniefte einmal kurz.

    »Danke«, sagte sie und ließ sich widerstandslos zurückführen. Die anderen sahen kaum auf, als die beiden Frauen wieder in den Lichtkreis des Lagerfeuers traten.

    Kaum hatte sich Fabia wieder zwischen Juel und Lâbelle gesetzt, geschah etwas mit ihr. Es brach etwas auf, was sie tief in sich verschlossen und versiegelt hatte. Sie sammelte sich. Dann begann sie unvermittelt zu erzählen; zuerst mit unsicherer und leiser Stimme. Trotz ihrer Müdigkeit lauschten die anderen bald atemlos der unerhörten Geschichte aus einem fernen Zeitalter, die für sie wie eines von Sahars Märchen klang. Jeder Satz des Berichts über die letzten Tage von Paris erleichterte Fabia, als würde ihr ein großer Felsen von der Seele genommen ..."

    Erzähler:⁠ ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠Nikolaus Klammer⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠

    Musik: ⁠Heinz Christian (Strauss - Also spach Zarathustra)

    24 min
  • Wie "Brautschau" entsteht - Teil 3

    Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer

    Klaatu, Barada Nikto!: Fantastische Träumereien

    "Nun genug von Genese, Exegese und Hermeneutik

    meines Fantasy-Zyklus', der in erster Linie unterhalten soll. Mein Weg als Autor hat mich also an einen Punkt gebracht, an dem ich "Unterhaltungsliteratur" produziere. Auch mein zweites Standbein - die bei meinem Publikum fast noch beliebtere, phantastische Trilogie in fünf Bänden "Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren" - kann grob diesem Genre zugerechnet werden. Aber ist es wirklich das, was ich wollte, als ich mich auf den langen Weg machte, als Geschichtenerzähler mein Leben zu verbringen? Habe ich damit nicht meine "ernsthafte" Literatur desauviert und sie abgewertet, weil sie nur aus der Feder eines Fantasy-Schreiberlings mit zu viel Einbildungskraft stammt und deshalb gar nicht gut sein kann? Wer will schon von George R. R. Martin et al. einen belletristischen Roman lesen? Habe ich damit nicht eine Leserschaft verschreckt, die nicht glauben mag, dass ein U-Autor auch gelungene E produzieren kann - und umgekehrt? Beide in sich vereinen, das geht wahrscheinlich nur, wenn ich unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichen würde. Das machen einige Autoren, wie z. B. J. K. Rowling, die unter dem Namen Robert Galbraith Krimis schreibt. Letzte Fragen: Habe ich an meinen "literarischen" Werken gerecht gehandelt und mein schriftstellerisches Talent an Minderwertiges verschenkt, als ich sie beiseiteschob? Hat "Brautschau" überhaupt eine Raison d'Être?"

    Erzähler: ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠Nikolaus Klammer⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠

    Musik: Heinz Christian

    15 min
  • Wie "Brautschau" entstand - Teil 2

    Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer

    Klaatu, Barada Nikto!: Fantastische Träumereien

    „Mein Name ist Sahar. Ich ziehe durch das Land, um euch von den ungeheuerlichen Dingen der Vergangen­heit zu be­richten, von großen Heldentaten und düste­ren Schurkereien, von Intrigen, gewaltigen Schlachten und der Verdammnis. Ich werde euch von der Liebe singen, die alles überwindet. Denn die Liebe ist der Bo­gen, der sich von der Vergangen­heit über heute und in die Ewigkeit spannt. Lasst ihn uns mit Maraias Hilfe gemeinsam betreten. Denn die Liebe ist Anfang und Ende. Inmitten der Zwietracht, inmitten von Leid und Hass, inmitten von Lug und Trug, inmitten von Schmerz und Tod. Wenn alles in Mánis Feuern ver­brennen wird, bleibt sie allein bestehen und die Gegen­sätze erfüllen sich. Friede ist. Freiheit ist. Liebe ist. Sie werden ewig sein.“

    Erzähler: ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠Nikolaus Klammer⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠

    Musik: "Sahars Thema", "Straifs Thema" von Heinz Christian

    30 min
  • Wie "Brautschau" entstand - Teil 1

    Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer

    Klaatu, Barada Nikto!: Fantastische Träumereien

    Die ersten Skizzen zu meinem Fantasy- und Science-Fiction-Zyklus "Brautschau" entstanden vor fast 40 Jahren. Ursprünglich als reine SF geplant, wurde mein Fantasyspektakel immer mehr. Der Zyklus sperrt sich gegen eine Genre-Einordung. Er enthält High-Fantasy, Dystopie-, Steampunk-, Märchen- und Sagenelemente, 1001 und eine Nacht. Dazu kommen Heldenreise, Krimi, historischer Roman, Erziehungsroman, Coming-of-Age und vieles mehr. Es gibt queere Charaktere. Er ist der wildeste Ritt, den es zu lesen gibt. Vielleicht finden die Bücher deshalb so wenige Leser.

    Noch immer etwas erkälteter Erzähler: ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠Nikolaus Klammer⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠ (sorry!)

    Musik: "Sahars Thema" von Heinz Christian

    14 min
  • Palimpsest - Kurzgeschichte

    Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer

    Klaatu, Barada Nikto!: Fantastische Träumereien

    Science-Fiction ist grundsätzlich optimistisch, weil sie davon ausgeht, dass der Mensch überhaupt eine Zukunft hat - egal, wie düster diese aussieht. Es gibt jedoch auch das Subgenre der Zeitreise-Geschichten, in denen oft die Vergangenheit die Zukunft frisst. Diese ist so eine. Sie spielt am 09. November 1923. Ich mag diese Geschichte sehr.

    Übrigens: Je fantastischer das Thema, um so wichtiger ist es, dass der Autor glaubhaft klingt. Die in der Geschichte erwähnten Daten und Fakten sind nicht erfunden.

    Erkälteter Erzähler: ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠Nikolaus Klammer⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠ (sorry!)

    Musik:

    "Stillblüten - Ankunft" von Heinz Christian

    23 min
  • Ein misslungener Nachruf (Bonusfolge)

    Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer

    (Anmerkung: In der Folge behaupte ich, Marianne Ihlen wäre eine Deutsche

    gewesen. Das ist natürlich falsch. Sie war Norwegerin.)

    "Lieber HD, du hast mich zwar darum gebeten, aber ich kann das nicht wirklich. Ich habe mich redlich bemüht, aber ich bin niemand, der einen Nachruf schreiben kann – auch nicht auf Leonard Cohen, dessen Musik dir wesentlich mehr bedeutet als mir. Ich bin einfach eine andere Generation. Mancher, der von uns gegangen ist, war mir wichtiger. Zwar habe ich in meinem Testament festgelegt, dass an meiner Feuerbestattung Cohens „Halleluja“ gespielt werden soll, dies aber in der todtraurigen Fassung von Jeff Buckley, die ich für die gelungenste, weil verzweifeltste halte. Ich will ein Meer von Tränen, das wie ein Wasserfall aus den Augen hinunter und von den Beinen der Trauernden bis zu meiner Urne hinüberschwappt. Frau Klammerle, das aber wirklich nur nebenbei, möchte übrigens „Meet me in the Dark“ von Melissa Etheridge – wer es nicht kennt: Das sind sechs Minuten geballte Depression. No one get's out here alive.

    Doch einen gelungenen Nachruf auf den alten Spielverderber Cohen kann ich einfach nicht aufs Papier bringen; ich kann überhaupt keine Gedächtnisreden halten: Schließlich schreibe ich nie über andere, sondern nur über mich selbst. Denn nur von diesem Thema verstehe ich wirklich etwas."


    Erzähler: ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠Nikolaus Klammer⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠

    Musik:

    "Straifs Thema" von Heinz Christian

    8 min
  • Das Große Herbstjammern

    Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer

    Klaatu, Barada Nikto!: Fantastische Träumereien

    "Wo waren sie in den letzten Mona­ten, die herbstgrauen, wehmütigen, todessehnsüchtigen, morbiden Gedichtlein und Texte voll von Herbst, Ab­schied, frühem Leid, Bedauern, Melancholie, Depressi­on, Krankheit, Verzweiflung? Lagen sie am Strand in der Sonne? Wie Saunaschweiß perlen sie jetzt auf den erhitzten Stirnen der Lyriker und tropfen mit salzigen Tränen vermischt aufs Papier oder die Tastaturen! Ach, so klamm und kalt ist dem Poeten plötzlich, ein namen­loses Gefühl greift ihn fest und unbarmherzig ans Herz und engt seine Brust. Wie einsam und verlassen ist er doch mit einem Mal, wie gleichgültig behandeln ihn sei­ne Mitmenschen – so furchtbar allein ist er mit seinen tiefen Empfindungen und Sorgen. So sehr trägt er am Gewicht der Welt, am Kummer seiner Menschheit, dass ihm jeder Schritt zur schleppenden Qual wird. So schrecklich ist das Absterben der Natur und so furcht­bar dabei sein eigenes Los, so bedeutungsschwanger die Kürze der Tage und die lange, frostkalte Nacht. Jam­mern auf höchstem Niveau. Ach, wir sind doch nur Staub im Wind."

    Erzähler: ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠Nikolaus Klammer⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠

    Musik:

    "Autum Leaves" von Jaques Prévert,

    1. Sinfonie c-moll "Allegro di molto" von Felix Mendelssohn Bartholdy,

    interpretiert von Heinz Christian

    16 min
  • Darüber könnte ich ein Buch schreiben ...

    Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer

    Im Autorencafé: Literarisches, Fragmentarisches und Gestohlenes

    "Und? - Was machen Sie beruflich?"

    Jeder Künstler kennt diese Frage, die ihm immer wieder bei Lesungen, Vernissagen, nach Konzerten oder Theateraufführungen von einem wohlmeinenden, durchaus interessierten Publikum gestellt wird. Sie rangiert neben "Woher haben Sie eigentlich ihre Ideen?" unangefochten auf Platz Eins der häufigsten und zugleich dämlichsten Fragen, die man einem Kunstschaffenden stellen kann.

    Freilich üben die meisten Künstler noch mindestens einen Brotberuf aus, denn in unserer gierigen Möglichst-billig-oder-wenn's-geht-gleich-Gratis-Gesellschaft und der kriminellen Mitnahme-Mentalität, die im Internet herrscht, können nur wenige ausschließlich von ihrer Kunst leben und auch diese werden nicht einmal annähernd adäquat bezahlt. Wenn der Künstler nebenher kellnert, in einem Büro Akten sortiert, Kinder oder Erwachsene unterrichtet oder Alte pflegt, Post austrägt, Fliesen legt oder Webseiten gestaltet (alles Dinge übrigens, die ich schon einmal während meiner Karriere gemacht habe), fragt ihn dort auch niemand, was er denn neben diesen Jobs sonst noch beruflich mache. Dabei ist doch immer dieser Brotberuf, dem ich nur gezwungenermaßen nachgehe, um mich und meine Familie durch den Winter zu bringen, derjenige Job, der bei mir immer erst an zweiter Stelle kommt. Oder meint hier jemand ernsthaft, Goethe war in erster Linie Weimarer Geheimrat, unterschrieb begeistert Todesurteile und verwaltete den örtlichen Bergbau? Jeder Autor würde wie Arno Schmidt sofort eine monatliche Rente von Herrn Reemtsma akzeptieren, damit er nur noch schreiben kann. Nebenbei: Wenn mich jemand mäzenatisch unterstützen möchte, nur zu ..."

    Erzähler: ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠Nikolaus Klammer⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠

    Musik: "Giant Steps" von John Coltrane, interpretiert von

    Heinz Christian

    24 min
  • Es wird andere Tage geben

    Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer

    Im Autorencafé: Literarisches, Fragmentarisches und Gestohlenes

    "Manchmal brauche ich eben ein wenig Halt in diesem leeren Kosmos, dieser gleichgültigen, im wörtlichen Sinn Gott-losen Welt, in der mich die Dinge nicht beobachten, mich nicht beachten, ja, nicht einmal ignorieren. Gut und Böse, Trauer, Freude, Liebe, Wut, gar eine Moral: Sie werde ich unter ihnen vergeblich suchen. Wenn ich einmal ermüdet sterbe, werde ich mich wandeln; endlich ebenfalls in ein leeres, gleichgültiges Ding.

    Wenn mich die nüchterne Interesselosigkeit der Welt niederdrückt und die abweisende Kälte der am Nachthimmel funkelnden Sterne deprimiert, wird mir mal wieder deutlich, wie einsam ich in diesem Universum bin. Dann erwachen Selbstmitleid und der Künstler in mir, denn andere Konsequenzen erschrecken mich. Ich beginne ungeschickt wie ein Mensch der Steinzeit, meine Fingerabdrücke auf den Oberflächen der Dinge zu hinterlassen, sie zu prägen. Auch wenn sie nur ein schnell vergehender Fettglanz sind, ich habe sie doch berührt. Ich schaffe mir Totems und Idole, personifiziere Gegenstände und Ideen, eine Religion: Ein Nagel ist ein Nagel, aber vier Nägel ergeben bereits ein Kreuz. "

    Erzähler: ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠Nikolaus Klammer⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠

    Musik: "Straif" aus der Musik zu "Karukora" von Heinz Christian

    https://youtu.be/ZZsikIfCrI4?si=6oQeVhNdZKIcm8bD

    17 min
  • Von Träumen, Visionen und Doppelgängern

    Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer

    Im Autorencafé: Von Träumen, Visionen und Doppelgängern

    "Erzählte Träume langweilen mich. In Romanen überblättere ich sie grundsätzlich, denn sie haben eigentlich nie etwas mit der Handlung zu tun, sie sind ein retardierender und, wie ich finde, fader Moment des Zeilenschindens. Man lernt auch die Figur des Träumenden nicht näher kennen, denn Träume sind in der Tat Schäume, sie bedeuten mir – Freud zum Trotz – Nichts.

    Nicht nur im Buch, auch im Alltäglichen habe ich einen Horror vor Traumgeschichten. Jemand erzählt mir zu meinem Leidwesen den seinen brühwarm am Frühstückstisch, den, den er beim Erwachen träumte und den er beim Erwachen eigentlich schon wieder fast vergessen hat - meistens liegt ihm nur noch ein Geschmack auf dem Mund - und während er berichtet, geschieht etwas Seltsames: Sein Geist/Verstand/Über-Ich/Was-weiß-Ich greift ordnend ein und gibt dem Traum Folgerichtigkeit, innere Logik, einen Handlungsablauf, der nie existerte – der Traum wird zum Gleichnis, zur Allegorie. Der tatsächliche Traum war nur eine Melange von wirren und surrealen Bildern, Eindrücken, Satzfetzen und Bewegungen, alle ohne Handlung, Logik oder gar Stringenz."

    Erzähler: ⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠Nikolaus Klammer⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠

    Musik: "My funny valentine" von Chat Baker (Komponist: Richard Rogers), interpretiert von Heinz Christian


    19 min

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