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Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer
Im Autorencafé: Literarisches, Fragmentarisches und Gestohlenes
"Das sage ich doch die ganze Zeit! Lerne von den Großen: Es ist besser, eine gute fremde Idee zu stehlen, als eine schlechte eigene Idee zu verwenden.
In einem Zeitalter, in dem die guten Ideen nur ein paar Mausklicks, eine Internetrecherche, eine Text-KI und ein Paste and Copy entfernt sind, wird es immer häufiger Mode unter den Schreiberlingen, die Werke anderer für die eigenen auszugeben. Aber das gab es früher schon. "
Erzähler: Nikolaus Klammer
Musik: Heinz Christian (nach einem Motiv von P. Tschaijkowsky)
Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer
Im Autorencafé: Literarisches, Fragmentarisches und Gestohlenes
"Mir war, ich stünde im engen Hof eines brennenden Schlosses. Die Flammen brüllten im ersten Stock, ein heißer Wind trieb mir glühende Funken ins Gesicht. Voller Angst suchte ich inmitten des wirbelnden Chaos dieses sturmverworrenen Feuers nach einem Ausgang, nach dem rettenden Tor. Da war es! – und es barst auseinander. Blutige Flammengarben stoben in alle Richtungen – und in der Mitte erblickte ich ein Ross und auf ihm, barhäuptig und wüst zugerichtet, einen Reiter. Es war Dupin! Er vermochte dem Galopp keinen Einhalt zu gebieten. Seine schmerzverzerrten Züge, seine ganze, krampfhaft zuckende, kämpfende Gestalt erweckten mein Mitleiden. Er öffnete die zerrissenen Lippen, welche im Entsetzen durchgebissen waren, rief ein Wort. Es war deutsch, aber ich vermochte ihn nicht zu verstehen. Das Hämmern der Hufe erscholl scharf auf dem Pflaster. Das Ross bäumte sich auf und sprengte über mich hinweg.
Ich schrie und erwachte – blickte in Dupins lächelndes Gesicht, das keineswegs rußverschmiert und verbrannt war. Die Hufe donnerten noch immer, aber sie gehörten den Pferden, die unsere kleine Post eilig durch Regen und Wind gen Teutschland trugen."
Erzähler: Nikolaus Klammer
Musik:
"Visio Di Donna" von Aldo Romano, interpretiert von Heinz Christian.
Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer
Im Autorencafé: Literarisches, Fragmentarisches und Gestohlenes
"Ich schreibe nicht nur gerne selbst dicke Romane, ich schätze es auch, sie zu lesen. Und in meinem Urlaub nehme ich mir immer ein besonders dickes vor. Jedes Jahr aufs Neue bilde ich mir ein, die freien Tage seien endlos, die Abende warm und die Nächte hell und kurz. Ich hätte alle Zeit der Welt. Freilich ist es nicht so, es ist aber ein Traum, den ein Blick auf den Kalender zerstört: Die Tage reihen sich wie Dominosteine aneinander, einmal angestoßen, fallen sie umso schneller.
Erzähler: Nikolaus Klammer
Musik:
"Ménilmontant" von Charles Trenet, interpretiert von Annette Christian und Heinz Christian.
Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer
Im Autorencafé: Literarisches, Fragmentarisches und Gestohlenes
"Du nimmst dir die Zeit, mir zuzuhören. Das ist ein außerordentlich wertvolles Geschenk, für das ich wirklich dankbar bin. Es ist etwas Kostbares, das ich nicht leichtfertig verschwenden möchte. Ich stelle mir dich während des Erzählens als einen guten und geduldigen alten Freund vor, dem ich von mir und den Dingen, die mich beschäftigen, berichte, von den Büchern, die ich gelesen habe, von den Texten, die ich schrieb, von den Gedanken, die ich mir machte, von den Menschen, denen ich begegnete. Ich stelle mir vor, wir sitzen im Cafehaus nahe beieinander in bequemen Sesseln vor einem niedrigen Tischchen, vorne, nah am Fenster, durch das man auf eine belebte Straße blickt. Während wir uns austauschen, nippen wir ab und an an einer Melange oder einem Earl Grey, naschen von einem Stück Käsekuchen, vielleicht trinkt auch einer von uns ein Glas Wein (oder Rhabarber-Limonade), blickt abgelenkt auf sein Smartphone oder sucht den Augenkontakt mit der Bedienung. Im Hintergrund sitzen etwas erhöht Annette und Heinz Christian, interpretieren Fritz Kreisler, einen Jazzstandard oder frühromantische Kammermusik."
Erzähler: Nikolaus Klammer
Musik:
"Liebesleid" von Fritz Kreisler, interpretiert von Annette Christian und Heinz Christian.
Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer
Literarisches, Persönliches und Heiteres aus Diedorf und Augsburg zwischen den Jahren.
"Älter werden bedeutet vor allem auch, Verluste hinnehmen zu müssen. 2023 wurde ich 60 und so fühle ich mich heute auch. Ich will hier nicht von Haarausfall, bröckelnden Zähnen, nachlassende Sehkraft und ähnlichem Unerfreulichen sprechen, nicht einmal davon, dass ich seit meiner heftigen Coronaerkrankung im September fast keinen Geruchsinn mehr habe – was in manchen Situationen auch seine Vorteile hat. Es ist einfach unser Los als Menschen, dass wir uns nicht auf einmal, sondern Stück für Stück verlieren."
Musik:
"Naima", interpretiert von Heinz Christian.
Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer
Literarisches, Persönliches und Heiteres aus Diedorf und Augsburg zur Weihnachtszeit.
"Was habe ich nun in meine eigene Familie übernommen? Natürlich nicht das schreckliche »Gänseklein«, nicht die endlose Wanderung am Hl. Abend und vor allem nicht den Streit zwischen den Erwachsenen. Das alles wäre mit Frau Klammerle auch nicht zu machen. Was uns aber immer wichtig war, war es, unseren Söhnen Weihnachten als etwas Einzigartiges und Besonderes
Musik:
"We wish you a merry Christmas", Familienchor
"Morgen Kinder, wird's was geben"; eingerichtet von Heinz Christian mit Hilfe der Software Ludwig.
"We Tree Kings" für Gitarre Solo, eingerichtet von Heinz Christian.
Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer
Literarisches, Persönliches und Heiteres aus Diedorf und Augsburg zur Weihnachtszeit.
"Der junge Mann nahm die Bewegung aus den Augenwinkeln wahr. Es dauerte eine kurze Weile, bis das Signal seine durch das Lesen abgelenkte Aufmerksamkeit erhielt. Dann sah er erstaunt auf, blickte hinüber zu dem Zwerg, der gerade seinen Arm zurück in die Ausgangsstellung brachte. Ein Zweifel war nicht möglich. Der junge Mann spähte vorsichtig nach links und rechts. Aber er war allein. Niemand außer ihm war so irre, sich am vierundzwanzigsten Dezember nachmittags um drei Uhr in einen geschlossenen Stadtpark zu schleichen, auf einer Holzbank zu sitzen und Giordano Bruno zu lesen."
Musik: "Morgen Kinder, wird's was geben"; eingerichtet von Heinz Christian mit Hilfe der Software Ludwig.
"Suite für Holzbläser", Satz 2: Tanz von Heinz Christian.
Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer
Literarisches, Persönliches und Heiteres aus Diedorf und Augsburg zur Weihnachtszeit.
"Vor und nach Lukas wurde in den 60ern Hausmusik gemacht, das heißt, meine Mutter, meine Schwester und auch mein Bruder flöteten oder M. spielte auf dem Akkordeon, während die Stegherr-Omi ein aus ihrem Ärmel gefischtes Taschentuch in der Hand zerknitterte, in das sie still hineinheulte, während sie den in diesem Jahr wieder besonders gelungenen Baum bewunderte. Dazu wurde falsch und nicht allzu textsicher gesungen. In späterer Zeit legte mein Vater dann nur noch seine Weihnachts-Schallplatte auf und vor der Lesung erklang in der Version von Rudolf Schock und den Regensburger Domspatzen »Stille Nacht«, danach »Oh, du Fröhliche« (Über diese Reihenfolge wurde manchmal gestritten). Meist hatte er Probleme, im schummrigen Kerzenlicht, das der Baum ausstrahlte, die Nadel des Plattenspielers richtig aufzusetzen und es ertönten vor der stillen Nacht mit einem hässlichen Quietschen die letzten Takte von Eine Muh, eine Mäh: »Eine Muh, eine Mäh, eine Täterätätä ... Ratadschingderattabum!«"
Erzähler: Nikolaus Klammer
Musik: "Morgen Kinder, wird's was geben"; eingerichtet von Heinz Christian mit Hilfe der Software Ludwig.
"Suite für Holzbläser", Satz 1: Intrada von Heinz Christian.
Nikolaus erzählt ... Der Podcast von Nikolaus Klammer
Literarisches, Persönliches und Heiteres aus Diedorf und Augsburg zur Weihnachtszeit.
"Dann ist also an diesem 1. Adventswochenende ein Wintereinbruch über uns Südbayern gekommen, so schneereich und heftig, wie wir ihn hier schon seit fast 20 Jahren nicht mehr erlebt haben. Meine Schneeschaufel und ich - wir führen schon seit Jahren eine enge, wenngleich saisonale Beziehung - führten gestern einen einsamen, aber heroischen Kampf gegen die schiere Übermacht dieses Winters, der wie die Eisriesen des Fimbuls in der Edda über uns kam, um Ragnarök einzuläuten. Es war wie in der Fabel vom Hasen und dem Igel. Hatte ich bei heftigem Schneetreiben in grauer Düsternis und eisigen Minustemperaturen die Wege rund ums Haus und die Garage einigermaßen freigeräumt, hatte der Igel „Winter“ am anderen Ende längst wieder eine dicke Schneedecke auf den mühsam freigeschaufelten Flächen ausgebreitet.
"Ick bün all hier!" Und meine Sisyphusarbeit begann von Neuem. Bewaffnet mit meinem Schaufel-Bihänder stemmte ich mich gegen Fimbuls eisiges Wüten und pflügte, schaufelte, schnaufte, kehrte, schwitzte, fror zugleich und wusste längst, dass mein Kampf verloren war. Ich kapitulierte aber erst nach Stunden, als ich nicht mehr wusste, wohin mit all den Schneemengen."
Erzähler: Nikolaus Klammer
Musik: "Morgen Kinder, wird's was geben"; eingerichtet von Heinz Christian mit Hilfe der Software Ludwig.
Auschnitt aus der "Suite für Holzbläser" von Heinz Christian.
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