Orange 94.0

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Orange 94.0 episodes

  • Alleinerziehende und das österreichische Frühe Hilfen Netzwerk im Gespräch

    Alleinerziehende Mütter haben täglich viele Verpflichtungen zu bewältigen, u.a. Kinderbetreuung, Erwirtschaftung eines Einkommens, Koordination von diversen (Arzt)Terminen, Einkäufe und Organisation des Haushalts (Kochen, Wäsche, Reinigung) etc.

    Viele Alleinerziehende haben niemanden – keine Personen (Eltern, Partner, Freunde), die eine stabile Unterstützung in ihrem Alltag bieten können und somit stehen sie diesen Verpflichtungen allein gegenüber.

    Diese Sendung soll eine nützliche Hilfe für alleinerziehende Mütter bieten, damit sie in schwierigen Fällen wissen, an wen sie sich bei bestimmten Herausforderungen (psychologische, finanzielle, rechtliche, organisatorische usw.) wenden können. Die Frühen Hilfen bieten solche Beratungen u.a. im Wiener Raum an und berichten im Rahmen der Sendung über ihre Entstehung und ihre Erfahrungen.

    Sendungsgestaltung: Annie Dhillon

    Technik: Verena Bauer

    Musik:

    Aretha Franklin Respect

    Helen Reddy – I Am Woman

    Sia – Unstoppable

    Sendungssprache: Deutsch

    Fotocredit: Die Möwe

    Weblinks und weiterführende Informationen:

    www.fruehehilfen.at – die Kontaktdaten aller Frühen Hilfen-Netzwerke österreichweit und die Kontaktdaten der Frühen Hilfen Wien: www.fruehehilfen.wien, Tel.: 01/ 38 9 83, [email protected]

    HINWEIS: „Tag der Alleinerzieherinnen – Messe“ findet am 28.9.2026, 9:00-15:30 Uhr im Wiener Rathaus (Wappensaal) statt.

    57 min
  • Grazer Linuxtage 2026

    Grazer Linuxtage 2026 – What can we learn from Android for other embedded Linux systems security_

    Grazer Linuxtage 2026 – Android ohne Überwachung_ FOSS-Apps auf dem Smartphone
    Grazer Linuxtage 2026 – Gerätesicherheit verstehen_ Verschlüsselung, Integrität und der Einsatz in d
    Grazer Linuxtage 2026 – Secure Boot und Linux – Geht doch (garnicht_)

    Auszüge aus den Aufzeichnungen im GLT26 Archiv

     

    https://glt26.linuxtage.at/de/

    30 min
  • To the Right of the Far Right: Agendas and Appeals

    Far-right ideas that were once considered marginal are increasingly entering political parties, the media, and public debate. New movements are emerging, international networks are growing, and increasingly radical positions are gaining visibility.

    Why is there growing support for parties with more extreme agendas? What happens when far-right parties come to power? And how closely are far-right movements across Europe and beyond connected?

    The discussion brings together Steven Forti, Italian historian and researcher on fascism, populism, nationalism and the contemporary far right; Karolina Zbytniewska, Editor-in-Chief of FocusEurope.pl and researcher specialising in populism and political communication; and Nina Horaczek, political scientist, author and chief reporter at the Austrian weekly FALTER, who has been researching right-wing extremism in Austria and Europe for many years.

    The discussion is moderated by Mirjana Tomic from fjum / Presseclub Concordia.

    The discussion was recorded on June 29, 2026 at Presseclub Concordia in Vienna.

    57 min
  • Eine Welt brennt!

    Was bewegt Kulturzentren in Zeiten der akuten Klimakrise?

    WUK-Radioredakteurin Helga Neumayer hat sich in Südfrankreich unter Rauchschwaden umgesehen und mit zwei AktivistInnen des internationalen Treffens revolutionärer Chöre über ihre Strategien zu den brennenden Herausforderungen der Zeit gesprochen.

    Mit den Musikbeiträgen „Belle Mediterranée“, „Villard Porcherie“ und „Cucuzzande“, aufgenommen beim Abschlusskonzert internationaler revolutionärer Chöre am 30. Juli 2026 in Le Villard und am 31. Juli 2026 in Peyrat le Chateau von der Sendungsgestalterin.

     

     

    Sendungsgestaltung und Präsentation: Helga Neumayer

    29 min
  • Walfang auf den Färöer Inseln

    Ein persönlicher Bericht und ein Interview mit einem Aktivisten von Sea Shepherd vor Ort auf den Färöern über den dortigen Walfang.

    Auf den Färöern werden seit bis zu 1000 Jahren ganze Großfamilien von bis zu 1000 Pilotwalen mit Schiffen zum Stranden gezwungen und dann abgeschlachtet. Was früher vielleicht zum Überleben nötig war, ist heute völlig kontraproduktiv, zumal das Walfleisch nachweislich mit Quecksilber vergiftet und ungenießbar ist. Der Fang wird heute mit Tradition und nationaler Identität begründet. Er ist nicht kommerziell und wird auch nicht von Profis betrieben, sondern ist ein gesellschaftlicher Event, der nur einige Mal pro Jahr stattfindet. Dabei werden aber 100e Tiere mit einem Gehirn, das doppelt so groß wie das des Menschen ist, grauenhaft abgeschlachtet und ganze Kulturen zerstört.

    57 min
  • Rechtspopulistische Angriffe auf den Wohlfahrtsstaat

    FAKTory on air

    Vortrag und Diskussion mit Philip Rathgeb.

    Wie reformieren die radikalen Rechten den Wohlfahrtsstaat und inwieweit bedroht dies die liberale Demokratie? Der Aufstieg der radikalen Rechten brachte eine nationalistische und autoritäre Aufladung der sozialen Frage. Sozialpolitik wird in diesem Verständnis nicht mehr primär die Aufgabe zugeschrieben, Ungleichheiten abzubauen oder Armut zu bekämpfen, sondern vielmehr als Teil eines rechten „Kulturkampfes“ umgedeutet. Der Vortrag beleuchtet die Sozialpolitik der radikalen Rechten anhand internationaler Fallbeispiele und reflektiert über das Verhältnis zwischen Wohlfahrtsstaat und Demokratie im 21. Jahrhundert.

    Zur Person
    Philip Rathgeb ist Assoziierter Professor für Sozialpolitik an der University of Edinburgh. Er promovierte in Politik- und Sozialwissenschaften am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz. Aktuell forscht er zum Verhältnis zwischen Wohlfahrtsstaatlichkeit und Demokratie sowie zu Klimasozialpolitik aus vergleichender Perspektive.

    Der Vortrag wurde am 18.Juni 2026 in der FAKTory aufgezeichnet und fand in Kooperation mit dem Institut für Historische Sozialforschung statt.

    Bearbeitet von Katharina Reisner

    57 min
  • „Familie ist nicht in bezahlter Arbeit zu rechnen!“ vs. „Da ist nix hängen geblieben“

    Der österreichische Kanzler füllt das Sommerloch mit einer Moralkampagne für die Familie

    „Familie ist nicht in bezahlter Arbeit zu rechnen!“ vs.

    „Da ist nix hängen geblieben“

    Als Einstieg Christian Stocker im Original:

    „Kinderbetreuung ist für mich keine unbezahlte Arbeit, weil Kinderbetreuung würde ich nicht als Arbeit sehen. Familie ist nicht in bezahlter Arbeit zu rechnen. Wenn wir Familien als Business Case sehen, wenn wir Familien als Rechenbeispiel begreifen, dann ist das ein anderes Familienbild als das, das ich habe. Familie ist Verantwortung für einander, Familie ist Ja zueinander zu sagen, Familie ist etwas zu tun, ohne etwas dafür zu bekommen. Ich habe meine Kinder nicht erzogen als Rechenbeispiel.“ (Kurier 3.8.2026)

    Der Bundeskanzler hat recht, genau so ist es! Sein Familienbild ist korrekt. Die Vorwürfe, die er sich eingehandelt hat, beruhen darauf, dass bei den WortführerInnen weder von der Familie noch von der Lohnarbeit viel „hängen geblieben ist“. Denn mitten im Kapitalismus ist die Kinderbetreuung dezidiert antikapitalistisch organisiert, vom Gesetzgeber im Familienrecht; als Pflicht, nicht als Erwerbsarbeit. Das ist allgemein bekannt, darüber täuscht sich niemand. Keine Frau, die sich um ihr Kind kümmert, wundert sich über die ausbleibende monatliche Überweisung. Versuche, diesbezüglich unbedarft zu erscheinen, wirken höchstens komisch. Die KI fasst korrekt zusammen:

    „Der Begriff Sorgepflichten beschreibt die gesetzlichen und moralischen Aufgaben, für das Wohl, die Pflege und die Versorgung von schutzbedürftigen Personen – meist minderjährigen Kindern – zu sorgen. Im Familienrecht ist damit die Pflicht gemeint, das Kind zu erziehen, zu beaufsichtigen, zu ernähren und finanziell zu unterstützen (Unterhalt).“ Die Zwangsverpflichteten sind die Eltern: „Die Obsorge umfasst Pflege, Erziehung, gesetzliche Vertretung und Vermögensverwaltung eines Kindes. Sie kann bei verheirateten Paaren, eingetragenen Partnerinnen/Partnern oder unverheirateten Elternteilen gemeinsam oder allein ausgeübt werden.“ (Amtliche Information auf:

    https://www.oesterreich.gv.at/de/themen/familie_und_partnerschaft/partnerschaft-und-ehe/lebensgemeinschaften/1/Seite.580032)

    Kleiner Exkurs zu etwas ganz anderem:

    Pflicht und Zwang und Zwang und Pflicht und Neigung und überhaupt …

    „Pflicht“ und „Zwang“ sind dasselbe, einerseits. Der erste Unterschied ist einer der Zustimmung oder Ablehnung. Wer einen Zwang befürwortet, nennt ihn Pflicht, und umgekehrt: Die Schulpflicht ist überwiegend unstrittig, doch sobald die ÖVP die Ganztagsschule ablehnt, nennt sie diese Form die Zwangs-Tags-Schule. Oder: Im Rahmen der Diskussion über die Wehrpflicht in Österreich vor der Volksbefragung 2013 haben die Gegner entdeckt, dass es sich dabei um einen Zwang handelt, und damit ihre Ablehnung begründet.

    Der zweite Unterschied ist eine moralphilosophische Ausdeutung des ersten: „In Abgrenzung zum Zwang unterscheidet sich die Pflicht dadurch, dass sie auf einem gesellschaftlichen, rationalen oder ethischen Diskurs einschließlich Findung eines Konsenses beruht. Erforderlich ist demnach, dass ein Pflichtausübender die Notwendigkeit seiner Handlungen bzw. Arbeit selbst erkennt und einsieht. … Beim Zwang hingegen wird etwas unbedingt abverlangt auch ohne Einverständnis oder Einsicht.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Pflicht)

    Eine Zustimmung zum Zwang, aber aus Einsicht! Aus diesem eklatanten Widerspruch kann die Moralphilosophie nie mehr herausfinden: Wer seiner Einsicht folgt – egal ob im „Konsens“ nach „Diskurs“ oder individuell –, der folgt eben dieser und steht damit, wenn man schon so daherreden will, nur sich und seiner Einsicht gegenüber in der „Pflicht“ unter Anführungszeichen, aus der er sich eben jederzeit verabschieden kann. Er nimmt eine Freiheit in Anspruch, die er gegenüber staatlich verordneten Pflichten nicht hat. Die Normalform des bürgerlichen Umgangs mit dieser Lage läuft auf eine bodenständige Einsicht zum Zwang hinaus: Man selber würde ja manches „einsehen“, viele andere aber nicht, weswegen Zwang wohl unvermeidlich sei.

    … wenn es doch um die Liebe geht!

    Das gilt nicht für die Familie, denn Familie ist anders, zumindest zu Beginn: Schließlich entscheiden sich die Beteiligten aus freien Stücken und ohne staatlichen Zwang, diese Bindung einzugehen; weil sie einander lieben, geben sie ihre Freiheit auf, zumindest zu Beginn. Soll heißen, in dem Stadium fallen Pflicht und Neigung zusammen, die Beteiligten wollen „füreinander da sein“. Davon ist der österreichische Bundeskanzler hellauf begeistert, noch einmal im Original:

    „Familie ist nicht in bezahlter Arbeit zu rechnen. Wenn wir Familien als Business Case sehen, wenn wir Familien als Rechenbeispiel begreifen, dann ist das ein anderes Familienbild als das, das ich habe. Familie ist Verantwortung für einander, Familie ist Ja zueinander zu sagen, Familie ist etwas zu tun, ohne etwas dafür zu bekommen.“

    Der Mann hat ja so recht, und das entspricht nicht bloß seinem ganz persönlichen „Familienbild“, das ist die geltende Verrechtlichung der Liebe durch den Staat, süffisant formuliert: Familie ist die staatlich organisierte und orchestrierte Ausbeutung der Liebe durch den Staat, für seine „Keimzelle“. Die Eheleute sind einander zum Beistand verpflichtet, und kümmern sich durch die Sorge füreinander um ihre Reproduktion für ihr gedeihliches Funktionieren außerhalb der Familie. Die Absetzung der Familie von Bezahlung, Berechnung und Eigennutz trifft diese Institution, das ist der Grund für die Euphorie des Kanzlers: Er hält es geradezu für eine Herabwürdigung dieser aus edlen Motiven geleisteten Absage an Bezahlung, an Berechnung und Eigennutz, wenn die Familie mit „bezahlter Arbeit“, eben mit Lohn in Verbindung gebracht wird, und sei es bloß in Form des Dementis – „unbezahlt“. Wenn arschklar ist, die Familie ist eine moralische Gegenwelt zur Sphäre des Kalkulierens für den persönlichen Vorteil in Beruf und Geschäft, dann ist allein die Erwähnung des schnöden Mammons geradezu eine Beleidigung der Akteure, die „einen unermesslichen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten“, und die dafür schon etwas verdienen, nämlich „Dank und Hochachtung“ – so Stocker in seiner nachgereichten Erläuterung, beides kostet ja nichts.

    Was machen Liebende eigentlich, wenn sie sich freiwillig verpflichten? Und warum?

    Wechselseitige Zwangsverpflichtung – ausgerechnet aus Liebe?!

    Es wirkt auf den ersten Blick schon ein wenig paradox, wenn sich Liebende – zur Erinnerung: Pflicht und Neigung fallen zusammen, weswegen die Pflicht auch keine ist, genau genommen –, wenn die beiden sich offiziell verpflichten, also nicht nur einander etwas versprechen, sondern gegenüber der staatlichen dritten Partei, und erst durch diese auch verbindlich. Diese Partei legt auch deftige Inhalte des Versprechens fest, die Beteiligten handeln sich also eine solide Portion Fremdbestimmung ein. Das Interesse des Staates liegt im Familienrecht zutage, der besteht auf den Leistungen, die von den Beteiligten füreinander und für die Kinder zu erbringen sind – auch und erst recht wenn sich die Zuneigung verdünnt oder ganz überlebt hat; wenn die Neigung dadurch zur Pflicht geworden ist, sich womöglich sehr unangenehm bemerkbar macht und als Kollateralschaden der Beziehung übrigbleibt. Es soll Leute geben, die erst anlässlich einer Scheidung gewahr werden, worauf sie sich da früher mal eingelassen haben. Die Sorgepflichten und die ganz ordinären wechselseitigen Ansprüche je nach geltender Rechtslage bleiben jedenfalls durch den Staat erhalten: Die absehbaren Verwerfungen im Lebensunterhalt der Trümmer einer früheren Lebensgemeinschaft sollen jedenfalls nicht zulasten der Sozialstaatskasse gehen.

    Aber wie kommen denn die durch Zuneigung verbundenen Leute auf die Idee, ihr Verhältnis verbindlich zu machen, indem als letzte Instanz das Eherecht für die wechselseitigen Leistungen bürgen soll? Das Bedürfnis nach Sicherheit durch Verbindlichkeit durch äußeren Zwang unterstellt den Zweifel, und wird neuerdings durch extra bombastische Feierlichkeiten noch einmal thematisiert und endgültig erschlagen, durch filmreife Inszenierungen. Von „unermesslichen Leistungen“ der Familie spricht der Kanzler; gemeint sind folgende Anstrengungen, in einer genialen Zusammenfassung:

    „Ich verspreche, dich nicht zu verlassen, weder in guten noch in schlechten Tagen, weder in Reichtum noch in Armut, weder in Gesundheit noch in Krankheit, und dir die Treue zu halten, bis dass der Tod uns scheidet.“ (www.weddingstyle.de)

    Aus Liebe zum Überleben im Kapitalismus!

    Das ist jenseits des exakten Wortlauts des jeweiligen Gelöbnisses das ziemlich verbindliche, empfohlene, gefeierte Liebesideal dieser Gesellschaft. Dafür lässt der Gesetzgeber die Beteiligten auch geradestehen, je nach gültiger Rechtslage. WOZU sich die Beteiligten da verpflichten, das erhellt, WARUM sie sich verpflichten wollen müssen. Die beiden sind über das Bedürfnis, sich eine gute Zeit zu machen, weit hinaus. Nicht mehr und nicht weniger als die wechselseitige Rettung des Lebens (im Kapitalismus) steht am Programm, das ist harte Arbeit und sollizitiert das Bedürfnis nach einem feierlichen Sicherheitsgurt durch die wechselseitige Verpflichtung. Deswegen ist die Familie „das Wichtigste“ im Leben. Über die Härten dieses Unterfangens, speziell in der Abteilung Kinderbetreuung, hat die vom Kanzler inspirierte Debatte detailreich informiert. Ein Mutter erklärt:

    „Denn wer Kinderbetreuung nicht als Arbeit sieht – auch wenn sie meist unvorstellbar großes Glück bedeutet –, hat nie nächtens bei einem kranken Kind am Bett gesessen. … Wer behauptet, Kinderbetreuung sei keine Arbeit, hat nie diese in den Knochen sitzende Erschöpfung gespürt, wenn man tagsüber alles für seine Kinder gegeben hat. Wer behauptet, all dies sei keine Arbeit, entwertet diese unschätzbare, tatsächlich unbezahlbare Leistung – ohne die unsere Gesellschaft, unsere Familien, unsere Zukunft zusammenbrechen würden.“ (Kurier 8.8.2026)

    Dem hat sich der Kanzler ohne jeden Vorbehalt angeschlossen, das alles hat er auch von Anfang an gemeint, er hat bloß daran erinnert, dass es für diese „unbezahlbare Leistung“, und insofern sehr stimmig, ohnehin kein Geld gibt; weil das „unvorstellbar große Glück“ dieses mütterlichen Ausbrennens schon der schönste Lohn ist, und bleiben soll. Die Autorin obiger Erfahrungen tritt auch nicht für die Bezahlung des Unbezahlbaren ein, sondern für eine andere innerfamiliäre Aufteilung der Zwangssorgepflicht. Ihr war übrigens auch vor der Mutterschaft klar: Bezahlt wird sie nicht.

    Der Sturm im Sommerloch-Wasserglas hat sich mittlerweile gelegt, der nie in Frage gestellte Konsens, wonach den Müttern der Nation nicht nur am Muttertag Lob und Preis und Würdigung und Anerkennung und Wertschätzung gebührt, der wurde angereichert um die Gewissheit, dass „Care-Arbeit“ eine moralische Kategorie ist, ein Ehrentitel, der keiner Schufterei und keiner „Hundsarbeit“ vorenthalten werden darf. Das Fazit im Interview mit der ursprünglichen Stichwortgeberin:

    Standard: „Angenommen, Stocker hätte geantwortet, dass Kinderbetreuung eine wertvolle Tätigkeit ist, die sehr wohl Arbeit ist. Dass man das gar nicht hoch genug wertschätzen könne, wie er es auch bei seiner Entschuldigung tat. Wären wir dann nicht bei einer rhetorischen, symbolischen Anerkennung, die wir auch jährlich am Muttertag haben – und die Feministinnen auch ablehnen? Kurz: Geht es inzwischen oft nur um das richtige Wording?“ … Fladenhofer: „Männer bekommen für das absolute Minimum bei der Kinderbetreuung Lob, und die Leistung von Frauen wird kleingeredet.“ (https://www.derstandard.at/story/3000000335103/stefanie-fladenhofer-der-bundeskanzler-waere-nicht-bundeskanzler-wenn-er-seine-frau-nicht-haette)

    Das Navi sagt: Sie haben ihr Ziel erreicht! – Die „Leistung von Frauen“ wird in einem energischen Aufwallen ganz, ganz groß-geredet! So viel Lob war nie!

    Überraschung! Die Bezahlung kommt gar nicht aus der Arbeit!

    Der Streit hat allerdings gerade auf kritisch-feministischer Seite Bildungslücken offengelegt; da ist himmelschreiende Naivität zu registrieren. Erst mal die Bedeutung von „Sorgepflicht“ betreffend, und zweitens in Sachen „Bezahlung“. Der fundamentale Irrtum besteht in der Vorstellung, Bezahlung käme als adäquate Abgeltung aus der Anstrengung, aus der Mühe, aus der Plage, der Erschöpfung – und müsste daher auch aus der anstrengenden Kinderbetreuungsarbeit kommen. Eigentlich. Irgendwie. Stimmt aber nicht.

    Das Geld kommt gar nicht aus der Arbeit, die Bezahlung kommt aus dem Interesse dessen, der die Anstrengung, die Mühe und die Plage organisiert, weil er daraus einen monetären Gewinn für sich macht! Darum heißt die „Lohnarbeit“ so – sie lohnt sich für den, der den Lohn zahlt, und der Lohn wird nur deswegen bezahlt. Oder es wird unter ähnlichen Bedingungen im öffentlichen Dienst geschuftet, bezahlt aus den Steuern auf die Erträge der bezahlten Arbeit. So eine Arbeit kann Frau kündigen, aus der Sorgepflicht darf sie sich nicht umstandslos selbst entlassen. In den Worten des Bundeskanzlers: „Familie ist aber kein Unternehmen und kein Job, wo man nach getaner Arbeit das Büro verlässt. … Familie ist nun mal kein Business Case.“ Genau.

    Aber der Staat will doch, dass die Kinder zu ihm kommen?!

    Der Hinweis auf das staatliche Bedürfnis nach Nachwuchs und sinkende Geburtenraten, weswegen eigentlich mehr staatliche Care-Arbeit für Mütter angesagt sein müsste, täuscht sich über eine unkündbare Eigenheit dieses staatlichen Interesses: An der Auslagerung der Kosten und Mühen dieses politischen Bedürfnisses an das Privatleben der Bürger wird nicht gerüttelt, die sollen das ausbaden. Wenn die Geburtenrate als zu niedrig bilanziert wird, dann wollen FamilienministerInnen den Frauen viel „Mut“ zum Kinderkriegen machen; die gebührende Überdosis Lob und Anerkennung und Würdigung, den ideellen Lohn für materielle Entbehrungen haben sie gerade kassiert. Sogar ein wenig Geld vom Kanzler gibt es:

    „‘Frauen, die alleinerziehend sind, werden in diesem Land mehr unterstützt als sonst wo. Sagen Sie mir ein Land, wo Sie mehr unterstützt werden in ihrer Alleinerziehung?’, meinte er. In Österreich bekomme eine Alleinerzieherin bis zu 1.000 Euro pro Kind, so Stocker: ‘Wo bekommen Sie das? Wo ist das unbezahlt? Wo ist das so, dass Sie alleine gelassen werden?’“ (Kurier 8.8.2026)

    Geschickt gemacht, diese Verschiebung erstens auf die Alleinerzieherin und zweitens auf den internationale Vergleich! Der Kanzler behauptet gar nicht, dass die Staatskohle die Kosten ersetzt, die für ein Kind anfallen; vom Verdienstentgang der Mutter mit der Betreuungspflicht ganz zu schweigen. Solche und andere Kindersubventionen sind eben das: Sie sollen gar nicht den Sorgepflichtigen die finanziellen Sorgen abnehmen, sondern dafür sorgen, dass deren Widerspruch zwischen Obsorge und Gelderwerb auch ausführlich gelebt werden kann. Bei der nicht-Alleinerzieherin ist ohnehin der Göttergatte unterhaltspflichtig.

    Die Folgen der Zwangsbeglückung durch Familie …

    … sind in ihren elementaren Ausprägungen ebenfalls Allgemeingut. Die (Zu)Neigung verflüchtigt sich nicht selten, durch ihre strapaziöse Inanspruchnahme; und mit der Neigung verflüchtigt sich auch die Einsicht in die Notwendigkeit der Pflicht. Nicht wenige entdecken, dass die Elternschaft bzw. die Sorgepflichten doch nicht so ihr Ding sind, und verabschieden sich, formell durch Trennung mit Rechtsfolgen oder mehr informell im innerfamiliären Dauerstreit und Desinteresse. Die populäre Vorstellung, die Misere läge im Grunde nicht an der Doppelbelastung, sondern an deren ungerechter, ungleicher Verteilung, die stimmt halt nicht. Familie ist ein Zweitberuf, ist Anstrengung und Aufwand, und wenn erst der Streit über die Lastenteilung tobt, dann geht über kurz oder lang die früher ersehnte und vielleicht gelebte Harmonie flöten. Denn eines steht jenseits jeder Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation immer schon fest: Schuld muss der / die andere sein, man hat sich schließlich verpflichtet, und den eigenen Teil immer erbracht …

    Wer die schwächsten Figuren in diesem Ensemble sind, ist ebenfalls bekannt, und auch diesbezüglich werden die Eltern keineswegs „allein gelassen“:

    „Der Schutz von Kindern und Jugendlichen ist eine zentrale Aufgabe jeder aufgeklärten Gesellschaft. Ein zentrales behördliches Instrument in Österreich ist dabei die sogenannte Gefährdungsabklärung. Das ist ein standardisiertes Verfahren, mit dem die Kinder- und Jugendhilfe (KJH) prüft, ob eine konkrete Kindeswohlgefährdung vorliegt. Ist das der Fall, können die Konsequenzen von sozialpädagogischer Unterstützung über therapeutische Angebote bis hin – als allerletzte Maßnahme – zur Krisenunterbringung des Kindes reichen. … Die Anzahl der Gefährdungsmeldungen nimmt österreichweit seit einigen Jahren zu. … Aus diesen Zahlen allein lässt sich allerdings nicht ablesen, ob die Gefährdungslage tatsächlich zugenommen hat oder ob lediglich die Sensibilität seitens der Meldenden gestiegen ist. Eine Studie aus Salzburg (PDF) liefert nun Hinweise darauf, dass zumindest dort beides zutrifft.“ (https://www.derstandard.at/story/3000000334428/gefaehrdungspotenzial-bei-kindern-gestiegen-was-steckt-dahinter)

    … und ihre Brutalitäten

    So richtig gruselig wird es allerdings, wenn die glücklichen Eltern des Kanzlers Vorstellungen vom schönsten Lohn für die Mühe und Plage begeistert teilen, und sogar fordern: „Ich weiß, wie sehr sich diese Arbeit lohnt. … Mütter, Väter, Großeltern – sie alle leisten bei der Betreuung und Erziehung unserer Kinder einen unermesslichen Beitrag für unsere Gesellschaft und die Zukunft unseres Landes. Dafür verdienen sie unseren Dank, unsere Hochachtung und unsere Unterstützung.“ (https://www.derstandard.at/story/3000000334597/kinderbetreuung-ist-keine-unbezahlte-arbeit-kanzler-erntet-protestrufe-bei-sommertour)

    Wenn die Eltern auch der Meinung sind, ihre Leistungen müssten sich für sie lohnen, in Form von „Dank, Hochachtung und Unterstützung“, womöglich sogar im „unvorstellbar großen Glück“, dann meinen sie nicht billige Politikersprüche. Sie verlangen den ihnen zustehenden immateriellen Lohn von den anderen Familienmitgliedern, und zwar in Gestalt sehr praktischer Gegenleistungen. Aus männlicher Sicht eventuell: Die Kinder sollen brav und die Frau aufgeschlossen sein. Die unvermeidlichen Enttäuschungen der übergroßen Erwartungen wollen anschließend bewältigt werden, und das geht über Gehässigkeiten, zu denen nur frustrierte hochanständige Menschen fähig sind, bis zur sprichwörtlichen „häuslichen Gewalt“. Der gefährlichste Ort im Leben einer Frau ist bekanntlich die Wohnung, und das war schon der Fall, bevor die Geschichten von betäubten und vergewaltigten Ehefrauen öffentlich thematisiert wurden sind.

    In der Sphäre der „bezahlten Arbeit“ gibt es ausuferndes Konkurrenzgetue, „Mobbing“; aber dass ein Arbeitskollege einen anderen umbringt, kommt höchst selten vor, während Beziehungstaten, Familientragödien, Femizide in schöner Regelmäßigkeit anfallen. In der Sphäre der „unbezahlten“ Arbeit geht es eben um hochmoralische Tauschgeschäfte der höheren Kategorie der Selbstlosigkeit: Wer bereit ist, „alles“ für andere zu tun, ohne etwas dafür zu verlangen – „Familie ist Verantwortung für einander, Familie ist Ja zueinander zu sagen, Familie ist etwas zu tun, ohne etwas dafür zu bekommen“ (Kanzler) –, erwartet in aller Regel, dass die geliebten Familienmitglieder es ihm gegenüber ebenso halten. Das ist nicht aus der Luft gegriffen – das haben zumindest die Erwachsenen einander versprochen. Diese abstrakt-totalitären Anspruchshaltungen – es geht unterm Strich um nicht mehr und nicht weniger als um ein „gelungenes Leben“ im Kapitalismus, das die beiden einander schulden – machen die Auseinandersetzungen so widerlich und vor allem die endgültigen Abrechnungen anlässlich einer Trennung so brutal.

    Feminismus heute: „Da ist nix hängen geblieben“. Genau!

    Vor mittlerweile 50 Jahren hat sich eine bekannte Autorin zu diesen Fragen sehr hellsichtig und mit einer klaren An- und Absage geäußert:

    „Ich glaube, eine Frau sollte sich vor der Falle der Mutterschaft und der Heirat hüten! Selbst wenn sie gern ein Kind hätte, muss sie sich gut überlegen, unter welchen Umständen sie es aufziehen müsste: Mutterschaft ist heute eine wahre Sklaverei. Väter und Gesellschaft lassen die Frauen mit der Verantwortung für die Kinder ziemlich allein. Die Frauen sind es, die aussetzen, wenn ein Kleinkind da ist. Frauen nehmen Urlaub, wenn das Kind die Masern hat. Frauen müssen hetzen, weil es nicht genug Krippen gibt … Und wenn Frauen trotz alledem ein Kind wollen, sollten sie es bekommen, ohne zu heiraten. Denn die Ehe, das ist die größte Falle.“ (Simone de Beauvoir, Interview mit Alice Schwarzer im SPIEGEL 15/1976)

    Frau könnte es also seit 50 Jahren ziemlich genau wissen. „Selbst wenn sie gern ein Kind hätte, muss sie sich gut überlegen, unter welchen Umständen sie es aufziehen müsste …“ Frau sollte also das tun, was die amtierende österreichische Familienministerin nicht leiden kann: Nachdenken; sich also wenigstens die Frage stellen, ob sie es im Fall des Falles als Alleinerzieherin durchsteht, ohne auf Almosen angewiesen zu sein, auf die der Kanzler so stolz ist. Beauvoir jammert nicht, sie sagt, so ist es, Frau „muss sich gut überlegen“, wie sie es anlegt. Unterstellt ist, Frauen sind halbwegs mündige Menschen, und können die Folgen ihrer Entscheidungen abschätzen. Der Beitrag hätte also seit fünfzig Jahren eine sehr brauchbare Leitlinie feministischer Meinungsmache sein können: „Die Ehe ist die größte Falle.“ Der österreichische Mainstream-Feminismus war allerdings seit Jahrzehnten mit etwas anderem beschäftigt: Mit Jammern.

    „Da ist nix hängen geblieben … Seit Jahrzehnten reden wir uns den Mund fusselig über die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die deswegen so schwierig ist, weil 90 Prozent der Care-Arbeit, ohne die Familien nicht existieren können, an den Müttern hängen bleiben. Und irgendwie haben wir gedacht, dass wir damit eine Spur Verständnis deponiert haben in den Hirnen mächtiger Männer. Zwar lag der Verdacht nahe, dass die Lippenbekenntnisse zu Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit nie viel mehr waren als solche, aber nun stellt sich heraus, der Regierungschef hält nicht einmal ein Lippenbekenntnis für notwendig. Er sagt es ganz ehrlich: Kinderbetreuung ist in seinen Augen keine Arbeit, die man irgendwie mit Geld in Verbindung bringen sollte.“ (profil /2026)

    Was nun? Alles weiter wie bisher, da ist schon wieder „nix hängen geblieben“:

    „Gefordert werden … Rahmenbedingungen, die es Frauen ermöglichen, Kinder zu haben und trotzdem ein anständiges Erwerbseinkommen zu erwirtschaften. Nötig ist zum Beispiel, dass sich Mutter und Vater die Versorgungsarbeit für den Nachwuchs halbe-halbe aufteilen. Nötig sind qualitativ hochwertige Ganztagsschulen. Und so weiter. Ja, eh. Wissen wir. Kennen wir. Aber wer ist dieses wir? Die tonangebenden Männer gehören offenbar nicht dazu.“ (ebd.)

    Offenbar; weil das „Wir“ gar nicht existiert! Eine gewisse aufklärerische Leistung ist auch dem Jammern über die Jahrzehnte zugute zu halten: Eine Frau, die heute etwa mit 30 Jahren schwanger wird, die hat mindestens 15 Jahre lang die einschlägigen Tage miterlebt und zur Kenntnis nehmen müssen: Den internationalen Frauentag, den Gender-Pay-Gap-Tag, den Gender-Pensions-Gap-Tag; mit immer derselben Botschaft: „Unbezahlt“. Irrtum unmöglich. Doch wenn Feministin sich weder für die Familie noch für die Lohnarbeit auf vernünftige Weise interessiert, indem sie den Wald vor lauter Männern nicht sieht – da kann ja nix hängen bleiben.

    Vgl. auch:

    Der Mann im Kapitalismus

    30 min
  • Papara Takes Her Tools Out – dates & dark chocolate

    Papara takes her tools out,

    sets the table and

    invites you for a dance.

    Every session is a unique improvised sound performance, with various instruments and vocals. Our discussions while playing, to understand where we might be heading, make up a part in the process which we cherish as much as just flowing within.

    Papara consists of five members: Chattip Metchanun, Daniela Kuich, Franky Daubenfeld, Marcia Schmidt and Selana Türgen.

    This time we recorded the session a two hours prior to this in a sound studio. Dani & Selana won’t be joining, instead we have a special guest on her harp: Leo Sowa.

    1 hr
  • Gastarbajteri: Kunst und Aktivismus der Gastarbeit – Diskussion

    Was ist von der Geschichte der sogenannten Gastarbeiter:innen geblieben – und welchen Platz hat sie heute in der österreichischen Erinnerung? In dieser Sendung hört ihr einen Mitschnitt einer Podiumsdiskussion beim RECET Festival „Transformationen der Arbeit“.

    Künstler:innen, Aktivist:innen und Wissenschaftler:innen sprechen darüber, wie Gastarbeiter:innen und ihre Nachfolgegenerationen um Sichtbarkeit und Anerkennung kämpfen – in Film und Musik, in Museen, Wissenschaft und öffentlichem Raum.

    Dabei geht es auch um Staatsbürgerschaft, Ausgrenzung, Sprache und die Frage, wer zur österreichischen Gesellschaft gehört.

    Es diskutieren:

    Olga Kosanović, Filmemacherin
    Marko Marković, Chor hor 29. novembar
    Anna Seidel, MUSMIG – Museum der Migration
    Katharina Tyran, Slawistin und Soziolinguistin

    Moderation:

    Miranda Jakiša, Universität Wien

    Die Veranstaltung fand am 10. Juni 2026 am Campus der Universität Wien („Altes AKH“), in Hof 1, statt.

    Bearbeitet von: Jana Dolečki

    57 min

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