In der dreizehnten Sitzung der Pension Alcatraz, die Dietmar Wischmeyer zur Begrüßung vorsichtshalber als Folge 15 ankündigt, geht es ums Kennenlernen. Genauer: um das Kennenlernen zum Zwecke des Aneinander-Rumschraubens, angeregt durch einen Hörer, der wissen wollte, wie die beiden sich eigentlich gefunden haben. Beantwortet wird das natürlich nicht, dafür klären Tina Voß und Dietmar Wischmeyer die Muntehe des 10. Jahrhunderts, die erste Kontaktanzeige von 1695 und die Frage, ob man in der Tagespflege noch etwas werden kann.
Die Themen dieser Episode im Überblick:
• Das Phantom-Verlustgefühl: Tina hat beim Führerscheintausch die Berechtigung für 18,5 Tonnen verloren, ohne sie je gebraucht zu haben, und trauert nun dem eingestellten Fährverkehr an der Okertalsperre hinterher. Dietmar geht es ähnlich mit dem geschlossenen Zollstockmuseum in Wiedensahl, drei Kilometer von zu Hause und nie besucht.
• Gescheiterte Städte und Handball: Sennestadt und Espelkamp als Kunststädte mit Denkmalschutz, dazu die Frage, warum Handball eine Sportart für Mittelstädte ist. Tinas Argument: es fällt jede Minute ein Tor, und wer hinfällt, steht auf und schreit nicht nach dem Videobeweis.
• Rote Beete im Salzbett: Tinas Kochausbildung wird anspruchsvoller, heute gibt es geschmorte rote Beete auf einem Kimchi-Cashew-Dip mit Apfel-Pilz-Zwiebel-Schmand. Dietmars Verdikt: ein typisches Gericht für eine Tradwife mit zu viel Tagesfreizeit.
• Partnergefängnis San Pedro: Das selbstverwaltete Gefängnis in La Paz, aufgebaut wie eine Kleinstadt mit acht Vierteln, eigenem Immobilienmarkt und rund 2000 Bewohnern. Bis 2009 gab es Führungen für 100 Euro. Der Autor von „Marching Powder“ bestach einen Wärter, um dort monatelang selbst einzusitzen und zu recherchieren.
• Hörerpost, Shirts und ein Aufkleber: Ein Hörer möchte ausdrücklich keine Außenaufnahmen mehr. Dafür kommt das Clausthal-Zellerfeld-Shirt in den Online-Shop, die Farbfrage ist noch offen, und für Wohnmobile gibt es künftig einen Aufkleber mit zwei grinsenden Gesichtern hinter Gitterstäben.
• Die Hochzeit und die Hühner-Menagerie: Dietmar war bei einem Brautpaar Mitte 50, das feierte wie Anfang 30, samt Polonaise und vermutlich gemieteten Gästen aus den Zwanzigern. Höhepunkt war die persönliche Vorstellung sämtlicher Hühner der Braut, alle mit Namen. Als Hochzeitsreise empfiehlt Dietmar den Hühnerologischen Kongress in Görlitz.
• Kennenlernen, historisch: Die Muntehe als Übertragung von Nutzungsrechten, die katholische Kirche, die den Individualismus nur befördert hat, um ans Erbe zu kommen, die Andreasnacht und 1695 die erste Kontaktanzeige, in der ein Herr von 30 Jahren eine Dame mit 3000 Pfund Vermögen sucht. Die erste Frau, die 1727 selbst inserierte, fand sich anschließend wochenlang in einer psychiatrischen Anstalt wieder.
• Die Tyrannei der Auswahl: Früher hingen vier Hosen in der Boutique, heute vierzig im Kaufhaus. Beim nächsten Wischen kommt immer noch eine Bessere, weshalb niemand mehr zufrieden ist. Und die Disco war ohnehin nie ein Kennenlernort, sondern Lieferant von Bekanntschaften, die im Tageslicht keinen Bestand haben.
• Homogamie und Ehegattensplitting: Der Oberarzt heiratet heute keine Krankenschwester mehr, sondern eine andere Oberärztin. Die Klassendurchmischung geht dahin, und der Genpool bleibt unter sich.
• Anmachsprüche in drei Schwierigkeitsgraden: Vom Klassiker an der Hotelbar über „Wo hast du nur mein ganzes Leben gesteckt“ bis zu Dingen, die man besser nicht zitiert. Tinas erprobte Ischgl-Antworten: „Für dich bin ich nicht durstig genug“ und, bei angebotenem Drink, „gib mir doch lieber gleich das Geld“.
• Kennenlernorte heute: Der Niedergang der Hotelbar, der Männerüberschuss in der Disco, Nischenportale bis hin zur Sklavenzentrale, der KI-Skandal bei Ashley Madison, Monteurzimmer als Seitensprung-Dependance und die Tagespflege, wo Dietmars 99-jähriger Onkel noch sehr schöne Bekanntschaften machte.
Am Ende steht die Ankündigung einer Sonderfolge, weil der August drei Sonntage im Zweiwochenabstand hat. Und die Erkenntnis, dass man sich das Kennenlernen im Zweifel auch sparen kann.