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Wie lernt man eigentlich Kaktusgärtner? Nicht nur aus Büchern. Vor allem durch Menschen, Fragen, Beobachtung, Fehler – und inzwischen auch durch den CactusPodcast selbst.
Diese Folge ist unterwegs entstanden: im Urlaub in den Bergen, ohne Studio, mit Handy und Ohrknöpfen. Kurz vor dem World Podcast Day denke ich darüber nach, mit welchem Gefühl ich einmal in die Gärtnerei gestartet bin, von wem ich gelernt habe und warum eine gute Frage oft mehr weiterhilft als eine fertige Antwort.
von Ulrich Haage | CactusPodcast
World Podcast Day · unterwegs
Als ich in den Betrieb eingestiegen bin, hatte ich vor allem ein Gefühl:
Ich weiß viel zu wenig.
Zu wenig über Kakteen, zu wenig über Kultur, zu wenig, um irgendwann diesen Betrieb zu führen.
Das Merkwürdige ist: Mit wachsender Erfahrung verschwindet dieses Gefühl nicht einfach. Man weiß mehr – und sieht gleichzeitig viel deutlicher, wie groß das Feld ist, das man noch nicht verstanden hat.
Klar gehören Bücher dazu. Aber wenn ich zurückblicke, stammt der große Teil meines Wissens aus Begegnungen: von meinen Eltern und Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, von Gärtnerkollegen, Sammlern, Züchtern, Botanikern und Wissenschaftlern. Manche waren Freunde, manche Kollegen, manche kannte ich zuerst nur aus Büchern.
Diese Liste ist lang – und sie ist nicht abgeschlossen. Urs Eggli, David Hunt, Nigel Taylor, Jochen Bockemühl, Woody Minnich, Ralf Bauer, John Trager, Matthias Uhlig, Uwe Mergel, Karl-Heinz Knebel und viele andere gehören dazu. Mehr davon habe ich weiter unten in den Shownotes zusammengeschrieben.
Besonders viel habe ich nicht in dem Moment gelernt, in dem mir jemand etwas erklärt hat, sondern wenn jemand eine Frage gestellt hat, auf die ich keine gute Antwort hatte. Wenn mich ein Kunde fragt, ein Azubi. Ein Kollege widerspricht. Eine Pflanze verhält sich anders, als sie es eigentlich sollte. Oder ich muss etwas für einen Katalog, einen Vortrag oder eine Podcastfolge so erklären, dass „Das machen wir eben so“ plötzlich nicht mehr reicht.
„Hör einfach zu.“
Und genau so entsteht unterwegs schon die nächste Frage. Sonne, Felsen, Wind, Kälte und zeitweise Trockenheit gibt es hier genug. Es gibt Kakteen aus großen Höhen und Arten, die Frost vertragen. Warum wachsen Kakteen trotzdem nicht natürlich in den Alpen?
Die Antwort lasse ich in dieser Episode bewusst offen. Die Frage ist hier wichtiger als die schnelle Lösung. Genau an solchen Stellen beginnt die nächste Recherche.
Am Anfang lag der Gedanke nahe: Ich weiß etwas – also erzähle ich es im Podcast. Inzwischen funktioniert es oft andersherum. Ich mache eine Folge, weil ich etwas wissen will.
Oder weil ich gefragt wurde.
Der International Podcast Day wird jedes Jahr am 30. September begangen. Er begann 2014 als National Podcast Day in den USA und wurde danach international ausgerichtet. Der Tag soll Podcasts, ihre Macher und ihre Hörer sichtbar machen und miteinander ins Gespräch bringen.
International Podcast Day – offizielle Seite
Diesmal habe ich selbst an den Podcast Day gedacht. Trotzdem gehört Markus Tirok in diese Folge: Seine Tipps, Fragen und Impulse rund ums Podcasten sind für mich seit Jahren eine Bereicherung und immer wieder Motivation, aus einer Idee tatsächlich eine Folge zu machen.
Passend dazu hat Markus im September 2026 wieder Ideen für eine Spezialfolge zum Welttag des Podcasts veröffentlicht.
Markus Tirok: Welttag des Podcasts – 6+1 Ideen für eine Spezial-Folge
Mein Großvater Walther Haage war Kaktusgärtner und Autor zahlreicher Kakteenbücher. Sein Wissen wurde nicht nur im Betrieb weitergegeben, sondern auch aufgeschrieben. Seine Bücher sind noch heute das unterhaltsame Wissensfutter für unzählige Kakteenfreunde. Genau diese Verbindung von Erfahrung, Beobachtung und Weitergabe beschäftigt mich bis heute – inzwischen in Katalog, Cactusblog und CactusPodcast.
CactusPodcast 000 – Wer macht einen Podcast über Kakteen? · CactusPodcast 007 – CactusBasics Aussaat
Vor einem Jahr war ich rund um den Podcast Day ebenfalls unterwegs. Auf meinem Jakobsweg habe ich bei Uhlig Kakteen Station gemacht und Johannes Uhlig spontan vors Mikrofon geholt. Damals ging es um seinen Weg zum Kaktusgärtner und um den bevorstehenden Generationswechsel.
Ein Jahr später hängt daran für mich eine größere Frage: Was übernimmt man eigentlich, wenn man eine Kakteengärtnerei übernimmt?
Pflanzen? Wissen? Erfahrung? Fehler? Geschichten? Verantwortung?
Für diese Folge reicht mir erst einmal die Erkenntnis: Bei einer Übergabe wandern nicht nur Pflanzen, Gewächshäuser und Schlüssel weiter. Es geht ebenso um Wissen, Geschichten, Erfahrung – und Verantwortung.
Weiterhören: CactusPodcast 045 – Johannes Uhlig: Generationen-Treffen am Rande des Jakobsweges
Beim neuen Kakteen-Haage-Katalog begegnet mir dieselbe Frage noch einmal ganz praktisch: Was wissen wir intern längst – und was müssen wir so erklären, dass es auch für jemanden verständlich ist, der nicht jeden Tag in der Gärtnerei steht?
Vor ein paar Wochen dachte ich noch: Katalog 2026/27 – im Kasten. Pustekuchen. Im September haben sich außerdem einige gesetzliche Grundlagen geändert, die uns direkt betreffen. Damit sind zusätzliche Prüfungen, Überarbeitungen und neue Informationen nötig geworden.
Der Katalog ist dadurch noch einmal aufwändiger geworden. Gleichzeitig zwingt mich genau diese Arbeit dazu, Dinge sauberer zu erklären, Gewohntes zu hinterfragen und Wissen so aufzuschreiben, dass es auch außerhalb der Gärtnerei trägt. Auch das ist Lernen.
Die Zeitmarken der Audiofassung.
Kakteen für die Ohren
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Diese Liste ist bewusst nicht vollständig. Sie sammelt vor allem die Menschen und Gruppen, die ich in dieser Folge selbst nenne – mit der Verbindung, über die ich sie kennengelernt oder eingeordnet habe.
Versprecher, Wiederholungen und einige Suchbewegungen im Satz habe ich für die Lesefassung gekürzt. Inhalt, Reihenfolge und persönliche Sprache der Aufnahme bleiben erhalten.
Hi, ich bin Ulrich Haage. Ich sitze heute an einer ziemlich ungewöhnlichen Stelle für eine Podcastaufnahme. Ich bin hier auf knapp 1700 Meter Höhe, sitze oben in den Alpen und habe einen wunderbaren Panoramablick in drei verschiedene Täler. Ich bin auf dem Furkla-Höhenweg unterwegs – herzlich willkommen zu Folge 49 im CactusPodcast.
Diese Folge nehme ich für den World Podcast Day am 30. September auf. Und ich habe mir ein Thema ausgesucht, das ich oft gefragt werde: Wie lernt man eigentlich Kaktusgärtner? Oder vielleicht besser: Wie lernt man als Kaktusgärtner?
Die eine Frage – wie wird man das? – ist schnell beantwortet. Das ist eine Ausbildungsfrage. Mich interessiert heute aber etwas anderes: Wie hat das bei mir angefangen, und wo kommt das Wissen eigentlich her?
Zum Setting: kein Studio, kein Mikrofonkoffer, nur Handy und Ohrknöpfe. Es kann Wind geben, Außengeräusche – und hier oben ist vor allem diese knisternde Stille. Ab und zu kommen Bienen vorbei. Heute gibt es auch keinen Jingle. Wir legen einfach los.
Als ich richtig in den Betrieb eingestiegen bin, hatte ich ein ziemlich starkes Gefühl: Ich weiß viel zu wenig. Zu wenig über Kakteen, praktisch keine Erfahrung – und viel zu wenig, um diesen Betrieb irgendwann zu führen.
Allein die schiere Zahl botanischer Namen, die sich meine Eltern tagtäglich um die Ohren gehauen haben, war für mich schon gewaltig. Und dabei ist der Name ja nur das Verständigungsmittel. Dann muss man ihn noch der Pflanze zuordnen und wissen, was diese Pflanze eigentlich braucht.
Mein Vater Hans-Friedrich Haage hat mir damals etwas sehr Wichtiges gesagt: Er habe das auch nicht gekonnt, als er angefangen habe. Es sei ihm auch schwergefallen. Ich solle mir keine Sorgen machen, das komme mit der Zeit. Und ein Satz ist mir besonders hängen geblieben: Hör einfach zu.
Dieses Gefühl, nicht genug zu wissen, hat mich lange begleitet. Es hat sich nicht irgendwann schlagartig geändert. Man merkt es kaum: Man lernt, macht Erfahrungen, trifft Entscheidungen – und Schritt für Schritt wird mehr daraus. Heute kann ich sagen: Ich weiß schon eine ganze Menge. Das ist mir beim Durcharbeiten meines Cactusblogs im Urlaub selbst noch einmal aufgefallen.
Es ist ein bisschen wie hier oben am Berg: Wenn man zurückschaut und tief unten im Tal sieht, wo der Weg angefangen hat, merkt man erst, wie weit man schon gekommen ist.
Wo habe ich gelernt? Als Erstes natürlich in meiner Familie. Von meinem Vater Hans-Friedrich Haage und meiner Mutter Liebgund Haage. Ich hatte auch noch das Glück, von meinem Großvater Walther Haage etwas mitzubekommen. Und meine Großmutter Lotte Haage darf ich keinesfalls vergessen. Sie war eine unglaublich starke Frau, und die Saatgutvermehrung, unsere eigene Samenproduktion, war ganz klar ihr Thema. Das trägt den Betrieb bis heute.
Dann meine Mitarbeiter – am Anfang waren das die Kollegen meiner Eltern. Schon zu DDR-Zeiten bin ich durch den Betrieb gelaufen, habe mitgeholfen und vor allem geguckt, was die machen.
Später kamen Gärtnerkollegen, Sammler, Kunden, Züchter, Botaniker und Wissenschaftler dazu. Und irgendwann hatte ich das große Glück, Menschen zu treffen, die ich vorher nur von Buchtiteln kannte: Urs Eggli in Zürich, David Hunt und Nigel Taylor in Kew, Jochen Bockemühl, Ralf Bauer, Woody Minnich, John Trager und viele andere. In den USA haben mich außerdem Carl Volkers und Jim Kampwirth von C&J Cactus Nursery sowie Chuck Everson und Jerry Williams von Rainbow Gardens sehr beeindruckt.
Bei den Kaktusgärtnern gehören für mich unter anderem Matthias Uhlig, Uwe Mergel, Albert Plapp, Andreas Wessner, Karl-Heinz Knebel und die Familie Beisel dazu. Bei den Züchtern denke ich an Helmut Paetzold, Rudolf Hessing sowie Yvonne und Andrew Brunton.
Das ist keine vollständige Liste. Im Gegenteil. Wenn ich heute auf dieses große Becken meines Wissens schaue, dann sehe ich vor allem: Es kommt aus sehr vielen Quellen, über Jahrzehnte und von sehr vielen Menschen.
Natürlich habe ich Bücher gelesen. Mein Großvater hat eine gigantische Fachbibliothek hinterlassen, und ich liebe es, in der Deutschen Gartenbaubücherei in Berlin zu stöbern, oder in Lindley oder der Kew Library. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto stärker glaube ich: Die eigentliche Quelle meines Wissens waren sehr oft Fragen.
Es ist ja keiner gekommen und hat mir einen USB-Stick ins Ohr gesteckt. Es waren Kunden, Mitarbeiter, ganz wichtig Azubis. Manchmal war es eine Pflanze, die nicht das gemacht hat, was wir erwartet hatten. Und dann kommt die Frage: Warum ist das jetzt so?
Auch Irrtümer gehören dazu. Ich war zum Beispiel sehr lange fest davon überzeugt, Kakteen müssten nicht gedüngt werden – bis mein Vater mich irgendwann darauf hingewiesen hat, dass wir selbstverständlich düngen. Sonst würden die Pflanzen ja nicht wachsen.
Fehler können eine ziemlich gute und eindrückliche Quelle sein. Gerade im Gartenbau kann Lernen sehr langsam sein. Man macht etwas heute und sieht das Ergebnis vielleicht erst Wochen, Monate oder Jahre später. Das macht die Sache nicht einfacher – aber sehr interessant.
Deshalb bin ich auch viel unterwegs gewesen: andere Sammlungen, andere Gärtnereien, botanische Gärten, Vorlesungen. Wenn dich Kakteen wirklich interessieren, besuch Menschen. Hör ihnen zu. Oft öffnen sie dann nicht nur den Mund, sondern auch das Herz und die Tür zu ihrer Sammlung. Und man kann unglaublich viel sehen.
Umgekehrt lerne ich sehr viel, wenn ich anderen etwas erklären muss. Im Katalog, bei Kunden oder bei Azubis. Die merken ziemlich schnell, wenn du anfängst zu schwimmen und deine Antwort wischiwaschi wird. Dann fragen sie nach. Und du musst selbst noch einmal prüfen: Stimmt das eigentlich, was ich da erzähle?
Ein Punkt liegt völlig auf der Hand: der Podcast. Was ich allein in der Vorbereitung der inzwischen 49 Folgen gelernt habe, ist wirklich erstaunlich.
Wenn du etwas erzählst, merkst du relativ schnell: Stimmt das eigentlich? Stimmt das, was du die ganze Zeit geglaubt hast? Oder erzählst du gerade etwas vom Pferd?
Genau das liebe ich am Podcast. Ich glaube, viele denken bei Podcastern an Rampensäue mit Sendungsbewusstsein. Bestimmt gehört ein bisschen Sendungsbewusstsein dazu. Aber bei mir ist es oft anders: Ich weiß etwas – und habe gleichzeitig das Gefühl, es noch nicht genau genug zu wissen. Dann lese ich nach, frage nach und mache am Ende manchmal gerade deshalb eine Folge im Podcast.
Und während ich hier in den Alpen sitze, fällt mir die nächste Frage vor die Füße. Vor mir Felsmassiv, Schotterhalde, Sonne, Wind, Kälte, Trockenheit. Von der Anmutung könnten wir fast in den Hochanden sein – naja fast.
Also: Warum wächst hier eigentlich kein Kaktus?
Es gibt Kakteen, die Frost vertragen. Große Höhen sind in den Anden ebenfalls kein grundsätzliches Problem. Warum also hier nicht?
Beim CactusPodcast geht es ziemlich oft gar nicht in erster Linie um Kakteen, sondern um Menschen. Menschen bringen ihre Perspektive, ihre Maßstäbe, ihre Gedanken und ihre Erfahrung mit – oder auch eine gewisse Unbefangenheit.
Bei Philipp Heidel-Weizel beeindruckt mich genau dieses Zusammentreffen. Da ist sehr viel fachpraktisches Wissen und gleichzeitig die wissenschaftliche Ebene aus dem Studium. Ich komme mit meinen gut drei Jahrzehnten Erfahrung dazu. Wenn wir zusammensitzen, dauern die Gespräche meistens viel länger als geplant. Und plötzlich gehen Türen auf, die vorher gar nicht zu sehen waren.
Beim Podcasten habe ich mir ebenfalls Menschen gesucht, von denen ich lernen kann. Gordon Schönwälder war für mich früh so etwas wie ein Podcast-Guru. Und Markus Tirok hat mir mit seinen Gedanken zu Interviews sehr geholfen – unter anderem beim ersten Gespräch mit Philipp. Markus hat auch dieses Jahr wieder an den World Podcast Day erinnert. Diesmal hatte ich selbst schon daran gedacht. Trotzdem nehme ich seine Tipps, Fragen und Impulse immer wieder gern mit.
Eine Sache habe ich besonders mitgenommen: nicht nachlassen, bis man die richtige Frage gefunden hat. Das deckt sich sehr mit meiner Erfahrung als Gärtner. Das Erste, was auf der Hand liegt, ist eben nicht automatisch schon die Lösung.
Beim World Podcast Day 2025 war ich ebenfalls unterwegs – damals auf dem Jakobsweg. Ich habe einen Abstecher zu Uhlig Kakteen in Rommelshausen gemacht und Johannes Uhlig spontan vor das Mikrofon geholt. Dabei ging es plötzlich um Next Generation und darum, dass er die Gärtnerei zum Jahreswechsel 2026/27 übernehmen wird.
Vor ein paar Wochen habe ich auch noch einmal mit Uwe Mergel gesprochen. Er hat ein bisschen erzählt, wie sich die Übergabe ganz praktisch entwickelt. Und daraus ist für mich eine größere Frage entstanden: Was übernimmt man eigentlich, wenn man eine Kakteengärtnerei übernimmt?
Sind das nur Pflanzen und Gewächshäuser? Oder auch Wissen, Erfahrung, Fehler, Geschichten und Verantwortung?
Das ist mir aber heute noch zu groß für eine schnelle Antwort. Daraus wird vermutlich noch einmal eine eigene Folge.
Die gleiche Frage beschäftigt mich gerade beim neuen Kakteen-Haage-Katalog. Vor ein paar Wochen war ich schon an dem Punkt: Katalog 2026/27 – im Kasten. Dann kamen ein paar Dinge dazwischen und ich musste feststellen: Pustekuchen.
Ich muss an einigen Stellen tiefer gehen, genauer klären, genauer hinschauen. Denn nicht alles, was wir in der Gärtnerei verstehen und uns über Jahre erarbeitet haben, ist automatisch verständlich für jemanden, der diesen Katalog liest oder diesen Podcast hört.
Deshalb wird der Katalog noch etwas länger brauchen. Was gut werden will – du weißt schon.
Wenn ich wieder an meinen Großvater denke, frage ich mich: Hat er irgendwann aufgehört zu lernen? Ich glaube nicht. Selbst als er nicht mehr richtig gut laufen konnte, klapperte in seinem Herrenzimmer noch die Schreibmaschine. Er hat korrespondiert und sich mit Menschen auf der ganzen Welt ausgetauscht.
Ich lerne jedenfalls immer noch. Von Pflanzen, von Menschen, von Fehlern, eigentlich von allem – und von guten Fragen.
Und inzwischen lerne ich ziemlich viel durch diesen Podcast. Dafür bin ich auch dir dankbar, denn letzten Endes mache ich ihn für dich. Du lieferst mir einen Grund, weiterzumachen und die nächsten Folgen zu planen.
Das war es vom Furkla-Höhenweg. Schau in die Shownotes unter cactuspodcast.de/049, und wenn du magst, auch in den Cactusblog. Ich freue mich übrigens über Kommentare – davon gibt es verdammt wenige.
Ich stehe hier in der Sonne, genieße mein Dasein und laufe noch ein bisschen auf dem Höhenweg. Dann geht es wieder runter ins Tal.
Alles Gute, bis dann. Ciao, ciao – oder Servus, wie man hier sagt.
Nicht als Sponsor – aber die SBB hat diese Folge ganz unfreiwillig unterstützt: Mein Zug hatte auf der Rückreise ordentlich Verspätung. Damit gab es plötzlich zusätzliche Zeit für Notizen, Nachdenken und Nacharbeit am Podcast.
Und dann die kleine Pointe: Im viel gescholtenen ICE funktionierte das WLAN besser – und er kam sogar auf die Minute pünktlich. So hat es „How to learn Kaktus“ am Ende doch noch ziemlich zuverlässig vom Berg ins Netz geschafft.
* Nicht wirklich. Die SBB weiß von ihrem Beitrag zur Podcastproduktion nichts.
CactusPodcast 049 – How to learn Kaktus
Beim Versuch, das Cover dieser Folge unterwegs neu zu bauen, ist zuerst etwas völlig anderes entstanden: Kaktus mit Kopfhörern, Mikrofon, Bücherstapel und Alpenpanorama. Hübsch – aber definitiv nicht unser CactusPodcast-Cover. Der Fehlversuch hat deshalb einen Ehrenplatz in den Shownotes bekommen.
Weiterhören
Diese Folge erzählt davon, wo Wissen herkommt – aus Menschen, Fragen, Erfahrung und dem Versuch, Dinge so zu erklären, dass sie auch für andere verständlich werden. Wenn du diesem Faden weiter folgen willst, passen diese Episoden besonders gut:
Der Faden bleibt offen: Menschen, die Wissen weitergeben, werden auch in kommenden Folgen immer wieder eine Rolle spielen.
Deine Geschichte
Gibt es einen Menschen, einen Satz oder eine Frage, die deinen Blick auf Kakteen verändert hat? Oder eine Frage, auf die du selbst seit Jahren keine wirklich gute Antwort findest?
Schreib mir an [email protected] oder in der CactusPodcast-Community.
Der Beitrag CactusPodcast 049 – How to learn Kaktus erschien zuerst auf Cactusblog.
Da ist so manche Geschichte unerzählt geblieben – und damit das so nicht bleibt, geht’s jetzt hier weiter – und als Entschädigung wird die Folge heute wohl etwas länger.
von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichte
Das deutsche Gartenbaumuseum ist in Erfurt zuhause. Wie kam das?
Erfurt gilt als der Ursprung des deutschen Gartenbaus. Sicher hat es zu der Zeit auch in anderen Regionen der deutschen Landen schon Erwerbsgartenbau gegeben. Die Art und Weise mit der die Professionalisierung vonstatten ging war aber in Erfurt einzigartig.
Die Gründe lagen in meinen Augen in der Vorgeschichte. Der Gartenbau hat die Grundlage für den Reichtum der Erfurter Patrizier gesorgt. Ein Reichtum und eine wirtschaftliche Bedeutung wie sie später vielleicht noch mit den großen Hansestädten vergleichbar würden. Die Gärtner selbst waren dabei nicht die die Rahm abschöpften. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, der Verdienst landete in erster Linie bei den Händlern. Aber die sorgten für den Erhalt ihrer Wohlstandquelle.
Nicht ohne Grund bezeichnete schon Luther die Erfurter als „des Heiligen Römischen Reiches Gärtner“. In Erfurt waren Gärtner ansässig, die über lange Zeiträume die Gartenbaugeschichte schrieben. Dazu gehören große Namen wie Benary, J. C. Schmidt, Platz, Franz Anton Haage, Fischer, Heinemann, Pabst, Czeckalla, Haage & Schmidt, Chrestensen, Jühlke – und auch Friedrich Adolph Haage.
Als 1961 in Erfurt die erste Internationale Gartenausstellung nach dem Krieg stattfindet wird zeitgleich auf das Deutsche Gartenbaumuseum eingeweiht. (die erste Allgemeine Deutsche Gartenbauausstellung mit internationaler Beteiligung findet übrigens im Jahr 1865 in Erfurt statt. Die Ausstellungstradition reicht aber noch weiter in der Geschichte zurück)
Das Museum trägt bis 1989 eine eindrucksvolle Sammlung zusammen und erfreut sich auf der iga alljährlich zahlreicher Besucher. Mit der Wende bleiben die gewohnten Besuchermassen aus und auch die Zukunft des Museums ist nicht mehr sicher. Auch wenn der Erfolg immer viele Väter hat, ist mir ein Name in Erinnerung, den ich immer wieder höre, wenn es damals darum ging „bleibt das deutsche Gartenbaumuseum in Erfurt?“. Der damalige Präsident des Zentralverband Gartenbau Karl Zwermann hat gemeinsam mit dem langjährigen Thüringer Landwirtschaftsminister Volker Sklenar die Weichen gestellt, dass das Museum in Erfurt bleibt.
Und dort ist es bis heute.
Jetzt Bühne frei für Ulrike Richter vom Deutschen Gartenbaumuseum, die zu Beginn über ein Bild spricht, dass eben die Inhalte dieser Episode umfasst: Dynamit und Espostoa lanata:
Darüber habe ich erzählt:
Ich freue mich auf dein Feedback.
Der Beitrag CactusPodcast 041 – Espostoa lanata: Dynamit und Gartenbaumuseum erschien zuerst auf Cactusblog.
In der der letzten Episode war der Thüringer Ministerpräsident bei uns zu Gast und nun schon wieder so eine große Nummer!
Aber der Reihe nach. Seit Donnerstag, 25.5. haben wir, also Kakteen-Haage, diplomatischen Kontakt nach Mexiko.
S.E. (Seine Excellenz) Herr Botschafter Francisco Jose Quiroga Fernandes erwies unser Gärtnerei die Ehre seines Besuches.
(Wer uns besucht, das habe ich allerdings erst beim Abschied mitbekommen.)
von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichte
Und dann ist am Donnerstagnachmittag eine große schwarze Limousine mit einem Null-Kennzeichen auf unseren Parkplatz gerollt. Ohne ein besonderes Hoheitskennzeichen und ohne Polizei.
Damit hatte ich aber auch nicht gerechnet. Ich begrüßte eine Frau und vier Männer in gediegenen schwarzen Anzügen.
Aus der Thüringer Staatskanzlei hatte ich erfahren: am Vormittag hatte sich die Delegation mit Bodo Ramelow und mit der IHK getroffen.
Und meine Schwester hatte auf den Berliner Kakteentagen eine Einladung ausgesprochen. Ich bin mir sicher, es gab außerdem noch einen Freund bei den Berliner Kakteenfreunden, der in Berlin ein wenig Fäden gezogen hatte.
Dennoch war mir nicht klar, wie wir zu diesem hochkarätigen Besuch gekommen sind. Also hab ich ganz platt nach dem Grund für den Besuch gefragt.
Und ich erfuhr: in der Botschaft gibt es ein großes Kakteen-Display, in denen viele verschiedene Kakteen gezeigt werden. Es soll Sinnbild sein für die Vielfalt Mexikos. Ein Teil der Kakteen stammt aus dem Botanischen Garten Berlin und vermutlich wurden einige von den Berliner Kakteenfreunden gestiftet. Das wollte uns der Botschafter zeigen. Und auch das Interesse an einer deutschen Kakteengärtnerei.
Im Laufe des Besuchs kam im Nebensatz sehr freundlich und dezent – also diplomatisch – die Frage, ob wir vielleicht auch ein paar Pflanzen stiften würden.
Klar machen wir das! Ehrensache!
Und schon waren wir mitten im Gespräch.
An der Stelle ein Einschub mit etwas Nachhilfe in Sachen Diplomsprache? Diplomatie, also Botschaftsbegriffe.
Ich brauchte die jedenfalls, denn ich hab mich im Kaktusgärtneralltag nicht mit der Frage auseinandergesetzt, was ein Gesandter ist und was der Unterschied zum Botschafter.
Hier kommt der Service-Block, falls du das auch nicht wusstest:
Ein Botschafter ist ein Diplomat und der beamtete oberste Beauftragte eines Staates in einem anderen Land oder bei einer internationalen Organisation. Er wird vom Außenministerium entsandt und ist der persönliche Repräsentant des Staatsoberhauptes seines Landes. (sagt Wikipedia)
Der Botschafter ist der Chef der Botschaft, der Gesandte sein Vertreter. In großen Botschaften gibt es manchmal auch einen ersten und einen zweiten Gesandten. Ganz praktisch: die Anrede für den Botschafter lautet „Excellenz“, der Gesandte hat keine zusätzliche Anrede. Blöd für mich: ich hab mich an den angekündigten Gesandten gehalten und war mir der Sache auch weiter sicher, denn wenn es der Botschafter gewesen wäre, dann hätten ihn seine Mitarbeiter auch mit seinem Titel oder seiner Anrede bedacht. Das kenne ich aus den Ministerien, da erscheint mir die Wortwahl selbst in der dritten Person manchmal sehr historisch: „Herr Minister hat gesagt…“, oder „Frau Ministerin wird am Dienstag um 11 Uhr hier sein …“
In Mexiko sind diese Förmlichkeiten offenbar nicht so wichtig, oder die Menschen in der Delegation waren einfach so klassisch entspannt und locker miteinander unterwegs.
Ich hab mal wieder was gelernt: Sei dir nie zu sicher, mit nichts!
Zurück ins Gewächshaus:
Wir sind inzwischen bei den Mutterpflanzen angekommen.
Opuntien! Nopales – in Mexiko werden die gern als Gemüse gegessen – erzählt ein Delegierten und alle nicken eifrig mit besonderem Gesichtsausdruck.
Ja, ich weiß – und erzähle vom Kakteenessen in unserem Gewächshaus – und dass es im Moment schwierig ist Nopalitos als Salat im Glas zu importieren.
Ich überlege, wie ich das einsortiere, welches Gewicht hat der Kaktus als Nahrungsmittel im Alltag in Mexiko? Ich hab Kaktusblätter auf den Märkten im Süden der USA gesehen, auch in den großen Supermärkten in der Gemüseabteilung.
Im Nachgang mache ich mir darüber nochmal Gedanken, wie würde das erzählen? Mir kommt unser heimischer Löwenzahn in den Sinn. Würde ich in Vietnam überraschend über eine Pflanze stolpern, dann könnte ich auch erzählen: „esse ich, schmeckt, wird in Deutschland gern im Salat gegessen.“ Und es wäre wahr. Konkret ist es aber mindestens 30 Jahre her, dass ich meinen letzten Löwenzahnsalat genossen habe. Gut, „Löwenzahnhonig“ haben wir mit den Kindern im Kindergartenalter gemacht, aber auch das ist 10-15 Jahre her.
Ich sammle mich und meine Gedanken mal – auch Löwenzahn wird gegessen und es gibt einige Landwirte, die professionell Löwenzahn anbauen. Ich glaube aber, dass Kakteen in Mexiko und auf der Welt wirtschaftlich eine größere Bedeutung haben, als Löwenzahn. Wie groß die wirtschaftliche Bedeutung für Mexiko ist, das kann ich ja bei meinem ersten Besuch in der Botschaft mal erfragen …
Ich warne vor den feinen, weißen Dornen, den Glochiden an den Opuntien – aber schon hat der schwarze Anzug einen dünnen weißen Streifen auf dem Rücken.
Au weh!
Ich denke an die Ledersitze in der Limousine auf der Rückfahrt nach Berlin. Das wird bestimmt unangenehm.
Manchmal verstehen sie mich vermutlich nicht und sie sind einfach zu höflich, das zu zeigen.
Ich bemühe mich, Geschichten zu erzählen, die auch für Nicht-Kakteen-Spezialisten unterhaltsam sind.
Die nächste Frage hat mich deswegen kurz überrascht:
„Gibt es bei Ihnen auch Peotl?“ – wir schauen gerade die großen Astrophytum Mutterpflanzen an.
Moment – noch ein paar Schritte, dann sind wir bei den Lophophora.
Ja, Peotl haben wir – und ich höre Geschichten vom Heiligen Kaktus aus dem alten Mexiko.
Damals hatten die Kakteen eine ganz besondere Bedeutung – der Kaktus auf dem der Adler mit der Schlange sitzt – das war der Ursprung, dort ist das heutige Mexiko gegründet worden. Das war die Opuntie, die auch heute noch Wappenpflanze Mexikos ist.
Aber auch sonst seien Kakteen heute wieder mehr im Bewusstsein der Bevölkerung in Mexiko.
An der Nationalen Universität und dem zugehörigen Botanischen Garten sind die Kakteen gut vertreten, es gibt verschiedene Forschungsprojekte in denen es auch um die Erhaltung der Kakteenpopulation geht.
Und das war das Stichwort – damit sind wir von ganz allein in die Rubrik FdK gekommen – heute besser FdB: frag den Botschafter – denn wir haben im Vorfeld ein paar Hörerfragen eingesammelt, die ich jetzt dem Botschafter stellen konnte.
roman (Insta)
Mich würde interessieren welchen Stellenwert Kakteen dort haben, wir hier hegen und pflegen das sie überleben, dort ist es eventuell manchmal so etwas wie Unkraut… 😍🌵🌵🌵
Kakteen sind für die Mexikaner wichtig. Die Pflanzen sind ziemlich tief in die Kultur und Traditionen des Landes eingebettet. Sie sind ein Teil des kulturellen Erbes sind auch Symbol für die Vielfalt von Mexiko.
Das war mir so nicht klar – aber es erklärt die Sache mit dem Kaktus-Display in der Botschaft und den Fakt, das eine so hochkarätige Delegation sich auf den Weg macht, um Kakteen zu besorgen – und das erstaunt mich ziemlich!
Dann ist da noch der Punkt mit den Kakteen in der mexikanischen Küche.
Opuntia zählt in manchen Regionen zu den Grundnahrungsmitteln, die Kakteenblätter oder Nopales oder Tunas (Opuntienfrüchte) oder Pitahaya (Früchte von Selenicereus oder Hylocereus).
Außerdem werden Kakteen in der Volksmedizin für alle möglichen Heilanwendungen eingesetzt.
Übrigens auch Lophophora.
Aure Lia (FB)
Was wird getan, damit die Lophophora in freier Wildbahn erhalten bleibt und wie läuft es bisher?
… und:
philippheidelweizel (insta)
Was für eine tolle Gelegenheit! Vielleicht könnt ihr mal nach Auswilderungsprogrammen bei Kakteen fragen.
Die Fragen passen gut zusammen – deswegen die Antwort im Paket:
Ja. Es gibt verschiedene Renaturierungsprogramme, die von der Regierung angeschoben werden und es gibt Programme aus Privatinitiative.
Und nicht zuletzt zielen verschiedene Forschungsprojekte der Nationalen unabhängigen Universität Mexiko (UNAM) auf die Erforschung und Erhaltung von Kakteen und anderen sukkulenten Pflanzen in verschiedenen Regionen von Mexiko.
Außerdem – und das war eine meiner Fragen: „gibt es viele Gärtner in Mexiko, die die Versorgung mit Kakteen im eigenen Land sichern.“
Die Mitarbeiterin hat diese Aussage etwas relativiert, sie sagte: „zumindest in Mexico D. C. gibt es genügend Kakteen zu kaufen.“
Thomas Paul (FB)
Ich würde mal fragen ob er den Chefgärtner zum Gegenbesuch nach Mexiko einlädt.
Ich war nicht so keck, nach einer Einladung zu fragen – aber ich habe sie bekommen.
Zwar kein Gegenbesuch in Mexiko, aber nach Berlin wurde ich eingeladen – und das finde ich schon abgefahren!
Jetzt ist dir sicher auch aufgefallen: einige der Antworten sind in erster Linie diplomatischer Natur „politisch pauschal positiv“.
Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass in der Botschaft in Deutschland Detail-Informationen über Artenschutz-Projekte vorliegen, das wäre definitiv zu viel erwartet, auch wenn der Besuch in der Gärtnerei einige Tage Vorlauf für die Vorbereitung gehabt hätte.
Deswegen möchte ich gern noch eine andere Seite dazu hören.
Mich interessiert: bist du selbst schon mal in Mexiko gewesen, oder kennst jemanden der vor Ort war und etwas zu konkreten Erhaltungsmaßnahmen von Kakteen in Mexiko erzählen kann?
Wie siehst du das?
Im Gewächshaus sind wir nach den Samenträgern bis zur Aussaat gekommen. Ich glaube die schiere Masse der winzigen Kakteensämlinge waren sehr beeindruckend, denn es kam vom Herrn Wirtschaftsgesandten die erste „technische Frage“.
Wie viele Mitarbeiter arbeiten hier? Die Sämlinge pikiert nur eine Kollegin – aber insgesamt sind wir zwölf, die die gesamte Gärtnerei am Laufen halten.
Ich bin manchmal selbst unsicher, ob das jetzt viel oder wenig ist – für eine normale Gärtnerei wäre es ganz schön viel – und auch die Qualifikation unserer Mitarbeiter macht mich immer wieder stolz!
Bei den Chamaecereus unterhalten wir uns über die Kakteengärtnereien und die momentanen Veränderungen auf dem Markt. Ich erzählen vom selten gewordenen Generationenwechsel bei den Kaktusgärtnern, denn meist ist es einfach Schwund. Das erlebe ich hier in Deutschland, aber auch in anderen Ländern der Erde.
Ich frage, ob wir in Zukunft Kakteen direkt aus mexikanischen Gärtnereien kaufen können. Der Botschafter strahlt und erzählt vom neuen Handelsabkommen und dass das vielleicht auch den Markt für den Handel mit Kakteen erleichtern könnte. Wie das konkret aussehen kann, das weiß ich noch nicht – aber ich bin zuversichtlich.
Wir haben die letzte Etappe unserer kurzen Rundreise durch die Kakteengärtnerei erreicht und stehen jetzt im Museum.
Ich erzähle von den verschiedenen Standorte, an denen die Gärtnerei in Erfurt ansässig gewesen ist, ich erzähle vom Kakteenjäger Fric der im Mexiko Kakteen gesammelt hat und offenbar ist die Sammlung mit Kakteenbriefmarken aus der ganzen Welt ein interessantes Feld.
Den Abschluss des Besuchs ist der Fototermin an der Friedrich Adolph Haage Gedenkplatte.
Daneben gibt es noch den obligatorischen Eintrag ins Gästebuch – und erst dann wird mir bewusst, wer uns besucht hat:
Es steht nämlich unter der Unterschrift:
Francisco Jose Quiroga Fernandes
Botschafter
Darüber habe ich erzählt:
Ich freue mich auf dein Feedback.
Der Beitrag CactusPodcast 040 – Kakteengeschichte: Begegnung der Kulturen – Mexikanischer Botschafter in der Kakteengärtnerei erschien zuerst auf Cactusblog.
Vor den Geräuschen gibt es noch einen Nachtrag zur letzten Episode: die Geschichte vom letzten sächsischen Kaiser und der Königin der Nacht:
In den 1960er Jahren kündigten im Sommer die Zeitungen die zu erwartende Blüte der Königin der Nacht an. Am Abend versammelten sich Tausende Besucher vor dem Botanischen Garten, weit mehr, als ins Gewächshaus passen würden.
Und damit herzlich willkommen im CactusPodcast bei Teil zwei der Serie zum Thema 200 Jahre Kakteen-Haage.
von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichte
Vorher steigen wir aber erstmal ein: uns erwartet heute eine ziemliche Promi-Dichte.
Wir beginnen gleich mal mit dem ältesten noch lebenden Promi: >>ping
DAS ist der GROSSVATER
Damit ist nicht mein Großvater gemeint, also nicht Walther Haage.
Und auch nicht dieser hier:
>> Fagott
Das ist der Fagott-Großvater aus Peter und der Wolf.
DER GROSSVATER ist unser alter schöner Echinocactus grusonii, vielleicht ist er dir ja schon mal in oder vor unserem Gewächshaus begegnet.
Und wenn nicht – auf www.cactuspodcast.de/39 findest du mindestens ein Foto von ihm. Da kannst du ihn in seiner ganzen Pracht anschauen – sogar mit Schärpe!
Na weil Jubiläum!
Kakteen-Haage feiert 2022 Jubiläum 200 Jahre – und dieser Echinocactus grusonii – heute korrekt übrigens Kroenleinia grusonii – gehört zu dem wenigen, das uns schon über die Jahrhunderte begleitet. Konkret: diese Pflanze ist zum Beispiel schon länger da, als beispielsweise unser altehrwürdiges Geschäftshaus. Das steht erst seit den 1890er Jahren. Und 1890 – damals war die Gärtnerei auch noch am anderen Ende der Stadt – im späteren Neu-Daberstedt angesiedelt.
Wir gehen aber noch weiter zurück in der Geschichte – in die 1820/30er Jahre und wir wechseln auch noch mal den Standort. Zu der Zeit befindet sich die Gärtnerei in der Schmidtstedter Straße – unweit des heutigen Erfurter Hauptbahnhofes.
Wir haben eine recht gute Dokumentation, die zeigt, dass diese Pflanze unsere Gärtnerei schon seit sehr langer Zeit begleitet. Neben dem Foto mit der Schärpe gibt es Fotos, auf denen ich als Kind mit diesem grusonii zu sehen bin, mit meinem Vater in jungen Jahren und auch mit meinem Großvater, mit dem Großvater sozusagen. In welchem Jahr die Pflanze aber nun ganz genau zu uns gekommen ist – das kann ich nicht mit Gewissheit sagen – aber dazu gibt es gleich von meinem prominenten Gast eine spannende Erklärung. Der muß aber erst noch ankommen.
Cactus Sounds und Geräusche raten
Hier kommt das zweite Geräusch: Reifen einer Limousine auf Schotter.
Ich hab extra nachgeschaut: meine betagte Daimler B-Klasse ist auch eine Limousine. Und da du die Farbe ohnehin nicht zweifelsfrei raushören konntest, kannst du dir anhand des Abrollgeräusches vermutlich auch beim Hersteller nicht ganz sicher sein, was wir aufgenommen haben. Zum Jubiläum im September 2022 rollten jedenfalls zwei BMW 750 ld xdrive gecleant, mit Blaulicht, Sonderschutz (im Volksmund sagt man gepanzert) und ohne Standarte – und so ein Bolide kommt mit 6 Litern Diesel über die Runden.
Weil ich mich so mit den Autos beschäftigt habe: Bodo Ramelow fährt aber nicht nur den sparsamen 6-Liter-BMW-Boliden. Bei der Recherche zu dieser Episode habe ich ein Video aus seinem ersten Jahr als Thüringer Ministerpräsident gefunden, da ist er als Egon Olsen im Volvo von Erich Honecker unterwegs.
Ramelow im Honecker-Volvo – in der Autobild-Zeitung
… und der ganze Bodo – Egon Olsen Spot als Filmchen auf Facebook
Worüber ich mich etwas gewundert habe: es gibt fast keine Fotos von diesen Dienstfahrzeugen. Ich habe aber in meinem Fundus ein paar Bilder gefunden.
… so Sorry für so viel Aufmerksamkeit für schnöde Autos – aber es hat einfach Spaß gemacht, all diese Details noch herauszufinden …
Bodo Ramelow ist im Februar 1956 in Osterholz-Scharmbeck geboren und aufgewachsen. Und hier gibt es eine – weit entfernte – Verbindung zu den Kakteen: In Osterholz-Scharmbeck war auch Kurt Petersen zu Hause. Er war der 13. Präsident der Deutschen Kakteengesellschaft und ein hervorragender Epi-Kenner. Kurt Petersen war Initiator der EPIG (Interessengemeinschaft Epiphytische Kakteen – www.epig.org )
Mit den Kakteen – sagt Bodo Ramelow über sich selbst, hat er kein glückliches Händchen – das überlasse er lieber den Kakteengärtnern.
Das ist uns ganz recht!
Wenn ich das hier so locker erzähle und es vielleicht so rüberkommt, als würde ich sowas alle Tage machen können – der Schein trügt.
Über die zweihundert Jahre hab ich in der letzten Episode schon erzählt.
Und ja, wir haben in 200 Jahren einige Gäste bei uns begrüßen dürfen. Und wir haben uns auf den Tag und die Gäste vorbereitet. Trotzdem war ich aufgeregt. Aber es gab einen, der war das nicht – und diese kleine Geschichte möchte ich gern vor dem Vergessen bewahren.
Das kam so:
Der MP kam vom Parkplatz und ich begrüßte ihn „am Großvater“. Mein Vater, Hans-Friedrich Haage war derweil neben uns ins Gespräch vertieft und hatte unseren Gast nicht gleich mitbekommen. Und da sein Personengedächtnis nur wenig besser ist als meines, habe ich versucht, ihm bei der Vorstellung eine Brücke zu schlagen.
Ich also:
„Mein Vater.“ >
„Unser Landesvater.“ <
Offensichtlich durchschauten beide mein Ansinnen, es gab jedenfalls ein schallendes Gelächter.
Und meine Schwester hat den Moment für unser Gästebuch festgehalten.
Bodo Ramelow spricht über die Begegnung zwischen Friedrich Adolph Haage, dem Großherzog Ernst August von Sachsen Weimar, dem Freiherr Johann Wolfgang von Goethe und der Verbindung zu seinen eigenen Vorfahren, der Familie Fresenius.
Er spricht von Höhen und Tiefen, von der Bundesgartenschau und von dem, was Gärtner durch alle Zeiten hindurch geschaffen haben und heute noch bewegen.
Ich muss das nicht verbergen: Ich schätze unseren Ministerpräsidenten sehr, nicht wegen seiner lobenden Worte für uns – und es ist auch keine parteipolitische Ansicht.
Ich schätze Menschen, die weiter blicken wollen, die aufrecht sind, die Fehler machen können und die auch eingestehen können.
Das ist bei Wolfgang Tiefensee oder bei Bernhard Vogel so, ich denke an Hans-Dietrich Genscher oder Helmut Kohl. Und das ist bei ganz „normalen Menschen“ auch so und ich bin froh, viele solcher „normaler Menschen“ zu meinen Freunden zählen zu dürfen.
Das Bild des Großherzogs, der sich die Jacke auszieht und dem Gärtner zugesellt, daran habe ich mich erinnert, als ich mit eben diesem Bodo Ramelow im letzten Sommer im Harz in der Nähe vom Dreiherrenstein auf einer Borkenkäferfläche Bäume aufgepflanzt habe. Der Fototermin war vorüber, die Kameras eingepackt und die offiziellen Reden gehalten und wir haben zu zweit Bäume gesetzt und dabei geschwitzt – schweigend und ohne Jacke. Das muß ein MP nicht machen.
Aber er kann es tun. Und diese Nahbarkeit – das hat mich bei der Geste von Ernst August auch beeindruckt.
Die da oben – sind auch Menschen.
Der Job ist ein anderer und ich beneide sie nicht darum.
Auf bald – und bleib happy!
Darüber habe ich erzählt:
Ich freue mich auf dein Feedback.
Der Beitrag CactusPodcast 039 – Kakteengeschichte: Jubiläum – Bodo Ramelow und Goethe erschien zuerst auf Cactusblog.
Wir starten heute eine Serie mit einem Blick in die Geschichte von Kakteen-Haage – und zum Teil ist das ja auch die Geschichte der Kakteen – mehr als mir das im Alltag bewusst ist.
Ganz ehrlich – genau davor habe ich einen ziemlichen Respekt, denn ich hatte keine Ahnung, wie ich das in eine Episode gepresst bekomme – deswegen wird es jetzt eine kleine Serie. Klar, auch die kann keine 200 Jahre abbilden, aber so bekommst du entspannt ein Gefühl für ein paar Dinge, die in den letzten zwei Jahrhunderten in der Kakteenwelt passiert sind.
Ich sitze allein mit mir und ein paar tausend Kakteen im Gewächshaus und versuche endlich die nächste Episode auf den Weg zu bringen – und es fällt mir nicht so leicht. Und DAS ist mir in letzten zwei Jahren häufiger passiert, als es mir lieb ist – und es gefällt mir nicht. Es ist ein bisschen wie meine Versprechen nicht halten und das ist blöd.
Mein Plan, die Episode 38 rechtzeitig den Weihnachtskakteen zu widmen, ist nicht aufgegangen. Auch die angekündigte Folge 39 ist noch nicht vorbereitet. Es gibt für dieses und für jenes auch plausible Gründe – allein, ich tue mich schwer, das einfach so hinzunehmen. Sowohl Schlumbergera und vielleicht auch die Hintergrundgeschichten aus dem ZDF Fernsehgarten kommen halt eben später. Sorry dafür! Mal wieder alles etwas anders.
Aber jetzt – wir springen jetzt zurück in der Geschichte. Erstmal nur ein paar Wochen – in den warmen Spätsommer 2022:
von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichten
Winfried Kaiser ist für mich immer ein besonderer Gärtner – nicht nur, weil er sich als „normaler Gärtner“ für Kakteen interessiert hat. Wann immer wir uns trafen, dann hat er sich intensiv nach den Kakteen erkundigt und immer auch eine eigene kleine Geschichte zu erzählen gehabt – das ist unter den Profigärtnern eher selten. ZVG – der Zentralverband Gartenbau, unsere berufsständische Organisation, dort haben wir uns regelmäßig getroffen, um zu schauen, wie wir gemeinsam das Leben der Gärtner in Deutschland etwas besser machen können.
Seine Heimat Weinböhla ist übrigens auch ein bedeutender gartenbaulicher Standort – auch eine Kakteengärtnerei gab es dort, vielleicht sagt dir der Name Treuheit im Zusammenhang mit winterharten Kakteen etwas.
Und die Familie – oder treffender – die Gärtnerdynastie der Seidels – von denen hast du sicher schon gehört – Kamelien, Schlossgarten Pillnitz – auch hier gibt es eine unheimlich spannende Familiengeschichte zu entdecken.
Gab es zu der Zeit auch schon andere Kakteengärtnerei ?
Ja, auch vor der Gründung von Kakteen-Haage im Jahr 1822 gab es einen Gärtner, der Kakteen zum Verkauf angeboten hat. Ich gehe davon aus, dass es nicht der einzige war. Ich hab in unserem Katalogarchiv auf den ersten Blick acht Kakteen im Schellhase-Katalog aus dem Jahr 1808 gefunden.
Darüber habe ich erzählt:
Ich freue mich auf dein Feedback.
Der Beitrag CactusPodcast 038 – Kakteengeschichte: Jubiläum – Haage am Sächsischen Hof erschien zuerst auf Cactusblog.
von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kaktusbücher
Hierhin kommt der Index zu den Pflanzenzeichnungen im Buch …
Darüber habe ich erzählt:
Ich freue mich auf dein Feedback.
Der Beitrag CactusPodcast 036 – Kaktusbücher: Die wunderbare Reise des Herrn Maria erschien zuerst auf Cactusblog.
von Ulrich Haage | CactusPodcast - Interview
Der Beitrag CactusPodcast 035 – Interview: Im Kaktusbus in die Ukraine erschien zuerst auf Cactusblog.
von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichten
… gibt es diesmal nicht – denn hier sind keine Links, auf die ich verwiesen habe …
Der Beitrag CactusPodcast 028 – Kakteengeschichten: Kaktusgärtnern in Zeiten von Corona erschien zuerst auf Cactusblog.
von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kaktusgärtner persönlich
Der Beitrag CactusPodcast 019 – Erntedank und der 3. Oktober erschien zuerst auf Cactusblog.
von Ulrich Haage | Kaktusgärtner, Blogger und Podcaster auf cactusblog.de | CactusPodcast
Als Kaktusgärtner komme ich mit vielen Menschen aus der Pflanzenwelt zusammen und erfahre neues – und das gebe ich gern weiter.
Wir schreiben heute Freitag, den 13. Dezember 2019, Sternzeit 15.37
… und ich freu mich auf mehr in Kürze hier vom CactusPodcast!
Der Beitrag CactusPodcast 000 – Wer macht einen Podcast über Kakteen? – Ulrich Haage erschien zuerst auf Cactusblog.
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