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  • Folge 59: Wie man aus Elefanten eine Mücke macht und Lavinia vom 25. Stock aus durch Lüfte und Lüste laviertDagmar Leupold und ihre Romane „Lavinia“ (2019) und „Dagegen die Elefanten“ (2022)

    Dagmar Leupold (*1955 in Lahnstein) ist eine wichtige und produktive Schriftstellerin des Landes, die schon sehr lange in München lebt und zuvor viele Jahre in Italien und New York verbracht hat. Und deshalb, denke ich, hierzulande weniger wahrgenommen wird als dies unbedingt notwendig wäre.

    Sie hat nicht nur 12 Romane und 5 Gedichtbände geschrieben, sondern auch zahlreiche essayistische und poetologische Beiträge. Und sie ist Übersetzerin aus dem Englischen und Italienischen. U.a. hat sie die Gedichte von Cesare Pavese übertragen.

    Darüber hinaus ist sie auch eine wichtige Akteurin im literarischen Leben der BRD: Sie war Geschäftsführerin des Deutschen Literaturfonds, hat 17 Jahre lang das „Studio Literatur und Theater an der Universität Tübingen“ und viele Literaturwerkstätten geleitet und Lehraufträge und Dozenturen in Deutschland, Österreich und den USA inne gehabt.

    In Folge 60 ab dem 12. Dezember reden wir dann über ihren neuen Roman „Muttermale“, der in diesem Herbst erschien, und über ihre Schreibwerkstatt.

    Dagmar Leupold - Lavinia

    Der Countdown beginnt im 25. Stock eines Hochhauses in New York: Worauf Lavinia von dort aus zurückblickt, ist ein Leben, vor dessen Abgründen ihr selbst schwindelt. Wie im Sturz durch ihre Geschichte und die Zeiten erzählt sie von ihrem Aufwachsen und Frauwerden, ihren Lieben und Verlusten, von Verheerungen und Missbrauch, von Unterwerfung und ihrem Willen, sich zu behaupten. Tiefer und tiefer führt sie den Leser im Taumel des Erinnerns und im Sprachrausch des Erzählens zurück in die deutsche Provinz nach dem Krieg, in das unschuldige wie ungeschützte Glücksempfinden einer Kindheit, die in Erfahrungen von Gewalt endet, zu den versuchten Abbrüchen und Aufbrüchen eines Lebens, das sich bei allem Wanken immer wieder unbeugsam zeigt.

    Lavinia ist eine Selbst- und Weltbetrachtung voller Hingabe und Wut, bitter und zärtlich, schonungslos und empathisch. Ein Lob der Liebe und ein Bekenntnis zu Widerständigkeit. Ein Buch darüber, wie sich beides in Literatur verbinden kann zu einem Rettungsversuch in schwindelnder Höhe.

    Pressestimmen: "Lavinia"

    Die Welt ist alles, was der Fall ist“, heißt es bei Wittgenstein. […] So viele Fragmente, Gedanken, Erfahrungen verbindet Dagmar Leupold in ihrem Roman. Humor, Wut und Zärtlichkeit wechseln sich rhythmisch ab. […] Mit „Lavinia“ gibt Dagmar Leupold einer empathischen, engagierten, kraftvoll fühlenden und klug denkenden Frau eine unvergessliche Stimme.

    Carsten Hueck, Ö1 Exlibris

    Die Geschichte Lavinias ist gleichzeitig eine Geschichte der Einverleibung der Weltgeschichte in einen Frauenkörper, […] auch das völlig ohne Pathos, ohne Selbstmitleid, dafür schonungslos, erzählt. […] Ein sehr kluger, ebenso fundierter wie weitreichender Kommentar zur metoo-Debatte.

    Elke Engelhardt, Fixpoetry

    Man kann diesen Roman auch als Beitrag zur "Me Too"-Debatte lesen. Das Fazit der Fallenden jedenfalls ist tragisch eindeutig: "Haut und Papier werden nie wieder geduldig sein."

    Antje Weber, Süddeutsche Zeitung

    Dagmar Leupolds hinreißende Sprache lässt ihren Sturz durch die Zeiten zur beherzten Erkundung weiblichen Lebens werden.

    Lore Kleinert, neue-buchtipps.de

    Dagmar Leupold - Dagegen die Elefanten!

    Herr Harald ist der Mann in der Garderobe. Er gehört zum Theater wie der Vorhang, aber niemand kommt seinetwegen, das Rampenlicht ist für andere. Er nimmt den Menschen die Mäntel ab, die Taschen, was immer sie ihm anvertrauen, um für kurze Zeit unbeschwert zu sein, und wartet bis zum Schlussapplaus, das ist sein Einsatz. Doch eines Abends bleibt ein Mantel zurück, und in dem Mantel findet sich eine Pistole. Herr Harald trägt sie nach Hause, nur: Was will er damit tun? Er kann sich schlecht gegen alles zur Wehr setzen, was ihm an der Welt und den Mitmenschen als Zumutung erscheint. Aber vielleicht kann er ihre Aufmerksamkeit auf jemanden lenken, der wie er ein Schattendasein führt: die Frau, die für einen anderen die Noten umblättert und die er aus der Ferne verehrt.

    Der tragische wie komische Protagonist dieser hinreißend erzählten Geschichte ist ein Held des Alltags, ein Mann in Dienstkleidung, einer, dem es niemand dankt. Und gäbe es die Literatur nicht – und Autorinnen wie Dagmar Leupold –, wie sollten wir wissen, was für ein Reichtum an Gedanken und Gefühlen, wie viel waches Leben und wehe Sehnsucht sich dahinter verbirgt.

    Pressestimmen: "Dagegen die Elefanten!"

    Ein außerordentlicher Roman, der völlig ohne Kalkül oder Berechnung entstanden zu sein scheint. Eher so, als hätte man ihn eben so und nur so schreiben können.

    Andrea Heinz, Der Standard

    Unter der stillen Oberfläche verbirgt sich ein enorm spannender Roman: Dagmar Leupold wartet mit feinsinnigen Beobachtungen der Opern- und Kunstwelt auf und lenkt unseren Blick auf die unauffälligen Zeitgenossen. Menschen, die den Laden am Laufen halten. Einfach, weil sie ihre Arbeit als sinnvoll empfinden. Damit hat das Buch auch eine durchaus solidarische Wirkung: Es öffnet den Blick für Menschen und Dinge, die man sonst oft übersieht.

    Lina Brünig, WDR5

    Dagmar Leupold hat ein wunderbares Buch voller Melancholie, Schmerz und Liebe geschrieben. Elke Heidenreich, Kölner Stadtanzeiger

    Dagmar Leupold, die es in ihren Romanen immer wieder meisterhaft versteht, die Spielarten des Komischen – vom Grotesken über das Surreale bis zu realistischen Variationen – zu inszenieren, interessiert sich in ihrem neuen Roman für einen kauzigen Außenseiter, dessen Wahrnehmungen, Empfindungen und Befindlichkeiten minutiös erzählt werden.

    Werner Jung, Junge Welt

    Dagmar Leupold - Muttermale

    Virtuos, behutsam und unerbittlich: Dagmar Leupold bringt Dinge zum Sprechen – sie erzählen von der Mutter, aber auch von Krieg, Flucht und Fremdheit.

    Wie erzählt man von der eigenen Mutter? Vor über hundert Jahren in Ostpreußen geboren, vor der Roten Armee geflohen, auf Umwegen irgendwo im deutschen Westen angekommen und dort, im neuen Leben, in der neuen Zeit nach dem Krieg, von dem bald keine Rede mehr war, immer fremd geblieben. Fremd auch der eigenen Tochter, die sich weiter und weiter entfernte, bis die Geschichte der Mutter irgendwann unbegreiflich geworden war.

    »Muttermale« ist der Roman einer Annäherung. In immer neuen Anläufen versucht Dagmar Leupold, Verlorenes wiederzugewinnen. Sie greift dazu auf das zurück, was vom Leben der Mutter geblieben ist, Alltagsgegenstände, Gewohnheiten, Fotos, gern gebrauchte Wörter und Sätze: alles, was über die Zeit hinweg von der Mutter zu ihr spricht.

    Sie lauscht diesem Sprechen, um ihm Geheimnisse und Unausgesprochenes abzulauschen, und findet immer wieder Spuren eines Traumas.

    Pressestimmen: "Muttermale"

    »Ganz besonders psychologisch und stilistisch geglückt ist indes Dagmar Leupolds Roman „Muttermale“ […] wie die frühe Prägung durch eine verlorene Heimat noch die nächste Generation beeinflusst, ist selten so eindrucksvoll beschrieben worden wie hier.«

    Andreas Platthaus, FAZ

    »Im Schlaf hast du deine Tochter womöglich sogar gerngehabt, schreibt Dagmar Leupold in »Muttermale«. Und schon dieser schlichte Satz gibt eine Ahnung von der Wucht ihres Romans. Was die Zeile noch nicht verrät: Wie ungemein reich an Bildern und Lebenswissen die Sprache der Autorin ist. Und so leuchtet Dagmar Leupold Themen, die wahrlich oft beschrieben wurden, völlig neu aus. Das Buch beweist: Große Literatur braucht kein neues Sujet.«

    Jury Bayerischer Buchpreis

    Ein Roman, der in geschliffenen Sätzen Erkenntnis verdichtet.

    Antje Weber, Süddeutsche Zeitung

    »Bemerkenswert an diesen Erinnerungen sind die poetische Sprache und der lakonische Ton, sind die treffenden Formulierungen, an denen die Lyrikerin Leupold aufscheint. […] Wortwitz und Sprachspiele heben den Grundton der Melancholie für Momente immer wieder auf. […] So ist Muttermale auch als Dokument der komplexen und schuldbeladenen Vergangenheit unserer Gesellschaft zu verstehen.«

    Sabine Scholl, Der Standard

    Curriculum Vitae Dagmar Leupold

    - Geboren 1955 in Niederlahnstein.

    - Abitur 1974 in Mainz: Neusprachl. Frauenlob-Gymnasium
    - Studium der Germanistik, Philosophie, Altphilologie in Marburg und Tübingen,
    - Staaatsexamen in Germanistik und Philosophie.
    - Aufenthalt in Florenz (1980-85). Redaktionsassistentin am Kunsthistorischen Institut (KHI).
    - Graduiertenstudium der Komparatistik an der City University in New York (CUNY, 1985- 90), Promotion The Oxymoron as a Model for the Generation of Text (phD) 1993.

    Sprachkenntnisse:

    - Gr. Latinum, Graecum

    - Italienisch,
    - Englisch fließend
    - Französisch gut
    - Polnisch Grundkenntnisse

    Lehraufträge, Creative Writing und Dozenturen an den Universitäten:

    - Queens College, New York (adjunct teacher in Comparative Literature) (CUNY):1988-90

    - München: 1992-1994 Lehrbeauftragte für Komparatistik
    - Mainz: 1994 Literarisches Schreiben
    - Bamberg: 1995 Literarisches Schreiben
    - Leipzig (DLL): 1996/97
    - Birmingham, Aston University (und DAAD) 2001: Writer-in-Residence
    - Kiel (Liliencron-Poetik Dozentur): 2002 Drei Vorlesungen: Poetischer Stoffwechsel. Erinnern, Vergessen, Korrespondieren
    - München: Leitung des Kurses Manuskriptum (zusammen mit Jo Lendle, Dumont Verlag): 2002/03
    - Marburg: 2004 (Sommersemester) Literarisches Schreiben
    - seit September 2004 (bis 2021) Leitung Studio Literatur und Theater an der Universität Tübingen
    - im Frühjahr 2006 Max–Kade-Dozentur (writer-in-residence) an der Washington University, St. Louis, USA (Lehrstuhl Prof. Michael Lützeler)
    - WS 2011/2012 Lehrauftrag am „Institut für Sprachkunst“ an der Universität für angewandte Künste in Wien

    Darüber hinaus Leitung verschiedener Text-Werkstätten, u.a.: Textwerk, Seminar für Romanautoren am Münchner Literaturhaus, Kloster Irsee Kunstsommer, Mentorin im Nordkolleg Rendsburg (Begabtenförderung in Zusammenarbeit mit der Arno-Schmidt-Stiftung).

    Seit 1985 freie Schriftstellerin und Übersetzerin (aus dem Italienischen und Englischen), u.a. Pavese, Del Giudice, Kleinzahler.

    Zahlreiche publizistische, poetologische und essayistische Veröffentlichungen in Zeitschriften, Zeitungen, Anthologien.

    Literarische Veröffentlichungen (ohne Anthologien)

    1988 Wie Treibholz Gedichte Pfaffenweiler Presse

    1992 Edmond. Geschichte einer Sehnsucht Roman S. Fischer
    1994 Die Lust der Frauen auf Seite 13, Gedichte, S. Fischer
    1995 Federgewicht Roman S. Fischer
    1996 Destillate (Kurzprosa und Lyrik) S. Fischer
    1999 Ende der Saison Roman S. Fischer
    2001 Byrons Feldbett Gedichte S. Fischer
    2002 Eden Plaza, Roman C.H.Beck
    2004 Nach den Kriegen Roman eines Lebens C.H.Beck
    2005 Alphabet zu Fuss Essays C.H. Beck
    2007 Grüner Engel, blaues Land Roman C.H. Beck
    2009 Die Helligkeit der Nacht.. Ein Journal Roman C.H. Beck
    2013 Unter der Hand Roman Verlag Jung und Jung
    2016 Die Witwen. Ein Abenteuerroman Verlag Jung und Jung
    2019 LAVINIA Roman Verlag Jung und Jung
    2022 Dagegen die Elefanten! Verlag Jung und Jung
    2025 Small Talk Gedichte Verlag Jung und Jung
    2025 Muttermale Roman Verlag Jung und Jung

    Drehbuch

    (zusammen mit Fred Breinersdorfer)
    nach dem Roman Eden Plaza Verfilmt unter dem Titel „Zwischen heute und morgen“

    Auszeichnungen (u.a.)

    Aspekte Preis für das beste Prosadebut (Edmond. Geschichte einer Sehnsucht)

    Bayerischer Literaturförderpreis
    Montblanc Preis für kurze Geschichten
    Georg-K.-Glaser-Preis
    Tukan-Literaturpreis der Stadt München
    Literaturpreis der Stadt München

    1999-2001 Mitglied des Kuratoriums des deutschen Literaturfonds e.V.

    2013 Kuratorin des forum:autoren im Rahmen des Münchner Literaturfests
    2001-2014 Geschäftsführendes Vorstandsmitglied

    Mitglied des P.E.N. und des VS

    43 min
  • Folge 58: Es war einmal in Kaiserslautern„Drei Schwestern“ – der neue Roman von Christian Baron.

    „Es war einmal in Kaiserslautern“ – so heißt ein Kapitel in Christian Barons Roman „Drei Schwestern“, der vor kurzem im Claassen Verlag erschienen ist. Es ist der dritte Band seiner Kaiserslautern-Trilogie, die in der Stadt und ihrer Umgebung spielt.

    Der erste Band, er hieß „Ein Mann seiner Klasse“, ist unmittelbar autobiografisch und schildert Kindheit und Aufwachsen des Protagonisten in einer Unterschichtfamilie in den 90er Jahren. Sie sind geprägt von Gewalt und Alkohol, aber auch von unverschuldeter Armut trotz Vollzeitarbeit, vergeblicher Hoffnung auf Besserung, von Scham über die Unzulänglichkeiten der Unterschichtzugehörigkeit und von schlecht verhohlener Verachtung und verlogenem Mitleid der Bessergestellten.

    Ein Buch, das Leben und Sterben der armen Leute in einem der reichsten Länder der Welt aus ihrer eigenen Perspektive so schonungslos, genau und einfühlsam beschreibt, wie dies zuvor jahrzehntelang kein anderer Roman der deutschen Literatur zustande gebracht hat.

    Der zweite Band mit dem Titel „Schön ist die Nacht“ spielt in den 70er Jahren und erzählt von den Großeltern, die selbst in den Jahren des Aufschwungs nicht zu Wohlstand gelangen können, von ihren Mühen und Widersprüchen zwischen Wohlanständigkeit und Kleinkriminalität, von ihren kleinen Freuden und großen Leiden unter Arbeitsbedingungen und Alkoholismus.

    Der neue, dritte Band „Drei Schwestern“ beschreibt wie sich die Eltern des Protagonisten des ersten Buches, der zu dieser Zeit in den 80er Jahren noch nicht geboren ist, kennen und lieben lernen; schildert also gewissermaßen die Vorgeschichte zum ersten Buch. Aus den wechselnden Perspektiven der drei Schwestern wird von ihren unterschiedlichen Sehnsüchten und Lebensentwürfen erzählt. Aber eben nicht, wie das die übergroße Mehrheit der aktuellen deutschen Literatur tut, unter weitgehender Ausblendung gesellschaftlicher Verhältnisse, sondern im Gegenteil: Christian Barons erzählerischer Blick zeigt ständig die Umstände gesellschaftlicher Klassenverhältnisse und dass sie die eigentlichen Ursachen für die Situationen der Einzelnen sind. Anders gesagt: Das Private ist politisch!

    In Folge 58 von Podcastliteratur.de liest Christian Baron aus seinem neuen Buch und redet mit Theo Schneider über Inhalt, Form und Entstehung und gibt Auskunft über seine literarische Werkstatt.

    Drei Schwestern

    Unterschiedlicher könnten Mira, Juli und Ella kaum sein – und doch sind sie geeint in ihrer Sehnsucht nach jener großen Freiheit, die im Westdeutschland der Achtzigerjahre ein süßes Versprechen war.

    Mira ist sechzehn, da erleidet sie eine Totgeburt. Der Vater des Kindes ist fort, doch tröstet sie der schillernde Nachbarsjunge Ottes. Sie will ausbrechen aus den Zwängen des proletarischen Elternhauses, politisiert sich und träumt vom Dasein als Dichterin. Juli, die jüngste Schwester, beschützt und bevormundet Mira, die sich nicht abhängig machen soll von einem Mann. Erst recht nicht von Ottes, dem Juli nichts Gutes zutraut. Darüber vergisst sie jedoch, den eigenen Weg zu finden. Die große Schwester Ella hat einen sozialen Aufstieg durch Heirat hinter sich und wird durch die Probleme der Jüngeren in die Muster ihrer Vergangenheit katapultiert. Muss es Mira und Juli nicht gelingen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, wo doch scheinbar alles möglich ist?

    Zum Abschluss seiner Kaiserslauterer Trilogie erzählt Christian Baron von einer Welt, die Frauen alles verspricht, gegen deren unsichtbare Mauern die drei Schwestern aus „einfachen Verhältnissen“ in der Klassengesellschaft aber unablässig anrennen müssen. Ein zärtlicher Roman über Mut und Aufbruch, über das Fallen und Weitermachen – und immer wieder über die Hoffnung und die Liebe.

    Pressestimmen

    »Christian Baron offenbart sich als ein leidenschaftlicher Erzähler … Der Roman ist nicht nur Werkzeug, eine bittere Erkenntnis über linke Eliten des Landes oder die tatsächlichen Klassenverhältnisse zu kolportieren. Er lebt von flotten Dialogen, Idiolekten und Figuren, die im erzählerischen Sinne mit reichlich Fleisch auf den Hüften ausgestattet sind.« - Welt am Sonntag, Marlen Hobrack, 17.08.2025

    »Lesend sieht man einen Film vor sich und wünscht sich, aus dem Roman könnte einer werden.« - Neues Deutschland, Irmtraud Gutschke, 15.08.202

    »Baron porträtiert hier ein Milieu im Entstehen: eine Blaupause jenes liberalen Bürgertums, das heute sanierte Altbauwohnungen zwischen Frankfurter Nordend und dem Prenzlauer Berg bevölkert.« - Taz, David Hinzmann, 09.08.2025

    »Ein enorm vielschichtiger Roman.« - BR2 Kulturjournal, Niels Beintker, 05.08.2025

    »Der Abschluss der Kaiserslauterer Trilogie ist eine immense Leistung. Sie bewahrt etwas, das der Autor hinter sich gelassen hat und zugleich in sich trägt. Vor allem den Schmerz, der vom ungelebten Leben der Elterngeneration rührt.« - SWR Lesenswert, Ulrich Rüdenauer, 03.08.2025

    »Bildungsgesättigt ist Barons Roman durchaus. Trotzdem steckt er voller Vitalität, hält er autosoziografische Schablonen auf Distanz.« - Der Tagesspiegel, Gerrit Bartels, 02.08.2025

    »Das Buch besticht durch die Zuneigung für seine Protagonisten und eine schöne Sprache.« - Die Rheinpfalz, Rainer Dick, 30.07.2025

    »Seit ich ›Ein Mann seiner Klasse‹, den Auftakt von Christian Barons Kaiserslautern-Trilogie, gelesen habe, bin ich Fan […] In Teil drei im Mittelpunkt: die Schwestern Ella, Juli und vor allem Mira, Barons früh verstorbene Mutter. Warum ausgerechnet Ottes zur großen Liebe dieser feinfühligen jungen Frau wird, für die das Leben keine großen Chancen vorgesehen hat…ich fühl's.« - emotion, Silvi! Feist, 16.07.2025

    Ein Mann seiner Klasse

    Der SPIEGEL-Bestseller des mehrfach ausgezeichneten Schriftstellers Christian Baron: adaptiert für Film und Theater, ausgezeichnet mit dem Deutschen Fernsehpreis und eingeladen zum Theatertreffen. Über die schockierende Lebensgeschichte eines Jungen aus ärmlichen Verhältnissen, der seinen eigenen Weg findet: schonungslos, bewegend und eindringlich.

    »Eines der besten literarischen Debüts dieser Saison. Überraschend, überzeugend, überwältigend.« Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

    Eine Geschichte vom Leben und Sterben, vom Nacheifern und Abnabeln, vom Verdammen und Verzeihen»

    Mochte mein Vater auch manchmal unser letztes Geld in irgendeiner Spelunke versoffen, mochte er auch mehrmals meine Mutter blutig geprügelt haben: Ich wollte immer, dass er bleibt. Aber anders.«

    Kaiserslautern in den neunziger Jahren: Christian Baron erzählt die Geschichte seiner Kindheit, seines prügelnden Vaters und seiner depressiven Mutter. Er beschreibt, was es bedeutet, in diesem reichen Land in Armut aufzuwachsen. Wie es sich anfühlt, als kleiner Junge männliche Gewalt zu erfahren. Was es heißt, als Jugendlicher zum Klassenflüchtling zu werden. Was von all den Erinnerungen bleibt. Und wie es ihm gelang, seinen eigenen Weg zu finden.

    Mit großer erzählerischer Kraft und Intensität zeigt Christian Baron Menschen in sozialer Schieflage und Perspektivlosigkeit. Ihre Lebensrealität findet in der Politik, in den Medien und in der Literatur kaum Gehör. Ein Mann seiner Klasse erklärt nichts und offenbart doch so vieles von dem, was in unserer Gesellschaft im Argen liegt. Christian Baron zu lesen ist schockierend, bereichernd und wichtig.

    »Baron ist eine grandiose Mischung aus literarischer Schönheit und politischer Analyse gelungen.« Szene Hamburg

    *** Wer Édouard Louis, Didier Eribon oder Annie Ernaux mag, wird dieses Buch lieben! ***

    Pressestimmen

    "Es ist in mehrerer Hinsicht ein ganz erstaunliches, großartiges Buch […], das mit Wucht daherkommt."

    HR2 - Ursula May, 28.04.2020

    "Es ist die grosse Kunst von «Ein Mann seiner Klasse», den darin geschilderten Menschen literarisch eine Würde zurückzugeben, die ihnen im Leben verwehrt war."

    Neue Zürcher Zeitung

    "Ein ergreifend ehrliches und schmerzliches Buch." - Brigitte

    „Eines der besten literarischen Debüts dieser Saison. Überraschend, überzeugend, überwältigend.“

    Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung - Julia Encke, 01.03.2020

    „Christian Baron erzählt einfühlsam von Menschen, die nie eine Chance hatten, deren Leben in Politik, Literatur oder Medien kaum vorkommt.“ - WDR3

    „Nichts weniger als das Buch der Stunde: Dieses Buch…ist kein Roman und keine Autobiografie, keine Reportage und kein Sachbuch. Nein, es enthält nichts weniger als das pralle, hässliche, unsagbar bittere und, ach, auch schrecklich schöne Leben. Es ist das wahre Leben, das Christian Baron in wahrhaftige Literatur verwandelt hat.“ - Rhein-Zeitung

    „Christian Baron setzt auf die Kraft der schonungslosen Offenheit. Die Wucht seiner Erzählung gibt ihm darin mit jeder Zeile Recht.“ - SR Kultur

    "Baron ist eine grandiose Mischung aus literarischer Schönheit und politischer Analyse gelungen." - Szene Hamburg, Ulrich Thiele, 28.01.2020

    „Schlicht beschreibend, ohne Zeigefinger und oft befreiend witzig.“ - Stern

    "Unsentimental und ohne zu moralisieren zeigt Christian Baron in seinem gut geschriebenen, oft auch amüsanten Buch, dass die sogenannten Abgehängten keine naturgegebene Kaste bilden, sondern Menschen sind wie du und ich, voller Sehnsucht und Ehrgeiz nach einem gelingenden Leben. Und er zeigt auch, dass es die Aufgabe einer Gesellschaft ist, diese Chance auch wirklich allen zu geben."
    Deutschlandfunk

    "Kein Westbuch. Kein Ostbuch. Sondern ein Buch, das hinter der parteipolitischen Realität Deutschlands dessen soziale Wirklichkeit zeigt. Ein Bericht über die Ausübung von gesellschaftlicher Gewalt, die von unten nach oben nicht aufhört, sondern die Formen wechselt…Schon jetzt eines der interessantesten Bücher mindestens dieses Frühjahrs." - Mitteldeutsche Zeitung

    Klasse und Kampf

    »Ein wahrer Glücksfall« FAZ

    Was bedeutet es, in einem reichen Land in Armut aufzuwachsen? Zur „Unterschicht“ zu gehören und dafür ausgelacht und ausgegrenzt zu werden? Sich von seinem Herkunftsmilieu zu entfernen, aber die eigenen Wurzeln nicht verraten zu wollen? Und dennoch im neuen Milieu nie wirklich anzukommen?
    Deutschland gibt sich gerne als ein Land, in dem Klasse unsichtbar ist. In dem die Chancen auf Bildung und Wohlstand für alle gleich sind. Klasse und Kampf räumt mit diesem Mythos auf. 14 Autor*innen schreiben in persönlichen Essays über Herkunft und Scham, über Privilegien und strukturelle Diskriminierung, über den Aufstieg und das Unwohlsein im neuen Milieu. Zusammen ergeben ihre Stimmen ein vielschichtiges Manifest von großer politischer Kraft.
    Mit Beiträgen von Christian Baron, Martin Becker, Bov Bjerg, Arno Frank, Lucy Fricke, Kübra Gümüsay, Schorsch Kamerun, Pinar Karabulut, Clemens Meyer, Katja Oskamp, Sharon Dodua Otoo, Francis Seeck, Anke Stelling, Olivia Wenzel.

    Pressestimmen

    "216 Seiten, die so dicht sind, dass dieses Buch beim Lesen zu vibrieren scheint, weil immer wieder jähe Kurzschlüsse zwischen den Texten entstehen" - Süddeutsche Zeitung

    "Ein wahrer Glücksfall!" - Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Julia Encke, 19.03.2021

    "… zum Glück [erscheint] die Anthologie "Klasse und Kampf". Da sind geniale, gut geschriebene, verzweifelte, empörte, aufwiegelnde Texte drin.“ - Der Spiegel

    Schön ist die Nacht

    Das Dröhnen und die Herrlichkeit, die Bürde und die Notwendigkeit des Lebens der „einfachen Leute“

    Willy sehnt sich nach nichts so sehr wie nach einem normalen Leben. Er will seine Arbeit als Zimmerer gut machen, er will für seine Familie sorgen, er träumt vom eigenen Häuschen. Mit seiner ehrlichen Art stößt er immer wieder an Grenzen, was nichts an seinem Entschluss ändert, anständig zu bleiben.

    Horst, ein ungelernter Hilfsarbeiter, glaubt schon lange nicht mehr daran, auf ehrliche Weise nach oben zu kommen. Er greift zu halbseidenen Mitteln, und seine Existenz entgleitet ihm in dem Maße, in dem er seine Aggressionen nicht im Griff hat. In die Spirale des Abstiegs zieht er seinen Freund Willy hinein – mit katastrophalen Folgen für beide.

    Schön ist die Nacht ist ein Roman über die westdeutschen Siebzigerjahre, der Roman einer ganzen sozialen Klasse. Zwischen ihren nach Emanzipation strebenden Frauen und streikwilligen „Gastarbeitern“, zwischen ihnen entgleitenden Kindern und sie unter Druck setzenden Chefs, zwischen Spekulantenträumen und Baustellenwirklichkeit führen Willy und Horst aussichtslose Kämpfe um ihren Anteil am Wohlstand. Müssen wir sie uns als glückliche Menschen vorstellen?

    Pressestimmen

    »Christian Baron erzählt atmosphärisch dicht aus einer untergehenden Schicht […]. Er wagt eine Art Zwillingsexperiment. Was passiert, wenn man zwei Männer einer Generation mit recht ähnlichen Voraussetzungen, aber unterschiedlichen moralischen Ansprüchen, ein und derselben Situation aussetzt?« - taz, Marlen Hobrack, 05.08.2022

    »Unbedingt lesenswert.« - SWR2 Lesenswert, Max Knieriemen, 31.07.2022

    »Hier zeigt sich ein bedingungslos engagierter Gesellschaftskritiker als brillant formulierender, einfühlsamer Erzähler.« - Die Rheinpfalz, Rainer Dick, 28.07.2022

    »Mit einem ungemeinen Sensorium für das Detail beschreibt er die Gefühle, Sehnsüchte und Aporien der Unterschicht und gibt ihr zugleich eine sprachliche Repräsentanz.« - der Freitag, Björn Hayer, 28.07.2022

    »Christian Baron ist der Schriftsteller, der die nicht vom Wohlstand verwöhnten Deutschen im Blick hat wie kein Zweiter.« - Welt, Frank Jöricke, 28.07.2022

    »Erinnert in seiner stellenweise wuchtigen, unverstellten Direktheit an Döblins "Berlin Alexanderplatz" […] Ein über weite Strecken mitreißender Roman […] Hier erzählt einer scheinbar alles über seine Figuren, ohne sie zu verraten. Das soll ihm erstmal einer nachmachen.« - SR Kultur, Peter Henning, 27.07.2022

    »Ein vielschichtiger Roman, in dem man immer wieder neue Facetten entdeckt […]. Etwas Großartiges, das garantiert Furore machen wird […]. Ein Meister des Dialogs […]. Die Zeit vor seiner Geburt führt Baron uns so plastisch vor Augen, als hätte er sie selbst erlebt […]. Fulminante Szenen.« - Neues Deutschland, Irmtraud Gutschke, 26.07.2022

    »Die Literatur, die Christian Baron schreibt, ist eine Klasse für sich.« - RBB Kultur Gerrit Bartels, 26.07.2022

    »Ein fulminanter Roman […]. Baron lässt uns emotional nie kalt, weil er nicht distanziert von fern erzählt, wie etwa Didier Eribon oder Annie Ernaux…Er steckt voller Schmerz und Zorn, Angst und Hoffnung, Liebe und Hass, das macht das Buch kraftvoll und vor allem sprachlich authentisch. […] Dieser Roman mutet Wechselbäder der Gefühle zu, und genau das macht ihn lesenswert.« - Süddeutsche Zeitung, Elke Heidenreich, 26.07.2022

    Christian Baron

    Christian Baron, geboren 1985 in Kaiserslautern, lebt als freier Autor in Berlin. Im Sommer 2025 erschien bei Claassen sein dritter Roman, der seine "Kaiserslautern-Trilogie" vollendet. Der Titel: "Drei Schwestern". Sein zweiter Roman "Schön ist die Nacht" erschien 2022 bei Claassen. Die von ihm zusammen mit Maria Barankow herausgegebene Anthologie "Klasse und Kampf" erschien 2021 bei Claassen. Im Frühjahr 2020 erschien von ihm "Ein Mann seiner Klasse" (Claassen), wofür er im selben Jahr mit dem Klaus-Michael-Kühne-Preis für das beste deutschsprachige Debüt und 2021 mit dem Literaturpreis "Aufstieg durch Bildung" der noon-Foundation ausgezeichnet wurde. Im Jahr 2020 erhielt er das Arbeitsstipendium Literatur des Landes Rheinland-Pfalz, im Jahr 2021 das Arbeitsstipendium Literatur des Berliner Senats. Ende 2023 übernahm er die Tübinger Poetik-Dozentur. Die Verfilmung von "Ein Mann seiner Klasse" wurde im Herbst 2024 in der ARD ausgestrahlt und ist nach wie vor in der ARD-Mediathek abrufbar.

    Von 2018 bis 2021 arbeitete Baron als Politikredakteur bei der Wochenzeitung "der Freitag". Von 2014 bis 2018 war er Feuilletonredakteur der Tageszeitung "neues deutschland". Zwischen 2011 und 2014 war er Promotionsstipendiat der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Die damit verbundene, von Prof. Dr. Ulrich Brinkmann (TU Darmstadt) betreute soziologische Dissertation zum massenmedialen Sozialstaatsdiskurs in Deutschland befindet sich kurz vor dem Abschluss. 2010 schloss Baron sein Magister-Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Germanistik an der Uni Trier ab.

    Von 2002 bis 2006 war er freier Mitarbeiter der Tageszeitung "Die Rheinpfalz" in Kaiserslautern und arbeitete danach in Trier ressortübergreifend für die lokalen Online-Magazine "16vor.de" und "hunderttausend.de". Anschließend schrieb er unter anderem regelmäßig für das Internetportal "nachtkritik.de" über Theater.

    2016 veröffentlichte er das Sachbuch "Proleten, Pöbel, Parasiten. Warum die Linken die Arbeiter verachten" (Verlag Das Neue Berlin) und 2012 mit Britta Steinwachs die Studie "Faul, frech, dreist. Die Diskrimierung von Erwerbslosigkeit durch BILD-Leser*innen" (Verlag Edition Assemblage).

    1 hr 16 min
  • Folge 57: BauernSchlachten Teil 2Die erste deutsche RevolutionDer sogenannte „Bauernkrieg“ 1525

    Bis heute ist die Geschichte des Dramas vor 500 Jahren im Bewusstsein der Bevölkerung (zumindest in den Ländern der alten Bundesrepublik) so gut wie unbekannt; bestenfalls mit einigen falschen Klischees und Unwahrheiten der Geschichtsschreibung der Sieger verbunden.

    Dabei fand in diesem Jahr nichts weniger als die erste Revolution in Deutschland statt.

    Die einzelnen Rebellionen von Bauern und Bürgern der Jahrhunderte und Jahrzehnte zuvor kulminierten 1525 zur ersten Revolution in der Hälfte Deutschlands und in Nachbarregionen (und keineswegs nur in Süddeutschland, wie oft dargestellt wird).

    Zählt man alle Aktionen von Herbst 1524 bis Mitte 1526 zusammen, waren wohl 1 Million Menschen davon betroffen. Bei der Niederschlagung der Aufstände wurde 70.000 bis 100.000 Bauern und Bürger von den Heeren der Fürsten totgeschlagen, abgeschlachtet, hingerichtet – ermordet! Das Wüten der Herrschenden wurde von der Geschichtsschreibung der Sieger bis heute erfolgreich ausgeblendet und umgelogen. Dagegen wurde die Mär von den Morden der grausamen Bauernhaufen erfolgreich verbreitet. Doch im Vergleich waren es höchsten ein paar Hunderte, die auf der Seite der Fürsten bei den Kämpfen zu Tode kamen.

    Angetrieben wurden die Aufstände nicht nur von sozialer Not, sondern vor allem durch die ungerechte Behandlung der Bauern durch ihre Grundherren. Diese hatten zuvor immer stärker ihre Forderungen nach Abgaben, Frondiensten, Enteignung der Allmende, Einschränkung der Jagd- und Fischerei und weiterer seit alters her verbriefter Rechte erhöht und dies ohne Rechtsgrundlagen mit Gewalt durchgesetzt.

    Und sie kämpften für ihre Freiheit als Christenmenschen wie sie ihnen die Reformation versprochen hatte. Doch Luther erwies sich bald als Verräter ihrer Sache, schlug sich auf die Seite der Fürsten und rief immer heftiger zur Bekämpfung und brutalen Ermordung aufständischer Bauern auf.

    Podcastliteratur.de bringt in zwei Folgen Licht in das Dunkel dieser Ereignisse und wichtige Wahrheiten in die Lügen der damals Herrschenden. Der Autor, Kulturwissenschaftler und Liedermacher Volker Gallé aus Rheinhessen redet in den Folgen 56 und 57 mit Theo Schneider über die Ereignisse von 1525.

    Hier also in Folge 57, dem zweiten Teil von „BauernSchlachten“.

    Themen darin sind die 12 Artikel von Memmingen, die zentralen Forderungen der aufständischen Bauern, Handwerker und Bürger und ihre politischen, gesellschaftlichen und sozialen Hintergründe / Wer waren Anführer und Hauptakteure / Die Rolle der Reformation / Luthers Verrat und seine Mordaufrufe an den Bauern / Die Bewaffnung und Strategien der Bauertruppen / Die Kämpfe und Gemetzel / Das Bauernschlachten mit 70.000 bis 100.000 getöteten Bauern und Bürger / Mord und Totschlag / Die Folgen der Bauernaufstände / Was bleibt?

    weiterführende Literatur zum Thema Bauernkrieg finden Sie bei Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Bauernkrieg)

    Vita Volker Gallé

    Der Autor, Liedermacher und Kulturwissenschaftler Volker Gallé ist 70 Jahre alt und seit über 50 Jahren mit Kleinkunstprogrammen und Vorträgen unterwegs, die sich meist mit Geschichte und Kultur seiner linksrheinischen Heimat beschäftigen. Er lebt in Mauchenheim und war als Kulturkoordinator der Stadt Worms für die Entwicklung der Kulturprofile Nibelungen, Dom, Luther und SchUM-Städte zuständig. Lange Jahre war er Vorsitzender des Fördervereins der KZ-Gedenkstätte Osthofen.

    Derzeit engagiert er sich für die Profilierung der Demokratiegeschichte des Landes Rheinland-Pfalz als Motor für eine aktive Bürger/innenbeteiligung, die Begegnung von Verschiedenen an dritten Orten ermöglicht, und für mehr kommunale Selbstverwaltung eintritt.

    Biographie

    Texte und Lieder von Volker Gallé

    Neben mir mein herz. Lyrik 2025

    Worms – Stadt der Geschichten 2021
    Flügelschlag des Raben. Lyrik 2010
    rhein-hessen-blues. Lyrik 2008
    C’est la Vieh. Mundartlyrik 2001

    In den 1990er Jahren sind auch CD’s und Kasetten erschienen

    Herausgeber von Tagungsbänden der Stadt Worms, u.a.:
    Germanische Mythologie und Rechtsextremismus (2015); Joseph Süß Oppenheimer (2010); Über den Gebrauch der Vernunft. Theologie, Philosophie und Kultur um 1000 (2020); Die Burgunder (2009); Zwischenwelten. Das Rheinland um 1800 (2012)
    Aufsätze zur Regionalgeschichte, zuletzt: Adolf Bley -Pazifismus und Autonomie in der Pfalz, in: Besatzungszeit und Autonomiebewegungen im Gebiet von Rheinland-Pfalz 1918–1930, Ubstadt-Weiher 2025, Seite 246-253

    1 hr 10 min
  • Folge 56: BauernSchlachten Teil 1Die erste deutsche RevolutionDer sogenannte „Bauernkrieg“ 1525

    Bis heute ist die Geschichte des Dramas vor 500 Jahren im Bewusstsein der Bevölkerung (zumindest in den Ländern der alten Bundesrepublik) so gut wie unbekannt; bestenfalls mit einigen falschen Klischees und Unwahrheiten der Geschichtsschreibung der Sieger verbunden.

    Dabei fand in diesem Jahr nichts weniger als die erste Revolution in Deutschland statt.

    Die einzelnen Rebellionen von Bauern und Bürgern der Jahrhunderte und Jahrzehnte zuvor kulminierten 1525 zur ersten Revolution in der Hälfte Deutschlands und in Nachbarregionen (und keineswegs nur in Süddeutschland, wie oft dargestellt wird).

    Zählt man alle Aktionen von Herbst 1524 bis Mitte 1526 zusammen, waren wohl 1 Million Menschen davon betroffen. Bei der Niederschlagung der Aufstände wurde 70.000 bis 100.000 Bauern und Bürger von den Heeren der Fürsten totgeschlagen, abgeschlachtet, hingerichtet – ermordet! Das Wüten der Herrschenden wurde von der Geschichtsschreibung der Sieger bis heute erfolgreich ausgeblendet und umgelogen. Dagegen wurde die Mär von den Morden der grausamen Bauernhaufen erfolgreich verbreitet. Doch im Vergleich waren es höchsten ein paar Hunderte, die auf der Seite der Fürsten bei den Kämpfen zu Tode kamen.

    Angetrieben wurden die Aufstände nicht nur von sozialer Not, sondern vor allem durch die ungerechte Behandlung der Bauern durch ihre Grundherren. Diese hatten zuvor immer stärker ihre Forderungen nach Abgaben, Frondiensten, Enteignung der Allmende, Einschränkung der Jagd- und Fischerei und weiterer seit alters her verbriefter Rechte erhöht und dies ohne Rechtsgrundlagen mit Gewalt durchgesetzt.

    Und sie kämpften für ihre Freiheit als Christenmenschen wie sie ihnen die Reformation versprochen hatte. Doch Luther erwies sich bald als Verräter ihrer Sache, schlug sich auf die Seite der Fürsten und rief immer heftiger zur Bekämpfung und brutalen Ermordung aufständischer Bauern auf.

    Podcastliteratur.de wird in zwei Folgen Licht in das Dunkel dieser Ereignisse und wichtige Wahrheiten in die Lügen der damals Herrschenden bringen. Der Autor, Kulturwissenschaftler und Liedermacher Volker Gallé aus Rheinhessen redet in den Folgen 56 und 57 mit Theo Schneider über die Ereignisse von 1525.

    weiterführende Literatur zum Thema Bauernkrieg finden Sie bei Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Bauernkrieg)

    Vita Volker Gallé

    Der Autor, Liedermacher und Kulturwissenschaftler Volker Gallé ist 70 Jahre alt und seit über 50 Jahren mit Kleinkunstprogrammen und Vorträgen unterwegs, die sich meist mit Geschichte und Kultur seiner linksrheinischen Heimat beschäftigen. Er lebt in Mauchenheim und war als Kulturkoordinator der Stadt Worms für die Entwicklung der Kulturprofile Nibelungen, Dom, Luther und SchUM-Städte zuständig. Lange Jahre war er Vorsitzender des Fördervereins der KZ-Gedenkstätte Osthofen.

    Derzeit engagiert er sich für die Profilierung der Demokratiegeschichte des Landes Rheinland-Pfalz als Motor für eine aktive Bürger/innenbeteiligung, die Begegnung von Verschiedenen an dritten Orten ermöglicht, und für mehr kommunale Selbstverwaltung eintritt.

    Biographie

    Texte und Lieder von Volker Gallé

    Neben mir mein herz. Lyrik 2025

    Worms – Stadt der Geschichten 2021
    Flügelschlag des Raben. Lyrik 2010
    rhein-hessen-blues. Lyrik 2008
    C’est la Vieh. Mundartlyrik 2001

    In den 1990er Jahren sind auch CD’s und Kasetten erschienen

    Herausgeber von Tagungsbänden der Stadt Worms, u.a.:
    Germanische Mythologie und Rechtsextremismus (2015); Joseph Süß Oppenheimer (2010); Über den Gebrauch der Vernunft. Theologie, Philosophie und Kultur um 1000 (2020); Die Burgunder (2009); Zwischenwelten. Das Rheinland um 1800 (2012)
    Aufsätze zur Regionalgeschichte, zuletzt: Adolf Bley -Pazifismus und Autonomie in der Pfalz, in: Besatzungszeit und Autonomiebewegungen im Gebiet von Rheinland-Pfalz 1918–1930, Ubstadt-Weiher 2025, Seite 246-253

    1 hr
  • Kostprobe: Cliffhänger im BulliRalph Schock: „Interne Ermittlungen“ Erzählungen

    Die Kostprobe stellt das neue Buch des Saarländischen Autors Ralph Schock vor. Es versammelt in Inhalt und Form höchst unterschiedliche Erzählungen der vergangenen Jahre: Porträts von Personen, die für ihn wichtig waren, prägende Begegnungen und inspirierende Bekanntschaften, belastende, denkwürdige und kuriose Erinnerungen an Freunde und Familie, aus Kindheit, Reisen und Beruf.

    Die umfangreichste und spannendste Erzählung daraus, wird er selbst vorlesen, nachdem er kurz Inhalt und Entstehung seines neuen Prosabands skizziert hat.

    Ralph Schock wurde 1952 in Ottweiler im Saarland geboren, nach dem Zivildienst hat er in Saarbrücken Germanistik und Philosophie studiert und über Gustav Regler promoviert. Von 1987 bis 2017 war er Literaturredakteur beim Saarländischen Rundfunk, zuletzt Leiter der Literaturredaktion.
    Er hat zahlreiche literarische, journalistische und wissenschaftliche Bücher und Beiträge veröffentlicht und ist Herausgeber und Mitherausgeber wichtiger Werke von Autoren und über Literatur.

    Biographie:

    Geboren 1952 in Ottweiler (Saarland). Germanistik- und Philosophie-Studium. 1973 – 1974 Ersatzdienst. Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität des Saarlandes (1977 – 1984). 1984 Dissertation über Gustav Regler: „Literatur und Politik (1933 – 1940)“.

    Seit 1978 Mitglied im Schriftstellerverband (VS), seit 2010 im PEN.
    1987 – 2017 Literaturredakteur beim Saarländischen Rundfunk. Zahlreiche Gesprächssendungen mit Autoren bzw. zu literarischen Themen.

    Jurortätigkeit, u.a. Kunstpreis des Saarlandes; Open Mike (Berlin); Gustav-Regler-Preis; Hans-Bernhard-Schiff-Preis; Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis, Künstlerhaus Lukas (Ahrenshoop).

    Veröffentlichungen:

    Literarische, journalistische und wissenschaftliche Publikationen, u.a. Heinrich-Mann-Blätter, Jahrb. für internat. Germanistik, Frankfurter Hefte, Die Feder, Kunst & Kultur, VS – Vertraulich, Frankfurter Rundschau, OPUS, saargeschichte(n), Sinn und Form, europe, Text-Kritische Beiträge, Streckenläufer, Schreibheft etc.

    Herausgeber der Buchreihe Spuren (Texte von Theodor Balk, François-Régis Bastide, Alfred Döblin, Ilya Ehrenburg, Harald Gerlach, Hermann Hesse, Giwi Margwelaschwili, Joseph Roth, Philippe Soupault, Korrespondenz Eugen Helmlé – Georges Perec, Edith Aron, ).

    Herausgeber der Buchreihe Abiturreden (seit 1999). Reden von Wilhelm Genazino, Birgit Vanderbeke, Herta Müller, Guntram Vesper, Dieter Wellershoff, Raoul Schrott, Ulrike Kolb, Feridun Zaimoglu, Ulrich Peltzer, Christoph Hein, Juli Zeh, Thomas Hürlimann, Sibylle Lewitscharoff, Martin Mosebach. Jenny Erpenbeck, Marcel Beyer, Jan Wagner, Anne Weber.

    Mitherausgeber der Gustav-Regler-Werkausgabe, z.B.:

    • Juanita; 1998

    • Briefwechsel mit Klaus Mann (Supplement der Werkausgabe); 2013
    • Briefe 1915 – 1940 (hg. mit Günter Scholdt) 2013
    Verlag Stroemfeld/Roter Stern, Frankfurt a. M./Basel

    Publikationen zur zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur, Gespräche mit Autoren, Veröffentlichungen zur saarländischen Landes- und Literaturgeschichte.

    Weitere Buchveröffentlichungen:

    Ralph Schock: Gustav Regler – Literatur und Politik (1933-1940)

    (Saarbrücker Beiträge zur Literaturwissenschaft, Bd. 10)
    R.G. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 1984

    Ralph Schock (Hg.):

    „Haltet die Saar, Genossen!“ – Antifaschistische Schriftsteller im Abstimmungskampf 1935
    Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn – Berlin 1984

    Theodor Balk: Hier spricht die Saar – Ein Land wird interviewt

    Hg. mit e. Nachwort von Ralph Schock
    Werner J. Röhrig Verlag, St. Ingbert 1984

    Gustav Regler – Dokumente und Analysen – Tagebuch 1940 und Werkinterpretationen – Festgabe für Gerhard Schmidt-Henkel,

    Hg. von Uwe Grund, Ralph Schock u. Günter Scholdt,
    Saarbrücker Druckerei u. Verlag, Saarbrücken 1985
    ISBN 3-921646-97-9

    Saargeschichte im Plakat 1918 – 1957

    Hg. von Gerhard Paul und Ralph Schock
    Buchverlag Saarbrücker Zeitung, Saarbrücken 1987

    In diesem fernen Land – Eine saarländische Anthologie

    Hg. von Ralph Schock und Erhard Schmied
    Edition Karlsberg, Homburg 1993

    Ein Dialog zwischen Blinden und Taubstummen – Der VS-Kongreß 1984 in Saarbrücken – Eine Dokumentation. Mit einem Nachwort von Carl Amery

    Hg. von Ralph Schock, Klaus Behringer u. Uschi Schmidt-Fehringer
    Gollenstein Verlag, Blieskastel 1995
    -- später als Audio-CD-Ausgabe:
    2 CDs, SR 2 Edition Nr. 2, hg. von Ralph Schock u. Klaus Behringer
    Saarländischer Rundfunk, Saarbrücken 2009

    Richtig daheim waren wir nie – Entdeckungsreisen ins Saarrevier 1815 – 1955.

    Hg. von Ralph Schock, Klaus-Michael Mallmann, Gerhard Paul und Reinhard Klimmt
    J.H.W. Dietz Nachf., Bonn 1995
    ISBN 3-8012-0124-4

    Gustav Regler:

    Mexiko – Das Land der Widersprüche – Gustav Regler liest
    Länge: 72‘41“
    Redaktion: Ralph Schock
    SR 2 KulturRadio, Saarbrücken, und Stroemfeld-Verlag, Frankfurtsr2 edition 1998

    Randwortfaktor – Saarbrücker Literaturtage in Otzenhausen 1999 – Eine Dokumentation

    Hg. von Ralph Schock (u.a.)
    PoCul Verlag für Politik und Cultur, Saarbrücken 2001

    „Seit ein Gespräch wir sind“ – Ein Buch über Arnfrid Astel

    Hg. von Ralph Schock u. Michael Buselmeier
    Gollenstein Verlag, Blieskastel 2003

    Günter Grass / Hermann Kant:

    Ich mache Sie mitverantwortlich … - Das Streitgespräch zur DDR-Vergangenheit am 21. März 2010 im Berliner Ensemble
    Hg. von Kai Schlüter u. Ralph Schock
    1 CD, SR 2 Edition Nr. 5
    Saarländischer Rundfunk, Saarbrücken 2010

    Gerhard Paul / Ralph Schock (Hg.):

    Sound des Jahrhunderts – Geräusche, Töne, Stimmen 1889 bis heute
    Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2013
    ISBN 978-3-8389-7096-7
    und
    Sound der Zeit – Geräusche, Töne, Stimmen – 1889 bis heute
    Wallstein Verlag, Göttingen 2014
    ISBN 978-3-8353-1568-6

    Ralph Schock (Hg.):

    „Cher Georges“ – „Cher Eugen“ – Die Korrespondenz zwischen Eugen Helmlé und Georges Perec (1966 – 1982)
    Reihe Spuren.
    Conte-Verlag, St. Ingbert 2015
    ISBN 978-3-95602-033-9

    Der liebste Ort auf Erden – Klogeschichten

    Unionsverlag, Zürich 2015
    ISBN 978-3-293-00486-3

    Markus Gestier, Ralph Schock (Hg.):

    Verleger, Autor, Politiker – Ein Buch für Alfred Diwersy
    Conte-Verlag, St. Ingbert 2017
    ISBN 978-3-95602-118-3

    W.G. Sebald:

    Eine Hommage – Mit einer Lesung von W. G. Sebald sowie Erinnerungen an Max
    Beiträge von W. G. Sebald und Sigrid Damm, Wolfgang Hörner, Michael Krüger, Florian Radvan, Ralph Schock, Uwe Schütte, Jan Peter Tripp.
    Hg. von Ralph Schock
    SR 2 Edition Nr. 14, 2 CDs (73’26 & 72‘01“), Saarländischer Rundfunk 2017

    Ralph Schock:

    Kaffeeschmuggler und Steckdosenmäuse – Eine Kindheit in den 50ern
    Verbrecher-Verlag, Berlin, 2017
    ISBN 978-3-95732-278-4

    Ralph Schock (Hg.):

    Joseph Roth: Die Rebellion
    Wallstein Verlag, Göttingen 2020²
    ISBN 978-3-8353-3690-2

    Ralph Schock (Hg.):

    Also heraus und weit weg! Expressionismus - Eine Epoche und die Saarregion - Lese- und Bilderbuch (Reihe Spuren), Conte-Verlag, St. Ingbert 2020
    ISBN 978-3-9560-2208-1

    Ralph Schock (Hg.):

    Edith Aron: Auf Wegen und Pfaden – Ein Lesebuch (Reihe Spuren), Conte-Verlag, St. Ingbert 2023, ISBN 978-3-95602-264-7

    Ralph Schock (Hg.):

    Georg K. Glaser: Die Geschichte des Weh, Werke Bd. 4
    ça ira-Verlag, Freiburg/Wien 2023, ISBN 978-3-86259-186-2

    Ralph Schock:

    Interne Ermittlungen. Erzählungen, Verbrecher-Verlag, Berlin 2024
    ISBN 978-3-95732-596-9
    Die vollständige Biobibliographie von Ralph Schock kann hier heruntergeladen werden (Stand Dez. 2024):

    (entnommen aus: „VS-Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller/ Verdi – Landesverband Saar“)

    30 min
  • Folge 55: „Solange ich atme, hoffe ich“ Teil 2Zum 140. Geburtstag von Ernst Bloch –Philosoph des Prinzips Hoffnung am 8.7.2025

    Eine Tour d`Horizon durch Leben und Werk mit Prof. Francesca Vidal, der Präsidentin der Ernst-Bloch-Gesellschaft und Herausgeberin des Ernst-Bloch-Almanachs und Theo Schneider.

    In Teil 2:

    Bloch und Karl May / Fantasien der Kinder / Bloch als Gegner der Nazis / Emigration und Exil in den USA / Was meint „Prinzip Hoffnung“? / Professur in Leipzig / Kritik des Dogmatismus in der DDR / Mobbing und Berufsverbot in der DDR / Übersiedlung in die BRD und Professur in Tübingen / Bloch und die Studentenrevolte um 1968 / Kritik an bundesrepublikanischen Verhältnissen / Prag 1968 / Bloch als Philosoph eines Dritten Wegs zwischen Kapitalismus und Kommunismus / Blochs Philosophie heute in Deutschland und der Welt

    Wer ist Ernst Bloch?
    Ernst Bloch gilt als einer der wichtigsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts.

    In der "Geschichte der Philosophie" wird seine Sonderstellung herausgehoben: "Es muß noch von einem Mann berichtet werden, der nirgendwo hinpaßt, nicht ins Kaiserreich und nicht in die Weimarer Republik, der vor dem Faschismus in die Tschechoslowakei, dann in die USA emigrieren mußte, der von 1949 bis 1961 Philosophieprofessor in Leipzig war, aber, weil man ihn dort nicht mehr haben wollte, 1961 in die Bundesrepublik umgesiedelt ist, um schließlich in Tübingen weiter Philosophie zu lehren, bis er 1977 im Alter von 92 Jahren gestorben ist. Er erscheint nicht am Ende dieses Abschnitts des europäischen Denkens, weil er etwa als Summe oder letztes Wort zu verstehen ist. Er tritt an den Schluß [der neuzeitlichen Philosophie, Anmerkung der Redaktion.], weil er in einer verzagten, skeptischen und zerrissenen Zeit noch immer sehr viel zu sagen hat. Als Kontrapunkt, denn Ernst Bloch – von dem hier die Rede ist – ist ein Philosoph der Hoffnung. Sein Leben lang hat sein Leben dem gegolten, was in der Vergangenheit ‚unerledigt‘ geblieben ist, womit die Gegenwart schwanger geht – das Morgen im Heute, das Mögliche, das bessere Leben, die konkrete Utopie." (Christoph Helferich, Geschichte der Philosophie, Metzler, Stuttgart 2001, 444)

    Ernst Bloch wurde 1885 im damals bayrischen Ludwigshafen am Rhein in einem jüdischen Elternhaus geboren und studierte nach dem Abitur in München und Würzburg u.a. Philosophie. In den Jahren nach seiner Promotion schloss er Freundschaft mit u.a. Georg Lukács und verkehrte im Heidelberger Kreis um Max Weber. 1918 erschien das bedeutende Frühwerk Geist der Utopie.

    Schon 1917 war Bloch in die Schweiz emigriert und hatte in Zeitungsartikeln und Broschüren gegen den Ersten Weltkrieg Stellung bezogen. Aus diesem politischen Engagement erwuchs die Begeisterung für die russische Revolution und die Ausrufung der deutschen Republik. Den letzten Zielhorizont, der den revolutionären Aufbrüchen die Hoffnung verleiht, bildet für Bloch die Eschatologie, wie er in Thomas Münzer als Theologe der Revolution am Beispiel der Bauernkriege zeigt.

    In den zwanziger Jahren lebte Bloch vor allem in Berlin und hielt sich auch längere Zeit in Italien und Frankreich auf. Die philosophische Arbeit trat zurück, er schrieb Feuilletonartikel und literarische Aufsätze in den großen linksdemokratischen und liberalen Periodika der Weimarer Republik wie Berliner Tageblatt, Frankfurter Zeitung, Das Tage-Buch oder Die Weltbühne.

    Spuren, eines der schönsten Bücher Ernst Blochs, sammelt kurze erzählende Texte, die sich – annäherungsweise – als Parabeln definieren lassen und die zur Schullektüre geworden sind. Das Buch ist kein Nebenwerk des Philosophen, sondern wird von diesem später programmatisch als Band 1 an den Anfang der Gesamtausgabe gestellt.

    1933 verließ Bloch Nazi-Deutschland – und beteiligte sich am publizistischen Kampf der Exilpresse gegen den Nationalsozialismus (z.B. in Freies Deutschland (Mexiko) oder in der Prager Neuen Weltbühne), den er schon früh etwa in dem 1924 erschienenen Aufsatz "Hitlers Gewalt" präzise kritisch analysiert hatte. Mit Erbschaft dieser Zeit, das große Beachtung fand (lobende Rezensionen u.a. von Thomas Mann und Hermann Hesse, aber Kritik aus Moskau), bescheinigt Bloch der Weimarer Linken von SPD bis KPD eine "Unterernährung an sozialistischer Phantasie" und fragt, ob es den Nazis nicht vielleicht aus diesem Grund so leicht gelang, die in den Widersprüchen der ungleichzeitigen Gesellschaft brennenden Energien für ihre Zwecke auszubeuten. Das Exil in den USA schnitt Bloch über ein Jahrzehnt lang von Publikationsmöglichkeiten seines philosophischen Werkes ab, dennoch arbeitete er höchst produktiv an umfangreichen Manuskripten wie Dreams of a better life (so der ursprüngliche Titel von Das Prinzip Hoffnung), aber auch am Naturrecht und am Buch Subjekt-Objekt. Erläuterungen zu Hegel.

    1949 war Bloch auf einen Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Leipzig berufen worden. Der von Anfang an schwelende Konflikt mit der SED brach 1956 offen aus, Blochs Philosophie wurde als "antimarxistisch" und "revisionistisch" heftig attackiert. Er durfte keine Vorlesungen mehr halten, seine Bücher wurden nicht mehr gedruckt. Es bleibt Blochs Verdienst, gegenüber der Staatsideologie antidogmatisch aufgetreten zu sein. Wer unter seinem Einfluss gestanden hatte – so die Bilanz des ansonsten gegenüber Bloch sehr kritischen Philosophen Leszek Kolakowski –, habe nicht mehr widerstandslos die Partei-Schemata geschluckt.

    Kurz nach dem Bau der Berliner Mauer kehrten Ernst und Karola Bloch von einer Reise nicht mehr in die DDR zurück, sondern siedelten sich dauerhaft im Westen an: Ernst Bloch lehrte nun als Gastprofessor in Tübingen, wo er als 76-Jähriger zu Beginn des Wintersemesters 1961 unter gewaltigem Zustrom die Antrittsvorlesung "Kann Hoffnung enttäuscht werden?" hielt und mehr und mehr zum Stichwortgeber der studentischen Proteste im Deutschland der sechziger Jahre wurde. Nach dem frühen Ruhm mit Geist der Utopie und Blochs Zeit als Professor in der DDR, begann hier die dritte große Wirkungsphase: Gesamtausgabe im Suhrkamp Verlag, zahlreiche Vorträge im In- und Ausland, weltweite Rezeption, Präsenz in den Medien, internationale Ehrungen. Bis zuletzt tätig, starb Bloch 1977 in Tübingen im Alter von fast 92 Jahren.

    Biografie

    '1885

    '8. Juli: Ernst Bloch wird als Sohn des jüdischen Eisenbahnbeamten Max Bloch und dessen jüdischer Ehefrau Berta (geb. Feitel) in Ludwigshafen geboren.
    1905-1908
    Studium der Philosophie, Physik, Germanistik und Musik in München und Würzburg.
    1908
    Juli: Promotion in Philosophie an der Würzburger Universität.
    1908-1914
    Tätigkeit als Privatlehrer und Publizist in Berlin und Heidelberg.
    In Heidelberg gehört er dem Kreis um Max Weber an.
    1913
    Heirat mit Else von Stritzky.
    1915
    Übersiedlung nach Grünwald bei München.
    Bloch protestiert in einigen Veröffentlichungen gegen die deutsche Politik im Ersten Weltkrieg.
    1917-1919
    Exil in der Schweiz aus pazifistischer Überzeugung.
    1918
    Sein erstes philosophisches Hauptwerk erscheint. In "Geist der Utopie" philosophiert Bloch über eine humane Gesellschaft.
    1919/20
    Rückkehr nach Deutschland.
    1920-1933
    Tätigkeit als Publizist.
    Aufenthalte in Berlin, Südfrankreich, Italien, Paris und Nordafrika.
    Bloch spricht sich öffentlich gegen die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) aus.
    1921
    Tod seiner Ehefrau.
    1922
    Veröffentlichung von "Thomas Müntzer als Theologe der Revolution".
    1933
    Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler wird Bloch ausgebürgert.
    Emigration in die Schweiz.
    1934
    Heirat mit der jüdischen Architektin Karola Piotrkowska (1905-1994). Aus der Ehe geht ein Sohn hervor.
    1934/35
    Aufenthalt in Paris. Bloch gehört dem Kreis um den Dramatiker und Mitbegründer des Dadaismus Hugo Ball (1886-1927) an.
    Teilnahme am Pariser "Kongreß der Antifaschisten".
    1936-1938
    Aufenthalt in der Tschechoslowakei.
    Bloch publiziert in der Prager Exilzeitschrift "Die Neue Weltbühne".
    1938
    Nach dem Münchner Abkommen entschließt sich Bloch zur Emigration nach New York.
    1938-1948
    Aufenthalt in den USA. Bloch arbeitet an seinem dreibändigen Hauptwerk "Das Prinzip Hoffnung". Der Philosoph formuliert hier seine Hoffnung auf eine Welt, in der die Entfremdung des Menschen von Gesellschaft und Natur überwunden sein wird.
    1944
    Er gründet gemeinsam mit Alfred Döblin, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, John Heartfield und Heinrich Mann den Aurora-Verlag in New York.
    1948
    Bloch nimmt die Professur für Philosophie an der Universität Leipzig an.
    1949
    Er lehnt den Ruf der Universität Frankfurt/Main ab.
    1951
    Veröffentlichung von "Subjekt-Objekt."
    1953-1956
    Herausgeber der "Deutschen Zeitschrift für Philosophie". Bloch äußert sich hier auch kritisch über die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED).
    1954-1959
    Publikation von "Das Prinzip Hoffnung".
    1955
    Bloch wird mit dem Nationalpreis der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) geehrt.
    1957
    Er wird wegen seiner offenen Kritik an der doktrinären Erstarrung des Marxismus in der DDR und wegen seiner kritischen Beurteilung der Niederschlagung des Ungarnaufstand zwangsemeritiert.
    1959-1978
    Veröffentlichung der Gesamtausgabe seiner Werke in 17 Bänden.
    1961
    Während einer Vortragsreise in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) wird Bloch mit seiner Frau vom Mauerbau überrascht. Das Ehepaar entscheidet sich, nicht in die DDR zurückzukehren.
    Er nimmt die Professur für Philosophie an der Universität Tübingen an.
    1962
    Bloch wird von der Ostberliner Akademie der Wissenschaften ausgeschlossen.
    1963
    Veröffentlichung von "Die Tübinger Einleitung in die Philosophie".
    Publikation von "Naturrecht und menschliche Würde". Bloch verknüpft hier die Prinzipien des jungen Marx mit dem Naturrechtsgedanken in der Aufklärung.
    1964
    Er wird mit dem Kulturpreis des Deutschen Gewerkschaftsbunds geehrt.
    ab 1966
    Bloch protestiert öffentlich gegen die amerikanische Intervention in Vietnam.
    Durch seine Philosophie und seine politische Grundhaltung ist er gemeinsam mit Theodor W. Adorno und Max Horkheimer (1895-1973) eine der Leitfiguren der Studentenbewegung.
    1967
    Bloch erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
    1968
    Veröffentlichung von "Atheismus im Christentum".
    1969
    Ihm wird von der Universität Zagreb die Ehrendoktorwürde verliehen.
    1970
    Blochs Geburtsstadt Ludwigshafen verleiht ihm die Ehrenbürgerschaft.
    1972
    Publikation von "Das Materialismusproblem".
    Veröffentlichung seiner Schriften "Vom Hasard zur Katastrophe. Politische Aufsätze 1934-39".
    1975
    Publikation seiner Kategorienlehre "Experimentum Mundi", an der Bloch bereits vor dem Ersten Weltkrieg gearbeitet hat.
    Sowohl die Pariser Sorbonne als auch die Universität Tübingen verleihen Bloch die Ehrendoktorwürde.
    Er wird zum Ehrenmitglied der Akademie der Künste ernannt.
    Bloch erhält den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa.
    1977
    4. August: Ernst Bloch stirbt in Tübingen.
    1978
    Das "Sozialistische Büro" veranstaltet an der Universität Tübingen erstmalig die "Ernst-Bloch-Tage".
    1979
    Gründung des "Ernst-Bloch-Archivs" in Tübingen.
    1984
    Die Stadt Tübingen stiftet den "Ernst-Bloch-Preis".
    1985
    Publikation von "Kampf, nicht Krieg. Politische Schriften 1917-19".
    Gründung der "Ernst-Bloch-Assoziation" mit Sitz in Nürnberg.
    ab 1985
    Vergabe des "Ernst-Bloch-Preises" durch die Stadt Ludwigshafen.
    Stiftung einer Ernst-Bloch-Professur in Tübingen durch den Suhrkamp-Verlag.
    1986
    Gründung der "Ernst-Bloch-Gesellschaft" in Ludwigshafen.
    1989
    Ernst Bloch wird postum in der DDR rehabilitiert.

    (Susanne Eckelmann, Antonia Meiners, © Deutsches Historisches Museum, Berlin, Stand: 17. März 2021, Text: CC BY NC SA 4.0)

    Lektürehinweise zur Biographie Ernst Blochs:

    Gert Ueding

    WO NOCH NIEMAND WAR: Erinnerungen an Ernst Bloch.
    Klöpfer & Meyer, Tübingen 2016.

    BLOCH. Eine Bildmonographie

    Hrsg. Ernst-Bloch-Zentrum, erarbeitet von Karlheinz Weigand, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007.

    Arno Münster

    ERNST BLOCH: Eine politische Biographie.
    Philo & Philo, Berlin / Wien 2004.

    Peter Zudeik

    DER HINTERN DES TEUFELS: Ernst Bloch – Leben und Werk.
    Elster Verlag, Baden-Baden 1985.

    ERNST BLOCH: BRIEFE. 1903 – 1975. Zwei Bände.

    Hrsg. von Karola Bloch, Jan Robert Bloch, Anne Frommann u.a., Suhrkamp Verlag 1985.

    Karola Bloch

    AUS MEINEM LEBEN.
    Verlag Günther Neske, Pfullingen 1981.

    Silvia Markun

    ERNST BLOCH IN SELBSTZEUGNISSEN. rororo Bildmonographie.
    Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1977

    (aus: Webseite Ernst Bloch Zentrum Ludwighafen)

    Ernst Bloch Zentrum Ludwigshafen

    Das Ernst-Bloch-Zentrum ist ein Kultur- und Wissenschaftsinstitut, das sich mit Utopien, Zukunftsthemen und kritischen Fragen der Zeit beschäftigt. Seine mehrgliedrigen Aktivitäten – Archiv und Bibliothek, Forschung, kulturelles und wissenschaftliches Veranstaltungsprogramm, Bildungsprogramm für verschiedenen Zielgruppen, Ausstellungsaktivität im Hinblick auf die Dauer- und auf wechselnde Sonderausstellungen - eröffnen unterschiedliche Zugänge mit dem Ziel, einerseits als eine Ermöglichungsplattform für die Forschungstätigkeit externer Wissenschaftler*innen zu dienen und andererseits wissenschaftliche Forschungsergebnisse, philosophische Konzepte und aktuelle intellektuelle und politische Debatten für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen. Ausgangspunkt für diesen Ansatz ist die Philosophie Ernst Blochs mit ihren Leitthemen „Prinzip Hoffnung“, „aufrechter Gang“ und „konkrete Utopie“, die sich als Denkmodelle anbieten. Aus diesen Themen wird die Bedeutung von Blochs Denken für die heutige Zeit – auch über philosophische Ideen hinaus – abgeleitet, etwa für die Künste, die Arbeitswelt, das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen, die Religion. In der ständigen Ausstellung wird das auf Glasplatte begehbare Tübinger Arbeitszimmer Ernst Blochs präsentiert. Das Bloch-Archiv mit dem privaten und wissenschaftlichen Nachlass und die Bibliothek vermitteln Zugänge zu Leben und Werk des Philosophen.

    Ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm behandelt kulturelle, philosophische und Bildungsthemen und soll Akzente für zukunftsfähiges Denken und humanes Handeln setzen. Mit seinen interdisziplinären Veranstaltungen und Diskursen richtet sich das Ernst-Bloch-Zentrum an ein breites Publikum, ganz im Sinne „öffentlicher Wissenschaft". Talk bei Bloch, Vorträge und Tagungen behandeln zeitkritische und utopische Themen und bringen Fachexperten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft mit einem kritischen Publikum zusammen. Bei Autoren bei Bloch sind bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu Gast. Sonderausstellungen ergänzen das Programm, mit Führungen und Workshops kommt das Ernst-Bloch-Zentrum seinem Bildungsauftrag nach.

    Bibliografie

    Auswahl-Bibliographie (chronologische Auflistung)

    Primärliteratur

    Ernst Bloch – Arnold Metzger

    WIR ARBEITEN IM SELBEN BERGWERK
    Briefwechsel 1942 – 1972
    Karola Bloch, Ilse Metzger, Eberhard Braun (Hrsg.); Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 1987.

    Ernst Bloch

    VOM HASARD ZUR KATASTROPHE
    Politische Aufsätze 1934 – 1939
    Volker Michels (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 1972.

    Ernst Bloch – Wieland Herzfelde

    WIR HABEN DAS LEBEN WIEDER VOR UNS
    Briefwechsel 1938 – 1949
    Jürgen Jahn (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 2001.

    Ernst Bloch

    DAS ABENTEUER DER TREUE
    Briefe an Karola Bloch 1928 – 1949
    Anna Czajka (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 2005.

    Ernst Bloch

    KAMPF NICHT KRIEG
    Politische Schriften 1917-1919
    Martin Korol (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 1985.

    Ernst Bloch

    DER UNBEMERKTE AUGENBLICK
    Feuilletons für die Frankfurter Zeitung 1916-1934
    Ralf Becker (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 2007

    Ernst Bloch

    LOGOS DER MATERIE
    Eine Logik im Werden
    Aus dem Nachlass 1923-1949
    Gerardo Cunico (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 2000.

    Rainer Traub, Harald Wieser (Hrsg.)

    GESPRÄCHE MIT ERNST BLOCH
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 1977.

    Ernst Bloch

    VIELE KAMMERN IM WELTHAUS
    Einer Auswahl aus dem Werk
    Friedrich Dieckmann / Jürgen Teller (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 1974.

    Ernst Bloch

    AUSGEWÄHLTE SCHRIFTEN
    Band 1: Grundfragen der Philosophie
    Band 2: Gesellschaft und Kultur
    Johann Kreuzer (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Berlin 2010.

    Ernst Bloch

    LEIPZIGER VORLESUNG ZUR GESCHICHTE DER PHILOSOPHIE
    Band 1: Antike Philosophie
    Band 2: Christliche Philosophie des Mittelalters Philosophie der Renaissance
    Band 3: Neuzeitliche Philosophie I: Von Descartes bis Rousseau
    Band 4: Neuzeitliche Philosophie II: Deutscher Idealismus Die Philosophie des 19. Jahrhunderts
    Ruth Römer / Burghard Schmidt (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 1985.

    54 min
  • Folge 54: „Solange ich atme, hoffe ich“ Teil 1Ernst Bloch zum 140. Geburtstag am 8.7.2025Eine Tour d` Horizon um Leben und Werk des Philosophen des Prinzip Hoffnung

    Prof. Francesca Vidal, Präsidentin der Ernst-Bloch-Gesellschaft und Herausgeberin des Ernst-Bloch-Jahrbuchs im Gespräch mit Theo Schneider.

    In Teil 1:

    Geburt 1885 in Ludwigshafen / Herkunft aus einer säkularen jüdischen Familie der Pfalz / Zwei Seestädte auf dem Land: das junge, proletarisch dreckige Ludwigshafen und das alte, barock prunkende Mannheim / frühe selbstbewusste Leidenschaft für Denken und Philosophie / Studium und Promotion / Entdeckung seines Lebensthemas: der Vorschein einer besseren Zukunft in schlechter Gegenwart und den Niederlagen der Vergangenheit / Ästhetik / Musik und Literatur / „Thomas Münzer“ / Bloch und die Religion, Judentum und Christentum, das messianische Element / „Spuren“ / Bloch als Vielschreiber und Feuilletonautor / „Erbschaft dieser Zeit“

    Wer ist Ernst Bloch?
    Ernst Bloch gilt als einer der wichtigsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts.

    In der "Geschichte der Philosophie" wird seine Sonderstellung herausgehoben: "Es muß noch von einem Mann berichtet werden, der nirgendwo hinpaßt, nicht ins Kaiserreich und nicht in die Weimarer Republik, der vor dem Faschismus in die Tschechoslowakei, dann in die USA emigrieren mußte, der von 1949 bis 1961 Philosophieprofessor in Leipzig war, aber, weil man ihn dort nicht mehr haben wollte, 1961 in die Bundesrepublik umgesiedelt ist, um schließlich in Tübingen weiter Philosophie zu lehren, bis er 1977 im Alter von 92 Jahren gestorben ist. Er erscheint nicht am Ende dieses Abschnitts des europäischen Denkens, weil er etwa als Summe oder letztes Wort zu verstehen ist. Er tritt an den Schluß [der neuzeitlichen Philosophie, Anmerkung der Redaktion.], weil er in einer verzagten, skeptischen und zerrissenen Zeit noch immer sehr viel zu sagen hat. Als Kontrapunkt, denn Ernst Bloch – von dem hier die Rede ist – ist ein Philosoph der Hoffnung. Sein Leben lang hat sein Leben dem gegolten, was in der Vergangenheit ‚unerledigt‘ geblieben ist, womit die Gegenwart schwanger geht – das Morgen im Heute, das Mögliche, das bessere Leben, die konkrete Utopie." (Christoph Helferich, Geschichte der Philosophie, Metzler, Stuttgart 2001, 444)

    Ernst Bloch wurde 1885 im damals bayrischen Ludwigshafen am Rhein in einem jüdischen Elternhaus geboren und studierte nach dem Abitur in München und Würzburg u.a. Philosophie. In den Jahren nach seiner Promotion schloss er Freundschaft mit u.a. Georg Lukács und verkehrte im Heidelberger Kreis um Max Weber. 1918 erschien das bedeutende Frühwerk Geist der Utopie.

    Schon 1917 war Bloch in die Schweiz emigriert und hatte in Zeitungsartikeln und Broschüren gegen den Ersten Weltkrieg Stellung bezogen. Aus diesem politischen Engagement erwuchs die Begeisterung für die russische Revolution und die Ausrufung der deutschen Republik. Den letzten Zielhorizont, der den revolutionären Aufbrüchen die Hoffnung verleiht, bildet für Bloch die Eschatologie, wie er in Thomas Münzer als Theologe der Revolution am Beispiel der Bauernkriege zeigt.

    In den zwanziger Jahren lebte Bloch vor allem in Berlin und hielt sich auch längere Zeit in Italien und Frankreich auf. Die philosophische Arbeit trat zurück, er schrieb Feuilletonartikel und literarische Aufsätze in den großen linksdemokratischen und liberalen Periodika der Weimarer Republik wie Berliner Tageblatt, Frankfurter Zeitung, Das Tage-Buch oder Die Weltbühne.

    Spuren, eines der schönsten Bücher Ernst Blochs, sammelt kurze erzählende Texte, die sich – annäherungsweise – als Parabeln definieren lassen und die zur Schullektüre geworden sind. Das Buch ist kein Nebenwerk des Philosophen, sondern wird von diesem später programmatisch als Band 1 an den Anfang der Gesamtausgabe gestellt.

    1933 verließ Bloch Nazi-Deutschland – und beteiligte sich am publizistischen Kampf der Exilpresse gegen den Nationalsozialismus (z.B. in Freies Deutschland (Mexiko) oder in der Prager Neuen Weltbühne), den er schon früh etwa in dem 1924 erschienenen Aufsatz "Hitlers Gewalt" präzise kritisch analysiert hatte. Mit Erbschaft dieser Zeit, das große Beachtung fand (lobende Rezensionen u.a. von Thomas Mann und Hermann Hesse, aber Kritik aus Moskau), bescheinigt Bloch der Weimarer Linken von SPD bis KPD eine "Unterernährung an sozialistischer Phantasie" und fragt, ob es den Nazis nicht vielleicht aus diesem Grund so leicht gelang, die in den Widersprüchen der ungleichzeitigen Gesellschaft brennenden Energien für ihre Zwecke auszubeuten. Das Exil in den USA schnitt Bloch über ein Jahrzehnt lang von Publikationsmöglichkeiten seines philosophischen Werkes ab, dennoch arbeitete er höchst produktiv an umfangreichen Manuskripten wie Dreams of a better life (so der ursprüngliche Titel von Das Prinzip Hoffnung), aber auch am Naturrecht und am Buch Subjekt-Objekt. Erläuterungen zu Hegel.

    1949 war Bloch auf einen Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Leipzig berufen worden. Der von Anfang an schwelende Konflikt mit der SED brach 1956 offen aus, Blochs Philosophie wurde als "antimarxistisch" und "revisionistisch" heftig attackiert. Er durfte keine Vorlesungen mehr halten, seine Bücher wurden nicht mehr gedruckt. Es bleibt Blochs Verdienst, gegenüber der Staatsideologie antidogmatisch aufgetreten zu sein. Wer unter seinem Einfluss gestanden hatte – so die Bilanz des ansonsten gegenüber Bloch sehr kritischen Philosophen Leszek Kolakowski –, habe nicht mehr widerstandslos die Partei-Schemata geschluckt.

    Kurz nach dem Bau der Berliner Mauer kehrten Ernst und Karola Bloch von einer Reise nicht mehr in die DDR zurück, sondern siedelten sich dauerhaft im Westen an: Ernst Bloch lehrte nun als Gastprofessor in Tübingen, wo er als 76-Jähriger zu Beginn des Wintersemesters 1961 unter gewaltigem Zustrom die Antrittsvorlesung "Kann Hoffnung enttäuscht werden?" hielt und mehr und mehr zum Stichwortgeber der studentischen Proteste im Deutschland der sechziger Jahre wurde. Nach dem frühen Ruhm mit Geist der Utopie und Blochs Zeit als Professor in der DDR, begann hier die dritte große Wirkungsphase: Gesamtausgabe im Suhrkamp Verlag, zahlreiche Vorträge im In- und Ausland, weltweite Rezeption, Präsenz in den Medien, internationale Ehrungen. Bis zuletzt tätig, starb Bloch 1977 in Tübingen im Alter von fast 92 Jahren.

    Biografie

    '1885

    '8. Juli: Ernst Bloch wird als Sohn des jüdischen Eisenbahnbeamten Max Bloch und dessen jüdischer Ehefrau Berta (geb. Feitel) in Ludwigshafen geboren.
    1905-1908
    Studium der Philosophie, Physik, Germanistik und Musik in München und Würzburg.
    1908
    Juli: Promotion in Philosophie an der Würzburger Universität.
    1908-1914
    Tätigkeit als Privatlehrer und Publizist in Berlin und Heidelberg.
    In Heidelberg gehört er dem Kreis um Max Weber an.
    1913
    Heirat mit Else von Stritzky.
    1915
    Übersiedlung nach Grünwald bei München.
    Bloch protestiert in einigen Veröffentlichungen gegen die deutsche Politik im Ersten Weltkrieg.
    1917-1919
    Exil in der Schweiz aus pazifistischer Überzeugung.
    1918
    Sein erstes philosophisches Hauptwerk erscheint. In "Geist der Utopie" philosophiert Bloch über eine humane Gesellschaft.
    1919/20
    Rückkehr nach Deutschland.
    1920-1933
    Tätigkeit als Publizist.
    Aufenthalte in Berlin, Südfrankreich, Italien, Paris und Nordafrika.
    Bloch spricht sich öffentlich gegen die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) aus.
    1921
    Tod seiner Ehefrau.
    1922
    Veröffentlichung von "Thomas Müntzer als Theologe der Revolution".
    1933
    Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler wird Bloch ausgebürgert.
    Emigration in die Schweiz.
    1934
    Heirat mit der jüdischen Architektin Karola Piotrkowska (1905-1994). Aus der Ehe geht ein Sohn hervor.
    1934/35
    Aufenthalt in Paris. Bloch gehört dem Kreis um den Dramatiker und Mitbegründer des Dadaismus Hugo Ball (1886-1927) an.
    Teilnahme am Pariser "Kongreß der Antifaschisten".
    1936-1938
    Aufenthalt in der Tschechoslowakei.
    Bloch publiziert in der Prager Exilzeitschrift "Die Neue Weltbühne".
    1938
    Nach dem Münchner Abkommen entschließt sich Bloch zur Emigration nach New York.
    1938-1948
    Aufenthalt in den USA. Bloch arbeitet an seinem dreibändigen Hauptwerk "Das Prinzip Hoffnung". Der Philosoph formuliert hier seine Hoffnung auf eine Welt, in der die Entfremdung des Menschen von Gesellschaft und Natur überwunden sein wird.
    1944
    Er gründet gemeinsam mit Alfred Döblin, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, John Heartfield und Heinrich Mann den Aurora-Verlag in New York.
    1948
    Bloch nimmt die Professur für Philosophie an der Universität Leipzig an.
    1949
    Er lehnt den Ruf der Universität Frankfurt/Main ab.
    1951
    Veröffentlichung von "Subjekt-Objekt."
    1953-1956
    Herausgeber der "Deutschen Zeitschrift für Philosophie". Bloch äußert sich hier auch kritisch über die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED).
    1954-1959
    Publikation von "Das Prinzip Hoffnung".
    1955
    Bloch wird mit dem Nationalpreis der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) geehrt.
    1957
    Er wird wegen seiner offenen Kritik an der doktrinären Erstarrung des Marxismus in der DDR und wegen seiner kritischen Beurteilung der Niederschlagung des Ungarnaufstand zwangsemeritiert.
    1959-1978
    Veröffentlichung der Gesamtausgabe seiner Werke in 17 Bänden.
    1961
    Während einer Vortragsreise in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) wird Bloch mit seiner Frau vom Mauerbau überrascht. Das Ehepaar entscheidet sich, nicht in die DDR zurückzukehren.
    Er nimmt die Professur für Philosophie an der Universität Tübingen an.
    1962
    Bloch wird von der Ostberliner Akademie der Wissenschaften ausgeschlossen.
    1963
    Veröffentlichung von "Die Tübinger Einleitung in die Philosophie".
    Publikation von "Naturrecht und menschliche Würde". Bloch verknüpft hier die Prinzipien des jungen Marx mit dem Naturrechtsgedanken in der Aufklärung.
    1964
    Er wird mit dem Kulturpreis des Deutschen Gewerkschaftsbunds geehrt.
    ab 1966
    Bloch protestiert öffentlich gegen die amerikanische Intervention in Vietnam.
    Durch seine Philosophie und seine politische Grundhaltung ist er gemeinsam mit Theodor W. Adorno und Max Horkheimer (1895-1973) eine der Leitfiguren der Studentenbewegung.
    1967
    Bloch erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
    1968
    Veröffentlichung von "Atheismus im Christentum".
    1969
    Ihm wird von der Universität Zagreb die Ehrendoktorwürde verliehen.
    1970
    Blochs Geburtsstadt Ludwigshafen verleiht ihm die Ehrenbürgerschaft.
    1972
    Publikation von "Das Materialismusproblem".
    Veröffentlichung seiner Schriften "Vom Hasard zur Katastrophe. Politische Aufsätze 1934-39".
    1975
    Publikation seiner Kategorienlehre "Experimentum Mundi", an der Bloch bereits vor dem Ersten Weltkrieg gearbeitet hat.
    Sowohl die Pariser Sorbonne als auch die Universität Tübingen verleihen Bloch die Ehrendoktorwürde.
    Er wird zum Ehrenmitglied der Akademie der Künste ernannt.
    Bloch erhält den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa.
    1977
    4. August: Ernst Bloch stirbt in Tübingen.
    1978
    Das "Sozialistische Büro" veranstaltet an der Universität Tübingen erstmalig die "Ernst-Bloch-Tage".
    1979
    Gründung des "Ernst-Bloch-Archivs" in Tübingen.
    1984
    Die Stadt Tübingen stiftet den "Ernst-Bloch-Preis".
    1985
    Publikation von "Kampf, nicht Krieg. Politische Schriften 1917-19".
    Gründung der "Ernst-Bloch-Assoziation" mit Sitz in Nürnberg.
    ab 1985
    Vergabe des "Ernst-Bloch-Preises" durch die Stadt Ludwigshafen.
    Stiftung einer Ernst-Bloch-Professur in Tübingen durch den Suhrkamp-Verlag.
    1986
    Gründung der "Ernst-Bloch-Gesellschaft" in Ludwigshafen.
    1989
    Ernst Bloch wird postum in der DDR rehabilitiert.

    (Susanne Eckelmann, Antonia Meiners, © Deutsches Historisches Museum, Berlin, Stand: 17. März 2021, Text: CC BY NC SA 4.0)

    Lektürehinweise zur Biographie Ernst Blochs:

    Gert Ueding

    WO NOCH NIEMAND WAR: Erinnerungen an Ernst Bloch.
    Klöpfer & Meyer, Tübingen 2016.

    BLOCH. Eine Bildmonographie

    Hrsg. Ernst-Bloch-Zentrum, erarbeitet von Karlheinz Weigand, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007.

    Arno Münster

    ERNST BLOCH: Eine politische Biographie.
    Philo & Philo, Berlin / Wien 2004.

    Peter Zudeik

    DER HINTERN DES TEUFELS: Ernst Bloch – Leben und Werk.
    Elster Verlag, Baden-Baden 1985.

    ERNST BLOCH: BRIEFE. 1903 – 1975. Zwei Bände.

    Hrsg. von Karola Bloch, Jan Robert Bloch, Anne Frommann u.a., Suhrkamp Verlag 1985.

    Karola Bloch

    AUS MEINEM LEBEN.
    Verlag Günther Neske, Pfullingen 1981.

    Silvia Markun

    ERNST BLOCH IN SELBSTZEUGNISSEN. rororo Bildmonographie.
    Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1977

    (aus: Webseite Ernst Bloch Zentrum Ludwighafen)

    Ernst Bloch Zentrum Ludwigshafen

    Das Ernst-Bloch-Zentrum ist ein Kultur- und Wissenschaftsinstitut, das sich mit Utopien, Zukunftsthemen und kritischen Fragen der Zeit beschäftigt. Seine mehrgliedrigen Aktivitäten – Archiv und Bibliothek, Forschung, kulturelles und wissenschaftliches Veranstaltungsprogramm, Bildungsprogramm für verschiedenen Zielgruppen, Ausstellungsaktivität im Hinblick auf die Dauer- und auf wechselnde Sonderausstellungen - eröffnen unterschiedliche Zugänge mit dem Ziel, einerseits als eine Ermöglichungsplattform für die Forschungstätigkeit externer Wissenschaftler*innen zu dienen und andererseits wissenschaftliche Forschungsergebnisse, philosophische Konzepte und aktuelle intellektuelle und politische Debatten für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen. Ausgangspunkt für diesen Ansatz ist die Philosophie Ernst Blochs mit ihren Leitthemen „Prinzip Hoffnung“, „aufrechter Gang“ und „konkrete Utopie“, die sich als Denkmodelle anbieten. Aus diesen Themen wird die Bedeutung von Blochs Denken für die heutige Zeit – auch über philosophische Ideen hinaus – abgeleitet, etwa für die Künste, die Arbeitswelt, das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen, die Religion. In der ständigen Ausstellung wird das auf Glasplatte begehbare Tübinger Arbeitszimmer Ernst Blochs präsentiert. Das Bloch-Archiv mit dem privaten und wissenschaftlichen Nachlass und die Bibliothek vermitteln Zugänge zu Leben und Werk des Philosophen.

    Ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm behandelt kulturelle, philosophische und Bildungsthemen und soll Akzente für zukunftsfähiges Denken und humanes Handeln setzen. Mit seinen interdisziplinären Veranstaltungen und Diskursen richtet sich das Ernst-Bloch-Zentrum an ein breites Publikum, ganz im Sinne „öffentlicher Wissenschaft". Talk bei Bloch, Vorträge und Tagungen behandeln zeitkritische und utopische Themen und bringen Fachexperten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft mit einem kritischen Publikum zusammen. Bei Autoren bei Bloch sind bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu Gast. Sonderausstellungen ergänzen das Programm, mit Führungen und Workshops kommt das Ernst-Bloch-Zentrum seinem Bildungsauftrag nach.

    Bibliografie

    Auswahl-Bibliographie (chronologische Auflistung)

    Primärliteratur

    Ernst Bloch – Arnold Metzger

    WIR ARBEITEN IM SELBEN BERGWERK
    Briefwechsel 1942 – 1972
    Karola Bloch, Ilse Metzger, Eberhard Braun (Hrsg.); Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 1987.

    Ernst Bloch

    VOM HASARD ZUR KATASTROPHE
    Politische Aufsätze 1934 – 1939
    Volker Michels (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 1972.

    Ernst Bloch – Wieland Herzfelde

    WIR HABEN DAS LEBEN WIEDER VOR UNS
    Briefwechsel 1938 – 1949
    Jürgen Jahn (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 2001.

    Ernst Bloch

    DAS ABENTEUER DER TREUE
    Briefe an Karola Bloch 1928 – 1949
    Anna Czajka (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 2005.

    Ernst Bloch

    KAMPF NICHT KRIEG
    Politische Schriften 1917-1919
    Martin Korol (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 1985.

    Ernst Bloch

    DER UNBEMERKTE AUGENBLICK
    Feuilletons für die Frankfurter Zeitung 1916-1934
    Ralf Becker (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 2007

    Ernst Bloch

    LOGOS DER MATERIE
    Eine Logik im Werden
    Aus dem Nachlass 1923-1949
    Gerardo Cunico (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 2000.

    Rainer Traub, Harald Wieser (Hrsg.)

    GESPRÄCHE MIT ERNST BLOCH
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 1977.

    Ernst Bloch

    VIELE KAMMERN IM WELTHAUS
    Einer Auswahl aus dem Werk
    Friedrich Dieckmann / Jürgen Teller (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 1974.

    Ernst Bloch

    AUSGEWÄHLTE SCHRIFTEN
    Band 1: Grundfragen der Philosophie
    Band 2: Gesellschaft und Kultur
    Johann Kreuzer (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Berlin 2010.

    Ernst Bloch

    LEIPZIGER VORLESUNG ZUR GESCHICHTE DER PHILOSOPHIE
    Band 1: Antike Philosophie
    Band 2: Christliche Philosophie des Mittelalters Philosophie der Renaissance
    Band 3: Neuzeitliche Philosophie I: Von Descartes bis Rousseau
    Band 4: Neuzeitliche Philosophie II: Deutscher Idealismus Die Philosophie des 19. Jahrhunderts
    Ruth Römer / Burghard Schmidt (Hrsg.)
    Suhrkamp Verlag; Frankfurt am Main 1985.

    1 hr 6 min
  • Folge 53: „See aus Asche“Das Stück der Nibelungenfestspiele Worms 2025Von Roland Schimmelpfennig
    Alle weiteren Infos über die Nibelungenfestspiele
    vom 11.07. – 27.7.2025 finden Sie unter:  www.nibelungenfestspiele.de

    Es ist das deutsche Nationalepos: Das Nibelungenlied.

    Um das Jahr 1200 vermutlich im Umkreis eines Passauer Klosters in mittelhochdeutscher Sprache verfasst, erzählt es in 2400 vierzeiligen Strophen die Abenteuer Siegfrieds und den Untergang der Burgunden, die in Worms residierten.

    Der erste Teil des Nibelungenlieds beginnt mit der Geschichte von Siegfried, einem Helden, der durch das Baden in Drachenblut unverwundbar wird, außer an einer Stelle, die von einem Lindenblatt bedeckt war. Siegfried kommt an den Hof des burgundischen Königs Gunther und verliebt sich in dessen Schwester Kriemhild. Um Kriemhild zu heiraten, hilft Siegfried Gunther dabei, die kriegerische Königin Brünhild zu bezwingen. Auf der Hochzeit kommt es zu einem Streit zwischen den beiden Frauen, bei dem Brünhild die Demütigung durch Siegfried aufdeckt. Hagen, ein treuer Gefolgsmann Gunthers, tötet Siegfried daraufhin bei einer Jagd, indem er die verwundbare Stelle mit einer Lanze trifft.

    Der zweite Teil des Nibelungenlieds dreht sich um Kriemhilds Rache. Nach dem Tod ihres Mannes heiratet sie den Hunnenkönig Etzel (Attila) und lockt die burgundischen Könige und Hagen zu sich an den Hof. Es kommt zu einem blutigen Kampf, bei dem alle Burgunden, bis auf König Gunther und Hagen, getötet werden. Kriemhild lässt Gunther und Hagen hinrichten, wird aber schließlich selbst von Hildebrand, einem Gefolgsmann Dietrichs von Bern, getötet. Das Nibelungenlied ist ein Werk über Heldentum, Liebe, Verrat und den Untergang einer ganzen Kultur. Es ist ein zentrales Werk der deutschen Literatur und wurde im Laufe der Zeit immer wieder neu interpretiert und verfilmt. Und durch die Jahrhunderte immer wieder auch als eine eindringliche Warnung vor bedingungsloser Macht und Herrschaft, vor Rachsucht, blinder Gefolgschaft und überschießender Wut verstanden.

    Und es ist makaber: Was das Lied als Warnung verstand, haben die Nazis als Tugenden gepredigt!

    Sie waren die ersten, die 1936 in Worms Nibelungenfestspiele veranstaltet hatten. Doch die Vergangenheit ihrer Verbrechen lastete so schwer auf dem Stoff, dass er jahrzehntelang vom Theater gemieden wurde.

    Erst 2002 wagte es Worms als zentraler Handlungsort der Sage aufwendige Nibelungenfestspiele als Freilichtaufführungen vor dem Dom zu begründen. Wobei jedes Mal ein neues Stück bei meist jüngeren, experimentierfreudigen Autoren in Auftrag gegeben wird. Nach 23 Jahren sind aus den Anfängen die schönsten und aufregendsten Freilichtspiele Deutschlands geworden, deren Stücke von den besten Theaterautoren verfasst, von wagnisfreudigen Regisseuren und Regisseurinnen inszeniert und von Stars aus Film und Fernsehen gespielt werden.

    In diesem Jahr kommt das Drama „See aus Asche“ vom meistgespielten lebenden Theaterautor Deutschlands: Von Roland Schimmelpfennig, dessen rund 50 Stücke in 40 Ländern gespielt werden.

    In Folge 53 von Podcastliteratur.de unterhalten sich Thomas Laue, Dramaturg und künstlerischer Leiter der Wormser Festspiele und Theo Schneider mit dem Autor Roland Schimmelpfennig über sein neues Stück.

    Am 11. Juli hat es Premiere.

    (ausführliche weitere Informationen über die Nibelungenfestspiele Worms finden Sie auf https://www.nibelungenfestspiele.de)

    SEE AUS ASCHE - DAS LIED DER NIBELUNGEN

    Uraufführung von Roland Schimmelpfennig

    Die Intendanz:

    Intendant: Nico Hofmann

    Vorsitzender des Gesellschafterausschusses: Oberbürgermeister Adolf Kessel
    Geschäftsführerin der Nibelungenfestspiele gGmbH: Petra Simon
    Künstlerischer Leiter: Thomas Laue

    Das Team:

    Regie: Mina Salehpour

    Bühnenbild: Andrea Wagner
    Kostümbild: Maria Anderski
    Musik & Komposition: Sandro Tajouri
    Licht: Eivind Myren
    Videodesign & Kamera Kate Ledina
    Dramaturgie: Thomas Laue

    Das Ensemble:

    Volker, der Spielmann: Andreas Grötzinger

    Hagen: Wolfram Koch
    Brunhild / Der Drache: Jasmin Tabatabai
    Siegfried: Eivin Nilsen Salthe
    Gunter: Hans-Werner Leupelt
    Kriemhild: Kriemhild Hamann
    Giselher: Denis Geyersbach
    Das Blatt: Lisa Natalie Arnold

    Historie der heutigen Nibelungen-Festspiele

    Die Geburtsstunde der heutigen Nibelungen-Festspiele schlug am 17. August 2002, als Moritz Rinkes „Die Nibelungen“ vor dem Südportal des historischen Wormser Kaiserdoms uraufgeführt wurde. Die Nibelungen-Festspiele wurden mit der Vision eröffnet, eines der bedeutendsten Werke mittelalterlicher Epik einem breiten Publikum wieder ins Bewusstsein zu rücken und damit auch den Originalschauplatz der Nibelungensage bekannter zu machen: die Stadt Worms – einst wichtiges Zentrum für geistiges, kulturelles und politisches Wirken in Europa. Schon vor der Gründung der Festspiele in 2002 wurde zwei Mal in den Jahren 1938 und 1956 der erfolglose Versuch in Worms gestartet, Nibelungen-Festspiele in der Stadt zu etablieren. Der durch die Nationalsozialisten für ihre Propagandazwecke missbrauchte und für Jahrzehnte kaum im Theater gespielte Stoff bahnte sich mit Hilfe der Festspiele innerhalb weniger Jahre den Weg auf viele wichtige deutschsprachige Bühnen.

    Von Beginn an sind die Nibelungen-Festspiele ein großer Erfolg und zählen innerhalb weniger Jahre zu den bekanntesten Open-Air-Festivals. Auf den Stufen vor dem imposanten Wormser Kaiserdom, auf denen einst Kriemhild und Brünhild ihren legendären Königinnenstreit ausgetragen haben sollen, stehen jährlich renommierte Ensemblemitglieder aus Theater, Film und Fernsehen und zeigen die Vielfalt, die der Nibelungenstoff in sich trägt. Die gesamten deutschsprachigen Medien kommen im Sommer nach Worms und berichten von den eindrucksvollen Inszenierungen. Die Festspiele erreichen jährlich ein großes Publikum, sei es live vor Ort oder bei den Fernsehübertragungen von ZDF oder SWR am heimischen Bildschirm und bescheren der Stadt am Rhein eine hohe Aufmerksamkeit.

    Seit 2015 ist der erfolgreiche Filmproduzent Nico Hofmann Intendant der Nibelungen-Festspiele. Er macht Worms zur Stätte von qualitativ hochwertigen Uraufführungen, die das Nibelungenthema von einer neuen Seite beleuchten und vertiefen.

    Thomas Laue

    Künstlerischer Leiter der Nibelungen-Festspiele seit der Spielzeit 2018

    Thomas Laue ist gemeinsam mit dem Intendanten Nico Hofmann für die Programmplanung zuständig. Bereits seit 2016 arbeitet Laue als Dramaturg des Stücks im künstlerischen Team der Festspiele.

    Thomas Laue arbeitete nach dem Studium der Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften und Philosophie in Köln zunächst als Regieassistent und Dramaturg am Staatstheater Kassel. Anschließend war er als freier Dramaturg unter anderem am Schauspiel Bonn und am Theater Neumarkt in Zürich sowie als freier Verlagslektor in Köln tätig. Darauf folgten Stationen als Dramaturg am Schauspiel Hannover sowie als Chefdramaturg am Schauspiel Essen und am Schauspielhaus Bochum. Ab der Spielzeit 2013/14 war er Dramaturg am Schauspiel Köln, ab 2015 bis 2017 als leitender Dramaturg.

    Er arbeitete kontinuierlich unter anderem mit den Regisseuren Sebastian Nübling (mit dessen Produktion „Wilde oder der Mann mit den traurigen Augen“ von Händl Klaus er 2004 zum Berliner Theatertreffen eingeladen war), Roger Vontobel, Stefan Bachmann, Nuran David Calis, Rafael Sanchez, Fadhel Jaibi, Anselm Weber und David Bösch. Ein Schwerpunkt von Laues Arbeit bildet die Begleitung von Autoren und Ur- und Erstaufführungen sowie die Entwicklung von Projekten. Von 2008 bis 2010 war Laue im Rahmen der Kulturhauptstadt RUHR.2010 künstlerischer Berater der Kulturhauptstadtdirektion (Bochum) und Mitglied der künstlerischen Leitung des Festivals MELEZ der Kulturhauptstadt.
    Seit 2006 arbeitet Laue zudem regelmäßig als Lehrbeauftragter für Dramaturgie, unter anderem an der Folkwang Universität der Künste in Essen und Bochum, der Ruhruniversität Bochum und der Universität zu Köln.

    Thomas Laue ist seit September 2017 Chefdramaturg der UFA Holding.

    Roland Schimmelpfennig

    Roland Schimmelpfennig, geboren 1967 in Göttingen, ist Autor, Regisseur und vor allem einer der meistgespielten Gegenwartsdramatiker Deutschlands. Er studierte, nach einem längeren Aufenthalt als Journalist in Istanbul, Regie an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Seither schreibt er Theaterstücke für große Häuser wie das Deutsche Theater Berlin, das Burgtheater Wien, das Residenztheater München und das Schauspielhaus Hamburg – aber auch für internationale Bühnen in Stockholm, Kopenhagen, Toronto oder Tokio. Seine Theaterstücke – darunter auch viel gespielte Texte für das Kinder- und Jugendtheater – werden immer wieder mit Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem renommierten Mülheimer Dramatikerpreis. Im S. Fischer Verlag erschien zuletzt Roland Schimmelpfennigs dritter Roman "Die Linie zwischen Tag und Nacht".

    Roland Schimmelpfennig lebt in Berlin.

    Auszeichnungen

    1997 Else-Lasker-Schüler-Förderpreis für FISCH UM FISCH

    1998 Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises von Baden-Württemberg
    2000 Einladung zu den Mülheimer Theatertagen mit VOR LANGER ZEIT IM MAI
    2001 Einladung zu den Mülheimer Theatertagen mit DIE ARABISCHE NACHT
    2001 Auftragswerk für die Frankfurter Positionen: VORHER/NACHHER
    2002 Einladung zu den Mülheimer Theatertagen mit PUSH UP 1-3
    2002 Nestroypreis der Stadt Wien in der Kategorie Bestes Stück für PUSH UP 1-3
    2003 Einladung zu den Mülheimer Theatertagen mit VORHER/NACHHER
    2004 Hörspiel des Jahres (ARD): FÜR EINE BESSERE WELT
    2005 Einladung zu den Mülheimer Theatertagen mit DIE FRAU VON FRÜHER
    2009 Nestroypreis der Stadt Wien in der Kategorie Bestes Stück für BESUCH BEI DEM VATER
    2010 Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis
    2010 Mülheimer Dramatikerpreis für DER GOLDENE DRACHE
    2010 Bestes Stück des Jahres: DER GOLDENE DRACHE (Kritikerumfrage des Jahrbuchs von Theaterheute)
    2010 Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis für das Gesamtwerk
    2016 Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse mit seinem Roman "An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts" (S. Fischer Verlag)
    2017 Einladung zum Mülheimer Kinderstücktheaterpreis mit DIE BIENE IM KOPF in einer Inszenierung des Consol Theater Gelsenkirchen
    2023 Mülheimer KinderStückePreis für DAS MÄRCHEN VON DER KLEINEN MEERJUNGFRAU

    42 min
  • Folge 51: Die Launen der ZickeDominik Bollow: „Die Launen der Ziege“Ein Romandebut über das Erwachsenwerden zwischen Saarland und Marokko

    Es ist das Jahr 1956. Das Saarland, bisher von Frankreich verwaltet, kommt zur BRD. Robert ist neun als sein Vater beschließt, seinem französischen Chef nach Marokko zu folgen und seine Familie mitzunehmen.

    Nach der langen Fahrt mit einem klapprigen DeuxCheveux, bei der sich Robert, vom ständigen Streit seiner Eltern genervt, an die Zeit seiner Kindheit im Saarland erinnert, landen sie in der französischen Kolonie im Grenzgebiet zwischen Marokko und Algerien, wo der Vater in einem Zinkbergwerk arbeitet und wenig zu Hause ist. Während Robert die fremde, wüstenähnliche Gegend erkundet, die auf algerischer Seite Schauplatz des Kolonialkriegs zwischen Frankreich und Algerien ist, und einheimische Freunde findet, bleibt die Mutter, die nicht französisch spricht, isoliert in der Siedlung zurück.

    Mit der Zeit wird sie immer seltsamer: Sie legt sich einen wahren Zoo von Tieren zu, in deren Mittelpunkt eine halbverreckte Ziege steht, die sie aufzupäppeln versucht. Aus ihrem schrägen Verhalten wird bald eine Boderline-Krise, die mit einem fulminant erzählten Showdown endet.

    Genau genommen müsste Dominik Bollows Buch also „Die Launen der Zicke“ heißen, denn es ist ja die Mutter, die immer wunderlicher wird, während das Tier nur krank und nicht launisch ist.

    Dominik Bollow wurde 1984 in Saarbrücken geboren und lebt in Berlin. Für das Manuskript seines Debütromans, in dem er Teile seiner Familiengeschichte aus der Perspektive seines damals neun- bis fünfzehnjährigen Vaters erzählt, erhielt er 2020 das Ludwig-Harig-Stipendium.

    In Folge 51 reden Ralph Schock, ehemaliger Chef der Literaturabteilung des SR, und Theo Schneider mit dem Autor Dominik Bollow, der ausführliche Passagen daraus liest.

    »Es wird Zeit, dass du anständig Französisch lernst.«

    Der neunjährige Robert ahnt, dass sich mit diesem Satz seines Vaters eine Wende abzeichnet. Es ist das Jahr 1956 und der Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik Deutschland steht bevor. Roberts Vater beschließt, seinem französischen Vorgesetzten nach Algerien in eine Zinkmine zu folgen. Da könne er »noch was werden«. So macht sich die Familie schon bald in ihrem vollgepackten Peugeot auf die Fahrt in die marokkanische Grenzstadt Bou Beker. In eigens errichteten Bungalows leben hier Franzosen, Spanier, Kanadier und Deutsche und bilden zusammen mit den in der nahen Medina lebenden Einheimischen eine ungewöhnliche Lebensgemeinschaft.

    Dominik Bollow

    Dominik Bollow, geboren 1984 in Saarbrücken, lebt in Berlin. Er arbeitet als Redakteur, in der Unternehmenskommunikation und als freier Autor. Für sein Romandebüt »Die Launen der Ziege« erhielt er 2020 das Ludwig-Harig-Stipendium. Zu seinen Veröffentlichungen zählen neben Kurzgeschichten auch Porträts, Reisereportagen und ein Kinderbuch.

    56 min
  • Folge 50: Die sprachliche Gestalt von Glück:Das gelungene Gedicht !Ein Streifzug durch Leben und Lyrik von Jürgen Theobaldy

    Im vorigen Jahr ist er 80 geworden: Jürgen Theobaldy. Er stammt aus Ludwigshafen, ist im Mannheimer Arbeitermilieu aufgewachsen, von dem viele seiner frühen Texte inspiriert sind, in Heidelberg hat er studiert und an der Studentenbewegung teilgenommen, dann ist er nach Berlin gezogen und seit vier Jahrzehnten lebt, arbeitet und liebt er in der Schweiz.

    Als Dichter hat er Literaturgeschichte geschrieben als er und andere junge Autoren in den 70er Jahren die deutsche Lyrik erneuert haben mit „Alltagslyrik“ und „Neuer Sensibilität“. Indem sie alltägliche Erfahrungen zum Gegenstand ihrer Gedichte machten und in umgangssprachlichen Redeweisen formulierten. Und im Gegensatz zu damals verbreiteten Forderungen politisch propagandistisch zu schreiben, bestanden sie auf der Wichtigkeit auch ihrer ganz persönlichen, intimen Gefühlen, Gedanken und Erfahrungen und auf deren Ausdruck in ihrer Literatur.

    "Er war damals fast ein literarischer Star durch seine ersten Gedichtbände und durch Prosa…Schlank, auf seine Art elegant in den Bewegungen, schlaksig, leicht mannheimerisch eingefärbter Ton, immer ein bisschen auf ironischer Distanz. Wo er war, war er dabei, gehörte aber nicht dazu. Er war stets für sich… Für immer verließ er das aufgeregte, aber auch ausgeleierte Berlin und das schriftstellernde Milieu, dem er nie ganz angehört hatte.“ (schrieb Thomas Schmid in der „Welt“ zu seinem 80. Geburtstag 2024)

    Ich selbst kenne Jürgen Theobaldy, den alle „Theo“ nennen, seit mehr als 40 Jahren, hatte damals alles von ihm gelesen, ihn nach seinem Umzug in die Schweiz aber etwas aus den Augen verloren. So war es eine umso größere Freude, ihn vor einigen Jahren wiederzusehen und die Bekanntschaft, die an eine Freundschaft grenzt, wieder aufleben zu lassen und ihn für die Mitarbeit an podcastliteratur.de zu gewinnen.

    Die Aufnahme, die Sie hier hören können, ist im vorigen Jahr entstanden und bietet einen sehr fundierten und genauen hoch spannenden Überblick über Leben, Literatur, Motive, Hintergründe und Schreibweisen von Jürgen Theobaldy.

    Der gleichzeitig einen wichtigen Umbruch in der Literatur der Bundesrepublik markiert, erklärt und nacherleben lässt: Den Umbruch von einer Lyrik in den Nachkriegsjahrzehnten (für die Namen wie etwa Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Peter Huchel oder Günther Eich u.a. stehen) und der Generation von jungen Autoren, die in der Nachfolge der us-amerikanischen „beat-generation“ oder anglo-amerikanischer Beat,-Rock- und Bluesmusik Themen des Alltagslebens in ihre Texte aufnahmen und diese nicht mehr hermetisch verschlossen, sondern in alltäglicher Sprache formulierten. Ganz entscheidend ist für diesen Umbruch auch ein doppeltes Verhältnis zur Politik. Einerseits das heftige, oft auch persönliche aktive Engagement in Studentenbewegung und außerparlamentarischer Opposition, andererseits aber auch die Verweigerung, sich rigiden linken Beschränkungen zu unterwerfen und auf dem Ausdruck persönlicher Gefühle und Gedanken zu bestehen: So entstanden Alltagslyrik und Lyrik der Neuen Subjektivität.

    Jürgen Theobaldy ist einer ihrer Begründer und herausragenden Vertreter. Wie etwa Nicolas Born, F.C. Delius, H.C. Buch, Hugo Dittberner, Rolf Dieter Brinkmann u.a. mit denen Jürgen Theobaldy befreundet oder gut bekannt war.

    Biografie Jürgen Theobaldy (nach Wkipedia)

    Jürgen Theobaldy, 1944 geboren, der aus einer Ludwigshafener Arbeiterfamilie stammt, wuchs in Mannheim auf. Nach einer kaufmännischen Lehre absolvierte er ein Studium zum Grund- und Hauptschullehrer an den Pädagogischen Hochschulen in Freiburg im Breisgau und Heidelberg. Danach studierte er Literaturwissenschaft an den Universitäten in Heidelberg und Köln sowie seit 1974 an der Freien Universität in Berlin. Seit 1984 lebt er in der Schweiz.

    Jürgen Theobaldy, dessen schriftstellerische Anfänge in der Studentenbewegung der Sechzigerjahre liegen, begann in den Siebzigerjahren mit Alltagslyrik und strengeren, traditionellen Formen zu experimentieren. Neben Gedichten hat er eine Reihe von Romanen und Erzählbänden veröffentlicht, die zumeist die eigenen Erfahrungen des Autors verarbeiten.

    Von der Stadt Bern erhielt er 1992 für sein Werk In den Aufwind und 2003 für Trilogie der nächsten Ziele einen Buchpreis.[1] Die Literarische Kommission der Stadt Bern verlieh ihm für sein Gesamtwerk den Literaturpreis 2006.[2][3]

    Jürgen Theobaldy ist Mitglied des Verbandes „Autorinnen und Autoren der Schweiz“. Bis 2009 arbeitete er in Teilzeit als Protokollschreiber bei den Parlamentsdiensten der Bundesversammlung.[4]
    Sein Archiv wurde 2010 vom Schweizerischen Literaturarchiv erworben.
    (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Jürgen_Theobaldyhttps://de.wikipedia.org/wiki/Jürgen_Theobaldy)

    Werke

    • Sperrsitz. Gedichte. Palmenpresse, Köln 1973.

    • Blaue Flecken. Gedichte. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1974.
    • mit Gustav Zürcher: Veränderung der Lyrik. edition text + kritik, München 1976.
    • Zweiter Klasse. Gedichte. Rotbuch Verlag, Berlin 1976.
    • Sonntags Kino. Roman. Rotbuch Verlag, Berlin 1978.
    • Drinks. Gedichte. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1979.
    • Schwere Erde, Rauch. Gedichte. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1980.
    • Spanische Wände. Roman, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1981.
    • Die Sommertour. Gedichte, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1983.
    • Midlands, Drinks. Gedichte, Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1984.
    • Das Festival im Hof. Erzählungen, Rotbuch Verlag, Berlin 1985.
    • In den Aufwind. Gedichte, Friedenauer Presse, Berlin 1990.
    • Der Nachtbildsammler. Gedichte, Palmenpresse, Köln 1992.
    • Mehrstimmiges Grün. Prosa und Lyrik (= Text und Porträt. 14, hg. vom LCB). Aufbau Verlag, Berlin 1994.
    • Ein Glücksfall. Erzählung. Mit Illustrationen von Thomas Weber. Berlin 1996.
    • Immer wieder alles. Gedichte. Zu Klampen Verlag, Lüneburg 2000, ISBN 978-3-933156-54-9.
    • In der Ferne zitternde Häuser. Prosa. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2000, ISBN 3-88423-170-7.
    • Trilogie der nächsten Ziele. Roman. Zu Klampen Verlag, Springe 2003, ISBN 978-3-933156-77-8.
    • Wilde Nelken. Gedichte. Zu Klampen Verlag, Springe 2005, ISBN 978-3-933156-84-6.
    • 24 Stunden offen. Gedichte. Verlag Peter Engstler, Ostheim/Rhön 2006, ISBN 3-929375-75-3.
    • Suchen ist schwer. Gedichte. Verlag Peter Engstler, Ostheim/Rhön 2012, ISBN 978-3-941126-33-6.
    • Aus nächster Nähe. Roman. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-88423-441-9.
    • Rückvergütung. Roman, Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-88423-491-4.
    • Hin und wieder hin. Gedichte aus Japan. Verlag Peter Engstler, Ostheim/Rhön 2015, ISBN 978-3-941126-66-4.
    • Auf dem unberührten Tisch. Gedichte. Verlag Peter Engstler, Ostheim/Rhön 2019, ISBN 978-3-946685-21-0.
    • Geschichten im Vorübergehen. Prosa. verlag die brotsuppe, Biel 2020, ISBN 978-3-03867-026-1.
    • Einfach um die Sonne. Gedichte. Klaus Isele Editor, Eggingen 2021, ISBN 978-3-7534-6278-3.
    • Poesiealbum 368. Gedichte. Grafik Johannes Vennekamp, Märkischer Verlag, Wilhelmshorst 2022, GTIN 978 3 943708 68 4
    • Guten Tag in Kyōto. Zwei Reisen in Tanka. Mäd Book Lyrik Elf, Mäd Books, Basel 2022, ISBN 978-3-906-172-16-3.
    • Mein Schützling. Novelle. Transit, Berlin 2023, ISBN 978-3-88747-397-6.
    • Bis es passt. Zehn Erzählungen. Verlag Brotsuppe, Biel 2023, ISBN 978-3-03867-089-6.

    Herausgeberschaft

    • Benzin. Heidelberg, Jg. 1971–1973.

    • Und ich bewege mich doch. München 1977.

    Übersetzungen

    • Aras Ören: Der kurze Traum aus Kagithane. Rotbuch Verlag, Berlin 1974 (Bearbeitung der Übersetzung von H. Achmed Schmiede)

    • Jim Burns: Leben in Preston. Palmenpresse, Köln 1973 (Aus dem Englischen zusammen mit Rolf Eckart John)
    • Jim Burns: Fred Engels bei Woolworth. Rotbuch Verlag, Berlin 1977 (Aus dem Englischen zusammen mit Rolf Eckart John)
    • Lu Xun: Kein Ort zum Schreiben. Gedichte, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1983 (Aus dem Chinesischen zusammen mit Egbert Baqué)
    • Liu Zongyuan: Am törichten Bach. Prosa und Gedichte. Aus dem Chinesischen von Raffael Keller, darin sechs Gedichte zusammen mit Raffael Keller, Friedenauer Presse, Berlin 2005, ISBN 3-932109-45-7

    1 hr 10 min

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