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Or


Dagmar Leupold (*1955 in Lahnstein) ist eine wichtige und produktive Schriftstellerin des Landes, die schon sehr lange in München lebt und zuvor viele Jahre in Italien und New York verbracht hat. Und deshalb, denke ich, hierzulande weniger wahrgenommen wird als dies unbedingt notwendig wäre.
Sie hat nicht nur 12 Romane und 5 Gedichtbände geschrieben, sondern auch zahlreiche essayistische und poetologische Beiträge. Und sie ist Übersetzerin aus dem Englischen und Italienischen. U.a. hat sie die Gedichte von Cesare Pavese übertragen.
Darüber hinaus ist sie auch eine wichtige Akteurin im literarischen Leben der BRD: Sie war Geschäftsführerin des Deutschen Literaturfonds, hat 17 Jahre lang das „Studio Literatur und Theater an der Universität Tübingen“ und viele Literaturwerkstätten geleitet und Lehraufträge und Dozenturen in Deutschland, Österreich und den USA inne gehabt.
In Folge 60 ab dem 12. Dezember reden wir dann über ihren neuen Roman „Muttermale“, der in diesem Herbst erschien, und über ihre Schreibwerkstatt.
Der Countdown beginnt im 25. Stock eines Hochhauses in New York: Worauf Lavinia von dort aus zurückblickt, ist ein Leben, vor dessen Abgründen ihr selbst schwindelt. Wie im Sturz durch ihre Geschichte und die Zeiten erzählt sie von ihrem Aufwachsen und Frauwerden, ihren Lieben und Verlusten, von Verheerungen und Missbrauch, von Unterwerfung und ihrem Willen, sich zu behaupten. Tiefer und tiefer führt sie den Leser im Taumel des Erinnerns und im Sprachrausch des Erzählens zurück in die deutsche Provinz nach dem Krieg, in das unschuldige wie ungeschützte Glücksempfinden einer Kindheit, die in Erfahrungen von Gewalt endet, zu den versuchten Abbrüchen und Aufbrüchen eines Lebens, das sich bei allem Wanken immer wieder unbeugsam zeigt.
Lavinia ist eine Selbst- und Weltbetrachtung voller Hingabe und Wut, bitter und zärtlich, schonungslos und empathisch. Ein Lob der Liebe und ein Bekenntnis zu Widerständigkeit. Ein Buch darüber, wie sich beides in Literatur verbinden kann zu einem Rettungsversuch in schwindelnder Höhe.
Die Welt ist alles, was der Fall ist“, heißt es bei Wittgenstein. […] So viele Fragmente, Gedanken, Erfahrungen verbindet Dagmar Leupold in ihrem Roman. Humor, Wut und Zärtlichkeit wechseln sich rhythmisch ab. […] Mit „Lavinia“ gibt Dagmar Leupold einer empathischen, engagierten, kraftvoll fühlenden und klug denkenden Frau eine unvergessliche Stimme.
Die Geschichte Lavinias ist gleichzeitig eine Geschichte der Einverleibung der Weltgeschichte in einen Frauenkörper, […] auch das völlig ohne Pathos, ohne Selbstmitleid, dafür schonungslos, erzählt. […] Ein sehr kluger, ebenso fundierter wie weitreichender Kommentar zur metoo-Debatte.
Man kann diesen Roman auch als Beitrag zur "Me Too"-Debatte lesen. Das Fazit der Fallenden jedenfalls ist tragisch eindeutig: "Haut und Papier werden nie wieder geduldig sein."
Dagmar Leupolds hinreißende Sprache lässt ihren Sturz durch die Zeiten zur beherzten Erkundung weiblichen Lebens werden.
Herr Harald ist der Mann in der Garderobe. Er gehört zum Theater wie der Vorhang, aber niemand kommt seinetwegen, das Rampenlicht ist für andere. Er nimmt den Menschen die Mäntel ab, die Taschen, was immer sie ihm anvertrauen, um für kurze Zeit unbeschwert zu sein, und wartet bis zum Schlussapplaus, das ist sein Einsatz. Doch eines Abends bleibt ein Mantel zurück, und in dem Mantel findet sich eine Pistole. Herr Harald trägt sie nach Hause, nur: Was will er damit tun? Er kann sich schlecht gegen alles zur Wehr setzen, was ihm an der Welt und den Mitmenschen als Zumutung erscheint. Aber vielleicht kann er ihre Aufmerksamkeit auf jemanden lenken, der wie er ein Schattendasein führt: die Frau, die für einen anderen die Noten umblättert und die er aus der Ferne verehrt.
Der tragische wie komische Protagonist dieser hinreißend erzählten Geschichte ist ein Held des Alltags, ein Mann in Dienstkleidung, einer, dem es niemand dankt. Und gäbe es die Literatur nicht – und Autorinnen wie Dagmar Leupold –, wie sollten wir wissen, was für ein Reichtum an Gedanken und Gefühlen, wie viel waches Leben und wehe Sehnsucht sich dahinter verbirgt.
Ein außerordentlicher Roman, der völlig ohne Kalkül oder Berechnung entstanden zu sein scheint. Eher so, als hätte man ihn eben so und nur so schreiben können.
Unter der stillen Oberfläche verbirgt sich ein enorm spannender Roman: Dagmar Leupold wartet mit feinsinnigen Beobachtungen der Opern- und Kunstwelt auf und lenkt unseren Blick auf die unauffälligen Zeitgenossen. Menschen, die den Laden am Laufen halten. Einfach, weil sie ihre Arbeit als sinnvoll empfinden. Damit hat das Buch auch eine durchaus solidarische Wirkung: Es öffnet den Blick für Menschen und Dinge, die man sonst oft übersieht.
Dagmar Leupold hat ein wunderbares Buch voller Melancholie, Schmerz und Liebe geschrieben. Elke Heidenreich, Kölner Stadtanzeiger
Dagmar Leupold, die es in ihren Romanen immer wieder meisterhaft versteht, die Spielarten des Komischen – vom Grotesken über das Surreale bis zu realistischen Variationen – zu inszenieren, interessiert sich in ihrem neuen Roman für einen kauzigen Außenseiter, dessen Wahrnehmungen, Empfindungen und Befindlichkeiten minutiös erzählt werden.
Virtuos, behutsam und unerbittlich: Dagmar Leupold bringt Dinge zum Sprechen – sie erzählen von der Mutter, aber auch von Krieg, Flucht und Fremdheit.
Wie erzählt man von der eigenen Mutter? Vor über hundert Jahren in Ostpreußen geboren, vor der Roten Armee geflohen, auf Umwegen irgendwo im deutschen Westen angekommen und dort, im neuen Leben, in der neuen Zeit nach dem Krieg, von dem bald keine Rede mehr war, immer fremd geblieben. Fremd auch der eigenen Tochter, die sich weiter und weiter entfernte, bis die Geschichte der Mutter irgendwann unbegreiflich geworden war.
»Muttermale« ist der Roman einer Annäherung. In immer neuen Anläufen versucht Dagmar Leupold, Verlorenes wiederzugewinnen. Sie greift dazu auf das zurück, was vom Leben der Mutter geblieben ist, Alltagsgegenstände, Gewohnheiten, Fotos, gern gebrauchte Wörter und Sätze: alles, was über die Zeit hinweg von der Mutter zu ihr spricht.
»Ganz besonders psychologisch und stilistisch geglückt ist indes Dagmar Leupolds Roman „Muttermale“ […] wie die frühe Prägung durch eine verlorene Heimat noch die nächste Generation beeinflusst, ist selten so eindrucksvoll beschrieben worden wie hier.«
»Im Schlaf hast du deine Tochter womöglich sogar gerngehabt, schreibt Dagmar Leupold in »Muttermale«. Und schon dieser schlichte Satz gibt eine Ahnung von der Wucht ihres Romans. Was die Zeile noch nicht verrät: Wie ungemein reich an Bildern und Lebenswissen die Sprache der Autorin ist. Und so leuchtet Dagmar Leupold Themen, die wahrlich oft beschrieben wurden, völlig neu aus. Das Buch beweist: Große Literatur braucht kein neues Sujet.«
Ein Roman, der in geschliffenen Sätzen Erkenntnis verdichtet.
»Bemerkenswert an diesen Erinnerungen sind die poetische Sprache und der lakonische Ton, sind die treffenden Formulierungen, an denen die Lyrikerin Leupold aufscheint. […] Wortwitz und Sprachspiele heben den Grundton der Melancholie für Momente immer wieder auf. […] So ist Muttermale auch als Dokument der komplexen und schuldbeladenen Vergangenheit unserer Gesellschaft zu verstehen.«
- Geboren 1955 in Niederlahnstein.
Sprachkenntnisse:
- Gr. Latinum, Graecum
Lehraufträge, Creative Writing und Dozenturen an den Universitäten:
- Queens College, New York (adjunct teacher in Comparative Literature) (CUNY):1988-90
Darüber hinaus Leitung verschiedener Text-Werkstätten, u.a.: Textwerk, Seminar für Romanautoren am Münchner Literaturhaus, Kloster Irsee Kunstsommer, Mentorin im Nordkolleg Rendsburg (Begabtenförderung in Zusammenarbeit mit der Arno-Schmidt-Stiftung).
Seit 1985 freie Schriftstellerin und Übersetzerin (aus dem Italienischen und Englischen), u.a. Pavese, Del Giudice, Kleinzahler.
Literarische Veröffentlichungen (ohne Anthologien)
1988 Wie Treibholz Gedichte Pfaffenweiler Presse
Drehbuch
Auszeichnungen (u.a.)
Aspekte Preis für das beste Prosadebut (Edmond. Geschichte einer Sehnsucht)
1999-2001 Mitglied des Kuratoriums des deutschen Literaturfonds e.V.
Mitglied des P.E.N. und des VS
„Es war einmal in Kaiserslautern“ – so heißt ein Kapitel in Christian Barons Roman „Drei Schwestern“, der vor kurzem im Claassen Verlag erschienen ist. Es ist der dritte Band seiner Kaiserslautern-Trilogie, die in der Stadt und ihrer Umgebung spielt.
Der erste Band, er hieß „Ein Mann seiner Klasse“, ist unmittelbar autobiografisch und schildert Kindheit und Aufwachsen des Protagonisten in einer Unterschichtfamilie in den 90er Jahren. Sie sind geprägt von Gewalt und Alkohol, aber auch von unverschuldeter Armut trotz Vollzeitarbeit, vergeblicher Hoffnung auf Besserung, von Scham über die Unzulänglichkeiten der Unterschichtzugehörigkeit und von schlecht verhohlener Verachtung und verlogenem Mitleid der Bessergestellten.
Ein Buch, das Leben und Sterben der armen Leute in einem der reichsten Länder der Welt aus ihrer eigenen Perspektive so schonungslos, genau und einfühlsam beschreibt, wie dies zuvor jahrzehntelang kein anderer Roman der deutschen Literatur zustande gebracht hat.
Der neue, dritte Band „Drei Schwestern“ beschreibt wie sich die Eltern des Protagonisten des ersten Buches, der zu dieser Zeit in den 80er Jahren noch nicht geboren ist, kennen und lieben lernen; schildert also gewissermaßen die Vorgeschichte zum ersten Buch. Aus den wechselnden Perspektiven der drei Schwestern wird von ihren unterschiedlichen Sehnsüchten und Lebensentwürfen erzählt. Aber eben nicht, wie das die übergroße Mehrheit der aktuellen deutschen Literatur tut, unter weitgehender Ausblendung gesellschaftlicher Verhältnisse, sondern im Gegenteil: Christian Barons erzählerischer Blick zeigt ständig die Umstände gesellschaftlicher Klassenverhältnisse und dass sie die eigentlichen Ursachen für die Situationen der Einzelnen sind. Anders gesagt: Das Private ist politisch!
In Folge 58 von Podcastliteratur.de liest Christian Baron aus seinem neuen Buch und redet mit Theo Schneider über Inhalt, Form und Entstehung und gibt Auskunft über seine literarische Werkstatt.
Unterschiedlicher könnten Mira, Juli und Ella kaum sein – und doch sind sie geeint in ihrer Sehnsucht nach jener großen Freiheit, die im Westdeutschland der Achtzigerjahre ein süßes Versprechen war.
Mira ist sechzehn, da erleidet sie eine Totgeburt. Der Vater des Kindes ist fort, doch tröstet sie der schillernde Nachbarsjunge Ottes. Sie will ausbrechen aus den Zwängen des proletarischen Elternhauses, politisiert sich und träumt vom Dasein als Dichterin. Juli, die jüngste Schwester, beschützt und bevormundet Mira, die sich nicht abhängig machen soll von einem Mann. Erst recht nicht von Ottes, dem Juli nichts Gutes zutraut. Darüber vergisst sie jedoch, den eigenen Weg zu finden. Die große Schwester Ella hat einen sozialen Aufstieg durch Heirat hinter sich und wird durch die Probleme der Jüngeren in die Muster ihrer Vergangenheit katapultiert. Muss es Mira und Juli nicht gelingen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, wo doch scheinbar alles möglich ist?
Zum Abschluss seiner Kaiserslauterer Trilogie erzählt Christian Baron von einer Welt, die Frauen alles verspricht, gegen deren unsichtbare Mauern die drei Schwestern aus „einfachen Verhältnissen“ in der Klassengesellschaft aber unablässig anrennen müssen. Ein zärtlicher Roman über Mut und Aufbruch, über das Fallen und Weitermachen – und immer wieder über die Hoffnung und die Liebe.
»Christian Baron offenbart sich als ein leidenschaftlicher Erzähler … Der Roman ist nicht nur Werkzeug, eine bittere Erkenntnis über linke Eliten des Landes oder die tatsächlichen Klassenverhältnisse zu kolportieren. Er lebt von flotten Dialogen, Idiolekten und Figuren, die im erzählerischen Sinne mit reichlich Fleisch auf den Hüften ausgestattet sind.« - Welt am Sonntag, Marlen Hobrack, 17.08.2025
»Lesend sieht man einen Film vor sich und wünscht sich, aus dem Roman könnte einer werden.« - Neues Deutschland, Irmtraud Gutschke, 15.08.202
»Baron porträtiert hier ein Milieu im Entstehen: eine Blaupause jenes liberalen Bürgertums, das heute sanierte Altbauwohnungen zwischen Frankfurter Nordend und dem Prenzlauer Berg bevölkert.« - Taz, David Hinzmann, 09.08.2025
»Ein enorm vielschichtiger Roman.« - BR2 Kulturjournal, Niels Beintker, 05.08.2025
»Der Abschluss der Kaiserslauterer Trilogie ist eine immense Leistung. Sie bewahrt etwas, das der Autor hinter sich gelassen hat und zugleich in sich trägt. Vor allem den Schmerz, der vom ungelebten Leben der Elterngeneration rührt.« - SWR Lesenswert, Ulrich Rüdenauer, 03.08.2025
»Bildungsgesättigt ist Barons Roman durchaus. Trotzdem steckt er voller Vitalität, hält er autosoziografische Schablonen auf Distanz.« - Der Tagesspiegel, Gerrit Bartels, 02.08.2025
»Das Buch besticht durch die Zuneigung für seine Protagonisten und eine schöne Sprache.« - Die Rheinpfalz, Rainer Dick, 30.07.2025
»Seit ich ›Ein Mann seiner Klasse‹, den Auftakt von Christian Barons Kaiserslautern-Trilogie, gelesen habe, bin ich Fan […] In Teil drei im Mittelpunkt: die Schwestern Ella, Juli und vor allem Mira, Barons früh verstorbene Mutter. Warum ausgerechnet Ottes zur großen Liebe dieser feinfühligen jungen Frau wird, für die das Leben keine großen Chancen vorgesehen hat…ich fühl's.« - emotion, Silvi! Feist, 16.07.2025
Der SPIEGEL-Bestseller des mehrfach ausgezeichneten Schriftstellers Christian Baron: adaptiert für Film und Theater, ausgezeichnet mit dem Deutschen Fernsehpreis und eingeladen zum Theatertreffen. Über die schockierende Lebensgeschichte eines Jungen aus ärmlichen Verhältnissen, der seinen eigenen Weg findet: schonungslos, bewegend und eindringlich.
»Eines der besten literarischen Debüts dieser Saison. Überraschend, überzeugend, überwältigend.« Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Mochte mein Vater auch manchmal unser letztes Geld in irgendeiner Spelunke versoffen, mochte er auch mehrmals meine Mutter blutig geprügelt haben: Ich wollte immer, dass er bleibt. Aber anders.«
Kaiserslautern in den neunziger Jahren: Christian Baron erzählt die Geschichte seiner Kindheit, seines prügelnden Vaters und seiner depressiven Mutter. Er beschreibt, was es bedeutet, in diesem reichen Land in Armut aufzuwachsen. Wie es sich anfühlt, als kleiner Junge männliche Gewalt zu erfahren. Was es heißt, als Jugendlicher zum Klassenflüchtling zu werden. Was von all den Erinnerungen bleibt. Und wie es ihm gelang, seinen eigenen Weg zu finden.
»Baron ist eine grandiose Mischung aus literarischer Schönheit und politischer Analyse gelungen.« Szene Hamburg
"Es ist in mehrerer Hinsicht ein ganz erstaunliches, großartiges Buch […], das mit Wucht daherkommt."
"Es ist die grosse Kunst von «Ein Mann seiner Klasse», den darin geschilderten Menschen literarisch eine Würde zurückzugeben, die ihnen im Leben verwehrt war."
"Ein ergreifend ehrliches und schmerzliches Buch." - Brigitte
„Eines der besten literarischen Debüts dieser Saison. Überraschend, überzeugend, überwältigend.“
„Christian Baron erzählt einfühlsam von Menschen, die nie eine Chance hatten, deren Leben in Politik, Literatur oder Medien kaum vorkommt.“ - WDR3
„Nichts weniger als das Buch der Stunde: Dieses Buch…ist kein Roman und keine Autobiografie, keine Reportage und kein Sachbuch. Nein, es enthält nichts weniger als das pralle, hässliche, unsagbar bittere und, ach, auch schrecklich schöne Leben. Es ist das wahre Leben, das Christian Baron in wahrhaftige Literatur verwandelt hat.“ - Rhein-Zeitung
„Christian Baron setzt auf die Kraft der schonungslosen Offenheit. Die Wucht seiner Erzählung gibt ihm darin mit jeder Zeile Recht.“ - SR Kultur
"Baron ist eine grandiose Mischung aus literarischer Schönheit und politischer Analyse gelungen." - Szene Hamburg, Ulrich Thiele, 28.01.2020
„Schlicht beschreibend, ohne Zeigefinger und oft befreiend witzig.“ - Stern
"Kein Westbuch. Kein Ostbuch. Sondern ein Buch, das hinter der parteipolitischen Realität Deutschlands dessen soziale Wirklichkeit zeigt. Ein Bericht über die Ausübung von gesellschaftlicher Gewalt, die von unten nach oben nicht aufhört, sondern die Formen wechselt…Schon jetzt eines der interessantesten Bücher mindestens dieses Frühjahrs." - Mitteldeutsche Zeitung
»Ein wahrer Glücksfall« FAZ
"216 Seiten, die so dicht sind, dass dieses Buch beim Lesen zu vibrieren scheint, weil immer wieder jähe Kurzschlüsse zwischen den Texten entstehen" - Süddeutsche Zeitung
"Ein wahrer Glücksfall!" - Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Julia Encke, 19.03.2021
"… zum Glück [erscheint] die Anthologie "Klasse und Kampf". Da sind geniale, gut geschriebene, verzweifelte, empörte, aufwiegelnde Texte drin.“ - Der Spiegel
Das Dröhnen und die Herrlichkeit, die Bürde und die Notwendigkeit des Lebens der „einfachen Leute“
Willy sehnt sich nach nichts so sehr wie nach einem normalen Leben. Er will seine Arbeit als Zimmerer gut machen, er will für seine Familie sorgen, er träumt vom eigenen Häuschen. Mit seiner ehrlichen Art stößt er immer wieder an Grenzen, was nichts an seinem Entschluss ändert, anständig zu bleiben.
Schön ist die Nacht ist ein Roman über die westdeutschen Siebzigerjahre, der Roman einer ganzen sozialen Klasse. Zwischen ihren nach Emanzipation strebenden Frauen und streikwilligen „Gastarbeitern“, zwischen ihnen entgleitenden Kindern und sie unter Druck setzenden Chefs, zwischen Spekulantenträumen und Baustellenwirklichkeit führen Willy und Horst aussichtslose Kämpfe um ihren Anteil am Wohlstand. Müssen wir sie uns als glückliche Menschen vorstellen?
»Christian Baron erzählt atmosphärisch dicht aus einer untergehenden Schicht […]. Er wagt eine Art Zwillingsexperiment. Was passiert, wenn man zwei Männer einer Generation mit recht ähnlichen Voraussetzungen, aber unterschiedlichen moralischen Ansprüchen, ein und derselben Situation aussetzt?« - taz, Marlen Hobrack, 05.08.2022
»Unbedingt lesenswert.« - SWR2 Lesenswert, Max Knieriemen, 31.07.2022
»Hier zeigt sich ein bedingungslos engagierter Gesellschaftskritiker als brillant formulierender, einfühlsamer Erzähler.« - Die Rheinpfalz, Rainer Dick, 28.07.2022
»Mit einem ungemeinen Sensorium für das Detail beschreibt er die Gefühle, Sehnsüchte und Aporien der Unterschicht und gibt ihr zugleich eine sprachliche Repräsentanz.« - der Freitag, Björn Hayer, 28.07.2022
»Christian Baron ist der Schriftsteller, der die nicht vom Wohlstand verwöhnten Deutschen im Blick hat wie kein Zweiter.« - Welt, Frank Jöricke, 28.07.2022
»Erinnert in seiner stellenweise wuchtigen, unverstellten Direktheit an Döblins "Berlin Alexanderplatz" […] Ein über weite Strecken mitreißender Roman […] Hier erzählt einer scheinbar alles über seine Figuren, ohne sie zu verraten. Das soll ihm erstmal einer nachmachen.« - SR Kultur, Peter Henning, 27.07.2022
»Ein vielschichtiger Roman, in dem man immer wieder neue Facetten entdeckt […]. Etwas Großartiges, das garantiert Furore machen wird […]. Ein Meister des Dialogs […]. Die Zeit vor seiner Geburt führt Baron uns so plastisch vor Augen, als hätte er sie selbst erlebt […]. Fulminante Szenen.« - Neues Deutschland, Irmtraud Gutschke, 26.07.2022
»Die Literatur, die Christian Baron schreibt, ist eine Klasse für sich.« - RBB Kultur Gerrit Bartels, 26.07.2022
»Ein fulminanter Roman […]. Baron lässt uns emotional nie kalt, weil er nicht distanziert von fern erzählt, wie etwa Didier Eribon oder Annie Ernaux…Er steckt voller Schmerz und Zorn, Angst und Hoffnung, Liebe und Hass, das macht das Buch kraftvoll und vor allem sprachlich authentisch. […] Dieser Roman mutet Wechselbäder der Gefühle zu, und genau das macht ihn lesenswert.« - Süddeutsche Zeitung, Elke Heidenreich, 26.07.2022
Christian Baron, geboren 1985 in Kaiserslautern, lebt als freier Autor in Berlin. Im Sommer 2025 erschien bei Claassen sein dritter Roman, der seine "Kaiserslautern-Trilogie" vollendet. Der Titel: "Drei Schwestern". Sein zweiter Roman "Schön ist die Nacht" erschien 2022 bei Claassen. Die von ihm zusammen mit Maria Barankow herausgegebene Anthologie "Klasse und Kampf" erschien 2021 bei Claassen. Im Frühjahr 2020 erschien von ihm "Ein Mann seiner Klasse" (Claassen), wofür er im selben Jahr mit dem Klaus-Michael-Kühne-Preis für das beste deutschsprachige Debüt und 2021 mit dem Literaturpreis "Aufstieg durch Bildung" der noon-Foundation ausgezeichnet wurde. Im Jahr 2020 erhielt er das Arbeitsstipendium Literatur des Landes Rheinland-Pfalz, im Jahr 2021 das Arbeitsstipendium Literatur des Berliner Senats. Ende 2023 übernahm er die Tübinger Poetik-Dozentur. Die Verfilmung von "Ein Mann seiner Klasse" wurde im Herbst 2024 in der ARD ausgestrahlt und ist nach wie vor in der ARD-Mediathek abrufbar.
Von 2018 bis 2021 arbeitete Baron als Politikredakteur bei der Wochenzeitung "der Freitag". Von 2014 bis 2018 war er Feuilletonredakteur der Tageszeitung "neues deutschland". Zwischen 2011 und 2014 war er Promotionsstipendiat der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Die damit verbundene, von Prof. Dr. Ulrich Brinkmann (TU Darmstadt) betreute soziologische Dissertation zum massenmedialen Sozialstaatsdiskurs in Deutschland befindet sich kurz vor dem Abschluss. 2010 schloss Baron sein Magister-Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Germanistik an der Uni Trier ab.
Von 2002 bis 2006 war er freier Mitarbeiter der Tageszeitung "Die Rheinpfalz" in Kaiserslautern und arbeitete danach in Trier ressortübergreifend für die lokalen Online-Magazine "16vor.de" und "hunderttausend.de". Anschließend schrieb er unter anderem regelmäßig für das Internetportal "nachtkritik.de" über Theater.
2016 veröffentlichte er das Sachbuch "Proleten, Pöbel, Parasiten. Warum die Linken die Arbeiter verachten" (Verlag Das Neue Berlin) und 2012 mit Britta Steinwachs die Studie "Faul, frech, dreist. Die Diskrimierung von Erwerbslosigkeit durch BILD-Leser*innen" (Verlag Edition Assemblage).
Bis heute ist die Geschichte des Dramas vor 500 Jahren im Bewusstsein der Bevölkerung (zumindest in den Ländern der alten Bundesrepublik) so gut wie unbekannt; bestenfalls mit einigen falschen Klischees und Unwahrheiten der Geschichtsschreibung der Sieger verbunden.
Dabei fand in diesem Jahr nichts weniger als die erste Revolution in Deutschland statt.
Die einzelnen Rebellionen von Bauern und Bürgern der Jahrhunderte und Jahrzehnte zuvor kulminierten 1525 zur ersten Revolution in der Hälfte Deutschlands und in Nachbarregionen (und keineswegs nur in Süddeutschland, wie oft dargestellt wird).
Zählt man alle Aktionen von Herbst 1524 bis Mitte 1526 zusammen, waren wohl 1 Million Menschen davon betroffen. Bei der Niederschlagung der Aufstände wurde 70.000 bis 100.000 Bauern und Bürger von den Heeren der Fürsten totgeschlagen, abgeschlachtet, hingerichtet – ermordet! Das Wüten der Herrschenden wurde von der Geschichtsschreibung der Sieger bis heute erfolgreich ausgeblendet und umgelogen. Dagegen wurde die Mär von den Morden der grausamen Bauernhaufen erfolgreich verbreitet. Doch im Vergleich waren es höchsten ein paar Hunderte, die auf der Seite der Fürsten bei den Kämpfen zu Tode kamen.
Angetrieben wurden die Aufstände nicht nur von sozialer Not, sondern vor allem durch die ungerechte Behandlung der Bauern durch ihre Grundherren. Diese hatten zuvor immer stärker ihre Forderungen nach Abgaben, Frondiensten, Enteignung der Allmende, Einschränkung der Jagd- und Fischerei und weiterer seit alters her verbriefter Rechte erhöht und dies ohne Rechtsgrundlagen mit Gewalt durchgesetzt.
Und sie kämpften für ihre Freiheit als Christenmenschen wie sie ihnen die Reformation versprochen hatte. Doch Luther erwies sich bald als Verräter ihrer Sache, schlug sich auf die Seite der Fürsten und rief immer heftiger zur Bekämpfung und brutalen Ermordung aufständischer Bauern auf.
Podcastliteratur.de bringt in zwei Folgen Licht in das Dunkel dieser Ereignisse und wichtige Wahrheiten in die Lügen der damals Herrschenden. Der Autor, Kulturwissenschaftler und Liedermacher Volker Gallé aus Rheinhessen redet in den Folgen 56 und 57 mit Theo Schneider über die Ereignisse von 1525.
Hier also in Folge 57, dem zweiten Teil von „BauernSchlachten“.
Themen darin sind die 12 Artikel von Memmingen, die zentralen Forderungen der aufständischen Bauern, Handwerker und Bürger und ihre politischen, gesellschaftlichen und sozialen Hintergründe / Wer waren Anführer und Hauptakteure / Die Rolle der Reformation / Luthers Verrat und seine Mordaufrufe an den Bauern / Die Bewaffnung und Strategien der Bauertruppen / Die Kämpfe und Gemetzel / Das Bauernschlachten mit 70.000 bis 100.000 getöteten Bauern und Bürger / Mord und Totschlag / Die Folgen der Bauernaufstände / Was bleibt?
weiterführende Literatur zum Thema Bauernkrieg finden Sie bei Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Bauernkrieg)
Der Autor, Liedermacher und Kulturwissenschaftler Volker Gallé ist 70 Jahre alt und seit über 50 Jahren mit Kleinkunstprogrammen und Vorträgen unterwegs, die sich meist mit Geschichte und Kultur seiner linksrheinischen Heimat beschäftigen. Er lebt in Mauchenheim und war als Kulturkoordinator der Stadt Worms für die Entwicklung der Kulturprofile Nibelungen, Dom, Luther und SchUM-Städte zuständig. Lange Jahre war er Vorsitzender des Fördervereins der KZ-Gedenkstätte Osthofen.
Derzeit engagiert er sich für die Profilierung der Demokratiegeschichte des Landes Rheinland-Pfalz als Motor für eine aktive Bürger/innenbeteiligung, die Begegnung von Verschiedenen an dritten Orten ermöglicht, und für mehr kommunale Selbstverwaltung eintritt.
Texte und Lieder von Volker Gallé
Neben mir mein herz. Lyrik 2025
In den 1990er Jahren sind auch CD’s und Kasetten erschienen
Bis heute ist die Geschichte des Dramas vor 500 Jahren im Bewusstsein der Bevölkerung (zumindest in den Ländern der alten Bundesrepublik) so gut wie unbekannt; bestenfalls mit einigen falschen Klischees und Unwahrheiten der Geschichtsschreibung der Sieger verbunden.
Dabei fand in diesem Jahr nichts weniger als die erste Revolution in Deutschland statt.
Die einzelnen Rebellionen von Bauern und Bürgern der Jahrhunderte und Jahrzehnte zuvor kulminierten 1525 zur ersten Revolution in der Hälfte Deutschlands und in Nachbarregionen (und keineswegs nur in Süddeutschland, wie oft dargestellt wird).
Zählt man alle Aktionen von Herbst 1524 bis Mitte 1526 zusammen, waren wohl 1 Million Menschen davon betroffen. Bei der Niederschlagung der Aufstände wurde 70.000 bis 100.000 Bauern und Bürger von den Heeren der Fürsten totgeschlagen, abgeschlachtet, hingerichtet – ermordet! Das Wüten der Herrschenden wurde von der Geschichtsschreibung der Sieger bis heute erfolgreich ausgeblendet und umgelogen. Dagegen wurde die Mär von den Morden der grausamen Bauernhaufen erfolgreich verbreitet. Doch im Vergleich waren es höchsten ein paar Hunderte, die auf der Seite der Fürsten bei den Kämpfen zu Tode kamen.
Angetrieben wurden die Aufstände nicht nur von sozialer Not, sondern vor allem durch die ungerechte Behandlung der Bauern durch ihre Grundherren. Diese hatten zuvor immer stärker ihre Forderungen nach Abgaben, Frondiensten, Enteignung der Allmende, Einschränkung der Jagd- und Fischerei und weiterer seit alters her verbriefter Rechte erhöht und dies ohne Rechtsgrundlagen mit Gewalt durchgesetzt.
Und sie kämpften für ihre Freiheit als Christenmenschen wie sie ihnen die Reformation versprochen hatte. Doch Luther erwies sich bald als Verräter ihrer Sache, schlug sich auf die Seite der Fürsten und rief immer heftiger zur Bekämpfung und brutalen Ermordung aufständischer Bauern auf.
Podcastliteratur.de wird in zwei Folgen Licht in das Dunkel dieser Ereignisse und wichtige Wahrheiten in die Lügen der damals Herrschenden bringen. Der Autor, Kulturwissenschaftler und Liedermacher Volker Gallé aus Rheinhessen redet in den Folgen 56 und 57 mit Theo Schneider über die Ereignisse von 1525.
weiterführende Literatur zum Thema Bauernkrieg finden Sie bei Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Bauernkrieg)
Der Autor, Liedermacher und Kulturwissenschaftler Volker Gallé ist 70 Jahre alt und seit über 50 Jahren mit Kleinkunstprogrammen und Vorträgen unterwegs, die sich meist mit Geschichte und Kultur seiner linksrheinischen Heimat beschäftigen. Er lebt in Mauchenheim und war als Kulturkoordinator der Stadt Worms für die Entwicklung der Kulturprofile Nibelungen, Dom, Luther und SchUM-Städte zuständig. Lange Jahre war er Vorsitzender des Fördervereins der KZ-Gedenkstätte Osthofen.
Derzeit engagiert er sich für die Profilierung der Demokratiegeschichte des Landes Rheinland-Pfalz als Motor für eine aktive Bürger/innenbeteiligung, die Begegnung von Verschiedenen an dritten Orten ermöglicht, und für mehr kommunale Selbstverwaltung eintritt.
Texte und Lieder von Volker Gallé
Neben mir mein herz. Lyrik 2025
In den 1990er Jahren sind auch CD’s und Kasetten erschienen
Die Kostprobe stellt das neue Buch des Saarländischen Autors Ralph Schock vor. Es versammelt in Inhalt und Form höchst unterschiedliche Erzählungen der vergangenen Jahre: Porträts von Personen, die für ihn wichtig waren, prägende Begegnungen und inspirierende Bekanntschaften, belastende, denkwürdige und kuriose Erinnerungen an Freunde und Familie, aus Kindheit, Reisen und Beruf.
Die umfangreichste und spannendste Erzählung daraus, wird er selbst vorlesen, nachdem er kurz Inhalt und Entstehung seines neuen Prosabands skizziert hat.
Geboren 1952 in Ottweiler (Saarland). Germanistik- und Philosophie-Studium. 1973 – 1974 Ersatzdienst. Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität des Saarlandes (1977 – 1984). 1984 Dissertation über Gustav Regler: „Literatur und Politik (1933 – 1940)“.
Jurortätigkeit, u.a. Kunstpreis des Saarlandes; Open Mike (Berlin); Gustav-Regler-Preis; Hans-Bernhard-Schiff-Preis; Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis, Künstlerhaus Lukas (Ahrenshoop).
Literarische, journalistische und wissenschaftliche Publikationen, u.a. Heinrich-Mann-Blätter, Jahrb. für internat. Germanistik, Frankfurter Hefte, Die Feder, Kunst & Kultur, VS – Vertraulich, Frankfurter Rundschau, OPUS, saargeschichte(n), Sinn und Form, europe, Text-Kritische Beiträge, Streckenläufer, Schreibheft etc.
Herausgeber der Buchreihe Spuren (Texte von Theodor Balk, François-Régis Bastide, Alfred Döblin, Ilya Ehrenburg, Harald Gerlach, Hermann Hesse, Giwi Margwelaschwili, Joseph Roth, Philippe Soupault, Korrespondenz Eugen Helmlé – Georges Perec, Edith Aron, ).
Herausgeber der Buchreihe Abiturreden (seit 1999). Reden von Wilhelm Genazino, Birgit Vanderbeke, Herta Müller, Guntram Vesper, Dieter Wellershoff, Raoul Schrott, Ulrike Kolb, Feridun Zaimoglu, Ulrich Peltzer, Christoph Hein, Juli Zeh, Thomas Hürlimann, Sibylle Lewitscharoff, Martin Mosebach. Jenny Erpenbeck, Marcel Beyer, Jan Wagner, Anne Weber.
• Juanita; 1998
Publikationen zur zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur, Gespräche mit Autoren, Veröffentlichungen zur saarländischen Landes- und Literaturgeschichte.
Ralph Schock: Gustav Regler – Literatur und Politik (1933-1940)
Ralph Schock (Hg.):
Theodor Balk: Hier spricht die Saar – Ein Land wird interviewt
Gustav Regler – Dokumente und Analysen – Tagebuch 1940 und Werkinterpretationen – Festgabe für Gerhard Schmidt-Henkel,
Saargeschichte im Plakat 1918 – 1957
In diesem fernen Land – Eine saarländische Anthologie
Ein Dialog zwischen Blinden und Taubstummen – Der VS-Kongreß 1984 in Saarbrücken – Eine Dokumentation. Mit einem Nachwort von Carl Amery
Richtig daheim waren wir nie – Entdeckungsreisen ins Saarrevier 1815 – 1955.
Gustav Regler:
Randwortfaktor – Saarbrücker Literaturtage in Otzenhausen 1999 – Eine Dokumentation
„Seit ein Gespräch wir sind“ – Ein Buch über Arnfrid Astel
Günter Grass / Hermann Kant:
Gerhard Paul / Ralph Schock (Hg.):
Ralph Schock (Hg.):
Der liebste Ort auf Erden – Klogeschichten
Markus Gestier, Ralph Schock (Hg.):
W.G. Sebald:
Ralph Schock:
Ralph Schock (Hg.):
Ralph Schock (Hg.):
Ralph Schock (Hg.):
Ralph Schock (Hg.):
Ralph Schock:
(entnommen aus: „VS-Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller/ Verdi – Landesverband Saar“)
Eine Tour d`Horizon durch Leben und Werk mit Prof. Francesca Vidal, der Präsidentin der Ernst-Bloch-Gesellschaft und Herausgeberin des Ernst-Bloch-Almanachs und Theo Schneider.
Bloch und Karl May / Fantasien der Kinder / Bloch als Gegner der Nazis / Emigration und Exil in den USA / Was meint „Prinzip Hoffnung“? / Professur in Leipzig / Kritik des Dogmatismus in der DDR / Mobbing und Berufsverbot in der DDR / Übersiedlung in die BRD und Professur in Tübingen / Bloch und die Studentenrevolte um 1968 / Kritik an bundesrepublikanischen Verhältnissen / Prag 1968 / Bloch als Philosoph eines Dritten Wegs zwischen Kapitalismus und Kommunismus / Blochs Philosophie heute in Deutschland und der Welt
In der "Geschichte der Philosophie" wird seine Sonderstellung herausgehoben: "Es muß noch von einem Mann berichtet werden, der nirgendwo hinpaßt, nicht ins Kaiserreich und nicht in die Weimarer Republik, der vor dem Faschismus in die Tschechoslowakei, dann in die USA emigrieren mußte, der von 1949 bis 1961 Philosophieprofessor in Leipzig war, aber, weil man ihn dort nicht mehr haben wollte, 1961 in die Bundesrepublik umgesiedelt ist, um schließlich in Tübingen weiter Philosophie zu lehren, bis er 1977 im Alter von 92 Jahren gestorben ist. Er erscheint nicht am Ende dieses Abschnitts des europäischen Denkens, weil er etwa als Summe oder letztes Wort zu verstehen ist. Er tritt an den Schluß [der neuzeitlichen Philosophie, Anmerkung der Redaktion.], weil er in einer verzagten, skeptischen und zerrissenen Zeit noch immer sehr viel zu sagen hat. Als Kontrapunkt, denn Ernst Bloch – von dem hier die Rede ist – ist ein Philosoph der Hoffnung. Sein Leben lang hat sein Leben dem gegolten, was in der Vergangenheit ‚unerledigt‘ geblieben ist, womit die Gegenwart schwanger geht – das Morgen im Heute, das Mögliche, das bessere Leben, die konkrete Utopie." (Christoph Helferich, Geschichte der Philosophie, Metzler, Stuttgart 2001, 444)
Ernst Bloch wurde 1885 im damals bayrischen Ludwigshafen am Rhein in einem jüdischen Elternhaus geboren und studierte nach dem Abitur in München und Würzburg u.a. Philosophie. In den Jahren nach seiner Promotion schloss er Freundschaft mit u.a. Georg Lukács und verkehrte im Heidelberger Kreis um Max Weber. 1918 erschien das bedeutende Frühwerk Geist der Utopie.
Schon 1917 war Bloch in die Schweiz emigriert und hatte in Zeitungsartikeln und Broschüren gegen den Ersten Weltkrieg Stellung bezogen. Aus diesem politischen Engagement erwuchs die Begeisterung für die russische Revolution und die Ausrufung der deutschen Republik. Den letzten Zielhorizont, der den revolutionären Aufbrüchen die Hoffnung verleiht, bildet für Bloch die Eschatologie, wie er in Thomas Münzer als Theologe der Revolution am Beispiel der Bauernkriege zeigt.
In den zwanziger Jahren lebte Bloch vor allem in Berlin und hielt sich auch längere Zeit in Italien und Frankreich auf. Die philosophische Arbeit trat zurück, er schrieb Feuilletonartikel und literarische Aufsätze in den großen linksdemokratischen und liberalen Periodika der Weimarer Republik wie Berliner Tageblatt, Frankfurter Zeitung, Das Tage-Buch oder Die Weltbühne.
Spuren, eines der schönsten Bücher Ernst Blochs, sammelt kurze erzählende Texte, die sich – annäherungsweise – als Parabeln definieren lassen und die zur Schullektüre geworden sind. Das Buch ist kein Nebenwerk des Philosophen, sondern wird von diesem später programmatisch als Band 1 an den Anfang der Gesamtausgabe gestellt.
1933 verließ Bloch Nazi-Deutschland – und beteiligte sich am publizistischen Kampf der Exilpresse gegen den Nationalsozialismus (z.B. in Freies Deutschland (Mexiko) oder in der Prager Neuen Weltbühne), den er schon früh etwa in dem 1924 erschienenen Aufsatz "Hitlers Gewalt" präzise kritisch analysiert hatte. Mit Erbschaft dieser Zeit, das große Beachtung fand (lobende Rezensionen u.a. von Thomas Mann und Hermann Hesse, aber Kritik aus Moskau), bescheinigt Bloch der Weimarer Linken von SPD bis KPD eine "Unterernährung an sozialistischer Phantasie" und fragt, ob es den Nazis nicht vielleicht aus diesem Grund so leicht gelang, die in den Widersprüchen der ungleichzeitigen Gesellschaft brennenden Energien für ihre Zwecke auszubeuten. Das Exil in den USA schnitt Bloch über ein Jahrzehnt lang von Publikationsmöglichkeiten seines philosophischen Werkes ab, dennoch arbeitete er höchst produktiv an umfangreichen Manuskripten wie Dreams of a better life (so der ursprüngliche Titel von Das Prinzip Hoffnung), aber auch am Naturrecht und am Buch Subjekt-Objekt. Erläuterungen zu Hegel.
1949 war Bloch auf einen Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Leipzig berufen worden. Der von Anfang an schwelende Konflikt mit der SED brach 1956 offen aus, Blochs Philosophie wurde als "antimarxistisch" und "revisionistisch" heftig attackiert. Er durfte keine Vorlesungen mehr halten, seine Bücher wurden nicht mehr gedruckt. Es bleibt Blochs Verdienst, gegenüber der Staatsideologie antidogmatisch aufgetreten zu sein. Wer unter seinem Einfluss gestanden hatte – so die Bilanz des ansonsten gegenüber Bloch sehr kritischen Philosophen Leszek Kolakowski –, habe nicht mehr widerstandslos die Partei-Schemata geschluckt.
Kurz nach dem Bau der Berliner Mauer kehrten Ernst und Karola Bloch von einer Reise nicht mehr in die DDR zurück, sondern siedelten sich dauerhaft im Westen an: Ernst Bloch lehrte nun als Gastprofessor in Tübingen, wo er als 76-Jähriger zu Beginn des Wintersemesters 1961 unter gewaltigem Zustrom die Antrittsvorlesung "Kann Hoffnung enttäuscht werden?" hielt und mehr und mehr zum Stichwortgeber der studentischen Proteste im Deutschland der sechziger Jahre wurde. Nach dem frühen Ruhm mit Geist der Utopie und Blochs Zeit als Professor in der DDR, begann hier die dritte große Wirkungsphase: Gesamtausgabe im Suhrkamp Verlag, zahlreiche Vorträge im In- und Ausland, weltweite Rezeption, Präsenz in den Medien, internationale Ehrungen. Bis zuletzt tätig, starb Bloch 1977 in Tübingen im Alter von fast 92 Jahren.
'1885
(Susanne Eckelmann, Antonia Meiners, © Deutsches Historisches Museum, Berlin, Stand: 17. März 2021, Text: CC BY NC SA 4.0)
Gert Ueding
BLOCH. Eine Bildmonographie
Arno Münster
Peter Zudeik
ERNST BLOCH: BRIEFE. 1903 – 1975. Zwei Bände.
Karola Bloch
Silvia Markun
(aus: Webseite Ernst Bloch Zentrum Ludwighafen)
Das Ernst-Bloch-Zentrum ist ein Kultur- und Wissenschaftsinstitut, das sich mit Utopien, Zukunftsthemen und kritischen Fragen der Zeit beschäftigt. Seine mehrgliedrigen Aktivitäten – Archiv und Bibliothek, Forschung, kulturelles und wissenschaftliches Veranstaltungsprogramm, Bildungsprogramm für verschiedenen Zielgruppen, Ausstellungsaktivität im Hinblick auf die Dauer- und auf wechselnde Sonderausstellungen - eröffnen unterschiedliche Zugänge mit dem Ziel, einerseits als eine Ermöglichungsplattform für die Forschungstätigkeit externer Wissenschaftler*innen zu dienen und andererseits wissenschaftliche Forschungsergebnisse, philosophische Konzepte und aktuelle intellektuelle und politische Debatten für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen. Ausgangspunkt für diesen Ansatz ist die Philosophie Ernst Blochs mit ihren Leitthemen „Prinzip Hoffnung“, „aufrechter Gang“ und „konkrete Utopie“, die sich als Denkmodelle anbieten. Aus diesen Themen wird die Bedeutung von Blochs Denken für die heutige Zeit – auch über philosophische Ideen hinaus – abgeleitet, etwa für die Künste, die Arbeitswelt, das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen, die Religion. In der ständigen Ausstellung wird das auf Glasplatte begehbare Tübinger Arbeitszimmer Ernst Blochs präsentiert. Das Bloch-Archiv mit dem privaten und wissenschaftlichen Nachlass und die Bibliothek vermitteln Zugänge zu Leben und Werk des Philosophen.
Ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm behandelt kulturelle, philosophische und Bildungsthemen und soll Akzente für zukunftsfähiges Denken und humanes Handeln setzen. Mit seinen interdisziplinären Veranstaltungen und Diskursen richtet sich das Ernst-Bloch-Zentrum an ein breites Publikum, ganz im Sinne „öffentlicher Wissenschaft". Talk bei Bloch, Vorträge und Tagungen behandeln zeitkritische und utopische Themen und bringen Fachexperten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft mit einem kritischen Publikum zusammen. Bei Autoren bei Bloch sind bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu Gast. Sonderausstellungen ergänzen das Programm, mit Führungen und Workshops kommt das Ernst-Bloch-Zentrum seinem Bildungsauftrag nach.
Auswahl-Bibliographie (chronologische Auflistung)
Ernst Bloch – Arnold Metzger
Ernst Bloch
Ernst Bloch – Wieland Herzfelde
Ernst Bloch
Ernst Bloch
Ernst Bloch
Ernst Bloch
Rainer Traub, Harald Wieser (Hrsg.)
Ernst Bloch
Ernst Bloch
Ernst Bloch
Prof. Francesca Vidal, Präsidentin der Ernst-Bloch-Gesellschaft und Herausgeberin des Ernst-Bloch-Jahrbuchs im Gespräch mit Theo Schneider.
Geburt 1885 in Ludwigshafen / Herkunft aus einer säkularen jüdischen Familie der Pfalz / Zwei Seestädte auf dem Land: das junge, proletarisch dreckige Ludwigshafen und das alte, barock prunkende Mannheim / frühe selbstbewusste Leidenschaft für Denken und Philosophie / Studium und Promotion / Entdeckung seines Lebensthemas: der Vorschein einer besseren Zukunft in schlechter Gegenwart und den Niederlagen der Vergangenheit / Ästhetik / Musik und Literatur / „Thomas Münzer“ / Bloch und die Religion, Judentum und Christentum, das messianische Element / „Spuren“ / Bloch als Vielschreiber und Feuilletonautor / „Erbschaft dieser Zeit“
In der "Geschichte der Philosophie" wird seine Sonderstellung herausgehoben: "Es muß noch von einem Mann berichtet werden, der nirgendwo hinpaßt, nicht ins Kaiserreich und nicht in die Weimarer Republik, der vor dem Faschismus in die Tschechoslowakei, dann in die USA emigrieren mußte, der von 1949 bis 1961 Philosophieprofessor in Leipzig war, aber, weil man ihn dort nicht mehr haben wollte, 1961 in die Bundesrepublik umgesiedelt ist, um schließlich in Tübingen weiter Philosophie zu lehren, bis er 1977 im Alter von 92 Jahren gestorben ist. Er erscheint nicht am Ende dieses Abschnitts des europäischen Denkens, weil er etwa als Summe oder letztes Wort zu verstehen ist. Er tritt an den Schluß [der neuzeitlichen Philosophie, Anmerkung der Redaktion.], weil er in einer verzagten, skeptischen und zerrissenen Zeit noch immer sehr viel zu sagen hat. Als Kontrapunkt, denn Ernst Bloch – von dem hier die Rede ist – ist ein Philosoph der Hoffnung. Sein Leben lang hat sein Leben dem gegolten, was in der Vergangenheit ‚unerledigt‘ geblieben ist, womit die Gegenwart schwanger geht – das Morgen im Heute, das Mögliche, das bessere Leben, die konkrete Utopie." (Christoph Helferich, Geschichte der Philosophie, Metzler, Stuttgart 2001, 444)
Ernst Bloch wurde 1885 im damals bayrischen Ludwigshafen am Rhein in einem jüdischen Elternhaus geboren und studierte nach dem Abitur in München und Würzburg u.a. Philosophie. In den Jahren nach seiner Promotion schloss er Freundschaft mit u.a. Georg Lukács und verkehrte im Heidelberger Kreis um Max Weber. 1918 erschien das bedeutende Frühwerk Geist der Utopie.
Schon 1917 war Bloch in die Schweiz emigriert und hatte in Zeitungsartikeln und Broschüren gegen den Ersten Weltkrieg Stellung bezogen. Aus diesem politischen Engagement erwuchs die Begeisterung für die russische Revolution und die Ausrufung der deutschen Republik. Den letzten Zielhorizont, der den revolutionären Aufbrüchen die Hoffnung verleiht, bildet für Bloch die Eschatologie, wie er in Thomas Münzer als Theologe der Revolution am Beispiel der Bauernkriege zeigt.
In den zwanziger Jahren lebte Bloch vor allem in Berlin und hielt sich auch längere Zeit in Italien und Frankreich auf. Die philosophische Arbeit trat zurück, er schrieb Feuilletonartikel und literarische Aufsätze in den großen linksdemokratischen und liberalen Periodika der Weimarer Republik wie Berliner Tageblatt, Frankfurter Zeitung, Das Tage-Buch oder Die Weltbühne.
Spuren, eines der schönsten Bücher Ernst Blochs, sammelt kurze erzählende Texte, die sich – annäherungsweise – als Parabeln definieren lassen und die zur Schullektüre geworden sind. Das Buch ist kein Nebenwerk des Philosophen, sondern wird von diesem später programmatisch als Band 1 an den Anfang der Gesamtausgabe gestellt.
1933 verließ Bloch Nazi-Deutschland – und beteiligte sich am publizistischen Kampf der Exilpresse gegen den Nationalsozialismus (z.B. in Freies Deutschland (Mexiko) oder in der Prager Neuen Weltbühne), den er schon früh etwa in dem 1924 erschienenen Aufsatz "Hitlers Gewalt" präzise kritisch analysiert hatte. Mit Erbschaft dieser Zeit, das große Beachtung fand (lobende Rezensionen u.a. von Thomas Mann und Hermann Hesse, aber Kritik aus Moskau), bescheinigt Bloch der Weimarer Linken von SPD bis KPD eine "Unterernährung an sozialistischer Phantasie" und fragt, ob es den Nazis nicht vielleicht aus diesem Grund so leicht gelang, die in den Widersprüchen der ungleichzeitigen Gesellschaft brennenden Energien für ihre Zwecke auszubeuten. Das Exil in den USA schnitt Bloch über ein Jahrzehnt lang von Publikationsmöglichkeiten seines philosophischen Werkes ab, dennoch arbeitete er höchst produktiv an umfangreichen Manuskripten wie Dreams of a better life (so der ursprüngliche Titel von Das Prinzip Hoffnung), aber auch am Naturrecht und am Buch Subjekt-Objekt. Erläuterungen zu Hegel.
1949 war Bloch auf einen Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Leipzig berufen worden. Der von Anfang an schwelende Konflikt mit der SED brach 1956 offen aus, Blochs Philosophie wurde als "antimarxistisch" und "revisionistisch" heftig attackiert. Er durfte keine Vorlesungen mehr halten, seine Bücher wurden nicht mehr gedruckt. Es bleibt Blochs Verdienst, gegenüber der Staatsideologie antidogmatisch aufgetreten zu sein. Wer unter seinem Einfluss gestanden hatte – so die Bilanz des ansonsten gegenüber Bloch sehr kritischen Philosophen Leszek Kolakowski –, habe nicht mehr widerstandslos die Partei-Schemata geschluckt.
Kurz nach dem Bau der Berliner Mauer kehrten Ernst und Karola Bloch von einer Reise nicht mehr in die DDR zurück, sondern siedelten sich dauerhaft im Westen an: Ernst Bloch lehrte nun als Gastprofessor in Tübingen, wo er als 76-Jähriger zu Beginn des Wintersemesters 1961 unter gewaltigem Zustrom die Antrittsvorlesung "Kann Hoffnung enttäuscht werden?" hielt und mehr und mehr zum Stichwortgeber der studentischen Proteste im Deutschland der sechziger Jahre wurde. Nach dem frühen Ruhm mit Geist der Utopie und Blochs Zeit als Professor in der DDR, begann hier die dritte große Wirkungsphase: Gesamtausgabe im Suhrkamp Verlag, zahlreiche Vorträge im In- und Ausland, weltweite Rezeption, Präsenz in den Medien, internationale Ehrungen. Bis zuletzt tätig, starb Bloch 1977 in Tübingen im Alter von fast 92 Jahren.
'1885
(Susanne Eckelmann, Antonia Meiners, © Deutsches Historisches Museum, Berlin, Stand: 17. März 2021, Text: CC BY NC SA 4.0)
Gert Ueding
BLOCH. Eine Bildmonographie
Arno Münster
Peter Zudeik
ERNST BLOCH: BRIEFE. 1903 – 1975. Zwei Bände.
Karola Bloch
Silvia Markun
(aus: Webseite Ernst Bloch Zentrum Ludwighafen)
Das Ernst-Bloch-Zentrum ist ein Kultur- und Wissenschaftsinstitut, das sich mit Utopien, Zukunftsthemen und kritischen Fragen der Zeit beschäftigt. Seine mehrgliedrigen Aktivitäten – Archiv und Bibliothek, Forschung, kulturelles und wissenschaftliches Veranstaltungsprogramm, Bildungsprogramm für verschiedenen Zielgruppen, Ausstellungsaktivität im Hinblick auf die Dauer- und auf wechselnde Sonderausstellungen - eröffnen unterschiedliche Zugänge mit dem Ziel, einerseits als eine Ermöglichungsplattform für die Forschungstätigkeit externer Wissenschaftler*innen zu dienen und andererseits wissenschaftliche Forschungsergebnisse, philosophische Konzepte und aktuelle intellektuelle und politische Debatten für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen. Ausgangspunkt für diesen Ansatz ist die Philosophie Ernst Blochs mit ihren Leitthemen „Prinzip Hoffnung“, „aufrechter Gang“ und „konkrete Utopie“, die sich als Denkmodelle anbieten. Aus diesen Themen wird die Bedeutung von Blochs Denken für die heutige Zeit – auch über philosophische Ideen hinaus – abgeleitet, etwa für die Künste, die Arbeitswelt, das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen, die Religion. In der ständigen Ausstellung wird das auf Glasplatte begehbare Tübinger Arbeitszimmer Ernst Blochs präsentiert. Das Bloch-Archiv mit dem privaten und wissenschaftlichen Nachlass und die Bibliothek vermitteln Zugänge zu Leben und Werk des Philosophen.
Ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm behandelt kulturelle, philosophische und Bildungsthemen und soll Akzente für zukunftsfähiges Denken und humanes Handeln setzen. Mit seinen interdisziplinären Veranstaltungen und Diskursen richtet sich das Ernst-Bloch-Zentrum an ein breites Publikum, ganz im Sinne „öffentlicher Wissenschaft". Talk bei Bloch, Vorträge und Tagungen behandeln zeitkritische und utopische Themen und bringen Fachexperten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft mit einem kritischen Publikum zusammen. Bei Autoren bei Bloch sind bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu Gast. Sonderausstellungen ergänzen das Programm, mit Führungen und Workshops kommt das Ernst-Bloch-Zentrum seinem Bildungsauftrag nach.
Auswahl-Bibliographie (chronologische Auflistung)
Ernst Bloch – Arnold Metzger
Ernst Bloch
Ernst Bloch – Wieland Herzfelde
Ernst Bloch
Ernst Bloch
Ernst Bloch
Ernst Bloch
Rainer Traub, Harald Wieser (Hrsg.)
Ernst Bloch
Ernst Bloch
Ernst Bloch
Es ist das deutsche Nationalepos: Das Nibelungenlied.
Der erste Teil des Nibelungenlieds beginnt mit der Geschichte von Siegfried, einem Helden, der durch das Baden in Drachenblut unverwundbar wird, außer an einer Stelle, die von einem Lindenblatt bedeckt war. Siegfried kommt an den Hof des burgundischen Königs Gunther und verliebt sich in dessen Schwester Kriemhild. Um Kriemhild zu heiraten, hilft Siegfried Gunther dabei, die kriegerische Königin Brünhild zu bezwingen. Auf der Hochzeit kommt es zu einem Streit zwischen den beiden Frauen, bei dem Brünhild die Demütigung durch Siegfried aufdeckt. Hagen, ein treuer Gefolgsmann Gunthers, tötet Siegfried daraufhin bei einer Jagd, indem er die verwundbare Stelle mit einer Lanze trifft.
Der zweite Teil des Nibelungenlieds dreht sich um Kriemhilds Rache. Nach dem Tod ihres Mannes heiratet sie den Hunnenkönig Etzel (Attila) und lockt die burgundischen Könige und Hagen zu sich an den Hof. Es kommt zu einem blutigen Kampf, bei dem alle Burgunden, bis auf König Gunther und Hagen, getötet werden. Kriemhild lässt Gunther und Hagen hinrichten, wird aber schließlich selbst von Hildebrand, einem Gefolgsmann Dietrichs von Bern, getötet. Das Nibelungenlied ist ein Werk über Heldentum, Liebe, Verrat und den Untergang einer ganzen Kultur. Es ist ein zentrales Werk der deutschen Literatur und wurde im Laufe der Zeit immer wieder neu interpretiert und verfilmt. Und durch die Jahrhunderte immer wieder auch als eine eindringliche Warnung vor bedingungsloser Macht und Herrschaft, vor Rachsucht, blinder Gefolgschaft und überschießender Wut verstanden.
Und es ist makaber: Was das Lied als Warnung verstand, haben die Nazis als Tugenden gepredigt!
Erst 2002 wagte es Worms als zentraler Handlungsort der Sage aufwendige Nibelungenfestspiele als Freilichtaufführungen vor dem Dom zu begründen. Wobei jedes Mal ein neues Stück bei meist jüngeren, experimentierfreudigen Autoren in Auftrag gegeben wird. Nach 23 Jahren sind aus den Anfängen die schönsten und aufregendsten Freilichtspiele Deutschlands geworden, deren Stücke von den besten Theaterautoren verfasst, von wagnisfreudigen Regisseuren und Regisseurinnen inszeniert und von Stars aus Film und Fernsehen gespielt werden.
In diesem Jahr kommt das Drama „See aus Asche“ vom meistgespielten lebenden Theaterautor Deutschlands: Von Roland Schimmelpfennig, dessen rund 50 Stücke in 40 Ländern gespielt werden.
In Folge 53 von Podcastliteratur.de unterhalten sich Thomas Laue, Dramaturg und künstlerischer Leiter der Wormser Festspiele und Theo Schneider mit dem Autor Roland Schimmelpfennig über sein neues Stück.
(ausführliche weitere Informationen über die Nibelungenfestspiele Worms finden Sie auf https://www.nibelungenfestspiele.de)
Uraufführung von Roland Schimmelpfennig
Intendant: Nico Hofmann
Regie: Mina Salehpour
Volker, der Spielmann: Andreas Grötzinger
Die Geburtsstunde der heutigen Nibelungen-Festspiele schlug am 17. August 2002, als Moritz Rinkes „Die Nibelungen“ vor dem Südportal des historischen Wormser Kaiserdoms uraufgeführt wurde. Die Nibelungen-Festspiele wurden mit der Vision eröffnet, eines der bedeutendsten Werke mittelalterlicher Epik einem breiten Publikum wieder ins Bewusstsein zu rücken und damit auch den Originalschauplatz der Nibelungensage bekannter zu machen: die Stadt Worms – einst wichtiges Zentrum für geistiges, kulturelles und politisches Wirken in Europa. Schon vor der Gründung der Festspiele in 2002 wurde zwei Mal in den Jahren 1938 und 1956 der erfolglose Versuch in Worms gestartet, Nibelungen-Festspiele in der Stadt zu etablieren. Der durch die Nationalsozialisten für ihre Propagandazwecke missbrauchte und für Jahrzehnte kaum im Theater gespielte Stoff bahnte sich mit Hilfe der Festspiele innerhalb weniger Jahre den Weg auf viele wichtige deutschsprachige Bühnen.
Von Beginn an sind die Nibelungen-Festspiele ein großer Erfolg und zählen innerhalb weniger Jahre zu den bekanntesten Open-Air-Festivals. Auf den Stufen vor dem imposanten Wormser Kaiserdom, auf denen einst Kriemhild und Brünhild ihren legendären Königinnenstreit ausgetragen haben sollen, stehen jährlich renommierte Ensemblemitglieder aus Theater, Film und Fernsehen und zeigen die Vielfalt, die der Nibelungenstoff in sich trägt. Die gesamten deutschsprachigen Medien kommen im Sommer nach Worms und berichten von den eindrucksvollen Inszenierungen. Die Festspiele erreichen jährlich ein großes Publikum, sei es live vor Ort oder bei den Fernsehübertragungen von ZDF oder SWR am heimischen Bildschirm und bescheren der Stadt am Rhein eine hohe Aufmerksamkeit.
Seit 2015 ist der erfolgreiche Filmproduzent Nico Hofmann Intendant der Nibelungen-Festspiele. Er macht Worms zur Stätte von qualitativ hochwertigen Uraufführungen, die das Nibelungenthema von einer neuen Seite beleuchten und vertiefen.
Künstlerischer Leiter der Nibelungen-Festspiele seit der Spielzeit 2018
Thomas Laue arbeitete nach dem Studium der Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften und Philosophie in Köln zunächst als Regieassistent und Dramaturg am Staatstheater Kassel. Anschließend war er als freier Dramaturg unter anderem am Schauspiel Bonn und am Theater Neumarkt in Zürich sowie als freier Verlagslektor in Köln tätig. Darauf folgten Stationen als Dramaturg am Schauspiel Hannover sowie als Chefdramaturg am Schauspiel Essen und am Schauspielhaus Bochum. Ab der Spielzeit 2013/14 war er Dramaturg am Schauspiel Köln, ab 2015 bis 2017 als leitender Dramaturg.
Thomas Laue ist seit September 2017 Chefdramaturg der UFA Holding.
Roland Schimmelpfennig, geboren 1967 in Göttingen, ist Autor, Regisseur und vor allem einer der meistgespielten Gegenwartsdramatiker Deutschlands. Er studierte, nach einem längeren Aufenthalt als Journalist in Istanbul, Regie an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Seither schreibt er Theaterstücke für große Häuser wie das Deutsche Theater Berlin, das Burgtheater Wien, das Residenztheater München und das Schauspielhaus Hamburg – aber auch für internationale Bühnen in Stockholm, Kopenhagen, Toronto oder Tokio. Seine Theaterstücke – darunter auch viel gespielte Texte für das Kinder- und Jugendtheater – werden immer wieder mit Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem renommierten Mülheimer Dramatikerpreis. Im S. Fischer Verlag erschien zuletzt Roland Schimmelpfennigs dritter Roman "Die Linie zwischen Tag und Nacht".
1997 Else-Lasker-Schüler-Förderpreis für FISCH UM FISCH
Es ist das Jahr 1956. Das Saarland, bisher von Frankreich verwaltet, kommt zur BRD. Robert ist neun als sein Vater beschließt, seinem französischen Chef nach Marokko zu folgen und seine Familie mitzunehmen.
Nach der langen Fahrt mit einem klapprigen DeuxCheveux, bei der sich Robert, vom ständigen Streit seiner Eltern genervt, an die Zeit seiner Kindheit im Saarland erinnert, landen sie in der französischen Kolonie im Grenzgebiet zwischen Marokko und Algerien, wo der Vater in einem Zinkbergwerk arbeitet und wenig zu Hause ist. Während Robert die fremde, wüstenähnliche Gegend erkundet, die auf algerischer Seite Schauplatz des Kolonialkriegs zwischen Frankreich und Algerien ist, und einheimische Freunde findet, bleibt die Mutter, die nicht französisch spricht, isoliert in der Siedlung zurück.
Mit der Zeit wird sie immer seltsamer: Sie legt sich einen wahren Zoo von Tieren zu, in deren Mittelpunkt eine halbverreckte Ziege steht, die sie aufzupäppeln versucht. Aus ihrem schrägen Verhalten wird bald eine Boderline-Krise, die mit einem fulminant erzählten Showdown endet.
Genau genommen müsste Dominik Bollows Buch also „Die Launen der Zicke“ heißen, denn es ist ja die Mutter, die immer wunderlicher wird, während das Tier nur krank und nicht launisch ist.
Dominik Bollow wurde 1984 in Saarbrücken geboren und lebt in Berlin. Für das Manuskript seines Debütromans, in dem er Teile seiner Familiengeschichte aus der Perspektive seines damals neun- bis fünfzehnjährigen Vaters erzählt, erhielt er 2020 das Ludwig-Harig-Stipendium.
In Folge 51 reden Ralph Schock, ehemaliger Chef der Literaturabteilung des SR, und Theo Schneider mit dem Autor Dominik Bollow, der ausführliche Passagen daraus liest.
»Es wird Zeit, dass du anständig Französisch lernst.«
Dominik Bollow, geboren 1984 in Saarbrücken, lebt in Berlin. Er arbeitet als Redakteur, in der Unternehmenskommunikation und als freier Autor. Für sein Romandebüt »Die Launen der Ziege« erhielt er 2020 das Ludwig-Harig-Stipendium. Zu seinen Veröffentlichungen zählen neben Kurzgeschichten auch Porträts, Reisereportagen und ein Kinderbuch.
Im vorigen Jahr ist er 80 geworden: Jürgen Theobaldy. Er stammt aus Ludwigshafen, ist im Mannheimer Arbeitermilieu aufgewachsen, von dem viele seiner frühen Texte inspiriert sind, in Heidelberg hat er studiert und an der Studentenbewegung teilgenommen, dann ist er nach Berlin gezogen und seit vier Jahrzehnten lebt, arbeitet und liebt er in der Schweiz.
Als Dichter hat er Literaturgeschichte geschrieben als er und andere junge Autoren in den 70er Jahren die deutsche Lyrik erneuert haben mit „Alltagslyrik“ und „Neuer Sensibilität“. Indem sie alltägliche Erfahrungen zum Gegenstand ihrer Gedichte machten und in umgangssprachlichen Redeweisen formulierten. Und im Gegensatz zu damals verbreiteten Forderungen politisch propagandistisch zu schreiben, bestanden sie auf der Wichtigkeit auch ihrer ganz persönlichen, intimen Gefühlen, Gedanken und Erfahrungen und auf deren Ausdruck in ihrer Literatur.
"Er war damals fast ein literarischer Star durch seine ersten Gedichtbände und durch Prosa…Schlank, auf seine Art elegant in den Bewegungen, schlaksig, leicht mannheimerisch eingefärbter Ton, immer ein bisschen auf ironischer Distanz. Wo er war, war er dabei, gehörte aber nicht dazu. Er war stets für sich… Für immer verließ er das aufgeregte, aber auch ausgeleierte Berlin und das schriftstellernde Milieu, dem er nie ganz angehört hatte.“ (schrieb Thomas Schmid in der „Welt“ zu seinem 80. Geburtstag 2024)
Ich selbst kenne Jürgen Theobaldy, den alle „Theo“ nennen, seit mehr als 40 Jahren, hatte damals alles von ihm gelesen, ihn nach seinem Umzug in die Schweiz aber etwas aus den Augen verloren. So war es eine umso größere Freude, ihn vor einigen Jahren wiederzusehen und die Bekanntschaft, die an eine Freundschaft grenzt, wieder aufleben zu lassen und ihn für die Mitarbeit an podcastliteratur.de zu gewinnen.
Die Aufnahme, die Sie hier hören können, ist im vorigen Jahr entstanden und bietet einen sehr fundierten und genauen hoch spannenden Überblick über Leben, Literatur, Motive, Hintergründe und Schreibweisen von Jürgen Theobaldy.
Der gleichzeitig einen wichtigen Umbruch in der Literatur der Bundesrepublik markiert, erklärt und nacherleben lässt: Den Umbruch von einer Lyrik in den Nachkriegsjahrzehnten (für die Namen wie etwa Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Peter Huchel oder Günther Eich u.a. stehen) und der Generation von jungen Autoren, die in der Nachfolge der us-amerikanischen „beat-generation“ oder anglo-amerikanischer Beat,-Rock- und Bluesmusik Themen des Alltagslebens in ihre Texte aufnahmen und diese nicht mehr hermetisch verschlossen, sondern in alltäglicher Sprache formulierten. Ganz entscheidend ist für diesen Umbruch auch ein doppeltes Verhältnis zur Politik. Einerseits das heftige, oft auch persönliche aktive Engagement in Studentenbewegung und außerparlamentarischer Opposition, andererseits aber auch die Verweigerung, sich rigiden linken Beschränkungen zu unterwerfen und auf dem Ausdruck persönlicher Gefühle und Gedanken zu bestehen: So entstanden Alltagslyrik und Lyrik der Neuen Subjektivität.
Jürgen Theobaldy ist einer ihrer Begründer und herausragenden Vertreter. Wie etwa Nicolas Born, F.C. Delius, H.C. Buch, Hugo Dittberner, Rolf Dieter Brinkmann u.a. mit denen Jürgen Theobaldy befreundet oder gut bekannt war.
Jürgen Theobaldy, 1944 geboren, der aus einer Ludwigshafener Arbeiterfamilie stammt, wuchs in Mannheim auf. Nach einer kaufmännischen Lehre absolvierte er ein Studium zum Grund- und Hauptschullehrer an den Pädagogischen Hochschulen in Freiburg im Breisgau und Heidelberg. Danach studierte er Literaturwissenschaft an den Universitäten in Heidelberg und Köln sowie seit 1974 an der Freien Universität in Berlin. Seit 1984 lebt er in der Schweiz.
Von der Stadt Bern erhielt er 1992 für sein Werk In den Aufwind und 2003 für Trilogie der nächsten Ziele einen Buchpreis.[1] Die Literarische Kommission der Stadt Bern verlieh ihm für sein Gesamtwerk den Literaturpreis 2006.[2][3]
• Sperrsitz. Gedichte. Palmenpresse, Köln 1973.
• Benzin. Heidelberg, Jg. 1971–1973.
• Aras Ören: Der kurze Traum aus Kagithane. Rotbuch Verlag, Berlin 1974 (Bearbeitung der Übersetzung von H. Achmed Schmiede)
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